Kurzgedanken, die niemand braucht: Prometheus und Pandora

Prometheus und Pandora sind nicht nur griechische Sagengestalten – dem einen verdanken wir sagenhafterweise das Feuer des Vorausdenkenkönnens, der anderen sagenhalber die Ansicht, Hoffnung sei eine Kranheit – sondern nach diesen beiden sind zwei der Monde des Saturns benannt. Die Bahnen der beiden Eisbrocken um den Saturn  stehen in Resonanz zueinander, was nicht ganz unbedeutend ist. Astronomischerseits heißt es nämlich, diese beiden Monde hätten durch ihre Gezeitenkräfte einen dritten zwischen sich zerrieben, weshalb der Saturn die hübschen Ringe hat, die in einem mittelguten Teleskop zu sehen sind. Anders als Pandora und Prometheus, die wurden erst 1980 entdeckt.

Man sah also sehr viel früher die Ringe als deren Ursache. Was natürlich Spekulationen nicht gerade abhalf, warum die denn da waren, die Ringe. Da die Saturnringe in einem schlechten Teleskop schonmal zwei… ziemlich eindeutig aussehen, kam es zu einem recht merkwürdigen Verbot des Vatikans (mehr dazu z.B. hier: https://heplev.wordpress.com/2016/12/31/sylvester-im-heiligen-land/ ), eine bestimmte Spekulation betreffend.

Nun, zu Zeiten von Prometheus und Pandora, den Sagengestalten diesmal, wurde jemand noch im ganzen als Sternbild an den Himmel gehoben, anstatt einzelner Körperteile – Erzähungen waren also schon im Mittelalter nicht mehr das, was sie mal waren. Dafür weiß ich jetzt, hinter welchem Mond (respektive welchen Monden) Leute leben, die alle Jahre wieder darüber spekulieren, warum denn Silvester genau eine Woche nach Weihnachten ist. Und daß sogar der Vatikan dieser Ansicht war, der mit hinterm Mond, to boot. (Mehr über Adams „Rippe“[/zitat] ein andermal, ja?)

Zumal die exakte Woche zwischen den Feiertagen eigentlich eher Zufall, respektive eine Version von vielen, ist, so oft und so viel wie der eine oder der andere Tag durch den Kalender gesprungen wurden.

Es ist ja am 4.Januar noch fast Neujahr, also das Neue Jahr zuerst: unabhängig von allen anderen Kalendern, die es außer dem gregorianischen noch gibt und gab, begann auch bei den Christen das Neue Jahr nicht immer zur gleichen Zeit. Wobei für die Kirche auch heute noch das Jahr am ersten Advent beginnt, vier Wochen vor Weihnachten, aber jetzt haue ich in Exkurse ab. Das Kalenderjahr, also, dessen Beginn die Römer kurz vor dem Christentum erst vom 1.März auf den 1.Januar verlegt hatten, begann bis sich Innozenz XII dem 1.Januar anschloss größtenteils am 6.Januar. Größtenteils, weil es woanders auch schonmal der 14. sein konnte (julianischer Kalender…). Oder zu Weihnachten. Oder zu Ostern. Oder am 1.September, falls man orthodox war und von Rom nichts wissen wollte. Der 22.September war erst später, nach der Französischen Revolution, aber genauso gemeint, natürlich. Oder am 25. März (so eine Schwangerschaft geht 9 Monate, auch bis Weihnachten).

Oder, oder, oder, aber mit dem letzten war ich schon wieder bei Weihnachten angelangt. Christi Geburt wurde erst relativ spät ein eigener Feiertag (vorher wurde das, falls überhaupt, zu Ostern mitgefeiert), und noch 221 hielt man wohl einen anderen Tag für den Geburtstag Jesu – den 14. Nissan, den Karfreitag (Geburt, Tod, zwei Feiertage zum Preis von einem! Bis zum gregorianischen Kalender war Ostern, zwei Tage später, am 16.Nissan, da lief das noch parallel). Oder den oben erwähnten 6.Januar (vor allem in Armenien). Später den 25. Mai. Oder März. Zwischen 331 und 380 wurde schließlich genau 9 Monate nach dem 25. März (der Frühjahrstagundnachtgleiche), also der 25.Dezember, der Geburtstag, statt dem 25.März selbst.

Und aus diesem ganzen Feiertags-Chaos wurde schließlich etwas, bei dem das neue Jahr eine Woche nach Christi Geburt anfängt. Was zumindest mir jedes neue Jahr als verspätetes Weihnachts-PS mindestens einen Artikel in meiner Mehlbox beschert, bei dem ich an die unsterblichen Worte eines Komikers denke, dessen Name mir leider entfallen ist: „Und ich habe mir als Mann mühsam abgewöhnt, auf Partys über Titten zu quatschen!

Letzteres nennt sich Zivilisation, und so schließt sich der Kreis zumindest zu Prometheus. 🙂

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Veröffentlicht am Januar 4, 2017 in Kein Smalltalk, Weltanschauung und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 8 Kommentare.

  1. 🙂

    Und wie feiert man auf dem, am oder im Saturn? Ist da jemand, und wenn ja, was isst er?

    Auf dem Saturnmond Prometheus feiert wahrscheinlich ein Russellscher Teekannenadler (mit Rüssel), dass es heut wieder frische Leber gibt. Eine kaukasische Spezialiät. Wobei noch immer nicht bekannt ist, nicht mit dickem oder dünnem Fernrohr, nicht auf dem oder unter dem Saturn, nicht auf oder jenseits der Pandora usf., ob es auf dem Mond Prometheus außerdem irgend kaukasisch zugehe.

    Jedoch das Zugehen ist ja schon mal was. Der dritte Mond, jener traurige, hinweg-zerriebene, hinfort-torsierte Ex-Mond hingegen hat nur das Aufgehen geschafft. Ach, im großen Ganzen aufzugehen – er hat es aber nur bis zum Aufgehen im Ringdasein geschafft.

    Immerhin der Pluto hat bislang nicht auf- oder zugehen müssen, aber er ist eingegangen. Ich glaube, es war am 17. Dezember 2006, war das ein Donnerstag?, als man astronomischerseits beschloss, dass der Pluto kein Planet sei.
    War er vorher einer?
    Und was hatte er den Astronomen denn angetan?
    Und könnte er wieder zum Planeten werden, wenn einer die Beschlussfähigheit des astronomischen Gremiums bestreitet, das dorten an jenem Donnerstag-?
    (Wenn es ein Donnerstag gewesen ist.)

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  2. Gutartiges Geschwulst

    Dein Artikel, liebe Aurorula, ist so interessant und umfangreich, dass ich ihn sicherlich archivieren und noch mehrmals lesen werde.
    Leider bin ich der geborene Kleinkrämer, weshalb mich zwei eher nebensächliche Textstellen stärker beschäftigen, als es ihnen tatsächlich zukommt.

    1. „… bis sich Innozenz XII dem 1.Januar anschloss …“

    Ist die Innozenz eines Papstes, die ich bisher für selbstverständlich hielt, in Wahrheit doch so ungewöhnlich, dass sie in mindestens XII Fällen namentlich erwähnt wurde?

    2. „… und noch 221 hielt man wohl einen anderen Tag für den Geburtstag Jesu – den 14. Nissan, den Karfreitag (Geburt, Tod, zwei Feiertage zum Preis von einem!“

    Bevor ein Anderer die Frage stellt: Gilt NISSAN als gesichert? Könnte es nicht ebenso TOYOTA gewesen sein?

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    • Hauptsache nicht der Achtzehnte Brumaire des Napoleon Bonaparte, denn als er über den schrub, hat Marx glattement den Akßong auf dem Napoléonischen vergessen und damit mal wieder alles eingenebelt (brumairisiert).

      Ja, der Innozenze waren zahlreiche, manchmal einer unschuldiger als der andere, dann anders herum. Gab es nicht dreizehn? Jedenfalls gab es bisher sechzehn Benedictigae, also Gutsagende, Tendenz wohl leider steigend. Und was geschah eigentlich am dreizehnten und am sechzehnten Brumaire?

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      • Aaach, mais non. Pardon!, der Gemarxte hat ja gar nicht. Er hat zwar sonst immer, aber diemal nicht, weil er natürlischement über den „achtzehnten Brumaire des Louis Bonaparte“ geschruben hat, also über den Staatstreich des aalglatten Louis-Napoléon (später Kaiser Napoléon III) von 1851.
        Damit könnte er sogar Recht gehabt haben.

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