A Weng s’Kalender, Tür 24

… sozusagen ein paar Extratürchen: als ich diesen Kalender in einem anderen Forum geschrieben habe, hatte ich immer garkeine 24ste Tür, sondern dann immer nur Frohe Weihnachten gewünscht. Ein paar Texte habe ich aber noch, also warum auch nicht 🙂

Extratür 1: Stefan Albus, Das Lichterkettenmassaker

[…]Gut: ich kannte drei Typen von Rettungssanitätern: den lethargischen, dem alles egal war, solange er nur eine Flasche Wodka in Greifweite hatte, den Überdrehten, der über Details seiner Arbeit quasselte, bis er grün wurde wie Schalke-Rasen. Und Typen, die geradezu unheimlich normal waren, weil Spritzen, Defibrillator und Totenscheine für sie so waren wie Messer und Gabel. Arno gehörte zu den überdrehten. Zu den überdrehtesten.
„Echt jetzt“, sagte er, die Zunge schon etwas schwer, „die hatten uns gerufen, weil sich da ein Typ erhängt hatte. An der Hausfassade gegenüber. Wir also hin. Schon beim ranfahren merk ich: Och neee, nich schon wieder!“ Er nahm einen Schluck aus einem Glas, das er irgendwo hergezaubert hatte. „Der Typ steckte in einem Nikolaus-Kostüm. Und war garkein Typ, sondern Weihnachtsdeko, verstehsse?“ Arno keuchte vor lachen, als hätte er mir den Witz seines Lebens erzählt. Dabei waren er und seine Kollegen lediglich auf einen dieser Nylon-Weihnachtsmänner hereingefallen, die sich jahr für Jahr immer mehr Menschen an die Fassade hängen – im Internet schon für wenige Euro zu haben, sahen sie in den ersten zwei Stunden nach ihrer Installation tatsächlich so aus, als würden sie die Fassade hochkraxeln. Unter völliger Missachtung sämtlicher Traditionen übrigens, die bekanntlich verlangen, daß der gute Weihnachtsmann sich irgendwie von seinem Rentierschlitten herablässt und durch den Schornstein ins Haus rutscht.
Nun kann man sich vorstellen, daß es in deutschen Wohnungen nicht genug Schornsteine gibt, um alle zu bescherenden auf diesem Wege zu erreichen, aber warum nimmt der heilige Mann dann nicht die Tür, anstatt die Fassade hochzustürmen wie Reinhold Messner die Eiger-Nordwand? Die Welt fand schon im Advent des Jahres 2000 eine mögliche Antwort: Vielleicht, so mutmaßte das Blatt im Angesicht der ersten gesichteten Kletter-Kläuse, müssten sie sich schlicht und einfach deshalb die Hauswand hinaufhangeln, weil Kinder heutzutage keine fremden Leute mehr hereinlassen dürfen. Egal: in aller Regel genügte ein Windstoß – und die fassadenkletternden Präsentebringer sahen aus wie Diebe, die auf frischer Tat ertappt und vom Hausbesitzer mit einer Pumpgun niedergestreckt worden waren. Oder sich beim Abstieg mit einem Sack voller Beute versehentlich an ihrem eigenen Seil erhängt hatten. Besonders schräg wirkte das morbide Arrangement, wenn der Hausherr seinen toten Nikolaus an einer Lichterkette baumeln ließ. „Echt, das wird jedes Jahr schlimmer!“, sagte Arno und winkte ab. Da musste ich ihm recht geben: Inzwischen gab es ganze Straßenzüge voller Nikolaus-„Leichen“, die wie die Opfer eines traurigen Lichterketten-Massakers im Wind schaukelten und allmählich ausblichen und mumifizierten, bis ihre sterblichen Hüllen zu Mariä Lichtmess irgendwann entsorgt wurden. Sogar an einer kölner Rheinbrücke soll ein gehenkter Nylon-Weihnachtsmann bis in den Januar hinein kleine Kinder erschreckt haben.
[…]
„Was habt Ihr eigentlich mit diesem Ding gemacht?“, fragte ich. Es war spät geworden und der große Teil der Belegschaft längst abgezogen, nur an der Bar standen noch ein paar Leute, die sich unter zuhilfenahme kleiner Likörfläschchen abteilungsübergreifend verbrüdert hatten und inzwischen Geschenketips austauschten. Aus der Stereoanlage plätscherte Last Christmas. Auch Arno hielt sich ein paar Minuten am Tresen fest. „Ach“, sagte er. Ich hatte bis dahin nicht gewusst, daß man dieses Wort lallen kann und erwartete irgendwas in Richtung „Anzeige erstattet, Anfahrt in Rechnung gestellt, ist doch klar.“ Aber Arno sah nur haarscharf an mir vorbei und meinte: „Ach weisse … für sowas haben wir immer einen Sack Schokonikoläuse dabei und manchmal kleine Feuerwehr-Modellautos. Die stecken wir dem in die Taschen, hängen ihn wieder ordentlich hin und gut, verstehsse … weisse, wir sind ja froh, wenn mal nichts is.“ Er strich sich über die gegelten Haare und schielte in Richtung seines leeren Glases. „Gerade im Advent … Du glaubst nicht, was wir da alles…“ Arno sah auf einmal müde aus, als wäre er ungefähr seit dem Urknall auf den Beinen. Ich betrachtete eine Weile die Kellnerin, die versuchte, die arg zerwühlte Weihnachtsdeko auf dem Tisch für die nächste Belegschafts-Rutsche halbwegs wieder in Ordnung zu bringen. Holte noch zwei Pils, die Arno und ich schweigend runterstürzten. Dann rief ich ein Taxi und brachte ihn nach hause. Auf dem Weg kam uns ein Rettungswagen entgegen. „Ulli und Franjo“, sagte Arno und hob einen Arm. Ich drückte beiden die Daumen ganz fest.

… und dann auch eine Art Lichterkettenmassaker, aus dem Tagebuch des täglichen Wahnsinns, Lichterhelle Weihnachtszeit (leider ist der Autor auf dem Weg zu der Stelle von der ich das habe durch vielviel Copypaste verlorengegangen, den reiche ich nach):

1.Advent: Besinnlich und friedlich soll sie werden, die Vorweihachtszeit. Habe das auch meinem Nachbarn erläutert, der mir darin voll zustimmt. Die kalte Witterung läßt die Gedanken klarer hervortreten, der Alltag mit seinen dummen Streitereien tritt zurück, und macht wirklich wichtigem Platz. Mein Nachbar hat mir erzählt, daß er in diesem Jahr seine Tanne im Garten mit hübschen Lichtern schmücken will. Wegen der Stimmung. Finde das toll.

5. Dezember: Seit gestern hat mein Nachbar einen Tannenbaum illuminiert. Kleine Lämpchen, circa 20 Stück, weiß. Sieht hübsch aus, sagt die ganze Nachbarschaft. Habe beschlossen, solidarisch an der weihnachtlichen Ausschmückung der Nachbarschaft mitzuwirken, und mich darum im Baumarkt nach kleinen Lämpchen umgesehen. Natürlich sollten es nicht zu wenige sein, wegen der Wirkung. Erstand kurzentschlossen eine 50-Lichter-Kette mit extrastarken Lämpchen, brilliantweiß. Werde sie gleich heute Abend montieren.

7. Dezember: Komische Sache. Mein Nachbar scheint meinen Wunsch zur gutnachbarlichen Zusammenarbeit zwecks Verschönerung der Straße mißverstanden zu haben. Heute Morgen waren bei ihm sämtliche Tannenbäume, zwei Kirschbäume und eine Platane mit Lichterketten versehen. Eine flüchtige Zählung mit dem Feldstecher ergab im Durchschnitt circa 80 Lämpchen je Baum. Soll das etwa ein Wettkampf werden? Ist doch erwachsener Menschen unwürdig!

11. Dezember: Kam heute Mittag zufällig am Baumarkt vorbei. Wusste gar nicht, daß man bei Abnahme von 15 Lichterketten a 150 Leuchteinheiten Sonderrabatte erhält. Besonders effektvoll sollen blinkende Ketten sein, vorzugsweise die 250er-Einheiten mit Hochspannungssicherheitstransformator und induktivem Schalter. Will das ganze aber nicht übertreiben, habe daher für die große Tanne lediglich zwei davon gekauft. Komme unter Einsatz von zwei Gummibäumen auf jetzt 14 illuminierte Gewächse. Ein Hauch des Friedens geht von meinem Garten aus.

13. Dezember: Eine Kampfansage! Mein verschwendungssüchtiger Nachbar hat den kompletten Zaun mit Leuchtkörpern behängt. Circa 1000 rhythmisch blinkende Lampen in den geschmacklosesten Farben. Was für eine proletarisch-billige Form der Weihnachtsbeleuchtung! Das bestätigte mir auch mein Elektriker, der an unserer Fassade Leuchtsterne und biblische Motive angebracht hat und meinte: „Wenn schon Beleuchtung, dann aber mit leuchtstarken Halogenstrahlern wie diesen hier!“

16. Dezember: Die rhythmisch blinkenden Figuren an sämtlichen Fenstern des Nachbarn verursachen mir seit Tagen schlimme Kopfschmerzen, die auch bei Betrachtung meiner neu angebrachten 5000-Watt-Lichtbogen-Himmelsstrahler nur unwesentlich besser werden. Sie werfen rhythmisch zuckende Lichtfinger in den wolkenverhangenen Himmel und geben einen interessanten Kontrast zu den lasergesteuerten Beamern, die auf die Wolken grell leuchtende Bilder mit Szenen aus der Weihnachtsgeschichte malen. Dagegen sind die neu installierten Lauflichter an den Fassandenkanten des Hauses meines intriganten Nachbarngeradezu lächerlich.

19. Dezember: Hatte heute Besuch eines Technikers der städtischen Stromwerke, der den enormen Anstieg meines Stromverbrauchs für einen Defekt im Leitungssystem hielt. Unsere Unterhaltung wurde stark gestört durch das elektrische Glockenspiel auf dem Nachbargrundstück, das mit 38 Kupferglocken die bekanntesten 40 Weihnachtslieder erklingen lässt. Der Techniker empfahl mir, einen 20KV-Industrietrafo einbauen zu lassen und im Abrechnungssystem auf eine Gewerbeabrechnung für mittelgroße Betriebe umzusteigen, wegen der günstigeren Grundgebühren. Beim weggehen meinte er kopfschüttelnd, ob ich nicht etwas gegen dieses Glockengeläut unternehmen wolle. Zeigte ihm meine neuen 2000-Watt-Außenleutsprecher mit Ultra-Subwoofern und die zugehörige Abspielstation für die CD mit dem Lied „Stille Nacht“. Gehe heute Abend auf Sendung.

20. Dezember: Habe einen weiteren Beamer installiert, der auf das Garagentor die Neuverfilmung der Geschichte Christi projiziert. In Reserve halte ich noch eine Kopie des Films „Die zehn Gebote“. Da kann mein geschmackloser Nachbar mit seinen Außenlautsprechern und dem Hörspiel der Weihnachtsgeschichte natürlich einpacken, zumal der Schneewerfer auf meinem Dach durch die eerzeugten Schneemengen alle Geräusche stark zu dämpfen pflegt. Mehrere strategisch angebrachte Heizstrahler halten meine beleuchteten Gartenbäume schneefrei.

22. Dezember: Die Menschenmassen in unserer Straße nehmen langsam unübersehbare Ausmaße an. Dabei kann ich voller Stolz feststellen, daß das ausblasen von feinen Silbersternen vor dem Haus die allgemeine Bewunderung auf diese Seite der Straße konzentriert. Da kann auch das Rentiergespann meines Nachbarn nichts dran ändern. Zumindest seit ich einen Stand für Gebäck und Getränke eingerichtet habe.

24. Dezember: Etwas merkwürdiges ist passiert. Die Stadtverwaltung hat alle weihnachtlichen Zurschaustellungen in meiner Straße verboten, mit dem völlig irrelevanten Argument, hier werde ein nicht genehmigter Weihnachtsmarkt abgehalten. Bin fassungslos. Und das an Weihnachten, dem Fest des Friedens und der Besinnung!

… ursprünglich hatte ich für den 23sten Dezember immer einen saisonal kulturmarxistischen Text ausgesucht (und mich zwischen den Zeilen drüber lustig gemacht), hier also der saisonal kulturmarxistische Text, mit dem festen Versprechen daß der angekündigte Text von mir über saisonalen Kulturmarxismus auch ganz sicher noch irgendwann nach den Feiertagen kommt. Gegenbild, von Günther Kunert (weia, das hört sich schon so an, nach Instrumentalisierung der Freude anderer für eigene Zwecke durch Erpressung mit einem schlechten Gewissen das sie nicht zu haben brauchen, oder…?):

… und sie gebar ihren ersten Sohn, wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe im Stall.‘ Doch noch ehe die Hirten erschienen, aber regte sich das Kind nicht mehr.
Und die Verkündigung?
Aus der Verzweiflung über den Tod des Neugeborenen entstand bald Zweifel, ob da überhaupt so etwas wie eine Zusage, etwas wie eine göttliche Absicht vorgelegen und nicht alles Einbildung gewesen sei. Wer war man schon, um die Vorraussetzung für die undurchschaubaren Pläne übermenschlicher Mächte zu bieten.
Und während der Zimmermann und seine Frau den kleinen Leichnam hinter dem Stall begruben, trösteten sie sich damit, daß ihnen wer weiß was erspart geblieben sei. In den schlimmen Zeiten nach dem gescheiterten Aufstand, nach dem verlorenen Krieg gegen die Besatzungsmacht war die Zukunft ohnehin unsicher und düster genug. Wer jetzt zu einem großen Schicksal ausersehen schien, war von vornherein zum Tode verurteilt. Vielleicht hatten die Römer recht, wenn sie sagten: ‚Pulvis et umbra sumus.‘ Staub und Schatten sind wir.
So verließen sie Bethlehem und zogen nach Nazareth zurück, gemächlich und eher beruhigt, daß sich keines der Versprechen erfüllt hatte und sie, kleine Leute, nicht gezwungen waren, sich gegen den Lauf der Welt stellen zu müssen. Dann sollte lieber alles so weitergehen wie bisher, wie eh und je, und man selbst existierte besser als kurzfristig belebter Staub und Schatten dahin.
Schließlich blieb einem das Heil, kein Heil mehr zu erwarten.

… und bevor ich jetzt anfange drüber zu schreiben was mich an diesem Text so alles stört und den anderen Text gleich hier und jetzt einfüge, lieber noch ein schönes kleines Video von Elefant Studios von einem Nieser, einem Tannenbaum und einem kerzenanzündenden Elefanten:

Euch allen schöne Feiertage und frohe Weihnachten!

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Veröffentlicht am Dezember 24, 2017 in Kulturelles, Smalltalk und mit , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 19 Kommentare.

  1. Dieser Kunert war offenbar nicht intelligent genug, um ein Damenstrumpf zu bleiben. Egal!
    Frohe Weihnacht, kleines Südlicht, und herzliche Grüße an alle Aris, Clas Lehmans und Hessenhenker (die demnächst arbeitslos werden).
    Euer
    Gutartiges Geschwulst

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    • … immerhin hat Kunert in der DDR gegen Biermanns Ausbürgerung (1976) protestiert. Hm, wenn der das gemacht hat (hat der), dann darf der sogar jetzt noch Kommunist sein (wenn er denn?, habe keine Ahnung), sag ich mal.
      Was er außerdem und sonst so gesagt hat?, keine Ahnung 🙂 . Er hat wohl furchtbar viel gesagt (die Bücherliste ist uferlos).

      Gutt Weihnacht‘ Dir.

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      • Dürfte er; aber muss man alles, was man darf? (Wenn er denn, was ich auch nicht weiß.) Frohes Fest! Auch, ohne es zu feiern, kann man ja mal froh sein…

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      • Noch mal was anderes, an den Hamburger und Historiker:

        Poolstraße 12, der Tempel, beziehungsweise das Grundstück: Wie kam das eigentlich an den heutigen Besitzer, und warum kann da so eine Kapacheligkeit drauf stehen und wesen?

        Mal ab davon, ob Tempel oder Synagoge richtig sei und ein Tempel in Hamburg zu stehen habe, statt in Jerusalem: Wie kommt da diese Würdelosigkeit zustande? Die Ruine der Apsis ist immerhin denkmalgeschützt. Gibt es da verlässliche Literatur, womöglich gar online irgendwo?

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        • Ojwej, ja, die Kapacheligkeit dorten, wo der Synagogentempel Poolstraße (1842) stand. Die Apsis (Aharojn-HoKojdesch) ist erhalten, und so weit ich weiß, bröckelt der restliche Stuck noch immer von oben runter. Also, das Gebäude ist noch in der Weimarer Republik verkauft worden, es gilt deswegen nicht als Nazizerstörung. Trotzdem hab ich da mal einen schlimmen Nachmittag vrbracht – -.
          Das neue Gebäude von 1931 im Bauhausstil an der Oberstraße steht noch, gehört aber dem NDR, der es bis zur halben Unkenntlichkeit umgebaut hat. Ich bin da drin mal aufgetreten (Studio 10), und weil ich wusste, wie der Raum vorher ausgesehen hatte, hab ich das Restliche grad noch erkannt.
          Wie schwerstreichest der NDR ist, sieht man an diesem Umbau. Jeeez, so Geprotze in der Ex-Synagoge, und sie hassen Israel da drin.

          Zurück zum Tempel in der Poolstraße: Der wurde „Tempel“ genannt, weil ja Reform. Das Reformjudentum ging unter, so bald es entstand 😉 , und auch heut noch geht es alsbald unter, wo es wieder entsteht, weil die zweite Generation von ‚Reformjuden‘ ja immer keine Juden mehr sind. Das spiegelt sich im Ausdruck „Tempel“: Das Reformjudentum sagt(e), dass man einen Tempel baue, wenn man dort bleibe, wo der dann stehe. Also keine Rückkehr nach Zion usf., sondern Assimilation, man geht dann halt nur nicht in die Kirche, sondern in den Tempel.

          Mit ‚Reformjudentum‘ kann man mich bis zu den Hottentotten jagen, und zum Glück ist es ja zahlenmäßig irrelevant und inhaltlich noch irrelevanter, bloß schreit man dorten manchmal um so lauter. So wie jene ‚Rabbinerin‘, die neulich „fuck you!“ an Präsident Trump getwittert hat. Die ist keine Rabbinerin und fast kaum noch Jüdin, sie hat vom Judentum absolut keine Ahnung, drum kriegt sie sowas hin-.

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        • Merkwürdige Vorlieben hat sie jedenfalls, wenn sie sowas an sowen twittert… Und einen expliziten Mangel an Damenhaftigkeit.

          Dass der im Krieg zerbombt worden sei, war mir klar; dass man das Reformjudentum nicht allerorten gleichermaßen verehrt, auch nichtreformjüdischerseits besonders nicht, auch; es bleibt ja aber dennoch eine Würdelosigkeit im Umgang bestehen, die atemberaubend ist.

          Und der NDR? Wie kam der an das Gebäude oder Grundstück? Gekauft hat er es 1953. Ob nun Kapacheligkeit oder Zerprotzung zum Studiogebäude und Hort der Israelkritik: Hamburg ist da problematisch, offenbar.

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        • … seufz.
          Ja, hierzulande bestand eine ungeheure Grundstücksgier: Von Entschädigungen Restitutionen oder bloß vom einigermaßen anständigen Umgang mit zerstörten jüdischen Dingen war ja erst sehr, sehr viel später die Rede, wenn überhaupt.
          So hat man die Ruine des Poolstraßen-Tempels total verkommen lassen, merkwürdig, denn die Poolstraße ist eine begehrte Wohngegend. Weshalb also die rottige Autowerkstatt da drin dann über Jahrzehnte? Es könnte sich um halben Triumph plus ein halbes schlechtes Gewissen handeln: Seht, was wir mit eurem Ex-Synagogengrund machen, wir lassen’s immer weiter verlottern, jaha wir könnten zwar was draus machen, wenn wir wollten!, aber wir wollen halt nicht; wir wollen so tun, als büßten wir die vielen ermordeten Juden auf diese Weise ab, oh und wie wir leiden Angesichts der rottigen Autowerkstatt inmitten klassizistischer Bröckelei und inmitten einer begehrten Wohnstraße-.

          1953 gab es in Hamburg so gut wie keine jüdische Gemeinde. Sogar die Friedhöfe waren verwüstet, manche gar mit Häusern überbaut, nichts Jüdisches hatte überlebt. Also wurde die restituierte Synagoge in der Oberstraße verkauft.
          Nur wenige Jahre später sah es anders aus: Viele persische Juden ließen sich in Hamburg nieder, und sie bauten ca. 1960 die Synagoge (Hohe Weide), die bis jetzt benutzt wird. Hätte man mal nicht die schöne Bauhaus-Synagoge verkauft-. Aber noch 1953 erschien es völlig unvorstellbar, dass nochmal irgend ein halber Jude seinen Viertelzeh freiwillig in dieses Land setzt

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        • Ja, aber nun will da ja, hör ich, wer eine Halle bauen und das restliche Gebröckel sei ja nun baufällig, und man meine, es abreißen zu müssen, indem dass der Besitzer mehreren Aufforderungen, es gegen Zerfall zu sichern, nicht nachgekommen sei… Ob das nun der Autler ist, der mehr Repräsentativität wünscht, oder wer sonst, weiß ich nicht… Halle klingt so etwas danach.

          Hörst Du da auch was oder wen trapsen?

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        • Zu Weimarer Zeit verkauft worden? Wegen der assimilationsbedingten Schwindsucht der Reformgemeinde, die Du andeutest? Oder warum? Verkauft an wen? und was war dann darin, bis anno 42 die Bombe kam?

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        • …Und die in der Hohen Weide hat von N. Harringa eine Rezension erhalten, eine wohlwollende, nämlich 4 von 5 möglichen Googlemapssternchen…

          Auch ’ne Möglichkeit, eine inhaltsschwache Duftmarke dahinzumachen…

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  2. Und zum Kalender hier noch ein Link zum Archiv 1 des Forums 2 des lepiforums, wo saisonale Sackträger diskutiert wurden und die Monetomyceten beschrieben…

    http://www.lepiforum.de/2_forum.pl?md=read;id=37671

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    • Clas Lehmann

      Aaah… Lehmszeichen! Gutt Lehm, immer so!

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      • … ah, habe gesucht, und da war das mit der Synagoge usf., pardon Clas, es kömmt noch eppes Geantwortetes. Aber morgen erst; muss dringend pennen.

        A guttes neues Jahr Euch hier.

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        • Clas Lehmann

          Wann ist denn morgen?

          Gruß

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        • Raaah. Ich find’s nicht. Stak es möglicherweise hier in den Büchern?, also das, was über den Verkauf der Synagoge und über die Zeit danach zu lesen war?, es war nicht ergiebig, aber so unergiebig wie die Wikipedische war’s nicht ganz. Ich find’s bloß nicht

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        • Aber wenn denn, dann denn! Ich warte dann mal weiter, und wenn ich sonsten wo was sehe oder höre, schreibe ich’s hin.

          (Auch wenn man die inhaltliche Ausrichtung nicht mag, ist es ja doch so etwa, wie beim General Lee und seinen Denkmälern: Er hatte seine Bedeutung, und die müssen wir nun einordnen, nicht leugnen. Zu ewigem Vergessensein gehört er nicht, weil damit auch sein Mahnmalcharakter entfiele…)

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        • Und eigentlich müsste man was tun, gegen die Verlassenfallung und Verfallenlassung da so immer…

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        • … yep, zumal die Denkmäler des Generals Lee nicht für dessen Südstaaten dastehen, sondern wohl mehr für die vielen Bürgerkriegsopfer (tote Soldaten in einem grausamen Krieg).
          Zumindest kann man das so sehen.
          Die Generalsdenkmäler können aber auch für etwas Anderes stehen!, und zwar für die Feststellung, dass es zum Krieg führt, wenn manche plötzlich ihr eigenes Recht ausrufen. Die Linken in den USA tun das übrigens grad. Die wollen zwar keine Sklaverei wie vor 150 Jahren (Träger der Sklaverei war die demokratische Partei, nicht die Republikaner), aber sie wollen Meinungsverbote und Gruppen-Opferdasein durchsetzen und dämonisieren jeden als Rassisten, der das nicht so sieht.

          Wofür steht die Hamburger Synagogenruine in der Poolstaße: Für das Ghettodasein und für die jahrzehntelange deutsche Verdrängung, dass hier über viele Jahrhunderte ca. 5% Juden gelebt haben.

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  3. Ein GLÜCKLICHES Neues Jahr für Euch, Ihr Lieben!

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