Gesellschaft auf dem Weg zu den Sternen

Hier bei mir im Bücherregal (vor einiger Zeit gelesen) ist die Science-Fiction-Duologie: Sternenspiel und Sternenschatten (von Sergej Lukianenko). Beim ersten Teil ist sogar der englische Titel The Stars are Cold Toys besser als der deutsche. Immer dasselbe mit Übersetzungen (auch wenn Sternenschatten sich garnicht so schlecht anhört) . Eine Buchbesprechung ist z.B. hier: http://tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/Literature/TheStarsAreColdToys

Diese Bücher sind keine politische Analogie, nicht per se. Aber als derjenige mit der Erzählperspektive im Schlepptau sich in geheimer Mission (was erwarte ich auch – das ist SciFi, die muß, die Geheimmission!) bei den ‚Geometern‘ umtut, kommt einem deren Gesellschaft öfter mehr als nur vage bekannt vor…

Der reisende Geheimagent ist Gestaltwandler, kann also sehr überzeugend so aussehen, daß ihn die Geometer für einen der Ihren halten und sich bei ihnen ausführlich umgucken. Und was er sieht, sind linke Utopien:

Den Namen ‚Geometer‘ gibt er ihnen, weil sie ihre Welt komplett umgebaut haben: alle Kontinentumrisse sind exakte geometrische Formen. So geht das schonmal los mit dem Weltbild nach ihren Vorstellungen gestaltet. Und auch alle Menschen (was erwarte ich auch – das ist SciFi, das muß daß sich alle selbst ‚Mensch‘ nennen) haben sich perfekt ins Weltbild zu fügen, ins ideologische, hier. Jedes Kind wird auf einem staatlichen Internat erzogen, wo die Ausbilder feststellen und festlegen, wie es der Gesellschaft als Erwachsene(r) dereinst am nützlichsten ist und welchen Beruf es auszuüben hat. Das und alle Tätigkeiten auf dem Weg dorthin werden von oben aufoktroyiert. Nicht nur was jemand tut, auch wo jemand wohnt, was jemand hat und selbst was jemand zu denken hat. Alles wird festgelegt; alle Meinung ist Konsens. Aber da hört es nicht auf: auch Fortschrittsdenken, Healthstyle, Wellnessfaktor und Überlegenheitsdenken durchdringen diese Gesellschaft in einem Ausmaß, das ist der feuchte Traum aller ganz Linken! (Im Buch wird ein Gerichtsverfahren beschrieben, in kuscheliger Wohlfühlatmosphäre im Bistro – grad daß es nicht am Stammtisch ist. Herrlich!)

Und alle dort wollen das so und nicht anders haben. Sie sind davon begeistert! Nicht weniger als es Nietzsches letzte Menschen sind: „Die Erde ist dann klein geworden, und auf ihr hüpft der letzte Mensch, der alles kleinmacht. […] „Wir haben das Glück erfunden“, sagen die letzten Menschen und blinzeln. […] Ein wenig Gift ab und zu: das macht angenehme Träume. Und viel Gift zuletzt, zu einem angenehmen sterben. Man arbeitet noch, denn Arbeit ist eine Unterhaltung. […] Man wird nicht mehr arm und reich: beides ist zu beschwerlich. Wer will noch regieren? Wer noch gehorchen? Beides ist zu beschwerlich.  […] Jeder will das gleiche, Jeder ist gleich: wer anders fühlt, geht freiwillig ins Irrenhaus. […] Man ist klug und weiß alles, was geschehen ist: so hat man kein Ende zu spotten. […]  Man hat sein Lüstchen für den Tag und sein Lüstchen für die Nacht, aber man ehrt die Gesundheit. „Wir haben das Glück erfunden“, sagen die letzten Menschen und blinzeln.

Natürlich sollen das Kommunisten sein: wer nicht so ganz begeistert ist, landet im Arbeitslager (jetzt ists dann wohl eine Dystopie geworden). Was auch dem Protagonisten passiert. Der allerdings verwandelt sich in ein fischähnliches Wesen, schwimmt davon und flieht von diesem Planeten (SciFi kann so schön sein!).

In einer kleinen Nebenhandlung im zweiten Buch rächt er sich an dieser Gesellschaft der Geometer, aus ihrer Perspektive ganz fürchterlich. Das tut er indem er auf diesem Planeten überall Tore aussäht, die alle die sie betreten oder alle die auf diesem Planeten sterben überallhin führen – überallhin in andere Welten, wohin auch immer, der Wunsch genügt. Diese Tore schenken die absolute Freiheit – und treten eine Abstimmung mit den Füßen ohnegleichen los (SciFi kann so schön sein!).

Woraus zu schließen wäre, möglich: nichts fürchten Kommunisten-Lookalikes so sehr wie absolute Freiheit.

 

Und das nächste Buch das ich unbedingt mal lesen will ist The City of Gold and Lead – ein paar Episoden der BBC-Verfilmung habe ich schon gesehen, und die Handlung hat nichts, garnichts mit ihr zu tun; aber eine ‚Stadt aus Blei und Gold‘ – da fällt mir spontan nur eine ein, Jerusalem. Das Gold, sagenhaft, in den Wünschen derer die sie behalten wollen; und das Blei, unvermeidlich, in denen derer die sie gern verschwunden sähen. Seit ewigen Zeiten.

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Veröffentlicht am August 27, 2014 in Literarisches, Smalltalk und mit , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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