Seelenklau

Während die Zählweise unterschiedlich ist wo genau es verboten ist:
klauen ist etwas, das die Einleitung ‚Du sollst nicht…‘ bedingt.
Vor einiger Zeit – okay, vor längerer Zeit – kommentierte schum74 in einem Beitrag darüber, was ‚klauen‘ bedeuten könnte; was es ist das nicht geklaut werden soll:

[…] lesen wir übermorgen die Asseret ha-Dibrot, die Zehnworte. Zu dem achten Diber „lo tignów“ – stiehl nicht – bringt Raschi eine überraschende Deutung:

לא תגנוב –
בגונב נפשות הכתוב מדבר.

Be-Gonéw Nefaschót ha-Katúw medabér ‒ Der Text spricht hier vom Seelendieb.
Was ist ein Gonéw Nefaschót, ein Seelendieb? Einer, der Juden zwangsbekehrt? Solche mag Raschi im 11. Jahrhundert im Sinn gehabt haben, aber hier zitiert er den Talmud.
Laut Chasal ist ein Gonew Nefaschot ein Menschenräuber, ein Boko-Haramist, ein Sklavenhändler. Wer einen Menschen raubt, unterwirft ihn einer anderen Autorität als Elokim. Wer sich aber dem Volk Israel am Sinai mit den Worten vorgestellt hat:

אנוכי ה’ אלקך אשר הוצאתיך מארץ מצרים מבית עבדים.

„Anochí Haschem Elojkécha aschér hozetícha me-Erez Mizrájim mi-Bet Awadim ‒ Ich bin Haschem dein G’tt, der dich herausgeholt hat aus dem Land Ägypten, aus dem Sklavenhaus“
fordert Freiheit für den Menschen.

Seelendiebstahl ist so ernst, dass er zum Dekalog gehört.

„Und was ist mit Gelddiebstahl?“, fragt der Antisemit listig. „Den Juden erlaubt, wie?“
*Würdigt den Elsässer keiner Antwort*
Ist natürlich in der Tora, hier:

לא תִגנובו ולא תְכַחֲשו ולא תְשַקרו איש בעמיתו. (ויקרא יט, יא)

Lo tignówu we-lo techachaschú we-lo teschakrú Isch ba-Amitó.
[Stehlt nicht und leugnet nicht ab und belügt nicht Einer den Anderen. (Lev 19, 11)]
Es wäre was über die Steigerung zu sagen, aber nicht jetzt.
Wie findet Ihr das, dass die meisten Juden die christliche Deutung des 8. Gebots übernehmen?

Ich fasse einmal zusammen, wie ich meine Schum verstanden zu haben – falls das etwas anderes ist als sie mitteilen wollte, kann sie mich ja korrigieren; dann flicke ich aus 🙂 :
Wer sich jemand anderem als absolute Autorität überstellt, der nimmt ihnen die Identität. Denn: wer andere zwingt Ansichten oder Verhalten aufzugeben ohne die sie nicht länger sie selbst sind, stiehlt ihnen quasi ihr Selbst. Und tut das in dem Moment, indem von oben herab oktroyiert werden kann, was für diejenigen unten gut und böse zu sein hat – egal ob selbst als absolute Gewalt oder über Umwege wie Ideen oder Idole. Die vollkommene Sklaverei, die der Gedanken. Und das, schreiben Raschi und Schum, ist es, das zuallererst verboten wird.

Hierzu fällt mir ein, daß auch die amerikanische Journalistin Caroline Glick in einem Vortrag in dem sie ein Buch vorgestellt hat über große Wir-Ideen und die Ursache für deren fatalen Hang zum Antisemitismus etwas sagt, das fast dasselbe ist: „… because once you know better than an individual what’s good for him or her, you’re an absolute power. And at that moment you must reject jews, who understand that there is no such thing except G’d – and by the way: you’re not Him!“
([https://www.youtube.com/watch?v=_63GLG15hBo] bei ca. 10:30; sinngemäß zitiert, etwas gekürzt)

Hier spielt noch ein anderer Gedanke mit hinein, dem die Einleitung „Du sollst nicht…“ mindestens ebenso gebührt: sich selbst an die allerhöchste Stelle zu setzen. Vor alle anderen, vor alle Gesetze, vor alle Ethik. Sich selbst nicht zu vergöttlichen; klassisches Beispiel dessen was gemeint ist in Platons Frage: ist es gut, weil es die Gesetze fordern, oder fordern es die Gesetze, weil es gut ist? (Platon, nu, auch ein blindes Huhn…)
Bedingt sich das nicht überhaupt gegenseitig, frage ich mich gerade, sich selbst anzubeten und die Forderung von anderen angebetet zu werden – die als Form des Seelendiebstahls gesehen werden könnte? Um sich als anbetungswürdig zu begreifen, holt sich jemand die nötige Anbetung dazu – im Extremfall mit Gewalt; und das ist dann der Seelenklau. Infolgedessen würde auch auch das eine Verbot (verabsolutiere Dich nicht!) ein Spiegelbild des anderen (und verlange das auch nicht von anderen!). Der Seelenklau als Zwangsbekehrung zur neugeschaffenen Weltordnung – auch die fällt, was Schum oben anklingen lässt, natürlich unter Seelenklau. Dann ist es eben die große Idee, das große Wir, zu dem sich jemand rechnet und das er angebetet wissen will. Zu beobachten sehr schön, wo das Pronomen ‚er‘ für den IS steht. Ein Handeln im Auftrag der absoluten Macht, aber qua Vertretung dasselbe wie sich selbst zur absoluten Macht zu erheben: anderen die Identität zu nehmen in der Absicht sie zum Teil des großen Wir zu machen.
Widerstand ist zwecklos.
(Fußnote: auch das mißbrauchen des Heiligen für eigene Zwecke kommt mit der Einleitung ‚Du sollst nicht…‘, auch hier aus diesem Grund?)

Diese Art Seelenklau im großen, Kragenweite IS, gibt es leider oft genug – aber was ist mit den Leuten im kleinen, alltäglichen Gewurschtel? Mit denen, die nicht gleich den nächsten IS aus der Taufe heben wollen? Oder den bereits existenten?
Der Chef, der im Sinne der corporate identity erwartet, daß sich die Angestellten als [hier-Firma-einsetzen]-ianer sehen und/oder im Zuge des Work-Life-Blending immer und überall präsent, erreichbar, verfügbar, vorrangig fürs Unternehmen da sind? Ist auch ihm zu sagen: Finger weg von der Identität der anderen!? Ich finde, ja.
Dem Vereinsvorstand, die Mitglieder vor allem als Kaninchenzüchter-Eisenbahnbastler-Unterwassereishockeyspieler-Städtepartner sieht und findet daß jede(r) ’nur konsumiiiiieren will‘, die nur ihre Beiträge zahlen, ab und zu mal auftauchen und sich im übrigen ’nicht genug einbringen‘? Dem Kindergarten, der von den Eltern dasselbe sagt und verlangt? Politischen Verbänden, die wollen daß ihre Mitglieder und Wähler so denken wie sie? Jenen, die ein Bekenntnis zu Ideen verlangen, von denen jeder weiß daß sie gut sind: schlechten Plastiktüten, guten Energiesparlampen, bösem Fett, entsetzlichem Zucker, Klimawandel, undundund?
Das alles kann ein Anspruch auf die Identität der anderen sein, muß es freilich nicht. Hier gilt wohl was der amerikanische Bundesrichter seinerzeit über jugendgefährdende Inhalte gesagt hat: I know it when I see it.

Sind Seelendiebe also, auf grundsätzliche Einstellungen heruntergebrochen, die die andere zum Teil eines größeren, besseren Wir machen wollen? Alle die, oder nur diejenigen die im Zuge dessen das einfordern, was die anderen selbst ausmacht? Oder ist dieses Teilwerden des größeren Wir des Einfordernden modus operandi des Seelenklaus?

Wahlurnen in München

münchner Wahlurnen – ‚Papierkorbstimmen‘ neu interpretiert

 

Fast, aber nicht ganz zum Thema – die klassische Papierkorbstimme: Deine Meinung zählt nicht.

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Veröffentlicht am Mai 31, 2015 in Fremde Feder, Kein Smalltalk, Weltanschauung und mit , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 11 Kommentare.

  1. Was für ein reichhaltiger, gelungener Artikel! Sitze davor wie vor einer Jom-ha-Azma‘ut-Torte mit Deckel aus weißem Zuckerguss und blau-cremigem Davidstern. Wie schneidet man die an, wo senkt man die Gabel zuerst?

    Wie genau Du verstanden hast, Aurorula, zeigt sich daran, dass Du von Tora/Raschi ausgehend selbständig weiter denken kannst.
    Und dann gleich ein mir neuer Gedanke in einem Text über die Zehn Gebote, worüber ich schon mehr als einen Kommentar gelesen habe ‒ *trinkt einen Schluck Wasser zur Beruhigung*

    Das Neue? Die kühne Verbindung zwischen drei Geboten: dem 2., dem 3. und dem 8. Du sagst nichts anderes, als dass 2 und 3 auf 8 hinauslaufen, oder dass 8 2 und 3 in sich einschließt.
    Aber der Ordnung halber zuerst die drei Gebote hintereinander aufgeschrieben, auch auf Iwrit, sonst gildet das nicht.

    לא יהיה לך אלהים אחרים על פני

    Lo jihejé lechá Elohim acherim al Panáj (2. Diber)
    Du sollst keine anderen Götter haben vor meinem Angesicht (Leopold Zunz: „vor mir“).

    לא תשא את שם ה‘ אלקיך לשוא

    Lo tissá et Schem ha-Schem Elokécha la-schaw (3. Diber)
    Du sollst den Namen von Haschem nicht vergeblich (für nichts) hochhalten (Leopold Zunz: „aussprechen“).

    לא תגנוב

    Lo tignów (8. Diber)
    Du sollst nicht (Seelen) stehlen.

    Es gibt für den Höchsten verschiedene Ausdrücke, darunter Ha-Schem (wörtlich: der Name) und Ha-Makom (der Ort).
    Dieser Ort zieht sich als roter Faden durch Aurores Artikel hindurch.

    Was ich mir bislang überlegt hatte: Besser die Stelle bleibt leer als dass man sie mit einem Unbefugten besetzt: mit Jeschu oder mit dem Kelbl oder mit Stalin. Auch das Nichts muss gehütet werden. Oder: Halt den Platz sauber.
    Was ich nicht bedacht hatte und worauf Du mich jetzt bringst: Die Stelle darf man auch nicht mit sich selbst besetzen. Und das ich vermutlich das Schwerste. Eine taube Nuss anstelle von Ha-Makom? Das wäre noch schöner! Und das ist die unmittelbare Bedeutung der zwei Gebote:

    Lo jihejé lechá Elohim acherim al Panáj ‒ Du sollst keine anderen Götter haben vor meinem Angesicht
    und
    Lo tissá et Schem ha-Schem Elokécha la-schaw ‒ Du sollst den Namen von Haschem nicht für nichts hochhalten

    Weil – und das versteh‘ ich jetzt: Das wäre Seelenklau, Gnewat Nefaschot (8. Gebot). Nicht nur, wenn du dir einen Anderen (Freund, Arbeitnehmer, Kind) untertan machst, stiehlst du eine neschume, sondern auch wenn du dich dir selbst untertan machst. Im letzten Fall bestiehlst du dich selbst. („zarich Ijún“, würde Raschi hier schreiben: „bedarf der Untersuchung“).

    So viel in einem ersten Kommentar. Aurorula, ich bin beeindruckt. Toda.

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    • PS. Die Tora ist für den Menschen da, nicht der Mensch für die Tora, nicht? Wird doch immer behauptet. Und Du, Aurorula, bringst dafür einen Beleg. Warum ist es so wichtig, keinen fremden Göttern – darunter sich selbst – zu huldigen? Um Seelenklau zu verhindern. Das heißt: Nicht Ha-Schems wegen soll man Seinen Namen allein hochhalten, sondern um des Menschen willen. Der Raw wäre entzückt.

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    • „Die vollkommene Sklaverei, die der Gedanken.“

      Wirkungsvoll ausgedrückt, bien sûr, aber kennt man nicht andere Formen unbedingter Herrschaft? Was ist mit der Ausbeutung der Arbeitskraft, die Marx bekanntlich sehr beschäftigt hat? Uns fällt als Diktatur-Erfahrenen (auch Geschichtsbücher vermitteln Erfahrung) zuerst die geistige Sklaverei ein, aber die Inanspruchnahme der Körper (antike und immer noch moderne Sklaverei, Zwangsprostitution…) ist nicht weniger Seelenklau.
      In einer Autobiographie macht eine französische Prostituierte eine interessante Bemerkung: Am schlimmsten habe sie die Fabrikarbeit empfunden, weil man am Fließband keinen Gedanken fassen könne. Solange die Hände beschäftigt sind, hat sie festgestellt, ist der Kopf leer. Auf dem Trottoir dagegen, beim Hin- und Herlaufen, kommen ihr wunderbare Einfälle.

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  2. Weißt Du, was mich immer noch verblüfft? Dass mir der Zusammenhang zwischen dem Verbot, den Namen von Haschem zu schänden – das ist keine Übersetzung, sondern die Wiedergabe einer Empfindung ‒ und der allgegenwärtigen, alles beherrschenden Selbstliebe bis gestern entgangen ist.
    Dabei hab ich oft Gelegenheit gehabt, über Selbstliebe nachzudenken, die physiologisch als Selbsterhaltungstrieb erscheint; außerdem achte ich darauf, mit dem echten Wort für „Elokim“ kein Schindluder zu treiben. Damit meine ich nicht die Schreibweise auf nicht-Iwrit. Mir ist sie gleichgültig, weil das Heilige sich mir subjektiv nur in der heiligen Sprache mitteilt. Wenn ich bei „G’tt“ den Vokal auslasse, so lediglich aus Rücksicht auf die Mit-Jidn.
    Ich meine vielmehr, dass ich sowohl beim Dawnen wie bei „Ritualhandlungen“ das geschriebene Wort „Elokenu“ (unser G’tt“) genauso auszuspreche, wie‘s hier steht, also in der Zitierweise, nicht in echt. Das heißt, ich wende mich nicht tatsächlich nach oben, sondern lese einen Text vor. Mit anderen Worten: Ich erfülle die mizwe nicht, aber es mir lieber so, als dass ich mit meinem Nullsein irgendwas beschmutze.

    Und jetzt kommt Aurore daher und macht plausibel, dass
    Lo tissá et Schem ha-Schem Elokécha la-schaw ‒ Du sollst den Namen von Haschem nicht für nichts hochhalten
    nicht nur bedeutet: Du sollst nicht Unheiliges für Heiliges ausgeben; sollst nicht in Allahs oder Dreiteufelsnamen Leute quälen und umbrigen, sondern auch: Du sollst dich nicht im Alltag aufspielen; sollst nicht dein Ich als heilig ausgeben.
    Groß!

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  3. Ja, und Platon: Ist es gut, weil es die Gesetze fordern, oder fordern es die Gesetze, weil es gut ist?
    Unsereinem, der die Nürnberger Gesetze und noch paar andere in Erinnerung hat, kommt die Frage naiv vor. Und wie waren zu Platons Zeiten die Gesetze, die nur dem freien und männlichen Griechen ein menschengerechtes Leben gestatteten?

    Aber die Frage nach dem Gutsein ist in einem anderen Zusammenhang spannend. Erklärt Bertrand Russell in seinem Buch „Warum ich kein Christ bin“, dass der Satz „Gott ist gut“ sinnleer ist, wenn ich Gott von Anfang an als allgütig, allmächtig usw. definiere. Unter diesen Umständen ist die nachträgliche Aussage „Gott ist gut“ so viel wie die Aussage: Die weiße Fahne ist weiß. Redundant, nichtssagend.
    Um ein Urteil über Gott zu sein, muss die moralische Kategorie „gut“ sich Gott entziehen, unabhängig von ihm sein. Dann erst komme ich und finde, dass „gut“ auf ihn zutrifft – oder nicht.

    Und was finden wir in der Tora? Genau diese Frage. Nämlich die Frage, ob Haschem auch gerecht sei. Keine Behauptung, eine echte Frage.

    Die Szene ist bekannt.
    Eröffnet Haschem Awraham seine Absicht, Ssdom und Amorá bis auf die Grundfesten zu zerbomben. Was da folgt, ist groß, wahrhaftig grandios. Erlaubt sich das kleine Geschöpf den großen Schöpfer vor seine eigenen Prinzipien zu stellen:

    וַיִגַש אברהם וַיאמַר הַאף תִספֶה צדיק עם רשע.
    חלילה לְך מעשה כדבר הזה להמית צדיק עם רשע והיה כצדיק כרשע חלילה לָך הֲשופט כל הארץ לא יעשה משפט. (בראשית יח, כג;כה)

    Wa-jígasch Awraham wa-jómar ha-af tisspé Zadik im Raschá.

    [Und Abraham trat hin und sprach: Willst du gar vernichten den Gerechten mit dem Frevler?]

    Chalíla lechá Maassé ka-Dawar ha-se lehamít Zadik im Raschá we-haja cha-Zadik ka-Raschá chalíla lach ha-Schofét kol ha-Arez lo jaassé Mischpat.

    [Fern sei von dir, solches zu tun, zu töten den Gerechten mit dem Frevler, daß der Gerechte sei wie der Frevler. Fern sei es von dir. Der Richter der ganzen Erde sollte nicht üben Gerechtigkeit?
    (Gen 18, 23;25; L. Zunz)]

    Man weiß, wie es weiter geht: Haschem sagt zu, um der fünfzig Guten willen, Alle zu verschonen. ‒ Aber was ist, wenn an den fünfzig fünf fehlen, fragt Awraham. Auch um 45 willen sollen Alle verschont werden. ‒ Wenn es aber nur 40 Gute gibt, nur 30, nur 20, nur 10? Auch um der zehn willen sollen Alle verschont werden, verspricht Haschem. Und Schluss.
    Es fanden sich keine Zehn.

    ha-Schofét kol ha-Arez lo jaassé Mischpat – der Richter der ganzen Erde sollte nicht üben Gerechtigkeit?

    הֲשופט כל הארץ לא יעשה משפט.

    Hier ganz klar: Gerechtigkeit gehört nicht zur Definition des Göttlichen. Moral ist ein menschlicher Wert, mit dem der Jude auch Ihn mißt.

    Wie sagt Rabbi Chanina so schön (Babylonischer Talmud, Traktat Brachot 33b):

    הכל בידי שמים חוץ מיראת שמים.

    Ha-kol bi(Je)dej Schamájim huz mi-Jir’át Schamájim – Alles hat der Himmel in der Hand außer der Ehrfurcht vor dem Himmel.

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  4. Merkwürdige Empfindung die, allein zu sein und doch nicht allein. Wie allein, lässt sich leicht feststellen. Mit einem Testsatz wie „Sigi ist doof“. Wenn, dann müsste der alle Siegfrieds, Sigisberts, Sigmars, Sigmunds und ihre Fans auf den Plan rufen.

    „Denn: Wer andere zwingt Ansichten oder Verhalten aufzugeben, ohne die sie nicht länger sie selbst sind, stiehlt ihnen quasi ihr Selbst.“

    Jetzt könnte einer kommen und sagen: Augenblick! Ihr habt bisher nur die eine Seite beleuchtet, die Seite des Beklauers. Aber was ist mit dem Beklauten? Muss er sich alles gefallen lassen? Hat er der Gewalt nichts entgegenzusetzen? Hat er keine Wahl? Wenn man das glaubte, was hätte man dann für ein Menschenbild?

    New York Times, Jan. 8, 1943: “93 choose suicide before Nazi shame”

    Ninety-three Jewish girls and young Jewish women, the pupils and the teacher of a Beth Jacob School of Warsaw, Poland, chose mass suicide to escape being forced into prostitution by German soldiers, according to a letter from the teacher, made public yesterday by Rabbi Leo Jung of the Jewish Center of New York City.

    http://theawarenesscenter.blogspot.de/2013/01/the-death-of-ninety-three-daughters-of.html

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    • Jetzt könnte einer kommen und sagen: Augenblick! Ihr habt bisher nur die eine Seite beleuchtet, die Seite des Beklauers. Aber was ist mit dem Beklauten? Muss er sich alles gefallen lassen? Hat er der Gewalt nichts entgegenzusetzen? Hat er keine Wahl? Wenn man das glaubte, was hätte man dann für ein Menschenbild?
      Schwierige Frage. Was ist mit denen, die sich freiwillig beklauen lassen?

      Das hat Mike Hammer gerade auf TiN verlinkt; zum Vergleich noch der Wortlaut um den es geht:

      (Bild von dailylifeasateacher)

      Sind diejenigen, die freiwillig das aufgeben was sie ausmacht ‚fair game‘ – oder sollen gerade die geschützt werden, die sich selbst nicht schützen können oder wollen? Es ist kinderleicht, jemanden auszunutzen, der dem nichts entgegensetzt – gerade deshalb sollte man es nicht tun.

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      • Danke für meinen lieben Condell!

        Über Amerika weiß ich so viel, wie mir die Journalisten meines Vertrauens mitteilen. Also wenig-am wenigsten. Doch für die Europäer kann ich vermuten: Die Freiwilligkeit, mit der sie sich um ihre Seele, um ihre Freiheiten, beklauen lassen, ähnelt der Freiwilligkeit, mit der ein Überfallener seine Brieftasche herausrückt. Man mag noch so peinlich darauf bedacht sein, zwischen „Islamismus“ und Islam zu unterscheiden – die Drohkulisse nimmt Jeder wahr.
        Ein offenes Wort – und du hast die Mörder am Hals. Weshalb der Eine den Anderen pc-mäßig überwacht, dass er keinem unberechenbaren Dritten eine Ausrede liefere, auf irgendwen einzustechen oder zu schießen.
        Also Angst vor dem Feind im Inneren, vor dem Feind im Außen, dazu wirtschaftliche und politische Erpressbarkeit: Das ist die eine Annahme.

        Die andere Annahme: Europa, bzw. deren Nomenklatura, lässt sich aus unbekannten Gründen tatsächlich freiwillig berauben, kann das eigene Ende nicht abwarten. Weshalb sonst würde sie die Wölfe zu den Schafsherden hereinlassen?
        Um das zu erreichen, was muslimische Einwanderer bei uns erreichen, mussten die Fremden früher Kriege führen.

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  5. „Gnewat Nefaschot“, Seelenklau, umfasst so vieles, dass es auch bei Beschäftigung mit vordergründig anderen Themen, einen weiter begleitet.

    In einem Buch, dass ich gestern Abend entdeckt habe: Fadiey Lovsky, Antisémitisme et Mystère d’Israël, Editions Albin Michel, Paris 1955, beschreibt der Autor in unaufgeregter Art das Schicksal der Juden in den muslimischen Ländern von Mohammed bis zum Großmufti von Jerusalem. Wobei „beschreibt“ nicht das richtige Wort ist. Unsere Kenntnisse darüber sind unvergleichbar geringer als unsere Kenntnisse über das Schicksal der Juden in christlichen Ländern. Eine typische Aussage, die Lovsky dem Kapitel „L’antisémitisme musulman“ als Motto voranstellt:

    « Dans la grande ville de Fez une terrible persécution eut lieu ; mais comme je n’ai trouvé là-dessus rien de précis, je ne l’ai pas décrite plus amplement. » (Salomon Ibn Verga)

    [In der großen Stadt Fez (Marokko) hat es eine schlimme Verfolgung gegeben; aber da ich darüber nichts Genaues gefunden habe, hab‘ ich sie nicht ausführlicher beschrieben.]

    In Zusammenhang mit unserem Thema bin ich über die (verdeutschte) Stelle gestolpert:

    Mit den abbassidischen Kalifen wachte die muslimische Intoleranz besonders auf. Haroun al-Raschid befahl die Zerstörung von Synagogen und ist der Erste, dem die Geschichtswissenschaft die Markierung von Juden mit einem gelben Stoffstück – im Jahre 807 – mit Sicherheit nachweisen kann. [1] Einer seiner Nachfolger, Mutawakkil, zwang um 849 die Nicht-Muslime, einen breiten gelben Streifen um den Unterkörper zu wickeln und auf ihre Häuser Affen oder Schweine zu malen. Er ließ in Bagdad gerade errichtete Synagogen zerstören; man wandte die Omar-Gesetze genau an, während man Synagogen in Moscheen umwandelte und den Muslimen verbot, Juden zu unterweisen. [2] Diese zahlten noch höhere Steuern, die mit noch größerer Härte eingetrieben wurden. Mutawakkil beschloss, dass die Dhimmis nicht mehr zu Gericht zugelassen werden dürften: Damit verbot man ihnen, „ihre Rechte vor muslimischen Gerichten geltend zu machen“. [3]

    [1] I. Goldziher, Sa’id B. Hasan d’Alexandrie, Revue des Etudes juives, XXX, 1895, p. 6.

    [2] Heinrich Graetz, Geschichte der Juden von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Leipzig 1853/75, fr. Ausgabe, III, p. 328, 345 ; Rodocanachi, Le Saint-Siège et les Juifs, p. 163 ; Encyclopédie de l’Islam, art. Mutawakkil.

    [3] André Chouraqui, Les Israélites en droit musulman, Revue de la Pensée juive, n° 3, 1950, p. 106.

    (Die Literaturangaben, um die Genauigkeit unseres protestantischen Historikers zu zeigen. So geht es bis zum Schluss: kein Absatz ohne vielfältige Belege.)

    Fadiey Lovsky, Antisémitisme et Mystère d’Israël, auch als e-book:
    http://lovskymystereisrael.pressbooks.com/

    http://danilette.over-blog.com/2015/06/l-antisemitisme-musulman-fadiey-lovsky.html

    Jetzt bist du ein muslimisches Mädchen, das zur Zeit des Herrn Mutawakkil schlecht und recht lebt. Was du um dich siehst: eine Art Menschentiere, die dir in natura noch nicht begegnet sind: Affen und Schweine.
    Frage: Klaut die muslimische Gesellschaft diesem Kind seine Seele? Hat es denn eine Seele jenseits der Eindrücke, die es verarbeitet? Klauen kann man nur, was einer davor hatte, nicht? Wenn du niemals geargwöhnt hast, dass die merkwürdigen Gestalten um dich herum Menschen deines Schlags wären, dann bringt dich niemand um deine Menschlichkeit. Du hast keine.
    Gleiches gilt für das fantastinensische Mädchen, das vorige Woche mit einer lyrischen Einlage viel Applaus im offiziellen PA-TV geerntet hat:

    “Oh, you who murdered Allah’s pious prophets (i.e., Jews in Islamic tradition)‎
    Oh, you who were brought up on spilling blood
    Oh Sons of Zion, oh most evil among creations
    Oh barbaric monkeys”

    PMW, 01.06.2015: “PA teaches kids to despise Jews”
    http://palwatch.org/main.aspx?fi=157&doc_id=14951

    Was ich nicht verstehe: Wie haben’s Wafa Sultan und Ayaan Hirsi Ali geschafft, eine zweite Seele gleichsam herauszubilden? Womit?

    Hör Dir Wafa Sultan an:

    “As a child in Syria I was proudly told that Muhammad had slain 800 Jews in one night. He spent the night with a Jewess, whose father and brothers were slain by himself.
    If I then, as an 8-year-old girl, was asked ‘what do you prefer, candy or kill a Jew’, I would have replied ‘kill a Jew’.”
    (Trial of Geert Wilders, October 2010, Expert testimony by Dr. Wafa Sultan)

    Und Ayaan Hirsi Ali? Aus ihrem Buch Mein Leben, meine Freiheit, Piper, 2008, 5. Aufl.:

    „In Saudi-Arabien waren an allen Übeln die Juden schuld. Wenn die Klimaanlage plötzlich den Geist aufgab oder kein Wasser mehr aus dem Hahn kam, behaupteten die saudischen Frauen nebenan, das sei das Werk der Juden. Ihre Kinder lernten, für die Gesundheit ihrer Eltern und die Vernichtung der Juden zu beten. Später, als wir zur Schule gingen, beklagten unsere Lehrer ausgiebig die Missetaten, welche die Juden gegen die Muslime begangen oder geplant hatten. Wenn sie tratschten, sagten die Frauen nebenan: ‚Hässlich und ungehorsam ist die, das ist eine Hure, die schläft mit einem Juden.’ Ich kam zu dem Schluss, dass Juden so etwas wie Dschinns sein mussten. Ich kannte keinen Juden. Die Saudis, die so redeten, auch nicht.“ (S. 73)

    Und jetzt halt Dich fest: Die Schöne will zum Judentum konvertieren. Ich hab‘ sie immer für atheistisch gehalten. Kein Hinderungsgrund, ich weiß – aber trotzdem.

    http://jssnews.com/2015/03/22/ayaan-hirsi-ali-pourrait-essayer-une-deuxieme-fois-de-se-convertir-au-judaisme/?utm_source=feedburner&utm_medium=email&utm_campaign=Feed%3A+JSSNews+%28JSS+News%29

    Was war bei diesen Beiden anders als bei den Millionen Anderen, die auf der Streicher-Stufe geblieben sind?

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  6. Seelenklau ist es auch, wenn dir sogenannte Qualitätsmedien ein negativ verzerrtes Bild Medinat Jisrael, dem Staat Israel (und/also Juden, man kann es nicht trennen, man darf, liefern.

    Deutschlands (ähh, undsoweiter) Menschen werden ihrer Seelen beklaut.

    Massl tow. Aber das ist eine andere Sache. Kišmichet, oder so. 😉

    Stippvisite? Mal sehen.
    Seid wirklich, saj wi saj, herzlich umarmt.
    Ale
    saj gesunt.

    A.mOr.

    Schum, Aristobulus, Südlich hellstes Licht von allen, heute wurde Rußland von den Nazis überfallen. 
    Ein bissl serbische Volksmusik? 
    Vielleicht liest Aktion Eitan mit? 🙂
    Just kidding, digger, Du spezial umarmt, hoffe Dein Famiglia is fine!

    Gern geschehen, massl tow! 😉
    Lacu noć.

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