Die einzig wahre Antwort

Gestern, nur Stunden nach dem Attentat auf Charlie Hebdo, sitzt der britische Vizepremier Nick Clegg als Experte auf LBC und beantwortet am Telefon Fragen zum Terroranschlag.

Als Omar aus Croydon anruft und zur üblichen Terrorversteherleier anhebt die Zeichner seien an ihrer Ermordung irgendwie selbst schuld, hätten provoziert, Heiliges beleidigt, religiöse Gefühle verletzt – da bricht es aus Nick Clegg heraus, und er haut dem Anrufer seine Aussage um die Ohren:

Entschuldigen Sie, Omar, aber hier muß ich einfach unterbrechen. Wenn ich Sie richtig verstehe; dann kann ich es kaum in Worte fassen wie gründlich ich die Ansichten ablehne die Sie hier äußern. Ich sage es Ihnen ganz deutlich: Es kann. dafür. keine. Entschuldigung. geben; keinen Grund; keine Erklärung – nein, entschuldigen Sie mal, unterbrechen Sie mich jetzt nicht – Nein, schlicht nein – machen Sie sich das klar, Omar: Diese Leute haben Zeichner umgebracht, für nichts weiter als Zeichnungen zu zeichnen die die Attentäter zufällig beleidigend fanden. Und wissen Sie was, Omar; das hier ist der zentrale Punkt an der Sache in einer freien Gesellschaft, Omar: schlussendlich müssen diejenigen in einer freien Gesellschaft auch frei sein einander beleidigen zu dürfen. Es kann keine Freiheit geben ohne die Freiheit einander zu beleidigen. Keiner von uns hat das Recht nicht beleidigt zu werden. Und dieser. fundamentale. dieser fundamentale. Bruch dieses elementaren Prinzips die Freiheit zu haben andere zu beleidigen – eben nicht zu sagen daß es irgendwie jemanden geben könnte der irgendwoher ein Recht darauf hat daß niemand ihn beleidigen darf, in einer demokratischen und offenen Gesellschaft: genau und exakt dieses Prinzip ist es das bedroht wurde durch diese mörderischen Barbaren! Und allein die Andeutung, Omar, es gäbe eine Rationalisierung, eine Erklärung, ein Motiv die sie irgendwie absolvieren, oder irgendwie dazu führen … irgendwie zu einem besseren Verständnis führen von soeiner grauenvollen, kaltherzigen, feigen Tat – das finde ich, ich finde das bel…

[Anrufer unterbricht mit Zustimmung zu Nick Cleggs Verdammung des Attentats, aber mit dem Hinweis es ginge nicht um die Zeichnungen allein, sondern eine ganze Reihe von Demütigungen etc. Schlägt eine Brücke zu CIA-Folter und amerikanischer Außenpolitik.]

Aber Omar, Omar! Omar, um Himmels Willen! Um Himmels willen, vermischen Sie nicht Sachen die nicht zusammengehören. Natürlich sind diese Dinge grundfalsch. Ich habe in diesem Programm schon in einer früheren Sendung darüber gesprochen: die Art ist grundfalsch, so wie es jetzt in diesem Bericht offengelegt wurde wie die amerikanischen Geheimdienste sich aufgeführt haben. Sie haben Dinge getan die grundfalsch und völlig inakzeptabel sind in einem Rechtsstaat. Aber das irgendwie und auf irgendeine Weise zu vermischen mit den perversen Gedanken die in den Köpfen dieser Idividuen [Anm: der Attentäter] vorgehen müssen? Hineinzugehen, in eine Zeitungsredaktion hineinzugehen und einfach so Zeichner zu erschießen – ich, ich, denke den Gedanke allein daß Sie hier eine Verbindung ziehen finde ich derart unerklärlich… Es gibt. keine. Verbindung. die sie irgendwie versuchen könnte zu erklären; eine derartig, derartig wahllos beiläufige, eine derartig grausame, eine derartig feige Tat wie die die wir gestern in Paris mit ansehen mussten.

Live zu sehen ist Nick Cleggs starke Aussage hier: http://www.telegraph.co.uk/news/politics/nick-clegg/11333256/Watch-Nick-Cleggs-amazing-answer-to-phone-in-caller-on-Paris-shooting.html

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Veröffentlicht am Januar 9, 2015 in Kein Smalltalk, Politik, Weltanschauung und mit , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 9 Kommentare.

  1. Zuerst vielen Dank, Aurorula. Die Ereignisse überschlagen sich, ich komme nicht nach, schon gar nicht zu innerer Sammlung.
    Ich sehe, dass Du noch einen Artikel zu „Wir sind alle Charlie“ gepostet hast.

    Gibst Du mir etwas Zeit, ja?

    Trotz allem: schönes Wochende!

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    • Dir trotz allem auch Schabat Schalom / schönes Wochenende 🙂

      Ich komme auch nicht nach, so schnell wie sich die Ereignisse überstürzen. Der andere Artikel besteht (mit ein Bißchen Einleitung) nur aus dem Wesentlichsten: den Namen der Ermordeten, einem Licht und daß sie nicht vergessen werden. Eine Art geistige Verbeugung vor großen Leuten an einer kleinen Stelle, die viel zu früh und viel zu grausam aus dem Leben gerissen wurden.
      Kommt Zeit, kommen die Worte wieder, kommt auch Beiwerk.

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      • Sehr gute Übersetzung, Aurorula, die drangvolle Stimmung von Nick Clegg überträgt sich, ich höre ihn reden.

        Der Anrufer Omar-the-Brummer hat all das wiederholt, was derzeit, nein, was seit der Minute des Pariser Massakers überall apologetisch verlautet wird: Dass das nichts mit dem Islam zu tun habe, dass aber (dolles Aber, die sollten es sich patentieren lassen) sie Mörder provoziert worden seien: Naturgemäß von den Karikaturen, und selbstverständlich von den USA und den Israelis.

        Dass diese moslemischen Mörder also keine Moslems seien, wird behauptet, und im selben Satz wird behauptet, dass sie sich jedoch von Nichtislamischem hätten provozieren lassen.

        Der logische Widerspruch fällt freilich jenen nicht auf, die sich zuviel mit dem Koran oder mit dem Appeasement der koranischen Handelnden beschäftigt haben.

        A guttes Schabbeswochenende 🙂

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  2. Liebe Aurorula,
    der Einsprachler Paul, dankt Dir ganz herzlich für die Übersetzung.
    Anscheinend hat Nick Clegg das Herz auf dem richtigen Fleck.

    Liebe Grüße, Paul

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  3. Doch, schon jetzt eine Reaktion auf Cleggs großartige und dabei so selbstverständliche Erwiderung auf Omars Terrorverteidigung:

    Aber das irgendwie und auf irgendeine Weise zu vermischen mit den perversen Gedanken, die in den Köpfen dieser Individuen vorgehen müssen? Hineinzugehen, in eine Zeitungsredaktion hineinzugehen und einfach so Zeichner zu erschießen – … den Gedanken allein, daß Sie hier eine Verbindung ziehen, finde ich derart unerklärlich…

    Wie gerne würde ich diese Worte von Clegg und anderen Politikern nach einem Attentat in Israel hören!
    Zwar meine ich, dass sich die israelische Regierung für ihre Politik gegen Fantastinenser nirgends außer vor der eigenen Opposition zu rechtfertigen hat, also nicht Gegenstand einer Verurteilung sein kann, wie sie die amerikanischen Geheimdienste trifft – aber egal, wie man zu Israels Politik steht: Es gibt keine Verbindung zwischen dem Mord an drei Jeschiwe-Bocherim oder an vier Rabunim und der Bautätigkeit in Ost-Jerusalem. Es gibt nichts als grausame, feige Taten.
    Zum Teufel! Hat denn niemand in der politischen Klasse die Eier, das klar zu stellen?

    Danke nochmal für die translation. Jetzt weiß ich definitiv, was ich an Dir habe. 🙂

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  4. Dr. Shimon Samuels, der Direktor für internationale Verbindungen des Simon-Wiesenthal-Centre in Paris, sagte:

    „Die jüdische Gemeinschaft fühlt sich wie auf dem Rand eines speienden Vulkans.
    Ein afrikanischer Dschihadist hat in einem koscheren Pariser Supermarkt Geiseln genommen und bereits zwei von ihnen ermordet. Die Geiseln sind Frauen und Kinder.
    Auf der anderen Seite der Pariser Banlieues werden die beiden Mörder der Redakteure von Charlie Hebdo belagert – sie haben mindestens eine Geisel bei sich. Der Terrorist aus dem koscheren Supermarkt gehört zu jenen Beiden. Er hat gestern im Süden von Paris eine Polizistin ermordet.
    Diese Szenen sind ein Kriegsfilm mit Polizei und Sonderkommandos. Aber der Krieg ist so lange keiner, bis dieser Irrsinn öffentlich als Ausnahmezustand benannt wird.
    Eine Kultur der Entschuldigerei ehrt die Verbrecher als „im Affekt handelnd, entfremdet, frustriert, arbeitslos“. Bisher jedoch hat keine andere Gruppe frustrierter Arbeitsloser sich so benommen.
    Bis die Politiker und die Medien dieses Problem als Dschihadismus benennen, der von Moscheengemeinden aus Frankreich und nicht nur aus dem mittleren Osten gesteuert wird, kann dieses Krebsgeschwür nicht isoliert und nicht bekämpft werden.
    Der speiende Vulkan ist von einem Mantel der Leugnung überdeckt. Die jüdische Gemeinschaft kennt die Wirkung eines Vulkans nur zu gut.
    Am heutigen Schabbes beten wir für die Geiseln und für eine ruhige kommende Woche.“

    Im Original:
    Earlier reaction on the ground from Dr. Shimon Samuels, Paris-based Director for International Relations of the Simon Wiesenthal Center:

    “The Jewish community feels itself on the edge of a seething volcano. Hostages in a Kosher supermarket held by an African Jihadist, who reportedly already killed two victims. Those held are mainly women and children. On the other side of the city’s suburbs, the two murderers of the Charlie Hebdo atrocity are holed up with at least one hostage. The supermarket terrorist is identified as an associate of the other two. He was responsible for killing a policewoman yesterday in southern Paris. The scenes are out of a war movie, surrounded by police and special forces. But the war is undeclared as long as the sickness is not publicly named as a State of Emergency. A culture of excuse exonerates the perpetrators as „disaffected, alienated, frustrated, unemployed.” No other group of frustrated unemployed has resorted to such behavior. Until politicians and media define the problem as Jihadism, remote-controlled from mosques in France and not only the Middle East, the cancer will not be isolated and destroyed. The seething volcano is covered by a flimsy blanket of denial. The Jewish community knows only too well the impact of an explosion. We pray this Shabbat for the hostages and calm for next week.”

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  5. … wie lautete noch dieser erstaunlich bösartige Wunsch: Möge man in interessanten Zeiten leben.

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    • Sogar das Buch in dems steht heißt Interesting Times – verdammte romantische Ironie! 😉
      (Das ist im Buch der einzige Fluch, der in einer poetisch verschnörkelten Sprache noch bleibt. Geäußert wirds mitten in einer Revolution, also wahrlich genügend interessanten Zeiten.)

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