Blutvergießen, Blutkulte und der Blutrausch gegen die normative Kraft der Menschlichkeit (reblog)

Dieser Artikel von Robert Cohn über Kontrolle und Enthemmung der inhärenten Grausamkeit erschien zuerst im Januar 2014 auf Tapferimnirgendwo.

(Das Antiquariatsbild aus Heidelberg ist eine Randnotiz von mir, der teilweise passenden Titel wegen; nicht von Aristobulus oder TiN)

 

Blutvergießen, Blutkulte und der Blutrausch gegen die normative Kraft der Menschlichkeit

Ein Gastbeitrag von Robert Cohn

Im Judentum ebenso wie für alle anständigen Menschen geht es von Anfang an um den Kampf gegen Blutvergießen und gegen Grausamkeit, um den Kampf gegen Sklaverei und Unterdrückung, um den Kampf gegen Selbstgerechtigkeit und die Lust an der Selbstüberschätzung auf Kosten Anderer, gerade die eigene.
Als unser Stammvater Abraham Avinu seinen Sohn Jitzchok auf einem Altar opfern wollte, so wie er es bei den Anderen und deren Blutrausch gesehen hatte, fiel ihm ein Bote G“ttes in den Arm, um solche Gräuel ein für allemal zu verhindern. In dem Moment begann die Zivilisation. Worauf Abraham es voll begriff und sich selbst beschnitt, sich selber die Vorhaut abschnitt. Yep, dazu gehört Mut!, es war in der Urzeit, als es noch Helden gab, die etwas zum ersten Mal taten, die erste Beschneidung als Zeichen, dass für alle Zeiten Blut- und Menschenopfer abgeschafft gehören.
Dieses Zeichen tragen wir bis heute. Bis heute praktizieren die Juden die Beschneidung (Briss Miloh) als Erinnerung an Menschenopfer weltweit, und damit sie nie wieder geschehen mögen.

Obwohl sie weiter geschehen und geschehen.

Das Obwohl ist das zentrale Konzept des Judentums. Obwohl selbst Juden damit Probleme haben, halten wir uns daran. Obwohl alle Welt auf die Juden einprügelt und einteufelt, mal mehr, mal weniger, halten wir am Judentum fest. Obwohl alle Nachbarn Israels geschworen haben, diesen jüdischen Schandfleck von der Landkarte zu tilgen, gelten in Israel die Menschenrechte und Individualrecht unterschiedlos für alle Bürger, Nichtbürger, Antibürger und Gleichgültige. Obwohl alle Welt seit den Assyrern, Babyloniern, syrischen Hellenisten, Römern, Christen, Moslems und Nazis mal mehr, mal weniger tat, was sie konnte, um das Judentum vom Globus zu tilgen, haben Juden niemals die selben Maßstäbe angelegt.
Seit der Zeit des Abraham Avinu, seit drei- oder viertausend Jahren, ist jedem anständigen Menschen vorgeschrieben, das Leben Anderer zu achten.

Weil es anders nicht sein darf. Aus und Amejn.

Freilich gefällt es den Menschen von je her, Andere zu dominieren und zu verletzen. Machtausübung verschafft Lust, ganz einfach, und alle Lust will Ewigkeit. Jemanden zu quälen, zu drangsalieren und zu unterdrücken, verschafft dem Quäler die bleibende Illusion, mehr zu sein als der gequälte Mitmensch. Superiorität sei mit Lustgewinn verknüpft, und um mehr Lust und Oberwasser zu kriegen, müsse man sich nur an jemandem vergehen – das ist das Rezept von Herrschern, Vergewaltigern, Lustmördern, Warlords, Haustyrannen und Menschenopferern.
Dieses Rezept ist freilich banal, und jeder, der es so banal äußert, demaskiert sich in den Augen der Anderen. Darum macht man kollektive Glaubenssätze und heilige Schriften daraus, darum erfindet man Kulte, Partikularrechte, Symbole und allerlei Beschwörungen, um der banalen Lust am Banalbösen den Anstrich von Eigentlichkeit und Heiligkeit zu geben: Das Höhere und seine Heiligkeit als Vorwand, um das Übelste auszuleben, um sich größer zu fühlen und sich hineinzusteigern.
Anstatt einfach Schluss damit zu machen und seine Befriedigung anders zu suchen, etwa in der Durchsetzung von Dingen der Zivilisation und Menschlichkeit, hat man es jedoch immer verstanden, die alte Grausamkeit wieder zu integrieren – sei es real als Metzelei an ausgewählten Tagen, sei es symbolisch. Wohl, um sie zu bannen?
Etwa der Gral. Das ist ein heiliger Kelch mit Blut drin. Das ganze christliche Abendland und das ganze christliche Morgenland glaubte während vieler Jahrhunderte inbrünstig an den Gral. Damit eng verbunden sind Erlösung, Opfer, ja Liebe. In der Gemeinschaft trinkt man bis heute aus diesem Gral. Es befindet sich BLUT darin, die Assoziation zur Blutrache, Blutmystik, Blutopfer, Bluttat, Blutrausch, Blutschwur usf. liegt ganz nahe.

Das war doch abgeschafft.

Aber in jeder Kirche steht bis heute ein Gral und wartet auf Füllung.
Wie konnte es wieder so weit kommen?
Als das Judentum zum zweiten Mal begann, nun auf dem Berg Sinai, wurde das Trinken von Blut *schauder* absolut verboten. So bald sich die Christen gegen Ende des ersten Jahrhunderts weit genug vom Judentum abgespalten hatten, wurde der Blutkult des alten Orients jedoch wieder eingeführt, blutiger und bestimmender denn je, auf immer und alltäglich verknüpft mit Jesu Leiden und Tod und Blut allüberall. Blut und das Heil. Blut und Erlösung, Erlösung durch Menschenopfer und Blut.

Was soll diese Sache mit dem Blut?

Die war doch abgeschafft, nein?.
Limpieza de sangre”, Blutreinheit, forderte die spanische Inquisition in totalitärer Prägung, und ermordete wegen der Reinheit und des Blutes tausende Juden und Araber.
Unter faschistischen Fantasien bis ins zwanzigste Jahrhundert wurden Blutorden, Blutmärsche und Blutpakte gestiftet und gefeiert, in Deutschland, Griechenland, Italien, Spanien, überall da, wo sich sympathisierende Gruppen fanden. Bluuuut.
Auch die Flagge der Kommunisten überall ist blutrot, so wie die Taten Stalins, Maos und Pol Pots.
Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!“ (Mt 27,25), so ließ die Rollenprosa des Evangelisten Matthäus die jüdische Menge ausrufen, als Jesu Blut vergossen werden sollte. Blut und Juden gemeinsam assoziiert, gemeint als Verfluchung der Juden als Gottesmörder wegen Blutes über alle Generationen. Indem eine Geschichte über Blut so erhitzt, herausgeschrieen und erhöht wurde, damit sie als Aufruf zum Massenmord gelte. Heiliger Blutrausch rief wieder realen Blutrausch hervor.
Die Täter der Schoah waren fast alle christlich getauft und sozialisiert. Im NS-Kampflied Ihr Sturmsoldaten jung und alt wurde als Refrain gesungen: „Wenn das Judenblut vom Messer spritzt, gehts uns gleich nochmal so gut“. Der Einzelne ging im erhitzten Kollektiv auf, sang so, fantasierte so und tat es so.

Blut.

Dieses reale Theaterblut aus der Hölle wurde gleichzeitig angebetet und tief verachtet. Das Eine schlug ins Andere um (Enantiodromie) und blieb sich gleich – wegen Rausch und Anstachelung, und weil das Rezept zum sich Großfühlen so einfach funktioniert. Wie das prickelte an kühlen Abenden immer vor Ostern, als man sich diese christlichen Pogromlegenden erzählte, dass die Juden Kinderblut in ihre Matzes gössen. Dort, wo der Islam herrscht, erzählt man sich diese Geschichten auch anno 2014 mit um so mehr erhöhter Stimmung und Genuss. Das gehört da zur Folklore, zu politischen Reden, ja zur islamischen Unterweisung, mit feierlichem Hass vorgetragen von Imamen und Mullahs. Es gibt arabische Filme und Fernsehserien über die rituelle Schlachtung moslemischer Kinder durch Juden, blutig und familiengerecht gedreht.
Während in Gegenden, wo der Islam herrscht, Christen blutig vertrieben und dezimiert werden.
Derlei exotisch-Alltägliches aus fernen Ländern steht freilich kaum oder niemals in der ZEIT, der Süddeutschen, dem SPIEGEL. Obwohl in deutschen Koranschulen und Moscheen derlei auf dem Lehrplan steht, und obwohl hiesige Moslems gern türkische und arabische Fernsehsender sehen.
Während in Kirchen jeden Tag bei der Messe Wein in Blut verwandelt wird. Real verwandelt, sagen die Katholiken und läuten eine Glocke, wenn’s fertig ist, symbolisch verwandelt, sagen die Protestanten, und beide Konfessionen meinen, machen, verwandeln und zeigen jedoch Trotz fremder Anverwandlung MENSCHENBLUT und trinken es, mal physisch, mal symbolisch, aber immer BLUT.

Das klingt polemisch. Sieht aber nach Blut aus.

Immerhin haben sie real damit aufgehört.
Über fast zweitausend Jahre war das anders. Als die Kreuzritter im Jahr 1099 Jerusalem eroberten, schrieben die Chronisten ganz ohne Anflüge von Schuld oder gar Mitgefühl, dass die Pferde der Ritter bis hoch zu den Beinen im Blut gewatet hätten. Alle wurden niedergemacht, ob Jude, Moslem oder Christ. So sah die christliche Welt aus. Die moslemische auch. Beim Eroberungszug des Islams im siebten Jahrhundert wateten die Eroberer durchs Gemetzel. Und in Konstantinopel 1452 und auf dem Balkan in der frühen Neuzeit. Dichtergeistliche priesen die Massaker in Hymnen an Allah.
So haben sich Juden nie verhalten…
Die Christen haben damit immerhin real aufgehört, seitdem es die Aufklärung gibt. Trotz allerlei mehr irrealer, überlebender Gralsmystik.
Der Islam hat damit nie aufgehört – im Gegenteil, er fängt verstärkt wieder an mit dem Blut und dem Rausch.
Blut der arabischen Selbstmordanschläge, wo das reale Blut meterweit spritzt. 2004 wurde in einer arabischen Universität in der Westbank eine Kunstausstellung aufgebaut, ein Raum wurde blutrot angestrichen, darin lagen Teile von Menschen, das Ganze hieß Blutopfer oder Heldentod oder Kilistin-Forever oder Der Palästinensische Gottesstaat, ich weiß es nicht mehr…

Wann lässt man das sein?

P.S.
Nebbich. Vielleicht muss ja etwas gebannt, symbolisiert und sublimiert werden, damit es nicht übermächtig wird und bis in die Realität wächst. Die Leute scheinen so ein Bedürfnis nach Blut und heiliger Überhöhung von Gräueln zu haben.
Geht’s denn nicht mit Tomatensaft, wenn’s schon rot und salzig sein muss?
Tomaten könnt’ man als heilig erklären, sie sind rund wie wohl der Kosmos und rot wie das Feuer, schmecken gut, haben Vitamine und schaden keinem. Vor Allem sind sie nicht menschlich.
Ein für genuin tomatig und saftig deklariertes Tomatenheiliges schadet ja keinem! Zumal grad Tomaten in Arabien gut wachsen.
Was tat jedoch die Hamas, als die Israelis 2005 aus Gaza abzogen: Sie vernichtete als Erstes die Gewächshäuser, weil sie lieber Raketen baut oder einschmuggelt, mit denen Juden aus Gründen des Menschenopferkults zu blutigen Massen verwandelt werden sollen.
Es wird mal wieder nichts mit Tomaten.

Warum immer diese mörderisch ernsten, von Tod, Lust, usurpierter und illusorischer Allmacht und Mord durchdrungenen BLUTkulte wie zu Zeiten der Neanderthaler, als man zum Frühstück Menschen totschlug und auffraß?

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Veröffentlicht am September 21, 2017 in Fremde Feder, Kein Smalltalk, Robert Cohn, Weltanschauung und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 11 Kommentare.

  1. Bluuuut.

    (Schankedön für’s Rübernehmen des Artikels! Ich hatte den schon zu sieben Achteln vergessen, mindestens. Trotzdem stimmt er.)

    Gefällt 1 Person

  2. Vielen Dank, Ari, für diesen wertvollen Beitrag! Langsam begreife ich, warum ich lieber Weißwein trinke.
    Grüße
    G. G.

    Gefällt 2 Personen

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