Der 10-Sekunden-Buster

Es gibt Filme, die schaffe ich mir auf DVD nur an wegen einer bestimmten Szene. Zehn Sekunden Film die ich wow finde – der Rest der DVD ist Bonusmaterial.

Vorgestern erst habe ich dran gedacht, da war ich nach laaaanger Zeit wieder im Kino. In „Monsieur Claude und seine Töchter“ ( http://de.wikipedia.org/wiki/Monsieur_Claude_und_seine_T%C3%B6chter – der Originaltitel: Qu’est-ce qu’on a fait au Bon Dieu? ist wie meistens viel besser als die deutsche Übersetzung). Der Film lebt so und so davon sämtliche Klischees und alle Klischees über Klischees mal so richtig breitzuwalzen – siehe Filmkritik auf Wikipedia – vor allem die über die Schwiegersöhne des titelgebenden Monsieur Claude: Rachid Ben Assem, David Benichou und Chao Ling. Auch der Film hat eine wunderbare Szene, die derartig besser nicht sein könnte:  In einem Ausdruck einigermaßen riesengroßer künstlerischer Freiheit läßt der Regisseur Philippe de Chauveron die drei Schwiegersöhne (muslimisch, jüdisch und irgendetwas fernöstliches das nicht spezifiziert wird) ihre Schwiegereltern in die katholische Weihnachtsmesse begleiten (es ergibt im Zusammenhang einen Sinn). Geschenkt, das ist Kino. Jedenfalls: der Blick, den sich David und Rachid angesichts des (auch noch schlecht gesungenen) Weihnachtsliedtextes ‚…le divin enfant…‚ zuwerfen, ist allein schon den Preis für die Kinokarte wert!

Ähnlich ist es beim Simpsons-Kinofilm ( http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Simpsons_-_Der_Film ). Die Szene wegen der ich die DVD habe ereignet sich bei der Ankündigung dass Springfield zerstört werden soll: Auf der Hauptstraße sind eine Kirche und eine Bar zu sehen (Entschuldigung, die, jeweils!), aus denen Leute gelaufen kommen. Dann wird die bevorstehende Zerstörung Springfields verkündet: alle schreien laut los – und rennen in gefühlter Lichtgeschwindigkeit ins jeweils andere Gebäude. Das ganze Wesen der menschlichen Natur in zehn Sekunden Film. Genial.

Oder die Szene mit den Möwen aus Findet Nemo ( http://de.wikipedia.org/wiki/Findet_Nemo ): ‚Meins! Meins! Meins!‘ – Kult. Kung Fu Panda 2, ( http://de.wikipedia.org/wiki/Kung_Fu_Panda_2 ) der erklärt: ‚Mein alter Feind – Treppen!‘

(und viele andere mehr, wenn ich dieser Seite glaube: http://tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/Funny/Film & http://tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/Awesome/Film )

Es gibt Filme, die haben eine solche Szene, und es gibt welche ohne. Dazu braucht der Film nicht einmal auf der ganzen Länge gut zu sein; zehn Sekunden allein sind manchmal Legende.

Eigentlich braucht dann keiner mehr ins Kino gehen: eine Szene pro ein paar Filme reicht.

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Veröffentlicht am August 22, 2014 in Cineastisches, Smalltalk und mit getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 5 Kommentare.

  1. … die einzige Szene aus den drei Über-Filmen Lord of the Rings, jeder dauert zwei Überst-Stunden, die Credits rauschen tausende und mehr tausende Namen durch, und der einzige Satz (denk ich mir so!) ist dieser, wo sich einer mal nicht Ernst nimmt und mal weder Pathos noch auf Blitzen noch auf Existenz macht, nämlich Viggo Mortensen, der eine Sekunde vergisst, der Schönling und verkannte Überkönig in spe Aragorn zu sein, und der im Umdrehen sagt, „come on, let’s kill some Orks“.

    Da hat er den Sinn dieser milliardenteuren, heroisch zu ertragenden, unzähligen Filmstunden um’s Sein oder Nichtsein klar erkannt.

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  2. Leider lässt sich Lovecrafts Dream-Quest of the Unkonwn Kadath nicht oder kaum oder ganz unmöglich verfilmen 😀 , sehr schade!, denn Udo Kier als Nyarlathoptep (kleine Nebenrolle) und Robert de Niro als Katze von Ulthar (noch kleinere Nebenrolle) und Marty Feldman als schieläugiger Kaufmann (winzige Nebenrolle) wären ja so sehenswert.
    Und die Hauptrolle?, ich hab grad in der Küche vor drei Käsebroten hin und her überlegt, ob Randolph Carter besser von Louis de Funès oder doch mehr von Dolph Lundgren verkörpert werden sollte, und naturgemäß beim zweiten Käsebrot kam ich auf’s Naheliegenste, naturgemäß auf Gerd Buurmann!, der den Funès und den Lundgren und den Frodo und den Bela Lugosi und die Inge Meysel kann, also kann er dann den Randolph Carter überaus par excellence.

    Besonders diese eine Szene, dieser einzigen Moment der Wahrheit, nämlich diesen (in meiner Ausgabe des Buchs steht auf der letzten Seite, „alors Randolph Carter se réveilla en criant dans sa chambre de Boston“), darum geht’s :D, einer hat komisch geträumt und wacht nu auf im Lotterbett, spitzer Schrei am frühen Morgen, das ist die Geschichte vom Kadath. Tel Aviv, wie der Franzose sagt.
    Also besser doch ’nen Kurzfilm draus machen?

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    • *LOL!* (Lovecraft, und Käsebrote, und Alpträume, und Boston und Tel Aviv, und frühmorgens, und Kurzfilme, und überhaupt – lol!)

      Gerd Buurmann spielt Alpträume ja traumhaft, stimmt. Der wäre eine gute Besetzung für einen Kurzfilm. Und warum dann nicht gleich alle Rollen, wie beim Faust?

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      • … besonders, wenn er dann die Mondbestien mimt, die kann er aus dem Stand (im Liegen), und die Shantak-Vögel?, für die muss er etwas proben.

        Der gigantische Steinbruch hinter dem Pass zur Kalten Öde („plus vétuste que tout l’humain“ usf.) wird ihm etwas schwerfallen, aber auch den wird er machen, und Azathoth?, nu!, mit Kusshand.

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