Von Krähen und Kindern

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In einem kleinen Park hier in der Nähe wohnt ein Schwarm Nebelkrähen, und jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit laufe ich an ihren Wohn-Bäumen vorbei.

Meistens freilich sind sie auf dem Gras und dem Weg anzutreffen, wie sie krähige Dinge tun: sie graben nach Würmern, spielen mit Steinchen, holen sich Zweige und Gras fürs Heimwerkern – oder warten auch schonmal auf ein Fahrrad, das über die Kastanien fährt und ihnen so den Dosenöffner gibt. Dann sitzen sie neben dem Weg und fliegen nur ein wenig zur Seite, wenn das erwartete Rad vorbeikommt. Beobachtet habe ich sie dabei nicht, aber ich würde ihnen zutrauen daß sie die Kastanien vorher absichtlich auf den Weg legen: schlau genug dafür sind sie. Wenn jemand zu Fuß vorbeikommt, fliegen sie nur ganz weg, wenn es jemand unbekanntes ist. Mich erkennen sie inzwischen, ich laufe nur langweilig vorbei, da hupfen sie nur etwas zur Seite. Wenn ich guten Morgen sage, grüßen sie sogar zurück; es sind sehr höfliche Krähen.

Vor etwa zwei Wochen sind sie abgereist. Dahin, wo es wärmer ist, bis zum Frühjahr.

Mir fehlen sie fast ein Bißchen. Bis zum Frühjahr, Nebelkrähen!

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Eine Ecke weiter von der Krähenwohnung aus gesehen ist ein neuer Spielplatz gebaut worden. Ein richtig schöner Spielplatz, der Traum jedes Kindergartenkinds. Ende August war er fertig. Und was macht die Stadt, anstatt die Kindheit der Umgebung auf ihn loszulassen?

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Sie sperren ihn ab.

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Wahrscheinlich, damit das Gras schön ungestört durch Kinderfüße wachsen kann. So ein schöner Spielplatz, und dann darf kein Kind dort spielen. Liebe Stadt, es gibt sowas wie Rollrasen! Die armen Kinder hätten noch gute sechs Wochen (minus eine, damit der Rollrasen festwird) spielen können, aber nein, sie durften noch nicht. und inzwischen ist das Wetter zu schlecht – der Alptraum jedes Kindergartenkinds.

spiel3Auch für die Kinder heißt es also leider: bis zum Frühjahr. Aber im Gegensatz zu den Krähen können sie nicht bis dahin anderswo hinfliegen.

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Veröffentlicht am Oktober 16, 2016 in Bilder, Meteorologisches, Philosophisches, Smalltalk und mit , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 4 Kommentare.

  1. So ein Blödsinn, im Grunde genommen: in der Wirklichkeit wird dort überall Gras wachsen, wo nicht zu viel betreten wird, und dort tut es das auch nicht, wenn man es jetzt absperrt. Ordnungssinn und zwar in der übergangsform zum Blödsinn.

    Rollrasen braucht man auch nicht, man kann da einfach säen oder nur auf die Sukzession setzen und auf das natürliche Gleichgewicht zwischen Kinderfüßen und jähriger Rispe, die am meisten Tritt aushält, aber in Rasenmischungen nicht drin ist…

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    • P.S: Sage und schreibe gestern hat jemand die Flatterleine abgenommen. Liegts an der Winterzeit? Jetzt jedenfalls wird es gefühlt am frühen Nachmittag schon dunkel – auch nichts gutes für Spielplätze.

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  2. Ich wußte nicht, daß Rabenvögel ziehen. Hier in der Stadt werden ihre Stimmen im Winter prominenter; die Krähen sind meine Amseln des November.

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