That was the Schneechaos, that wasn’t

Gestern gab es hier ein Bissele Schneeregen, der es zum Schnee aber leider nicht ganz geschafft hat: die homöopathische Menge Griesel, die nicht in der Luft schon geschmolzen ist, tat das dann sofort am Boden. Da denke ich, ich bekomme hier in Norddeutschland endlich mal ein ganz kleines Bißchen Schnee zu sehen – und dann wars angetäuscht und nix dahinter 😦

Worüber ich mich auch beschwert habe.

Als Hund liebt man einfach das im-Schnee-buddeln. Das Langlaufski-mitlaufen auch.

Nu, und dabei habe ich festgestellt daß das, was ich von da wo meine Eltern zuhause sind (in den Alpen auf 800m Höhe) als „ein ganz kleines Bißchen Schnee“ kenne (gerade so, daß vielleicht eine Handbreit liegenbleibt, eben was man jeden anderen Morgen vom Auto fegt und für einen Schneemann noch nicht wirklich reicht) – daß das in Norddeutschland eine veritable Schneekatastrophe wäre. Weltuntergang. Apokalypse. Apokalyptischer Weltuntergang!
Häh? Eine ganze Menge Leute überlegen (wenn das das erste Mal im Jahr ist) in Bayern in dem Fall ernsthaft, ob sie sich nicht mit Sommerreifen erwischen lassen sollen, bevor sie doch die UBahn nehmen, und ob sie die Reifen abends gleich umstecken oder dieses Jahr noch zu faul sind.
Aber nicht in Norddeutschland. Für die Leute hier ist die Aussicht auf eine wutzelige Handbreit Schnee schlimmer als es für die Nachbarn meiner Eltern das eine Jahr war, als der Schnee bis fast zum ersten Stock ging und sogar der Hund nicht mehr drin spielen wollte.

Letztes Jahr gab es in Jerusalem und Kairo mehr Schnee als in Hamburg, Kiel und Hannover. Am Mittelmeer (was so alle fünfzig Jahr mal der Fall ist) hat es mehr geschneit als hier – und immer noch beschwerten sich Leute hier über den „vielen“ Schnee.

Neujahrsfeuerwerk auf der Straße

Während die Leute in Israel und Ägypten sehr viel Spaß im Schnee hatten und die Leute in den Alpen im Jahr mit 2,30m Schnee fast bis ins Flachland (oben in den Bergen sind mehr als vier Meter so und so keine Seltenheit, da kommt es auf das Bißchen mehr auch nicht mehr an) schulterzuckend geschippt und die Schneeketten auch zuhause aufgezogen haben, und nicht nur beim Ausflug in die Berge.
Übrigens: Schneeketten. Die sind nichts mythologisches, das nur Initiierte verstehen, und nur mit Questen in geheime Winkel zu finden ist, sondern ein mehr oder weniger normaler Gebrauchsgegenstand, den man schnell auf dem Parkplatz mal draufzieht. Aber wenn ich hier erzählen würde, daß ich weiß wie Schneeketten funktionieren, würden die denen ich das erzähle wahrscheinlich noch größere Augen machen als bei meiner Vorstellung von einem „Bißchen Schnee“.

Weil mein Vater Autoschlosser ist, kann ich am Auto übrigens auch Reifen wechseln – war als ich hier in Hamburg noch ein Auto hatte aber faul genug um die Werkstadt das machen zu lassen (außerdem wollten die die anderen Reifen sonst nicht einlagern).
In Bayern freilich hat es jedes Jahr auf der ersten Fahrt nachdem ich meine Reifen gewechselt hatte zuverlässig geschneit. Meistens nur ein Bißchen, aber immerhin.

Das hätte ich hier vielleicht auch machen sollen.

.

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Veröffentlicht am Dezember 9, 2017 in Kulturelles, Meteorologisches, Rätselhaftes, Smalltalk und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 11 Kommentare.

  1. … ach ach, also es kann auch außerhalb der Gealpten vertitabel arktisch schneien in Nord- und Ostseenähe, aber so richtig volle und noch viel vollere Kanne.

    Einst, als ich in Cuxhaven weilte, herrschten dorten 25 Grad Minus, sodass mir auf dem Fahrrade der Atem im Barte festfror, Eisklotz im Gesicht nach zehn Minuten, auch nett. Und auf einer Strecke hinter Schwerin durchs Moor (man sagt dort dazu Moä‘), auf welcher ich gleichfalls mit dem Fahrrade zwei Winter zubrachte (25 km durchs Moor jeden zweiten Tag zwei Sommer und zwei Winter lang), war es im ersten Winter sehr und im zweiten Winter gar äußerst eisig, so zehn Grad Minus, es herrschten nicht weg noch Steg, man musste über Gletscher fahren.

    Seitdem glaube ich fest an den baldigen Eisestod der Menwschheit 😀 , und nein, Klimaerwärmung KANN es nicht geben, also nicht in diesem Universum!, sowas gibt es nicht, denn es wird ja kälter.
    Wer was Anderes behauptet, mag vielleicht seine überheizte Bude kennen, aber der war ja nie draußen hinter Schwerin wirklich zwei Winter lang durch und durch ohne Pause. Aaah.

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    • Oh ja. Die Legendäre Schneekatastrophe.

      Ich kam von Göttingen, wo ich die Uni besehen hatte, mit dem Zug nach Bremen, und es schneite. Die Rede ging, es werde ab Oldenburg keinen Bus mehr geben können, weil der Straßenverkehr nicht mehr… Bei Freunden bei Bremen lieh ich Ski, Schuh und Stöcke aus und dachte, Nu ja, 24 km, das geht doch gut.

      Die Bahn fuhr noch, nach Oldenburg. Der Bus daselbst jedoch… Nein. 23 Uhr.

      Also die Ski. In der Stadt ging es gut, wehte jedoch ein Wind und Frost gab es auch, so 9 Stärken und 10 Grad, fallend. Eis in Bart und Haar. Außerhalb der Stadt sehr viel deutlicher werdend. Schnee häufend, und Landmarken verwischend. Ganz wüst wurde es dann hinter Wardenburg: Wind genau von der Seite und die Wehen quer. 2 Meter hoch, 3 Meter hoch, 3 Meter 50, ich kam mit dem Langlaufstock nicht oben dran. Und immer hoch, und der Schnee auch noch nicht immer fest und zwischen den Wehen 50, 60, 70 cm Neuschnee. Kein Weg zu erkennen und keine Straße, immer nur weiter rauf und wieder runter und die nächste. Um kurz nach 6 kam ich zuhause an, und es war schmerzhaft mühsam, die Füße noch so hoch zu heben, dass ich die Treppe schaffte. Bett und Schlaf.

      Andern Nachmittag, aber ein Tag später, dann dem Hinterrad des Fahrades eine Schneekette aus Strohband geknotet und es bis zur Garreler Straße geschleppt. Dort war eine Schneefräse durchgefahren, durch den hüfthoch liegenden Schnee, und ich fuhr nach Cloppenburg. Streckenweise war fast alles wieder zugeweht, und wenn Autos oder Trecker kamen, musste ich aus der Spur.

      Entschlage Dich also des Hochmutes, wenn ihm danach ist, kann es hier schneien. Glaub das denen, die es wissen müssen.

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