Freiheit ist umsonst

… schon in wenigen Jahren soll es freies Internet überall in Bayern geben …

NY_450asagte vor einigen Tagen der Nachrichtensprecher im Radio (bezogen auf eine Landesregierungsinitiative). Er meint: gratis, umsonst: free of charge.

Freies Internet? Wie in ‚Redefreiheit‘? Freedom of speach? Nun, wer weiß, ob es das in wenigen Jahren noch gibt. Überall – bei allen Themen – in Bayern und anderswo. Sicher ist das nicht.

Redefreiheit ist überhaupt keine sichere Sache: jeder kann einfach alles schreiben, jeder kann einfach alles sagen, jeder kann einfach zu allem aufrufen – sicher ist das ganz bestimmt nicht. Wer weiß schon, was aus dem geschriebenen folgt?

Gratis jedenfalls war diese Redefreiheit nicht – das wissen alle irgendwo auch ohne geschichtlichen Exkurs. Heutzutage ist Redefreiheit auch nicht gratis: viel zu oft – bei zuvielen Themen – wird sie dagegen gratis weggegeben. Das wissen alle irgendwo auch ohne politischen Exkurs; wollen das aber vielleicht doch nicht so genau wissen.

Dann war die Redefreiheit doch umsonst. Umsonst weggegeben. Freiheit ist also nur umsonst, wenn jemand sie weggibt.

Was aus Überlegungen zu einem Schreibfehler alles werden kann!  🙂

(im Bild: Staffellauf im Souvenirshop? Wenn ich ein Bißchen springe, könnte ich die Fackel fast übernehmen, ohne mir die Finger zu verbrennen? Schaut fast so aus, nicht wahr?)

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Veröffentlicht am November 29, 2014 in Philosophisches, Smalltalk und mit , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 6 Kommentare.

  1. Das richtige Thema zur richtigen Zeit.
    Vorerst zum Aufwärmen aus dem Aufsatz von Axel Eggebrecht: „Wer weiter liest, wird erschossen!“ (Januar 1932):

    „Noch kurze Zeit: Wer dann in Deutschland noch von geistiger Freiheit spricht, der hält Leichenreden.“

    (Zit. n. Süddeutsche Zeitung, 30.06.2003)

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  2. Im deutschen Lande bedeutete frei einst in der Umgangssprache, dass man jemanden freihält (ihm im Beisl das Bier bezahlt), und es bedeutete Freibier (einer gibt’s aus, und alle dürfen mitmachen).

    In der Vertragssprache der Konsistorien, des alten Reichtags usf. bedeutete Freiheit die Rechte einer Gruppe: Cuius regio, eius religio, wer herrscht, bestimmt die Religion.
    Nichts von Individualfreiheit.
    Im siebzehnten Jahrundert schrieb man über die fürstliche Libertät, und die bedeutete auch nicht die individuelle Freiheit eines Einzelfürsten, sondern allein die Herrscherrolle des Amtsinhabers. Wobei Libertät aus dem Französischen übernommen war, ach ja, wo Montaigne längst über die allein mögliche Verknüpfung von Freiheit & Individuum geschrieben hatte.
    In England John Locke auch.

    Hierzulande wurde dieser Gedanke wohl durch den Dreißigjährigen Krieg (der die Deutschen als Deutsche bis heute prägt) so nachhaltig zerstört, wie es nachhaltiger nicht geht: Man empfand seitdem als Freiheit wohl als die Zügellosigkeit kleiner Mordbanden. Weswegen die Freiheit Einzelner zu unterbinden war, bis weit ins zweite Kaiserreich und bis ins zwanzigste Jahrhundert.

    Freiheit galt in der Weimarer Republik als Luxus und als verdächtige, die Nation zersetzende Asphaltspinnerei, und man warf sie sofort weg und wich bereitwillig den Feinden der Freiheit.
    Noch heute gilt Freiheit deutscherseits als anrüchig…
    Da kommt die ungelenke Übernahme des Ausdrucks free = kostenlos aus dem Englischen sehr gelegen! Womit man wieder so praktisch beim Freibier und beim freien Internet angelangt ist.

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    • Danke für den feinen Überblick. Du hast aber Cuba libre vergessen. Oberwichtig, Cuba libre in den 70er Jahren.

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      • Unbedingt (Cuba libre, da ist wieder diese glorifizierte Antifreiheit) – und wenig später stand auf Flugblättern immer „Freiheit für die politischen Gefangenen!“, aber nicht die im Gulag waren gemeint, sondern Baader-Meinhof.

        P.S
        Planter’s Punch soll besser sein als Cuba libre 🙂 , aber ich weiß das nur theoretisch

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        • Musste Planter’s Punch nachgoogeln, man ist nicht immer auf der Höhe früherer Zeiten. Auch ein karibisches Rum-Getränk. Klingt lecker.

          Was Du zu Cuba libre schreibst, ist nur zu richtig. Habe noch eine Szene in Erinnerung, wie Gulag-Wärter den halbkrepierten Insassen eine Protestnote der SU-Regierung gegen chilenische Zustände vorlesen. So viel Lachen war in Sibirien seit Jahrhunderten nicht. Ich suche noch nach dem Ausschnitt. Auch mein Sseder lässt zu wünschen übrig. 🙂

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        • … unser Hammer wär ja schrecklich begeistert, ich seh’s vor mir. Kopfkino, wie Aurorula sagen tät 🙂

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