Black Moon

mondWarum Irresein ‚lunacy‘ heißt? Es liegt am Mond, sagt das Onlinelexikon. Ich sage, es liegt an den neunundzwanzigeindrittel Tagen.

Neunundzwanzigeindrittel Tage, von Neumond zu Neumond: ein Mondmonat. Von angeheultem Vollmond zu angeheultem Vollmond auch. Was aber sonst ein Maß ist, das sympathischerweise nirgendwohin passt: neunundzwanzig ist schon Primzahl, dann noch das Drittel – für vier Wochen etwas zu lang, für einen Sonnenmonat etwas zu kurz. Zuweilen trotzdem zu lang, wenn Februar ist.

Einen Februar ohne Vollmond – das ist die eine mögliche Bedeutung – nennt das Englische ‚black moon‘. Moon, Monat, und black, dunkel. Was der Februar ja ganz unastronomisch sowieso ist, zuweilen hier in der relativen Nähe von Polarkreis und -nacht.

Logischerweise ist dann entweder im März oder im Januar zweimal Vollmond, der verschwindet ja nicht. Alle paar Jahre, wie zuletzt 2010 und demnächst wieder 2018, auch in beiden. Ein solcher ‚intercalary month‘ (das sagen die Astronomen zu diesem zweivollmondigen Januar oder März) hat dann einen ‚blue moon‘ (das sagen alle anderen). Und zwar ursprünglich – den ersten Vollmond: abgeleitet von belewe, trügerisch; ‚blue‘ heißt also: der erste Vollmond zählt nicht, der eigentliche, wahre und überhaupt für diesen Monat kommt noch. Später dann, als es blue geschrieben und belewe nicht mehr verstanden wurde, wurde der außerordentliche, zweite Vollmond zum blue moon. Und ‚once in a blue moon‘ hieß dann sel… garnicht mal so selten, besonders wenn gerade 2010 oder 2018 ist.

UntergangEs wird noch besser: daß der Vollmond nicht wirklich als Vollmond zählt, das passt zum Mond an sich. Je nachdem, wie abgehoben die Astronomen sind zählen die den Erdmond an sich auch nicht wirklich als Mond. Doch, wirklich. Weil er nicht die Erde umkreist (als Mond würde er das), sondern die Sonne. Oder elitär ausgedrückt, der Schwerkrafteinfluß der Sonne auf den Mond ist mehr als doppelt so groß wie der der Erde, der Mond hat ein ganzes Sechstel der Erdmasse; und von der Erde aus gesehen umkreisen Erde und Mond einen gemeinsamen Schwerpunkt. Der liegt zwar (knapp) im Erdinneren, aber weit entfernt vom Erdmittelpunkt. Wenn die Bahn des Erdmonds von der Sonne aus gesehen aufgezeichnet wird, ist das auch zu sehen; die sieht nicht viel anders aus als die Erdbahn. Für etwas wie Erde und Mond gibt es das charmante englische Wort ‚binary‘, oder das sehr deutsche ‚Doppelplanetensystem‘. Was die Deutschen jetzt zu Pluto und Charon sagen (auch binär), seitdem Pluto kein Planet mehr ist, möchte ich mir nicht vorstellen. Überhaupt sprechen die Astronomen, die das so sehen, sowieso Englisch. Aber ich schweife ab.

Planetenchaos

Kürbis5Zurück zum black moon. Die eine mögliche Bedeutung ist also ein Februar ohne Vollmond. Die andere: der zweite Neumond im selben Sonnenmonat. Analog zum vollen blue moon. Und diesen Oktober gibt es einen black moon von zweiterer Art. Am einunddreißigsten Oktober. Soviele mögliche Daten gibt es für eine wiederholte Mondphase garnicht, aber: black moon zu Halloween – die Esoteriker und die esoterischen Verschwörungstheoretiker (das waren die die eben im Hintergrund gekreischt haben) werden ausflippen, wenn sie das wissen!

icon_ghoul3Was wieder zur lunacy zurückführt, denn: das worüber da geflippt werden könnte ist ja ein rein rechnerisches Phänomen, weil Sonnen- und Mondkalender nicht ganz aufeinanderpassen. hexemagierEs gibt nicht einmal etwas Außergewöhnliiches zu sehen: ein Neumond ist nicht außergewöhnlich; und dunkel ist er außerdem.

Lunacy.

 

 

P.S: die Comicfiguren sind leider nicht von mir.

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Veröffentlicht am Oktober 22, 2016 in Astronomisches, Smalltalk und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 18 Kommentare.

  1. Gutartiges Geschwulst

    „Am einunddreißigsten Oktober. Soviele mögliche Daten gibt es für eine wiederholte Mondphase garnicht, aber: black moon zu Halloween – …“

    … da möchte man keinem Kürbis im Dunkeln begegnen!
    Für den Fall, dass es mir dennoch zustößt, bedanke ich mich vorsorglich für Deinen netten, informativen Artikel, liebe aurorula a.

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  2. Der Mond hat allerdings kein Sechstel der Erdmasse, sondern nur ein Achtzigstel. Die Schwerkraft indessen ist auf dem Mond nur ein Sechstel so hoch wie auf der Erde.

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    • Ähm? Pardon Noemix, aber wie könnte das sein? Die Schwerkraft, die von Masse ausgeht, nimmt mit zunehmender Masse ja nicht exponentiell zu (nur das würde die Sache mit dem Achtzigstel erklären).
      Ohne beim Wikipedische nachgelesen zu haben, womit ich dann zwar protzen könnte, aber nu!, man soll denken 🙂 und nicht immer die Lehrautorität vorschützen, schlage ich Ihnen Folgendes vor: Dass ein Achzigstel der Erdanziehung -> auf die Erde wirkt, und zwar vom Mond ausgehend auf die Erde wirkend (Gezeitenkraft). So herum.
      Richtig?

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    • Hmmm. Es folgt eine kleine Rechnung ….
      Also, Gravitation: Kraft ist Konstante (also egal) mal Produkt der Massen durch quadrierten Abstand. ( F=G*(m1*m2)/r² ).
      m2, das ich bin, als Spaziergänger auf der Erde und als Astronaut auf dem Mond. Die Monddiät hat noch keiner erfolgreich umgesetzt, meine Masse ist also in beiden Fällen dieselbe, ich gehe zur Konstante dazu.
      Somit bleibt übrig, daß ein Sechstel der Erdanziehungskraft gleich Konstantes mal Mondmasse durch Mondradiusquadrat.
      oder: 1*me / 6*re² = mm / rm², also me/re²=6mm/rm².
      Je nachdem wievielfach der Erdradius dem Mondradius entspricht kann das also sein mit dem Achtzigstel. 😳

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      • -?-
        Die Dichte der Erde ist etwa die selbe wie die des Mondes, nicht?, (eine Schublade voll Mond ist nur etwas leichter als eine Schublade mit Erde). Soweit zum Durchmesser Erde – Mond.
        Wenn Du also auf dem Mond stehst und ein Sechstel dessen wiegst, was Du in Timbuktu wiegst, kann der Mond nicht dieses Achzigstel der Erdmasse haben 🙂 , sondern er muss ein Sechstel der Erdmasse haben.
        Weil er ja dazu groß ist. So als Mond. Der ist ein großer Mond. Sieht man, wenn man von da draußen so ankommt.

        Oder lieg ich da wegen irgend Formel völlig panne?

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      • Okay, jetzt habe ich doch in der Wikipedischen gespickt, nach dem Mondradius.
        Durchmesser des Mondes: 3476km; durchmesser der Erde: 12756km.
        rm=1738km; re=6378km (ca. 3,7-fach);
        damit geht es weiter: me/(3,7*rm)²=6mm/rm², bzw. me/3,7²=6mm
        oder endlich das Ende ohne Ende: me=3,7²*6*mm=ca.82*mm

        Immer diese fehlenden Radien; ich baue keinen schwarzen Mond, sondern ein schwarzes Loch 😦

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        • … wenn ein schwarzmondiges Loch um die Erde kreiste, wär die Erde wahrscheinlich achtzigmal weg.

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        • Bestimmt. Wir von ihr auf alle Fälle. Ein so (verhältnismäßig) kleines schwarzes Loch von einer Mondmasse wäre (das müßte ich jetzt nachsehen) wahrscheinlich nicht stabil, sondern würde zerfallen. Zu Energie, sprich Strahlung.
          Nichts, das man in einer Lichtsekunde Abstand haben will…

          (Falls noemix protestieren will, daß ein Schwarzes Loch kein Staubsauger ist: bei einem ehemaligen Doppelsternsystem ist das etwas anderes, wenn nur einer von beiden zum schwarzen Loch wird; das ist größer, nämlich 😛 )

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        • Ja, es is gefährlisch im Wellderaum, fast so gefährlisch alls wie in Frankfu’t 🙂

          Gefällt 1 Person

  1. Pingback: Kurzgedanken die niemand braucht: Antarktika als neuer Nordpol | kleines Südlicht

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