Kurzgedanken die niemand braucht: Antarktika als neuer Nordpol

Seit gestern steht bei TiN ein Artikel über ein wirklich schlechtes Buch, das Verschwörungstheorien propagiert. Vor allem für einen scherzhaften Austausch von Verschwörungstheorien in den Kommentaren hat es (indirekt durch den Artikel drüber) gesorgt. An einer Stelle hatten Aristobulus, Zeta Ori, und ich darüber diskutiert, wohin denn mit dem Weltregierungssitz. Und falls nach Neuschwabenland, wie sich Klimawandel und tauende Antarktis darauf auswirken (hey, Strand! 🙂 ) – und schließlich meinte Ari, es gäbe bestimmt Pläne, die Antarktis an den Nordpol zu bringen, damit sie auf den Karten oben erscheint. Und die neue Weltregierung damit nach ganz oben kommt. Meine Antwort drauf ist so lang, die ist ein eigener Artikel:

Antarktika, der neue Nordpol:

Man müßte nur die Drehrichtung der Erde umkehren, schon ist der Südpol der neue geografische Nordpol (bei Pluto und Venus und Uranos funktioniert das ja schließlich auch). Gut, wenn man das mit derselben sideralen Rotationsperiode hinbekommt wie jetzt, nur in umgekehrter Richtung, ändert sich auch die Tageslänge, weil sich die Erde auch auf ihrer Bahn um die Sonne bewegt. Es wäre also ein Haufen Rechnerei falls es wieder 24 Stunden Tag werden sollen. Und unser Mond, das ist (strenggenommen) kein Mond, dazu ist er viel zu groß. Wir sind eher so eine Art Binärsystem weil der Mond so verhältnismäßig groß ist daß der Schwerkrafteinfluss der Sonne auf den Mond mehr als doppelt so groß ist wie der der Erde, er also de facto hauptsächlich im Jahr einmal um die Sonne kreist (und dabei mit der Erde um einen gemeinsamen Schwerpunkt – jetzt komme ich gleich schonwieder mit Pluto und Charon an, Nerds, halt). Wenn der Mond also, groß und schwer wie er ist, genauso weiter um den gemeinsamen Schwerpunkt mit der Erde (und eigentlich die Sonne) kreisen würde wie vorher, dann würde er die Erde durch Gezeitenkräfte in die vorherige Drehrichtung zurückziehen. Der Webcomicschreiber Xkcd hat das mal mit einer stillstehenden Erde durchgerechnet – da sieht man, warum 😈

Einfacher wäre wahrscheinlich, das eine der beiden Magnetfelder der Erde umzukehren. Dann zeigen wenigstens alle Kompasse nach Süden statt nach Norden. Ab und zu tut es das sowieso: mit einem rotierenden (schonwieder…) Eisenkern ist die Erde ein magnetischer Dipol (ja, Herr Maxwell, ich weiß, es gibt keine magnetischen Monopole), und die haben eben die Eigenschaft daß sich alle soundsolang im inneren des bestehenden Magnetfelds ein zweites aufbaut in der umgekehrten Richtung. Das wandert dann nach außen, und plötzlich, klapp, ist der magnetische Südpol der neue Nordpol. Altbewährt und speziell bei der Erde schon mehrfach passiert, vielleicht lässt sich das ja beschleunigen. Es hat auch den Riesenvorteil daß auf der Erde nicht viel passieren wird, denn der Sonnenwind, habe ich von alpha zentauri gelernt, kommt in der Zeit des Umklappens im Gegensatz zu dem was die Weltuntergangspropheten behaupten trotzdem nicht bis zum Erdboden, wegen des anderen, des atmosphärischen Magnetfelds. Was ironischerweise genau dadurch entsteht daß die Teilchen eben des Sonnenwinds je nach ihrer Ladung in der Atmosphäre unterschiedlich abgebremst werden. Durch diese Ladungstrennung fließt Strom, und der hat ein Magnetfeld (etwas kryptischer wieder formuliert von Herrn Maxwell). Schöner zu sehen als an der Erde ist das freilich an der Venus (schonwieder…), die sich so gut wie garnicht dreht, aber eine Atmosphäre die sich Sie schreibt und daher trotzdem ein Magnetfeld hat…

… Irgendwie habe ich gerade das Gefühl, daß ich die ganze Zeit versuche, die Erde qua Terra-deforming zu einer zweiten Venus zu machen: Drehrichtung, Magnetfeld; eigentlich fehlt nur noch der Treibhauseffekt. Aber den hatten wir schon ganz am Anfang als es darum ging das Antarktiseis abzutauen, um die Weltregierung nach Neuschwabenland zu verlegen und dort besseres Wetter zu haben. So ging die ganze Sache ja überhaupt erst los. Auch wenn sie dann bitte nicht so weit gehen sollte wie auf der Venus (wobei: das war ja wegen der fast fehlenden Drehung, schonwieder), sonst gibt es keine Welt mehr zu regieren.

Am besten wäre es wohl, einfach die Projektion der Karten zu ändern. Es gibt ja jetzt schon genug australische Weltkarten, die Süden oben und den Nullmeridian an den Rändern haben. Dann werden die einfach offiziell.

P.S. 1: @ Ari: was ist eigentlich aus der Idee geworden, gemeinsam Olivenbäume auf dem Mars zu pflanzen?

P.S. 2: Maxwells Gleichungen sagen übersetzt mehr oder weniger: Elektrischer Strom hat ein Magnetfeld, elektrische und magnetische Felder gibt es überhaupt nur zusammen, beide hängen voneinander ab und beeinflussen sich gegenseitig. Es gibt keine magnetischen Monopole, nur Dipole (mit Nord- und Südpol); aber einzelne elektrische Ladungen (Plus oder Minus). Elektromagnetische Felder ändern sich mit der Zeit wellenförmig. Und breiten sich als elektromagnetische Wellen aus. Licht ist eine elektromagnetische Welle.

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Veröffentlicht am April 16, 2017 in Astronomisches, Philosophisches, Smalltalk und mit , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 7 Kommentare.

  1. … also wenn sich dermaleinst das Magnetfeld der Erde umdrehen wird, dann wird mehr am Südpol und in der Antarktis sein 🙂 , nicht?, und das wird sicher ganz schön dann, weil jetzt da ja noch wenig ist.
    Weeenig.
    Also Nunataks und Sastrugi und eisige, eisigere und allereisigste Winde gibt's da, und es ist dorten so öde, dass Lovecraft da glattweg the mountains of madness und allerlei Nightgaunts und Tekeli-liiis gesehen hat, weil sonst und auch überhaupt da einfach nix is'!, aber wenn erst das Erdmagnetfeld usf., dann wird da mehr sein.
    Tjaaa-.
    Also immerhin hmmm mehr Kompassnadelziele werden da sein. So viele, wie es Kompasse gibt. Das ist doch was! Und es gibt global & generall eingentlich ganz schön viele Kompasse immer so.

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    • Es kommt darauf an, wie nahe man dem Pol kommt: grundsätzlich mehr Land auf der geografischen Nordhalbkugel als auf der Südhalbkugel ist da. Fünfhundert Meilen weg vom Polarkreis, wo ich hier im Norden herumsitzen kann, wäre ich auf der Südhalbkugel wahrscheinlich mit dem Schiff unterwegs, es sei denn ich hocke auf Neuseeland oder in Feuerland. *Globusanstarr*
      Direkt am Pol freilich ist im Süden Antarktika und im Norden das Nordpolarmeer – und das wollten wir ja qua Terra-de-forming abtauen. Dann müssen die Nightgaunts schwimmen, und die Pinguine machen Urlaub am norwegischen Strand. Außer den Galapagos-Pinguinen, die müssen nur ein halbes Grad weiterziehen.
      Deswegen steigt auch der Cocktailspiegel im Longdrinkglas nicht, wenn die Eiswürfel tauen (Sebstnotiz: mal anmalen und ausprobieren), wohl aber der Meeresspiegel wenn sich eine Eiszeit verabschiedet. Wer dem xkcd-Link gefolgt ist: das Bild von den sich hebenden Kontinenten nach der Eiszeit finde ich richtig witzig: sproing!! (hier: https://what-if.xkcd.com/26/ )
      Ich frage mich aber gerade, ob man die Pole denn überhaupt umbenennen würde – jetzt ist ja momentan der magnetische Südpol mit den ganzen Kompassnadelzielen (das Wort gefällt mir! 🙂 ) am geografischen Nordpol, und keine Sau interessierts.

      So gesehen wäre der Nordpol längst in Antarktika, und keine Sau interessierts.
      Außer den Nightgaunts, vielleicht.

      Gefällt 1 Person

      • … also ich war mal in Patagonien, und wirklich war da jede Menge Meer, also mehr Meer als in Polen. Obwohl es in Polen fast wie in Patagonien ist, manchmal.
        Hauptsache übrigens, dass man Polen nicht dreht, denn dann wäre Pordnolen plötzlich Püdsolen, und das wär doch antipolnisch.
        Zumal die Polen dann das Ganze wieder drehen müssten, wobei die Ostsee in die Karpathen schwappen täte, und der Ostseestrand läge dann plötzlich gen Tschechei.

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  2. Besser noch als australische Weltkarten sind astrale Weltkarten.

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