Die Juden von 1670 und das Massaker

Ein Gastbeitrag von Robert Cohn (Gleichzeitig veröffentlicht auf Numeri 24:9)

http://www.robertcohn.net

1.

Ein Antiquitätensammler ist merkwürdig, selbst wenn er nur wenige Antiquitäten sammelt. Er hat dann ein paar merkwürdige Antiquitäten, die ihn an seine eigene Merkwürdigkeit erinnern. Wenn er auf die jedoch keine Lust hat, weil er sie ja schon kennt, versucht er, aus den Merkwürdigkeiten seiner Antiquitäten Schlüsse auf die Merkwürdigkeit der Welt überhaupt zu ziehen. Weil er die noch nicht genug kennt. Selbst wenn es dabei um Judenhass geht, und selbst wenn er glaubt, den zu kennen. Judenhass herrscht seit zweitausend oder dreitausend Jahren, man kennt ihn zwar, und noch immer ist er nicht erklärt. Obwohl er seit zweitausend oder dreitausend Jahren erklärt wird, indem man den Menschen dem Menschen erklärt.

Ich bin ein Klein- und Kleinst-Antiquitätensammler. Fast immer, wenn ich mir eine weitere merkwürdige Kleinantiquität leisten kann, schlage ich merkwürdig gern zu. Besonders bei Gegenständen ohne Judenhass darin oder daran. Um mir oder Anderen deren Merkwürdigkeiten zu erklären, diese oder jene.

Auf meinem Wohnzimmertisch steht dieser Kerzenleuchter aus Bronze, gegossen etwa 1640 in Paris (er kostete bei einer merkwürdigen Auktion ganze 39 Euro und ein paar Zerquetschte, so merkwürdig zerquetscht sind selbst die Preise!, wenn sonst Keiner sowas haben will), aber ich wollte ihn haben.
Er erklärt viel.
Weil er, merkwürdig!, eine Menschengestalt ist.

Egon Friedell, der äußerst merkwürdige Wiener Jid mit dem Weltgeschichte-Schreibwahn, der tausendvierhundert Seiten Dünndruck voller exzessiver Détails über die Kulturgeschichte der menschlichen Merkwürdigkeiten vollgeschrieben hat, bis er sich dann 1938 beim fröhlichen Einzug der Großdeutschen kleinlaut aus seinem Wiener Fenster gestürzt hat, schrieb über den Menschentypus „der Barocke“, also des siebzehnten Jahrhunderts, da habe der monadische Menschentypus vorgeherrscht. Also der Einzelne (so singulär einzeln, wie es der Philosoph Stirner zweihundert Jahre später auf die Spitze trieb), ein Descartes-Typus gedankenschwer und präzis, ein Claude Lorrain mit Sehnsucht nach dem perfekten Moment im Sonnenuntergang in der Mitte der Welt, ein Leibniz randvoll mit Universalität und Mathematik und Vernunft und Gründer von Wissenschaftsakademien, ein Newton, der die Physik mit Licht erfüllt hat, ein Blaise Pascal renaissancevollendend, ein Spinoza mit mächtigen Illusionen über den ethischen Wert von Natur, ein Condé alles erobernd und nichts behaltend, ein Gryphius illusionslos, eine Marquise de Sévigné randvoller Eloquenz und Beobachtungsgabe, eine Madame de Lafayette mit marmorn kostbaren Spott, ein Salvator Rosa mit wuchernden Baumriesen, ein Rembrandt in der Nacht mit Fackeln, ein Caravaggio fern jeder Blässe, ein Lully mit empfindsamer Dramatik und Dauerfeuerwerk musikalischer Ideen, ein Molière menschlich unbestechlich: Einzeln, einsam, selbstherrlich, ehrenhaft, auf unabhängige und voraussetzungslose Weise den Kern der Dinge suchend und beschreibend und ihn berechnend und gleichzeitig über ihn spottend, nie sicher ohne Unsicherheit, stolz jede Herausforderung suchend, keinem Genuss abgeneigt. Ein reales Idealbild.
Diese Gebärde zeigt der Kerzenleuchter.

KerzenleuchterEr steht auf einem breiten, runden, ausschwingenden Fuß, wie man mitten im siebzehnten Jahrhundert mitten auf der Welt breitbeinig lebte. Der Fuß ist kein Klotz, er verbraucht grad so viel Standfläche wie nötig, viel, aber nicht im Übermaß, ohne Eitelkeit, und er geht in die Lende über. Einer muss breit und sicher stehen, um oben die Wolken und Sterne zu sehen.
Kein Bauch im Weg. Oh, es gibt Kerzenleuchter mit Bauch!, manche (etwa die aus dem schlimmen neunzehnten Jahrhundert) bestehen aus nichts Anderem als Bauch, Rüschen und Speckfalten. Aber nicht im stolzen siebzehnten Jahrhundert. Da hatte man zwar real Bauch, ja nicht zu knapp, etwa so wie Balzac viel später, der als Typus oder als Idealbild so gut ins siebzehnte Jahrhundert passt: Mächtig nur für sich selbst, einsam, voraussetzungslos, akribisch, spöttisch gläubig bis zum Ende, ohne Kitsch und Redundanz und geistigen Schwabbel.

Der Kerzenleuchter von 1640 hat keinen Bauch. Er denkt wohl ‚Gedärm‘, aber er zeigt keins. Er reckt sich kräftig bis zur Schulter hoch, da wird er kugelig. Warum: In den Schultern schlägt das Herz, es schlägt in einer Kugel, im siebzehnten Jahrhundert sind wir alle Monaden, Kugeln, die durchs All rasen, um es in sich selbst zu enthalten, und um in kühler Heißblütigkeit die Sterne anzusehen und sie zu bezweifeln.
Darüber eine breite Kehlung, der Hals: Keine Einschnürung, kein Gewürge, ein großzügiges Schwungnehmen für die Haltung des Kopfes. Der ist mächtig, nahezu so breit wie die ganze Brust, mit Ringen graviert in unregelmäßigen Abständen, jeder Abstand ist verschieden, weil ja die Gedanken darin frei sind, und weil sich die Ideen unabhängig schichten in diesem Kopf. Er zeigt eine ideale Zylinderform, er wiederholt aufstrebend die Breite des Standfußes, er übersetzt die Breite von unten in die Krönung des Ganzen.
Dort hinein kommt die Kerze, der Geist leuchtet im siebzehnten Jahrhundert aus dem Kopf, um das All zu erleuchten. Der Kopf ist die Monade, und die Monade ist das ganze All. Ob das All da draußen es nun sieht oder nicht.

 

2.

So weit das Idealbild. Jetzt zum Zerrbild, zu dieser anderen Kleinantiquität: Ein Kupferstich aus einem Buch mit Juden darauf. Er hat mich bei einer obskuren Auktion 10 Euro und ein paar Zerquetschte gekostet. Der Kerzenleuchter widersteht der Zerquetschung, er ist aus einem Guss, zu massiv und zu monadig zum Zerquetschtwerden: Während die Leute auf dem Kupferstich Zerquetschte sind. Weil es im siebzehnten Jahrhundert ja ums Zerquetschtwerden ging. Pausenlos. Deshalb malte Claude Lorrain seine glühenden sehnsuchtsvollen Sonnenuntergänge aus der Mitte der Welt, weil man sich sonst überall gegenseitig zerquetschte. Er wollte da hinaus, aufs Meer, das er gemalt hat in glühend schwebenden Farben bis in die Unendlichkeit.
Deshalb schrieben Descartes und Pascal ihre glasklaren, détailversessenen, analytischen und endlosen Seiten, denn nichts zu schreiben bedeutete, zerquetscht zu werden: Von selbstherrlichen Fürsten, vom großen Condé und seinen alles niederwalzenden Heeren, ja von Wallenstein, dem geistvollen, polyglotten, genialen Strategen („Feldherr“ sagen die Gutfinder) und Warlord, der nur Warlord gewesen ist, trotz aller Bildung und trotz aller Gewandtheit ausschließlich Warlord („der Krieg ernährt den Krieg!“), Wallenstein und Tilly, die Massaker befahlen und sie genossen, weil sie Massaker mitten im Genuss wollten, den vollen Genuss im vollen Massaker, unaufhörlich.
Deshalb ist Baruch de Spinoza von der Ethik seiner Väter abgefallen, aus gut gemeintem, aber überheblichen Widerspruch zum Faktischen: Weil er lieber eine illusionäre, weil rechtfertigende und relativierende Ethik der Natur wollte als den schwierigen, angefeindeten, talmudisch-fundamentalethischen Widerspruch zu den Gräueln der Urwaldnatur.
Deshalb spiegelt sich in der überwältigenden Galerie des Glaces im Schloss von Versailles nur dieser Saal selbst in endlosen Spiegeln, 73 Meter lang, überwölbt von der gedankenvollen Pracht der Fresken von Le Brun, die nur die Majestät zum Thema haben, fortwährend die Majestät immerfort in ihrer Gloire. Weil hundert Meter jenseits der 357 gloriösen Spiegel immerfort Massaker herrschten mitsamt la Gloire.

Dagegen steht der Kerzenleuchter von 1640, Lorrains Todesjahr, wenige Jahre nach der sinnlosen, völligen Vernichtung der Großstadt Magdeburg mitsamt dreißigtausend Einwohnern mitten im Dreißigjährigen Krieg durch die prächtigen Warlords Tilly und Pappenheim: Er steht wie eine Eins und sieht sich das alles an, schätzt es ab, schätzt es ein, ohne sich zu beugen.
Was ist die Eins: Die Eins ist einsam ohne ein Gegenüber, ragt für sich selbst, ist Herr ihrer selbst, weil sie Herr über nichts ist. Die Eins zeigt, wer sie ist, sie steht neben dem Massaker und sieht es sich an, und es ist ihr egal, ob einer hinsieht, und wenn, wer.
Der Kerzenleuchter als Idealbild des Menschen des siebzehnten Jahrhunderts steht da wie eine Eins, aus Widerspruch, aus Humanismus und aus Menschlichkeit, weil diese Massaker und wieder Massaker nicht der Wirklichkeit letzter Schluss sein konnten. Obwohl Heraklit, auch so ein Barockmensch, einst gemeint hatte, der Krieg sei der Vater aller Dinge. Er litt daran wie schon Homer.
Im siebzehnten Jahrhundert kannte man seinen Homer und seinen Heraklit, und Leibniz stellte sich hin wie eine Eins, schrieb über Wissenschaft, Mathematik, Vernunft und Philosophie tausende Seiten voll, weil er übergenug Massaker gesehen hatte.

 

3.

Um Massaker geht es auch auf diesem Kupferstich mit den Juden darauf.
Alle Wege führen da hin. Le Grand Siècle, das große französische Jahrhundert, war Größe und Fortschritt und Geprasse und Massaker in Einem, wobei die Massaker und das Zerquetschen überwogen: Vom Dreißigjährigen Krieg erholten sich manche Regionen erst zweihundert Jahre später.
„L’AGNEAU DE PASQUE, Exod.chap. XII – Dieu ordonna aux Iuifs de manger l’agneau de la Pasque“ – Gott hat den Juden befohlen, das Osterlamm zu essen, so die Unterschrift unter dem Kupferstich.
Er stammt von Seite 81 aus dem Buch „L’histoire du vieux & du nouveau Testament représentée avec des figures & explications édifiantes, tirées des SS.PP. pour régler les mœurs dans toute sorte de conditions, dédiée à Monseigneur le Dauphin“, „Die Geschichte des Alten und des Neuen Testaments mit erbaulichen Abbildungen und Erklärungen, nebst Beispielen, um die Sittlichkeit in allen Lebensumständen zu ordnen, gewidmet dem Thronfolger“.
Das Buch erschien 1670 in Paris im Verlag von Pierre Le Petit. Der Autor ist Louis-Isaac Lemaistre de Sacy, Sieur de Royaumont, Prieur de Sombreval (1613 – 1684), ein bedeutender jansénistischer Theologe, Humanist, Bibelübersetzer (in 32 Bänden) und Gelehrter aus der Abtei von Port Royal in Paris, den man 1666 für zwei Jahre wegen religiöser Abweichung in die Bastille sperrte, sicher ein Bekannter oder Freund der Marquise de Sévigné.

Der Kupferstich im Querformat erstreckt sich über die Seitenbreite (18 cm), in der Mitte wurde die Seite quer abgeschnitten, wohl damit der Stich in einen Rahmen passte.
Wer hat das Buch wegen dieser Abbildungen zerschnitten?, wann? Und wer wollte sich just diesen Stich an die Wand hängen? Er muss merkwürdige Gründe gehabt haben.

Louis-Isaac Lemaistre de Sacys Bibelübersetzung wendete sich an Leser, die kein Latein konnten. Sein Französisch (die Rückseite der durchgeschnittenen Seite ist mit Text bedruckt) ist präzis, lebendig, klar. Was er sagt, steckt voller gezielter Fehler und Insinuationen, die so ihre finstere Wirkung entfalten:

„(page 82)… Pharaon se leva au milieu de la nuit saisi de la mort si surprenante de son fils; chaque maison se trouvant aussi frappée de la mesme playe, la frayeur remplit toute l’Egypte, & chacun craignit pour luy mesme ce qu’il voyoit estre arrivé au plus cher de ses enfans. On reconnut bien sensiblement en cette rencontre, que Dieu dispose comme il veut les hommes, & qu’il les contraint enfin de faire tout ce qu’il luy plaist. Pharaon qui avoit jusqu’alors resisté aux ordres de Dieu & à Moyse, fut le premier à prier le Israëlites de s’en aller. Il ne mit aucune borne au pouvoir qu’il leur donnoit, & il leur permit d’emmener avec eux tous leurs enfans & tous leurs troupeaux. Il ne leur demandoit qu’une grace, qui estoit de se haster, & tous les Egyptiens leur firent aussi la mesme priere. Mais avant que les Israëlites s’en allassent, ils firent ce que Dieu leur avoit commandé, qui estoit d’emprunter les Egyptiens des vases d’or & d’argent, ce que les Egyptiens par un secret effet de la providence de Dieu leur donnerent sans aucune peine. Ce fut ainsi qu’ils furent délivrez de cette longue captivité de l’Egypte. Ils la pillierent en quelque sorte en la quittant, pour estre ainsi recompensez de tout ce qu’ils avoient fait avec tant de travail pour les Egyptiens dans la construction de leur ville; & ils en emporterent ce qu’elle avoit de plus riche, pour marquer deslors…“ (hier Abbruch des Texts an der Schneidekante)

„Pharao erhob sich zur Mitte der Nacht, getroffen vom so plötzlichen Tod seines Sohnes; und jedes Haus fand sich vom selben Schlag der Pest getroffen, sodass Entsetzen ganz Ägypten erfüllte, und ein Jeder fürchtete dasjenige für sich selbst, was den teuersten seiner Kinder widerfahren war. Man erkannte sehr verständig an diesen Ereignissen, dass Gott über die Menschen so verfügt, wie er will, und dass er sie schließlich zwingt zu tun, was ihm gefällt. Pharao, der sich bis da hin den Befehlen Gottes und Moses‘ widersetzt hatte, bat als Erster die Israeliten zu gehen. Er gab der Macht keine Grenzen, die er ihnen verlieh, und er erlaubte ihnen, all ihre Kinder und all ihre Herden mitzunehmen. Er verlangte von ihnen nur die eine Gnade, sich zu sputen, und alle Ägypter baten sie um eben das Selbe. Aber bevor die Israeliten nun auszogen, taten sie, was Gott ihnen befohlen hatte: Die Ägypter ihrer Goldgefäße und ihres Silbers zu berauben, welche die Ägypter durch eine geheime Wirkung der Vorsehung Gottes ihnen ohne jeden Schmerz überließen. So begab es sich, dass die Israeliten aus ihrer langen ägyptischen Gefangenschaft entlassen wurden. Gewiss plünderten sie das Land beim Auszug als Entschädigung für alles, das sie mit viel Arbeit für die Ägypter beim Bau ihrer Stadt unternommen hatten; und sie nahmen die größten Reichtümer mit, um…“

Lemaistre de Sacy stellt den Pharao als überaus gnädig dar, so wie er wohl den König Louis XIV höchstpersönlich oder den Kaiser Konstantin dargestellt hätte; er schildert die ausziehenden Israeliten als reich und als unbeschädigt, und er behauptet, dass Gott alles befohlen habe. Diese individuellen Entscheidungen Pharaos und Moses, auf die es im Torahtext ankommt!, lässt er völlig unter den Tisch fallen. Er behauptet sogar, der gnädige Pharao habe die Israeliten mit grenzenloser Macht ausgestattet. Sein Hauptaugenmerk liegt auf den Ägyptern les Egyptiens und l’Egypte, sechsmal genannt), auf Gott (Dieu, viermal genannt), jedoch der Pharao (Pharaon) und die Israeliten (les Israëlites) nennt er jeweils nur zweimal, Moses (Moyse) bloß einmal, als Personalunion mit G“tt: „…Pharaon qui avoit jusqu’alors resisté aux ordres de Dieu & à Moyse“ (Pharao, der sich bis da hin den Befehlen Gottes und Moses‘ widersetzt hatte, …).
Er schreibt den Israeliten und Moses quasi göttliche Macht zu.

Lemaistre de Sacy besitzt weder einen Sinn für die Theaterdramatik des Buchs Exodus mitsamt Haupt- und Nebenrollen, noch überhaupt für die ethischen Aussagen der Torah, sein ‚Altes Testament‘, in dem ja in aller Deutlichkeit ein anrührender Bericht über Sklaven steht, die Israeliten, die von den Ägyptern so unterdrückt und bedroht werden, dass sie überstürzt fliehen müssen und nicht einmal die Zeit haben, um sich Brot einzupacken. Er verklärt diese Dinge nicht nur maßlos herrschaftlich, sondern behauptet das Gegenteil: Er malt das Bild von reichen, machtvollen, plündernden Juden.

 

4.

Wer sind diese Israeliten anno 1670, als Lemaistre de Sacys Buch gedruckt wurde: Man sieht sie auf dem Kupferstich.

KarikaturAuf einer Terrasse, halb erhöhter Ort über einer Stadt, halb prachtvoller Innenraum, drängen sich zehn Juden mit langen, gefährlichen Stöcken um eine Tafel. Am rechten Bildrand, perspektivisch verkleinert, kommen noch zwei herbeigerannt, um die Zwölf voll zu machen, die Anzahl der biblischen Stämme, das finstere Gegenbild zu den zwölf Jüngern Jesu.
Die beiden Juden an den vorderen Ecken der Tafel sind im Lauf abgebildet – die jüdische Hast muss emblematisch gezeigt werden, obwohl diese Laufbewegung mit einer Tischkante am Bauch physisch unmöglich ist. In der Mitte sieht man Einen mit breitrandigem Hut, durch Gestik herausgehoben und dunkler als die Umstehenden, wohl der Rabbiner, der drohend den linken Zeigefinger und das Gesicht beschwörend erhebt, während sein Nebenmann gierig die Hand auf das Objekt auf einer Servierplatte legt. Ein elendes Tier, dieses Osterlamm. Die elendeste Abbildung eines Tieres, die ich je gesehen habe. Es liegt erbärmlich auf dem Rücken, eine Pfote emporgereckt, als ob es um Schonung bäte. Es wurde ohne Gnade hingeschlachtet, dazu wohl auf grausame Weise, seine Schnauze ist deformiert. Es hat alles von einem misshandelten Kadaver, aber gar nichts von einem realen Festtagsbraten zum Pessach.

Sonnenklar, dass Kupferstecher und Buchautor nie eine jüdische Pessachversammlung von ferne gesehen haben, denn es liegt ja keine Pessach-Haggada auf dem Tisch, kein einziges Buch!, niemand sitzt, und einer der Juden trägt nicht einmal eine Kopfbedeckung. Die anderen tragen die offiziell verordneten, seit dem Mittelalter häufig abgebildeten Judenhüte. Dass jedoch ein Jude ohne Judenhut eine Kippa trug, hat der Kupferstecher nicht gewusst: Weil er keine Juden kannte. Nur deren Eigenschaften glaubte er zu kennen, er hat sie ausgiebig in den Gesichtern dargestellt: Zorn, Habgier, Hast, Undurchsichtigkeit, Lauern, Drohgebärden.

 

Übrigens war ganz Frankreich seit der Vertreibung aller Juden 1394 judenrein gemacht, nur im kleinen Comtat Venaissin in der Provence (päpstliches Territorium) und im von Frankreich beanspruchten und kurz darauf eroberten deutschsprachigen Elsass lebten Juden. Der Kupferstecher hat mehr die elsässischen als die provenzalischen Juden dargestellt, den Jud‘ wie von einem Steckbrief, eilig schlurfende Verhökerer, einen drohenden, unheimlichen Rabbiner und einen Zipfelbärtigen, der wohl einen Geldsack umklammert hält. Propagandistische Zerrbilder.

 

Keiner der zwölf Juden sitzt, alle stehen oder laufen, sie haben merkwürdige Eile, sie lungern in Bewegung um den Tierkadaver auf der Tafel. Ein sehr junges Tier – definitiv kein erwachsenes Schaf!, es hat etwas Menschliches. Dem Betrachter drängt sich die Assoziation zu einem hingeschlachteten Christenkind auf, dessen Blut laut Blutlegende die Juden für ihre Matzes brauchen. Das Opferlamm, „l’Agneau de Pasque“, es liegt zum Erbarmen hingestreckt, das ist kein Tier!, der Zeitgenosse von 1670 hätte ja nie ein leidendes und um Schonung bittendes, hingemetzeltes Tier dargestellt!, dieser Gedanke war zu der Zeit fremd und hier in dieser Bildanalyse ist er irrelevant, denn es geht um die Chiffre der Kinderblutlegende, um den Ritualmordvorwurf, mithin um das Vorspiel zum Judenpogrom. Dafür sind solche Abbildungen da.
Auch wegen der jüdischen Bibel, überhaupt wegen des jüdischen Anteils an der christlichen Bibel. Dafür hat der Kupferstecher den Satz aus Exodus XII hergenommen: „Dieu ordonna aux Iuifs de manger l’agneau de la Pasque“ – Gott hat den Juden befohlen, das Osterlamm zu essen, und er hat ihn in die rituelle Schlachtung eines Christenkindes übersetzt.
Dass er damit sogar seinem christlichen Gott eklige Dinge insinuiert, ist ihm vor lauter Eifer nicht aufgefallen. Der Judenhass überwog die Religiosität. Obwohl dieses Buch von nichts sonst als Religion handelt.

 

Schräg hinter dem prächtigen, zur Stadt hin offenen Raum steht eine Getreidemühle, man erkennt deutlich die Mühlsteine. Für‘s Volk von 1670 hatten die Müller mit dem Satan zu tun. Alle frühe Industrie (Mühlen, Kohlenmeiler, Rennöfen, Bergwerke usf.) galt Bauern, Bürgern, Mönchen, Damen usf. und in Ammenmärchen als vom Teufel gemacht. Diese Mühle ist deutlich mit den Juden assoziiert, Auftakt zum modernen Antisemitismus, der die Juden im Kaufen und Verkaufen, im Herstellungsprozess, im Industriebetrieb, überhaupt in der arbeitsteiligen städtischen Moderne verschworen, schädigend und alles vergiftend am Werk sieht.
Sogar eine Art Davidstern ist dargestellt, spinnwebartig als sechsteilige Glassprossen oben im mächtigen Fenster der Wand. Die in Dunkelheit versinkt, überhaupt wirft diese Wand einen mächtigen, langen, schwarzen Schatten über die Terrasse in Richtung der Stadt: Das Böse, das von den Satansjuden ausstrahlt.
Oder der Zorn G“ttes wegen der Juden, denn das Fensterkreuz wirkt wie ein gewaltiges, aufgerichtetes Christenkreuz.

 

So viel Bösartigkeit und Hetz‘, die dieses Bild enthält, muss einer auch erstmal gelernt haben. Er hat es sichtlich genossen. Er war ein fähiger Kupferstecher, der seine Kunst beherrschte, und was hat er daraus gemacht: Jedes Détail seiner Arbeit strotzt von Judenhass.

 

5.

Somit geht es auch auf dieser Abbildung um Massaker. Weil Judenhass immer zu Massakern führt. Vorher die Vorfreude, währenddessen das Fest, danach die Befriedigung. Nirgendwo auf dem Kupferstich ist ein Mensch zu sehen, kein einziger Mensch!, keine Eins!, nur zwölf Zerrbilder vom fremden, ungezieferigen, lästerlichen, bestialischen, gefährlichen, zu vernichtenden Jud‘.
So was hat der gebildete, eloquente, humanistische, belesene Gelehrte Louis-Isaac Lemaistre de Sacy für sein Buch zugelassen oder gefördert, leichtfertig oder freudig, oder nur wegen des Geldes?, hat er geglaubt, etwas Gutes damit zu tun? Seine Vornamen sind bezeichnend. Louis-Isaac, ein bourbonischer Königsname vor einem humanistisch-jüdischen Namen, der Bourbonenname steht freilich zuerst, so wie die Flagge des Siegers über der Flagge des Besiegten flattert: Der ganze, nicht enden wollende Triumph über den Jud‘ und dessen fortwährende Demütigung bloß in zwei Vornamen.

 

Wie erwähnt: Es lebten in allen wichtigen und Europa bestimmenden Teilen des großen, mächtigen Frankreichs zu der Zeit real überhaupt keine Juden. Seit 1394 gab es dort keinen einzigen Juden. Fast dreihundert Jahre totale Abwesenheit der Juden, jedoch der Judenhass kochte 1670 und später merkwürdig vehement wie eh und je. Auftakt und Vorfreude für weitere Massaker.
Irgendwann zweihundert Jahre später hörten die Mehrheitschristen auf, Massaker aneinander zu verüben, denn sie glaubten, nun aufgeklärt und urban und vernünftig geworden zu sein. Nur auf Massaker an den Juden wollten sie nicht verzichten. Dabei hatte es nie jüdische Massaker an den Christen gegeben.

 

Wie hat das Idealbild des Menschen für diesen Kupferstecher und für den Autor Lemaistre de Sacy ausgesehen? Weshalb schwebte ihnen da kein Descartes vor, kein Spinoza, kein Jean-Baptiste Lully, und warum haben sie sich nicht mit denen beschäftigt, sondern sich in dieser zwanghaften Konstruktion aus selbstentwertendem, sich selbst unwürdig machendem und korrumpierendem, billigem Judenhass gewälzt? Aus Angst. Sie schlotterten vor Angst. Wegen der Juden. Sie waren besessen von den Juden, wegen ihrer tiefen Angst, dass etwas an ihrer eigenen Religion nicht stimmen könnte. Schließlich hatte der Pharao die Juden mit endloser Macht ausgestattet, nicht? Lemaistre de Sacy, der belesene und ehrbare Theologe, war von dieser Fantasie überzeugt, obwohl er die Originaltexte kannte, in denen nichts dergleichen steht. Trotzdem glaubte er an die Lüge. Er hat dem Pharao Milde und den Juden magisch übermenschliche Macht und Plünderei angedichtet, warum? Er wollte die Illusion von den übermächtigen, mit pharaonischen Halb- und Gegengöttern verbündeten Juden nähren. Mitte des siebzehnten Jahrhunderts galt die Idee Altägypten als Chiffre für größte Macht und enormes Geheimwissen, das jeden schaudern ließ, der sich damit beschäftigte. Athanasius Kircher, der Alchemist, hat darüber hunderte Seiten vollgeschrieben. Dessen mythischer Meister der Alchemie, der Hermes Trismegistos (der die Tabula Smaragdina gemeißelt haben soll) galt als eine Art Pharao, mächtiger als Caesar, Kaiser und Papst zusammen. Wenn so ein Pharao dann den Juden Macht mitgibt, bedeutet das für den ungläubigen, weil frömmelnden und abergläubischen und fantastelnden Christen, dass er vor der unheimlichen, übermenschlichen Hypermacht der Juden vor Angst und Hass schlottern muss.
Jedoch die zwölf Juden auf dem Kupferstich tragen keine Kronen, schweben nicht über dem Boden, und sie sehen nicht wie Adonis oder wie Justin Bieber aus. Ganz im Gegenteil. Sie sind die Anderen schlechthin, abstoßend, gefahrbringend, fremd, minderwertig und das Gegenteil des edlen Menschseins.

 

Eben DAS ist er, der Antisemitismus, der qua fiebernder, schwarzer Fantasterei den Juden jenseitige Macht, Omnipräsenz und enormen Reichtum zuschreibt, indem er sie jedoch als Untermenschen hinzeichnet. Der traditionelle, teufelbesessene, christliche Judenhass geht hier bruchlos in den modernen Antisemitismus über.

 

Ferner fällt pathetische Menetekeligkeit des Kupferstichs auf. Überall sind Vorzeichen, es braut sich was zusammen, schwarze Schatten fallen über die Welt, ein großes Christenkreuz erscheint gespenstisch in einer schwarzen Palastwand wie einst in Babylon die Hand an der Wand, und zwölf unheimliche Juden rennen herbei, schänden ein hilfloses Wesen, planen Entsetzliches und beschwören das Schicksal und vielleicht den Satan. Sie sind Zerquetschte, von Gott Gehasste und zu Zerquetschende, denn so lautet die sadistische, frömmelnde, reflexionslose, selbstvergötzende, verantwortungslose Legende: Das gnadenvolle Christentum habe das gesetzesstarre Judentum längst aufgehoben, jedoch es existiere aus Eigensinn und Trotz weiter, den Christen zum Daseinswiderspruch, Gott zum Zorn und der Welt zum Hohn. Obschon die Christen alle Juden aus dem Land geworfen hatten und keiner mehr einen Juden kannte, sollte es noch immer irgendwo Juden geben. Eine endlose Schmach, zumal diese wenigen Juden noch immer ihren G“tt lieben und verehren und auf ihrem Bund beharren, der zig Millionen Christen einfach ausschließt!, diese Schmach der 98%, die sich nur durch endlose Bekämpfung der jüdischen Religionslästerung (ach, diese Zweifel an sich selbst trotzdem!) und durch endlosen Judenhass bekämpfen lässt (wobei das doch Untaten sind!, aber die Juden zwingen die 98% zur Sünde!, womit man ein armes Opfer der Juden bleibt, grad wegen der Selbstzweifel, wofür man die Juden hasst, hasst, hasst).

 

6.

Diese urchristlich-urdefizitäre Selbstdefinition ist erst seit dem zwanzigsten Jahrhundert und seit der gelebten Moderne in den Hintergrund getreten: Und ist sofort vom nazistischen, kommunistischen und säkularisierten Antisemitismus abgelöst worden, der viel mehr Juden als je zuvor auffressen sollte. Bis auch dieser moderne Antisemitismus leiser wurde, weniger aus schlechtem Gewissen, mehr aus Überdruss und wegen verstreichender Zeit. Seitdem ist man aus Bessersein und aus Besserwissen international und menschenrechtsgläubig und für Spaß und Völkerverständigung, und man hasst Israel. Man ist ja kein Antisemit!, man hat ja nichts gegen Juden!, weil man ja kein Nazi ist, aber man hasst Israel. In Stellvertretung. Und weil ja immer was sein muss mit den Juden. Und weil die nie mit den 98% mitmachen, so wie jeder mitmacht!, sondern weil die mal wieder anders sein wollen.

 

Im siebzehnten Jahrhundert fühlte man sich hilflos zerquetscht wegen des unerledigten Heilsplans, denn trotz allen Flehens und Betens stellte sich die Welterlösung einfach nicht ein, obschon Jesus die Welt längst erlöst haben sollte. Unerträglich der jüdische Universalwiderspruch, da fühlte man sich so ad absurdum geführt, zu Boden gepresst und zermatscht, so ohnmächtig, dass man den schuldigen Juden ihre Fortexistenz nie verzieh. Lessings Großinquisitor: „Tut nichts!, der Jude wird verbrannt.“

 

Heute liegt es an Israel, dass der brüchige Weltfrieden noch nicht angebrochen ist, an Israel, dass nicht alle Menschen Brüder sind, an Israel, dass die Mohammedaner einander zu Hunderttausenden umbringen, und wenn Jerusalem anruft, beugt sich Berlin.

 

Das Unerträglichste ist, dass Juden sich einfach nicht zerquetschen lassen. Die Meisten sonst lassen sich zerquetschen oder lassen sich konvertieren, unterdrücken, missionieren, vertreiben, wonach sie dann einfach zu existieren aufhören. Aber nicht die Juden. Die sind zu starrsinnig und zu verstockt, vielleicht zu reich und zu mächtig?, gar mit dem Satan und mit den Nazis und den Außerirdischen im Bunde?, denn die Juden gibt es immer noch, nach zig Ausrottungsversuchen gibt es nach wie vor Juden mit einer blühenden jüdischen Kultur und einem prosperierenden jüdischen Land. Dabei müssten die Juden seit Kaiser Titus und Vespasian längst Zerquetschte sein. Seit Pharao und seit Amalek vor dreitausend Jahren. Dann seit Papst Sowieso und Kaiser Schießmichtot, seit Nationalismus und Sozialismus und Internationalismus und Gigantismus und Brutalismus, aber es gelang nie. Selbst das dauernd überfallene und gepresste und gezwungene Land Israel lässt sich nicht zerquetschen, es gedeiht. Sauerei, diese alte Halsstarrigkeit der Juden und diese neue Selbstherrlichkeit der Israelis, sich nicht zerquetschen lassen zu wollen!

 

Vielleicht ist mein Kerzenleuchter von 1640 ja ein jüdischer Kerzenleuchter, denn irgendwas Jüdisches hat er definitiv, er hat dazu was von Newton und Leibnitz und von Caravaggio und Madame de Sévigné, er widersteht der Zerquetschung. Er ist aus einem Guss, zu massiv, zu trotzig und zu monadig zum Zerquetschtwerden. Er sagt Nein zum Zerquetschtwerden, obgleich alle Welt ihn nötigt, zu Allem Ja zu sagen. Er hat aber darauf keine Lust.

 

7.

Wir hatten zunächst das Idealbild des Menschen, der wie eine Eins dasteht, unabhängig wie Leibniz und Descartes, die mit ihrem monadischen Kopf das Weltall erleuchten: Gut dokumentiert in Selbstzeugnissen.
Dann hatten wir das Zerrbild des Menschen, den Kupferstich mit zwölf Juden, Abschaum der Menschheit, Träger von Schuld und überhaupt von Verschuldung (Juden und Geld, Juden und Macht), das projizierte Realbild von Gier, Zorn, Lauern und allgemeinem Verhängnis: Gut dokumentiert in Fremdzeugnissen, von Pogrom zu Pogrom immer wiederholt.

 

Nun haben wir ein Drittes. Ein Schreibzeug, ein extravagantes Ausstattungsstück, ein wohl singuläres, das ich sonst noch nirgends so gesehen habe. Es besteht aus Bronze, so breit wie zwei Hände nebeneinander mit gespreizten Fingern, es soll der Bereitstellung von Tinte, als Ablage für Schreibfedern und zur Selbstvergewisserung im Schreibprozess dienen. Es war nicht billig, obwohl ich es schamlos heruntergehandelt habe. Als es einst neu war, kostete es wohl ein kleines Vermögen. Seine Herkunft ist unbekannt, es stammt wohl aus dem Gebiet an der Loire (Tours oder Orléans, unter einem der Tinten-Einsätze steht graviert „JWV Moulins“), denn etwa 1630, als es entstand, herrschte im verarmten Paris der schwache König Louis XIII, klein gehalten und terrorisiert von widerspenstigen Regional-Mächtigen, die traditionell (so wie auch die Bourbonen selbst) an der Loire saßen, seit dem Mittelalter bis zur Zeit von Louis XIV das Zentrum Frankreichs.

 

Wir hatten das Idealbild, und dann hatten wir das Zerrbild. Dieses Schreibzeug, das dritte und letzte Objekt meines Essays, gilt hier als Wunschbild des Menschen, als Eskapismus, als in Bronze gegossenes Mysterium!, als Drang zu entkommen und zu herrschen, als Drang nach den änigmatischen, gefährlichen, göttlichen und ins System gebrachten Dingen jenseits der Welt, die eigentlichen, gleichbleibenden, wahren Dinge, die man versuchen muss zu beherrschen, jenseits von uferlos wechselnden Massakern, Machtkämpfen, Hunger, Straßengestank, Räubern und Soldateska, Elend, Steuereintreibern und dem Kampf für den Alltag, Dinge, die man nicht beherrschen kann.

Tinte1Zwölf Gesichter: Jeweils drei gleiche auf den drei Decken der Tintenfässer (zwei für Tinte, eins für Löschsand), drei verschiedene auf dem Corpus. Zusammengefasst ist das Ganze als frühbarocke Kartusche mit Anklängen an den italienischen Manierismus. Die Ausführung ist sehr sorgfältig, die Proportionen gelungen, jedes Ornament sitzt.

Inmitten von wohl Pergamentbändern (Voluten) sitzen auf jedem Deckel drei Gesichter: Ein Faun oder Teufel mit Hörnern, langer Nase, spitzen Ohren, Ziegenbart und dicken Lippen, eine junge, anmutige Frau, und eine ältere Frau mit ägyptischem Stirnring und hagerem Gesicht. In der Mitte des Corpus prangt inmitten erblühender Blattranken ein Kindergesicht, sehr ausgeformt, individuell, ausdrucksvoll und unkindlich – also kein Putto. Links, um 90 Grad versetzt und auf die linke Seite blickend, sitzt ein waches, bärtiges Männergesicht, vielleicht ein Portrait, vielleicht das Idealbild des Gelehrten, Alchemisten oder homme de lettres. Rechts, wieder um 90 Grad versetzt und auf die rechte Seite blickend, sitzt eine wohl schlafende, altägyptische Maske mit ägyptischem Stirnring. Ägypten galt als Quelle der Alchemie: Der Hermes Trismegistos (der dreifach mächtige Götterbote) soll dort den Stein der Weisen gemacht und die Tabula Smaragdina geschrieben haben. Über die drei Stadien Nigredo, Albedo und Rubedo (Schwärzung, Weißung, Rötung) versuchte der Alchemist, ein unedles Metall in ein edles zu verwandeln und das Eigentliche hinter der Welt zu begreifen. Ist dieser Dreischritt der Grund für die Dreierordnung der Gesichter auf den Deckeln (dreimal die gleichen) und für die Dreierordnung auf dem Corpus? Vom Gleichen aufs Verschiedene mit dem auf Pflanzendolden (Lebensprozessen) wachsenden Homunculus als Ziel? Das prägend Männliche (das Dunkle in Gestalt des Dämons, das Helle in Gestalt des Ägypters), das Weibliche, Unterstützende und Fruchtbare, als junge und als ältere, weise (ägyptischer Stirnring als Attribut der Einweihung) Frau, das Kindliche in der Mitte des Corpus, der Homunculus, ein Bild für den sich aus allen Elementen selbst neu erschaffenden Alchemisten, der nach der Rubedo als Keim im Tiegel erscheint.

 

Die Nigredo, Schwärzung, wenn der Dämon auftritt. Die Albedo (Weißung) in Gestalt der älteren Frau, die Rubedo (Rötung) in Gestalt der jungen. In dieser Abfolge verläuft der alchemistische Prozess. Der Alchemist begegnet seinem Dämon, dann stirbt er ab und erlangt Weisheit, dann wird er vom Weiblichen aufgenommen, das uns nun mal hinan zieht.

 

Die Gruppierung dieser zwölf Gesichter ist sicher nicht beliebig oder rein ornamental: Dafür ist das Ganze zu sorgfältig ausgeführt. Der Auftraggeber wusste, was er wollte. Die Gesichter folgen jedoch keinem überlieferten, dokumentierten, ikonographischen Kanon. So wenig wie die Alchemie selbst das tut, nicht? Die Papiere des Alchemisten, Mathematikers und Mystagogen John Dee (gestorben 1609) illustrieren das freie Experimentieren. Der Alchemist stellt sich inmitten der Pole aus schwerer und leichter Materie, zwischen das Männliche und das Weibliche, zwischen Erde und Himmel, er tut dies und das, er jongliert mit Zahlen, Elementen, Symbolen, Metallen und Siegeln und Feuer, er will den Homunculus erschaffen – und den Stein der Weisen. Er tut das in Freiheit.
Diese Freiheit des Alchemisten führte eine oder zwei Generationen später zum Konzept der experimentalen und gedanklichen Freiheit der Naturwissenschaft. Isaac Newton (geboren 1642), der Begründer der modernen Physik, sah sich als Alchemist.

 

Was hat inmitten dieses Vorspiels von wissenschaftlicher Freiheit das Gesicht des Dämons zu suchen? Es sitzt auf jedem der drei Deckel. Man muss es anfassen, um den Deckel abzunehmen und an die Tinte zu kommen. Der Alchemist, der da seine Aufzeichnungen schreiben will, fasst zweimal das Weibliche und einmal den Dämon an, bevor er den ersten Buchstaben schreibt. Das Böse ist für die Freiheit notwendig: Ohne den selbstbeherrschten Trieb zum Bösen existiert keine Freiheit.
Oben auf den Deckeln als Knauf sitzen jeweils drei symmetrische Voluten, die von oben betrachtet eine Sechserform ergeben, sechs Halbkugeln mit einer siebten in der Mitte.
Die mystische Rose als Bild für Hingebung? Die sieben Planeten als Bild der Metalle und der Tugenden?
Die drei Knäufe wirken von oben wie ein Davidstern, ergänzt zur Zahl Sieben. Das „Seal of God“ nach John Dee (heute im British Museum) hat sieben Teile: Ein kabbalistischer, vage jüdischer Bezug, passend zum Gesicht des Dämons auf dem Schreibzeug, der ohne Hörner glatt wie das Zerrbild eines Juden aussieht. Das Böse und die Juden, das Mystische und die Juden, die Freiheit und die Juden!, die Freiheit als dämonische Gefahr. Juden notwendig für die Freiheit?

Tinte2Vage Bezüge zum Judentum, die mit Symbolen arbeiten. Obwohl das Dämonengesicht die selbe Größe wie die weiblichen Gesichter hat, fällt es doch sofort ins Auge. Das Böse ist so abstoßend wie anziehend. Wenn im Grand Guignol, im Volkstheater der frühen Neuzeit oder in heilig-pathetischen Mysterienspielen der Satan auftaucht, geht’s rund, und das Publikum sagt aah und ooh und buuuh. Man zuckte halb lustvoll halb verächtlich vor dem Bösen und vor dem Jud‘ zurück, weil beides ebenso übermächtig wie wertlos erschien. Kaum jemand war in der geistigen Verfassung, um hingegen einen Shylock oder einen Macbeth zu erfinden. „The prince of darkness is a gentleman“ (Shakespeare).

Seit dem 15. Jahrhundert bis in die Gegenwart taucht auf Gemälden und Illustrationen jenes typische, vom ziegenböckigen, spitzohrigen, geilen, listigen, großen Pan der griechischen Antike abstammende Teufelsgesicht als projiziertes Bild für den Jud‘ auf: Lange Nase, dicke Lippen, verborgene Macht, Seelenklau, Bosheit, Lust, lauernde Miene. Immer als Zerrbild des Jud‘, als theologischer und menschlicher Triumph über den nie genug marginalisierten und gedemütigten Jud‘, der als wimmelndes, bösartiges, aber noch immer viel zu mächtiges Gewürm dargestellt wird, der Jud‘ als der Andere, Fremde, Widerlegte, Eindringende, Beunruhigende.
Auf dem Schreibzeug hingegen steht der Dämon mit seiner jüdischen Stürmer-Fratze nicht isoliert. Er teilt sich die Deckel mit den beiden Frauen. Die Deckel lassen sich drehen, man kann dreimal den Dämon vorn haben oder dreimal eine der Frauen, oder in anderer Kombination ad libitum. Der Dämon ist Teil des Dreiergespanns. Er beherrscht es nicht, er ist weder untergeordnet noch übermächtig. Er tut niemandem etwas und ist nötig für das Ganze – im Sinne des Alchemisten, der’s mit Ganzheit und dem Kosmos hatte.

 

Wenn das kein früher, starker, überzeugender Gegenentwurf zum allgegenwärtigen Judenhass ist, was dann?
Nicht von Ungefähr leitete die Alchemie direkt zur naturwissenschaftlichen Welt über, in deren Systemen der Judenhass keinen Platz hat.

 

8. Ausblick

Die gegenwärtige Produktion von Büchern innerhalb der islamischen Welt mit ihren 1,3 Milliarden Menschen entspricht etwa der Bücherproduktion des kleinen Griechenland – jeweils im selben Zeitraum. Wenn schon dieser Kontrast grotesk ist, dann ist der um so größere Kontrast zwischen den wissenschaftlichen Leistungen der islamischen Welt und des Westens um so unglaublicher. Dort wird so gut wie nichts erdacht, nichts erfunden, nichts verbessert. Selbst die überaus politisch korrekte schwedische Akademie vergibt kaum Nobelpreise an Mohammedaner: Nicht weil sie es nicht wollen würde, sondern weil sie einfach keine Preisträger findet.

 

Die mohammedanischen Gesellschaften, die nicht via Aufklärung, Individualismus und Säkularismus in der Moderne angekommen sind, die aber alle fremden Errungenschaften der westlichen Moderne einkaufen und selbstverständlich benutzen, leben ihren Judenhass und ihren Hass auf Israel voll aus. Der Koran schreibt ihnen seit je her den Judenhass vor, indem laut Koran niemand unabhängig vom Islam existieren dürfe, am Wenigsten die Juden!, und der sich daraus ableitende Israelhass wird ihnen von ihren verdorbenen Imamen, korrupten Clanchefs, massakergeilen Politikern und von willfährigen Europäern um so vehementer eingeredet. Dazu kommt die mohammedanische Tradition des ewigen Krieges und der ewigen Verachtung der Anderen.

 

Schon das europäische Mittelalter bot Alternativen zum allgegenwärtigen Obskurantismus, zur Wissenschaftsfeindlichkeit und zum Judenhass, und seit der Neuzeit versucht man sich im Westen von tradierten Hassereien zu lösen. Manch ein Europäer ist schon so weit losgelöst, dass er glaubt, alle Menschen seien faktisch überall gleich, und man müsse nur mit Jedem verhandeln, damit ein Jeder den gleichen Teil vom Kuchen bekomme und dann glücklich nach Hause geht. Manch ein Europäer glaubt gar so abgelösterweise, dass ‚Kuchen bekommen‘ überall gleich definiert werde. So bald er mit der Nase drauf stößt, dass es nicht so ist, irritiert es ihn so fundamental, dass er es ignoriert und weiter ins Blaue verhandeln und Zugeständnisse machen möchte. Weil er an die einige Menschheit glaubt. Dass es diese einige, gleichberechtigte Menschheit aus lauter Individuen gibt, die alle menschlich gleichviel Wert sind, hat die jüdische Torah in den Zehn Geboten (Asseress Diwress, die Zehnworte) für alle Zeiten festgelegt: Das ist das jüdische Erbe des Westens. Man versucht, sich daran zu halten.

 

Hingegen im Islam, der weder ein jüdisches Erbe hat noch haben will, existiert kein Konzept von Menschheit: Da existiert allein die Hackordnung. Der mohammedanische Mann ist oben (indem er andere mohammedanische Männer demütigt und bekriegt), darunter steht die mohammedanische Frau mit großem Abstand, und ganz unten stehen, nein, liegen die Ungläubigen. Die man immerhin manchmal leben lassen will, damit sie Tribut zahlen. Die Juden hingegen seien zu vernichten: So fordert es der Koran, wenngleich er in dieser Maximalforderung manchmal schwankt und nicht durchgehend entscheidet, ob man die Juden nur ausplündern und vertreiben, oder sie nur vertreiben und ausplündern, oder sie nur umbringen und danach berauben solle.
Der Koran wird von Jedem wörtlich genommen, der sich als Mohammedaner bezeichnet, und nur Wenige sehen es anders. Sie haben gegenwärtig nicht den Hauch einer Chance.

 

9.

Hier ging es bisher um Gegenstände. Zuletzt also ein islamischer Gegenstand. Den habe ich freilich nur auf einem Foto. Es ist ein Architekturbogen, eine Archivolte, Teil einer Moschee. Zwei eng stehende Säulen stützen einen schweren, dominierenden, die vertikale Linie vernichtenden Bogen aus einem Zweidrittelkreis.

Moschee1Diese ehemalige Moschee steht in Toledo, ein Relikt aus der islamischen Besatzungszeit. Sie stammt aus dem Frühmittelalter (zehntes Jahrhundert), die Zeit, als der Formenkanon feststand – die Zeit, seit der sich im Moscheenbau der ganzen islamischen Welt für sechshundert Jahre nichts mehr bewegen sollte: Künstlerischer Stillstand.

Schwere, abgeschlossene Zweidrittelkreis-Arkaden ruhen auf zu dünnen, untergeordneten Säulen, der Raum ist wegen dieser Bogenform unproportioniert, er hat keine Richtung, er will nirgendwo hin!, die Gewichte de Raums sind ungleich verteilt, es findet kein Raum statt, man steht unter den Architektursegmenten wie in lauter Schächten. Sinnlos dicke, klobige Konsolen tragen die unarchitektonisch empfundenen, unproportionierten Dreiviertelkreis-Arkaden.
Aus. Mehr passiert nicht in diesem Raum – und mehr bietet Allah nicht?

Diese Bogenform ist kein Bild für einen Menschen, er ist ein statisches Bild für Allahu-Akbar und für die strikt hierarchische Welt-Hackordnung. Die Zone der Säulen zieht in keine Richtung, es geht überall und nirgends hin, man verirrt sich im Raum, um dann an eine Wand zu stoßen. Darüber, nicht verbunden mit der Säulenzone, reiht sich Schacht an Schacht, verbunden durch leere, abgeschlossene, unarchitektonische Zweidrittelkreis-Bögen. Kein halber Kreis, der nach unten paritätisch geöffnet und ein Bild für die Hälfte der Welt wäre, oben Himmelsgewölbe, unten die Erde. Der eingezogene Bogen ist völlig anders, er ist abgeschlossen, leer, starr, enthoben, er entwickelt sich nicht, er schließt seine eigene Sphäre ab. Er ist statisch, reiht sich in Innenräumen nur an weitere solcher Bögen, richtungslos sich in perspektivischer Leere verlierend, haltlos, und an Fassaden trägt er in starrer Reihung die schwere Wand.
Ist da sonst gar nichts?
Er ist in der Tat die einzige architektonische Form, die der Islam je erfunden hat. Alle anderen Formen, Grundrisse und Aufrisse hat der Islam von woanders übernommen. So wie die Form dieser Säulen. Die Kapitelle sind wohl römisch, sie wurden aus einer römischen Ruine ausgebaut oder aus einer demolierten Kirche entwendet, und die Säulenschäfte, wenn keine Spolien, sind mechanisch nach dem Vorbild römischer Säulen gemeißelt. Sie haben architektonisch mit dem Oberbau nichts zu tun.

Andere Bogenarkaden im islamischen Bereich bestehen oben aus einem klassischen Halbkreis: Kopien römischer und christlicher Baukunst, keine eigene Schöpfung. Oder sie sind angespitzt: Übernommen von den Sassaniden, später aus der Kreuzfahrergotik. Allein jener Dreiviertel- oder eingezogene Halbkreis, im unteren Segment offen und von zwei zu dünnen Säulen gestützt, ist eine islamische Architekturerfindung – die einzige. Weiter ist da nichts erfunden worden. Nichts!

Künstlerischer Stillstand, Un-Architektur. Bis ein paar osmanische Baumeister im 16. und 17. Jahrhundert den justinianischen Bau der Hagia Sophia von Konstantinopel übertreffen wollten. Mehmet Sinan versuchte mit seinen Schülern eine Art türkischer Renaissance einzuleiten. Es blieb ein kurzer Versuch, danach war Schluss. Obwohl Sinans und Agas Bauten vergleichsweise große Leistungen darstellen, haben sie kein Raumkonzept erschaffen, das über den frühen byzantinischen Kuppelbau (die Hagia Sophia) hinausginge. Sie gehen nach ganzen tausend Jahren sogar mehrere Schritte zurück: In ihren Bauten gibt es noch immer keine Richtung. Seit dem Anfang der islamischen Architektur stößt man nach etwas Raumgeschwebe nur auf Wand.

Moschee2Hier sind wir jetzt im 17. Jahrhundert (Agas Blaue Moschee in Istanbul). Die Reihungen der kleinen Kuppelfenster sind rein frühbyzantinisch, keine Entwicklung sollte stattfinden. Aufgegeben wurde die Raumrichtung der Hagia Sophia, deren mächtiger Zug der Kuppeln und Rhythmus aus Säulenreihen mit offenem Raum fehlen. Die bloß aufgesetzten, angeschnittenen Kuppelsegmente wirken unmotiviert, unnötig, architektonisch unglücklich, die Gruppierungen der Fenster finden keinen Rhythmus, der Blick irrt verloren durch den Raum und stößt an schwebende, dicke Wände. Dafür überzieht kalligraphischer Dekor die Flächen. Dekor!, Ornamente!, keine Gestaltung, keine Tektonik. Flächen!, keine Wände. Richtungslosigkeit!, kein Raum, der etwas wollte.
Der Bau besitzt außer Schichten von Kuppelsegmenten nicht einmal eine Fassade, die den Namen verdient. Der Innenraum ist riesengroß, er will außer Riesenhaftigkeit keinen Ort und keinen Inhalt. Ich habe ratlos darin gesessen, das Fehlen von Sichtachsen und architektonischen Bezügen erzeugt eine Illusion von immer Gleichbleibendem, eine lethargische Illusion von Präsenz ohne Realität.
Ich habe da nicht im 17. Jahrhundert gesessen!, ich habe nirgendwo gesessen.
Das soll Architektur sein?

 

Später baute man von Meknès über Kairo bis Baghdad wieder den abgeschlossenen Zweidrittel- oder Dreiviertelkreisbogen über zu dünnen Säulen. Mit angespitztem oder rundem Bogen. Aus. Mehr sollte nicht stattfinden. Man hat sich entschieden, dass nichts weiter stattfinden durfte.
Noch heute baut man in arabischen Ölmilliardär-Staaten gigantische Moscheen nach diesem Schema, ins Enorme gesteigert, strahlend weißer Beton mit lächerlich riesigen, unverbundenen, unmotivierten Kuppeln, innen aus lauter Gold und Marmor und Protz: Keine Architektur, keine Idee, keine Aussage!, sondern Renommieren en gros.
Das ist die Aussage. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.

 

Vom siebten Jahrhundert bis heute entwickelt sich da nichts. Die immer gleichen Formen werden in unterschiedlicher Anordnung aufgebaut, aus. Es gab keine Erforschung der Tektonik und eine möglichst weitgehende Öffnung der Wände durch sinnlich erfahrbare Rippenkonstruktionen wie in der europäischen Gotik, und es gab keine Renaissance mit Humanismus und unabhängigem, wissenschaftlichem Geist, keinen Barock mit erstarkendem Bürgertum, durch Forschung vermehrtem Wissen und Aufblühen der Kunst!, es gab kein siècle des lumières, keinen Klassizismus mit Judenbefreiung, weiblichem Selbstbewusstsein, Aufklärung und der Befreiung aus selbstverschuldeter Unmündigkeit. Kein Leonardo da Vinci, kein Baal-Schem-Tov, kein Michelangelo, kein Magellan, kein Descartes, kein Shakespeare, kein Lorrain, kein Newton, kein Leibniz, kein Händel, kein Tiepolo, kein Piranesi, kein Moses Mendelsohn, kein Rebbe Nachman, kein Voltaire, kein Mozart. Kein Benjamin Franklin und Abraham Lincoln weit und breit, keine Sklavenbefreiung. Es gibt da bloß die Scharia, die Hadithe und die Imame und die Clanchefs und den dauerempörten Krieg Aller gegen Alle und den unstillbaren Hass auf Israel, es gibt da bloß den postnazistisch-islamistischen Sayyid Qutb und die immer wiederholten, mal so und mal so kombinierten Reihungen aus Bögen mit leerem, eingezogenem Zweidrittelkreis, das unheimliche, bildlose Bild für jenes Allah-Wesen, das den Menschen nichts als die Forderung zur Unterwerfung unter das absolute Nichts hervorbringen lässt.

 

Da ist kein Bild für einen Menschen, kein individuelles Ding, das da steht und sich das All betrachtet. Da ist nur die architektonische Evokation eines unerreichbaren, starren, abgeschlossenen Einzelgottes in großer Höhe, der sich alles unterwerfen will und keine menschliche Ethik und keinen unabhängigen Geist zulässt. Der unterworfene, in der Umma aufgehende Einzelmensch muss sich unten an die Wand drücken, derweil ihn eine sinnlose Kuppel und der leere eingezogene Halbkreis ansehen. Damals aus gestohlenem Stein, heute aus vergoldetem Beton.

 

Wie soll eine Kultur, die den Menschen und das Weltgebäude so sieht, jemals zu einem naturwissenschaftlichen, rechtlichen, forschungsfrohen, innovativen, individuellen Selbstverständnis kommen – – frei von Massakern und frei von Judenhass?

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Veröffentlicht am August 6, 2015, in Fremde Feder, Kein Smalltalk, Robert Cohn. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 121 Kommentare.

  1. Danke für’s Hereintun, liebe Aurorula 🙂

    Beim Numeri24:9 passierte schon etwas Diskussion usf.: https://numeri249.wordpress.com/2015/08/06/massaker/

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  2. Weil wir zuletzt von Buurmann spruchen: Ich finde schön, dass er sein Avatar über RCs Super-Artikel bei Numeri gesetzt hat. Und das auch noch im Urlaub.
    Und schön finde ich auch, dass Aurore den Artikel hier übernimmt – dazu mit Bildern, worunter eine Hand ist, die kein Fuß sein will.

    Gut Schabbes und schönes Wochenende allerseits!

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  3. A gute Woche allen miteinander
    😀

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  4. 17. Jahrhundert. Zurück zu Leibniz, einem Genius der Deutschen. Vielleicht weiß noch Ari, dass Leibniz‘ Theodizee-Argument im Talmud zu finden ist. Ich sage nicht: aus dem Talmud stammt. Es ist nicht wahrscheinlich, dass Leibniz das gewusst hat; hätte er’s dort entlehnt, er hätte seine Quelle genannt.
    Sicher ist er allein darauf gekommen. Das Problem ist so alt wie der Monotheismus: Wie kann ein allgütiger und allmächtiger Gott das Böse in der Welt zulassen? Warum lässt er Kinder verrecken? Warum fällt er den Dschihadisten nicht in den Arm? Entweder er kann nicht, dann ist er nicht allmächtig; oder er will nicht, dann ist er nicht allgütig.
    An dieser Stelle greifen Chasal, später Leibniz, ein: Natürlich hätte der Schöpfer eine Welt ohne Pogromisten und ohne Dschihadisten einrichten können. Er hätte die Welt so erschaffen können, dass nur Gutes darin vorkommt. Aber dann wäre niemand frei gewesen, zwischen Gut und Böse zu wählen. Es hätte keine Freiheit gegeben. Keine Menschen. Nur Maschinen. Unter diesen Umständen hat Er die beste aller möglichen Welten erschaffen, sagt Leibniz; eine Welt, die der Mensch aus freien Stücken mit Güte füllen soll, sagen Chasal.

    כי אמרתי עולם חסד ייבנה

    Ki amárti Olam Chessed jibané – Denn ich sagte: Man baue eine Welt der Güte auf.

    So der Psalmist.

    Worauf ich hinaus will? Auf eine Entdeckung, die ich gestern Abend gemacht haben. Wie fang‘ ich bloß an? Am besten klassisch:

    Zu Dionys, dem Tyrannen, schlich
    Damon, den Dolch im Gewande:
    Ihn schlugen die Häscher in Bande,
    „Was wolltest du mit dem Dolche? sprich!“
    Entgegnet ihm finster der Wüterich.
    „Die Stadt vom Tyrannen befreien!“
    „Das sollst du am Kreuze bereuen.“

    (…)

    Und Erstaunen ergreifet das Volk umher,
    In den Armen liegen sich beide
    Und weinen vor Schmerzen und Freude.
    Da sieht man kein Augen tränenleer,
    Und zum Könige bringt man die Wundermär‘;
    Der fühlt ein menschliches Rühren,
    Läßt schnell vor den Thron sie führen,

    Und blicket sie lange verwundert an.
    Drauf spricht er: „Es ist euch gelungen,
    Ihr habt das Herz mir bezwungen;
    Und die Treue, sie ist doch kein leerer Wahn –
    So nehmet auch mich zum Genossen an:
    Ich sei, gewährt mir die Bitte,
    In eurem Bunde der dritte!“

    Schiller, „Die Bürgschaft“? Ja und Nein. Der Talmud: „Ozar Midrashim“, S. 319 und „Jalkut me-Am lo’es, Wa-jikra“, S. 210.

    Was sagt Ihr dazu? Dieselbe Geschichte mit derselben Pointe: „Ich sei, gewährt mir die Bitte, / In eurem Bunde der dritte!“ So die Worte des von Freundestreue bestürzten Königs.
    Kleine Abweichungen: Im Talmud ist von keinem Tyrannenmord die Rede: Der eine Jid soll wegen „Kosmopolitismus“, genauer: Spionageverdacht, hingerichtet werden. Er ist kein Held, der sich in Fluten stürzt und Räuber bezwingt, um ja pünktlich seinen Freund zu erlösen. Er beeilt sich halt so gut er kann. Die Szene spielt nicht in Syrakus, sondern in Syrien.

    Letzteres könnte ein Hinweis darauf sein, dass Schiller und Chasal dieselbe Quelle benutzt haben: eine griechische Geschichte. Oder der Talmud hat es von Schiller. Was nicht abwegig ist, bedenkt man dass der Raw Samson Raphael Hirsch (1808-1888), der Begründer der Neu-Orthodoxie, in seinen Bibelkommentaren gerne auf Schiller-Zitate zurückgreift. Warum also nicht schon der Babylonische Talmud?

    Im Talmud ist die religiöse Einbettung spannend. Wie heißt es in Wa-jikra (Leviticus) 19, 18?

    וְאָהַבתָ לְרֵעֲך כָמוך אני ה‘

    we-aháwta le-Re’achá ka-mócha ani Haschem – und liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Ich bin Haschem.

    Warum ist dieses „Ani Haschem“ am Ende des Gebots wichtig?

    Erstens, weil nichts weniger natürlich ist, als den Mitmenschen zu lieben. Vielleicht geht es nur über Tora-Umweg. Zweitens – mit den Worten des Raw Ari Kahn (Nachname schon richtig geschrieben):
    « Le message de cette histoire est profond : si un homme est capable d’aimer sincèrement son prochain, D-ieu promet en retour d’aimer ces deux personnes et d’être leur partenaire à jamais, leur troisième ami. »

    [Wenn ein Mensch fähig ist, seinen Nächsten aufrichtig zu lieben, dann verspricht Haschem, diese Beiden zu lieben und der dritte im Bunde zu sein.]

    Bleibt mir gewogen, ja? Auf Tojre-Umweg.

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    • Ohne Umwege und trotz Umwege. A.mOr.

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    • *aus dem Staunen nicht herauskomm’*, ma chère 🙂

      Wird Schiller in Mannheim mit einem Jidn gesessen haben, der ihm solches erzählt hat? Schiller über Freundschaft, der Jid über die Stelle aus dem Talmud und über die Güte, und in Schillers Kopf sagte es Klick.

      P.S.
      Danke. Ich sehe das Ende der Bürgschaft jetzt in einem anderen Licht. Bisher gefiel mir das sich-Hereindrängen des Königs nicht; grad eben noch so, jetzt so, und schon will er qua königlicher Bitte mit dazugehören? Wenn man Deine Talmudstellen und die Sätze des Rebben Kahn im Kopf hat, sieht es ja ganz ganz anders aus

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      • … wobei sich der Talmud selbst nicht wählerisch zeigt in der Bestimmung des Königs, der für Haschem stehen soll.
        Tatsächlich ist Chasal die Anekdote nicht so wichtig. Ebenso gut hätte ein Rebbe unter den Anwesenden eine andere zum Besten geben können.
        Worum geht es hier? Nicht um Literatur, sondern um einen Kommentar der mizwe: we-aháwta le-Re’achá ka-mócha ani Haschem – und liebe deinen Nächsten wie dich selbst ich bin Haschem.
        Die Frage, die sich Chasal stellt: Was ist „ani Haschem“ am Ende des Satzes „we-aháwta le-Re’achá ka-mócha“? Ein Haar in der Suppe? Eine Begründung? Eine Unterstreichung?

        Interessant übrigens, dass der Raw Kahn von der Universität Bar Ilan Schiller an keiner Stelle erwähnt. Er erzählt die Geschichte, bei der unsereinem die Ohren sausen, so als hätte er von der „Bürgschaft“ noch nie was gehört.

        Frage: Wie würden wir dieses „ani Haschem“ hier anpacken?
        Wie Freud den ersten Teil des Satzes anpackt, ist bekannt:

        Ich glaube nun von einer würdevollen Stimme die Mahnung zu hören: „Eben darum, weil der Nächste nicht liebenswert und eher dein Feind ist, sollst du ihn lieben wie dich selbst.“ Ich verstehe dann, das ist ein ähnlicher Fall wie das Credo quia absurdum.
        (Das Unbehagen in der Kultur (1930), Kap. 5)

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        • Meine Meinung zu „…ani haschem“.
          Es bedeutet neschume und schechina.
          Beides zusammen, weil es eins ist.
          Untrennbar.
          A.mOr.

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        • Weil: „…‘ echad.“ A.mOr.

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        • Bedeutet das nicht, ihm Eigenschaften (Substantive) zuzuschreiben?

          Neschume ist nur einer von drei Teilen der Seele (der menschlichen), nicht?, als da wären ferner Ruach und Ssechel, so weit ich weiß.
          Die Schechina ist die Anwesenheit Ho’Schejms an einem definierten Ort: Auf dem Zionsberg (ob das so ist, nu, das ist nicht bekannt, wird aber vermutet). Schechina kann also keine Eigenschaft Ho’Schejms sein, so oder so nicht 😉 , denn vermutet geht das wohl nicht, und die Anwesenheit eines Wesens X ist das Wesen X selbst.

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        • *ohrensaus’*
          🙂

          Weißt Du, was mir an Deiner Übersetzung des Kommentars der Mizwe gefällt: Dass Du vor ani Haschem kein Komma setzt. Da gehört keins hin, denn Komma ist Aufzählung. Dieses heftige ani Haschem ist aber weder Aufzählung noch Ergänzung, auch nicht Erklärung oder Bekräftigung. Es muss da ohne Komma stehen, im Satzfluss.

          – Man versuche jedoch, das z.B. einem Grammatikformalisten zu erklären 😀

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        • Zu Eigenschaften haschems habe ich wahrlich nichts beizutragen, das ist außerhalb meiner Reichweite. Wo im Herzen jedoch die Liebe ‘ ist (so wie in kriat schma), da ist –denke ich- auch schchine.
          So wichtig der Bejt ha-Mikdasch ist oder war, was ist das Haus ohne Herz?
          Ein Götze aus Gold? Wollen wir nicht. Nu?
          Und die menschliche neschume, was ist sie ohne den Schöpfer? A.mOr.

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        • Die Anmerkung, Aristobulus, zu „ohne Komma“ finde ich sehr gelungen. A.mOr.

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        • Jedoch, selbst wenn in Transliteration und Übersetzung mit Komma, was ändert es wirklich? Was ändert es am Iwrit? A.mOr.
          (Vielleicht, aber nur wenn der Übersetzer es so herausstellen will, eine „Überhöhung“? Und das ist gefährlich nahe -finde ich- im Widerspruch zu den Zehnworten. Nein?)

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        • we-aháwta le-Re’achá ka-mócha ani Haschem
          und liebe deinen Nächsten wie dich selbst ich bin Haschem.
          (Schum)

          In diesem Satzfluss steckt die ganze jüdische Ethik, nicht?
          Es besteht kein pragmatischer oder emotionaler Grund, um seinen Nächsten zu lieben, weil dieser Nächste einen im Zweifel kleinmacht, einen dominieren oder vertreiben oder enteignen will, und weil er in der Regel lieblos handelt. Also soll man selbst eine Vorleistung erbringen. Deftige Forderung!
          Also steht da mitten in den Worten ani HaSchem. Weil das Ganze ncht fertig ist und nicht ausgemacht, und weil man damit zu leben und sich auseinanderzusetzen hat, gegenüber jedem Nächsten immer wieder, andauernd.
          ER lasst uuns net aussi, wie der Wiener sagt.

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        • Deswegen, Aristobulus, finde ich es auch nicht „heftig“, sondern eher so wie Du es ansonsten sagst: es ist ein Fluß, gesprochen (und auch „wie ein Fluß“), ohne Aufregung. Und ‚ ist der Schöpfer. b’h. A.mOr.

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        • A.mOr, wir haben im selben Moment kommentiert, aber meine Antwort von 11:17 passt erstaunlich genau zu Deinem Kommentar von 11:17 🙂

          P.S.
          Die Zehn Gebote wie die ganze jüdische Ethik müssen nun mal erklärt werden. Es ist nicht leicht, auf Überhöhung zu verzichten, weil es ja innerhalb des Judentums seit allem Anfang genauso den religionslosen, mehr sozialen Ansatz gibt (Korach).
          Wenn man das alles interpretiert, müssen die areligiösen Jidn (die sich weniger an die Liebe zu Ho’Schejm als an Soziales halten) integriert werden, damit sie nicht hingehen und sagen, arrgh!, ihr Ultraorthodoxen, bleibt mir vom Leibe mit dem Schmonzes.

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        • Zu Deinem 11:23
          Hmnein, es ist nicht der Schöpfer. Er sagt nichts. Er war wohl im brennenden Busch anwesend, aufregend genug selbst für Mojsche Rebbenu, und dann hat er geschwiegen.
          Während der Inquisition, während des dritten Reichs und während des arabischen Terrors hat er auch nichts gesagt.

          Der Schöpfer hätt‘ die beste aller Welten mit allein dem Guten darin schaffen können: Dann träfe der Satz zu, „ist der Schöpfer“.
          Das hat er aber nicht. Weil es dann weder Freiheit noch Selbstverantwortung gäbe. Keine Handlungsfreiheit, kein Weiterkommen, kein Keren Kajemejss leJissroel, keine Anti Defamation League, keinen David Ben Gurion.
          Also hat Ho’schejm es anders gewollt 🙂 , so, als ob er nicht wäre.

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        • we-aháwta le-Re’achá ka-mócha ani Haschem
          und liebe deinen Nächsten wie dich selbst ich bin Haschem. (Schum)

          Persönlich lese ich da weder morgen noch gestern hinein, allerdings „jetzt!“. Gegenwart. Was trotzdem gestern und heute mit ausmacht.
          Wir bleiben also bei menschlicher Betrachtung, die sicher wertvoll ist. Wir lernen schließlich auch aus gestrigem Geschehen und wünschen Verbesserung für zukünftiges Geschehen. Nein?
          Worüber sollten wir sonst reden? Wie sonst nur versuchen zu verstehen?
          Natürlich, und vor allem, im Hier und Jetzt.

          Vorleistung?
          Ist das nicht die Beschreibung des Bundes am Berg Sinai?
          Und ein Versprechen. Das wir in Seinem Namen (und mit Ihm) leisten.
          Gestern, jetzt, morgen. Nicht vorleisten, finde ich. Und wenn, wem steht es zu?
          Nur dem Einen. Meine Meinung.

          Auf menschlicher Ebene mag man diskutieren.
          Kann man das mit „den Arabern“, wenn sie sich ohne „die Vorleistung“ auf keine Lösungsaspekte einlassen? Nur ein Beispiel.

          Respekt?
          Genügt nicht der Respekt vor dem Leben (des eigenen, dem der anderen? Und damit va ‘ ).
          Wer will denn was vorleisten, und wer solches von wem verlangen?
          Sollte man sich nicht selbst va an die eigene Nase fassen?

          Und was denn respektieren?
          Ein Beispiel: das Geburtsrecht?
          Nehmen wir die Geschichte mit Jakow awinu.
          Sollte „ich“ mich als bechor um mein „Recht“ beschnitten fühlen?
          Respekt ob dessen verlangen?
          Quatsch, denke ich, es hat alles seine Richtigkeit.
          Und bedeutet mitnichten einen Mangel an Respekt.

          Esaw hat das versucht. Hat „Respekt“ und „Vorleistung“ verlangt.
          Und Jakow awinu hat seine Angst überwunden, blieb wahrhaftig und standhaft, ließ nicht ab von emuna, hatte den Mumm zu sich selbst (so zu haschem) zu stehen. Nicht?
          Und deshalb ist Jakow der dritte in der Aufzählung unserer Vorväter.
          Am Yisrael.
          A.mOr.

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        • … keiner kann ablassen von Emuna, weil man die hat – oder man hat sie nicht.
          Es geht ja nicht um Kontemplation. Weil’s um Tikkn Ojlem (konkrete Verbesserung der so vorgefundenen Welt) geht, im Großen (oha, uferlos, wenngleich nicht ganz vergeblich) und im kleinen Alltag (schwierig genug, weil man da dauernd seine Dinge in Ordnung bringen muss, dazu vielleicht die von Anderen, und was schaffen bis zum Abend muss man da auch noch).

          Essaw hat in der Tat Vorleistung in Sachen Nächstenliebe für sich verlangt. Das hatte ich aber nicht gemeint. Ich meinte (11:17) die Vorleistung dessen, der sich von dem Satz angesprochen fühlt: Es wird vom Leser einfach mal so verlangt, dass er seinen Nächsten lieben möge. Rebbe Sigmund macht daraus das Unbehagen in der Kultur, und die Christen verlangen, dass man seine andere Backe hinhalten soll. Was ist realistischer, was enthält mehr Welt, Rebbe Sigmunds oder der christliche Ansatz?

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        • Und zu Deinem 11.34, Aristobulus (und ja, wir überschneiden uns hier hin und her, paßt schon 😉 ).
          „es ist nicht der Schöpfer. Er sagt nichts…“
          Das aber habe ich nicht gesagt.
          Ich schrieb „der Schöpfer“, nicht daß Er „was sagt“.
          Wir aber haben unser Wort (Tora usf), unsere Vernunft, Herz und Verstand.
          Hoffentlich.

          Deinem zweiten Absatz stimme ich zu, nur in einer Sache nicht:
          „ Dann träfe der Satz zu, “ist der Schöpfer”….“

          Denn erstens sagte ich das nicht so, zweitens meinte ich das nicht so, drittens macht das keinen Sinn, finde ich. Eigentlich meinte ich damit (mit Erwähnung von Schöpfung), daß „die Anlagen“ geschaffen sind. Was wir daraus machen, das ist menschliches Tun. Also ungefähr das, was Du in zweitem Absatz schreibst (ausgenommen eben Dein Hinweis auf ein Mißverständnis). Und die Freiheit dazu haben wir. A.mOr.

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        • Aristobulus, zu Deinem 11.25, ob orthodox (observant) oder nicht, ist es nicht vorrangig auch die Vernunft die uns –insgesamt auch durch die Zeiten- zählt und leitet? A.mOr.
          Kann immerhin nicht schaden, wie? 😉

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        • Aristobulus
          (August 26, 2015 um 11:17 vormittags)

          „ Es besteht kein pragmatischer oder emotionaler Grund, um seinen Nächsten zu lieben,(…)“</em<
          Nu, wenigstens im Allgemeinen besteht kein Grund, es sei eben, daß man die „Nächstenliebe“ sehr persönlich verwirklicht. Aber wer kann das?

          „ Also soll man selbst eine Vorleistung erbringen.“
          Wenigstens der „Nächstenlieber“ (so.) schafft das lebendig. Aber wohl nicht mühelos.

          „ Also steht da mitten in den Worten ani HaSchem. Weil das Ganze ncht fertig ist und nicht ausgemacht, und weil man damit zu leben und sich auseinanderzusetzen hat, gegenüber jedem Nächsten immer wieder, andauernd.“
          Gefällt mir. A.mOr.

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  5. Schum – „Bleibt mir gewogen“, immer. Bracha. A.mOr.

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  6. Muss leider weg (zur JG). Daher nur knappenst:

    Der Originaltext von Wa-jikra 19, 18 ist tatsächlich wie oben wiedergegeben ohne Zwischenpunkt und Komma, was die Übersetzer nicht daran hindert, zwischen „we-aháwta le-Re’achá ka-mócha“ und „ani Haschem“ einen Punkt zu setzen. Das habe ich auf Deutsch zuerst auch getan, ist aber falsch.

    וְאָהַבתָ לְרֵעֲך כָמוך אני ה‘

    Aber auch dann, wenn beide Satzteile als selbständige Sätze aufeinander folgen würden, müsste man noch erklären, wie sie miteinander zusammenhängen.

    Die Tora auf Hebräisch ist bis auf die Schlusspunkte nicht interpunktiert: kein Komma nirgends, kein Semikolon, kein Ausrufe- und Fragezeichen; von Schmeili nicht zu reden. Das lässt viel Platz für die Deutung. Und auch die Punkte wurden erst im 9. Jahrhundert hinzugefügt.

    Dieses so gut wie nie mitzitierte „ani Haschem“ kommt in der parsche „Kdoschim“ geradezu litaneienmäßig am Ende der mizwes vor, die sich auf Inzest beziehen. Also zuerst das Inzestverbot (nicht mit leiblichem Vater, nicht mit leiblicher Mutter, nicht mit Adoptivvater…), dazu „ani Haschem“ am Ende eines jeden Passuks. Und am Ende der langen Liste wie eine Krönung (?): „We-aháwta le-Re’achá ka-mócha ani Haschem“.

    Freud findet die Aufeinanderfolge des Inzestverbots und des Gebots zur Nächstenliebe genial. Zu „ani Haschem“ hat er erwartungsgemäß nichts zu sagen.

    Meine Sanduhr! Danke Euch beiden! A ce soir.

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  7. Schnell paar Worte zum Inzestverbot, das der mizwe zur Nächstenliebe vorangeht? Um es vom Tisch zu haben. Der bekannte Essayist und Psychoanalytiker Gérard Haddad hält den Zusammenhang zwischen Inzestverbot und „ani Haschem“ für zwingend. Hier aus seinem AKADEM-Vortrag: « A’harei Mot: l’Un et le multiple – das/der Eine und das Viele »:

    Weshalb das Inzestverbot, das uns in allen Zeiten in allen Zivilisationen begegnet?
    Claude Lévi-Strauss: Nur unter dieser Voraussetzung kann eine Menschengesellschaft existieren.
    Warum? Es ist nicht so klar, dass Inzestbeziehungen Entartung nach sich ziehen sollen. Tiere werden davon nicht geschwächt. Dagegen ist klar, dass die Übertretung des Inzestverbots schwerwiegende Geistesstörungen auslöst.
    Moralisch leuchtet Inzestverbot auch nicht ein: Was ist unmoralisch an Bruder und Schwester, die sich gegenseitig begehren würden?

    Nach Auskunft der Tora selbst war Inzest unter Hebräern keine Seltenheit: Man denke an Lot, der in betrunkenem Zustand von seinen beiden Töchtern folgenreich beschlafen wurde, oder an Awraham Awinu, der seine Halbschwester Ssara geheiratet hat. Auch Jizchak Awinu und Jaakow Awinu haben nahe Verwandte geheiratet.
    Alles Beziehungen, die mit einem Schlag, durch Dekret vom Sinai, aufzuhören hatten.

    Hier, meint Haddad in eigenem Namen, sei die Ursache für Maassé ha-Egel (das Kalbsvergehen) zu suchen. Haben Bnej Jisrael schon genug zu leiden gehabt: der plötzliche Aufbruch aus Mizrajim, Hunger und Durst in der Wüste, Hitze und Kälte. Kommt jetzt Mosche Rabenu und verlangt quasi die Trennung von liebgewordenen Sexualpartnern. Das war mehr als Bnej Israel zu ertragen bereit waren. Die Antwort: Abwendung von dem Einen, Hinwendung zu einer duldsamen Gottheit. (Dazu muss man anmerken, dass die Tora von „ssachék“ zu Fuße des Kalbes redet. Lessachek ist nicht einfach „spielen“, nicht in diesem Zusammenhang oder an anderen Torastellen.)

    Meint der Ramban (Mosche ben Nachman) im 13. Jh., lange vor Freud: Die Sexualität ist die tiefste Kraft, die im Menschen wirkt. (« La sexualité est la force la plus profonde qui agit en l’homme. »).
    Man muss sie zähmen, oder es gibt Unglück.
    Auch der Ramban sieht für das Inzestverbot keinen moralischen oder biologischen Grund.

    Dafür sieht Haddad (und offensichtlich auch der Ramban) nur einen Grund: die Beziehung zur Transzendenz.
    So heißt es nach allen einschlägigen Tora-Verboten (Beischlaf zwischen Geschwistern, zwischen Halbgeschwistern, mit dem Onkel, der Tante, dem Stiefvater, der Stiefmutter…) refrainartig: „ani ha-Schem“. Keine weitere Begründung. Dafür eine Drohung: „wa-takí ha-Arez et Joschwéha“ – (sonst) wird das Land seine Bewohner ausspeien. („lehakí: sich übergeben“)
    So geschah den Leuten, die Erez Israel zuvor bewohnt hatten:

    וַתִטמָא הארץ וָאֶפקוד עוונה עליה וַתָקִיא הארץ את יושביה. (ויקרא יח, כה)

    Wa-titmá ha-Arez wa-efkód Awoná aléha wa-takí ha-Arez et Joschwéha.

    [Da das Land unrein war und ich heimsuchte die Schuld an ihm, da spie das Land aus seine Bewohner. (Lev 18, 25; Zunz)]

    Haddad: So wie man kein Mann werden kann, wenn man sich von seiner Mutter nicht trennt, mag die Trennung noch so grausam sein, so kann man kein Mensch werden, wenn man das Joch des Inzestverbots nicht auf sich nimmt. (« L’homme est cet animal qui accepte le joug de l’interdit de l’inceste. »)

    Soweit Haddad.

    Unterstützung erster Ordnung für Haddads Auffassung: Raschi zu „kdoschim tiheju ki kadosch ani Haschem Elokechem“ – Seid (werdet) heilig denn ich, Haschem euer G’tt, bin heilig.

    קדושים תהיו כי קדוש אני הי אלקיכם. (ויקרא יט, ב)

    רש“י: הוו פרושים מן העריות ומן העבירה שכל מקום שאתה מוצא גדר ערוה אתה מוצא קדושה. אשה זונה וַחֳלָלָה וגו‘. אני ה‘ מְקַדִשכֶם. ולא יחלל זרעו. אני ה‘ מקדשו. קדושים יהיו. אשה זונה וחללה וגו‘. (ויקרא כא, ז)

    Raschi:
    Hewú pruschim min ha-Arajot u-min ha-Awerá sche-kol Makom sche-atá mozé Géder Erwá atá mozé Kduscha. Ischa sona wa-chalalá… Ani Haschem mekadischchém. We-lo jechalél Sar’ó. Ani Haschem mekadschó. Kdoschim jiheju. Ischa sona wa-chalalá…

    [Haltet euch von Inzest fern und von Übertretung, denn überall da wo sich (in der Tora) Inzestwarnung findet, findet sich auch (Erwähnung von) Heiligkeit. So an den Stellen: Er verbinde seinen Samen nicht mit Verächtlichem. Ich bin Haschem, der ihn heiligt. Heilig sollen sie sein. Eine Frau nuttig und leichtlebig…]

    Soweit (der interpunktierte) Raschi.

    Aber, aber:
    Die Beziehung der Juden zu Haschem erklärt gerade nicht die Universalität des Inzestverbots, oder?
    Mehr dazu ist nicht nötig, doch kann man den thematischen und formalen Zusammenhang zwischen den vielen Sätzen zu Inzest und dem einen Gebot zu Nächstenliebe nicht einfach übergehen.

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  8. Es besteht kein pragmatischer oder emotionaler Grund, um seinen Nächsten zu lieben, weil dieser Nächste einen im Zweifel kleinmacht, einen dominieren oder vertreiben oder enteignen will, und weil er in der Regel lieblos handelt. Also soll man selbst eine Vorleistung erbringen. Deftige Forderung! (RC)

    Ari, ich glaube, Du hast es: Es geht darum, eine Vorleistung zu erbringen; wozu es keinen ersichtlichen Grund gibt außer der Beziehung zu einem Ideal, das sich hier Haschem nennt. Verhalte dich so, als lebtest du bereits in einer Idealgesellschaft. Oder: Verhalte dich so, dass du Anderen Lust machst, die Idealgesellschaft zu verwirklichen.

    An dieser Stelle eine Fußnote von Freud, immer noch zu unserem Thema, aus Kap. 5 von Das Unbehagen in der Kultur:

    Man kann hier die Erinnerung an einen Vorgang nicht abweisen, der sich in der französischen Kammer zutrug, als über die Todesstrafe verhandelt wurde; ein Redner hatte sich leidenschaftlich für ihre Abschaffung eingesetzt und erntete stürmischen Beifall, bis eine Stimme aus dem Saale die Worte dazwischenrief: „Que messieurs les assassins commencent!“ (Sollen die Herren Verbrecher damit anfangen!)

    « Que messieurs les Juifs commencent! », ja ? Das hieße: Or la-Gojim werden. Oder: kdoschim tiheju ki kadosch ani Haschem Elokechem – Werdet heilig denn ich, Haschem euer G’tt, bin heilig.

    קדושים תהיו כי קדוש אני הי אלקיכם. (ויקרא יט, ב)

    Schkojach, Ari!

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    • 🙂

      P.S.
      „Que messieurs les assassins commencent!“
      Sehr schön. Der Zwischenruf musste sein, denn es hatte in der französischen Kammer zuviel Begeisterung für das Edle und für den Anbruch einer gerechten Welt geherrscht. Analog erschallt rasant schnell das Argument, dass die Israelis doch alles plattmachen mögen, wenn sie angegriffen werden: Gleiches mit Gleichem zu vergelten.
      Oder, mechanisch in einen Vorwurf gewendet (weil die Israelis eben das nicht tun) vor ein paar Jahren die steile These einer Doktorarbeit, dass die israelischen Soldaten durch ihre Weigerung, Araberinnen zu vergewaltigen, nur um so deutlicher ihren tiefen Rassismus bewiesen.

      – Indem man den messieurs les assassins zugesteht, neben der Situation auch die Ethik zu dominieren, sind wir sofort wieder beim Hammurabi, als einem, der einem Anderen das Auge ausgestochen hatte, zur Strafe das Auge ausgestochen wurde. Da wird man wieder zum Sklaven des Wurst-wieder-Wurst. Weil’s so schön ist, und weil Denken und Selbstbeherrschung so verflixt anstrengend sind.

      Die Begeisterung in der Kammer nochmal: Wehe, wenn einen danach die Realität einholt. Man hatte es so schön gewollt und so gut gemeint, nicht?, aber les messieurs les assassins halten sich einfach nicht an unseren Edelsinn. Was soll man mit denen machen?, die müssen doch sein wie wir!, denn wir sind die Besten und die sind doch Opfer der Gesellschaft!, putain, die können nichts dafür!, die sind doch wie die Fantastinenser, die unfassbar unter dem Ex-Kolonialismus et al. leiden, so sehr, dass sie zu ihren Mordtaten innerlich gezwungen werden. Ist deren Kultur. Weil: Prääägung is‘ alles.

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    • Vorleistung erbringen, weil payback erwartet wird und werden darf.
      „Ari, ich glaube, Du hast es: Es geht darum, eine Vorleistung zu erbringen; wozu es keinen ersichtlichen Grund gibt außer der Beziehung zu einem Ideal, das sich hier Haschem nennt.“

      Hab‘ ich freien Willen? Dann will ich, um meinetwillen, damit mir’s gut geht, daß es meinem Nächsten gut geht, denn anders geht’s nicht. Immerhin bin ich dann ein Idealist, mit oder ohne. Ich weiß, ich sollte s’Maul halten, aber es juckt, pardon s’il vous plait.

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  9. „Also hat Ho’schejm es anders gewollt 🙂 , so, als ob er nicht wäre.

    „…so, als ob er nicht wäre“: eine große Sache, die.
    Es gibt keine Versicherung, dass es droben was gibt. Aber wenn man auf Tojre nicht setzt, dann gibt es keinen Grund, etwa Auge in Auge mit einem Folterer der Folter zu widerstehen, nicht? Wenn ich ohnehin nichts bin als eine armselige Null, warum nicht auch noch verraten?
    Nicht er rettet dich in der Not, sondern du musst ihn retten: die Idee retten, dass es ihn gibt; die Idee retten, dass der Mensch was wert ist. Das sagt einem Juden die Tojre.

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    • „Wenn ich ohnehin nichts bin als eine armselige Null, warum nicht auch noch verraten?“ Tja warum? Habe ich einen freien Willen? Dann kann der dazu führen, das ich nicht verraten will und bin gerade deshalb keine armselige Null, jedenfalls nicht in meinen eigenen Augen. Worum sonst geht’s? Geht aber sicher auch ohne „Oben“, aber vielleicht besser mit?

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      • … wobei jemand, der sich als armselige Null, als armer Narr, als unwissender Underdog usw. usf. sieht und sich keinen Stolz erhalten/aufbauen wollte/konnte, dann keinen Grund hat, um sich wie ein Gentleman zu verhalten, nicht?
        Es liegt wohl am Stolz, wie sich einer verhält.

        Hmmm.
        Stolz ist aber seit Langem allgemein fast nur als falscher Stolz verschrieen. Obwohl der als Stolz ’ne Tugend ist. Vorausgesetzt, der Träger hat ihn nicht wegen Hochnäsigkeit, oder weil er ein Baron ist

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  10. Aristobulus
    (August 26, 2015 um 12:46 nachmittags)
    „ keiner kann ablassen von Emuna, weil man die hat – oder man hat sie nicht.“

    Da bin ich mir so nicht sicher: „weil man die hat oder nicht?“
    Ist das so einfach? ZB, Hatte Mosche rabenu „einfach so“ emuna?
    (Vielleicht, lieber vorweg nochmal geklärt, wie definieren wir das? Geht es allein um das Vertrauen in die Beziehung? Man hat sie oder nicht? Oder kann man das Vertrauen selbst als Seelenspiegel im Sinne auch von Selbstvertrauen, Zutrauen und dergleichen mehr erweitern? Ich denke eigentlich, das alles das stimmt, denn ist unsere Beziehung in emuna nicht auch direkt lebendig in der Beziehung zu den Eltern –wenn man sie hat- und erweitert dann auch zu anderen Menschen die einem nahe sind, kommen. Und dann noch schließlich der Aspekt „Nächstenliebe“ nicht alleine als Aufforderung zur Geltung, sondern auch als Erfahrungswert. Nicht wahr?)

    Also. Was, wenn man emuna nicht „einfach so“ geschenkt bekam?
    Wenn dennoch der Wunsch, das Sehnen in einem selbst, dazu aufruft, zumindest nicht einen grausamen Zustand „ewigen“ Mißtrauens hinnehmen so wollen?
    Vielleicht auch aus richtiggehender Angst heraus, daß einem das Leben nur noch Gift sein könnte?

    Also arbeitet man schwer an sich selbst um emuna zu verwirklichen. Das ist nicht geschenkt, eben nicht: nicht haben oder nicht. Das ist ein Sehnen, und der Lohn, wie auch immer, mag lange ausbleiben, während das Sehnen selbst einem zur Qual werden kann.
    Und ist es nicht menschlicher Wunsch nach Nächstenliebe, die solchem vorhergeht?
    Nicht „vorgeschrieben“, sondern eher beschrieben, zB (ich wage mir das!) „ani haschem“.
    Weil das Sehnen selbst, trotz aller Umstände, veranlagt ist.
    Aber dennoch der Preis hoch (sein kann, siehe gerade beschriebenen Umstand), und die Mühe schwer, und Erfolgsaussichten keinesfalls garantiert!

    Kannst Du das verstehen? Oder nachvollziehen?
    Ja, zB wenn einem schwerer Schicksalsschlag den Mut zu nehmen droht, oder schlicht auch nimmt. Dann hat man Mühe sich gegen das „Gift“ der eigenen Verwerflichkeit (angesichts schwerem Leid) zu erwehren. Nicht wahr?

    Tikun olam ist doch ein „Aufruf“. Du weißt, ich bevorzuge die Formulierung: „Empfehlung“.
    Was aber, wenn dieser „Aufruf“ in einem selbst wohnt, weil (oder trotz dem?) alles einfach kaputt ist, von Anfang an, zB? Und das muß ja nicht sein, daß man solchem Aufruf folgt.
    Wieviele Menschen nehmen ihr „kaputt Sein“ zur Ausrede, um alles um sich herum zu zerstören?
    Und auch ohne Ausrede, lassen sich einfach gehen, nur heißes Herz allein?
    Daher wohl ist auch der Aufruf –laut Tora- wichtig.
    Und dennoch veranlagt. Vielleicht pro Person mehr oder weniger?

    Und Tikun olam.
    Was gilt es zu „reparieren“ (die Welt) und auf welche Weise? Wie ist es richtig?
    Auch hier: der „Lohn“ ist keinesfalls garantiert!
    Und gar die Gefahr, daß der eigene gute Wille (so durch sich selbst definierte) zum schlechter für andere wird!
    Wie aber erfahre ich, ob ich richtig liege, bzw gehe?
    Nur aus dem Bauch heraus?
    Nur aus der Ablesung von Tora heraus?
    Nur vom Rat guter Freunde? …

    Nein, (und obgleich ich kindlich Herz mir bin) emuna ist nicht einfach nicht oder doch.
    Denke (und erfahre) ich. Und es ist schwere Arbeit. Allerdings eine solche, die niemand sieht, zu ser es keinen Lohn durch andere zu erwarten gibt, und die oft auch (siehe Deine treffende Beschreibung zu „warum Nächstenliebe“, 11.17uhr) nicht gesehen werden will durch andere.
    Weil da eben –zB- keine Kontemplation –einfach so- ist, und die Arbeit nicht nur Hand und Fuß alleine ist. Nichtmal tachless reden. Oder schreiben.

    Und das geht dann ja nicht ohne den Bezug zur –nenne ich es dann nochmal- „schechine“, oder anders „Herzenstiefe“ als eine „Art privater Mini-Bejt ha-Midasch“, oder?
    Und warum brauch(t)en wir den Bejt ha-Mikdasch als Gebäude?
    Warum genügt nicht das menschliche Herz?
    Das ist wegen der „Kalbsgeschichte“, nicht wahr?
    (Ohne das nun weiter noch auszuführen. Auch die Angelegenheit „bechor“ lasse ich dann aus.)

    Und was ist einfach so?
    Hm, da finde ich sowas:
    Baruch sche-amar we haja ha-Olam
    (Gebenscht der sprach und es wurde die Welt)
    Und da stehen wir nun einfach so herum. Und tun?
    Während der Erzähler („baruch…) die Welt redet.
    Das ist doch was!

    (Hoffe, daß ich nicht ganz so kreuz und quer schrieb. Hier war Einsatz, Aufregung, Helikopter dazu, etwas durcheinander. Lasse ich’s nun einfach so stehen. Layla tow. A.mOr.)

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    • A.mOr, die Diskussion über Emuna ähnelt der Diskussion unter Christen über die Gnade des Glaubens. Die immer zu nichts führt, weil sie um sich selbst kreist. Im Christentum soll geglaubt werden, und wer nicht glaubt, gilt als Sünder. Also hat Luther den Zweifel neben den Glauben gestellt, er rubbelt sich auf hunderten Seiten über den Zweifel und über das Leiden des Glaubens und über das Leiden am Zweifel einen runter, einen nach dem Anderen.
      Dieses Kreisen um sich selbst und den Glauben und um das Leiden hat die Christen zu nichts geführt als zur Säkularisierung des Daseins.
      Weswegen es im Judentum (das solches vermeidet) keine Stoßgebete gibt.

      Jüdischerseits: Gilt Emuna als Mizwe?, ich denke nicht. Es wäre grausam, wenn Emuna als Mizwe gefordert wäre, so wie die Einhaltung des Schabbes (Tun) oder wie die Kaschrut (Tun) oder wie Gerechtigkeit (Tun) gefordert sind. Eine Emotion zu fordern ist augustinisch-lutherisch grausam. Kann also keine Mizwe sein.

      Du stellst Emuna dem ewigen Misstrauen gegenüber. Das geht mir zu weit 🙂 , denn ein Agnostiker muss nicht ewig misstrauisch sein. Er möchte bloß keine Letzten Aussagen über Letzte Dinge tun.

      Und nein, Emuna lässt sich nicht verwirklichen (4. Absatz), nur die Mizwojss lassen sich verwirklichen (tun), und die Arbeit an Emuna (?) ist keine ’schwere Arbeit‘. Weil es im Judentum auf’s Tun ankommt, also auf schwere Arbeit an was Konkretem, aber nicht auf Glauben.

      (5. Absatz) Das Sehnen verstehe ich. –
      Das Gift der eigenen Verwerflichkeit: Depression sei Sünde, schrieb ein bedeutender Rebbe. Was tat er gegen das Gefühl der eigenen Verwerflichkeit: Er kümmerte sich um Dinge, die zu tun sind. Wenn alles kaputt ist, muss man Heilung suchen und sie nicht abweisen. Wer geheilt werden will, findet einen Weg.

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      • „Jüdischerseits: Gilt Emuna als Mizwe?, ich denke nicht.“

        Hier muss ich noch einmal den Psychoanalytiker Patrick Landman bemühen, der sich auf einer Konferenz an der Hebräischen Universität (Nov. 2009) gerade, wenn auch nebenbei, zu diesem Thema geäußert hat:
        Und zwar erwähnte er, dass bei einem Gijur niemand vom Glauben an G’tt rede. « Le point essentiel porte sur l’unité de D., pas sur la croyance en D. » ‒ Der wichtigste Punkt betrifft die Einheit G’ttes, nicht den Glauben an ihn.
        Was den Juden allein zu interessieren hat: « Que dit la Loi ? » ‒ Was sagt die Halacha?
        An dieser Stelle gibt Landman die scherzhafte Bemerkung eines Rebbe wieder, die ich schon auf Numeri zitiert habe:
        « Si la Loi posait l’obligation de croire en l’existence de D., je croirais en cette existence. » ‒ Wenn die Halacha mich dazu verpflichten würde, an G’tt zu glauben, ich würde an ihn glauben.

        Es ist zwar richtig, dass der Rambam den Glauben an Haschem zu seinen 13 Ikarim zählt, aber wie sagte Raw Ehrenberg so hübsch:
        Der Rambam denkt so, Andere denken anders.

        Sind die Jidn nicht dazu aufgerufen, die Idee von Haschem zu verbreiten? Die Idee, ja – das Übrige ist nicht ihre Sache.

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        • A propos R. Ehrenberg. In seiner Newsletter zu „Vaeth’hanan“ hat er passend zu unserem Thema eine feine Auslegung des Erstwortes gebracht:

          אנכי ה‘ אלקיך אשר הוצאתיך מארץ מצרים מבית עבדים. (דברים ה, ו)

          Anochi Haschem Elokécha ascher hozeticha me-Erez Mizrajim mi-Bejt Awadim

          [Ich bin der Ewige dein Gott, der ich dich geführt aus dem Lande Mizrajim, aus dem Knechthause. (Deut 5, 6; Zunz)]

          Fragte einmal R. Simcha Bunim aus Pschischa (Przysucha in Polen) einen seiner Schüler, was ihn am Schabbat Nachamu am meisten angesprochen hatte. „Das Ende der Haftara“, antwortete der Schüler. Da, wo es heißt:

          וְאֶל מי תְדַמיוני וְאשווה יאמַר קדוש. שְאו מרום עיניכם וראו מי ברא אלה המוציא במספר צבאם לכולם בשם יקרא מרוב אונים ואמיץ כוח איש לא נעדר. (ישעיה מ, כו-כז)

          [Wem wollt ihr mich vergleichen, dem ich gleich wäre? spricht Heiliger. Hebt eure Augen zur Höhe empor und seht: Wer hat diese da geschaffen? Er, der ihr Heer herausführt nach der Zahl, ruft sie alle mit Namen; wegen der Größe seiner Macht und der Stärke seiner Kraft geht keins verloren. (Jes 40, 26-27)]

          Diese Verse geben Kraft, so der Schüler. Man schaut nach oben und fragt sich: Sonne, Mond und Sterne: Wer hat sie erschaffen?
          Erwiderte Rabbi Simcha: Das ist alles sehr schön, aber nicht für Juden gesagt; nur für Menschen, die G’tt suchen. Du aber, schau in die parsche: Anochi Haschem Elokécha ascher hozeticha me-Erez Mizrajim mi-Bejt Awadim ‒ Ich bin Haschem, dein Gott, der dich herausgeführt hat aus dem Lande Mizrajim, aus dem Sklavenhaus.

          Sagt Haschem zu uns: Ich bin dein G’tt, ich habe dich aus Ägypten befreit, habe dir die Tora am Berg Sinai gegeben und ich habe mit dir geredet. Der Jid braucht so wenig einen Beweis dafür, dass es G’tt gibt, wie ein Kind einen Beweis braucht, dass es seinen Vater gibt. Trägt er es doch auf den Schultern, sorgt für seine Bedürfnisse. Was braucht es mehr?

          Für G’ttes Existenz brauchen wir keine Beweise denn wir sind seine Kinder. Wie geschrieben steht: Banim atém la-Haschem Elokechém ‒ Ihr seid die Kinder von Haschem, eurem G’tt. (Deut 14, 1)

          בנים אתם להי אלוקיכם וגו‘. (דברים יד, א)

          Die Suche überlasst den Fremden.
          Warum ist es dennoch eine mizwe, sich mit der Natur zu befassen? Weil der Anblick der Schöpfung die Liebe zum Schöpfer stärkt, meint der Rambam. Das Buch Chowot ha-Lewawot (Die Pflichten des Herzens) von Bachja ibn Pakuda (11. Jh.) verbindet den Vers „Da et Elokej Awicha“ ‒ Erkenne den G’tt deines Vaters (Chron 1 28, 9) mit der mizwe, G’tt durch die Natur zu betrachten.

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        • Durch… oder gegen die Natur 🙂

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      • Aristobulus | August 27, 2015 um 3:06 nachmittags

        Du hast mir nicht zugehört. Willst Du nicht zuhören?

        Vielleicht nochmal etwas primitiver formuliert:
        Was nutzt roboten ohne ein bewegtes Herz?
        Welches „Volk“ mir soll das sein, das nichts kann als Tun?
        Was nutzt alle Gelehrsamkeit ohne emuna?

        Dich kennend.
        Ich quatsche nicht selbstgefällig.
        Ich bin gefallen. Das ist anders.
        Und nun stehe ich hier.
        Und alles fällt ab.
        Nur eines nie: emuna.
        Nicht geschenkt.
        Nun tu was Du tust.
        Was kannst Du tun?

        Stell Du nicht immer mir die Frage ohne sie an Dir zu sehen. Welchen Sinn macht es so, was entwickelt sich davon? Was kann davon wachsen wo nur das Tun die Leere ziert?

        Und was willst Du mir immer wieder von Nozrim erklären?
        Es interessiert mich nicht. Mich interessieren die Menschen.
        Ich muß nicht alles wissen. Aber den Wert an mir erfahren.

        A.mOr.

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        • Zuhören schmuhören, A.mOr.
          Warum muss es beim Thema um Dich gehen?

          Bewegtes Herz, nu!, das hat jeder. Wer robotet? Du sicher nicht, auch nicht Schum oder ich. Also rennst Du offene Türen ein und weist immer auf Dich.
          Wieso?

          „Was nützt alle Gelehrsamkeit ohne Emuna?“
          Die Frage ist pur christlich. Arghh. Also, Gelehrsamkeit hat man sich erarbeitet, aber Emuna kreist um sich selbst, um den Moment der Emotion, um’s Erlebnis des Augenblicks. Womit lässt sich also etwas bewirken, -> für Andere, für jene da draußen?
          Mit Emune?, nebbich. Sie lässt sich draußen nicht anwenden.
          Mit Gelehrsamkeit?, hmjein, nur, wenn sie angewendet wird. Dann aber richtig.

          P.S.
          Wer gefallen ist, möge halt wieder aufstehen. Oder er möge sich aufhelfen lassen. Wer aber beständig klagt, er/sie/es sei gefallen, der möchte das so.

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        • „Warum muss es beim Thema um Dich gehen?“
          Weil ich mich besser kenne, nicht aber den Rest der Welt, den ich nur mit meinen Augen sehe.
          Und vorsichtshalber jenen also nicht allzuviel (ab)fordere.

          „-(yo)“Was nützt alle Gelehrsamkeit ohne Emuna?”-
          (tu)Die Frage ist pur christlich.“
          Ah, ja? Bist Du da sehr festgebissen?

          „Gelehrsamkeit hat man sich erarbeitet,“
          Klar, wenn man kann und gut gelegt ist dafür, und nichts weiter kennt, dann ist das schwere Arbeit?

          „aber Emuna kreist um sich selbst“
          Lo. Genau das wollte ich nicht aussagen.
          Es ist dennoch nicht ausgeschlossen, etwa zu Jojmkiper.

          „Oder er möge sich aufhelfen lassen.“
          Steh ich hier. Im Ring, nebenbei, gibt es einen Ringrichter, und einen, der zur Not das Handtuch wirft.Da werden Nachtritte (im Regelfall) nicht zugelassen.
          Aber sicher, wir stehen hier nicht im Ring. Wenn der Kampf aus ist –und einer der Kontrahenten das sehr deutlich macht- dann ist alles weitere schlagen keine Hilfe, sondern ehrlos. Wenigstens nicht hilfreich, dem anderen nicht zuzuhören, dem man doch „helfen“ wolle…

          Bewegtes Herz hat jeder? Alles schockelt vor sich hin. A.mOr.

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        • „Die Frage ist pur christlich“
          Das haben die Nozrim (der Umgebung) schon in meiner Kindheit ständig geprobt, und neugierig war ich schon. Es kreiste immer um ihren Glauben, keine Rücksicht auf emuna, woher sollten sie das auch „wissen“? A.mOr.

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        • A.mOr ist ein schöner Mann
          voll der schönsten Emunáh:
          Gibt bloß keine Quellen an,
          schaut nicht an die Halacháh.
          Quellos ging er stets daran.

          Und die arme Halacha
          jenseits isse. Oj, Bracha.

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        • Die Frage, ob die Erfüllung einer mizwe Herzensbeteiligung voraussetzt, ist im Judentum allerfrühst diskutiert worden (Talmud Bawli, hauptsächlich im Traktat „Brachot“ 13a und Traktat „Rosch ha-Schana“ 28b). Doch wie Dr. Dror Pichsler (oder ähnlicher Name; ohne Vokalisierung) in seinem Aufsatz „Kawana ba-Mizwot be-Mischnat ha-Rambam“ unterstreicht, ist die Frage immer noch offen.

          So sehr kommt es auf das Tun an, dass alles andere sekundär erscheinen mag.
          Ich hab dich nicht im Krankenhaus besucht, aber wisse: Mein Herz schlägt für dich. Ich lass‘ dich mit dem Kind allein – aber mein Herz ist mit euch. Ist das Tikun Olam, Reparierung der Welt?

          Wenn man nicht beides haben kann: Tun und Herz, dann ist Tun auf jeden Fall vorzuziehen, nicht? Mehr noch: „Achare ha-Maassim ha-Lewawot nimschachim“ – Die Herzen folgen den Taten. So der anonym gebliebene Autor des viel studierten „Ssefer ha-Chinuch“ (Buch der Erziehung) Ende des 13. Jahrhunderts in seinem Kommentar zu den 13 Ikarim (Glaubensgrundsätze) des Rambam.

          אחרי המעשים הלבבות נמשכים.

          Wer das Richtige tut, sogar gegen seine Neigung, wird seine Haltung nachträglich der Handlung anpassen. Minderung der kognitiven Dissonanz nennt sich das im ebenso griffigen wie poetischen Psy-Jargon. Wenn ich einem isolierten Nachbar, den ich nicht einmal mag (Wink an die Fortgeschrittenen: weil ich ihn nicht mag) einen Kuchen bringe, so werd‘ ich bald finden, dass er doch sympathisch ist.
          Schon die Selbstzufriedenheit wird mich dazu veranlassen, ihm wohlwollend zuzuhören. Das fördert die Entdeckung anziehender Seiten.

          Umgekehrt gilt natürlich auch: Habe ich auf einer Demo gedankenlos „Israel Kindermörder“ gerufen, so werden mir nachträglich Gründe einfallen, warum das so sein musste.

          PS. Und was heißt hier: Schum rabotet nicht? Also Schum rabotet in der JG. Und Aurore, hören wir gerade, rabotet an der falschen Stelle. Alle müssen raboten.

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        • Hu. In der Tat 🙂 ’s isch schwäär. L’Aurore rabotet heftig für die Gesundheit Anderer, Du rabotest deftig für die Jidn, und ich rabote mit Müh auf und ins und für’s Papier.
          Was rabotet der A.mOr?
          Der rabotet auch.
          Sicher hat jemand was davon. Abwesende naturgemäß eingeschlossen.

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        • Bachatero rabotet mit seinen Negern hier, möglicherweise gegen seine Neigung und sein Herz folgt.

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        • Wer will schon rabotn?
          Wer will, schlübbt aus den Bottn,
          sackt abb ins Canapée.
          Aber man rabotet dann doch, oh weh!,
          rabotet mit Bottn, immer weiter, ohee.

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  11. Hier noch aus einem Kommentar von Nechama Leibowitz zu dem Erstwort:

    In allen unseren Kommentaren, alten und neuen, finden wir die Diskussion, ob der Eröffnungssatz der Zehn Gebote „Ich bin der Ewige, dein Gott …“ das erste Gebot darstellt, da er, im Gegensatz zum Folgenden, weder als positive noch als negative Regel formuliert wird. Er stellt eher eine Erklärung dar und kein Gebot.

    Dies stellt Crescas, der berühmte jüdisch-spanische Philosoph (1340-1410) in seinem Werk Or Ha-Shem fest:

    Wer den Glauben an die Existenz Gottes unter die positiven Gebote reiht, unterliegt einem Irrtum. Dem Begiff „Mitzwah“ wohnt inne, das er nur auf Angelegenheiten, die dem freien Willen und der freien Wahl unterliegen, angewandt werden kann. Aber der Glaube an die Existenz Gottes gehört zu den Dingen, die weder dem freien Willen noch der Wahlfreiheit unterliegen. Daher kann der Begriff „Mitzwah“ darauf nicht angewandt werden.

    Abravanel (1464-1523) hat eine ähnliche Ansicht:

    Der Satz „Ich bin der Ewige, dein Gott …“ stellt kein Gebot dar, weder ein dogmatisches noch ein praktisches, sondern ist eine Einleitung zu den folgenden Geboten und Vorschriften, eine Erklärung, die den Kindern Israels sagt, wer zu ihnen spricht.

    Zitat Ende.

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    • Und das nochmal klar zu stellen: ich habe nicht behauptet, daß emuna mitzwe sei, das hat allerdings Aristobulus so interpretiert, dargestellt um es zu verneinen.
      Ich behaupte nicht, daß emuna mitzwe sei. Oder Sehnen mitzwe sei. Es ist einfach. Nichts mehr. Und alles. Und schwer. Und sehr schön. So leicht wie der Blick „nach oben“, so unmöglich. Die Arbeit daran ist die Pflege der Absicht, auf dem Boden des Herzens. Wo sonst? Welches Wort kann das ersetzen, wenn es nicht verstanden wird?
      A.mOr.

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      • Ist ja alles schön & gut, A.mOr. Bloß, dass es im Judentum auf’s Tun ankommt, nicht auf Glauben.
        Warum soll Emuna schwer sein-? Wenn sie doch ist?

        Das Tun (das konkrete, pragmatische, nicht jenes andere auf dem Boddn däs Härzns) hält einen oben und bringt einen weiter. Hingegen Glaube fördert den status quo (wenn der dann mit Hochkommen zu tun hat, um so besser).

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        • „Warum soll Emuna schwer sein-? Wenn sie doch ist?“
          Dein Ernst, solche Frage?
          Dann brauchst Du auch nicht an den Boden des Herzens denken, die Absichtspflege. Und alle Falten verschwinden Dir, so klar ist es Dir. In Deinen Augen.
          Du hast ja die Anleitung, genieße Dein Recht.
          Dein Herz ist gold –solange Du zugetan bist- kein Zweifel.

          „dass es im Judentum auf’s Tun ankommt, nicht auf Glauben….“
          Soll ich sie Dir noch weiter öffnen, diese sperrangelweit offene Tür?
          Und dennoch, willst Du mich dem Schwindel überführen, weil Du nur Du kannst? A.mOr.

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        • „Hingegen Glaube fördert den status quo [lo.]
          (wenn der dann mit Hochkommen zu tun hat, um so besser).“ [ken.]
          A.mOr.

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        • Nochmal genauer: ich (wieder nur von mir) glaube nicht.

          Emuna ist nicht glauben. A.mOr.

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        • Ich find’s einfach pointless, so anklagend über Emune zu reden.
          Wozu sollte man? Wem nützt es?
          Die Anklage mal ausgenommen: Wozu über etwas reden, das der Eine wohl hat (nu, gut so) und der Andere wohl weniger (der hat was Anderes, auch gut so).

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        • „Emuna ist nicht glauben. A.mOr.“

          Pardon! „Emuna“ heißt auf Iwrit „Glaube“. Es gibt dafür kein anderes Wort. Dass „Emuna“ nah bei „Emun“ (Vertrauen) steht, ist eine andere Sache.
          Man kann nicht über zwei Tage über „faith“ oder „foi“ diskutieren, um am Ende zu erklären, dass „faith“ oder „foi“ nicht „Glaube“ sei; weil das Wort einem privat was anderes bedeute.

          Übrigens: „Emuna“ teilt sich auch eine Wurzel mit „Oman“ (Künstler), „Omanut“ (Kunst) und „Imun“ (Training); vom überaus bekannten „amen!“ (Imperativ) nicht zu reden. Man kann mit diesen Dingen spielen, aber man muss die Spielregel ansagen.

          Apropos Übersetzung:
          „Achare ha-Maassim ha-Lewawot nimschachim“ heißt wörtlich: Von den Taten werden die Herzen angezogen.
          Vielleicht besser als das schwache: Die Herzen folgen den Taten.

          Gut Schabbes und schönes Wochenende!

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        • A sejer guttn Schabbes.

          À propos, auch den Schabbes emunanisiert man nicht. Man tut ihn. Und man tut den immer etwas zu wenig, wohl weil man <em<glaubt, er sei privatim ja dies und das und dann wieder jenes 🙂

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        • A sejer guttn Schabbes auch Dir, Ari ha-Jakar
          G’tt wolle, dass ich ihn wieder täte. Unglücklicherweise kann kein Anderer für dich wollen.

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        • Schum.
          „„Emuna ist nicht glauben. A.mOr.“

          Pardon! „Emuna“ heißt auf Iwrit „Glaube“.
          Ist in Ordnung, ich lasse mich gerne zum Iwrit belehren!
          Toda. A.mOr.

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  12. Aurore, chère, findest Du, dass wir übertreiben? Da stellst Du eine kleine Raucherecke zur Verfügung und was machen die Jidn? Enfer et damnation!
    Wie geht es Dir zur Zeit? Bräunst Dich in Eilat oder überwachst gerade den Möbeltransport? Innerhalb Berlins könnte ich Dir meine starken Arme leihen, um Kuchenformen und Halloweenmasken zu tragen.

    Gute N8 🙂

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  13. Mein Herz ist ein wilder Tanz, in die Höhe, in die Tiefe. Für das, was das Leben gibt, auf das, was ich gebe, auf das was geschieht, und weil es schlägt und macht mich froh, denn es läßt mich leben. b’h.
    Danke, Schum. Du bringst das Wort und wir denken, mit Dir. Und das Herz schlägt.
    Ist da emuna in Tod? Laß uns leben, wir werden es erleben.
    Tue erst die eine mizwe als keine, dann tue noch eine.
    So leben wir, sonst ist da keine mizwe.
    Und kein emuna. b’h.
    Kein tikun olam.
    A.mOr.

    „ …die Idee retten, dass der Mensch was wert ist.“, Schum und Tojre.
    (Trotzdem eine dumme Frage: jeder Mensch? Nur der wertgefällige? Was ist das? Und wem?)

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  14. Schum gestern, 10:55 Nachmittags (eine äußerst wohlwollende Wördpräss-Interpretation der Kategorie Nachmittag jedenfalls 😀 ) :


    אנכי ה’ אלקיך אשר הוצאתיך מארץ מצרים מבית עבדים. (דברים ה, ו)

    Anochi Haschem Elokécha ascher hozeticha me-Erez Mizrajim mi-Bejt Awadim

    [Ich bin der Ewige dein Gott, der ich dich geführt aus dem Lande Mizrajim, aus dem Knechthause. (Deut 5, 6; Zunz)]

    Den Satz kann man gar nicht oft genug zitieren. Es finden sich wahrlich hunderte zentrale, zentralere und allerzentralste Sätze in der Tojre, die in nuce und immer innucerer zeigen, was Judentum nein was Zivilisation ist!, und dieser Satz ist mal wieder der Allerzentralste, nicht?
    Alles, was den Einzelnen aus dem Knechthause führt, ist gut.

    Wir waren Sklaven erst der Pharaonen (von außen oktroyiert), später waren wir Sklaven unserer eigener Misshelligkeiten, Sklaven des leeren Stolzes, Sklaven des Versorgtwerdenwollens, Sklaven des Selbstmitleids (innerer Octroi), und das war Mist und a grojsser schmajss, denn man soll sich entsklaven.
    Politisch soll man sich selbst entsklaven, und dann Andere.
    Emotional soll man sich selbst entsklaven, und sich dann an Anderen abmühen, damit sie’s tun.

    Sklavenbefreiung gut und schön, aber sie funktioniert vorerst nur auf dem Papier. Als wir selbst einst entlaufene Sklaven waren, warteten wir auf’s Man‘, das jeden Morgen in der Wüste fiel. Wir mussten von der Hand in den Mund leben, weil wir nicht für uns selbst sorgen konnten. So kann man nicht leben als Mensch. Es hat zwei bis drei Generationen gedauert, bis wir es konnten, aus eigener Kraft. Davon zehren wir Heutigen noch immer.

    – Bei den schwarzen Amerikanern verhielt es sich exakt genauso: Nach der Sklavenbefreiung durch Lincoln-ho-godojl dauerte es drei Generationen, bis die Schwarzen so weit waren, etwa einen Thurgood Marshall und einen Martin Luther King hervorzubringen, Anführer, die die Welt in Freiheit gestalteten, indem sie Freiheit für Andere schufen. Von einem Thurgood Marshall und einem Martin Luther King zehrt die ganze Welt bis heute.
    Sofern sie es will.
    Die mohammedanische Welt will es nicht – sie zieht das Sklavendasein und damit das Herrenmenschentum vor.

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    • Manche meinen, er sei ein Scharlatan gewesen?
      Min-hastam?
      Bob Marley sang auch: „„Free yourself from mental slavery“
      Bleiben wir also beim Wort, ist doch ein schönes Wort?
      Ein sinnvoller Vorschlag? Immerhin.
      Freiheit, weil wir Gefangenheit (und Befangenheit) kennen, das wünsche ich uns allen, hier und woanders. A.mOr. Schabat schalom, muß nun wirklich bald los, schrieb hier nur recht geschwind, hoffe nichts relevantes übersehen zu haben.
      Man sieht sich kommende Woch?

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    • Ein Thurgood Marshall und ein Martin Luther King für so viel SchwAmis und dabei so wenig love for the Honks? Mir gefallen meine Domis hier besser, die hatten zwar nur Duarte, Sánchez und Mella, deren Schwarzheit eher vernachlässigbar ist gegen King Luther, aber es lebt sich sehr angenehm mit ihnen. Die DomRep hat etwas geschafft, kaum gesehen, wenig bekannt, was schier unmöglich erscheinen will, es gibt faktisch keinen Rassismus, aber in echt, und das in einem Farbspektrum, das von Rabenschwarz bis Federweiß geht. Die Roten, Dank an’s christliche Spanien, haben’s bis zur Integration leider nicht geschafft. Ich liebe dieses Land. Die Lutheraner dagegen haben USA in eine Hölle verwandelt. Not nice, really.

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      • Auch in Brasilien. Trotz einst europäischer Traditionen (Kaiser inbegriffen) haben die keinen Rassismus.
        Etwa 1910 war auf einem der beiden brasilianischen Schlachtschiffe (Minas Gerães?) eine Meuterei, weil schwarze Matrosen benachteiligt worden waren. Die Regierung in Rio, statt schießen & kriegsgerichten zu lassen (so wie alle europäischen Machte zu der Zeit und wie die USA, auch wie z.B. Argentinien), hat verhandelt und den Matrosen Recht gegeben. Meuterei zu Ende, alles besser danach.

        Merkwürdigerweise in Argentinien, dem Nachbarland Brasiliens, gab und gibt es derlei nicht. Woran liegt’s? Die sind ähnlich stolz auf ihre einst errungene Unabhängigkeit wie die Brasilianer, und sie haben ebenso den Katholizismus… aber sie haben ihn anders, die haben ihn rein, so wie in Genua und Neapel und in Sevilla.
        „Negro“ galt in Argentinien noch so 1975 als verächtliches Schimpfwort, gebraucht für Verachtete wie Gauchos und Peones. Ich weiß nicht, ob sich das verändert hat, vermutlich nicht!, weil neuerdings ein sehr, sehr linker Tango-Bandoneonist (aus Buenos Aires) das Thema Schwarze für sich entdeckt hat, und zwar auf besessene Weise. Er behauptet, Buenos Aires sei einst schwarz gewesen, so wie der Tango. Stimmt einfach nicht, ist bloß neobunte Fantasie. In Brasilien würden sie diese Idee einfach als spinnert links liegen lassen, in Argentinien jedoch wird sie von bunten Fantasten beachtet und kolportiert.
        Komisch?, dass Brasilianer (nur jetzt die Musiker!) gleichzeitig unendlich viel produktiver und erfindungsreicher sind, als die argentinischen jemals.
        Woran mag der Unterschied liegen?

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        • Heck knows. Aber ich verdanke den Negern viel, man denke (nicht) nur an Noni (café au lait ). Habe mich um die 30 herum völlig dem Haitischen geöffnet, unbegreiflich das, da bin ich mit der Barbancourt Pulle in der Hand in meinem Landrover durch Port au Prince geeiert und, A.mOr. ’s ist wahr, highhestens ohne Kiff, es war der monokulturelle Zusammenbruch. Habe mich seitdem gut erholt und mir geht’s richtig gut, jetzt. Moecht’s nicht missen.

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  15. Hier der große Komponist Heinrich Schütz über Emune, Psalm Davids 23, „Der Herr ist mein Hirt, mir wird nichts mangeln“, von 1619.

    Er weidet mich auf einer grünen Aue
    und führet mich zum frischen Wasser
    und erquicket meine Seele (…)

    Da geht es um Genuß, also weniger um Emune. Darum schwingt Schütz bald in Tanzrhythmus.

    Yep, so geht das 🙂

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    • Jetzt habe ich dem genüsslichen Schütz zugehört. Ja, es ist schön. Aber – würde David ha-Melech das eigene Gedicht wieder erkennen?

      Auch hier zum Vergleich einige Worte aus demselben Psalm mit Schlomo Carlebach:

      גם כי אלך בְגֵיא צַלמָוות לא אִירָא רע כי אתה עִמָדי, שִבטְך ומִשְעַנתֶך הֵמָה יְנַחֲמוני

      Gam ki eléch be-Ge Zalmáwet lo ira ra ki ata imadi, Schiwtechá u-Misch’antécha héma jenachamúni.

      [Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. (Ps 23, 4; Luther)]

      Das würde David Ben Jischaj wieder erkennen. Auch das Übrige: fast wie zu seiner Zeit.

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      • PS. „lo ira ra“ heißt übrigens: „es wird kein Böses geschehen“ und nicht: „ich fürchte kein Unglück“.

        Es gibt welche, die können zwischen Glauben und Tun nicht unterscheiden; andere wiederum zwischen subjektiven und objektiven Aussagen. Oder läuft’s auf dasselbe hinaus?

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  16. Für uns von Abraham Joshua Heschel, der von 1945 bis zu seinem Tod 1972 am Jewish Theological Seminary of America unterrichtet hat:

    “God is more immediately found in the Bible as well as in acts of kindness and worship than in the mountains and forests. It is more meaningful for us to believe in the immanence of God in deeds than in the immanence of God in nature. Indeed, the concern of Judaism is primarily not how to find the presence of God in the world of things but how to let Him enter the ways in which we deal with things; how to be with Him in time, not only in space. This is why the mitsvah is a supreme source of religious insight and experience. The way to God is a way of God, and the mitsvah is a way of God,…a mitsvah is where God and man meet.”

    Und mein Lieblingssatz:
    “Judaism teaches that God can be found in books.”

    Aus: Reuven Kimelman, „Abraham Joshua Heschel. Our Generation’s Teacher“
    http://www.crosscurrents.org/heschel.htm

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  17. Ihr werdet mir nicht glauben. Also lege ich ohne Vorrede zwei Texte (genau: drei – wegen der Übersetzung) hintereinander vor. Vielleicht fällt euch was auf:

    1. « LE LOUP ET LA CIGOGNE »

    Les loups mangent gloutonnement.
    Un loup donc, étant de frairie,
    Se pressa, dit-on, tellement
    Qu’il en pensa perdre la vie.
    Un os lui demeura bien avant au gosier.
    De bonheur pour ce loup, qui ne pouvait crier,
    Près de là passe une cigogne.
    Il lui fait signe, elle accourt.
    Voilà l’opératrice aussitôt en besogne.
    Elle retira l’os ; puis pour un si bon tour
    Elle demanda son salaire.
    « Votre salaire ? dit le loup,
    Vous riez, ma bonne commère.
    Quoi ? ce n’est pas encor beaucoup
    D’avoir de mon gosier retiré votre cou ?
    Allez, vous êtes une ingrate :
    Ne tombez jamais sous ma patte. »

    Der Wolf und der Storch

    Es schlingt der Wolf mit Gier.
    Als einst ein solches Tier
    Gelage hielt, geschah‘s zu seinem Todesschrecken,
    Daß ihm ein Knochen blieb in seiner Kehle stecken.
    Er meinte schon, er müsse alsobald verrecken,
    Da kommt zum Glück für unsern Mann,
    Der nicht mehr schrein noch sprechen kann,
    Ein Storch vorbei. Dem macht er Zeichen,
    Und seiner stummen Sprache schenkt der Storch Gehör:
    Er läßt sich mitleidvoll erweichen,
    Zu dienen als Operateur.
    Er packt den Knochen, zieht mit Kraft
    Und hat ihn bald herausgeschafft.
    Und nun verlangt er für sein Retterwerk den Lohn.
    „Was? Deinen Lohn?“ entgegnet ihm der Wolf voll Hohn;
    „Mein Freund, du spaßest jedenfalls.
    Ist das nicht schon genug, daß heil du deinen Hals
    Aus meinem Maul herausgebracht?
    O Undank! Lauf und nimm dich ja vor mir in acht!“

    (Jean de Lafontaine, Fabeln. Übers. Theodor Etzel. Berlin 1923, S. 57-58)

    2. Midrasch Bereschit Raba 64,10:

    Ein Löwe verschluckte sich an einer Beute, stak ein Knochen in seinem Rachen. „Wer ihn mir herauszieht, soll seinen Lohn bekommen“, verkündete er. Kam der ägyptische Vogel mit dem langen Schnabel, steckte denselben in den Rachen hinein und holte den Knochen heraus. Sagte er zu ihm: „Gib mir meinen Lohn“. Sagte er zu ihm: „Geh, und erzähl überall, dass du in ein Löwenmaul be-schulem hineingegangen und be-schulem herausgekommen bist (nichnássta be-Schalom we-jazáta be-Schalom)“.

    Quelle: Jona Frenkel, Midrasch we-Agada, Open University of Israel 1996, S. 403

    Lajla tow, Freunde!

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  18. Oh ja, eine leidvolle Geschichte. Aber warum? Dabei hab ich noch nicht mal alles gelesen. hm

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