Grün früher und grün heute

Früher wollten die Grünen das kiffen legalisieren. Heute wollen sie das rauchen verbieten.

Früher wollten die Grünen nur Recyclingpapier. Heute wollen sie nur Pelletheizungen.

Früher wollten die Grünen etwas gegen Welthunger und die Abholzung des Regenwalds unternehmen. Heute subventionieren sie Biosprit.

Früher waren die Grünen gegen Monokulturen. Heute wollen sie mehr Energiepflanzen.

Früher wollten die Grünen grüne Energie für alle. Heute wollen sie daß alle die grüne Energie bezahlen.

Früher wollten die Grünen staatliche Institutionen ‚dekonstruieren‘. Heute wollen sie alles in ihrem Sinne staatlich reguliert haben.

Früher wollten die Grünen ein miteinander, nebeneinander und durcheinander unterschiedlichster Weltanschauungen. Heute wollen sie ihre Weltanschauung allen überstülpen.

Früher wollten die Grünen Sexualität die sich nicht nach den Moralvorstellungen anderer richtet nicht länger als Pfui sehen. Heute wollen sie Nahrungsaufnahme die sich nicht nach den Moralvorstellungen anderer richtet als Pfui sehen.

Früher wollten die Grünen daß im Berufsleben nur Begabung zählt und nicht Gesinnung. Heute lassen sie alle Begabung nichts zählen wenn die grüne Gesinnung fehlt.

Früher wollten die Grünen mehr basisdemokratische Entscheidungen. Heute wollen sie ihre politischen Ziele über die Verfassung stellen.

Früher wollten die Grünen mit spießigen, überlieferten Traditionen brechen. Heute sind sie selbst spießige Traditionalisten ihrer eigenen Überlieferungen.

Früher wollten die Grünen Anerkennung als gleichwertig für alle die nicht so waren wie sie. Heute wollen sie Anpassung als gleichartig bis alle so sind wie sie.

Das nennt sich dann Fortschritt.

Aber gleichgeblieben ist:

Die Menschenrechte hochhalten – und gleichzeitig sagen die Erde wäre ohne Menschen besser dran.

Für Frieden demonstrieren – und dulden was davon kommt wenn Frieden ist und einer nicht hingeht.

Gegen alles elitäre sein – und die eigenen Ideen für der Weisheit letzten Abschuss halten.

H…

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Veröffentlicht am September 20, 2014 in Kein Smalltalk, Weltanschauung und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 22 Kommentare.

  1. Ah schön, Grünenbashing quer durch die Bank, was Schönes und Aufbauendes so unverhofft am Abend 😀

    Schon im Herbst 1981, als ich zu den Grünen stieß (man frage mich nicht warum!, oder WIE!, oder gar wozu!), waren diese Grünen vermufft, puppig, vollbärtig, larmoyant, uferlos, dogmatisch, Gründenk-infiziert und sprachbehindert. Als ich da mal den monatlichen Parteivorstandsrundbrief verfasste (ja!!, asoj eppes hab ich gemacht!, mea culpa, mea maxima culpa, es wird nie wieder vorkommen, versprochen!) und sich dieser Monatsvorstandsrundbrief nicht an den grünen Sprachduktus incl. Wortmonster, Bierernst und abgebrauchte Metaphern hielt, erntete ich sofort dieses grüne Missfallen, diese grüne Missgunst, dieses vollbärtig böse Gefunkel und diese muttchenhaft üblen Blicke.

    Tja. So waren die eben 😀

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    • Doch, ich frage warum Du zu den Grünen stießest. Komm, Ari! Wir sind entre nous. Wen wolltest Du retten? Welche Monster niederlöwen?

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      • … es wird wohl wegen einer Fra-, einer Fra-, einer Frauuu gewesen sein.
        Schwamm drüba‘ 🙂

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        • Als ich grün war war das nicht einmal wegen einem Mann – ich habe das wirklich geglaubt was sie über Umweltschutz erzählt haben. Als ich später mitbekommen habe dass das nicht das einzige ist was sie erzählen und was der Rest ist, bin ich still und leise da weg verschwunden…
          Jemandem gefallen zu wollen ist wenigstens ein Grund. Insofern hat Shum recht: wir haben uns verändert, nicht die Grünen.

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        • Aber ja!, nicht?, aber allemal. Wenn Du einen grünen Haushalt betrittst, fängt’s schon an!, die haben da alles selbstgestrickt und selbstgezimmert (soll zumindest so aussehen), im Kamin knistert ein Feuer und es riecht nach Vollkornkeksereien mit Honig (manches davon schmeckt pervers gut), und Du wirst sofort geduzt und bekommst einen dampfenden Yogitee in die Hand gedrückt. Alles so gut, so voll nachhaltig und ohne Resopal und Speckwürfel und so, und keine scharfen Kanten, nirgends!, ebenso keine Israelflaggen oder so was, na beileibe nicht, so wenig wie ’ne Knarre.
          Alles so nett, so gut, und sie trennen den Müll aller-metikulösestens und müssen desob fast nie einkaufen, und es riecht wirklich schon wieder nach diesen Vollkornmohrübentorten mit Kreuzkümmel und Melasse und sowas drin.

          *will wieder grün werden und endlich das Hirn aufgeben*

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  2. Großartige Gegenüberstellung!

    Aber in einem Punkt muss ich der geistreichen Aurorula widersprechen:

    Nicht die Grün-Linken haben sich verändert, wir haben uns verändert: Wir haben sie nämlich erkannt. Sie waren sich schon damals sicher, dass sie im Recht sind. Heute sind sie sich sicherer denn je.

    Weißt Du, warum ich seinerzeit keinen Platz in einem Kieler Studentenheim bekommen habe? Wegen Mao. Das heißt ‒ Du wirst sehen.

    Ich also hin zum Bewerbungsgespräch, gewaschen und gekämmt, musste genügen. Mir gegenüber kein Leiter oder so was, sondern eine Gruppe gleichberechtigter Studenten. Paar allgemeine Fragen und dann: „Was hältst du von Mao Tse-Tung?“

    Hab ich ein masel, dachte ich mir. Zwei Tage zuvor hätte ich von Mao nichts zu sagen gewusst, als dass er ein chinesischer Chef ist. Aber heute – hoho. Hatte nämlich am Vorabend einen Essay gelesen, der Maos Verbrechen aufzählt: Millionen von Toten.

    Ich hub also an. Nicht für lange. „Reaktionär“, hörte ich noch. Und: „Du kannst gehen“.

    Ich ahne, wo meine damaligen Prüfer heute sitzen: im Bundestag, in den Landestagen, in den Zeitungsredaktionen und in den Anti-Israel-Komitees. Grüne, Linke: bonnet blanc et blanc bonnet.

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    • Unverzeihlich, dass Du Dich nicht für Maos grüne Reformpolitik erwärmen mochtest. Man musste doch, er hat Bio-Reis anbauen lassen, und jene, die nicht wollten, hat er völlig biologisch entsorgen lassen, mitten in Mutter Erde.
      Keine Chance im grünen Kieler Studentenwohnheim. Wenn sie Dich nach Lenin gefragt und Du mit Kerenski gekontert hättest, oh, reiner Faschismus.

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      • Wie hätte ich mich damals für Maos grüne Reformpolitik erwärmen können, wo ich doch keinen grünen Ma-, grünen Ma-, grünen Mann kennen gelernt hatte?

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        • Karl Grünmann war ein grüner Mann.
          Er hauste einst im grünen Kiel.
          Und schwor auf Mao Schwüre, dann,
          weil grüner Mann zu grünem Kiel.
          Verhing Dir flugs den Türenbann,
          weil Grünmann nix mehr spüren kann…
          oh Maos Fluch im grünen Kiel.
          ( So spartest Du Dir Ärger. Viel! )

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        • Un délice. Merci.

          Karl Grünmann ist mir erspart geblieben, ja. Aber auf Jacques Prévert („grüne Wiese“) bin ich reingefallen. Wie das so ist:

          « Le tendre et dangereux
          visage de l‘amour
          m’est apparu un soir
          après un trop long jour »

          Auch « Barbara », das Aurorula sicher kennt:

          « Rappelle-toi Barbara
          Il pleuvait sans cesse sur Brest ce jour-là (…)
          Oh Barbara
          Quelle connerie la guerre
          Qu‘es-tu devenue maintenant
          Sous cette pluie de fer
          De feu d‘acier de sang (…) »

          [Erinnere dich, Barbara, / Es regnete unablässig über Brest an jenem Tag (…)
          Oh Barbara / Was für ein Blödsinn, der Krieg / Was ist aus dir geworden / In diesem Regen aus Eisen / Aus Feuer, aus Stahl aus Blut (…)]

          Dazu übrigens ein Kommentar für Erwachsene, von Laurent Murawiec, 2007:

          « La guerre n’est jamais la solution », ânonna plus tard le pacifiste Chirac, avec Prévert (« Quelle connerie la guerre ») ou Brassens (« Les deux oncles », « Mourir pour des idées »). Les poèmes et chansons ont du charme et de l’émotion, mais représentent des petits sommets de crétinisme. Leur point de vue est celui de l’individu qui s’irrite de voir la réalité du monde contrecarrer ses désirs. Quelle honte ! La Deuxième Guerre mondiale s’interpose entre moi et l’objet de mon cœur ! On comprend le sentiment individuel. Comme guide moral, le sentiment qui l’anime est désastreux. C’est pourtant lui qui guide la sensiblerie contemporaine…
          Rendons hommage à George Orwell : la guerre du pacifiste, c’est la paix de la soumission. »

          [„Der Krieg ist nie eine Lösung“, brabbelte später der Pazifist Chirac mit Prévert („Was für ein Blödsinn, der Krieg“) oder Brassens („Die zwei Onkel“, „Für Ideen sterben“). Die Gedichte und Chansons haben ihren Reiz, doch stellen sie kleine Gipfel an Schwachsinn dar. Das ist der Standpunkt des Menschen, der die Wirklichkeit beschimpft, weil sie sich gegen seine Wünsche richtet. Eine Schande aber auch! Der Zweite Weltkrieg stellt sich zwischen mich und meine Sehnsucht! Man versteht die individuelle Empfindung. Doch als sittlicher Leitfaden ist diese Empfindung verheerend.
          Wie sagte noch Orwell: Der Krieg des Pazifisten ist der Frieden der Unterwerfung.]

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        • … zum Frieden der Unterwerfung, zu Mao, naturgemäß übern Regen in Brest, sur les grand et les petits sommets de crétinisme und überhaupt zu alldem pflegt le capitaine Haddock eine einzige Zeile zu sagen: „cent mille de millions de tonnerre de Brest!“

          und dann tut er dieses:

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      • Was für Empfindungen und Assoziationen dieses Segelschiff alles nach sich schleppt! Besser, man redet nicht darüber.
        Toda lecha! – et vive le capitaine Haddock!

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        • Mich erinnert es an die SAIL in Bremerhaven, auf der ich öfter schon war – zum Schiffegucken 🙂 .
          Da wusste ich auch noch mehr über Windjammer.
          Heute kenne ich nicht nur die Surprise nicht, ich könnte nicht mal mehr unterscheiden ob sie nun eine Bark ist oder ob das rahgetakelte Besantoppsegel sie nicht doch zum Vollschiff macht (take that, Autokorrektur!)?

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        • Vollschiff!, full rigged ship. Bark kam erst hundert Jahre später, und das Großbesan hing auch schon hundert Jahre vor der HMS Surprise an ’ner Gaffel rum, darüber Mars- und Bramsegel auf Rahen. Seit der Galeonenzeit nochmal hundert Jahre zuvor hat man das so gebaut.
          Von der Surprise gibts ein paar Nachbauten, die wirklich segeln und so, alle nachgebaut nach der HMS Rose. Die man für den Film (wegen des Films) Master and Commander dann nach dem Filmschiff umbenamst hat

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        • Dass das Schiff aus Master and Commander Rose hieß wusste ich, dass der Name geändert wurde nicht. Bringt das nicht angeblich Pech?
          Edit: In einigen Filmen kommt der Flugzeugträger Enterprise vor – wird aber jedesmal durch ein anderes Schiff vertreten – das finde ich auch witzig, dass das Schiff öfter mal nicht zu sehen ist.

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        • Es bringt Pech, glaub ich, wenn der Kapitän an der Backbordseite schläft, weswegen er halt immer an Steuerbord schläft. Nur bei den Portugiesen schläft er auf der Backbordseite. Keine Ahnung, ob das was mit portugiesischem Pech zu tun hat, das anderes Pech ist als das Pech des Normalholländers oder Normalschotten 😀

          Wenn der Kapitän pennt, führt das meistens zu Pech. Nicht? Bei Eisbergen und bei Klingonen wie Ziethen aus’m Busch und so. Nur auf der Enterprise irgendwie nicht. Man weckte Cap’n Picard immer grad noch rechtzeitig, bevor draußen mal wieder the neutral zone entneutralisiert wurde, oder bevor gar ein allverschlingendes Loch im Raumzeit-Kontinuum klaffte und so.
          Wenn er zu spät aufgewacht wäre, hätt man die Enterprise gar nicht mehr gesehen, und das konnte man den Fans nicht zumuten

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    • Ein Chinese hat mir in China einen Witz über Mao erzählt (er ist Übersetzer – also mein Bekannter Han, nicht Mao, natürlich – sonst hätte ich nix verstanden). Aus dem heraus wie er das hat, quasi hinter vorgehaltener Hand und nervösem Umschauen, hätte ich schließen können wie schlimm Mao war selbst wenn ichs nicht wüsste.
      Leider bringe ich den Witz dazu nicht mehr ganz zusammen 😦

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      • Ein China-Witz:

        Aus: Adrian Geiges, „Mao Tse-Tung ‒ Der große Verführer“, Stern, 01.10.2005:

        Es ist der 18. August 1966, die erste Massenkundgebung der „Großen Proletarischen Kulturrevolution“.
        Zwei Wochen zuvor schlugen Schülerinnen einer Pekinger Mädchenschule ihre Rektorin, begossen sie mit kochendem Wasser, trampelten sie zu Tode. Eine der Mörderinnen darf nun Mao auf der Kundgebung eine rote Armbinde umlegen. Der Dialog zwischen ihr und dem „Großen Vorsitzenden“ steht tags darauf in allen Zeitungen. „Wie heißt du?“, fragt er. „Song Binbin“, antwortet sie. „Bin bedeutet wohlerzogen und sanft“, stellt er fest. Sie bejaht. Mao sagt ihr: „Sei gewalttätig!“ Song ändert darauf ihren Namen in „Sei gewalttätig.“ Auch ihre Schule wird in einer feierlichen Zeremonie umbenannt – in „Rote gewalttätige Schule“.

        http://www.stern.de/politik/ausland/2-mao-tse-tung-der-grosse-verfuehrer-546403.html

        Wie sind erst die Witze hinter vorgehaltener Hand!

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  3. So ein sauberer, gut gepflegter Rasen ist doch was Schönes. Ganz viele gleichgrüne, gleichhohe Halme in basisdemokratischer Verbundenheit…

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    • Irgendwo in den unerforschten Tiefen des Webs kursiert in diesem Tenor wohl eine Parodie auf ‚Über den Wolken‘, die ich immer mal suchen wollte.
      Ich weiß nicht wer sie singt oder worum das ganze Lied geht, nur einen kleinen Schnipsel habe ich mitbekommen (x-mal weiterzitiert und im Flüsterpostsystem bei mir angekommen, dann bestimmt fünf Jahre gemerkt/verdrängt):
      Am Rasenmäääher – ayayay!
      Muß die Freiheit wohl grän-zän-los sein;
      Von dem Kopf bis zu den Ohren, sagt man, a-hij-ay,
      Werden alle gleich geschoren und dann, a-hij-ay,…

      … und dann habe ich vergessen, was und dann. Der originale Liedtext „Würde was uns groß und wichtig erscheint / plötzlich nichtig und klein“ macht sich allerdings auch nicht gerade schlecht an dieser Stelle – dann fällt es nicht weiter auf.

      Nachklapp: Deswegen, also wegen der Graswurzel-Basisdemokratie, gibt es das schöne englische Wort astroturfing. Astroturf ist Rollrasen. Astroturfing ist von offizieller politischer Seite Bewegungen als basisdemokratisch aussehen zu lassen (die es nicht sind, sondern die eigenen Parteiziele) oder überhaupt erst anzustoßen.

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