Satire darf…?

…alles, wie spätestens seit Tucholsky jedem bekannt sein dürfte.

Die Frage (neben dem, was unter ‚alles‘ fällt, natürlich) ist nun nicht was, sondern wie. Doch, das ist wichtig! Zum Vergleich zwei Witze:

„Alle Kinder stehn ums Lagerfeuer. Bis auf Brigitte. Die steht in der Mitte.“ (Sparwitz Nummer iksundzwumpzich)

und

„Give a man a fire and he’s warm for a day. But set him on fire and he’s warm for the rest of his life!“ (diesen Satz lässt Sir Terry Pratchett die Karrikatur eines missionarischen Gutmenschen sagen)

Frei übersetzt: Mach jemandem ein Feuer und er hats einen Tag lang warm. Mach ihm Feuer unterm Hintern und er hats für den Rest seines Lebens warm. Es ist offensichtlich, daß zwar der gemeine Moralapostel bei beidem den Zeigefinger hebt: Witze über brennende Menschen gehen garnicht [hier Rufzeicheninflation einfügen als Ausdruck der moralischen Emporung]! Und oberflächlich sind auch beide über brennende Menschen – was unterscheidet nun den einen vom anderen? Denn daß sie sich unterscheiden ist offensichtlich: der zweite ist zum einen tatsächlich witzig und zum anderen akzeptabel; der erste weder noch; warum?
Die offensichtlich Antwort, nämlich die daß Sir Terry s“l auch tatsächlich meisterhaft schreiben konnte, schiebt das Problem nur eine Stufe vor sich her: worin liegt das können im schreiben bei Satire?
Der erste Witz stellt einfach etwas fest das normalerweise nicht witzig ist, sondern höchst tragisch – jemand wird lebendig verbrannt – und verlangt point blank daß es trotzdem zum lachen sein soll. Ende der Durchsage, auch wenn sie sich reimt. Der zweite hat den lebendig Verbrannten nur gleichsam als Kulisse: eigentlicher Gegenstand ist das von Gutmenschen oft, sehr oft, inflationär oft ohne rechtes Verständnis seiner Bedeutung anderen um die Ohren gehauene amerikanische Sprichwort: Give a man a fish and he eats for a day, but teach him to fish and he eats for the rest of his life. Also: Gib jemandem einen Fisch und er ist einen Tag satt, aber bringe ihm das fischen bei und er ist für den Rest seines Lebens satt [hier wieder die Rufzeicheninflation einfügen, als Ausdruck der moralischen Überlegenheit]. Und: darunter leidet dieser Witz, selbst indem er es auf die Schippe nimmt; eine Art Ausdruck dessen was G.B. Shaw so formuliert: Was Du willst das man Dir tu, das füge keinem andern zu – die Geschmäcker sind verschieden! Sowohl Shaw wie Pratchett bringen hiermit die Spannung, die Ungereimtheit, die kognitive Dissonanz zum Ausdruck die zwischen dem Reden der typischen Gutmenschen und ihrem Handeln besteht: etwas einfach zu zitieren weil es ‚gut‘ ist, ohne zu schauen was es heißt; etwas einfach zu tun, weil es ‚gut‘ ist, ohne zu schauen was es bedeutet; anderen einfach ‚gutes‘ zu tun, ohne zu schauen ob das Gute das ihnen getan wird aus ihrer Sicht nicht ’schlecht‘ ist. (Siehe hierzu auch den Beitrag über Seelenklau) Eine ohne den Witz nicht sichtbare, eigentlich höchst tragische Angelegenheit, die sonst zur Verzweiflung treiben könnte. Der einzige Ausweg aus dieser Verzweiflung ist die Satire: eine offensichtlich wahre, aber höchst blödsinnige Handlungsanweisung. Die zum Ausdruck bringt: schaut her, so wie im Beispiel ist es von hier aus gesehen eigentlich immer!

Und dann darf ein Witz auch über lebendig Verbrannte gehen. Was alle diejenigen nicht sehen oder nicht primär damit erreichen wollen, die inakzeptable Aussagen einfach zu schwarzem Humor erklären. Und infolgedessen emotional erpressend jeden für humorbehindert, der angesichts einer platten, geistlosen, beleidigenden Sparaussage nicht lacht; wo sie doch als Witz gemeint ist. Humor, auch und gerade schwarzer, hat Verstand drinstecken, Mitgefühl, und einen Versuch sich die Welt etwas erträglicher zu machen um nicht an ihr zu verzweifeln: eben alles was uns zu Menschen macht. Wichtig ist nicht was etwas ist, sondern was damit getan wird. Genauso wie ich mit dem Spieß nicht nur den Nachbarn aufspießen kann, sondern auch meinen Braten grillen; mit der Axt nicht nur zum wahnsinnigen Mörder avancieren, sondern auch Holz for den Kamin hacken; mit dem Messer auch Karotten schneiden – und mit dem Schwert nicht nur den Nachbarn erschlagen … sondern auch richtig cool aussehen während ich mich argumentativ vergalloppiere. Daß das Dings auch zu überhauptnix anderem gut ist als zum erschlagen, erstechen, aufschlitzen und zu Tode erschrecken. Mist.

Nicht nur vergalloppiert habe ich mich, jetzt finde ich auch keine Überleitung zur Anekdote die ich eigentlich noch bringen wollte – hier also als verwaiste Fußnote: nicht wenige schimpfen jedes Jahr zu den Stillen Tagen rund um Ostern (Gründonnerstag, Karfreitag, …) über die Einschränkungen die unser schöner Freistaat Bayern wegen Stiller Tage so erlässt. Auf die Frage, warum sie das bei anderen Stillen Tagen im November (Totensonntag &c) nicht tut hat mir jemand die ich kenne mal erwidert: „das sind schließlich die mit den echten Toten!“ Übersetzt: Andere in Form der an die Opfer zweier Weltkriege und mehrerer Diktaturen sind schützenswert; religiöse Gefühle nur um der Gefühle willen sind es nicht.

Damit kann ich gut leben – Analoges auch für Satire, bitte!

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Veröffentlicht am Juni 10, 2015 in Kulturelles, Philosophisches, Smalltalk und mit , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 33 Kommentare.

  1. Sind Witze Satire? Sind die bodenlosen Plakate des Mainzer AStA, die Buurmann nebenan gepostet hat, Satire? „ Satire“ hier wie dort meint Lachreizstoff, ja? Warum der Stoff nicht immer lachen macht, erklärst Du an zwei Witzbeispielen.

    Neben dem Wie und dem Was im Stoff selbst, spielt noch der Verabreicher eine Rolle, nicht? Wie sagt der Kabarettist Pierre Desproges: « On peut rire de tout, mais pas avec tout le monde. » ‒ Man kann über alles lachen aber nicht mit Jedem.

    Kann man über die Eigenheiten jüdischer Frommen spotten? Kann man. Aber nicht mit einem Jeden. Gemeinsames Lachen setzt Vertrauen voraus. Vertrauen darüber, dass man über dasselbe lacht.

    Es gibt Leute wie die Mainzer Burschen, mit denen möchte man nicht einmal im Ernst verkehren. Dieser Art ist auch der Typ, der im Königin-Sofia-Museum in Madrid ein Kunstobjekt sui generis ausgestellt hat: eine Streichholzschachtel mit dem Bild einer brennenden Kirche.
    Geil, was! Kirchen brennen in Afghanistan, in Irak, in Syrien, in Nigeria. Manchmal mit Menschen drin. Auch wir wollen unseren Spaß haben. Was ist mit einer Vergewaltigungsperfomance? Immer noch nichts am Kunsthorizont?

    Gérard Brazon, « Profanations et destructions d’églises : silence assourdissant des médias », Riposte Laïque, 05.02.2015
    http://ripostelaique.com/profanations-et-destructions-deglises-silence-assourdissant-des-medias.html

    Es ist so, wie Du schreibst:
    „Humor, auch und gerade schwarzer, hat Verstand drinstecken, Mitgefühl, und einen Versuch sich die Welt etwas erträglicher zu machen, um nicht an ihr zu verzweifeln: eben alles was uns zu Menschen macht.“

    Der Lachreizstoff wirkt nur bei gemeinsamen Werten.

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  2. In die Rubrik „Humor“ gehört zweifelsohne ein Wandbild des französischen street artist Combo, das nur deshalb nicht als rassistisch und rechtsextremistisch gilt, weil Combo als Linker durchgeht und libanesich-marokkanischer Herkunft ist.

    Was ist auf dem schwarz-roten Bild zu sehen? Neben einer dümmlich dreinschauenden Jeanne d’Arc mit rote Fahne zwei Parolen: die eine schwarz, durchgestrichen: « La France aux Français » – Frankreich den Franzosen; die andere rot, nicht durchgestrichen, dafür in größeren Buchstaben: « Les Françaises aux Africains » – Die Französinnen den Afrikanern.

    Da ist sie die progressive Botschaft.
    Warum nicht „Die Afrikanerinnen den Franzosen“? Nee, das wäre irgendwie – hm, anzeigefähig womöglich?

    Wie eine CBS-Reportage zeigt, haben in Norwegen Einwanderer nicht erst auf Combos großzügiges Angebot gewartet, um sich innerhalb der einheimischen Weiblichkeit zu bedienen: Les Norvégiennes aux immigrants.

    Dale Hurd, “Culture Crisis: Norway Tackles Muslim Immigration”, CBN News, 20.08.2011

    Recent police statistics showed that in the capital city of Oslo, 100 percent of assault rapes between strangers were committed by immigrant, non-Western males. And nine out of 10 of their victims were native Norwegian women.
    To protect themselves, some blonde Norwegian women have reportedly begun dying their hair black, and many travel only in groups.

    http://www.cbn.com/cbnnews/world/2011/August/Culture-Crisis-Norway-Tackles-Muslim-Immigration-/

    Ach ja! Das Kunstwerk wird u. a. vom Pariser Rathaus und vom Georges-Pompidou-Zentrum finanziert. So gehört sich das auch für die Avantgarde-Stadt.

    http://ripostelaique.com/financement-mairie-de-paris-de-fresque-sexiste-raciste-francaises-aux-africains.html

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  3. Realsatire:

    Aus berechtigter Empörung gegen das israelische Apartheidregime haben der Louvre und die Sainte Chapelle einer Delegation von Kunststudenten aus Tel-Aviv den Zutritt zu ihren Räumlichkeiten verweigert.
    Was macht der israelische Professor? Geht hin und köpft den Louvre-Kurator? Hätte den Franzosen zwar langfristig imponiert, aber der Mann ist kein jüdischer Australier. Meldet die Gruppe noch einmal an unter dem fiktiven Namen „Abu Dhabi Art History College“. Und bingo! 0:1 für BDS.

    Ivan Rioufol, « Pourquoi le boycott d‘Israël est inacceptable », Le Figaro, 17.06.2015
    http://blog.lefigaro.fr/rioufol/2015/06/le-louvre-et-la-sainte.html

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  4. Realsatire 2 (im französischen Fernsehen):

    Ein echt Netter, der Imam der Moschee von Alfortville. So nett ist der, dass ihn BFMtv nach der Enthauptung des Betriebsleiters Hervé Cornara in Saint Quentin unbedingt einladen musste. Abdelali Mamoun versteht es nämlich, die Franzosen zu beruhigen: Der Islam ist gut, der Salafismus ist böse. So böse ist der Salafismus, dass er sich den republikanischen Werten verschließt und Meinungsfreiheit nicht gelten lässt. Das muss man sich vorstellen: eine islamische Strömung, die Meinungsfreiheit nicht gelten lässt! Brrrr.
    Mamouns Moschee dagegen, die von Alfortville: oha!

    Falls Du in diesem Ramadan-Monat immer noch keine Zeit findest, die Moschee von Alfortville zu besuchen, kannst Du deren FB-Seite anklicken. Dort werden die interessantesten Vorträge angekündigt; so der Vortrag des nicht unbekannten Professors Hassan Iquioussen – auch ein Netter. Kein Salafist oder so: ein Moslembruder.

    Ach, die Vorträge von Hassan Iquioussen! Die muss man gehört haben! Um zu verstehen, warum BFMtv einen Imam einlädt, der Iquioussen einlädt. Hier z. B. am 5. Oktober 2012 in der Moschee Abou Dhar in Dünkirchen:

    « Vous savez là ce film, ces caricatures, c’est quoi l’objectif ? Ce n’est pas que les non-musulmans nous détestent, ça, c’est déjà fait, ils l’ont fait avec le 11 septembre, ils l’ont fait avec le 18 juillet, Londres, Madrid, ils l’ont fait avec Merah, vous voyez toutes ces pseudo-affaires ? Ouais ? Ces pseudo-attentats ont pour objectif de faire peur aux non-musulmans pour qu’ils aient peur de l’Islam et des musulmans. Mais ce n’est pas suffisant, la guerre, cela se fait à deux.
    Donc il faut maintenant mettre dans le cœur des Musulmans la haine et la peur des non-musulmans. Comment ? En insultant le Prophète de l’Islam, en brûlant des Corans, vous entendez ? Comme ça les Musulmans vont développer la haine en eux, et c’est bon, on peut créer le fameux choc des civilisations. C’est ça l’objectif de l’islamophobie. Bouffez-vous la gueule, moi, je vends des armes. Détruisez-vous, moi je reconstruis derrière. Blessez-vous, je vends des médicaments. Bouffez-vous, je vends plus de journaux, et j’explose l’audimat. »

    [Ihr wisst ja, dieser Film, diese Karikaturen, was bezwecken die? Nicht dass die Nichtmuslime uns hassen. Das ist bereits der Fall. Das haben sie schon gemacht mit dem 11. September, mit dem 18. Juli, London, Madrid, das haben sie schon gemacht mit Merah, mit all den Pseudo-Affären. Hört ihr die Nachtigall trapsen, ja? Diese Pseudo-Attentate bezwecken nur eins: den Nichtmuslimen Angst einzujagen vor den Muslimen. Aber das ist nicht genug, zum Krieg gehören immer zwei.
    Also muss man jetzt den Muslimen Hass und Angst vor den Nichtmuslimen ins Herz legen. Wie? Indem man den Propheten des Islams beschimpft, indem man Koran-Exemplare verbrennt. So werden die Muslime Hass in sich pflegen, das ist gut für den berühmten Zivilisationsschock. Genau darauf zielt die Islamophobie. Schlagt euch die Köpfe wund, ich verkaufe Waffen. Zerstört euch gegenseitig, ich baue hinten wieder auf. Verletzt euch gegenseitig, ich verkaufe Arzneien. Fresst euch gegenseitig auf, und ich lasse die Einschaltquoten explodieren.]

    Danielle Moulins, « Salafistes ou musulmans, kamis blanc ou blanc kamis! », Riposte Laïque, 02.07.2015
    http://ripostelaique.com/salafistes-musulmans-kamis-blanc-blanc-kamis.html

    Ist der Ausdruck „Pseudo-Attentate“ nicht wunderbar? Wie viele Pseudo-Tote allein am vorigen Freitag? Also, wenn Du nicht hinfährst, ich fahre hin.

    FB, 09.11.2014

    Conférence – Achoura et l’amour pour
    la famille du prophète

    Professeur Hassan Iquioussen

    Dimanche 16 Novembre 2014
    Apres la prière de Dohr (13h)

    Mosquée d’Alfortville
    40-42 Rue de Nice
    94140 Alfortville

    https://www.facebook.com/pages/Mosqu%C3%A9e-dAlfortville/728584373859804

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    • … wobei alle moslemischen Witze, die ich je gelesen habe (sehr wenige hab ich gelesen, nicht weil ich so schlimm lesefaul wäre, sondern weil es wohl sehr wenige moslemische Witze überhaupt gibt) erstaunlich gleichförmig dem Spruch mit Brigitte und in der Mitte ähneln: Es geht darin in beliebigen Variationen immer gegen die kleinen Dicken mit Brille, denen ein Missgeschick passiert, weil sie hinstürzen, weil sie schwächer sind als ein Mohammedaner, oder weil sie bloß eine Frau sind. Mithin geht es da immer gegen die Anderen, weil es darin naturgemäß nicht gegen uns geht. Weil der witzige Mohammedaner nur witzig ist, indem er Andere herabsetzt. Wenn er sich selber nicht ernstnähme, wehe!, da sei Möhämme vor.

      Dieser Hassan aus oder in Dünkirchen gefällt sich ja ausnehmend gut in seinem dieudonnéoiden Geschnappe – und sie halten es dort für Humor, nicht? So wie sie den Dieudonné himself für einen Witzbold halten. Der überhaupt nicht witzig ist, alles Grimassenschneiden und Augenrollen dieses Einpeitschers täuschen darüber nicht hinweg. Selten oder nie war einer so unwitzig wie Dieudonné, dieses Aushängeschild des brütend langweiligen und brüllend aggressiven mohammedanischen Humors.

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  5. Lässt Du Quentin Tarantinos Film „Inglourious Basterds“ (2009) über den Zweiten Weltkrieg als Satire gelten? Sag ja ‒ und Du baust mir die Brücke zu einer französisch(?)-jüdischen Hacker-Gruppe, die sich selbst nicht ohne Ironie „Inglourious Basterds“ nennt. Und was machen die neuen Basterds? Sie jagen die antisemitischen Mistkerle, die unter Nick-Schutz im Net agieren.
    Indem sie der Öffentlichkeit den Klarnamen mit Bild und Adresse mitteilen, erreichen sie im einen oder anderen Fall die juristische Verfolgung der Entlarvten.

    Christian Larnet von Dreuz (06.07.2015) sieht in ihnen die rechtmäßigen Nachfolger des „Nazi-Jägers“ Serge Klarsfeld. Andere Zeiten, andere Mittel. Schwer beliebt die Jungs in den jüdischen Gemeinden. Hier eine Probe aus ihrer Internetseite:

    Wir suchen dich schon lange, Mohamed. Dich, den „Zionistenjäger“. Dich, den wütigen Antisemiten, der so viele judenhasserische Messages gepostet hat. Du hast dich so sicher gefühlt hinter deinem Nick „Mohamed Lavaky“. (…)

    Wir haben dich recht lange gesucht, Momo. Viele Nächte damit verbracht, die ganze Scheiße wieder und wieder zu lesen, die du über die sozialen Netze schüttest. Du kannst dir nicht vorstellen, was für ein Vorbeimarsch das ist, nun folgende Zeilen zu schreiben:

    Du heißt also Mohamed Ladghem Chikouche. Geboren am 28.04.1971, und du lebst in Roubaix. Vorbei der Spaß, Momo. Vorbei die mit Momo-Inf@ unterzeichneten Stinkmails. Und hier ist deine Fresse [Foto]. (…)

    Noch eins, Mohamed: Unser Skalp hört hier nicht auf, ganz im Gegenteil. Dein Name und deine Visage werden überall im Netz herumschwirren. Wenn du einen Job hast, werden wir’s erfahren. Wenn du ein Geschäft hast, werden wir’s auch erfahren. Aus mit dem Spaß, hundert pro.

    http://theinglouriousbasterds.com/les-basterds-vous-presentent-mohamed-ladghem-chikouche-alias-mohamed-lavaky/

    http://www.dreuz.info/2015/07/06/les-nouveaux-chasseurs-dantisemites-sappellent-inglourious-basterds/#sthash.jwVZUhif.dpbs

    Und die Momos versuchen vergeblich, an die Hacker herankommen. Was ist los mit denen? Zahl der Iran so schlecht? Oder nuckeln sie an der EU, deren Milchmenge zusehends schwindet?

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  6. Etwas mühsam zu lesen, aber mehr oder weniger weiterführend:

    https://heplev.wordpress.com/2015/07/07/der-kulturkrieg-in-dem-wir-uns-befinden/

    (die anfängliche Idee ist gut; dann werden die Übersetzung schlecht, der Tonfall pathetisch und die Gedankengänge repetitiv – was schade ist!)

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    • Zur Ergänzung ein ausgezeichneter, von der Achse des Guten verlinkter Artikel: Brendan O’Neill, „Politische Korrektheit: Sprachpolizei ersetzt traditionelle Werte“, Novo Argumente, Juli 2015

      Und die Übersetzung: oho! Auszüge:

      Betrachtet man die politische Korrektheit jedoch nur auf diese Art – als eine neue Form der Zehn Gebote, die von winzigen Eliten durchgesetzt wurden –, so übersieht man den Grundstein, auf dem die politische Korrektheit errichtet wurde. Diesen bildet nämlich die Unfähigkeit traditioneller Moralisten, sich selbst, ihre Lebensweise und ihre Moral zu rechtfertigen. Es ist diese Unfähigkeit, die Ende des 20. Jahrhunderts ein moralisches Vakuum schuf, das durch instinktive und reflexartige neue Formen der moralischen Kontrolle und Zensur gefüllt wurde.
      Wenn ein traditionelles Wertesystem, das so lange die Gesellschaft beherrscht hat, in einer tiefen Krise steckt, werden bis dahin normale und nicht hinterfragte Verhaltensweisen in Frage gestellt. Von der Sprache, über zwischenmenschliche Beziehungen, sogar bis hin zu Kinderliedern – nichts kann mehr als selbstverständlich gelten, wenn der alte Blickwinkel verloren geht. Alle Selbstverständlichkeiten der letzten 200 Jahre sind im Zerfall begriffen. Politische Korrektheit ist in Wirklichkeit das Gerüst, das hastig errichtet wurde, um die Ruine der alten Moral zu ersetzen. Sie bedeutet die allmähliche Übernahme durch eine neue Art von modernen Moralisten. Das Endergebnis ist ohne Frage von Unterdrückung und Zensur geprägt. Es steht der individuellen Unabhängigkeit sowie der Meinungsfreiheit feindlich gegenüber.

      Ein selbstbewusstes moralisches System könnte Abweichler besser tolerieren. Ein unsicheres, willkürliches System wie die politische Korrektheit kann keine Verstöße tolerieren, weil es ständig ums eigene Überleben fürchten muss.
      Allzu oft stellen sich die Kritiker der politischen Korrektheit heutzutage als Opfer dar. Viele rechts-orientierte Denker behaupten, eine Verschwörung von PC-Verrückten würde unser Leben ruinieren. Das bewahrt solche Denker praktischerweise davor, den Verlust der eigenen Traditionen und Moral erklären zu müssen. Wo sind die hin? Es ist viel einfacher zu behaupten, die Gesellschaft sei eine Geisel gemüsefressender, sprachbesessener Irrer, als dem Niedergang einer Lebensweise, die für einen Großteil der Moderne existierte, ins Gesicht zu blicken und zu versuchen, ihn zu erklären. Tatsächlich hat der Begriff „politische Korrektheit“ nur eine geringe reale Grundlage – er ist die Erfindung von Konservativen, die in ihrer Erklärungsnot gegenüber jüngsten historischen Entwicklungen lieber über eine „linke“ Verschwörung fantasieren, die rücksichtslos ihre überlegene Lebensweise zerstört.
      Natürlich hätte der Zerfall traditioneller Moral nichts Schlechtes sein müssen. Sie reagierte auf jene, die mit ihrer Lebensweise oder sexueller Orientierung experimentieren wollten, mit Zensur und Unterdrückung. Das Problem ist, dass die alte, oft spießige Moral nicht erfolgreich durch eine fortschrittlichere, humanistische moralische Perspektive ersetzt wurde. Stattdessen verdorrte und zerbrach die alte Moral unter der Last von Krisen und hinterließ ein moralisches Vakuum, das durch jene Menschen gefüllt wurde, die in der post-traditionellen Welt Einfluss besitzen: Die immer lauter werdende plappernde Klasse.
      Aber es bringt nichts, sich als Opfer einer scheinbar allmächtigen „PC-Polizei“ zu stilisieren. Nein, wenn Sie das Gefühl haben, als Häretiker behandelt zu werden, weil Sie in unserer politisch korrekten Welt die „falschen Sachen“ sagen, dann sollten Sie anfangen, sich wie ein anständiger Häretiker zu benehmen: Vertrauen Sie auf Ihre Überzeugungen. Sagen Sie, was sie denken, ungeachtet der Konsequenzen.

      http://www.novo-argumente.com/magazin.php/novo_notizen/artikel/0001927

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      • Danke für den guten Artikel, der es mal zur Abwechslung und ganz im Gegensatz zu den derzeit allermeisten Artikeln ganz dem Leser überlässt, die Argumente einzuordnen.

        Der Artikel auf einen halben Satz zum auf Mauern Sprühen runtergebrochen lautet so:
        Die Angst vor der Freiheit

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  7. Danke für den Link, Aurorula! Die (automatische?) Übersetzung ist so miserabel, dass ich nach einigen Zeilen zum Original gewechselt habe. Das schuldet man schon einem Autor, Daniel Greenfield sowieso. Etwas langsam die Lektüre – na und? Steht Einer da mit Stoppuhr? ‒, aber lohnend. Ja, zum Schluss wird‘s pathetisch, aber es geht wirklich um geistiges Überleben. Und die Analyse ist richtig, oder? Kann man gleich an einem Beispiel prüfen: die Liebe zum eigenen Land.
    Wie beschreibt Greenfield das Vorgehen der Linken in der westlichen Welt?

    “To completely destroy the other side, its values must be destroyed as an abstract, its organization must be destroyed to prevent those values from being conveyed and the individual’s own values must be destroyed, in that order.”

    Für unser Beispiel heißt das: zuerst werden die Begriffe „Heimat“, „Nation“, „Staat“ verdächtig gemacht; danach fällt der Misskredit auf die staatstragenden Institutionen: Polizei und Armee (halbkriminell), Justiz und Schule (umkremplungsbedürftig), Kirche (lächerlich), Familie (obsolet); anschließend wird der Einzelne, der sich für die Beibehaltung bewährter Verhältnisse und Wehrhaftigkeit ausspricht, Spott und Verleumdung ausgesetzt.
    So läuft das doch, oder?

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    • Bestimmt, ma chère. So machen sie’s.

      Andererseits ist der Begriff Staat schon seit Langem verdächtig, nicht?, nämlich seitdem er sich überhaupt Macht anmaßt und den Kollektivismus fördert. So wie der Begriff Nation, der das ganze 19. und 20. Jahrhundert hindurch als pathetische Rechtfertigung für banalen Machtmissbrauch erklang.
      Selbst der Begriff Heimat zeigt sich seit staalicher ja nationaler Propagierung des Heimatstils (ab 1933) erstaunlich brüchig. [ Ich habe neulich im Vorbeifahren die allererste deutsche Autobahnraststätte gesehen, und also!, die war ja dermaßen jägerhäuschenesk und mörikeroid und thüringerisierend, dass G“tt erbarm‘. ]

      Andererseits gibt es seit ein paar Jahrzehnten diese Gegenbegriffe, reine Kampfbegriffe, die die Originalkonzepte demontieren und demontieren, ohne je etwas Neues und Besseres aufzubauen. Die EU als Ersatz für die Nationen?, lächerlich. Der Biobauernhof und die linke Therapiegruppe als Ersatz für den Staat?, und der Billigflug auf die Malediven (aber Rom, Paris, Weimar kennt dann keiner mehr) als Ersatz für Heimat?, ach Spaß lass nach.
      Zumal die Nation seit der Restauration (in der Zeit nach Napoléon) selbst für den Spott gesorgt hat, nicht? So wie der Gängelstaat, der Dirigismusstaat, der Weltanschauungsstaat seit den sechziger Jahren für seine eigene Sinnlosigkeit sorgt. Und so wie die Relativierung des Fremdseins („kein Mensch ist illegal!“, „alle Flüchtlinge aufnehmen!“, „Europa ist bunt!“) dafür sorgt, dass überall diese mohammedanischen Freiwilligen-Ghettos entstehen, in denen nichts mehr gehasst wird als der freie Wille des Individuums.
      Auch die viel und unnötig lächerlich gemachten Kirchen sorgen bestens für die eigene Lächerlichkeit, Bischöfin Käßmann betet mit Talibanen, und der Papst kümmert sich um’s Klima und um’s aufeinander Zugehen, schert sich jedoch nicht um seine eigenen Leute, die man woanders brutal umbringt.

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      • Absolut richtig, Ari. An den Begriffen „Heimat“, „Nation“, „Staat“ hat man sich im 19. Jahrhundert abgearbeitet: der Staat, Objekt der Vergötterung für die Einen (Hegel, die Sozialisten), ist für die Anderen ein „kaltes Ungeheuer“ (Nietzsche).
        Ernest Renan sah sich 1882 genötigt, den Begriff „Nation“ zu rechtfertigen – ein Zeichen, dass er nicht mehr selbstverständlich war. Bis vor kurzem galt seine voluntaristische Definition:
        « Avoir des gloires communes dans la passé, une volonté commune dans le présent ; avoir fait de grandes choses ensemble, vouloir en faire encore, voilà les conditions essentielles pour être un peuple. (…)
        Une nation est donc une grande solidarité, constituée par le sentiment des sacrifices qu’on a faits et de ceux qu’on est disposé à faire encore. Elle suppose un passé ; elle se résume pourtant dans le présent par un fait tangible : le consentement, le désir clairement exprimé de continuer la vie commune. » (« Qu’est-ce qu’une nation ? » ‒ Sorbonne-Vorlesung, 11.03.1882)
        Nach der Übersetzung von Henning Ritter („Grenzfälle ‒ Über neuen und alten Nationalismus“, Leipzig 1993):
        „Eine Nation ist also eine große Solidargemeinschaft, getragen von dem Gefühl der Opfer, die man gebracht hat, und der Opfer, die man noch zu bringen gewillt ist. Sie setzt eine Vergangenheit voraus, aber trotzdem faßt sie sich in der Gegenwart in einem greifbaren Faktum zusammen: der Übereinkunft, dem deutlich ausgesprochenen Wunsch, das gemeinsame Leben fortzusetzen.“

        Wo ist beim Großteil der Mohammedaner der deutlich ausgesprochene Wunsch, das Leben der Nationen, denen sie sich anschließen, gemeinsam mit ihnen fortzusetzen?
        Und was ist von den europäischen Nationen überhaupt geblieben? Wie hat es Joschka Fischer im „Institut für gesellschaftswissenschaftliche Information“ der Russischen Akademie der Wissenschaften 2011 formuliert?
        „Man wird diese EU nicht verstehen, wenn man nicht versteht, dass sie im Kern gegen den Nationalismus gebaut ist.“ (Spiegel-Online, 31.05.2011)

        Kurz, die Linken, gegen die sich Daniel Greenfield so leidenschaftlich wendet, haben nur das Morsche umgestoßen. Es ist viel Wahres dran, an dem was Brendan O’Neill seinerseits feststellt: Das traditionelle Wertesystem steckt seit dem Untergang des Christentums, also seit der Aufklärung, in einer Krise, von der es sich nicht erholt hat. Nationalsozialismus und Kommunismus haben sich als untauglicher Ersatz erwiesen. Die Linke moderner Prägung wird ihnen in den Orkus folgen. Aber was dann?
        Von dieser Wertekrise bleibt, meine ich, das Judentum unberührt. In diesem Sinn schnell zurück zu Pinchas und dann ins Bett.

        Schabbat Schalom, Ari! Schönes Wochenende, Aurore!

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      • Ist ein Volk nicht der Verband mehrerer Stämme, und eine Nation der Verband mehrerer Völker auf einem Boden?
        Worin unterscheidet sich die Renansche Definition von „Volk“ und „Nation“?

        « Avoir des gloires communes dans la passé, une volonté commune dans le présent ; avoir fait de grandes choses ensemble, vouloir en faire encore, voilà les conditions essentielles pour être un peuple. »

        [„Gemeinsamer Ruhm in der Vergangenheit, ein gemeinsames Wollen in der Gegenwart, gemeinsam Großes vollbracht zu haben und es noch vollbringen wollen ‒ das sind die wesentlichen Voraussetzungen, um ein Volk zu sein.“ (Übers. Henning Ritter)]

        « Une nation … suppose un passé ; elle se résume pourtant dans le présent par un fait tangible : le consentement, le désir clairement exprimé de continuer la vie commune. »]

        [Eine Nation … setzt eine Vergangenheit voraus, aber trotzdem faßt sie sich in der Gegenwart in einem greifbaren Faktum zusammen: der Übereinkunft, dem deutlich ausgesprochenen Wunsch, das gemeinsame Leben fortzusetzen.“ (Übers. Henning Ritter)]

        In beiden Fällen: gemeinsame Vergangenheit und Wille zu einer gemeinsamen Zukunft. Und – wofür Renan zu Recht gelobt worden ist -: keine Rücksicht auf Blutbande. Elsass-Lothringen gehört nicht zu Frankreich, weil die Elsässer den Franzosen genetisch näher stünden als den Deutschen (das Gegenteil ist vermutlich der Fall, wie die Weimar Republik betonte), sondern weil die Elsässer mit den Franzosen zusammen gehen wollen.

        – Soweit meine Notizen, bevor ich gestern nach der Demo den Fehler machte, paar Lexika aufzuschlagen.
        Fazit der Verwirrung:
        „Nation“ (von lat. : natio = Geburt, Volksstamm, Art), vieldeutiger Begriff, urspr. allg. Bedeutung von Volk, oft auch Staat gebraucht. Die Entwicklung eines polit. Nationalbewußtseins setzte in Europa ein mit der Konsolidierung der Staaten Westeuropas (Frankreich, Spanien, England) im Mittelalter. Den mod. Begriff der Nation hat namentlich die deutsche Romantik (fußend auf Herders „Volksgeist“) geprägt. In der Auseinandersetzung mit Napoleon I., später mit den Mächten der Restauration, gewann die Idee der Nation politische Stoßkraft. („Lexikon von A –Z – Das handliche Nachschlagwerk für wichtige Tagesfragen“, Harbeke-Verlag, München [o. J.])

        Vieldeutiger Begriff – kann man wohl sagen. Was ist „Nation“ in der Bezeichnung „Heiliges Römisches Reich deutscher Nation“?

        Und um die Verwirrung komplett zu machen, noch eine Definition, diesmal aus dem „Philosophischen Wörterbuch“ von Georgi Schischkoff, 21. Aufl., Stuttgart 1982 (Kröners Taschenbuchausgabe Bd. 13):

        „Nation“ (franz., von lat. natio, „Volk, Stamm“), ein Volk, das eine geschichtlich, größtenteils auch eine sprachlich und gedanklich bindende Einheit darstellt, sich eine von ihm abhängige Regierung gegeben hat und über ein Territorium verfügt, dessen Grenzen von den anderen Nationen mehr oder weniger respektiert werden (Staatsvolk). Auch mehrere Völker oder Teile verschiedener Völker können eine Nation bilden. Beisp. Großbritannien, Schweiz.

        Ich erspare uns die Def. von „Volk“ aus demselben „Philosophischen Wörterbuch“. Sie führt ins Dickicht.

        Wenn ich Schischkoff richtig verstehe, dann ist eine Nation: Volk + Territorium. Aber ist Volk + Territorium nicht genau das, was man „Staat“ nennt?
        Die Juden, zweitausend Jahre lang ein Volk ohne Staat, nicht? Wer spricht hier von Nation? Ein Volk (Am), als Verband der 12 Stämme, sind die Juden laut tanachischem Bericht vor Annahme einer gemeinsamen Verfassung am Har-Sinai gewesen. Aber eine Nation (Uma – sorry, es ist dasselbe, mohammedanischerseits sattsam bekannte Wort, allerdings bei denen in einer anderen Bedeutung)? Von „Umot ha-Olam“ (Plural) redet man nur in Zusammenhang mit Fremden: „Die Völker der Welt“, so die Langenscheidt-Übersetzung. Die Juden-Retter in der Schoa werden „Chassidé Umot ha-Olam“, die Gerechten der Völker, genannt. Die UNO ist die „U′′m“: Umot me‘uchadot“ = Vereinigte Nationen.

        אומה
        אומות העולם
        חסידי אומות העולם
        או“ם: אומות מאוחדות

        Dennoch würde ich sagen, dass Israel heute als Verband zwei Völker eine Nation ist, oder sein könnte, wenn die Araber denn bereit wären, ihr Schicksal mit unserem zu verbinden, statt mit ihren Blutsverwandten von Ramallah zusammenzuhetzen.

        Interessant übrigens, was der Grand Rabbin de France Haïm Korsia im Express (07.07.2015) von sich gibt:

        « Avec l’arrivée des juifs d’Afrique du Nord, ce que l’on a vu se produire n’est pas une communautarisation, mais un réinvestissement du rituel. Plus exactement, nous avons conservé le même niveau de ritualisation dans une société qui se déritualisait à grands pas. Emile Durkheim explique qu’une société est composée de rites, et d’une tribu pour porter ces rites. L’un des grands problèmes de la France d’aujourd’hui, c’est qu’elle n’a plus de rites et qu’on ne sait même plus qui constitue la tribu. Figurez-vous que, lors des cérémonies républicaines où l’on délivre les certificats de nationalité française, il faut parfois demander aux candidats de se lever au moment où résonne La Marseillaise! »

        [Mit der Ankunft der Juden aus Nordafrika (zwischen 1948 und 1967) haben wir nicht etwa eine Abkapselung innerhalb einer Gemeinde erlebt, sondern eine Neubelebung der Riten. Genauer: Wir haben dasselbe Maß an Riten beibehalten in einer Gesellschaft, die sich zunehmend von Riten entfernte.
        (Der Soziologe und Philosoph) Emile Durkheim (1858-1917) erklärt, dass eine Gesellschaft aus Riten besteht und aus einem Stamm, um diese Riten zu tragen. Eins der großen Probleme Frankreichs zur Zeit, ist dass es keine Riten mehr hat, und dass man nicht einmal mehr weiß, wer zum Stamm gehört. Stellen Sie sich vor: Bei den republikanischen Feiern zur Vergabe der französischen Ausweise muss man die Bewerber manchmal bitten, sich bei den Klängen der La Marseillaise zu erheben!]

        Das war noch eine mutige Bemerkung unseres französischen Rosch. Doch nach seinen schusterhaften Auftritten in der Öffentlichkeit ist Haïm Korsia bei mir unten durch. Immer noch nach dem Express sei der Grand Rabbin der Meinung, dass es heute leichter sei als früher, in der Öffentlichkeit eine Kippa zu tragen. Der 13-jährige Jid, der vor 6 Tagen in Paris, in der Nähe vom Platz Colonel Fabien von 6 mutigen Afrikanern zusammengeschlagen worden ist, wird bestätigen.
        Der Mann ist übrigens ein Freund von Jacques Chirac. Das sagt alles, nicht?

        L’Express, 07.07.2015 : Interview du Grand Rabbin de France : Haïm Korsia: « Le judaïsme porte les valeurs républicaines »
        http://www.lexpress.fr/actualite/societe/haim-korsia-le-judaisme-porte-les-valeurs-republicaines_1697020.html#lTARrsV0aPVwBaQB.99

        http://jforum.fr/2015/07/un-jeune-juif-de-13-ans-tabasse-par-6-laches-africains/

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        • … alors, Volk und Nation sind Synonyme, nicht?, die bloß vor einem abstrakten Blickwinkel Teilmengen sind.
          Mich hat an Volk und Nation immer das ausschließlich Kollektive gestört und der darin enthaltene meist ganz leere Ehr- und Größebegriff. Weil damit nicht die Größe eines Erfinders, Komponisten oder Menschenretters gemeint ist und nicht die Ehre menschlicher Werte, sondern nur der Triumph des Kollektivs, das große WIRgefühl.

          Seltsamerweise lassen sich ein deutsches, französisches oder russisches Volk und Nation auch ohne obersten Wert wie Aufklärung & Grundgesetz, code civil und ähm-öhm Mussorgsky-Schostakowitsch-Lomonossow konstatieren – indem das deutsche Volk unterm Nazismus und das russische unterm Sozialismus äußerst aktiv waren, und selbst die Franzosen haben unter Pétain allergrößt-mehrheitlich stramm die Marseillaise gesungen und den État Français hochleben lassen.
          Obgleich derlei beim französischen Volk und Nation schon wesentlich schwerer fällt als beim deutschen, russischen, oder kongolesischen, weil die Franzosen ohne La Constitution und ohne Code Civil und ohne Liberté Individiuelle undenkbar sind.

          Daran liegt’s, dass mir dieses Volk und Nation so suspekt sind: Volk und Nation ist wie eine Armee, die keine Werte hat, die also auch zu maßlosen Eroberungen oder zu Massakern und Deportationen zu haben ist, oder die sind wie ein Maschinengewehr in den falschen Händen.

          Diese Gefährdung ihres Volk und Nation haben die Juden nie erleben müssen.
          Nicht ein einziges Mal in der lang-lang-langen jüdischen Geschichte ist das brüllende Kollektiv der Bestimmer gewesen. Immer haben das Individuum und das Judentum (die Tojre und die Rezeption der Chasal) bestimmt, wo’s langgeht mit dem jüdischen Menschenkollektiv. Das sich deswegen kein einziges Mal maßlos verhielt oder verhält.

          Weswegen just jene, die als Kollektive am allermaßlosesten agierten oder agieren (Deutsche, Russen, Araber) so besonders gern und so besonders maßlos die Jiddn als maßlose Welteroberer, Kinderbluttrinker, als Medienmogule und als weltfriedensgefährdende Siedler fertigmachen, nicht?

          P.S.
          A dank für Deine Auflistung der Wirkungen von hebr. Umah und arab. Umma!, fett, fett, fett.

          Und ja klar, jedes Individuum kann sich einem ähm Land anschließen, das den Namen verdient!, es kann also sich selbst qua Lebensgebärde den Werten anschließen, die dort herrschen. So wie das jeder USA-Einwanderer tut oder tun sollte, und so, wie das jeder Beta-Israel aus Äthiopien getan hat, als er Israeli wurde.
          Mir Gruppen geht das nicht.
          Gruppen können nicht in Werte eingemeindet werden – weil über Gruppen geherrscht wird, oder sie beherrschen andere Gruppen.

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  8. … a guttes Schabbeswochenendesamstagsonntag für Euch beide, in welcher Kombination auch immer 🙂

    Also hat sich schon in Renans Zeit das Konzept für Nation stark verändert, so, wie es auch Mitte des 19. Jhs (der Wechsel von Charles X zu Louis Philippe) anders wurde, denn Napoléon hatte um 1800 die Nation nicht wie bisher über Religionszugehörigkeit plus sozialem Stand definiert, sondern allein über das gemeinsame Bürgerrecht.
    Wobei es noch um 1900 etwa in Berlin für Viele unmöglich erschien zu akzeptieren, dass zu einer deutschen Nation auch die Juden nicht bloß als Steuerzahler gehören sollten, nicht?
    Und wobei dort erst ab 1918 Frauen in diesem Sinne mit zur Nation gehörten.
    Es hat also nie ein Urzustand der Nation existiert, nicht?

    Komisch… nur für das jüdische Volk hat sowas existiert, vorm Har-Sinai, als Moses mit den Luchess herabkam. Weswegen dieser Zustand noch heute existiert (nebst Abweichungen).
    Was sollen die Anderen machen? Die haben keinen Har-Sinai, die müssen sich ihr Dasein als Nation immer neu definieren, anstrengend!, und seit den Sechzigern definieren sie es gar immer mehr aus und über und in den Orkus

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    • P.S.
      Und grüß doch diesen Pinchas unbekannterweise.
      Wer is’n der?

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      • 🙂

        … Und die gestrige Demo ‒ Soweit sie die deutschstämmigen Redner betrifft: ein Stilldichein der Feig- und halbheiten.
        Alle Religionen sind friedlich, nur „Al-Quds“ nicht (Grüner MdB Benedikt Lux). Habt Ihr gewusst, dass „Al-Quds“ eine Religion ist? Ja, und Pegida ist schlecht.
        Warum muss man Israel unterstützen? Aus „Staatsraison“ (Linker MdB Stefan Liebich). Gegen „Generalverdacht“ (der Mohammedaner). (Warum hat dann kein Muslim-Verband zur Demo mitaufgerufen? Mystère et boule de gomme.) Pegida ist schlecht.
        Der iranische „Stop the Bomb“-Sprecher dagegen deutlich wie immer; auch der israelische Botschafter überraschend klar: Wie lange will Deutschland noch auf zwei Hochzeiten tanzen?

        War Römpöm der Jid mit dem griechischen Akzent, der sich nach der Bedeutung der blau-weißen Fahne mit den Worten „Free Iran“ erkundigt hat? Wenn’s nicht Pinchas war, der laut Midrasch identisch ist mit Elijahu ha-Nawi… „Pinchas hu Elijahu.“

        Gute Woche!

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  9. Passt nicht wirklich hier dazu, aber ich finde das Video einfach cool:

    .

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    • Toda al ha-Video, Aurore! Es ist nicht nur super-cool, es passt zu unserem Thema wie die schwarze Tasche zu der Dame. Da sage Einer, dass „Volk“ ein Geisteskonstrukt sei, ein Begriff ohne Wirklichkeit. – Auf den ersten Blick einleuchtend, nicht? Außer bei den Pygmäen vielleicht gebe es so viele freiwillige und unfreiwillige Vermischungen, dass von Einheitlichkeit nirgendwo die Rede sein könne.
      Und doch! “Israel sought the way of the pen rather than of the sword” steht da zu lesen. Unheimlich, wie sich die Dinge nicht ändern. Was sagte vor hm einiger Zeit Jizchak Awinu zu seinem Sohn Essaw (Esau), der als Feind Israels durch die Generationen hindurch gilt: we-al Charbechá tichejé – von deinem Schwert wirst du leben

      ועל חרבך תחיה (בראשית כז, מ)

      In derselben Szene weiß der altblinde Jizchak nicht, welcher seiner beiden Söhne nun vor ihm steht: (der verkleidete) Jaakow oder Essaw. Bemerkt er für sich: Die Stimme ist Jaakows Stimme (Kol Jaakow), aber die Hand ist Essaws Hand (Jad Essaw). Kannst Du Dir vorstellen, was die Kommentatoren in den Jahrtausenden mit Kol Jaakow und Jad Essaw angefangen haben? Kol Jaakow: die Stimme, das Wort, eben the way of the pen, im Gegensatz zur Brutalo-Jad des Zwillingsbruders.

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      • … die Ideengeschichte der Begriffe Volk und Nation lässt sich als Neidgeschichte lesen, nicht?, denn immer wurden die Jiddn beneidet, dass sie selbst hilflos im Goless, in Pogromen, während massiver Missionierungsversuche (erst religiös, später um so verstärkter auf die ganz Aufgeklärte) und während Vertreibungen das jüdische Volk blieben.

        Während Andere unter weitaus glimpflicheren Umständen eben keine Völker blieben. Es gibt keine Franken, Langobarden, Parther, Altschotten usf. mehr. Für alle (?) außer den Jiddn scheinen die Begriffe Volk und Nation eine diffuse Variable zu sein… Grund genug für deren unstillbaren Neid auf’s jüdische Volk, besonders seit der Zeit der aggressiven Nationalismen allerorten.

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  10. Dieser Blick auf Volk und Nation, die man tatsächlich als Synonyme ansehen darf (wozu aber die Doppelung?), ist mir einerseits zu pessimistisch, andererseits zu optimistisch. Je m’explique.

    Zuerst einmal haben wir’s mit einem Kollektiv zu tun, das in der Regel eine Sprache und einen Lebensstil teilt, nicht? „Eine durch gleichartige Abstammung und Sprache zusammengeschlossene Kulturgemeinschaft“, wie Georgi Schischkoff, den ich nicht länger zitieren wollte, zu „Volk“ schreibt.
    Was ist schlecht an einer „Kulturgemeinschaft“? Ist sie doch identitätsstiftend, oder genauer: Sie dient als Grundlage zur Bildung einer Individualität. Mit den Werkzeugen, die ich nicht erfunden habe, werde ich mir ein Eigenes bauen. Worin unterscheidet sich in dieser Hinsicht Am Israel vom französischen, deutschen oder russischen Volk?
    Wie schreibt Schischkoff immer noch unter „Volk“:
    „Die Philosophie ist, vor allem in ihren größten Gestaltern, nicht nur meist sprachlich gebunden, sondern sie trägt die Eigentümlichkeiten des Volkes, dem sie angehört, auch in Gehalt und Aufbau deutlich in sich, entfaltet sich auf dem Grunde eines typischen Lebensgefühls und Gestimmtseins und führt bestimmte für ein Volk charakteristische Grundthemen gedanklich durch.“ („Philosophischen Wörterbuch“. Hg. Georgi Schischkoff, 21. Aufl., Stuttgart 1982; Kröners Taschenbuchausgabe Bd. 13)

    Ist doch richtig, oder? Was für die Philosophie gilt, gilt auch für die Musik, die Du anführst, für Malerei, für alles Übrige. Je individueller die Denker, Dichter, Künstler, umso typischer für ihr jeweiliges Volk. Nietzsche und Dostojewski zweifeln anders, verzweifeln anders. Ich weiß noch, wie’s mir vor einiger Zeit ging, als ich nach Tora-Lernen zu Xenophons (nicht Platons) „Gastmahl“ wechselte. Brutal, kann ich Euch sagen. Ein Planetenwechsel. Andere Bezüge, andere Farbigkeit, anderer Rhythmus. Dabei nicht mal auf Griechisch.

    Also, diese Kulturgemeinschaft gibt es, und muss es geben. Natürlich ist ein Volk auch ein Kollektiv, das jeweils angreift oder verteidigt. „Milchama“ (Krieg) stammt von derselben Wurzel wie „Lechem“ (Brot): LAMED-CHET-MEM.

    מלחמה
    לחם

    Das muss nicht heißen, dass sich das Kollektiv als nazistische Zerstörungsmaschine betätigen muss, auch wenn Massen anders handeln als jeder Einzelne innerhalb der Masse.

    Was die Franzosen angeht, von denen Du schreibst, dass sie ohne Constitution und ohne Code Civil und ohne Liberté Individuelle undenkbar wären – darf ich an Zemmours Einwurf in der i > Télé-Sendung Ça se dispute (02.11.2009) erinnern?
    « La France, c’est 1500 ans d’histoire. Ce n’est pas deux siècles de République. » ‒ Frankreich, das ist 1500 Jahre Geschichte. Das ist nicht zwei Jahrhunderte Republik.

    PS. Habe z.Z. Schwierigkeiten mit Seitenladungen. Werde mich glücklich schätzen, wenn ich innerhalb der nächsten halben Stunde, Aurorulas Seite öffnen kann. An Video-Sehen ist heute Abend nicht zu denken.

    PPS. Doch, klappt gerade. Mal sehen, wie cool das Video ist.

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    • Weil die folgende Nachricht mit unserem Thema zu tun hat: Maariv (13.07.2015) berichtet von einem traurigen Zwischenfall. Und zwar ist ein christlicher Zahal-Soldat in Nazrat (Nazareth) unweit von seinem Zuhause von einem muslimischen Mob krankenhausreif zusammengeschlagen worden. Er war in Uniform, unbewaffnet. Zuerst haben sich seine Angreifer vergewissert, dass er Arabisch spricht.
      Es ist das 12. Mal, dass ein christlicher Soldat in Nazrat verprügelt wird. Fragt sein Onkel verwundert, wieso zum Teufel man einem christlichen Soldaten aus einer feindlichen Gegend nicht erlaubt, seine Waffe mit nach Hause zu nehmen. Und dann sagt er etwas, weshalb ich die Geschichte überhaupt poste:

      “אנחנו לא רוצים לדבר על הבדל בין נוצרים למוסלמים ודרוזים. אנחנו עם אחד ורק רוצים שיתפסו את מי שעשה את הדברים האלה.“

      Anáchnu lo rozim ledabér al Hewdél bejn Nozrim le-Muslemim u-Drusim. Anachnu Am echad we-rak rozim sche-jitpessú et mi sche-assá et ha-Dwarim ha-éle.

      [Wir wollen nicht von dem Unterschied sprechen zwischen Christen und Muslimen und Drusen. Wir sind ein Volk, wir wollen nur, dass diejenigen gefasst werden, die diese Sachen gemacht haben.]

      Anachnu Am echad – Wir sind ein Volk.
      Das rührt mich sehr. Und die Worte stimmen im Augenblick, da sie Einer sagt.

      Maariv, 13.07.2015: „Mischpáchat ha-Chajál sche-huká: Ha-Zawá lo notén lo le hagén al azmó“ – Die Familie des verprügelten Soldaten: Die Armee erlaubt ihm nicht, sich selbst zu beschützen
      http://www.nrg.co.il/online/1/ART2/708/718.html?hp=1&cat=875&loc=1

      Endlich begreift man in Israel den Ernst der Lage. Der Generalstaatsanwalt hat den Fall übernommen.

      PS. Heute Abend falle ich internetmäßig vielleicht aus: Es wird hier herumgesteckt und gemacht. Die Ladeschwierigkeiten sind zum Heulen.

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      • Warten auf einen Powerline-Adapter. (En aparté) Etwas Geduld.

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        • … verflixte Technik.
          Wird schon 🙂

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        • Nachtrag zu Volk und Nation.
          In seinem Artikel „Politische Korrektheit: Sprachpolizei ersetzt traditionelle Werte“ (Novo Argumente, Juli 2015) hält Brendan O’Neill fest, dass die westlichen Gesellschaften sich vom Niedergang des Christentums, das er nicht beim Namen nennt, nicht erholt haben, weshalb sie in aller Hast irgendeinen Ersatz auf den Markt werfen.
          – Nein, falsch wiedergegeben. „Sich nicht erholt haben“ trifft die Sache nicht. Es ist keine Krankheit, nach deren Heilung der Patient zu seinem früheren Zustand zurückkehren könnte. Womit hat die Aufklärung das Christentum zerstört? Offensichtlich mit trifftigen Argumenten, denen man nichts entgegenzusetzen gewusst hat. Also geht es darum, das traditionelle Wertesystem zu ersetzen oder auf eine feste Grundlage zu errichten? Aber wie soll das gehen? Es ist schon bemerkt worden, dass Demokratien bzw. Rechtsstaaten von Werten leben, die sie nicht selbst erzeugen. Das können wohl nur Religionen, nicht?

          Was mich zu dieser Notiz veranlasst? Eine Bemerkung des bekennenden Moslems und nicht-desto-trotz patriotischen Franzosen (scheint bei Einigen vereinbar zu sein) Fares Karim, der in der Onlinezeitung Riposte Laïque (14.07.2015) von einem Spaziergang im 19. Pariser Arrondissement erzählt. Warum überhaupt der Spaziergang? Weil Ramadan ist und weil ihm die Republik und das französische Volk nicht geben können, was der Mensch zum Baguette auch noch braucht: etwas Nahrung für die neschume. In eigenen Worten: « Qu’est-ce que j’ai cherché au final ? Un peu de spiritualité dans mon identité française ? »

          Gefunden hat er IS-Fahnen und von Yusuf al-Qaradawi unterzeichnete Flugblätter, die zum letzten Gefecht aufrufen.

          Ich weiß nicht, ob die Jiddn beneidet werden, weil sie gegen alle Widrigkeiten es geschafft haben, ein Volk zu bleiben. Aber eins weiß ich: Wer sich von Torah ernährt, leidet keinen Mangel. Das Judentum ernährt seine Leute, während die meisten Westler seelisch hungern. Das kann nicht gut gehen. Wer hungert, frisst Müll. Doch woher nehmen, wenn der christliche Glaube lochunter gegangen ist?

          Fares Karim, « En plein ramadan, l’UOIF appelle à combattre les impies », Riposte Laïque, 14.07.2015
          http://ripostelaique.com/plein-ramadan-luoif-appelle-a-combattre-impies.html

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        • Wirklich verflixt. Jetzt steht die Verbindung wie eine 1, dafür gibt es keine Reaktion mehr.
          „Das ist Menschenlos, – bald fehlt uns der Wein, bald fehlt uns der Becher.“

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        • 🙂

          Weia!, ich will Dir seit zwei Tagen was über’n Nationalismus nein über die Nation et al schreiben, stecke aber in Texten (und schrieb grad selbst über die Eins, dochdoch!, grad jetzt bei 33 Graden mindestens, noch bevor ich las, dass Deine Kabel jetzt wie eine Eins einsen.

          Bis später bei hoffentlich nur 32,9 nein einskommaeins Graden (wir wollen ja sajn optimistisch 🙂 )
          *sich verdrück’*

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        • Zweiter Nachtrag zu Volk und Nation. (Zum eigenen Vergnügen und sonst nichts.)

          Ein Zufall führt mich zum Artikel von R. Elie Lemmel: « De l’étude au prêt à penser » ‒ Vom Studium zum vorgegebenen Denken.

          In den obigen Überlegungen im Anschluss an O’Neills Essay ging es um den geistig-seelischen Mangel, den das untergegangene Christentum nicht beheben kann. Die Einsicht, dass Kommunismus und Faschismus die Leere füllen sollten, die das Christentum aufklärungsbedingt hinterlassen hatte, ist nicht von mir. Sie hat mir in der Formulierung des Emigranten Eugen Gürster (Volk im Dunkel – Die geistige Tragödie des deutschen Volkes, Vita Nova Verlag, Luzern 1946) besonders eingeleuchtet:

          „Der Verfasser des vorliegenden Buches hat sich schon im März 1933 außerstande gesehen, das Phänomen des Nationalsozialismus aus politischen und ökonomischen Gründen zureichend zu verstehen. Daß ein Hitler die Massen in so umfassendem Maße erobern konnte, war seiner Meinung nach aus dem Zusammenbruch des christlich-humanistischen Weltbildes im Bewußtsein dieser Massen zu erklären. Dieser geistige Erdeinsturz ist, wenn überhaupt mit irgendeinem historischen Vorgang, nur mit dem folgenschweren Zusammenbruch der römischen Rechts- und Reichsidee in den frühchristlichen Jahrhunderten zu vergleichen.“ (Aus Gürsters Vorwort)

          „In den Massen-Ekstasen von Moskau, Rom, Berlin wurde plötzlich eine Willensrichtung erkennbar, die man durch die rationellen Methoden unserer demokratischen Welt stillzulegen gehofft hatte: das Durchbrechen eines unbezähmbaren Willens zum Wert. Neue Möglichkeiten eines das ganze Leben umspannenden Glaubens, der sich auf die Biologie statt auf die Bibel berief, wurden von den seit dem Schwinden der christlichen Gewißheiten ausgehungerten Massen mit Enthusiasmus ergriffen. In dem Schicksalsjahr 1932 hatte sich weit mehr als die Hälfte aller deutschen Wähler für die totalen Formen des Fascismus und des Kommunismus entschieden. Man fühlte, daß man nicht mehr ohne weiteres Mensch war. Man war Mensch durch das Bekenntnis zu einem Wert, von dem aus Sinn auf die eigene Existenz fiel.“ (S. 41)

          Und da spaziert an einem Sommertag 2015 unser Freund Fares Karim im 19. Pariser Arrondissement und sucht irgendwas. Kein hübsches Mädchen oder so was ‒ nein: nur ein Bisschen Nahrung für die neschume. « Qu’est-ce que j’ai cherché au final ? Un peu de spiritualité dans mon identité française ? ».
          Warum berührt mich diese Vorstellung so?

          Und was finde ich bei Raw Lemmel? Einen Text des Propheten Amos, der Haschem von einem besonderen Hunger sprechen lässt:

          הנה ימים באים נאום ה‘ אלוקים והשלחתי רָעָב בארץ לא רָעָב לַלחם ולא צָמָא לַמים כי אם לשמוע את דברי ה‘. (עמוס ח, יא)

          Hine Jamim ba’im Ne’úm Haschem Elokim we-hischláchti Raáw ba-Arez lo Raáw la-Léchem we-lo Zamá la-Májim ki im lischmóa et Diwré Haschem.

          [Sieh, es werden Tage kommen, sagt Haschem, und ich werde Hunger ins Land schicken: nicht Hunger nach Brot und nicht Durst nach Wasser, sondern danach, Worte von Haschem zu hören. (Amos 8, 11)]

          Was ist schlimm daran?, fragte der Raw von Ponowesch. Geistiger Hunger ist auf den ersten Blick kein Fluch – im Gegenteil: Es ist großartig, sich vorzustellen, dass es den Leuten nach Tojre dursten wird.

          Aber auf den zweiten Blick: Wenn Hunger ausbricht, ernährt man sich von Allem, ohne Rücksicht auf Qualität. Jeder Ersatz ist willkommen. So wird es auch den Generationen ergehen, die nach Geistigem dursten werden. Sie werden sich mit Ersatz begnügen, mit Tora aus dritter Hand, mit Lehren, die den Hunger kurzzeitig beschwichtigen, die sie aber nicht ernähren werden.

          Für die zahlreichen Frankophonen unter uns 🙂

          Au sujet de cette famine le verset dit « Voici que les jours viennent, dit l’Eternel, et j’enverrai une famine sur la terre. On n’aura point faim de pain ni soif d’eau mais seulement affamés d’entendre la parole de D.ieu. » (Amos 8,11)

          Le Rav de Ponowezh, un de nos grands maitre, posa la question évidente.
          « Etre dans la famine spirituelle n’a à priori rien d’une malédiction, au contraire c’est extraordinaire de savoir que les gens auront soif de Thora ! »

          Sa réponse est lumineuse : « Lors d’une famine, dit il, on se nourrit de ce que l’on trouve sans regarder vraiment à la qualité de la nourriture. On se suffit d’ersatz qui apaisent notre faim. » « ll en sera de même, dit-il, dans ces générations qui auront soif de spiritualité. Ils se suffiront d’ersatz, de Thora bon marché, d’enseignements qui apaiseront leur faim ponctuelle mais qui ne les nourriront point. »

          Amos‘ Prophezeiung hat sich erfüllt. Ohne Wertesystem kann man nicht leben. Eher werden die Europäer Islam fressen als dass sie langfristig ohne Religion bleiben. Islam ist keine Religion? Schon richtig. Aber auf seine Art konsistenter als Klimaglauben und Schwulenkult.

          Trotz alledem und alledem: Gute Woche an Alle!

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