Wald kommt, Wald geht

Ich war mir nicht sicher, ob ich diesen Post in Smalltalk stecke oder nicht: die Bilder, die ich hier poste, sind sämtliche in Nahost aufgenommen – was den Thread schon fast per definitionem politisch auflädt. Andererseits ist das, worauf ich hinauswill, etwas anderes, nämlich wie sich eine „naturbelassene“ Landschaft im Laufe der Zeit von selbst verändert – infolgedessen, was mit der Kulturlandschaft daneben passiert.

Alle folgenden Bilder stammen von heplev, der ab und zu Bildvergleiche postet, in denen jemand die Stellen sucht an denen alte Fotos aufgenommen sind und knipst wie es denn da heute aussieht.

Das erste Bildpaar, die „Wald kommt“-Hälfte, stammt aus einem kleinen Dorf am Rande des Kinneret, aufgenommen im Abstand von etwa 100 Jahren:

Daß es auf dem zweiten Bild viel, sehr viel, auffällig viel grüner aussieht, liegt nicht nur am Farbfoto – oben ist im Prinzip Wüste, während unten (also heute) sehr viel mehr gewachsen ist. Da muß jemand der da wohnt eine Menge Gartenarbeit reingesteckt haben – wo genau alles kann ich nur vom Bild natürlich nicht wissen, die Hügel sehen bis ganz oben hin bewachsen aus, auch wenn sie wohl nicht direkt bebaut sind – aber es ist deutlich sichtbar eine Kulturlandschaft, um die sich jemand bemüht hat.

Im anderen Bildpaar, der „Wald geht“-Hälfte, passiert das Umgekehrte in nicht einmal zwanzig Jahren. Hier zu sehen sind zwei Sattelitenfotos eines Hügels im Gush Etzion. Um die Jahrtausendwende ist er bewaldet; heute ist der Wald bis auf ein paar Bäume weg:

Und nicht nur der Wald ist weg: vom Hügel ist wohl etwas abgerutscht (soweit das von oben zu sehen ist) – und schon ist die Wüste wieder da, denn auch sonst wächst kaum noch was. Was hier passiert ist? Auch wieder die Kulturlandschaft nebenan: heplev schreibt recht diplomatisch, die arabischen Nachbarn des Hügels haben den Wald im Laufe dieser zwanzig Jahre komplett für Feuerholz verbraucht.

In hundert Jahren aufgebaut, und in zwanzig runtergewirtschaftet – frei nach dem von Terry Pratchett in die Welt gesetzten, erfundenen Sprichwort: Rom wurde nicht an einem Tag erbaut; aber es wurde an einem Tag niedergebrannt.

Der Spruch mit dem bösen Nachbarn gilt anscheinend auch für Hügel? Hm.

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Veröffentlicht am Februar 11, 2018 in .Nahost, Kulturelles, Meteorologisches, Smalltalk und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 7 Kommentare.

  1. Nachklapp: ein guter Titel wäre auch „bebauen und bewahren“ gewesen, aber jetzt ist der Post schon fertig.

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  2. Ja, schon. Ein wenig unterscheiden sich die beiden Bilder aber auch in der Jahreszeit und die beiden unteren in der Tageszeit, sodass beim oberen unteren Bild die Schatten länger sind und der Wald dadurch dunkler ist… Richtig dicht ist der auch oben nicht. Im Tal oben auf dem Foto gibt es unten mehr Bäume… Man müsste das jetzt zu ebener Erde anschauen, aber nachhaltig wirkt es nicht. Tun Kahlschläge eigentlich nie.

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    • Andererseits, Kahlschläge… Da wachsen hierzulande Schlagpflanzen, Himbeeren, Brombeeren, Weidenröschen… Das gibt Honig! Mitunter auch das Fuchs’sche Greiskraut, das gibt dann PA.

      Wie sich das in Israel verhält: Zu ebener Erde müsste man gucken.

      Hiezulande jedenfalls klagen Entomologen über die Überwucherung von Biotopen etwa der Berghexe oder seltener Prachtkäfer oder Bockkäfer oder Schnellkäfer durch allzuviel Gesträuch und Gebäum, weil ja die Bevölkerung eben nicht mehr die Hänge bewirtschaftet, keine Ziegen mehr füttert, keinen Wingert mehr pflegt, sondern Fichtenriegel pflanzt, statt Wiesentäler, Heuhütten und Stadel zu pflegen und zu nutzen… Auch das Wässerwiesenwesen liegt brach! Statt demm arbeitet sie beim Benz oder Bosch oder Porsche…

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  3. Im übrigen gilt das natürlich auch für Hügel und Berge… Böse Berge als Nachbarn vermuren und verschütten ganze Dörfer.

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  4. „heplev schreibt recht diplomatisch, die arabischen Nachbarn des Hügels haben den Wald im Laufe dieser zwanzig Jahre komplett für Feuerholz verbraucht.“

    Diese Beurteilung erscheint mir etwas voreilig. Sicherlich wollten „die arabischen Nachbarn des Hügels“ nur Platz schaffen für eine moderne Windkraftanlage.

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