Gedanklich im Toten Winkel

TanCH 08781Gedanklich im toten Winkel ist etwas, das offensichtlich sein sollte; es aber nicht ist. Oder alltägliches Doppeldenk. Oder unerwartete Nuggets, die sich nur durch einen zufälligen gedanklichen Schulterblick entdecken lassen.
Mao hatte in China Humor als „Spionage“ verboten. Dass der oft einem gedanklichen Schulterblick gleichkommt  und sieht was sich im Vordergrund versteckt wird der Grund sein.

Neue Antworten auf alte Fragen:

• unglaublich klischeene Frage die erste: Denk‘ Dir eine Zahl zwischen eins und zehn?
Antwort: π. Ist eine Zahl. Zwischen eins und zehn. Bringt ‚gedenkenlesende‘ Zauberkünstler zur Verzweiflung. Siehe auch Blue-Seven-Phänomen: auf die Frage nach einer Zahl und einer Farbe werden oft Blau und 7 genannt.

• unglaublich klischeene Frage die zweite: Sind Zebras schwarz mit weißen Streifen oder weiß mit schwarzen Streifen?
Antwort: unsichtbar, mit schwarzen und weißen Streifen. Angesichts dessen wie die Biologie erklärt warum Zebras das typische Streifenmuster haben garnicht so blöd wie es sich anhört: es dient der Tarnung vor der Tsetsefliege. Bringt Papis von Vierjährigen im Zoo zur Verzweiflung. [irgendwo per popkultureller Osmose gefunden, ich weiß nicht wo]

• unglaublich klischeene Frage die dritte: Was würdest Du als einziges aus Deiner brennenden Wohnung retten?
Antwort: mich!!! Sollte offensichtlich sein. Bringt Hobbypsychologen zur Verzweiflung. Deren eigentliche Frage: was jemandem wichtig ist. Selbst schuld.

• unglaublich klischeene Fangfrage: Was tun Pinguine, die Eisbären begegnen?
Implizite Besserwisserei mit keinen Pinguinen auf der Nordhalbkugel – ist falsch. Pinguine brüten sehr wohl im Norden – ganze 10 Winkelminuten vom Äquator auf Galapagos.

Ungewöhnliche Paarungen:

• Tibetflaggen made in China. Wie im Doppeldenkthread geschrieben: Unentbehrlicher dernier cri für Gutmenschen von Welt, die ihrer Ablehnung chinesischer Tibetpolitik durch Unterstützung chinesischer Wirtschaft Ausdruck verleihen möchten.

• Die Flaggen der Schweiz und der Türkei. Eigentlich dieselbe Flagge – rot mit einem weißen religiösen Symbol in der Mitte. Reaktionen darauf in Ländern die keine Bevölkerungsmehrheit dieser Religion haben sind es nicht.

• Französisch pauvre und englisch power. Das eine wird im deutschen so geschrieben wie das andere gesprochen, und umgekehrt. ‚Ausgepowert‘ kommt von ‚pauvre‘ und hieß ursprunglich ‚pleite‘.

Tatsachen die niemand glaubt:

• insgesamt sind Lebensmittel heute viel gesünder als vor 150 Jahren. Vor allem Trinkwasser. ‚Heil’fasten dagegen ist fürchterlich ungesund. Führt zu Gicht, Nierenschäden, Leberschäden, Diabetes, Herzgefäßerkrankungen und Übergewicht.

• Starkregen kann in der Alpenregion Erdbeben auslösen. Der Stärke 2.

• Destilliertes Wasser ist trinkbar. Aber mit Sauerstoff angereichertes Wasser verbessert nicht die Sauerstoffversorgung. Außer bei Fischen.

• 1900 war ein Schaltjahr – in Russland.

• Das deutsche kennt fünf Fälle, von denen der fünfte grammatikalisch eigentlich der sechste ist – und die gleiche Form hat wie der erste.

Was nicht stimmt und oft geglaubt wird:

• Marmelade nur in eine Richtung rühren. Keine (giftigen) Vogelbeeren essen. Länger gekocht sind Vogelbeeren sehr wohl essbar. Zum Beispiel als Marmelade.

• Eine erbliche Immunität gegen HIV, die von Überlebenden der Pest stammt. Die Genvariante CCR5∆32 schützt vor Ebola, nicht HIV. Daher stammt sie auch.

• Das Internet vom amerikanischen Militär. Es wurde vom CERN erfunden, um wissenschaftliche Daten zu tauschen.

• Sudoku aus Asien. Es kommt aus New York und trug lange den Namen ‚Number Place‘.

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Veröffentlicht am Oktober 18, 2014 in Smalltalk, Zufälliges und mit , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 6 Kommentare.

  1. … aber ja, Wasser war vor 150 Jahren meist überaus mit Keimen durchsetzt, weil man keine Kläranlagen hatte, aber häufig in Ballungszentren zusammenwohnte. 1892 wunderten sich die Hamburger, weshalb sie an der Cholera starben – dabei hatte die Ingenieure doch so schöne Kloakengruben ausheben und ausmauern lassen, die waren so schön, dass man sie kaum je leeren musste, sie leerten sich von selbst. Daneben lagen die Brunnen. Kunststück.

    Aber wenn man jemanden fragt, wie wohl vor 150 Jahren so das Wasser schmeckte, wird er einem sofort ein perlendes Bild aus der Mineralwasserreklame erzählen.

    Überhaupt war Essen ungesund, so um 1864. Fleisch war fett, weil man bürgerlicherseits glaubte, dass gutes Fleisch fett sein müsse (man sehe sich die Fotos von all dem Schmerbäuchigen dieser Zeit an, und wer dünn war, litt Mangel), Gemüse erhielt man fast nur in eingekochter Form, und selbst die Apfelsinen (aus „ich habe Fisch und Hühnerfleisch und schöne Apfelsinen“ von Heinrich Heines Mutter) waren zuvor wochenlang in schlecht gelüfteten Äppelkähnen unterwegs gewesen und meist verschimmelt (kann man dann abwischen!, sieht keiner mehr).
    Das war übrigens alles B!O. Alles.
    Oj. Und wie gesund war das alles so

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    • A Propos Essen: Vergiss nicht Bandwürmer. Und Salmonellen. Und Schimmelpilze. Und Maden. Und Kakerlaken. Und Lebensmittelmotten. Und Hepatitisviren. Und Clostridien. Und Mutterkorn*. Und … *Liste mit 3872 Einträgen*…
      A Propos Wasser: Zu meiner Unizeit hat der Prof von Zeiten erzählt wo sich die Leute nicht getraut haben in der Isar zu baden, aus Angst vor Polio. Good riddance.
      Ein Spruch von meinem im anderen Thread erwähnten Erste-Hilfe-Kursleiter den ich nie vergessen werde: Früher sind die Leute mit zwanzig an der Lebensmittelvergiftung gestorben, heute schimpfen sie mit neunzig noch über die Chemie im Essen.
      Dafür ist mir in der Vorlesung über Tropenkrankheiten regelmäßig schlecht geworden. Man kann nicht alles haben.

      * zu Mutterkorn fällt mir noch etwas anderes ein: ich habe irgendwo gelesen (kann das aber nicht verifizieren), was damit gemeint war daß Sokrates ‚die Jugend verderbe‘ war folgendes:
      Er hat ihnen ein Geheimnis der Priesterschaft verraten, das diese in ihren Ritualen gebrauchte: wie man etwas LSD sehr ähnliches braut. Die Gerste auf bestimmten Feldern (nasskalten) ist besonders anfällig für claviceps purpurea, den Mutterkornpilz. Im alten Griechenland wurde das für Ritualzwecke absichtlich so angebaut. Denn: daraus Ergotamin herauszulösen ist nicht sonderlich schwer (u.a. Wein auf Bier, das rat ich Dir). Vom Ritualgegenstand zur Partydroge – klar daß Sokrates umgebracht gehörte!
      Wenns nicht stimmt, ists wenigstens gut erfunden 😀 .

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      • Mutterkorn. Als mein Vater jung war, in den 1920ern, gab’s oft Mutterkornvergiftungen (und mal wieder kein eleusinischer Mysterienpriester in der Nähe), oh ah, alles aus natürlichsten Äckern, natürlichst gedüngt.

        Übrigens kam es in den Achtzigrn plötzlich vermehrt zu Mutterkornvergiftungen, weil die Ökos, die das Korn angebaut hatten, naturgemäß nichts dagegen getan hatten. Da hat mir mein Vater das mit dem Mutterkorn erzählt. Ich wollt’s nicht mit meiner Weltanschauung vereinbaren, denn die war grün.
        Was leider bestens erklärt, wie es überhaupt immer zu diesen Mutterkornfunden in Biobrot kam (und kommt).

        – Und Würmer, allerley widerlich Gewürm, jaha, auch der Bandwurm!, der war de rigueur, den Bandwurm zu haben war etwa in der Pfalz der 30er Volkskrankheit, jeder hatte den mal.
        Und Fischvergiftung, nicht? Nicht eingesalzener Fisch galt als fein, also servierte man ihn. Durch unzureichende Kühlung war er schlecht geworden, ohne dass man’s gleich roch, oder der Koch hatte fein gepfeffert.
        An sowas nibbelten viele einfach ab

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        • … wobei dieser Bericht über Sokrates‘ Tod auch eine rückdatierte Freimauerlegende sein könnte?
          Wobei aber während der Mysterienveranstaltungen in der Nähe Athens allerhand passierte. Da wurden Göttergestalten gesichtet und so. Keiner weiß es, aber manche vermuten, dass die Mysten (die dort Einzuweihenden) vorher irgendwas Mutterkornhaltiges bekamen.
          Womit man sie freilich betrogen hätte –

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        • 😆 Wenn ich Deinen Kommentar lese, sehe ich zwischen den Zeilen förmlich die antiken Mysterienpriester; wie stocksauer sie sind, daß ihnen jemand erzählt: Leute, betrügen ist nicht. Rumhuren ist auch nicht. Und besonders abmurksen ist nicht. Und das alles noch mit dem Schädel vom letzten LSD-Rausch und dem high davon das athener Societygirl flachgelegt zu haben.

          Wie machst Du das, mit Worten Bider malen? Lese ich immer wieder gern, Deine Kommentare 😀

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  1. Pingback: Kontraintuitiv | kleines Südlicht

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