Der Begriff des Tages

Eine kleine, in Zusammenarbeit mit Freunden entstandene Sammlung von Worten. Wörtern und Sprüchen die kaum einer kennt, die es eigentlich nicht gibt, die mir gefallen – oder mich nerven.

  • nutmeg
    Meine Vermutung in der Cocktailbar: „Irgendsoeine Nußgeschichte?“ Nachgeschlagen: Muskatnuß.
    Das ist aber erst die halbe Bedeutung, witzig ist die Konnotation: es gibt doch tatsächlich ein englisches verb ‚to nutmeg‘. Gemeint ist ein Spielzug beim Fußball, das tunneln. Keine Ahnung wie die Briten gedanklich Fußball und Muskat verbinden. Leider allerdings; wenn statt der Fußballspieler die Elektronen tunneln – heißt das auf englisch wave-mechanical tunneling. Schade.
  • I’m simply overquestioned
    sagt ein Bekannter, wenn er überfragt ist.
  • Tankini
    … ist ein Bikini, bei dem das Oberteil wie ein Spaghettishirt aussieht (ich hätte einfach Bikini dazu gesagt, aber da denke ich wohl zu einfach). Hat nichts mit Tankstelle und nichts mit Militär zu tun. Meine ich…
  • Eine paar schöne Wörter aus dem Wissenschaftsenglisch:
    bremsstrahlung
    gedanken experiment
    ansatz
  • Wenn wir schon beim Englischen sind:
    to shlepp und rucksack
    weiswursht
    und dirndl
    gesundheit!
  • Yob’s comma
    Laut gelesen: „Japskomma“ – und das heißt es auch. Ein englisches Lehnwort aus dem Deutschen, das es im Deutschen selbst garnicht gibt. Schön, oder? (Wobei man fairerweise sagen muß, daß die Kommaregeln im Englischen auch nichts für schwache Nerven sind.)
    The New Statesman, ca. 1970 hat geschrieben:
    The yob’s comma, of course, has no syntactical value: it is the equivalent of a fuddled gasp for breath, as the poor writer marshalls his battered thoughts.
  • bait and switch
    (wörtl. etwa „ködern und vertauschen“) englische Bezeichnung für eine rhetorische Taktik: wird jemand bei einer Lüge ertappt, gibt er sie zu und erzählt stattdessen eine weitere Lüge (switch), die sich belegbar (bait) etwas näher an der Wahrheit befindet.
  • Chorionalantoismembran
    nennt sich das Häutchen zwischen Ei und Eischale offiziell. Nicht daß dieses Dings mit dem Namen, lang wie der Versuch das Ei da herauszuschälen, zu nichts gut wäre: seit die Arzneimittelforschung es für sich entdeckt hat ist sie wesentlich tierfreundlicher – die Membran ist nämlich ein Multitalent. Vorrausgesetzt das Ei ist nicht gekocht dient sie als Modell für Haut, Augen und teilweise sogar Lunge und Gefäßsystem – was entsprechende Tierversuche ersetzt oder reduziert.
    Wer nicht analog zum Embryonenschutzgesetz denkt das – so auf Tiere angewandt für die es nicht gilt – ein (befruchtetes) Ei als lebendigen Vogel zählen würde kann also beim Frühstück ein kleines Stück aktiven Tierschutz bewundern.
    Vielleicht ein kleiner Ausgleich wenn sich das Ei mal wieder nicht schälen läßt.
  • Ein Neologismus der politischen Art: in Vereinen und deren Rundschreiben werden öfter alle
    Mitgliederinnen
    und Mitglieder eingeladen – und dann auch so begrüßt. Nein wirklich – jemand überliest wohl konsequent den Artikel ‚das‘. Als weibliches Mitglied komme ich mir da irgendwie immer lächerlichgemacht vor. Ich bestehe eigentlich nicht auf persönliche Begrüßung der Damen (ich bin ja nicht politisch überkorrekt), aber ein Bißchen Respekt sollte andererseits schon sein. Klemptner_Innen ist nebenbei die derzeit politisch korrekte Schreibweise für alle die dem Installateurhandwerk nachgehen. Der Unterstrich dient dazu keine zu beleidigen die Inter-, Trans-, Bi-, Homo- oder sonstwie sexuell sind. Vielleicht der Grund für immer mehr englische Berufsbezeichnungen: die umgehen das Problem gleich.
    Wie sprach schon der Priester nach der Kirchenrenovierung?
    :beten: Liebe Gläubige und Gläubigerinnen…
  • Jasminranke
    stand im Blumengeschäft auf der Pflanze für meinen Balkon. Und wo ‚Jasminranke‘ draufsteht war – bittersüßer Nachtschatten drin. Zwei Meter hoch, wunderschön, voller betörend duftender Blüten – und hochtoxischer halluzinogener Alkaloide. Die im Blumengeschäft wussten nicht was das ist und wie giftig (das Gift des Nachtschattens ist eins wo der Kater vor dem Rausch kommt; abgestrittene Absicht wird das wohl keine gewesen sein).  Ich hoffe irgendwo das war entweder der einzige den sie hatten oder der erste der verkauft wurde. :think:
  • Nach urewigen Zeiten habe ich einen Gag aus einem Woody-Allen-Film kapiert. :lol:
    Der Film spielt zum Teil in der Hölle. Im circa vorletzten Kreis der Verdamnis wird von einem Teufel jemand vorbeigepeitscht den der Protagonist fragt: „Und wieso sind Sie hier unten?“ Die Antwort „ich habe die Aluminiumverkleidung für Gebäude erfunden“ verwirrt erstmal. Mir ist nie aufgegangen wieso Woody Allen ausgerechnet Bausünden als verdammungswürdiges Verbrechen ansieht. Bis ich zufällig bewußt gelesen habe wie diese Aluminiumverkleidung-für-Gebäude denn heißt:
    Verblendung
  • Q
    (nach dem Tüftler aus den James-Bond-Filmen) wollte ein schwedisches Ehepaar unbedingt seinen Sohn nennen und ist damit vor den obersten Gerichtshof gezogen. Begründung: unangebrachter als ‚Metallica‘ oder ‚Elvis‘ ist es auch nicht. Dafür gab es in China ein Baby namens @ (was auf chinesisch wohl wie ‚Liebe‘ ausgesprochen wird – chinesisch kann ich nicht). Die armen Kinder!
  • Auch witzig: beim Adjektiv allwettertauglich gilt  die Nacht als ‚Wetter‘.
  • Auf einem Mittelaltermarkt war ein Essensstand mit Bio-vegetarisch-Spieß-Falaffel-Wrap-esoterisch-exotisch-abgehoben-schiki-miki oder ähnlich. Ich mußte so lachen als ich gesehen habe wie er sich nennt:
    Chakula
    Was Swahili ist und schlicht „Was zum Essen“ heißt. Ich hatte noch überlegt die Fallaffelspießverkäufer ein Bißchen zu ärgern mit der Frage was ihr schicker geheimnisvoller und bestimmt ökologisch wertvoller Name heißt, das vor Lachmuskelkater aber nicht herausgebracht. An dem Stand gleich auf Swahili zu bestellen* ist mir erst später eingefallen – außerdem stand mir der Sinn eher nach Schoko-Bananen-Crepe. (*Habari yenu! Ninaomba chakula moja, tafadhali. = Hallo zusammen! Ich möchte gerne einmal von dem „Futter“, bitte.)
  • Pauli-Effekt
    benannt nach Wolfgang Pauli, aber überhaupt nix Quantenmechanisches, sondern Dinge als zusammengehörig zu erleben die ursächlich garnichts miteinander zu tun haben.

    Markus Fierz, der Physikschüler der von Pauli auch als ‚Bruder im Geiste‘ bezeichnet worden ist, hat dies einmal wie folgt beschrieben: „Auch ganz nüchterne Experimentalphysiker waren der Ansicht, daß von Pauli seltsame Wirkungen ausgingen. Man glaubte z.B., seine bloße Anwesenheit in einem Laboratorium erzeuge allerhand experimentelles Mißgeschick, er erwecke gleichsam die Tücke des Objektes. Das war der ‚Pauli-Effekt‘. Darum hat ihn zum Beispiel sein Freund Otto Stern, der berühmte Künstler der Molekularstrahlen, nie in sein Institut hereingelassen. Das ist keine Legende, ich habe Pauli und Stern beide sehr gut gekannt! Pauli selbst hat an seinen Effekt durchaus geglaubt. Er hat mir gesagt, er spüre das Unheil schon vorher als unangenehme Spannung, und treffe dann tatsächlich – einen Anderen! – das erahnte Mißgeschick, so fühlte er sich merkwürdig befreit und erleichtert.“

  • Tokpisin
    ist eine polynesische Sprache, die zwar Tokpisin geschrieben wird, aber so ausgesprochen daß ein Engländer ‚talk pidgin‘ versteht. Daher gibt es eine Mischung aus Tokpisin und Englisch, das Pidgin-Englisch (mit englischen Begriffen und anderer Grammatik, was Sätze wie ‚Now youme go…‘ ergibt), die es zum Synonym für ‚grammatikalisch falsches Englisch‘ geschafft hat. Wie bei ‚Tempo‘ für Schneuzfetzen völlig unabhängig davon ob Tokpisin (als ‚echte‘ zweite Sprach) dort drinsteckt oder nicht.
  • Für Betacarotin stand auf meiner Käsepackung einmal: „Weitere Zutat: Farbstoff: Beta, Carotin“ Sogar ich als halbe Lebensmittelchemikerin hatte Mühe zu erkennen was gemeint ist.
    Aber es schaut witzig aus, das muß der Neid ihm lassen!
  • Dazu passen Saugripp, mexikanische! gehört als Schimpfwort für Influenza A H1N1/California/7/2009 und Hallo Wien entdeckt als Schreibweise für Haloween auf einem Schild in einem Laden.
  • Catadoupe
    ist französisch für Wasserfall und der Ursprung der englischen Redensart ‚It’s raining cats and dogs‘, es gießt in Strömen. Oder eben in Wasserfällen. Na dann: take care not to step in any poodles!
  • Aus einem Fernsehbeitrag über Schweinegrippe Interviews mit Lungenspezialisten, Infektiologen und dem Gesundheitsamt herauszukürzen als ‚Meinungen‘ die ’nicht repräsentativ‘ seien weil: zu sachlich und zu fundiert; das ergibt ein Stimmungsbild. Stattdessen wurde irgendjemand nachinterviewt die insgesammt keine Ahnung hatten – um zu zeigen daß die Leute verunsichert sind. Dazu passt ein Zitat aus der Wikipedia: „Der Name „Influenza“ (lat. für „Einfluss“) leitet sich zunächst von der bis ins Mittelalter vorherrschenden medizinisch-astrologischen Vorstellung ab, alle Krankheiten seien durch bestimmte Planetenstellungen beeinflusst (coeli influencia: Einfluss der Gestirne).“
  • Cocktailwürstchen
    werfen irgendwie die Frage auf, wie sie eigentlich zu diesem Namen kommen. Ich kenne keinen Cocktail in den Würstchen kommen (höchstens mal Eier in Flips), und dazuknabbern wie Erdnüsse ist auch nicht wirklich. Dafür kenne ich einen Kneipenwirt der ein mit „Gerne! Was für einen Met denn?“ – „Wurscht!“ bestelltes Getränk am Glas statt mit Zitronenschalenstreifen mit einem genauso kunstvollen Salamistreifen verziert hat.
  • wiki-hopping
    ist ein Spiel, das folgendermaßen funktioniert: blind einen Begriff ins online-Lexikon Wikipedia eingeben; dann im Text auf einen interessanten Link klicken; und von dem neuen Text wieder auf etwas das auch interessant ist – und immer so weiter. Dann schauen wo nach einer festgelegten Zahl von Klicks gelandet worden ist. Zum Beispiel habe ichs in meiner Testrunde geschafft in fünf Klicks von der Ingwerwurzel zur allgemeinen Erklärung der Menschenrechte zu kommen.
  • mullered
    ist das, was laut londoner evening standard der englischen Nationalmannschaft bei ihrer 1:4-Niederlage gegen die Deutschen passiert ist: „Beschämendes England von Deutschland ge-‚mullered‘ “ (nach dem Spieler der die meisten der vier Tore geschossen hatte). Schade daß ich nie gelesen habe was umgekehrt der deutschen Mannschaft bei der 0:5-Niederlage gegen England passiert war.
  • Diesmal eine Zahl, die kaum einer kennt:
    12 Millionen Meilen in der Minute
    für die Lichtgeschwindigkeit :star: . Diese doch recht ungewöhnliche Angabe für c haben Monty Python aus der Taufe gehoben, und zwar damit sie gesungen in das Kapitel über Lebendorganspende in Meaning of Life passt.
  • Blümchenkaffee
    heißt ein besonders wässriger Kaffee deshalb, weil bei einer gefüllten Tasse (aus Omas Zeiten) die kitschigen Dekorblümchen auf dem Tassenboden noch zu sehen sind.
  • Käsepappeltee
    ist der volkstümliche Name für … Malvenblüten. Nicht nachfragen.
  • Weggle
    Für Nicht-Franken: Semmeln. und
    Woaschtlabla
    ist Oberfränkisch für ein Wurstbrötchen – auch wenn’s ausgesprochen eher nach „Waschlappen“ klingt.
  • Verspätungsopfer
    nennt der Focus in einer Ausgabe Fahrgäste öffentlicher Verkehrsmittel, bei denen es bis zur Beförderung mal wieder länger dauert. Drama, Baby! Dazu passt eine Formulierung einer Durchsage, die bei mir so richtig das Kopfkino angeschmissen hat:
    …die S2 erhält derzeit 20 Minuten Verspätung…
    :haumichweg: klingt irgendwie so, als wär Verspätung ein Dings, das man zuteilen und rationieren könnte. Als ob der Zugführer die Verspätung – womöglich mehrere Tage im Voraus – extra beantragt hätte, per Formular mit dreifachem Durchschlag; als würde die Zugaufsicht diesen Antrag umständlich prüfen, dann die Verspätung zuteilen – und jetzt, nach einer Woche Wartezeit, erhielte die S2 (endlich) die gewünschte Verspätung; leider nur von 20 Minuten, weil eine halbe Stunde nicht drin war. Im Verspätungstopf oder im Budget. Jedenfalls klingts bei weitem nicht so langweilig als wenn schlicht der Zug verspätet ist, dann ist die Wartezeit auch gleich viel angenehmer.
  • Die wohl coolste 8-) Esstörung aller Zeiten
    Orthorexia nervosa
    ist so selten, daß sie es nicht mal zum übersetzten Namen gebracht hat. Sozial ist sie aber derart akzeptiert daß ich mich einer gewissen Schadenfreude denen gegenüber nicht erwehren kann, die meinen soetwas könne es garnicht geben. (Obwohl wirklich darunter gelitten wird!)
    Es ist eine Zwangserkrankung: der massive Zwang, sich ausschließlich gesund zu ernähren. Das unterscheidet sich vom gemeinen Kohlrabiapostel dadurch, daß nur noch ans Essen gedacht wird (mehr als 5 Stunden täglich; N.B.:die Armen!!), und Essen nur noch funktionelle, keine Genussaspekte mehr hat (z.B. als Nährstoffliferant oder Krankheitsvorbeugung). Essensbeschaffung und -zubereitung sind regelmäßig mit unglaublichen Anstrengungen verbunden, normales essenkönnen ist so gut wie unmöglich. Also wirklich und tatsächlich eine Krankheit mit erheblicher Einschränkung der Lebensqualität und einigem Leidensdruck.
    Cool ist ihre Existenz dann, wenn man einem Kohlrabiapostel mit missionarischen Ambitionen begegnet. Ein derart gelassenes entspanntes Grinsen bekäme ich in dieser Situation sonst nicht hin, man wird innerlich quasi von jemandem der sich für seine Lebensphilosophie rechtfertigen muß direkt zum lobenswerten Krankheitsvorbeuger.
  • Abrakadabra
    Während Simsalabim und Hokuspokus vernuschelte ursprünglich religiöse Wort-Exemplare sind die mit Magie garnichts zu tun hatten, ist das beim Abrakadabra anders: es kommt von hindi khabbalabra. Khabbalabra heißt ‚mit der linken Hand‘ (genauso übrigens ‚linkshändig‘): in nahezu allen Überlieferungen mußten Gesten und Handlungen in der Magie eben mit links ausgeführt werden, sonst hatte sichs ausgezaubert. Auch Kräuter und Wurzeln waren zwar manchmal zu Vollmond oder dann wieder mittags oder an bestimmten Orten einzusacken, aber sammt und sonders mit der Linken auszurupfen.
  • Momenten-Magnituden-Skala
     ist die gebräuchlichste Magnitudenskala in der Seismologie und bezieht sich direkt auf die seismische Energie. Die oft damit verwechselte Richterskala hört sich zwar besser an, hat aber den Nachteil daß sie sich auf die Maximalamplitude eines Seismogramms bezieht – und sich somit logarithmisch einem Wert von 10 annähert, was heißt das oberhalb von 8,5 nicht mehr sehr viel damit anzufangen ist, und oberhalb von 6,5 auch mit den ursprünglichen Geräten fast nicht gemessen werden konnte. Den Rattenschwanz ‚die nach oben offene‘ hat sich die Richterskala eingefangen, obwohl sie es garnicht ist; um sie von der Impulsskala abzugrenzen, die die Zerstörungskraft eines Erdbebens relativ ausdrücken soll, und bei der ziemlich eindeutig Ende der Fahnenstange ist, wenn kein Stein mehr auf dem anderen steht. Klar soweit? 😉
  • Tote pro Terrawattstunde
    Recht zynische und leicht gewöhnungsbedürftige Methode, vom britischen Klimaaktivisten George Monbiot in die Welt gesetzt, um die Sicherheit von Energieformen zu beurteilen. Beispiele: Am einen Ende der Skala steht Kohlekraft mit 161, am anderen Kernkraft mit 0,04 Toten pro Terrawattstunde. Fazit: nicht nur irgendwo zynisch, liefert auch noch politisch unerwartete Ergebnisse.
  • Wildnektarinen
    gelesen auf einem Schild am Obststand für eine Kreuzung aus Apfel und Sombreropfirsich.
  • wertiger Taster
    gemeint ist:  mit Taster: ein Knopf (oder eine Taste), und zwar der des Fensterhebers; und mit der spazierengehenden Nachsilbe ‚-wertig‘: in einem teuren Auto. Autodesigner (von so einem hab ichs gehört) müssen irgendwo einen an der Waffel haben – erstens weil sie sich überlegen, wie ein Schaltknopf nicht billig ausguckt, und zweitens weil sie Begriffe für die alltäglichsten Dinge vergessen… Nicht verwechseln mit Asi-Toaster, das ist ein Solarium.
  • … für die Hilfswerke ist es also wie man sieht sehr wichtig, junge Neuspender zu generieren, weil diese dann oft in den Pool der treuen Spender wechseln…
    Übersetzung aus der extrem unglücklichen Formulierung: Um Spenden zu werben und dabei gezielt Unbekannte anzusprechen ist wichtig, weil jemand der einmal von einer Sache überzeugt ist sich erfahrungsgemäß auch gerne länger dafür engagiert. [schätze, letztere Formulierung wäre auch den erwähnten Spendern irgendwo lieber als ‚generiert‘ zu werden, was ja doch irgendwie nach Sache, nach Passiv und nach Automatismus klingt, von der unterirdischen Wortwahl ‚Pool‘ noch ganz zu schweigen.]
  • cdesign proponentsists
    entdekt in einem Wissenschaftsgeschichte-Spektrum Spezial von 2009: Die Evolution der Evolution. Eher hinten im Heft ist ein kleiner Artikel über juristische Auseinandersetzungen mit Kreationisten. Kreationismus zu lehren ist in den USA seit 1987 als verfassungsfeindlich (wg. Religionsfreiheit) verboten. Die juristische Schlacht darum, das Verbot 2005 auch unter dem neuen Namen intelligent design zu bekräftigen ist im Artikel beschrieben. Ein dargestelltes Beweisstück: ein Druckfehler in einem Schulbuch. Bei der Neuauflage wurde vom Kreationismus zu Intelligent Design ‚umgearbeitet‘ – indem nichts anderes getan wurde, als den Begriff ‚creationists‘ überall durch ‚design proponents‘ zu ersetzen. Einmal hat das nicht ganz geklappt, und so hat der Prozess ein wirklich schönes Wort der Nachwelt erhalten.
  • Hussein
    ist der zweite (und außerhalb der Vereinigten Staaten kaum jemandem bekannte) Vorname von US-Präsident Barack Obama. Weshalb ihn in einer garnicht so lange zurückliegenden Umfrage über Religion im US-Wahlkampf mehr als 50% der Befragten für einen Moslem hielten. Fälschlicherweise, übrigens (der US-Präsident ist irgendwann einmal aus der uniierten Kirche ausgetreten wäre – 2012 – die vollständige richtige Antwort gewesen). Eigentlich würde ich eher erwarten, in irgendeiner Quizshow auf die Frage zu stoßen wie der Präsident der Vereinigten Staaten mit zweitem Vornamen heißt als im Dunstkreis wahlkampfrelevanter Themen. Wenn Obama sich jetzt auch noch so benehmen…
  • spill words bzw. Schwappwörter
    Stammt aus einem Roman von Terry Pratchett:
    „You don’t know? A spill word is a word that somebody almost says, but doesn’t. For a moment, they hover in the conversation but aren’t spoken – and may I say that in the case of my son Derek, it is as well that you didn’t say them aloud.“
  • Gebäudebeschreibung in einem Roman:
    … der architektonische Stil nennt sich „Kraftausdruck“
  • Körper
    Schonmal aufgefallen? Viele Leute reden seltsamerweise von ihrem Körper, als gehöre er nicht wirklich zu ihnen. Wie in: Das will ich mir und meinem Körper nicht zumuten (=Ich habe Angst vor unerwünschten Wirkungen). Oder: Der Körper weiß schon, was er braucht (=Ich habe Appetit auf etwas, bei dem ich ein schlechtes Gewissen habe es einfach zu genießen). Oder: Man sollte auf die Signale des Körpers hören (=Ich fühle mich krank und möchte mich schneller erholen). Oder: Der Körper is scho a Hund, den kann man nicht so einfach überlisten (=Bei Diäten habe ich keinen Erfolg).
    Das erinnert mich an Kinder, wenn sie Angst haben; dann sagen sie Sachen wie: Die Vase ist kaputtgegangen (=Sie ist mir runtergefallen)
  • Umweltgewissen
    ist das, was sich bei jemandem meldet, der ich eine Tüte anbiete – und ihr die verbietet.
    Tja, das nennt sich wohl Inflation. Früher, da hat man für ein richtig schlechtes Gewissen auch noch richtig was bekommen. Früher, da war so ein schlechtes Gewissen elitär, das hat nicht einfach jede Arbeit gemacht. Da hatte man dann ein Dorf mit unschuldigen Zivilisten niedergebrannt, einer alten Dame mit Absicht am Zebrastreifen über die Zehen gefahren – oder wenn schon Tüte, dann war sie wenigstens unauffällig und braun. (Tja, dann… Wem nicht zu helfen ist, dem ist vielleicht zu schaden :twisted: )
  • Shitstorm-Tourismus
    Reise durchs Netz von einer Massenempörung zur Nächsten, mit dem Ziel, möglichst viel zu pöbeln.
  • Intensivopfer
    eigentlich Täter, die in Kommentarspalten o.ä. in bilderbuchhafter Täter-Opfer-Umkehr aber von sämtlicher Verantwortung freigesprochen werden. Stammt von Vince Ebert und gefällt mir außerordentlich. Beispiele sind der durchs kurze Röckchen ‚provozierte‘ Vergewaltiger, der Arbeitslose, der eine Sachbearbeiterin der Arbeitsagentur erschießt, Sekundärantisemiten, terroristische Selbstmordattentäter, …
  • You never know when you might get a land tsunami, like that old Saturday Night Live land shark.

  • Schokoköpfe
    ist die schweizer Bezeichnung für genau diesen Süßkram, der Namen anzieht wie der Magnet das Eisen, und bei dem jede(r) erstmal rätselt, welcher denn aktuell ist. Sie sind übrigens gerade in der schweizer Version geradezu verboten lecker :hunger:
  • time flies
    wie im berühmten englischen Satz: Time flies like an arrow; fruit flies like a banana. Zeitfliegen?
  • Und zu guter Letzt hat heplev ein Bild ausgebuddelt, das Obama zum Objekt von Ameisenreligionen machte:
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Veröffentlicht am September 20, 2014 in Kulturelles, Smalltalk und mit getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 4 Kommentare.

  1. Catadoupe
    Französisch? Alors, mir fiel nur la chute d’eau ein, die ich im Elsass 1999 kurz vor der großen Sonnenfinsternis gesehen habe, une véritable chute d’eau, sie schüttete sich übern Berg runter, schüttete und schüttete, oh. Daher wohl ihr Name.
    Und die Kaskaden im Bois de Boulogne fielen mir ein, auf Französisch heißen sie tout simplement les cascades du Bois de Boulogne 🙂 , die Napoléon III da hinbauen ließ, so um 1860, damit die armen Pariser Spaziergänger im doch ziemlichen Flachlande etwas Kaskadöses (quelque chose de cascadeux) hätten, was ja auch nicht ganz unnett von ihm war, nicht?, gleichwohl egoistisch wie dieser ganze Mensch, denn es war ja nicht sein Geld, sondern das der armen Pariser Spaziergänger.
    Woraufhin man heut bei diesen Kaskaden gar kein Wasser mehr kaskadieren hört, sondern nur noch den ratternden Autoverkehr, seitdem dorten nämlich die Autos von der Porte Dauphine zum Pont de Suresnes durchrattern, beides sehr klangvolle Namen – aber eben da und dort und faktisch nur LAUT wegen der Ratterautos.

    Ähm, wo war ich: Beim Catadoupe. Der ist Altfranzöserisch. Die Altfranzöserischen haben das griechische kata~ vor ihr eigenes d’ou gehängt, also „überschreitendes Wasser“, das wollten sie damit sagen. Vielleicht hat Rabelais den Ausdruck noch gebraucht?, eher nicht mehr!, wohl mehr die Normannen, die seit 910 völlig französisiert waren, als sie 1066 England eroberten, was heutzutage ja kein anständiger Franzos‘ mehr macht, dieses Erobern, und besonders mit England machen sie das anständigerweise nicht mehr.
    Wobei die ansässigen Angelsachsen (O-Ton: „Harken!, forsachistu diabolae!, ay!, ec forsacho diabolae endi allun thesun uuercun!“), also diese lokalen Angelsachsen hörten die französisierten Normannen, die ihre schönen angelsächsischen uuatar falles les belles catadoupes nannten, einfach so!, und aus angelsächsischer Spottlust verstanden sie cattes endi dogges. Woraufhin die düpierten Normannen dann bald nicht mehr les cantadoupes sagten, sondern sich am Deutschen orientierten, wo diese Wasserfälle schütten, oh.

    So etwa muss das gewesen sein mit den Normannen und den Angelsachsen und den Cats und Dogs, so etwa 1066.

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    • … pardon nich‘ cantadoupes, sondern Catadoupes.
      Man könnte mit dem falschen N les cantadeaux sagen, irgendwie provenzalisch für die singenden Wasser.

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      • Gibt es nicht eine Melone, die so ähnlich heißt (denkt schonwieder an Essen)?
        Singende Wasser sind aber wirklich etwas schönes, die stelle ich mir gerade bildlich vor 😀 – vorausgesetzt sie können singen und haben nicht einfach zuviel intus, natürlich.
        Auf Swahili habe ich wie Du ja weißt einmal singende Blumenbeete in die Welt gesetzt, die pflanze ich daneben, ja? 😉

        Das alt- oder neufranzösische stammte von einem Kalenderblatt, sobald ich wieder kann, flicke ich es aus.

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