Wahlcocktails

cocktail1Es ist schon eine Weile her. Oder eine Weile hin. Jetzt aber bin ich über meine Mitschrift gefallen.

Zur Bundestagswahl 2009 habe ich mit Freunden aufs Wahlergebnis gewettet. Um Cocktails (=wer richtig vorhersagt, darf sich auf Kosten der Verlierer betrinken). Unvermeidlich kam die Überlegung auf, den Cocktail der Vorhersage anzupassen: hier also unsere Wahlvorhersagecocktails – Prost!  😀

cocktail3Für eine korrekte Vorhersage des Wahrgebnisses einer Partei:

CDU/CSU: Virgin Mary
Begründung: der Name. C-Parteien.

SPD: Caipirinha
Begründung: Viele ihrer Ideen liegen so wie sie sind anscheinend auf Eis (wie die Limettenschnitze). Viel ‚man sollte‘ und ‚man müßte‘ – allerdings ist die SPD seit 11 Jahren an der Regierung, warum hat sie nicht einfach? Ansonsten sollen einfache, grundsätzliche Zutaten (Alkohol, Zucker) auch im fertigen gut zu sehen sein.

FDP: Fifth Avenue
Begründung: besserverdienerfreundlich mit einem Hauch der großen weiten Welt (wieder der Name)… aber den Nachgeschmack von zuviel blau merkt man erst mit Verzögerung. Und die Wall Street ist auch nicht weit weg davon.

Grüne: Arthur and Marvin Special
Begründung: …Arthur: los ging alles mit der intergalaktischen Hyperraum-Umgehungsstraße …and Marvin: die (depressive!) grüne Grundeinstellung zum Leben, dem Universum und dem ganzen Rest …Special: manche Ideen erinnern an den unendlichen Unwahrscheinlichkeitsdrive.

Linke: Cuba Libre
Begründung: deren Vorgängerpartei PDS und deren Vorgängerpartei (und DDR-Kolonie Cajo Ernesto Thälmann, die von Kuba der DDR geschenkte Insel).

cocktail2Für eine korrekte Vorhersage von Koalitionen :xmcheers::

Große Koalition: Bloody Mary
Begründung: Virgin Mary (s.o.) mit was dazu. Mischt zwei Sachen von denen man auf den ersten Blick nicht meint daß sie zusammengehen, nämlich Cocktails und Salziges. Schön rot (Tomatensaft) – schwarz (Worchestersauce), außerdem irgendwo mit Schuß – wie die GroKo.

Rotgrün: Mojito
B
egründung: Caipirinha (s.o.) mit noch ein Bißchen Grünzeug dazu, das dem Ganzen einen eigenen Nachgeschmack verleiht.

Schwarzgelb: Swimmingpool
Begründung:
international sind die Liberalen nicht gelb, sondern blau. Der Cocktail ist dunkelblau. Die Koalitionäre wollen politisch nicht baden gehen – geben sich ganz staatstragend, manchmal recht plakativ.

Rotrotgrün: Barcardi-Cola
Begründung: das ist ein Cuba Libre – außer im Namen. Dafür irgendwo intellektuell angehaucht, und Selbsthass und politischer Selbstmord nicht ausgeschlossen (siehe Ernest Hemmingway – der viel davon getrunken und sich umgebracht hat).

Sozialliberal: Ba-Ki
Begründung: Braucht Fingerspitzengefühl. Eine wirkliche Mischung von Rot und Gelb war eigentlich nicht vorgesehen. Die Prozente fehlen auch. Gab es zuletzt vor urewigen Zeiten.

Jamaika: Sex on the Beach
Begründung: Klingt irgendwo karibisch. Gilt nicht wirklich als gesellschaftsfähig. Jeder redet davon, keiner will sich dabei erwischen lassen.

Ampel: Bananarama
Begründung: alles Banane.

Damals haben wir noch nicht mitgewettet über:cocktail4

Piraten und AfD. *blättert im Kochbuch*

Ui, es gibt einen Cocktail der nennt sich ‚Bonne Chance‘: vom Namen für die AfD?

Und einen ‚Flying Scotsman‘: nah genug am fliegenden Holländer für die Piraten?

Advertisements

Veröffentlicht am Oktober 13, 2014 in Kulinarisches, Smalltalk, Sportliches und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 7 Kommentare.

  1. Meine vortreffliche, nein, meine allervortrefflichste Hochachtung richtete sich immer an jene, die wirklich und wahrhaftig Cocktails kannten und kennen, und die ernsthaft zwischen einem Planter’s Punch und einem Whisky Sour zu unterscheiden vermögen – und die dazu wissen, welche Farben ja Stimmungen nein Gestimmtheiten die haben, und ob man den Einen mit Zuckerrand serviert, den Anderen aber höchstwahrscheinlich nicht (wahrscheinlich isses beiderseits strictement verbottn!), und was die bedeuten.

    Aber ich hab irgendwann den Anschluss verpasst und rätsele noch immer, warum the Dude so programmatisch einen White Russian trinkt, obgleich der Film mindestens von anno ’97 ist, meinegüte, und obgleich jedem, ja jedem!, der den Film schätzt, diese Bedeutung und die Programmatik des White Russian für den Film und für the Dude und überhaupt klar ist. Nur mir nicht.

    Anno ’95 hab ich mir gar Hemingways Haus angesehen, in einem wuchernden Garten in Key West ohne Klimaanlage, habe seine wie eine Waffe aufgebaute Schreibmaschine und seine Hirschtrophäe an der Wand gesehen, derweil ich an Cocktails dachte, aber dann im Sloppy Joe’s drei Straßen weiter (die enge Bar, nicht der gleichnamige Touristenfang, denn ich war ja kein Tourist) trank ich eins von deren Bieren, weil es so heiß war (stilvollerweis‘ ohne Klimaanlage weil die Fenster geöffnet wie zu Hemingways Zeiten), und verdammich, ich hab damals bis jetzt die Welt der Cocktails völlig verpasst!, ich kenne nur Ki-Ba (Ba-Ki) vom Wegriechen, uuuh wie grauenvoll, und seit mindestens anno ’95 wüsst‘ ich gern dieses: Wie findet man in die Cocktailwelt? Wie kann man die Stimmungslage, ja die politische Bedeutung von Cocktails begreifen, nein, wie kann man die erfinden?
    Denn Du kannst das ja – und Du kannst das so, dass ich’s verstehe.
    Das ist schon – also das ist schon! Schon was.

    Gefällt mir

    • Trinke wenn selber alkoholfreie Cocktails (bin auch meistens tonight’s designated driver); aber da gibt es in München eine kubanische Bar, die haben zum einen überhaupt mehrere und zum anderen sehr gute 🙂 (Die Leute, die ich dann fahre und mit denen ich damals gewettet habe sagen dasselbe auch über die alkoholischen, welchen).
      Und die Parteien und Koalitionen beschreiben – je, nun, die müssen wir alle *seufz* ertragen.
      Florida ist da wohl viel schöner, das Wetter auf alle Fälle. War noch nicht da; aber Dir scheints gefallen zu haben, Florida, Key West, Hemingway, und das Bier im Sloppy Joe’s? 🙂

      Nachklapp: weil sich in Florida mehr Rentner niederlassen als sonstwo hat es, so hat man mir erzählt, den Spitznamen ‚Wartezimmer des Paradieses‘. Muß ja schön sein 😉 , schon deswegen.

      Gefällt mir

      • … auch junge Tunichgute fahren massenhaft im Frühling nach Florida, wo sie dann wirklich in Daytona Beach am Strand autofahren wie die Tunichgute, das darf man da, klar, USA, da geht auch dieses 🙂
        In Daytona Beach ist es sonst bissele wie in Brighton, nur nicht so englisch. Und viel heißer.

        À propos Cocktail: Südflorida ist ein einziger Cocktail aus Quell- und Regenwasser, der stetig nach Süden fließt, hundert Kilometer breit oder breiter, mit zwei Metern pro Tag etwa. Viel langsamer als der Bierfluss im Sloppy Joe’s. Aber da drin ist es schließlich eng.

        In einem Mangrovensumpf hab ich versucht, das Leid eines riesigen Alligators zu erleichtern 😀 , der tat mir aus irgend einem Grund leid, vielleicht weil er so riesig war. Schwitzt man nicht, wenn man so riesig ist?, irgendwas muss es gewesen sein. Das Alligatorentier lagerte urweltlich mitten in der Urwelt (siehe Claude Levi-Strauss: Tristes Tropiques) und hatte lamentablerweise ein Sumpfblatt überm Auge kleben, dann sieht man nicht gut, und wie soll einer, der so aussieht, sich mal schnell am Auge kratzen? Das kann der nicht.
        Kam ich also mit einer langen, langen und noch längeren Gerte, um dem armen Alligator dieses panoramavernichtende Blettl wegzumachen, ganz vorsichtig, denn man weiß ja nicht, ob’s da empfindlich ist.

        Seitdem fehlen mir diese anderthalb Finger und dieses Stück aus der Backe 😀
        Ah, gar nicht wahr. Es ging grad nochmal gut, denn das erschröckliche Thier holte einfach nur genervt Luft, und dieses Luftholen ist von einer primordialen Art, die jeden (JEDEN!) zum Zurückspringen springt, selbst wenn er ’ne Rüstung anhaben sollte.
        Ähm, das sollte man übrigens generell 🙂

        Alligatoren machen sich übrigens auch gerne Cocktails, die sogar Alkohol enthalten könnten, nicht?, indem sie ihre Opfer erstmal am seichten Grund vertäuen und im Brackwasser rotten lassen. Das mögen die. Dabei sehen sie eigentlich nicht so aus.

        Gefällt mir

        • uiui, nicht die Krok… die Kaim… die Alligatoren ärgern!

          Habe grade was von den Muppets gefunden, a propos Strandparty:

          Gefällt mir

        • Nachklapp: wünsche noch eine gute Nacht,
          ohne rehfarbene Renovierung, ohne Alliatorennervschnauf – mit strandentspannt 🙂
          (morgen 6:00 geht’s hier wieder los – Kaffee war die beste Erfindung ever! – aber selbst mit, *gähn*)

          Gefällt mir

        • … ojojoj!, à propos, auf Key Largo (der Buurmann nein Kermit erwähnte es) kann man um sechs Uhr Morgens einfach aus dem Bette über Sand in die Lagune* gleiten 🙂 , vorausgesetzt man will das, aber wer würde das nicht wollen?

          * Vielleicht ist es keine Lagune?, sondern seichtes Meeer oder ein Meeresarm in der Morgendämmerung (dorten sehr bunt, Violett mit Gelb und Rot und so, immer durchsetzt mit zeusartigen Gewitterwolkentürmen), aber Lagune klingt einfach besser, besonders im Zusammenhang mit dem schlimmen sechs Uhr Morgens.

          Gut N8cht Dir und einen viel weniger anstrengenden Tag als es klingt

          Gefällt mir

        • Danke Dir!
          Wünsche auch ein schönes Wochenende / Shabat Shalom 🙂
          *sandet in Gedanken ins Meer, das dämmerungsbeleuchtete*

          Gefällt mir

antworten

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: