Novemberblüten

Allertotentrauerbußnovembernebelnieselfrierenässematscheschlonz.

TrauerDas beschreibt das Wetter um diese Jahreszeit doch recht gut. Gratis reingeworfen zu dem was meteorologisch so von oben kommen kann – Niesel-, Schnee-, Graupel- und überfrierende Regenschauer – oder von unten – Matsch und Blattschlonz und Halbgefrorenes – oder von überall – Nebel, Dunkel, Kälte – alle Stillen und sonstwie Gedenktage, die der November so zu bieten hat. Allerheiligen. Allerseelen. Volkstrauertag. Buß- und Bettag. Totensonntag. Die Wertung: zum heulen, eine Strafe und auf den Tod deprimierend; die hat sich von ganz allein hineingeschlichen. Auch die passt aber zum Novemberwetter. Wie es eine Freundin von mir ausgedrückt hat: wenn sich jemand den Termin für einen Totengedenktag ganz frei aussucht, wird der nicht im Juni sein; dann gehen die Leute nicht zum Grab, sondern an den Badesee. November ist eh schon halbes Totenreich.

Normalerweise.

Kirsche 1Dieses Jahr ist es warm. Bislang zumindest, es kann auch ganz schnell noch der Schnee bis zur Dachtraufe kommen. Jetzt gerade aber ist es so warm, daß hier um die Ecke im Park die Kirschen auszutreiben anfangen. Novemberblüten, Kirschblütennovember.

Den Kirschen macht es nix, wenn die Triebe frieren (was im frühen Frühjahr öfter vorkommen kann) treiben sie auch mehrmals aus. Wie alle Laubbäume in gemäßigten Breiten können sie gut mit ‚Frühstarts‘ leben. Sonst gäbe es in denen nur Nadelbäume.

Kirsche 2Hübsch, oder?

Dabei kann auch die Kirschblüte halbes Totenreich sein. Demnächst, am vierten Dezember, ist der Tag der heiligen Barbara. Während die Kinder grundsätzlich noch begeisterter von ihrem Kollegen Nikolaus zwei Tage später sind, haben sie auch Freude daran am Barbaratag Kirschzweige abzuschneiden und in eine Vase zu stellen. Pünktlich zu Weihnachten blühen sie. Woher die Idee kommt, wird kaum jemals erzählt: der Legende nach war die außer der Reihe blühende Kirsche ebenjener Heiligen ein Omen für ihre bevorstehende Hinrichtung.

Nein, weder wäre der Katholizismus was für mich; noch weiß ich wie Legendenschreiber von der Blüte ausgerechnet zur Hinrichtungsprophezeihung kommen.

Heutzutage sind die Propheten weit weniger bescheiden. Da ist dieselbe Blüte nicht nur ein Bote des eigenen Todes, sondern gleich ein Bote des nahenden Weltuntergangs. Drunter gehts nimmer: die Klimawandelhysterie heizen Novemberkirschblüten natürlich an… Dabei zeigt die Kirsche hier höchstens das aktuelle Mikroklima, über weltweite Durchschnittstemperaturen und längerfristige Trends sagt das eher nichts. Genießt das warme Wetter – das Klima ist sowieso immer eine Katastrope.

PorzellanblumeDas ist die Porzellanblume im gleichen Park, die um diese Zeit blüht und im Januar nochmal. Jedes Jahr zuverlässig.

Und das hier hat Hammer zur Klimaforschung gepostet: http://tapferimnirgendwo.com/2014/11/13/mehr-als-ein-toilettengate/#comment-75352

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Veröffentlicht am November 17, 2014 in Meteorologisches, Smalltalk, Zufälliges und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 8 Kommentare.

  1. Dein Blog wird zu einem Zufluchtsort vor einer bestimmten Wirklichkeit, Aurorula.
    Ein assoziationsreicher Text mit schönen Bildern.

    Du kannst nicht verstehen, wie Legendenschreiber von Kirschen-Blüte auf baldige Hinrichtung schließen? Das liegt daran, dass Du außerhalb des katholischen Frankreichs großgeworden bist. Die Legendenschreiber waren gläubige Menschen, nicht? Sie sehen Blutrot, das Rot des Auferstandenen, eine Heilige, die mit ihrem Erlöser zusammen im Paradies sein wird – Wann? Sobald die Kirsche erblüht. Nicht anders wird die heilige Barbara im Himmel erblühen.
    Diese Paradiesgeschichte ist, was sie ist, aber immer noch weniger unsympathisch als die muslimische Version von den 72 Dauerjungfrauen; wobei die Märtyrerinnen dort („Märtyrer“ im Sinne von „Täter“, nicht im Sinne von „Opfer“) zur Belohnung nicht etwa 72 Epheben kriegen, sondern nur ihren eigenen Mann. Ob es sich lohnt, dafür Andere zu terrorisieren… Klar, hängt von dem Mann ab.

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    • Text mit schönen Bildern.
      Danke, habe ich auch ein paar Bilder für geschossen.
      Gut gefallen haben mir auch:

      Aber dann werdens zuviele Bilder.

      wie Legendenschreiber von Kirschen-Blüte auf baldige Hinrichtung schließen?
      Hm, warum Ostereier ursprünglich alle rot waren wusste ich schon, das geht auch so ein Bissl in die Richtung. Überrascht mich dann wieder fast, daß die Legende aus der Kirsche keinen Apfel gemacht hat (vielleicht hat da die Botanik einfach nicht wollen? Muß ich mal ausprobieren, ob der Apfel auch nach drei warmen Wochen austreibt bzw. einen suchen hier in der Gegend) – sonst haben sie ja auch aus allem Äpfel; eine eher prominente Feige fällt mir da etwa ein.
      Vielleicht waren die Jungfrauen ja auch fehlübersetzte Blüten (im Sinne von wörtlich, botanisch) – dann schauen die Selbstmordattentäter blöd; sie wollen das Paradies und gewinnen einen Blumentopf 😉 (Mit Früchten habe ich das sogar ernsthaft schon wo gelesen)!

      Wo es bei Nacht und strömendem Regen passend aussieht ist hier:

      Das ist der Platz des Himmlischen Friedens, durch die Busscheiben geknipst. Anhalten darf man dort nachts nicht (tags ist das eine Touristenfalle – fast – wie jede andere); aus politischen Gründen. Und schon bin ich mittendrin, im Totengedenken auf das ich oben anspiele.

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  2. Ich hatte vor, Euch Beiden was Schönes über den November zu schreiben, etwas über diese Fotos, auf denen der Himmel in Dämmerung verlischt (le ciel en blanc cassé), während an den Bäumen was blüht, weil es blühen will – während das Gras in triefender Nässe versinkt, opake Nässe überall, die man tief einatmen kann, weil in dieser Jahreszeit sonst ja nichts da ist als Stlle und Laub, das mit dem schlafenden Gras verwächst und sich in Nässe auflöst sous le ciel en blanc cassé.

    Nur sind heute Morgen in Jerusalem vier Rebben ermordet worden, mitten in einer Synagoge, wo sie grad eben ihr Morgengebet verrichteten, zerstückelt mit Äxten und durchsiebt von Geschossen, und die Mörder schrieen Allahu Akbar!!, ja was denn sonst. Das schreien sie alle, wenn die Juden ermorden, das schrie auch der Fahrer des Autos, als er am 23. Oktober gezielt in eine jüdische Menschengruppe raste und die kleine Chaja Sissel Braun ermordete.
    Die vier Rebben hatten zusammen 24 Kinder.
    Die Hamas würde auch sie sofort ermorden, wenn sie könnte, und dann würde sie wild feiern, so wie sie heute wild feiert.

    Nur will ich mich deswegen nicht von ein paar Worten über den November im nördlichen Mitteleuropa abhalten lassen. Obwohl ich vorhin ein Foto gesehen habe, das erste Foto dieser Art, das ich je gesehen habe – sonst gibt es keine Fotos von jüdischen Ermordeten!, so was machen wir sonst nicht, das gehört sich nicht.
    Die Folge ist die ABSTRAKTION jüdischer Ermordeter. So bald irgendwo ein Araber umkommt, weil die Israelis es wagten, sich zu verteidigen, werden Détalfotos überallhin verbreitet, von Arabern, damit die Weltöffentlichkeit Mitleid mit toten Terroristen bekommt.
    Aber wir Jiddn sind dafür zu anständig und zu diskret. Wir Jiddn müssen noch eine Menge dazulernen.
    Wohl darum hat jemand auf den Auslöser gedrückt und das Foto öffentlich zugänglich gemacht. Da lag ein toter Arm… ausgeblutet, das Abbild eines Arms, um den Unterarm noch die Tfilln, die Lederriemen, die man als frommer Jid anlegt, wenn man betet und wenn grad nicht Schabbes ist. Liebevoll regelmäßig gewickelte Tfilln.
    Ich denke an diesen toten Arm eines Rebben in seinem Blut – und muss mich zwingen, an die Fotos vom November und an die Blüten zu denken.

    Ob das noch was wird mit den paar schönen Worten über viel schönere Novemberbäumefotos?

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    • Weil wir hier ja entre-nous sind, schreib ich Euch mal, wieso mir der November so sehr gefällt. Ja, es gibt kaum Licht, Morgens dämmert es, Mittags dämmert es noch immer, und am Nachmittag gegen vier herrscht die andere Dämmerung, die sich vertieft.

      Ich bin mal in einem November im Exzess unterwegs gewesen, immer mit dem Fahrrad durchs Moor. Anderthalb Jahre bin ich dort unterwegs gewesen, jeden zweiten Tag durchs Moor rasend, bei jedem Wetter, im Schneematsch und bei hartem Frost und bei Raureif und im Nieselregen, bei Sonnenschein und im Nebel, durch Mückenschwärme und in der Hitze. Immer da durch, jeden zweiten Tag, dreizehn Kilometer durchs Moor und über die Heide, Abends zurück so schnell es nur ging, wegen der letzten Eisenbahn um 22:07, die ich nicht vrpassen durfte – sonst hätte ich in der Nacht in Schwerin festgesessen, Schwerin, eine verlassene Stadt aus Backsteinmauern und zerlöcherten Straßen.
      Keinmal habe ich diese Nachteisenbahn verpasst, die dann vier Stunden bis Hamburg ratterte, vier Stunden im Zwielicht hinter gähnend schwarzen Fenstern!, während meine innen klatschnasse Jacke trocknete. Da hab ich Gedichte geschrieben, auf Französisch, über meinen Sohn und über dieses Unterwegssein und über das Moor im Nebel und im Schnee und in der Sommerhitze, weil man vielleicht verrückt wird, wenn man dann keine Gedichte schreibt.

      Mein Sohn konnte erst nicht sprechen und nicht schlucken und wohl nicht denken, er hatte keine Mimik, konnte sich nicht bewegen, sein Kopf sackte weg, wenn ich nicht aufpasste. Ich war zehn Stunden dort bei ihm in der Klinik, jeden zweiten Tag, damit er nicht allein war, und damit er dann wieder sprechen lernte nach vielen Monaten.
      Keiner wusste, ob er hörte, die Gehirnmessungen hatten nichts ergeben. Dann wusste ich, dass er hört – das sieht man an den Augen.

      Keiner wusste, ob er außer dem Tonfall verstand, was man sagte.

      Bis wir nach Monaten mal wieder zum Aufzug rollten und ich ihm angelegentlich sagte, drück mal auf ‚Erdgeschoss‘. Er holte prompt mit dem linken Zeigefinger aus und haute auf ‚E‘.
      Größter Triumph meines Lebens: Er hatte 1) verstanden, dass wir ins Erdgeschoss wollten, er wusste 2), dass das ein Aufzug war, und er hat 3) den Buchstaben E erkannt und 4) messerscharf daraus geschlossen, dass das ‚Erdgeschoss‘ bedeutet!
      Ab dem Moment ging es aufwärts, und ich habe ihm oft und oft erklärt, was der Moment bedeutete, damit er es verstand.
      Zehn Minuten später hatte er es wieder vergessen, so wie alles, weswegen ich es ihm wiederholte, damit sein Gedächtnis wiederkäme, zehn Stunden lang jeden zweiten Tag, anderthalb Jahre lang.

      Dann Worte, auf einer Folie ausgedruckt, weil er nicht sprechen konnte, so bildete er durch darauf Deuten einfache Sätze, später Buchstaben auf Folie im Tastatur-Layout, die Idee hatte ich gehabt, nicht die fünf Therapeuten, gute Klinik, wohl eine der besten, aber diese Idee mit dem Tastatur-Layout hatten sie nicht gehabt.
      Er begann sinnvolle Sätze und konnte sie nicht beenden, das Gedächtnis reichte nicht. Da war Sommer. Wir waren draußen unter den Bäumen, und er erkannte nichts. Ich hatte Landkarten dabei, um ihm zu zeigen, wo wir waren. Immer wieder. Im Herbst wusste er, wo wir waren: In der mecklenburgischen Wildnis. Wir machten uns darüber lustig.

      Dann kam der Herbst und ich raste immer mit dem Fahrrad durchs Moor, dreizehn Kilometer hin, war dort, und Abends raste ich so schnell es ging zurück, die letzte Eisenbahn um 22:07!, so lernt man Pünktlichkeit. Mein Sohn verstand das nicht, er wusste nicht, was Zeit ist. Abends kam ich nie rechtzeitig los, kein einziges Mal, denn er sollte zur Nacht alles so stehen haben wie es musste, den Drücker für die Krankenschwester, das Telefon, seine Musik, eine Flasche Wasser mit Strohhalm genau auf den Zentimetern, die er mit dem Mund erreichen konnte, der Urinbeutel (pardon) musste richtig liegen, er selbst musste richtig liegen, und immer war noch was, ich war so gut organisiert wie es nur ging, aber die Zeit reichte nie!, und so rannte ich immer VIEL zu spät über den Korridor, über die Teppen und aus der Klinik hinaus, zerrte die Plane vom Fahrrad (das musste halten, ich brauchte das ja), ratschte den Scheinwerfer in die Halterung und raste los, quer über die Wiese, quer über den Weg, dann durch die Heide und durchs Moor. Mit üblem Gewissen, weil ich nicht länger bleiben konnte. Im Sommer hörte ich beim Losrasen noch aus seinem Fenster die Musik, da war er, und er lebte – er war nicht gestorben und würde nicht sterben und würde wieder gesund werden.

      Diesen wahnsinnigen Scheinwerfer mit zweihundert Lux hatte ich mir zugelegt, um mich nicht wieder zu überschlagen mit dem Fahrrad. Einmal war mir das passiert, und ich musste überall blutend mit verbogenem Fahrrad und kaputter Hand durch rabenschwarze Dunkelheit rasen, ich raste schreiend mit sechzig Sachen durch die Schwärze, nur mit den Sternen oben in der Schneise zwischen den pechschwarzen Bäumen, um die verfluchte Eisenbahn zu erwischen. Ich erwischte sie ganz knapp und schrieb ein sardonisches Gedicht, nachdem ich mir das Blut abgewischt und diese Hand eingewickelt hatte. Zum Glück heile ich sehr schnell, das liegt in unserer Familie. Uns kriegt nichts klein.

      – – Also der November. Da war dieser November, das Moor ertrank in Nässe, ich hatte über Monate diesen einen verrottenden Baumstamm im Wasser gesehen, der sich langsam veränderte, der tiefer einsank und sich bemooste und verdunkelte, und nun wurde er selbst zum Moor. Rechts und links Birken wie fahle Fackeln, obendrüber le ciel en blanc cassé, und ich in einem Tunnel aus rauschender Luft, immer so schnell es nur ging. Seitdem freue ich mich am November, man kann das alles einatmen, es riecht nach Blättern, die zu Nässe werden, es riecht nach Nässe, die zu Erde wird. Enten schnattern, wenn man an ihnen vorbeirauscht, und in der Heide vor dem Moor blühte noch immer diese eine Hagebutte, eine einzige Blüte in Himbeerrot, die einzige Farbe. Diese eine Blüte trug alle Farbe der Welt. Ronsard hat im sechzehnten Jahrhundert an der Loire in seinem Rosengarten Gedichte geschrieben, viele Gedichte, die las ich in der Eisenbahn, wenn ich selber keine Gedichte schrieb, oder ich las die Briefe der Madame de Sévigné, denn was Schönes braucht man, wenn man so was macht, was ich da machte, um nicht verrückt zu werden.

      Und seitdem mag ich den November, weil danach dieser Winter kam, der kälteste Winter jemals!, der so kalt war, dass mir der Bart einfror und die Stellen an den Waden zwischen dem Ende der Hosenbeine und den Schuhen. Drei Monate Frost, Frost und Frost, während ich mich nach dem November sehnte, denn das hier!, dieses Rasen mit vierzig Sachen über Schneeverwehungen, wann hörte das auf? Alles war über drei Monate eingefroren, die Heide ein Gletscher und das Moor die Eiszeit persönlich, und ich raste da sehr vorsichtig, ganz besonders im Dunkeln, denn keiner wird da gefunden, der vom Weg abkommt. Es reicht nur eine Sekunde –
      Ich musste aber da hin und Nachts wieder zurück. Sehe mich noch Nachts über den Schnee rasen, eine einzige Schneefläche wie in Sibirien, nur die Markierungen zeigten, wo Weg und wo Heide, eine weite weiße Fläche, glitzernd, oben drüber Sterne, der Große Wagen immer im Nordwesten, der glitzerte oben.

      Das war mächtig und furchtbar.
      Im November nicht. Da lässt sich die Nässe einatmen, die zu Erde wird.

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      • Auch wenn Alles in diesem Text zum Schweigen danach einlädt, werd‘ ich dazu was schreiben, schon um Dich typographisch nicht so allein zu lassen, wie Du in diesen anderthalb Jahren gewesen bist. Ich sage mir: Besser ungeschickt an Aris Seite als geschickt anderswo.

        Man wird noch sagen dürfen – wie war das noch: „was man ja wohl nochmal sagen können müssen tun dürfe“? –, dass es ein schöner Text ist.

        Da war dieser November, das Moor ertrank in Nässe, ich hatte über Monate diesen einen verrottenden Baumstamm im Wasser gesehen, der sich langsam veränderte, der tiefer einsank und sich bemooste und verdunkelte, und nun wurde er selbst zum Moor. Rechts und links Birken wie fahle Fackeln, obendrüber le ciel en blanc cassé, und ich in einem Tunnel aus rauschender Luft, immer so schnell es nur ging.

        Man müsste Alles zitieren. Das ist atemraubend schön; und zwar nicht zufällig, sondern weil der Autor es so gewollt hat. Es ist kein Gebrechen, die Schönheit zu bemerken und keine Sünde, sie hervorzuheben.

        Schon wieder „blanc cassé“. „blanc“ ist nicht nur der ciel da oben, sondern auch eine noch unbeschriebene Seite, eine leere Kommentarspalte. Blanc war noch der November 2008 und der Winter danach, als noch nichts feststand, als Alles noch möglich schien: das Schlimmste wie das Beste. Es ist nicht das Schlimmste geworden, baruch Haschem, aber auch nicht das Beste. Blanc cassé: Il y a quelque chose de cassé.

        Avec toi et notre ami.

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  3. Nur bemerkt: Das Gebrochene, Zerbrochene, spielt im Judentum eine große Rolle. Im Aron ha-Kodesch, dem Schrein, den die Kinder Jisrael vierzig Jahre mit sich getragen haben, waren nicht nur die unversehrten Gesetzestafeln, wie man sie kennt, sondern auch noch die Splitter der ersten Tafeln, die Mosche Rabenu zerschlagen hatte: „Luchot we-Schiwré Luchot – Tafeln und Tafelsplitter“.

    לוחות ושברי לוחות

    Die Einen so wichtig wie die Anderen.

    In Erinnerung an die Zerstörung des ersten und zweiten Tempels zerbricht der chussen ein Glas unter der chupe.
    Eben deshalb lassen auch die Jidn ein unbearbeitetes, unbestrichenes Quadrat an der einen Wand ihrer Wohnung: Nichts ist mehr vollständig, il y a quelque chose de cassé.
    Allgemeiner gilt: „Ejn schalém mi-Lew schawúr – Kein Herz ist so ganz wie ein gebrochenes Herz“.

    אין שלם מלב שבור.

    So siehts aus.

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    • Die Schiwrej-Luchojss, danke für diese unwahrscheinlich gut passende Stelle, liebe Schum, das Analogon hatte ich gar nicht gesehen. Die Tojre weiß schon… und DU weißt, was da sich da finden lässt.
      Das hilft, glaubst Du mir?, und wie das hilft.

      Was sind Schiwrej, Scherben (mal wieder erstaunt über den Gleichklang) Anderes als ein wieder weiß gewordenes Blatt?, das sind sie, keiner weiß, was daraufstand und was daraus hätte werden können, wenngleich noch alles DA ist, nur zerscherbt.

      Gefällt 1 Person

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