Serviceoase München

Gestern Abend komme ich gerade von meinem Sechswocheneinkauf; schon einigermaßen K.O. mit dem ganzen Wagen voller Wasserkisten, Saftflaschen, Konservendosen, Milchkartons, Apfelmusgläser, Mehltüten, Nudelpackungen, Eierkartons, … holt Luft … Kekstüten, Marmeladengläser, Müslikartons, Teebeutel, Joghurtbecher, Gemüse, Kaffee, Käse, Zucker, Reis, Brot, und was auch immer. Alles zusammen jedenfalls vor allem: schwer!

Mit Warnblinker schere ich in die Feuerwehrauffahrt nebenan ein; schon der Gedanke an das kommende halbstündige Fitnessprogramm die Treppe hoch zu meiner Wohnung läßt mich in wahre ‚Begeisterungs’stürme ausbrechen.

Hinter mir hält für irgendeinen der Nachbarn ein Essens-Lieferservice mit zwei freundlichen Catering-Boten im Wagen.

Und ob Ihrs glaubt oder nicht: die beiden haben sich zusätzlich zu ihrer Lieferei noch schnell zu Scherpas gemacht und mir das ganze schwere Zeugs in die Wohnung geschleppt.

Danke Jungs, Ihr seid mein Glücksfall des Monats!

(So kam ich dazu ein Trinkgeld zu geben wo ich garnichts bestellt hatte; etwas das auf was-jemand-vor-dem-xten-Geburtstag-gemacht-haben-sollte – Listen durch Abwesenheit auffällt.)

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Veröffentlicht am September 4, 2014 in Smalltalk, Zufälliges und mit getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 11 Kommentare.

  1. … und die beiden haben Dich nicht zum Essensauto-Essen eingeladen?, tsiss!, die waren ja nur Schlepper 😀

    Das Schwerste, allerschwerste, das ich einst in meine Wohnung schlopp (geschtorckenes Werpp), war meine Ghoulkiste. Ich habe nämlich eine (sie ward hiesig schon irgendwo erwähnt), wohl mit Ghoul darin, aber das weiß niemand, außer vielleicht dem Ghoul.
    Hatte sie dereinst in Hildesheim abgeholt, bitte?, Hildesheim?, was soll man da?, nein, da soll man nichts sollen, es sei denn, man hat sich blankgewienerte neuwertige romanische Kirchen anzusehen, etwa drei Stück, eine blankgewienerter und brandneuer als die andere, obgleich die älteste von etwa 1015 ist (mit Kassettendecke von 1186) und die jüngste von 1172, aber die sind von 1999!, so sehen die aus, hildesheimerischer als dieses Hildesheim selbst, blankgewienert und blankgewienerter bis zum Exzess, wobei dieser Aspekt von Hildesheim (der einzige Aspekt von Hildesheim) wirklich sehr Hildesheim ist, sowas von Hildesheimaspekt!, und dann noch diese ganzen neuestromanischen Kirchen von 1999.

    Da musste ich jedoch durch, war unterwegs, und ich hatte also für 120 Euro von ferne über Fotos diese Ghoulkiste gekauft. Damals hatte ich noch 120 Euro 😉 , man glaubt es kaum. Holte also dorten jetzt diese Ghoulkiste ab (mit dem Auto, das ich damals auch noch hatte, man glaubt es kaumer), und der Mensch, bei dem ich sie abholte, hieß Adolf, und er lotste mich durch ein Gemüselager, alles voller Gemüse, erst Gurken und Tomaten und mehr Gurken und noch mehr Tomaten, dann die Rüben. Bei den Rüben hinten stand diese Ghouliste, das passte. Barock naturgemäß, mit zitierten spätgotischen Eselsrücken an den Seiten und Volutenzarge vorn, was sonst!, drunter mach ich’s nicht, Barock muss scho‘, aber – also, die sah aus. Nu, aussehen tun Ghoulkisten halt, es gibt weltweit keine Ghoulkiste, die nicht aussähe, nichtmal eine unbarocke. Aber diese hier sah wirklich, wirklich schlimm aus. So sagte ich zum Adolf. In Hildesheim. Im Gemüselager, mitten drin in den Selleries und Kartoffelsäcken sagte ich zu Adolfn, dass die Truhe (man sagt ja Truhe!, man sagt ja nicht Ghoulkiste ), dass sie ja also wahrlich schlimm aussehe.
    Wobei sie so als Ding-An-Sich in Wahrheit besser aussah denn je, denn allerliebst angehübschte Truhen, die zwar alt sein mögen, die aber hübsch neu aussehen sollen, wegen der Hausfrauen und so, die sind halt neu gewachst und neu poliert und so, die sind auch oft gefälscht!, die sehen dann nämlich aus wie Hildesheim selbst. Aber wenn an einer Truhe nie was gemacht worden ist, dann sieht sie SO aus wie diese Ghoulkiste. Das ist GUT. Obgleich ja SCHLIMM.
    – So auflösungslos enantiodromisch und nicht zu klären ist das nun mal 🙂

    Das Lindenholz (so erspähte ich im schrägen Licht dorten zwischen den Runkelrüben und Radieschen und Ginsengknollen des Adolfs) war wohl mal gewachst worden, so um 1700, und dann hatte man es so gegen 1850 im Wahne von 1850 mit einer Bierlasur versehen, das ist so eine braune Soße aus Bier von 1850, die gern übers Holz gemacht wurde so um 1850, weil man das zu der Zeit schön fand, wenn Holz nicht nach Holz aussah, sondern nach brauner Bierlasursoße von 1850. Das Gute an dieser Art Holzlasur ist freilich, dass sie nie abgeht. Und das Schlechte an dieser Holzlasur ist eben, dass sie nie abgeht 😉 . Ich habe keine Ahnung, wie man die abmachen sollte, ohne gleichzeitig die Patina der Jahrhunderte untendrunter und auch gleich noch das barocke Wachs mit wegzumachen.
    Weswegen man dann aus Bedenken, zuviel wegzumachen, eben gar nichts wegmacht – nichtmal den Ghoul, der darin haust.

    Ich sagte also zu Adolfn zwischen den Mohrrübenhaufen und den Pastinakenbündeln, dass ich für diese Truhe in dem Zustand aber nur 60 Euro bezahlen könne. Er sah in die uferlosen Schichten seines Gemüses und nickte melancholisch. So. Und dann schlopp ich mit dem melancholischen Adolf diese Ghoultruhe zum Auto, und dieses Geschlopp war eins der schwersten ever!, also wirklich ein Geschlepp des Geschlepps im Geschleppe hoch sieben, geschleppter kann ja gar nichts sein.
    Das Auto hing durch, sehr, sehr durch, armes Auto!, es konnte ja nichts dafür, die Klappe band ich notdürftig auf die Ghoulkiste drauf, weil so eine Ghoulkiste naturgemäß eine ganz andere Gewichts-, Größen-, ja Seinsordnung hat als so ein Auto ausm späten zwanzigsten Jahrhundert!, die ist nämlich aus einer sagenhaften Zeit, als es keinen Kaffee gab, aber noch Drachen und Hellebarden und den Großen Nordischen Krieg und die Kleine Eiszeit und so. So was wird ja heutzutage gar nicht mehr gebaut.

    Die Ghoulkiste in die Wohnug zu kriegen war dann ein wirklich großes Problem. Schon diese Fahrt, weia!, und soviel frische Luft!, und diese Auspuffgase immerzu!, ich kam als halber Ghoul an, und jetzt das Hochschleppen, ähm?! Drei Uhr Nachts auch noch, nu, diese ist die Stadt, die nie schläft, und dieses Stadtviertel schläft am Allerniehesten in dieser nieschlafenden Stadt, und um drei Uhr Nachts ist man also hier erst richtig wach – weswegen jetzt prompt der gute Geist des Hauses voerbeikam. Da kam er. Einfach so. Der ist ein sehr guter Geist, ein richtiger Arbeiter, ich kenne sonst keine Arbeiter, es gibt ja kaum noch Arbeiter, aber der ist einer, knorrig wie eine Mooreiche, immer schon wach um halb fünf, eigentlich immer wach und Steinberge schleppend und Dächer deckend und so.
    So was wird ja heutzutage gar nicht mehr gebaut.
    Und mit dem schleppte ich die Ghoulkiste in die Wohnung. Enntsetzlich. Wenn sie abgestürzt wäre, sie hätte den guten Geist und mich zur Unkenntlichkeit zerquetscht, ohne selber eine Schramme abzukriegen. Das heftigste Geschleppe ever, Waschmaschinen sind ja gar nichts dagegen!, ah wah, Waschmaschinen, das Bissele Béton da drin, lächerlich!, hingegen diese Ghoulkiste, also die, oh ahh.

    Seitdem ist sie hier und sieht schlimm aus – aber nur, sofern man die spätgotisch zitierten Eselsrücken, die Volutenzarge und diese bossierten Kassettierungen nicht sieht. Die muss man schon sehen, wenn nötig, mit Gewalt 😀

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    • Wie man die braune Bierlasursoße von der Ghoulkiste wegkriegt? Heißt es nicht hierzulande: „Schnaps auf Bier, das rat ich dir“? Ich würde es probieren.

      Hast Du schon darüber nachgedacht, wie Du den Ghoul aus seiner Kiste locken könntest? Vielleicht mit Liedern oder mit Düften? Man könnte auch versuchen, seine Sprache herauszukriegen.

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      • … er flucht scheints auf Arabisch, manchmal ist asoj eppes zu hören von ferne, und wenn dieses zu Hörende denn von ihm geflucht wird?, um so besser, denn es gibt hier leider auch gewisse Nachbarn. Da ist mir der Ghoul etwas lieber.

        Ich habe mal versucht, ihn mit einer CD von Glenn Ghould herauszulocken, vergebens, weil wohl zu ästhetisch. Mit dem Rauch von Ghauloises wäre es zu probieren. Wenngleich ihn das vielleicht ärgert und er dann richtig auf Arabisch zu fluchen anfängt.

        Howard Philips Lovecraft kannte sich damit aus – aber den kann man nicht fragen, es sei denn, er ist es!, weil er sich womöglich zu gut damit auskannte, und ihn dann zu fragen kann auch in die Hose gehen, weil er dann höchstwahrscheinlich was von den Nightgaunts, vom Valley of Pnath (wo die Ghoule nagen) und von den sinisteren Horns of Throk (in deren Schatten die Ghoule nagen) erzählt, oder gar vom unvordenklichen Kadath!, und dann kann ich doch nicht einschlafen.

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        • P.S.
          Der Gemüsehändler Adolf Schmitt wusste schon genau, weshalb er diese Ghoulkiste für den Preis dreier ziemlichgroßer Einkäufe so unbedingt und ohne Klagen loswerden wollte

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        • Was für ein Jid bist Du denn? So gar nicht nach – häm – Célines Bild. Der Gemüsehändler ist froh, die suspekte Ghoulkiste loszuwerden – und zahlt nicht drauf?
          Wäre interessant zu wissen, ob er den Ghoul gesehen hat und daraufhin beschlossen, das fluchende Wesen abtransportieren zu lassen.
          Oder aber der Ghoul flucht nicht, sondern versucht und versucht, etwas mitzuteilen. Versetz Dich in seine Lage! Mag sein, dass die Frage: Wie erreiche ich den, sich ihm schon länger und drängender stellt als Dir.

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        • Ojwawoj, ach überhaupt, Céline über die Jiddn:

          « Pleurer, c’est le triomphe des Juifs ! Réussit admirablement ! Le monde à nous par les larmes ! … Les juifs, racialement, sont des monstres, des hybrides, des loupés tiraillés qui doivent disparaître […] que des bâtards gangréneux, ravageurs, pourrisseurs »

          Also hätt ich dem Adolf die Rüben vollheulen müssen, um dann monströs zu verschwinden, nicht ohne zuvor sein Gemüs‘ zu raviolisieren und zu pürieren.

          – Vielleicht wüsste dieser Ghoul, warum Céline das geschrieben hat?, scheint er doch damit gemeint zu sein

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        • Du meinst, Céline habe den Ghoul irrtümlich für einen Juif gehalten, und dessen Ansichten und Verhaltensweisen den Nicht-Gaulois einfach zugeschrieben?
          Oder war der Ghoul, den Du hoffentlich gut sicherheitsverwahrst, so infam, dem Céline Bagatelles pour un massacre zu diktieren? Du sagst, der Ghoul fluche auf Arabisch? Hm.
          Am Ende hältst Du noch denjenigen gefangen, der gesagt hat: „Tötet jeden Juden, der unter eure Macht fällt“.

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        • Mo-Mo in der alten Kist‘
          nagt und flucht und kackt und niest,
          hat Céline so ganz vermiest –
          ojwawoj. Dschihad ist trist.

          – Gut Schabbes Dir 🙂

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  2. Auf meiner nächsten Geburtstagswunsch-Liste:

    kostenloses Tütenschleppservice am ersten Montag eines jeden Monats (danke für die Anregung)
    immer genügend Tabak im Hause
    Nächte ohne Träume
    Tage ohne Träume
    große Reserve an Iwrit-Krimis
    die Zuneigung der mir Lieben
    ein Jahr ohne antisemitische Angriffe
    einen zuverlässigen Wecker
    Wiederauftauchen meines Israel-Rings (mit menojre)
    Wunder
    Strümpfe ohne Löcher
    eine blühende medine
    Reichtum
    einen milden Winter
    das, was man nicht schreiben kann

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