Tüten aus der Hölle 2 – Pawlows Tüte

Ganz neu herausgekommen, die Fortsetzung des beliebten Klassikers Tüten aus der Hölle: T.a.d.H.2 Pawlows Tüte!

Tüte

In der UBahn fotografiert: die Tüte als Glaubensbekenntnis. Den Text auch zu lesen lohnt sich u.a. wegen Formulierungen wie: „Wir glauben … daran, unsere Produkte an Menschen zu testen.“ ( c by Ari) Brrr…. erst denken, dann drucken!

Letztes Jahr hatte ich geschrieben über den üblichen Einkäufer, dessen ‚Umweltgewissen‘ ihm gebietet, auf die ganz einfache Frage nach einer Tüte – der Plastikversion, keinem Joint – mit schlecht gespieltem Entsetzen und so zu reagieren, als hätte ich angeboten ein Dorf voller Unschuldiger abzufackeln.

Das ist eine der Konstanten im Leben derjenigen, die etwas verkaufen – und das ist auch so geblieben, auch wenn die Formulierung statt über „Geh, Madl, …“ mit „Min Deern…“ auf „nicht schonwieder diese Tüte!“ einschwenkt.

Vorrausgesetzt.

Vorrausgesetzt ich bezeichne das Ding denn als „Tüte“.

Ich arbeite in einer Apotheke, in der die Kasse getrennt von der Beratung ist. Amerikanische Zustände, traumhaft, wertet meine Information wirklich auf wenn die nicht nur macht-zwei-achtzig-soll-ichs-einpacken ist, und ich würde es nicht wieder hergeben. Beinhaltet aber, daß ich die Arzneimittel an der Information einpacke – damit an der Kasse niemand sieht was der Einkauf vom Nachbarn ist, und aus diversen logistischen Gründen auch.

Sage ich „Tüte“ zum Papier in das ich den Einkauf packe – oder sieht es jemand als Tüte bevor ich etwas sage – dann sieht ausnahmslos jede(r) die große grüne Chance gekommen. Alle, ausnahmslos, einheitlich, jede(r) wehrt sich unter Weltrettungsgebahren und oft diversen religiösen Invokationen dieses Dings zu nehmen. Oder mit Invokation der „Aber die Umwelt, die Umwelt…!“ Küssen Sie mir die Füße, dumme, unsensibilisierte Verkäuferin, dafür daß wenigstens ICH ein Umweltgewissen habe und die Welt vor Leuten wie Ihnen rette; und ersparen Sie brav-demütig die TÜTE uns beiden, der Umwelt und Ihrem Seelenheil. Das Übliche, eben.

Aber.

Aber sage ich „Umschlag“ zu diesem flachen, gefalteten Papierding (was so gerade eben noch in die Definition fällt) – dann ist alles okay, nehmen es alle und wehrt sich keiner. Stört auch niemanden, es verschwendet nicht mal wer einen Gedanken daran. Zuverlässig jedesmal.

Faszinierend, die Macht der Worte. Konditionierung – oder eben keine  – ist eben alles.

Ab jetzt „stecke ich es Ihnen kurz in einen Umschlag, dann können Sie’s mit zur Kasse nehmen.“

Und nächstes Mal versuche ich es mit „Dorf“ und „Siedlung“…?

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Veröffentlicht am Oktober 27, 2015 in Kein Smalltalk, Weltanschauung und mit , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 39 Kommentare.

  1. Frueher, als jung jugendlicher Mann, da habe ich mich immer gefragt, wie war es möglich, das DAS passieren konnte, da kannte ich den „aurotheken Tüteneffekt“ noch nicht. Epochemachend, außer mit Tüten, geht’s ja mit fast Allem, so werden aus Invasoren welcome refugees. Probier‘ das mal an der Kasse :mrgreen: . Wann schreibst Du Deine Dissertation, aber bitte GuttenPlag kompatibel?

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  2. Die große grüne Chance, um die Welt final vor sich selbst zu retten, besteht ohne Zweifel in der Verbannung jedweder Tüteless und allen Tütenartigen, Tütenförmigen ja Tüteligen überhaupt.
    Weil inside-the-tjuut‘ die Welt und überhaupt auch sonst Alles an der Umwelt zugrundegeht.

    Merkwürdig, dieser Impetus des Besserkäufers, die Welt retten zu wollen, nicht?, und es macht einen ja ein klein wenig traurig so am herbstlichen Frühnachmittag, dass man jetzt eigentlich nicht mehr die Welt retten will wie früher, sondern man will seit einiger Zeit nur noch den Weltfrieden retten und naturgemäß die Umweltund dazu die Eigentlichkeit herself.
    Also Welt mit kleinen Zusatzsilben, die aber leider nix dazutun, sondern mehr was von der Welt abknappsen.
    Ach! Geiz 😀

    So geizig wie die Drogerie Budnikowsky (in der man nichtmal Drogen kriegt, obgleich’s eine Drogerie sein soll), die seit ein paar Monaten kein einziges Plastiksackerl mehr anbietet. Aber eine mannsgroße Figur bieten sie dorten an, pardon!, eine frauensgroße Frauenfigur naturgemäß in Gestalt einer adrettmodernen Budnikowsky-Mitarbeiterin, die mit Siegerlächeln verkündet, dass man dorten auf die Umwelt achte (nicht auf die ganze Welt oder auf die Unterwelt bloß; auch nicht auf die Scheibenwelt, schade), und zwar so, dass man künftiglich dorten keine, keinerlei, ja überhaupt keine Tragetaschen mehr habe.

    Das war nämlich bis dato das Wort, Tragetasche. Tüte oder Beutel oder Sackerl sagte ja kaum einer mehr, es hieß offiziell Tragetasche. Warum einfach, wenn’s auch fachchinesisch geht. Bloß geht es jetzt nicht mal mehr tragetaschig, sondern gar nicht mehr.

    – Stimmt es überhaupt, dass draußen auf den Weltmeeren (heureka, wieder was mit Welt!) zwei große, riesige, höllische und Alles verschlingende Mælstrøme aus lauter Plastiktüten kreisen?
    So las ich einst und immer wieder, dass das so sei.

    Komischerweise geht es dabei dann immer gleich um den Weltuntergang (hurra!, wieder was mit neiiin gegen die Welt!), also so, dass jemand, der ohnehin an den Weltuntergang glaubt, plötzlich belegt, dass in den Meeren keine Dorsche und Quallen mehr gebe, oder dass der Weltfrieden durch irgend jüdische Siedler gefährdet sei, oder dass die Gewalttätigkeit und der Frauenhass von 80% der derzeitigen Flüchtlinge allein an einem weltgefährdenden Dingens mit Namen Islamophobie liege.
    Immer so querschräg von halb hinten durch die Leber ins Auge argumentiert, also gar nicht argumentiert, das aber mit voller Wucht des eigenen Besserseins.

    Pardon für meinen Exkurs, liebe Aurorula 🙂

    Also, wie ist das überhaupt mit den nein nicht-Umschlägen, die tun bekanntlich keinem Fliegenfisch was zuleide, sondern mit den entsetzlichen Tüüüten direktemang aus der Hölle? Kreisen die in den Weltmeeren, ein Strudel so groß wie Australien und einer so groß wie vom Nil bis übern Euphrat?
    Ist da was dran?
    Oder haben Jene, die das behaupten, einfach ein Rad da ab, wo sie besser eins dran hätten?

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  3. Witzig, das. Hätte ich nie gedacht, dass die Wortwahl bei einem so offensichtlichen Gegenstand so einen Unterschied machen könnte. Wundert mich bei genauerem Nachdenken nicht wirklich, aber drauf gekommen wäre ich nicht.

    Ich bin mir nicht sicher, ob ich allzu genau darüber nachdenken möchte, was das über den Durchblick und die analytischen Fähigkeiten von uns Normalbürgern sagt und über unsere Entscheiderqualitäten…

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  4. Allerliebst hier das große Gabler-Wirtschaftslexikon („das Wissen der Experten!“) über die konzeptuelle Vernetztheit von Schwund als sog. Mindmap:

    http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/schwund.html?extGraphKwId=14216
    (kann die Grafik leider nicht hierher als Bild ziehen, es liegt am Schwunde)

    Also sagen die Experten:
    Dass Abgang zu Schwund führt, aber nicht umgekehrt (der Pfeil ist eindeutig), jedoch Abgang führt zu Anlagengitter. Ah so?, man muss das Fenster der Anlage vergittern, weil sonst der böse Watz da durchgrabbelt und den Abgang zum Schwunde macht. Ferner führt Schwund zu Lagerverlusten, aber zwischen „Lagerverluste“ und „Abgang“ steht kein Pfeil, erstaunlich, den hat der böse Watz weggenommen. Jedoch zu Lagerverlusten führen Gemeinkosten, ganz gemein sind die, und ähm!, Skontration.
    Also nicht Kontraktion, sans-raison oder was Konvulsivisches (aaarrghh!!), sondern SKONTRATION.
    Nie gehört.
    Na unerhört.
    Ferner führt Schwund zu Wagnissen (wer wagt, der schwindet nicht, jedenfalls nicht so schnell), und zu den Wagnissen führen Mehrkosten (klar, wenn’s zu teuer ist, isses zu gewagt), Riskikoprämie, Beständewagnis (traut euch halt, nicht alles Bestehende ist Wert, dass es zugrunde geht) und naturgemäß Nacharbeitskosten; ach die wieder, und zwischen diesen und den Mehrkosten steht’n Pfeil mit zwei Spitzen, weil das Eine zum Anderen führt und wieder zum Einen und wieder zum Anderen und wieder zum Einen, aaarghh!, was dann naturgemäß wieder zum SCHWUND führt, aber da steht kein Pfeil in der Grafik!, da an der Stelle!, wo der doch hingehört!, aber der ist glatt geschwunden.
    So die Experten.

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    • Riskikoprämie
      *like!* 🙂

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    • Vergittern hilft nicht. Wenn’s ’n echter Abgang ist, mit viel Schwund, mußt Du verglasen, um die Skontration zu optimieren (Senkung der Risikoprämie!).

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      • Gewagtes Wagnis, und es steigen die Gemeinkosten so richtig gemein, wenn die Risikoprämie nicht die Steinlaus beinhaltet (armhalten kann man die aus Gründen des Größenschwunds irgendwie nich‘), die ja auch Glas. Oder Kristall (wegen Beständewagnis nicht so zu empfehlen), die das also annagt. Leider auch das Anlagengitter. Also sowohl als auch. Was mach’mer bloß? Das Ganze in die Tüte tun?

        (Aber für Skontration könnte doch mehr die Skunkabteilung zuständig sein?, wegen des Skrotums?)

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        • Heilloses Chaos, jetzt kann nur noch Donald Trump oder höchstens Heidi Klum helfen, die laesst sich gerade fuer Hallo wen? einen Arschbacken Verstärker (sog. Nalgobooster) von 3 Schwulies einbauen (Bild mit Sicherheit bei Huffington Post erhältlich), weil dem eigenen sorry piece of ass die skrotale Schwundsucht jegliche Attraktivität vermasselt hat.

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        • Holy hell, sowas lässt die Klumsche zu?, ja sowas macht die?, da steigen die sorrow pieces of Gemeinkosten doch wieder so schrecklich, und der GEZ-Zahler muss es ausbaden. Hätten die Klumschen Booster nicht doch aus irgend obsoleten Tüten getütet werden können?

          Man hätt das Material auch der Kardashian-Familie entnehmen können. Die haben darin so ein ungeheueres Beständewagnis. Aber das hängt bei denen auch nur so durch.

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