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Palästinenser, der Großmufti und die SPD (reblog)

Teil vier der Artikelserie von Robert Cohn über antiisraelische Ressentiments und unterschwelligen Antisemitismus, zuerst erschienen auf TiN im Mai 2014. Das Bild dazu wie immer von mir: das war ein fürcherlich alberner wahrscheinlich-Werbe-oder-Aufruf-Zettel den jemand verloren oder absichtlich aufs Tottoir gebappt hat – zur Mufti-SPD passt er, sonst ist er Kitsch. Was das über die SPD aussagt möge sich jeder selbst zusammenreimen.

Palästinenser, der Großmufti und die SPD

Ein Gastbeitrag von Robert Cohn

1: Die Palästinenser, der Mufti und der Holocaust
Welchen Sinn hat eine Reise für junge Nichtjuden ins Todeslager von Auschwitz außer dem Gedenken an Millionen industriell Ermordeter und außer dem Gefühl am Ort, wie unfassbar das ist? Gedenken lässt es sich schließlich überall, auch im hinterletzten Kaff – dafür muss man nicht nach Auschwitz fahren. Und nicht verstehen, warum jene deutschen Familienväter mit Frau, Hund und Vorgarten derlei durchzogen, lässt es sich auch im Wald oder auf dem Meer.
Wenn junge Leute nach Auschwitz fahren, sollen sie lernen, wer die Ideen hatte, wer die Ideen ausführte und wie der sogenannte Alltag der Millionen aussah, die dort vergast worden sind, nicht?
Warum das geschah, warum bis dato normale Menschen die größte Mordmaschinerie der Geschichte über drei Jahre am Laufen und am Qualmen hielten, warum sie an sich selbst die Wahrheit von der Banalität des Bösen zeigten – diese Frage, WARUM das geschehen konnte!, ist freilich ein ganz anderes Kaliber von Frage. Jeder Historiker und jeder Philosoph von Rang hat sich seit siebzig Jahren damit beschäftigt, manche leidenschaftlich, manche nüchtern. Gelöst hat diese Frage noch keiner.
In ihrem jüngst erschienen Buch „Nazis, Islamists, and the Making of the Modern Middle East“ (Nazis, Islamisten und die Entstehung des modernen Nahen Ostens) beschäftigen sich die Autoren Barry Rubin und Wolfgang Schwanitz mit einer bestimmten Person, die wohl für Idee und Planung der Endlösung der Judenfrage steht: Der Großmufti von Al-Quds (Jerusalem), Hadsch Muhammad Amin al-Husseini, ein zentraler Verbündeter und Mitmacher der Naziregierung. Namen, Daten, Orte, Zitate: Wer, wann, wo, was und für wen, die klassischen fünf Fragen aller Forscher. Hinzu kommt die Frage nach dem Motiv. Der Begriff „Warum?!“ in dem Zusammenhang führt jedoch von diesen exakt erforschbaren Zusammenhängen weg, er verweist auf das Böse, das sich nicht erforschen lässt – seine Existenz lässt sich bloß konstatieren.
Was lernen junge Nichtjuden bei einem Besuch des Vernichtungslagers Auschwitz über jene, die das Böse verkörperten, indem sie die Endlösung der Judenfrage planten, organisierten und diesen Ort des Bösen schufen?
Die Universität in thüringischen Jena und die Ben-Gurion-Universität im israelischen Negev haben Ende März dieses Jahres einer Gruppe arabischer Studenten aus Universitäten der Westbank eine Reise nach Auschwitz ermöglicht. Einer der Studenten sagte danach:
Es ist merkwürdig für einen Palästinenser, ein Vernichtungslager der Nazis zu besuchen.“
Das Gefühl von Merkwürdigkeit entsteht, wenn etwas nicht zusammenpasst: Kognitive Dissonanz. Jedoch das Merkwürdigkeitsgefühl des Studenten ist selber sehr merkwürdig: Jede Woche rufen Imame in Gaza und in der Westbank auch übers Fernsehen zum Mord an allen Juden auf, und jede Woche äußern arabische Politiker auch übers Fernsehen, dass die Juden ins Meer getrieben, erschossen oder erschlagen gehörten, und jeden Tag laufen im ‚Staats’fernsehen der Fatach Kindersendungen, in denen die Kleinsten dazu gedrillt werden, Juden zu töten, die Affen, Schweine, Untermenschen, Weltbeherrscher und Todfeinde des Islams seien.
Was soll also merkwürdig für einen arabischen Studenten sein, wenn er das zu erneuernde Realziel dieser religiös verbrämten Politik und dieser politisierten Religion besucht – Auschwitz?
Selbst, wenn er diesen äußerst klaren Zusammenhang von europäischer Vergangenheitszielen und nahöstlichem Gegenwartsziel nicht sehen möchte: Es besteht da dieser persönliche Zusammenhang in Gestalt des Muftis Al-Husseini. Dieser Zusammenhang ist mit Händen zu greifen und mit Wer, Wann, Wo, Was und für Wen exakt zu belegen.
Leider haben die arabischen Studenten in Auschwitz jedoch kein Wort über den Mufti gehört. Wie kann das möglich sein?, das wäre ja so, als reiste eine Gruppe ins tschechische Lidice oder ins französische Oradour und würde dort kein Wort über Hitler hören!
Alle Spuren von Hitlers Großmufti Al-Husseini weisen nach Auschwitz. Dieser palästinensische Verbündete der Nazis hat geplant, den Nahen Osten in ein Vernichtungslager für Juden zu verwandeln, sobald die Deutschen militärisch nach British-Palestine durchbrachen. Feldmarschall Erwin Rommel, Held der Deutschen und Wüstenfuchs, stand kurz davor.
Die Naziregierung plante für Deutschland und für Europa zunächst, die Juden aus allen deutsch beherrschten Gebieten zu vertreiben. Barry Rubin und Wolfgang Schwanitz belegen in ihrem Buch, dass erst der Kontakt zum palästinensischen Mufti zur Endlösung der Judenfrage führte: Al-Husseini wollte das Land, über das er später zu herrschen plante, judenrein haben. Weil auch die Naziregierung das wollte, entstand ausgehend vom Mufti der deutsche Plan zur systematischen, industriellen Ermordung aller Juden. Rubin und Schwanitz schreiben:
Im November 1941 traf Al-Husseini bei einem Berliner Empfang ein. Dort zeigte es sich, dass die Deutschen ihn als den zukünftigen Anführer aller Araber und Moslems betrachteten. Er wurde im prächtigen Schloss Bellevue untergebracht, wo einst der deutsche Kronprinz lebte, heute die Residenz des deutschen Bundespräsidenten. Al-Husseini erhielt für seine persönlichen Bedürfnisse und für seine politische Arbeit eine Geldsumme, die heute dem Wert von zwölf Millionen Dollar pro Jahr entspricht. Diese Geldmittel wurden durch den Verkauf des Goldes erbracht, das man Juden abgenommen hatte, bevor man sie ins KZ schaffte. Al-Husseini folgte dem Muster und verlangte ein Büro in einer enteigneten jüdischen Wohnung. Sein Mitarbeiterstab wurde in einem halben Dutzend weiterer Häuser untergebracht, die die Deutschen für sie bereitstellten. Zusätzlich stellte man al-Husseini eine Suite im Berliner Luxushotel Adlon und für die Ferien schöne Appartements im Hotel Zittau und im Schloss Oybin in Sachsen zur Verfügung.“ (S.5).
Was soll also „merkwürdig für einen Palästinenser, ein Vernichtungslager der Nazis zu besuchen“ sein, indem der Mufti für die Araber der Hamas und der Fatacher auch heute als hochverehrter Führer und nationales Vorbild gilt?
Palästinenser’präsident‘ Abbas, der Verhandlungspartner der Arabischen Liga, der OIC, der UNO, der EU und der USA, lobt bei sich zu Hause in seinen Reden immer wieder den Mufti Al-Husseini über den grünen Klee, und aus Schulbüchern lernen die arabischen Kinder, dass er ein großer Held und Führer gewesen sei. Rubin und Schwanitz schreiben:
Die Regime, die später den Irak für vierzig Jahre beherrschten, Syrien für fünfzig Jahre und Ägypten für sechzig Jahre, sind allesamt durch Gruppen und Anführer aufgebaut worden, die mit den Nazis zusammengearbeitet hatten.“ (S.4).
So auch die PLO, die Vorgängerorganisation der Fatach, deren Anführer Yassir Arafat Zeit seines Lebens die tiefe Verbundenheit mit seinem Verwandten Al-Husseini pathetisch beschwor. Der Islamismus, ob er nun religiös oder politisch oder gar sozial wie die Muslimbruderschaft daherkommt, schwärmt vom Nazikollaborateur und Nazifunktionär Al-Husseini wie das Küken von seiner Henne. Rubin und Schwanitz schreiben:
Hitler befahl nach seinem Treffen mit dem Mufti, Einladungen zu einer Konferenz in einer Villa am Wannsee zu verschicken. Ziel des Treffens war die Planung der Vernichtung aller Juden in Europa.“ (S.8).
Al-Husseini war „der erste Nichtdeutsche, der von dieser Planung erfuhr, bevor sie überhaupt bei der Wannseekonferenz vorgestellt wurde. Adolf Eichmann wurde mit dieser Aufgabe betraut. Eichmann informierte al-Husseini im Kartenraum des Berliner SS-Hauptquartiers, indem er dort seine Unterlagen für die Wannseekonferenz benutzte. Eichmanns Adjutant sagte aus, dass der Großmufti sehr beeindruckt und so eingenommen von diesem Bauplan zur Judenvenichtung gewesen sei, dass er Eichmann bat, ihm einen Experten als persönlichen Assistenten nach Jerusalem zu schicken, um dort Todeslager und Gaskammern zu bauen, so bald Deutschland den Krieg gewonnen habe und er selbst an der Macht sei.“ (S.8 und 9).
Die deutsche Naziregierung besaß genügend Kontakte zu anderen arabischen Anführern, die der Idee zu Weltherrschaft und Judenvernichtung etwas abgewinnen konnten. Mufti Al-Husseini besaß jedoch einen besonderen Einfluss in der arabischen Welt. Er bekam die Hochachtung und den Zugang zu den höchsten Stellen der NS-Regierung, die ihm gebührten, darunter ein langes Zusammentreffen mit Hitler, eine prächtige Unterbringung in Berlin und üppige Geldzuwendungen.
Rubin und Schwanitz schreiben, dass der Mufti oder einer seiner Adjutanten das Konzentrationslager Sachsenhausen im Juni 1942 mit drei anderen arabischen Funktionären besucht hat (S.2), um genau zu sehen, wie Judenvernichtung geht. „Eichmann persönlich hat den Mufti durch die Todeslager Auschwitz und Majdanek geführt.“ (S.164).
Rubin und Schwanitz dokumentieren, dass Al-Husseini in dieser Zeit überall im von den Deutschen besetzten Polen umhergereist ist, und dass er in den ersten Julitagen 1943 Heinrich Himmlers Gast im ukrainischen Ort Schitomir war, einer der zentralen Orte der Judenvernichtung und des Bösen. Al-Husseini notierte später in seinen Erinnerungen, dass Himmler ihm dort sagte, die Deutschen hätten nun „etwa drei Millionen Juden liquidiert.“ (S.188).
Großmufti Al-Husseini hatte die Idee, er traf sich mit jenen, die die selbe Idee ventilierten, er sah den kongenialen Deutschen bei der Ausführung dieser Idee zu, er prägte duch seine Verbindungen, durch Personalpolitik und durch Geldströme den Judenhass in der arabischen Welt, und er plante wie ein Besessener, um es später als Beherrscher des Nahen Ostens ebenso zu tun wie die Deutschen in Auschwitz.

2: Die SPD, die Fatach und der Holocaust
D
ie Amtszeit von Mahmoud Abbas als Präsident des nicht existierenden Landes Palästina ist seit 2009 abgelaufen, aber es gibt keine Neuwahlen. Stattdessen hat er nun angekündigt, gemeinsam mit der Hamas eine Einheitsregierung zu bilden, um als Politiker zu überleben und, als Voraussetzung, Israel, die EU und die USA zu zwingen, direkt mit Terroristen zu verhandeln und sie als politische Partei anzuerkennen.
Faktisch geschieht das jedoch seit Jahren, weil Abbas seit Beginn seiner Amtszeit Terroristen unterstützt, sie mit seinen Millionen von der UNO und der EU bezahlt, sie verherrlicht und sie als Mitarbeiter beschäftigt.
Man muss kaum suchen, um zahlreiche Äußerungen des ‚Präsidenten‘ Abbas zu finden, in denen er mit religiösem und durchdringendem Ton zur Verehrung von Terroristen aufruft und endlose Namenslisten herunterbetet, garniert mit dem ubiquitären Ausdruck „Märtyrer“. Er sagt so oft „Märtyrer“, dass man sich wundert, warum er selber noch lebt und kein heiliger Märtyrer des Islamismus geworden ist. So sagte er im Fernsehsender Palestine Live TV (Fatach) am 4. Januar 2013:
Heute zur Feier des Gründungstags unserer Fatach erneuern wir den Schwur unserer geheiligten Märtyrer, dass wir dem Weg unserers Märtyrerbruders Jassir Arafat und seiner Genossen folgen werden, so wie alle Führer der kämpfenden Kräfte, und wie alle unsere Märtyrer es getan haben. Von ihnen nenne ich nun…“
Es folgt eine lange Liste von Selbstmordattentätern, Anführern einzelner Terrorzellen, zweier Hamas-Chefs, Terroristen der Muslimbruderschaft und Massenmördern:
… nenne ich nun Märtyrer Abu Jihad (Khalil Al-Wazir), Märtyrer Abu Iyad (Salah Khalaf) Märtyrer Abu Ali Iyad; Märtyrer Abu Sabri Saidam; Märtyrer Abu Yusuf Al-Najar Märtyrer Abu Al-Walid Saad Sayel Märtyrer Scheich Ahmed Yassin; Märtyrer Abd Al-Aziz Rantisi; Märtyrer Ismail Abu Shanab; Märtyrer Fathi Shaqaqi; Märtyrer George Habash; Märtyrer Omar Al-Qassem Märtyrer Abu Ali Mustafa; Märtyrer Abu Al-Abbas möge Allah ihnen gnädig sein. Diese seien für zehntausende anderer Märtyrer und Helden genannt.
Nun lasset uns unserer Vorkämpfer gedenken: Des Großmuftis von Palästina, Hadsch Muhammad Amin Al-Husseini. Wir gedenken auch des Ahmed Al-Shuqeiri, Gründer der PLO. Wir gedenken auch des Yahya Hammouda, Vorsitzender des Exekutivkommitees der PLO, und wir werden jenen Einen nie vergessen, der den ersten Funken des arabischen Aufstands von 1936 entzündet hat: Der Märtyrer Izz a-Din Al-Qassam.
Sie ermahnen uns zu der Pflicht, ihrem Weg zu folgen und als vereinigte Macht – denn es gibt nichts anderes als die Einheit – unser nationales Ziel und den Sieg zu erringen.“

-> Fußnote 1

Abbas hat in seiner maßlosen und gar nicht ungewohnten Rede die tiefe, thematische und chronologische Verbundenheit der Fatach und seiner selbst 1) mit dem Nazismus der 1930er und 1940er und 2) mit dem totalitär-islamistischen Terrorismus der Gegenwart in aller Eindeutigkeit bestätigt.
Ein kurzer Dokumentarfilm über den Mufti des Holocausts:

-> Fußnote 2

Eine kurze Rede des hasserfüllt fuchtelnden Yassir Arafat über den Vertrag von Oslo und die koranisch unterfütterte Gewissheit, um ihn zu brechen:

-> Fußnote 3

Die Fatach, die all diesen Zielen und Überzeugungen ungebrochen und unhinterfragt verpflichtet ist, zeichnet als Vollmitglied der Sozialistischen Internationalen, gemeinsam mit der deutschen Regierungspartei SPD. Die Fatach hat in der Sozialdemokratischen Partei Europas einen Beobachterstatus sie stimmt also dort nicht gemeinsam mit der SPD ab, hat aber Rederecht und ist ein akzeptierter Partner. Oft ist auf dieser Plattform von „gemeinsamen Zielen“ die Rede.
Fatah (arabisch) heißt Sieg durch Eroberung, Sieg durch das Wegschaffen von Hindernissen.
Was bedeutet das: Das Hindernis ist 1) die jüdische Unabhängigkeit des Staates Israel, und 2) erobert werden soll das jüdische Land.
Zwischen der alten PLO und der neueren Fatach besteht kein Unterschied die Doppeltyranneien des Muftis al-Husseini und des Demagogen Arafat ragen ungebrochen durch die Zeiten, gemeinsam mit Hitlers Schatten. In der Charta der Fatach (Artikel 12) stehen die Ziele der „kompletten Befreiung Palästinas“ und „die Ausrottung der ökonomischen, politischen, militärischen und kulturellen Existenz des Zionismus“: Es handelt sich um die Ziele des Muftis Al-Husseini.
Zur Fatach gehören die Tanzim-Miliz (befehligt von dem Massenmörder Marwan Barghouti) und die Al-Aksa-Märtyrerbrigaden, die von Blut triefen und deren Name Programm ist und Mahmoud Abbas, Palästinenserpräsident ohne Neuwahlen und Oberpate der Fatach, sagte neulich, er sehe keinen Unterschied zwischen Fatach und Hamas, weswegen die EU doch bitteschön die Hamas-Brüder nicht mehr als Terroristen bezeichnen möge. Woraufhin er nun in Verhandlungen mit der Hamas vollendete Tatsachen geschaffen hat, um gemeinsam mit der Hamas zukünftig eine einheitliche Regierung zu bilden.
Die deutsche Regierungspartei SPD hält indes an ihrer Bindung zur Fatach fest und kauft die Hamas-Katze ganz ohne Sack. Sie weiß genau, was sie tut!, und sie tut es trotzdem. Andrea Nahles, bis 2013 Generalsekretärin der SPD, hat am 8. November 2012 unterstrichen, dass SPD und Fatah gemeinsame Werte teilten. Dieser Ansicht wurde bisher nicht widersprochen.
Wo sieht die SPD den Übergang von bloß politischen Verhandlungen zum Socializing mit einer nazistisch verbandelten, den alten Achsenmächten zugehörigen, arabischen Terroristenpartei? Wo sieht die SPD den Übergang von bloß außenpolitischen Diskussionen zur Verstrickung und zum sich Gemeinmachen mit suprematistischen Mördern und Mördergutfindern, die tief in Nazismus und Islamismus getaucht sind?
Und was soll diese Aufwertung der Erben von Mordbuben der Achsenmächte zu Politikern von 2014?
Erstaunlicherweise hat auch die Europäische Volkspartei EEP, die EU-Dachorganisation der eher konservativen Parteien, die ungarische neonazistische Partei Jobbik vor Kurzem als Mitglied aufgenommen. Hier Kungelei und Entente der eher Linken mit nazistisch verbandelten Islamisten in Nahost, dort Kungelei und Entente der politischen Mitte mit rabiaten, neonazistischen Schreiern in Osteuropa.

Nicht nur als Jude!, auch als normaler Mehrheitseuropäer, als Linker, als Konservativer, als Liberaler oder nur als freundlicher Mitmensch kann man sich da nur doppelt und dreifach grausen.

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Anm. des Rebloggers: Die erwähnten Videos folgen als Kommentar.

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Entführungen, Bilder, und Juden nach Judäa (reblog)

Hier ist der dritte Teil der Serie von Artikeln die Ari ursprünglich im Laufe der Zeit für TiN geschrieben hat, und die ich seit ein paar Tagen nach und nach reblogge. Bildmaterial wie immer meinerseits angefügt (wie im vorigen Teil ist auch diese Karte von Ari aufgetan, stammt nur nicht aus dem entsprechenden Artikel; das andere Bild ist von mir gemacht). Ursprünglich erschien der Artikel bei TiN im Juni 2014 anlässlich der Entführung und Geiselnahme dreier Jugendlicher seitens der Hamas.

Entführungen, Bilder, und Juden nach Judäa

Ein Gastbeitrag von Robert Cohn

Die jüdische Provinz Judäa heißt für Juden seit zweitausend Jahren Judäa. Dieses Judäa, wo sich unglaublich viel jüdische Geschichte abgespielt hat und sich weiter abspielt, wird in Europa jedoch lieber Westbank genannt: Weil Judäa so verdächtig jüdisch klingt, dass man beim Gebrauch dieses Ausdrucks nicht erklären könnte, weshalb die Juden, die in Judäa leben, dort nicht hingehörten, Fremde seien, ja Besatzer.
Der Spruch „Juden raus aus Judäa!“ klingt anrüchig, weil er dem alten deutschen Spruch „Juden raus!“ zum Verwechseln ähnelt. Den Anschein will man vermeiden. Und dass Juden meinen, dass Juden nach Judäa gehören, wohin denn sonst?, wird überhört. Also muss der Spruch anders formuliert werden, damit er zwar noch immer das Alte bedeute, damit dieser Zusammenhang jedoch nicht gleich so klar wird.
Derselbe Spruch nun in anderer Fassung als „Zionisten raus aus den besetzten Gebieten!“ klingt ungleich besser, ja seriös, klingt wie eine politische Aussage zum Ernstnehmen, zum Einbauen in offizielle Dokumente und Regierungserklärungen. Obgleich er wieder nur suggeriert, dass Juden Besatzer seien, indem sie irgendwo sind, wo sie nicht sein sollen – weswegen sie dort hinaus müssten, sofort mit Ausrufezeichen, weil es immer prekär und gefährlich ist, was Juden tun!, wieder mit Ausrufezeichen. Woraufhin sodann die Verhältnisse geordnet seien, so bald die Juden da weg sind.
Es gibt eine weitere Version des Spruchs. „Juden raus aus Palästina!“: Wahlspruch derer, die am Liebsten morgen früh das halbe und übermorgen früh das ganze Israel abschaffen wollen, weil da ein Palästina sein soll oder hin soll. Oder ein Palästina auf Teilen Israels. Immer was weg vom ganzen Israel, damit da die dreiundzwanzigste arabische Diktatur hinkommt. Weil die Juden dort ja zuviel haben, indem die Juden dort unabhängig sind. Und wo Juden etwas zuviel haben und nicht abhängig genug sind, so wie schon 1933, dort müssen sie weg.
Am vergangenen Donnerstagabend wurden in Judäa, wie die Westbank als jüdisch durchtränkte Erde lieber genannt wird, drei 16- bis 19jährige Jeschiweschüler durch Moslems entführt. Sie heißen Eyal Yifrach, Gilad Schaar und Naftali Frankel.
Sie lebten als fromme Juden in Judäa, weil das nämlich Judäa und nicht die Ostbank oder Arabistan ist, und sie hatten niemanden etwas getan. Das ist das Problem.
Die Taktik des Islams seit den Massenmorden Mohammeds am jüdischen Stamm der Banu-Kuraisa in Medina, seiner ersten Amtshandlung als Prophet Allahs, besteht darin, die Schwachen und die Wehrlosen als Ziele auszuwählen. Nicht die Bewaffneten und die Starken. Immer die Schwachen. So wie die Truppen des Propheten Mohammed im Jahr 628 die jüdische Stadt Chaibar überfielen, um die Männer zu ermorden und um die Frauen und Kinder zu vergewaltigen und zu versklaven. So steht es im Koran geschrieben – ein stolzer Bericht, stolzgeschwellt von den Bluttaten an den Schwachen. Der Prophet Mohammed, der dieses befahl, der es selbst durchführte und genoss, auch die Vergewaltigungen, gilt bis heute für jeden Moslem als unantastbares, heiliges Vorbild, als fehlerloser Übermensch, ja als Gottmensch, den niemand kritisieren darf und dessen Worten jeder bind gehorchen muss. Wie ein Götzenbild, das über alles herrscht, fleckenlos, vor dem man sich niederwirft, vor dem man selber niemand mehr ist und keine menschliche Ethik kennt. So wirkt Götzendienst, das will er.
Das Problem ist, wenn Juden schwach sind. Diese Schwachen von Medina und diese Schwachen von Chaibar, ebensolche Juden wie die drei schwachen, jungen, unbewaffneten Entführten aus Judäa an diesem Wochenende, wurden damals getötet wegen der Ehre des Islams und wegen der Lust am Töten. Damals existierte keine israelische Armee, um sie zu schützen. Heute existiert diese Armee G“tt sei Dank, und sie tut alles, was sie kann, damit keine Juden entführt werden. Weil das Entführen von Juden und anderen Ungläubigen eine Spezialität und Tugend des Islams ist. Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas, der Präsident ohne Land und ohne Neuwahlen, sagte 2011 voller Befriedigung, dass die Entführung des Juden Gilad Schalit sehr gut sei. Schalit, ein junger Mann, war entführt worden, wurde von der Hamas in Gaza über fünf Jahre in einem unbekannten Versteck gefangen gehalten. Abbas strich sich die Hände wie nach einer feinen Mahlzeit, als er sagte, wie gut und richtig diese Entführung sei. Sein Verständnis von Entführungen und von Recht und Unrecht urständet in den Berichten über den Propheten Mohammed. Entführungen werden seit dessen Taten immer weiter und immer von Neuem getan, wegen der Lust, wegen des Lösegeldes, wegen des Prestige, wegen des Triumphs der Dominanz über einzelne Unterworfene, und wegen der Ehre des Islams.
Noch an diesem Wochenende, zwei Tage nach der Entführung der drei frommen Jeschiwestudenten Eyal, Gilad und Naftali aus Judäa, hat die Fatach des Mahmoud Abbas bei Facebook diese Karikatur veröffentlicht:
http://www.timesofisrael.com/pa-fatah-cartoons-gloat-and-jeer-over-kidnappings/.
Darauf zu sehen: Eine große Faust, die in einem knallgrünen Ärmel steckt, hält eine Angel. Daran hängen im leeren Raum drei zappelnde Ratten, die mit Davidsternen als jüdische Beute kenntlich gemacht sind.
Nach dieser Entführung feierte und lachte man auf den Straßen von Gaza und verteilte Süßigkeiten. Worüber lacht man in der mohammedanischen Kultur der Ehre, der Scham, des Triumphes über die Schwachen und Unreinen, in der Kultur der Suprematie: Niemals über sich selbst Man lacht über die Anderen, wenn sie 16 bis 19 Jahre alte Jiddn und entführt sind – wenn es ihnen möglichst dreckig geht. Weil es ihnen noch nicht dreckig genug geht, hilft man fatachgemäß nach und stellt sie als Ratten dar: An der Angel hängend und zappelnd, gehalten von einer allmächtigen mohammedanischen Faust.
Warum dieses Bild: Weil die drei kleinen jidischn Ratten Köder sind. Wenn einer sich locken lässt und anbeißt, wird ihn die islamgrüne Faust in den leeren Raum ziehen und erschlagen. Stoff für die nächste Karikatur aus der realitätslosen, nur zu realen Parallelwelt der Allmacht über die Schwachen, wo derlei Mentalität blüht und sich brüstet.
Was hält die europäische, so kultivierte und so zivilisierte Öffentlichkeit davon? Die Reaktionen der deutschen Qualitätsjournaille und die Reaktionen deutscher Politiker und Funktionäre sind erschreckend gleichlautend: Es seien nur drei Verschwundene, ja mutmaßlich Entführte, es gebe keine Hinweise, es gebe jedoch die Besatzung und die Demütigung der Palästinenser, das sei der Grund. Womit es dann plötzlich doch Entführungen sind – gerade eben eben am Satzanfang sind es noch keine gewesen. Es wird sofort behauptet, landauf und landab, dass diese Entführungen selbstverständlich der israelischen Regierung in die Hände spiele. Die sei rechtsgerichtet, das Synonym für den Satan, und sie sei eine Besatzerregierung, die das Völkerrecht breche und massenhaft fremdes Land raube. Woraus mit der selben Rasanz und der selben Herzlosigkeit gefolgert wird, dass das Leid von Juden 1) nicht relevant ist, weil das Besatzer seien, und dass es 2) von den Juden ausgeschlachtet und benutzt werde, um Völkerrechtsbrüche zu begehen; warum: Weil Juden dort leben, wo sie gefälligst nicht zu leben hätten. Das heißt der Spruch, „Juden raus, weil raus!, sonst!“ Selten las und hörte man mehr Stumpfheit und Böswilligkeit in steter Wiederholung als jetzt in diesen Tagen.
Der erschreckend gleichlautende Ton dieser Stellungnahmen und Aufrufe ist nichts Neues. Am 1. Juli 2010 hatte der deutsche Bundestag einstimmig die israelische Seite verurteilt, ohne diese zuvor angehört zu haben: Es ging um die Durchsuchung einiger türkischer Schiffe, die mit Terrorgutfindern und Geld an Bord nach Gaza durchbrechen wollten. Israelische Soldaten wurden mit Eisenstangen angegriffen, und es gab Tote auf Seiten der Angreifer. Da herrschte jedoch diese spontane Einstimmigkeit unter den Abgeordneten. Es wurde nicht debattiert, es wurde nicht bei den Israelis nachgefragt: In aller Eile galt es hunderten Regierenden als sonnenklar, wer da schuldig ist. So versteht man in Europa die Juden und ihre Schwierigkeiten. Judenversteher, Judenfreund, das sind Schimpfworte.
So, wie gestern im deutschen Staatsfernsehen die ARD-Tagesschau suggeriert hat, dass dem Ministerpräsidenten Netanjahu die Entführung in den Schoß falle, damit er die Hamas diskreditieren könne. Suggeriert wurde damit eine Beteiligung der Israelis an der Tat. Das ist die bruchlose Übernahme jener Bemerkung der Betonpatin der Linkspartei Inge Höger von 2011, die sie tat, als in Gaza der italienische, verwirrte Hamasgutfinder Arrigoni entführt und ermordet worden war. Die Trutschenbetonpatin, die auf den türkischen Schiffen 2010 der Hamas zugejubelt hatte, sagte wie folgt: “Cui bono? Wem nützt es?, es nützt den Israelis und Netanjahu!“
Wem es nützt, der hat das gemacht. Der Gedankenautomatismus lautet: Juden morden, weil es ihnen nützt, und wann immer es wem passt, war es der Jud.
Es kam heraus, dass Arrigoni von Salafisten ermordet wurde, die die Hamasterroristen nicht mochten, sie waren ihnen zu wenig extrem. Niemand hat es hierzulande erwähnt, das Muster saß fest, dass die Juden es getan haben. Cui bono?, die klassische Frage der Truther. So verstehen längst nicht nur Linksparteiler die Geschehnisse. So versteht man sie.
Versteht man diese drei neuen Entführungen? Sie sind ein deutliches Zeichen, dass in der vergangenen Woche Verhandlungen zwischen der PA und den Israelis stattgefunden haben. Längst nicht alles erfährt die Öffentlichkeit. Es finden mehr Kontakte statt, als sie ahnt, selbst wenn US-Außenminister Kerry die israelische Seite einmal nicht zwingt, Verhandlungen zu führen, die zu nichts führen. Diese aktuellen Verhandlungen hatten wohl ein Ergebnis, eine Verbindlichkeit, und etwas bahnte sich an, eine Einigung unterer Ebenen?, eine Einwirkung auf die PA, sich nicht bedingungslos der Hamas zu unterwerfen?, woraufhin die Seite der Araber gezielt diese Entführungen veranlasst hat. Weil Einigungen mit dem Judenstaat nicht sein sollen. Woraufhin die Sprecher der arabischen Seite sofort während der ersten israelischen Untersuchungen empört und im Alarmton bei der europäischen Qualitätsjournaille, bei der EU, den USA und bei der UNO wegen der überzogenen, aggressiven, ja demütigenden israelischen Reaktionen protestiert haben. Auf Verdacht. Man muss ja als Dauergedemütigte im Gespräch bleiben. Weil man nur zu gut weiß, dass der Westen bei israelischen Reaktionen sofort an Vergeltung, an nicht provozierte Eskalationen und an allerlei Gewaltspiralen denkt. Die Adressaten haben es geschluckt, aus Automatismus, aus Gewohnheit und Neigung, so wie sie alles willfährig schlucken, was an derlei Stop- und Alarmrufen von dieser einen Seite kommt.
Mit diesen Entführungen wird eine Reaktion der Israelis bezweckt, die definitionsgemäß immer als überzogen, gewalttätig und demütigend gilt. Zweck ist, dass sich dann ein paar Durchsuchte öffentlichkeitswirksam wehren, und dass einer erschossen wird. Etwa in Hebron: Der gerufene Begriff “Hebron!” ist Programm genug im europäischen Qualitätsjournaillismus, da weiß man spontan, welche Untaten die Israelis dort verüben, und dass “Hebron!” die Besatzung sei.
Israelis greifen dann durch – man muss sich wehren und seine Leute gegen Angreifer schützen, man ist kein wehrloser Jude mehr. Woraufhin dann die Verhandlungen abgebrochen werden, wie von Anfang an gewünscht, und worauf dann arabischerseits gebombt wird, geschossen wird und Attentate und neue Entführungen geplant werden. Welche die Israelis vereiteln. Woraufhin dann wieder bei den bekannten Verdächtigen dauerprotestiert wird. Alles im Zeichen der heldenhaften Verteidigung heilig arabischen Bodens, der Kampf gegen die Besatzung und für die Freiheit genannt wird, weil das schön klingt, und weil die Europäer lieber daran und an arme Palästinenser glauben als an jüdische Unabhängigkeit und Unversehrtheit.
Bei jeder einzelnen der bisher vielen Entführungen von Israelis durch Araber verhielt es sich just nach diesem Muster: Die PA verhandelt zum Schein und um aus Europa weiter Milliardenbeträge zu kriegen, dann steckt sie ihren Leuten etwas, damit Schreckliches wie Anschläge oder Entführungen geschehen, um dann zu behaupten, dass die Israelis die Gewaltspirale anheizten, dass die Ziele der Verhandlungen viel zu niedrig gesetzt seien – und dass der Jud an allem Schuld sei. Dann rufen „Palästinensersprecher“ Saeb Erekat, der „palästinensische Außenminister“, der “palästinensische Botschafter” in Berlin und andere solche freundlichen, dauergedemütigten Familienväter, bezahlten Lobbyisten und friedensbewegt palästinensische Klage-Aktivistinnen ihre europäischen Kontakte an, und diese Kontakte verlautbaren, was die Öffentlichkeit zu denken hat. So geht das simple Muster!, erschreckend, dass es funktioniert, sich bezahlt macht, geglaubt und gerne gehört wird.
Woher kommt dieses Vorverständnis der Europäer, dass Juden gewalttätig und unerbittlich seien, und dass man sich vor ihnen zu hüten und ihnen zu misstrauen habe, egal, was sie tun oder nicht tun? Ich habe heute en passant eine Ausstellung besucht, Großstadt, weiter Weg, Gedanken an die drei entführten Jugendlichen Eyal, Gilad und Naftali, da sehe ich mir gern Kunst an, um auf andere Gedanken zu kommen. Da stand eine Holzstatue von Moses aus dem siebzehnten Jahrhundert, etwa aus der Zeit nach dem dreißigjährigen Krieg, fast mannshoch, sehr massiv, aus Eichenholz mit Beschädigungen, wohl ein Fund vom Dachboden oder aus einem Dépôt. Zufälliger Ort, zufällige Statue, ganz zufällig Moses!, das sollte mir etwas sagen, denn der Fund passt besser zum Thema, als mir lieb sein kann.
Dieser Moses sieht erschreckend aus, unerbittlich. Seine Augen starren nach vorn, gefurchte Stirn, zornige Nase, starrer Körper wie kurz vor dem Kampf, und er umklammert mit der Linken eine Gesetzestafel mit römischen Zahlen. Auf dem Kopf sind zwei abgebrochene Hörner, übrigens ein Übersetzungsfehler vom Hebräischen ins Lateinische, als die Christen aus dem originalen „ki karan or“, strahlend, „cornuta“ gemacht haben, mit Hörnern. Diesem Fehler war schon der Bildhauer Michelangelo ein Jahrhundert zuvor aufgesessen, er hat seinen Moses als Gehörnten dargestellt. Michelangelos Moses ist sehr beeindruckend, streng aber gerecht, ein Held aus der Antike.
Nicht wie dieser Moses aus Eichenholz des Barock, der Zufallsfund. Wie massiv dieser Eichenblock ist, erkennt man von der Seite, ein Trumm von einem Gehörnten. In seinem Gesicht liegen keine Milde, kein Verständnis, auch nichts Heldenhaftes oder gar Strahlendes. Die Lippen sind fest geschlossen, kein gutes Wort kommt aus ihnen, der Blick fixiert einen, ist drohend und mächtig, kündet von Strafe und Vergeltung. Man sieht diesen Moses nicht gern an, er ist ein barocker Darth Vader, der dunkle Vater.
Diese Statue ist Theater, eine Rolle auf der Bühne, die Rolle des unerbittlichen Propheten, der Kraft seiner Drohungen die Leute unter die Macht seines Gesetzes zwingt. Natürlich sind die Paragrafen auf der Tafel in römischen Ziffern dargestellt – es geht ja um die christliche Theaterrolle des jüdischen Moses, der Zentralfigur des Judentums. Solche Gestalten hat man im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert immer als Inszenierung dargestellt, als Rollen, selbst im nüchtern protestantischen Norden, denn sie stellten wie auf einer Bühne dar, was sie für die Beobachter zu bedeuten hatten, die meist nicht lesen konnten.
Mit diesem Moses kann man nicht verhandeln. Dieser Moses siedelt, vertreibt, befiehlt und demütigt.
Der historische Moses hat einen ägyptischen Sklavenwächter getötet, weil dieser einen Juden misshandelt hatte. Moses hat sich gewehrt. Das ist verdächtig, denn Juden dürfen das nicht. Moses hat einen Ägyptaraber getötet. Und er war für jüdische Unabhängigkeit.
Dieser Moses sagt Nein! zu Verhandlungen, und er droht. Er ist ein Trumm von einem Propheten, gehörnt, unbeweglich, und er ist für Europäer die Vergangenheit, der überwundene Feind: Christlicherseits galt das Judentum als harte Gesetzesreligion, als gnadenlose Gewaltspirale, als Auge um Auge, Zahn um Zahn, die überwunden ist.
Bloß gibt es ja immer noch Juden.
Was fängt man mit denen an? Die wedeln mit ihrem unerbittlichen und längst überwundenen Gesetz, die haben Macht und keine Milde, die wehren sich, nein greifen an und wollen Groß-Israel, das alles ausfüllt, die siedeln und besatzen dort so massiv wie dieser eichene Trumm von einem Gehörnten, und die starren jeden nieder, der vor ihnen steht.
Und die sind Schuld.
Und wenn welche von denen entführt werden, einfach so!, weil sie Juden sind!, dann beutet dieser israelische Ministerpräsident Moses deren Leid für sich selbst aus und wedelt alle Welt bedrohend mit seinem schrecklichen Gesetz.
Das Bild sitzt schrecklich tief.

Bring back our boys.

Eyal ben Iris Teschurah
Yaakov Naftali ben Rachel Devorah
Gilad Michael ben Bat Galim

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„Geduld mit Israel“ – oder: keine Geduld mit den Juden! (reblog)

Ein weiterer Artikel von Robert Cohn, der zuerst bei TiN erschien, dieser im Februar 2014. Ich werde die bei TiN veröffentlichten Artikel die ich finde der Reihe nach rebloggen. Das Bild ist wieder von mir angefügt; der Kartenschnipsel ist diesmal allerdings auch von Ari, nur nicht aus dem entsprechenden Artikel.

„Geduld mit Israel“ – oder: keine Geduld mit den Juden!

Gerd Buurmann, der Tapfere im Nirgendwo, hat in einem lesenswerten Artikel dazu aufgerufen, man möge deutsche Abgeordnete auf ihre Haltung zu jüdischen Siedlungen ansprechen. Gefragt werden soll: Warum und inwiefern gelten jüdische Siedlungen als Friedenshindernis in Nahost? Es ging um die quasi offizielle Äußerung des deutschen Staatsfernsehens am 7. Februar 2014 in einem Bericht des ZDF Heute Journals:
Denn die Welt verliert allmählich die Geduld mit Israel, vor allem wegen seiner Siedlungspolitik.“
D
a wird mit aller Selbstverständlichkeit ja Ehrlichkeit ausgedrückt, dass Israel der Welt immer etwas schuldig sei. Immer. Israel muss permanent rechtfertigen, dass es existiert. Hingegen Jordanien oder Liechtenstein oder Luxemburg oder gar das marode Belgien müssen das nicht!, warum nicht?, ganz einfach, weil nach deren Existenzrecht kein Mensch je fragt – weil die aus dem Boden gewachsen und im Einklang mit der Natur sind.
Bloß Israel nicht.
Weil Juden immer nur geduldet werden, ungern, und manchmal dann gar nicht mehr. Warum?, nu, wegen der Selbstverständlichkeit, wegen des ZDFs oder wegen der Natur, oder weil es schon immer so war. Nichts einfacher und gängiger als das.
Was drückt der Ausspruch des ZDFs im Einzelnen aus:
1) Allmählich“. Das Wort suggeriert, dass einst Geduld bestanden habe, die nun nicht mehr bestehe, weswegen dem ZDF nun wieder allmählich ja vollends der Geduldsfaden reiße. Weil die Juden allmählich wieder rückfällig werden und wieder einen Grund liefern, damit man endlich und allmählich ungeduldig werden darf.
2) Vor allem.“ Ganz früher waren es vor allem die Brunnenvergiftungen, noch früher war es vor allem die jüdische Ablehnung Jesu als Erlöser, etwas später waren es vor allem der jüdische Wucher und die ‚Zinsknechtschaft‘ wegen der Juden, dann waren es vor allem die Bürgerrechte, die sich die Juden seit der Zeit Napoléons erstritten hatten. Zwischendurch war es vor allem die Widernatürlichkeit des Judentums, das lieber darauf bestand, es selbst zu sein, als sich zu unterwerfen. Immer taten die Juden dies falsch und jenes falsch, verhielten sich halsstarrig, schädigten die Christenheit und später ein Ding Namens Volkskörper. Vor allem machten Juden Probleme!, darum wäre es vor allem besser gewesen, immer, dass es keine Juden gäbe. Wegen allmählich sinkender Geduld.
1948 bei der Staatsgründung Israels hieß es sofort, vor allem der jüdische Staat sei den Arabern unerträglich, sei den Sowjets unterträglich, sei für die Linken ein neuer Nationalismus, sei für die Rechten ein Extraprivileg und eine Extrawurst für Juden. Seit 1967 sind es vor allem die jüdischen Siedlungen, über die man sich aufregt.
Es gibt immer eine Reihe von Unerträglichkeiten, die von der jüdischen Existenz-an-sich ausgeht, mal ist es der nicht akzeptable Unglaube, mal der nicht zu tolerierende Eigensinn, mal die unerträgliche rassische Minderwertigkeit, und neuerdings sind es vor allem die Wohnorte von Juden, die da leben, wo Andere es nicht dulden können.
3) Die Welt.“ Das deutsche ZDF spricht für die Welt. Möge am Wesen des ZDF die Welt genesen? Die Welt habe nun mal Probleme mit den Juden, heute habe die Welt nun mal Probleme mit Israel.
Die Selbstverständlichkeit dieser quasistaatlichen ZDF-Äußerung ist, wie soll man es ausdrücken?, so tradiert, so ‚gesundes Volksempfinden‘, so selbstverständlich. À propos, moslemischerseits bedeuten die Stichwort „Siedlungspolitik“ und „zionistische Besatzung“ nichts Anderes als einfach Israel. Friedenshindernis seien die Siedlungen – soll als Chiffre heißen: So lange Israel existiert, werde es bekriegt und boykottiert, und wegen Israels werde es keinen Frieden geben.
Jeder, ob Moslem oder nicht, der behauptet, dass diese Siedlungen Friedenshindernis seien, meint diese Chiffre. Ob es ihm nun bewusst ist, oder ob er sich lieber hinter einer Allerweltssuggestion versteckt.
Auch bevor Israel existierte, mussten Juden immer beweisen, dass sie existieren durften. Aber das konnten sie nicht!, die Unmöglichkeit des Beweises war ja Sinn der Sache. Die Christen sahen sich längst als die vervollkommneten und erlösten neuen Juden (so wie das Ann Coulter oder das Opus Dei noch heute meinen). Die Moslems meinten seit dem Koran immer und meinen noch heute mit dem Koran, dass Abraham und Moses ohnehin Moslems gewesen seien, dass es also keine Juden mehr geben dürfe, weil sie alle immer schon Moslems gewesen seien, aber nicht wollten!, obgleich man das ja nicht nichtwollen dürfe.
Und wehe, wenn Juden sich gar irgendwo blicken lassen, wo sie nichts zu suchen haben, nicht? Grad im Weichbild der armen benachteiligten, dauerbeleidigten Araber, die es nicht aushalten können, dass da in Siedlungen irgendwo ein paar Juden wohnen, oder dass in Tel Aviv Frauen ohne männliche Aufpasser auf die Straße gehen dürfen, oder dass die Jerusalemer Klagemauer als letzter Rest des salomonischen Tempels gilt. Für Juden. Die das nicht zu wollen haben sollen.
Da MUSS man ja wieder allmählich die Geduld mit den Juden verlieren. 2014 wegen der Siedlungen, so wie 1814 wegen der Bürgerrechte, so wie 1214 wegen des gotteslästerlichen Talmuds und wie 1514 wegen ein paar jüdischer Familien in Mitteleuropa, oder wie 1614 beim Pogrom in Frankfurt, als die Bürger allmählich die Geduld verloren.
Warum: Wegen des Stolzes. Des verletzten arabischen Stolzes auf sich selbst, der alle Anderen ausschließt und bekämpft, und wegen des Stolzes des ZDFs auf die Selbstverständlichkeit des Geduldverlierens. Deswegen geht es ja gar nicht, dass jüdische Siedler vielen Arabern Arbeit gegeben haben – woraufhin die marode Wirtschaftskraft der Palaraber nach vielen selbstverschuldeten Rückschlägen endlich wieder anstieg. Weswegen die EU im vorigem Jahr prompt die Kennzeichnungspflicht für unter jüdischer Leitung produzierte Waren eingeführt hat, um diese Waren abzuschaffen, und weil es die Araber unerträglich in ihrer Ehre verletzt, von JUDEN für Arbeit besser bezahlt zu werden als von Arabern.
Gell?
Araber haben schließlich stolzverletzt, irrational, edel, arbeitslos und dauerempört zu bleiben, damit westliche Politiker weiter ein schlechtes Gewisen wegen des Kolonialismus und wegen der Juden haben dürfen, deren Vernichtung misslang, und damit das ZDF mal wieder und allmählich die Geduld mit den Juden verlieren darf.
Weil das doch mal gesagt werden dürfen muss.
Und wehe, wenn nun einer die Antisemitismuskeule auspackt. Die haben bekanntlich die Juden erfunden, früher wegen des Gottesmords und wegen der Zinsknechtschaft, heute wegen des armen Martin Walser, wegen Herrn Grass‘ Unverständnis der permanenten Vernichtungsdrohungen aus dem Iran, und deutscherseits wegen der jüdischen Siedlungen im deutschen Schutzgebiet.
Hillel Neuer, der Vorsitzende von UN-Watch und meistgehasster Mann im UNO-Menschenrechtsrat (dessen Vertretern mehrheitlich die Menschenrechte am Gesäß vorbeigehen), drückte just diesen Sachverhalt in einem Interview so aus (mit Dank an Schum für den Fund):
…Wenn ich höre, wie europäische Diplomaten rechtfertigen, dass Israel sich in der UNO keiner Regionalgruppe anschließen kann, und wenn sie sagen, dass es nicht der westlichen Regionalgruppe beitreten könne, weil es nicht deren Werte teile, dann spüre ich das alte Vorurteil, von dem wir gehofft hatten, dass es nach 1945 aus Europa verschwunden sei.“
Dieses Vorurteil besteht darin, dass Juden, ob mit oder ohne Staat, nicht dazugehören. Wegen Erlösungsunwillens, wegen der Brunnenvergiftungen und wegen der Zinsknechtschaft, wegen der Hakennase, wegen der Beschneidungen, wegen zu vieler Juden bei den Banken, den Medien oder überhaupt, wegen des heiligen arabischen Bodens und wegen des jüdischen Unwillens, den Koran anzunehmen, überhaupt wegen der jüdischen Werte, nein wegen des jüdischen Unwerts!, und nun wegen der Siedlungen.

Der Blick auf die Juden ist seit den Tagen Amaleks eine blutige Obsession. Es wird weiter gestarrt, es wird immer etwas gefunden, und es hört nicht auf.

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Anmerkung: Der Artikel bei TiN auf den sich dieser Text bezieht ist nicht mehr bei TiN online, man findet ihn hier: https://web.archive.org/web/20160324015422/https://tapferimnirgendwo.com/2014/02/21/wie-halten-sie-es-mit-den-judischen-siedlungen/

Zwei Kommentare zu beiden Artikel herausgegriffen:
Aristobulus, 24.02.14, 21:10 :
Leute:
Bergstein hat gestern in einem Satz für Satz spannenden, erhellenden Kommentar dargelegt, dass Juden in den christlichen Monarchien der Vergangenheit niemals Rechtssubjekte gewesen sind, sondern dass sie nicht unter die Allgemeindefinition Mensch fielen: Teils geduldet, Teils halb geduldet, Teils gar nicht, und dauerhaft unter nicht einlösbarem Rechtfertigungsdruck stehend. Woraus sich die heutige merkwürdig wortlose Überzeugung herleitet, dass das Volk der Juden als Rechtssubjekt durchaus nicht mit dem Volk der Dänen, Eskimos oder Uruguayer gleichzubehandeln sei.
Bitte den Bergstein lesen!, der kennt sich aus: [Link nicht mehr online, Kommentar folgt unten].
Rechtssubjekt. Nein, dieses Ding ist zwar eine Chimäre von gegenstandslosem Luftbegriff wie Gender Studies, Börsenkurse oder „was mit Medien“, aber dieses Ding ist viel gefährlicher, es erschafft die Realität von Menschheit und Untermenschen und hält sie am Leben. Nämlich die Realität, in der anno 2014 traditionellerweise vielleicht achtzig Prozent der Leute meinen, dass Juden ‚eigentlich‘ ja ‚irgendwie‘ kein Staatsvolk sein könnten. Warum nicht?, auf die Frage wird dann geschwiegen oder ihr wird ausgewichen – weil das doch eine Tatsache ist, die man nicht erklären muss. Dass Juden halt was Anderes seien.
Mir ist eine Analogie eingefallen: Frauen. Natürlich passt die Analogie nicht ganz, denn es ist kein Volk von Frauen denkbar, das ein eigenes Land beansprucht. Jedoch sie passt im Sinne des Rechtssubjekts: Frauen waren bis zur Einführung der Gleichberechtigung ebensowenig Rechtssubjekte wie Juden.
Deren Emanzipation als Gruppe gelang aber.
Warum dann nicht die der Juden als Gruppe?
Bergstein, 23.02.14, 14:06 (auf diesen Kommentar bezieht sich der Verweis oben):
Der Grund ist bezogen auf Israel eigentlich ganz einfach. Als Israel den Unabhängigkeitskrieg gewonnen hat und zum Teil auch schon nach der Unabhängigkeitserklärung stellte sich für die westlichen Staaten, die Übrigen so ziemlich alles unternommen haben, damit es nie geschieht, ein großes Problem, soll man Israel anerkennen oder nicht.
Zunächst schien keine Lösung des Problems in Sicht, da weder das Eine noch das Andere in Betracht kam. Das Anerkennen war nicht möglich, da dies zu Einem sich diese gegen die arabischen und muslimischen Staaten richten würde, man wollte sich wegen ein paar Juden in Israel nicht mit den vielen Moslems mit ihrem vielen Öl verscherzen und zu Anderem, sind die Juden nach westlicher Anschauung kein Volk, sondern eine Religion, so dass eine Anerkennung bedeutet würden, dass die heimischen Juden plötzlich nicht mehr in die bestehenden Nationalstaaten passen würden. Auf der anderen Seite war auch das Nichtanerkennen keine Alternative. Zu Einem war die Gründung völkerrechtlich abgesichert und zu Anderem war Israel ja praktisch da. Nach längerem Denken kam man auf die von Ihnen oben angesprochene und aus dem deutschen Mittelalter übernommene Lösung.
Entgegen allen anderen Bevölkerungsgruppen hatten die Juden kein natürliches Aufenthalts-recht im Heiligen römischen Reich der Deutschen Nation. Allerdings gewährte der Kaiser ihnen, selbstverständliche gegen eine entsprechende Zahlung, ein beschränktes Aufenthaltsrecht. Die Juden hatten folglich kein natürliches, sondern ein gewährtes sekundäres Recht. Das Aufenthaltsrecht der anderen Bevölkerungsgruppen war somit vorrangiger als das der Juden, das ja jederzeit entzogen werden konnte. Das Gleiche hat man nunmehr mit Israel getan.
Die Anerkennung eines Staates besteht gewöhnlich aus zwei in der Regel gleichzeitig statt-findenden Ereignissen. Zunächst wird man als Volk mit einem Recht auf Staatsgebiet anerkannt. Anschließend wird auf Grundlage des Selbstbestimmungsrechts eines anerkannten Volkes, der von diesem Volk gegründete Staat anerkannt. Bei Staatsbürgerschaft geschieht das Gleiche, man wird zunächst als Deutscher anerkannt und auf dieser Grundlage bekommt man die Staatsbürgerschaft.
Genau wie bei Juden in Mittelalter wurde die Juden in Israel weder als Volk anerkannt und schon gar nicht wurde ihr Recht auf das Land anerkannt. Der Staat Israel wurde hingegen als juristisches Gebilde anerkannt. Da man aber für einen Staat ein Staatsvolk braucht, wurden die Araber, die man später Palästinenser genannt hat, als das eigentliche Staatsvolk anerkannt. Das ist übrigens auch der Grund wieso nur bei Palästinenser der Flüchtlingsstatus erblich ist, da er der Staatsbürgerschaft bei anderen Bevölkerungsgruppen entspricht. Anerkannt wurde im Ergebnis ein arabischer Staat Israel in dem die Juden zufälliger- und auch bedauerlicherweise gerade die Mehrheit stellen. Es hat ja niemand geglaubt, dass dies dauerhaft der Fall ist. Man war sich totsicher, dass bald die Araber mit in ihren 10 Kinder pro Frau die Mehrheit der Bevölkerung stellen werden.
Alle von Ihnen beschrieben Problemen und die doppelten Standards sind die Folge dieser Halbanerkennung. Rein rechtlich ist es kein doppelter Standard, da die Juden wie dargestellt nur ein sekundäres und somit gegenüber den Arabern nachrangiges Recht genießen. Die Juden haben nämlich keine Rechte außer denen, die ihnen UNO ähnlich wie der Kaiser gnadenvollerweise gewährt. Diese können wie tatsächlich in Mittelalter auch häufiger geschehen jederzeit wieder widerrufen werden, wie z.B. wenn die Juden wie im Mittelalter die Begleichung von Schulden eingefordert haben oder sich neuerdings erfrechen, die Häuser da zu bauen, wo es ihnen beliebt. Ein gewährtes Recht kann selbstverständlich vom Gewährenden entzogen werden, wenn er Geduld mit demjenigen verliert, dem er das Recht in seiner unendlichen Gnade verliehen hat. Die Araber wissen natürlich um diese Halbanerkennung und bestreiten deswegen auch immer wieder die Shoah, da diese außer Ihrer Sicht der Grund für diesen Gnadenakt der Rechtegewährung gegenüber Juden war.

Blutvergießen, Blutkulte und der Blutrausch gegen die normative Kraft der Menschlichkeit (reblog)

Dieser Artikel von Robert Cohn über Kontrolle und Enthemmung der inhärenten Grausamkeit erschien zuerst im Januar 2014 auf Tapferimnirgendwo.

(Das Antiquariatsbild ist eine Randnotiz von mir, der teilweise passenden Titel wegen; nicht von Aristobulus oder TiN)

Im Judentum ebenso wie für alle anständigen Menschen geht es von Anfang an um den Kampf gegen Blutvergießen und gegen Grausamkeit, um den Kampf gegen Sklaverei und Unterdrückung, um den Kampf gegen Selbstgerechtigkeit und die Lust an der Selbstüberschätzung auf Kosten Anderer, gerade die eigene.
Als unser Stammvater Abraham Avinu seinen Sohn Jitzchok auf einem Altar opfern wollte, so wie er es bei den Anderen und deren Blutrausch gesehen hatte, fiel ihm ein Bote G“ttes in den Arm, um solche Gräuel ein für allemal zu verhindern. In dem Moment begann die Zivilisation. Worauf Abraham es voll begriff und sich selbst beschnitt, sich selber die Vorhaut abschnitt. Yep, dazu gehört Mut!, es war in der Urzeit, als es noch Helden gab, die etwas zum ersten Mal taten, die erste Beschneidung als Zeichen, dass für alle Zeiten Blut- und Menschenopfer abgeschafft gehören.
Dieses Zeichen tragen wir bis heute. Bis heute praktizieren die Juden die Beschneidung (Briss Miloh) als Erinnerung an Menschenopfer weltweit, und damit sie nie wieder geschehen mögen.
Obwohl sie weiter geschehen und geschehen.
Das Obwohl ist das zentrale Konzept des Judentums. Obwohl selbst Juden damit Probleme haben, halten wir uns daran. Obwohl alle Welt auf die Juden einprügelt und einteufelt, mal mehr, mal weniger, halten wir am Judentum fest. Obwohl alle Nachbarn Israels geschworen haben, diesen jüdischen Schandfleck von der Landkarte zu tilgen, gelten in Israel die Menschenrechte und Individualrecht unterschiedlos für alle Bürger, Nichtbürger, Antibürger und Gleichgültige. Obwohl alle Welt seit den Assyrern, Babyloniern, syrischen Hellenisten, Römern, Christen, Moslems und Nazis mal mehr, mal weniger tat, was sie konnte, um das Judentum vom Globus zu tilgen, haben Juden niemals die selben Maßstäbe angelegt.
Seit der Zeit des Abraham Avinu, seit drei- oder viertausend Jahren, ist jedem anständigen Menschen vorgeschrieben, das Leben Anderer zu achten.
Weil es anders nicht sein darf. Aus und Amejn.
Freilich gefällt es den Menschen von je her, Andere zu dominieren und zu verletzen. Machtausübung verschafft Lust, ganz einfach, und alle Lust will Ewigkeit. Jemanden zu quälen, zu drangsalieren und zu unterdrücken, verschafft dem Quäler die bleibende Illusion, mehr zu sein als der gequälte Mitmensch. Superiorität sei mit Lustgewinn verknüpft, und um mehr Lust und Oberwasser zu kriegen, müsse man sich nur an jemandem vergehen – das ist das Rezept von Herrschern, Vergewaltigern, Lustmördern, Warlords, Haustyrannen und Menschenopferern.
Dieses Rezept ist freilich banal, und jeder, der es so banal äußert, demaskiert sich in den Augen der Anderen. Darum macht man kollektive Glaubenssätze und heilige Schriften daraus, darum erfindet man Kulte, Partikularrechte, Symbole und allerlei Beschwörungen, um der banalen Lust am Banalbösen den Anstrich von Eigentlichkeit und Heiligkeit zu geben: Das Höhere und seine Heiligkeit als Vorwand, um das Übelste auszuleben, um sich größer zu fühlen und sich hineinzusteigern.
Anstatt einfach Schluss damit zu machen und seine Befriedigung anders zu suchen, etwa in der Durchsetzung von Dingen der Zivilisation und Menschlichkeit, hat man es jedoch immer verstanden, die alte Grausamkeit wieder zu integrieren – sei es real als Metzelei an ausgewählten Tagen, sei es symbolisch. Wohl, um sie zu bannen?
Etwa der Gral. Das ist ein heiliger Kelch mit Blut drin. Das ganze christliche Abendland und das ganze christliche Morgenland glaubte während vieler Jahrhunderte inbrünstig an den Gral. Damit eng verbunden sind Erlösung, Opfer, ja Liebe. In der Gemeinschaft trinkt man bis heute aus diesem Gral. Es befindet sich BLUT darin, die Assoziation zur Blutrache, Blutmystik, Blutopfer, Bluttat, Blutrausch, Blutschwur usf. liegt ganz nahe.
Das war doch abgeschafft.
Aber in jeder Kirche steht bis heute ein Gral und wartet auf Füllung.
Wie konnte es wieder so weit kommen?
Als das Judentum zum zweiten Mal begann, nun auf dem Berg Sinai, wurde das Trinken von Blut *schauder* absolut verboten. So bald sich die Christen gegen Ende des ersten Jahrhunderts weit genug vom Judentum abgespalten hatten, wurde der Blutkult des alten Orients jedoch wieder eingeführt, blutiger und bestimmender denn je, auf immer und alltäglich verknüpft mit Jesu Leiden und Tod und Blut allüberall. Blut und das Heil. Blut und Erlösung, Erlösung durch Menschenopfer und Blut.
Was soll diese Sache mit dem Blut?
Die war doch abgeschafft, nein?.
Limpieza de sangre”, Blutreinheit, forderte die spanische Inquisition in totalitärer Prägung, und ermordete wegen der Reinheit und des Blutes tausende Juden und Araber.
Unter faschistischen Fantasien bis ins zwanzigste Jahrhundert wurden Blutorden, Blutmärsche und Blutpakte gestiftet und gefeiert, in Deutschland, Griechenland, Italien, Spanien, überall da, wo sich sympathisierende Gruppen fanden. Bluuuut.
Auch die Flagge der Kommunisten überall ist blutrot, so wie die Taten Stalins, Maos und Pol Pots.
Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!“ (Mt 27,25), so ließ die Rollenprosa des Evangelisten Matthäus die jüdische Menge ausrufen, als Jesu Blut vergossen werden sollte. Blut und Juden gemeinsam assoziiert, gemeint als Verfluchung der Juden als Gottesmörder wegen Blutes über alle Generationen. Indem eine Geschichte über Blut so erhitzt, herausgeschrieen und erhöht wurde, damit sie als Aufruf zum Massenmord gelte. Heiliger Blutrausch rief wieder realen Blutrausch hervor.
Die Täter der Schoah waren fast alle christlich getauft und sozialisiert. Im NS-Kampflied Ihr Sturmsoldaten jung und alt wurde als Refrain gesungen: „Wenn das Judenblut vom Messer spritzt, gehts uns gleich nochmal so gut“. Der Einzelne ging im erhitzten Kollektiv auf, sang so, fantasierte so und tat es so.
Blut.
Dieses reale Theaterblut aus der Hölle wurde gleichzeitig angebetet und tief verachtet. Das Eine schlug ins Andere um (Enantiodromie) und blieb sich gleich – wegen Rausch und Anstachelung, und weil das Rezept zum sich Großfühlen so einfach funktioniert. Wie das prickelte an kühlen Abenden immer vor Ostern, als man sich diese christlichen Pogromlegenden erzählte, dass die Juden Kinderblut in ihre Matzes gössen. Dort, wo der Islam herrscht, erzählt man sich diese Geschichten auch anno 2014 mit um so mehr erhöhter Stimmung und Genuss. Das gehört da zur Folklore, zu politischen Reden, ja zur islamischen Unterweisung, mit feierlichem Hass vorgetragen von Imamen und Mullahs. Es gibt arabische Filme und Fernsehserien über die rituelle Schlachtung moslemischer Kinder durch Juden, blutig und familiengerecht gedreht.
Während in Gegenden, wo der Islam herrscht, Christen blutig vertrieben und dezimiert werden.
Derlei exotisch-Alltägliches aus fernen Ländern steht freilich kaum oder niemals in der ZEIT, der Süddeutschen, dem SPIEGEL. Obwohl in deutschen Koranschulen und Moscheen derlei auf dem Lehrplan steht, und obwohl hiesige Moslems gern türkische und arabische Fernsehsender sehen.
Während in Kirchen jeden Tag bei der Messe Wein in Blut verwandelt wird. Real verwandelt, sagen die Katholiken und läuten eine Glocke, wenn’s fertig ist, symbolisch verwandelt, sagen die Protestanten, und beide Konfessionen meinen, machen, verwandeln und zeigen jedoch Trotz fremder Anverwandlung MENSCHENBLUT und trinken es, mal physisch, mal symbolisch, aber immer BLUT.
Das klingt polemisch. Sieht aber nach Blut aus.
Immerhin haben sie real damit aufgehört.
Über fast zweitausend Jahre war das anders. Als die Kreuzritter im Jahr 1099 Jerusalem eroberten, schrieben die Chronisten ganz ohne Anflüge von Schuld oder gar Mitgefühl, dass die Pferde der Ritter bis hoch zu den Beinen im Blut gewatet hätten. Alle wurden niedergemacht, ob Jude, Moslem oder Christ. So sah die christliche Welt aus. Die moslemische auch. Beim Eroberungszug des Islams im siebten Jahrhundert wateten die Eroberer durchs Gemetzel. Und in Konstantinopel 1452 und auf dem Balkan in der frühen Neuzeit. Dichtergeistliche priesen die Massaker in Hymnen an Allah.
So haben sich Juden nie verhalten…
Die Christen haben damit immerhin real aufgehört, seitdem es die Aufklärung gibt. Trotz allerlei mehr irrealer, überlebender Gralsmystik.
Der Islam hat damit nie aufgehört – im Gegenteil, er fängt verstärkt wieder an mit dem Blut und dem Rausch.
Blut der arabischen Selbstmordanschläge, wo das reale Blut meterweit spritzt. 2004 wurde in einer arabischen Universität in der Westbank eine Kunstausstellung aufgebaut, ein Raum wurde blutrot angestrichen, darin lagen Teile von Menschen, das Ganze hieß Blutopfer oder Heldentod oder Kilistin-Forever oder Der Palästinensische Gottesstaat, ich weiß es nicht mehr…

Wann lässt man das sein?

P.S.
Nebbich. Vielleicht muss ja etwas gebannt, symbolisiert und sublimiert werden, damit es nicht übermächtig wird und bis in die Realität wächst. Die Leute scheinen so ein Bedürfnis nach Blut und heiliger Überhöhung von Gräueln zu haben.
Geht’s denn nicht mit Tomatensaft, wenn’s schon rot und salzig sein muss?
Tomaten könnt’ man als heilig erklären, sie sind rund wie wohl der Kosmos und rot wie das Feuer, schmecken gut, haben Vitamine und schaden keinem. Vor Allem sind sie nicht menschlich.
Ein für genuin tomatig und saftig deklariertes Tomatenheiliges schadet ja keinem! Zumal grad Tomaten in Arabien gut wachsen.
Was tat jedoch die Hamas, als die Israelis 2005 aus Gaza abzogen: Sie vernichtete als Erstes die Gewächshäuser, weil sie lieber Raketen baut oder einschmuggelt, mit denen Juden aus Gründen des Menschenopferkults zu blutigen Massen verwandelt werden sollen.
Es wird mal wieder nichts mit Tomaten.

Warum immer diese mörderisch ernsten, von Tod, Lust, usurpierter und illusorischer Allmacht und Mord durchdrungenen BLUTkulte wie zu Zeiten der Neanderthaler, als man zum Frühstück Menschen totschlug und auffraß?

Bach oder was trinken wir heute

Vor urewigen Zeiten ist hier auf dem Blog ein Theaterstück fertiggeschrieben worden, vergraben zwischen Rezepten für Erdnußkekse und Knoblauchbaguette, philosophischen Betrachtungen über üble Nachrede, allein-in-Mexiko-Klaus-Dieter (dem Scheusal), und der Frage, was eigentlich Hohlhippen sind. Nachdem es ein wirklich gutes Theaterstück ist (es waren auch gute Kekse – das Scheusal im Stück ist überhaupt nicht gut), sollte es auch aufgeführt werden. Hier ist es zumindest zu lesen, es folgt absurdes Theater:

Bach
oder
Was trinken wir heute?

Ein Dramolett in zwei Akten

von Robert Cohn

Für Lukas, für Jojne, für Nane

Dramatis Personae (nach der Reihenfolge ihres Erscheinens):

Klaus-Dieter, das Ekel
Emilie, die arm dran ist
Der Ober, dem’s auch nichts nützt
Estelle, die’s auch nicht weiß
Charles, der desillusionierte Gentleman
Der Henker, als er selbst
Emil, der Kannibale, dem’s zu komisch schmeckt
Vater Übüh, der Popolitiker und Scheinrealist

Vater Übühs Gefolge, dauererregt ja dauergierig
Choristen und Instrumentalisten, verhärmt aber tüchtig

1. Akt.

(Eine Bar, hinten Asketen, die Bachs Chorsatz „Herr, gehe nicht ins Gericht“ singen. Seitlich ein Bartresen in Knallrot und Gäste mit mehr Schein als Sein. Manchmal beleuchten die Scheinwerfer den Protz, der so herumsteht. Manche Gäste tanzen langsamen Walzer zu Bachs Chor. Der Suchscheinwerfer findet einen Tisch mit Emilie und Klaus-Dieter. Emilie (eine ältere Dame, die da nicht so hinpasst) springt plötzlich auf und stöhnt andachtsvoll:)

Emilie. Bach!

Klaus-Dieter. Was trinken wir heute?

Emilie. Aber Klaus-Dieter, ich rede vom großen Bach, und du fragst, was wir heute trinken -.

Klaus-Dieter. Der Bach war nicht groß, der war so richtig klein und dick, Emilie. Und der ist eh nicht da, und also was trinken wir heute?

Emilie. Sei doch nicht wieder so, Klaus-Dieter.

Kamillentee… nein, zwei Scotch?

Klaus-Dieter. Okay, für mich auch zwei Scotch. Hahaha. He, Bedienung!

Ober. Bitte, mein Herr?

Klaus-Dieter. Zwei Scotch für die Emilie, das ist die da, und für mich auch zwei. Hahahaa!

Emilie. Herr Ober, war Bach etwa klein und dick?

Ober (schüttelt den Kopf). Pardon, Madame.

Emilie. Aber Sie sind doch der Ober, Sie müssen das doch wissen -.

Ober (diskret). Madame gestatten, wenn man öhm die Aspekte seiner Musik recht bedenkt und sie alle öhm in Rechnung stellt, dann war der Herr Bach wohl fast so ähnlich geartet wie sein Großvater.

Klaus-Dieter. Großvater vom Vater oder Mutter?

Ober. Mütterlicherseits, mein Herr.

Klaus-Dieter. Ach.

Emilie. Aber Klaus-Dieter. – Woher wissen Sie bloß so viel, Herr Ober -.

Ober. Erlauben Sie, Madame, ich muss doch, denn wer sollte sonst -.

Emilie. Und mütterlicherseits?

Ober. Mütterlicherseits, Madame, ist es so gut wie sicher.

Klaus-Dieter. Nee, Bedienung, der hat so viel Scotch oder was getrunken, dass der davon so klein und dick geworden ist, der Bach, und auch die Mutter vom Bach war schon so. Winzig und feeett waren die, die Bachmutter und der dicke Bach.

Ober. Erlauben Sie, mein Herr, aber ich muss dazu bemerken, dass der Herr Bach nur Wein trank. Das ist so gut wie erwiesen.

Klaus-Dieter. Nee. Bier. Und das macht so richtig doll feeett.

Emilie. Aber Klaus-Dieter -.

Ober. Wenn die Herrschaften jedoch gestatten -.

Emilie. Herr Ober -.

Klaus-Dieter. Total feeeett.

Emilie. Aber -.

Ober. Wer sonst -.

Klaus-Dieter. Bier.

Ober. Madame -.

Emilie. Mütterlicherseits -.

Klaus-Dieter. Feeeeett -.

Ober. Erlauben –

(Sie erstarren. Der Scheinwerfer sucht, ob noch etwas passiert. Es passiert nichts. Er wandert zum nächsten Tisch, an dem Estelle, Charles und Emil der Kannibale sitzen, der sich irgend Stücke von Gesicht, Hals und Händen zieht und sie isst. Charles und Estelle ignorieren es.)

Charles. Verzeihung, darf ich Sie einladen?

Estelle. Wozu?

Charles. Zum Beispiel zu einem Running Spliff.

Estelle. Das ist etwas Anderes.

Charles. Nein, es ist ein „Running Spliff“, nichts Anderes, aber möchten Sie etwas Anderes?

Estelle. Ja?

Charles. Kennen Sie das noch nicht?

Estelle. Ich kenne nichts Anderes.

Charles. Ah so, dann bestelle ich uns vielleicht keine. Aber Sie sehen so bedrückt aus, darf ich fragen, ob etwas geschehen ist?

Estelle. Etwas Anderes.

Charles. So. – Herr Ober, bitte drei Running Spliffs, nicht zu stark gerührt und mit viel Salmiaksorbet.

Ober. Sehr gern, mein Herr.

Charles. Möchten Sie darüber sprechen?

Estelle. Wozu, es ist doch etwas Anderes – vielleicht klein und dick.

Charles. Ach was, wie unangenehm. Übrigens, mein Name ist Charles. Gestern traf ich eine Frau, sie war groß und dünn und sprach von nichts Anderem. Es war – unangenehm. Wenn so Dünnes geschieht, fühlt man sich leicht so außerhalb. Trotz dieser – Morde draußen, oder wohl deshalb. Wie soll ich es anders sagen. Nicht anders als Sie?

Estelle. Gestern hat es gerauscht auf dem Kirchturm, ich habe es gefühlt wie an Sonntagnachmittagen. Nicht so wie in meiner Kindheit; den anderen. Es geht tief hinunter, aber ich habe gedacht, dass Rauch an solchen Sonntagnachmittagen dicker ist als sonst oder als früher.

Charles. Sie gehen öfters auf den Kirchturm? Und wie heißen Sie?

Estelle. Es war gestern ein anderer Sonntagnachmittag, ich glaube, es war Dienstag oder Samstag, aber es war doch wie Sonntag. Besonders am Nachmittag. Es hat gerauscht. Nicht wie hier, sondern außerhalb.

Charles. Fühlen Sie sich öfters so – so weit entfernt?

Estelle. Wie heißen Sie?

Charles. Und vorgestern habe ich einen –

Estelle. Das Rauschen heißt nicht -.

Charles. Nein, vorgestern hieß ich noch, ich hieß so ähnlich wie ich heute heiße, glaube ich. Quoidonc, Charles Quoidonc. Aber da kommen unsere „Running Spliffs“.

Ober. Bitte sehr, die Herrschaften, sechs halbe „Running Spliffs“.
(stellt drei Gläser auf den Tisch)

Charles. Und die Hohlhippen?

Ober. Wie meinen?

Charles. Die Hohlhippen fehlen.

Ober. Die Hohl-, oh verzeihen Sie bitte.
(eilt weg)

Charles. Wie gesagt, und vorgestern traf ich einen – nein, ich habe jemanden getroffen, es war keine Frau, aber einen Mann konnte man ihn auch nicht nennen. Wir sprachen nicht über die Morde und nicht über die Wahlen, sondern über Hohlhippen, besonders darüber, dass sie so heißen, wissen Sie das? Es scheint wichtig zu sein, dass sie so heißen und dass sie überhaupt heißen, vermute ich, aber genauer weiß ich es nicht. Es war ungefähr hinter der Ostmauer des Kirchturms oder des Bahnhofs, wo man diese Wahlen beobachten konnte, aber ich weiß nicht, ob dieser Bahnhof seinerseits eine Ostmauer hat. Vielleicht ist es nicht wichtig. Sie verstehen? Ostmauern sind während solcher Gespräche ziemlich wichtig, vielleicht um diese Morde da draußen zu begreifen?, und ohne dass ich übertreiben will, es geht eigentlich gar nicht ohne Ostmauern. Vor Bahnhöfen ist das etwas Anderes. Vielleicht liegt es an der Nachmittagssonne, die dann darübersteht, oder daran, dass keine da ist. Falls.
Aber es lag nicht an der Sonne oder daran, dass Vormittag war, nein, sondern es lag an der Ostmauer. Übrigens, mein Name ist Charles, nicht Tschaarles und nicht englisch ausgesprochen, falls Sie ihn mal geschrieben sehen, aber das ist nicht wahrscheinlich, sondern Schahrl‘, französisch ausgesprochen. Nicht wie Bach, der hat ein Ch.Und ich habe ein Sch und kein Tsch, nicht.
Glauben Sie mir bitte, viele Dinge können wir uns vorstellen und viele andere wiederum nicht, so ist es eben. Können Sie sich vorstellen, es wären nicht diese – – Wahlen gewesen, oder Sie wären Sonntagnachmittags neben dem Bahnhof und nichts würde heißen oder rauschen? Nichts? – Entschuldigen Sie bitte, falls ich mit dieser Frage vielleicht etwas indiskret erscheine. In Ihren Augen etwas – etwas indiskret vielleicht, oder vielleicht indiskret. Aber da kommen unsere Hohlhippen.

Ober. Bitte sehr die Herrschaften, und entschuldigen Sie nochmals.
(rollt eilig drei Papierservietten zu Röhren und drapiert sie auf

den Gläsern)

Charles. Aber was soll das sein, bitte?

Ober. Entschuldigen Sie, der Herr, aber wir haben keine Hohlhippen, wir hatten noch nie Hohlhippen, ich weiß nicht warum. Darf ich Ihnen statt dessen diese hier anbieten – auf Kosten des Hauses selbstverständlich. Auch wegen der Wahlen!

Charles. Ich weiß nicht, warum Sie „ich weiß nicht warum“ gesagt haben, denn Sie hätten „ich weiß nicht warum nicht“ sagen können, weil Sie ja nicht wussten oder nicht wissen, warum Sie noch nie Hohlhippen haben oder hatten – was übrigens seltsam ist, denn eigentlich hat oder hatte man wahrscheinlich immer Hohlhippen, nicht?
Aber gut, von mir aus, tun wir so, als wären es Hohlhippen, vielleicht sind es ja welche. Danke.
(gibt ihm unauffällig ein Trinkgeld)

Estelle (zum Ober). Wie ist Ihr Name? Bitte sagen Sie ihn lieber nicht.

Ober. Aber selbstverständlich, Madame -. Und jener Herr wird hier erwartet. Der die Wahlen gewonnen hat!, welch eine freudige Ankündigung, dass doch noch einmal gewählt worden ist!, pardon, nur Ihnen gesagt. (ab)

Charles. Wissen Sie, diese Hohlhippen scheinen hier ein abendfüllendes Thema zu sein, hier und woanders, aber nicht diese Morde oder jener Herr – jener Herr Übüh, wie er heißt, obwohl diese überall geschehen, denn schon vorgestern habe ich mich darüber woanders unterhalten, mit keinem Mann oder vielleicht einer Frau, und heute wieder. Das geschieht nicht so oft, wie man vielleicht meinen könnte. Aber eigentlich geschieht es sehr viel öfter woanders als Anderes, absolut gesehen. In meinem Eisschrank liegen jedenfalls Hohlhippen. Naturgemäß. Möchten Sie sie ansehen? Man sieht sie nicht oft.

Estelle. Ich habe gestern ein Rauschen auf dem Kirchturm gehört. Es war wie das Rauschen an Sonntagnachmittagen, als ich klein war und noch gespielt habe. Aber das Rauschen war weder Spiel noch etwas Anderes, damals naturgemäß nicht und an Sonntagnachmittagen ebenso wenig, wenn es so tief hinunter geht, aber wie kann ich das wissen? Ein Rauschen ist nicht zu wissen, aber ich habe es gefühlt, es war mitten am Samstag. Ebenso fühlte ich den Rauch, der an Dienstagen lauter ist als an Sonntagen – wie auf Kirchtürmen, aber gestern war er genauso laut oder mindestens ebenso.

Charles. Ach. Wissen Sie, ich sehe mir für mein Leben gern meine Hohlhippen an.

Estelle. Als ich klein war, war der Rauch klein und dick.

Charles. Besonders Sonntags öffne ich meinen Eisschrank und besehe sie, und seit einiger Zeit habe ich eine Sorte, die mindestens dicker ist als die anderen. Sie schmeckt nicht. Aber was ändert das?

Estelle. Der Rauch auf dem Kirchturm hat mich nicht angesehen, weil er nicht so war, wie ich ihn kenne. Das hat mich nachgerade bedrückt.

Charles. Schopenhauer würde sagen, ich hätte eine Affinität zu meinen Hohlhippen, und Nietzsche würde dann naturgemäß erwidern, ich hätte sie zu meinem Eisschrank. Nicht?

Estelle. Naturgemäß war es anders, als ich klein war, ich fühlte mich wie Rauch, besonders an Sonntagnachmittagen, es war nicht anders, aber wenn ich über die Schulter gesehen habe. Ich kenne nichts Anderes als solche Kirchtürme.
(nimmt ihre Zigarettenspitze)

Charles. Feuer? – Sonntags, wenn die Glocken läuten, öffne ich wie erwähnt meinen Eisschrank und erfreue mich, wie Freud wahrscheinlich sagen würde. Obwohl es mich nachgerade bedrückt, dass die Hohlhippen nicht schmecken, warum weiß ich nicht. Obwohl ich sie ansehe, weil ich sie kenne. Naturgemäß. Ob sie schmecken sollen? Vorgestern hat sich jemand mit mir darüber unter Anderem fast gestritten, ich glaube, es war ein Mann, obwohl ich es Ihnen nicht genau sagen kann. Wir saßen wegen dieser Wahlen neben dem Bahnhof, wissen Sie, neben dem, der so ein anderes Dach hat, man könnte meinen, wie ein Kirchturm. Wir redeten über Hohlhippen und keine Hohlhippen, unter Anderem.
Können Sie sich vorstellen, was das ist: Kein Herr Übüh, nein, keine Hohlhippen? Ich auch nicht, es war vorgestern, vielleicht deshalb nicht, wehen dieser Morde und dieser Wahlen. Keine Hohlhippen bedeutet zum Beispiel nicht etwas Anderes als Hohlhippen, das wäre zu wenig präzise. Sondern es ist, als wenn man nichts Anderes kennt als solche. Darin ist sich übrigens Folgendes gleich – unterbrechen Sie mich bitte, falls das nicht stimmt, ja? Also stellen Sie sich Keine Hohlhippen vor, nein nicht keine Hohlhippen, sondern: Keine Hohlhippen. Ich habe es nicht geschafft. Die Vorstellung ist zu bedrückend. Zumal es natürlich keine Vorstellung ist, sondern etwas, das man zu genau kennt. Warum unterbrechen Sie mich nicht?, denn das stimmt ja Alles nicht. Übrigens gibt es zum Glück die Samstage. Wenn man sich nicht am Bahnhof verbergen muss – wegen dieser Morde. Nicht? Und wichtig ist es auch , dass es – dass sie nicht schmecken. Nicht?

Estelle. Ich habe nicht gewusst, dass ich den Rauch gekannt habe. Der Ober hat vorhin etwas nachgerade Bedrückendes vor mir angesehen –

Charles. Feuer?

Estelle. – das war wie an den Sonntagnachmittagen, als ich noch gespielt habe. Seit damals kenne ich das Rauschen auf den Kirchtürmen und neben dem Rauch. Es ist, als wenn es nicht wäre. Auch der Kirchturm ist nicht. Ich kenne ihn wie sonst und wie den Rauch, und wie den Samstag. Irgendwann war es so, dass ich es nicht mehr gewusst habe – der Rauch war dicker und nicht.

Charles. Wie erwähnt, ich kann mir meinen Eisschrank vorstellen, ich kenne ihn gut. Jedoch schaffe ich es nachgerade besser, wenn die Glocken läuten. Und wenn sie nicht läuten, bin ich imstande, an Schopenhauer oder an Aristoteles zu denken, der wahrscheinlich erwähnt hätte, dass die Sonntage ohnehin wie Rauch sind, nicht? Dann bin ich imstande und gehe nachgerade bedrückt zu der Stelle, an der ich mich vorgestern unter Anderem mit jemandem unterhalten habe, ich weiß nicht, ob es eine Frau oder ein Mann war oder wer überhaupt das war, der oder die auch Nietzsche kannte, den ich nicht kenne. Es war, wie Sie sich vielleicht vorstellen können, neben einer Ostmauer, und das war wichtig und ist es immer noch. Wegen vorgestern, nicht? Womöglich auch wegen Bach. Keine Hohlhippen, das ist genauso unvorstellbar wie kein Bahnhof, nein, Kein Bahnhof oder Keine Ostmauer. – Und Sonntags? Das Gespräch hätte an einem Sonntag stattfinden müssen.

Estelle. Wo wohnt der Kirchturm?

Charles. Samstags sind solche Gespräche weniger bedrückend, auch ganz ohne diese Morde, besonders, falls man zum Beispiel den Eisschrank dabei öffnet. Ich habe Sie schon gefragt, ob Sie ihn sich ansehen werden. Möchten Sie?

Estelle. Wohnt denn der Rauch oder Sonntags?

Charles. Verzeihen Sie, ich wohne nicht. Wo ich wohne, wohnt mein Eisschrank, besonders Sonntags. Wenn die Glocken läuten, würden Sie sagen.

Estelle. Gehen wir nicht zu Bach?

Charles. Warum. Aber es würde mich wohl freuen. Dass Hohlhippen übrigens ihre Abwesenheiten haben, die man nicht anders nennen kann, ist eine Tatsache, ob man es nun so kennt oder möchte oder versteht oder nicht. Übrigens, auch vorgestern habe ich mit jemandem darüber gesprochen, es kommt nicht oft vor, eigentlich nie, außer mit jemandem, beim sich Verbergen, wissen Sie. Man kann das hinter der eigenen Schulter sehen, und dafür darf es nicht tief hinunter gehen, weil man es nicht versteht. – Plötzlich neben der Ostmauer.

(Sie erstarren. Der Scheinwerfer sucht, ob noch etwas passiert. Es passiert nichts. Er wandert herum und findet den Henker. Er geht von Tisch zu Tisch und starrt den Anwesenden in die Gesichter. Am Bühnenrand bleibt er stehen.)

Der Henker. Guten Tag. Oder guten Abend, egal. Wen soll ich henken?

Charles (aus dem Halbdunkel). Sie irren sich, „henken“ heißt es nicht, denn das Wort lässt sich nur im hmm Partizip benutzen. Also „gehenkt“. Entschuldigen Sie, ich habe das nur als Anmerkung erwähnt.

Der Henker. Nein, ich irre mich nicht, ich henke. Und ich habe überhaupt nichts mit dem da draußen zu tun. Ich henke als Henker.

Charles. Wenn Sie meinen.

Ober (hinter vorgehaltener Hand). Und wenn der Henker sich irrt, während er henkt -?

Charles. Das wollen wir lieber nicht hoffen.

Der Henker. Soll ich Sie vielleicht henken und danach überlegen, ob’s ein Irrtum war, was meinen Sie?

Charles. Nein, vielleicht geht es noch anders? Aber es heißt wirklich nur „gehenkt“, glauben Sie mir.

Der Henker. Ich denke mal drüber nach.

(Scheinwerfer auf den Hintergrund. Der Ober am Telefon.)

Ober. Sehr wohl, die Herrschaften!, einen Tisch, wie bitte?, ja fünf Tische für Herrn Huibuh und Gefolge?, selbstverständlich!, pardon, wie bitte?, ja für Herrn ÜBÜH und Gefolge, sehr wohl!, er wird jetzt Übüh ausgesprochen?, pardon der Herr, selbstverständlich, ergebensten Dank!, jawohl einundzwanzig Uhr!, sieben bis zehn Tische-?, ich werde sehen, was wir tun können!, sehr willkommen hier, die Herrschaften!, stets für Sie zu Diensten!, ergebensten Dank.

(Der Scheinwerfer sucht, bleibt am Zeitschriftenständer hängen. Zeitungen mit dem Wort WAHLEN. Emilie und Klaus-Dieter beginnen im Halbdunkel zu reden, der Scheinwerfer sucht auf den Schlagzeilen, dann Scheinwerferschwenk auf Emilies Tisch.)

Emilie. Schmeckt dir der Scotch, Klaus Dieter?

Klaus-Dieter. Na wieso nicht, Emilie, schließlich hast du ihn bezahlt. Schmeckt er dir?

Emilie. Wie soll ich das wissen. Man trinkt doch Scotch, oder nicht? Wie Kamillentee? Den trinkt man anders, glaube ich, aber man trinkt ihn. Und Scotch, Klaus-Dieter? Bitte sag mir, ob man ihn trinkt.

Klaus-Dieter. Hier?

Emilie. Wie bitte -?

Klaus-Dieter. Ob man den hier trinkt? Aber Kamillentee kriegst du nicht.

Emilie. Ja, bitte sag mir, ob man ihn denn trinkt, Klaus-Dieter.

Klaus-Dieter. Na klar, hast du schon mal einen gesehen, der ihn isst? Hahahaa. Scotch trinkt man, wieso denn nicht. Grad wegen der Wahlen. Auf die Wahlen!

Emilie. Na dann – weißt du, es hat mich doch beunruhigt.

Klaus-Dieter. Ach was. So wie vorhin dieser Bach?

Emilie. Was hat das denn wieder damit zu tun, Klaus-Dieter.

Klaus-Dieter. Nich‘ wenig. Du stehst wohl auf klein und dick? Winzig und feeett.

Emilie. Nicht so laut, hörst du? Nachher pfeifen die Spatzen deine Frechheiten wieder vom Kirchturm.

Klaus-Dieter. Zum Henker Emilie, reg dich mal ab. – Ich muss übrigens nachher zum Bahnhof.

Emilie. Aber Klaus-Dieter, ich habe es doch nicht so gemeint –

Klaus-Dieter (unverschämt). Ich muss sowieso zum Bahnhof.

Emilie. Aber warum –

Klaus-Dieter. Manchmal muss man halt zum Bahnhof, oder sonstwo hin, wieso willst du das nicht begreifen. Emilie begreift nix, nicht mal, dass man zum Bahnhof muss, oder sonst wohin. Dein Bach hätte das auch gesagt. Der ist auch zum Bahnhof gegangen. Pah, der hat nicht mal gesagt, ich geh hin, sondern der ist einfach hingegangen. – He Bedienung! – Ich frag ihn einfach.

Emilie. Aber –

Ober. Bitte sehr, der Herr?

Klaus-Dieter. Ist Bach manchmal zum Bahnhof gegangen?

Ober. Herr Bach, bitte?

Klaus-Dieter. Klar doch, Mensch. Bach, Bahnhof, gegangen. Ist er oder ist er nicht?

Ober. Verzeihen Sie bitte, der Herr, aber wenn Sie das vielleicht meinem – Vorgesetzten – – ich bin doch hier nur –

Klaus-Dieter. Nix wiss‘. Verstehe. (ruft quer durch den Saal) Hey Sie!

Emilie. Aber Klaus-Dieter –

Der Henker. Na was denn nun?

Klaus-Dieter (pedantisch). Ist Bach manchmal zum Bahnhof gegangen?

Der Henker. Haben Sie das nicht schon den Ober gefragt?

Klaus-Dieter. Na klar doch.

Der Henker. Und was wollen Sie dann von mir?

Klaus-Dieter. Ach legt euch doch alle gehackt -.

Emilie. Aber Klaus-Dieter – –

Klaus-Dieter. Gar nix erfährt man hier, nicht mal was über die Wahlen!, Saftladen, das.

Der Henker. Ober, sagen Sie ihm doch, was er wissen will, sagen Sie ihm irgendwas vom Bahnhof oder von da draußen, kann doch nicht so schlimm sein. Ich habe keine Zeit für so was, muss nachdenken.

Ober. Selbstverständlich, Herr -. Selbstverständlich.
(zu Klaus-Dieter)
Vielleicht dürfte es Ihnen bald bekannt sein, der Herr, wohin Herr Bach ging, er wusste es nämlich. Und dazu, mein Herr: Herrn Bachs Großvater, mütterlicherseits versteht sich, kannte den Bahnhof übrigens nicht. Ihnen gesagt, weil ich es weiß, aber nicht mehr. Und Herr Übüh wird hier vom Bahnhof erwartet!, er hat Wahlen abhalten lassen!, pardon, nur Ihnen gesagt. Danke, die Dame.
(entfernt sich)

Klaus-Dieter (zu Emilie). Na siehste, du Schnalle.

(Im Hintergrund stellen sich die Musiker auf und schrammen leise den 1. Satz der Flötensonate h-moll herunter)

Klaus-Dieter. Das klingt ja wie vom Großvater. Zum Bahnhof hätt der gehen sollen. Was hast du eigentlich gegen Bahnhöfe?

Emilie. Aber Klaus-Dieter. Ich meine nur, es ist vielleicht nicht gut, dass –

Klaus-Dieter. Was weißt du denn. Ach zum Henker, immer vermiest du einem die Laune. Aber Klaus-Dieter. Trink wenigstens deinen Scotch aus, sonst geht der auch noch zum Bahnhof.

Emilie. War es denn Scotch? Und trinkt man ihn -? Ich weiß es doch nicht.

Klaus-Dieter. Gerührt oder geschüttelt, hier, letzten Donnerstag oder am Bahnhof, verdammt?

Emilie. Das weiß ich nicht, Klaus-Dieter. Bitte fluch nicht, du machst mir Angst.

(Als der Henker anfängt zu reden, sucht sich der Scheinwerfer sein Gesicht)

Der Henker. Tja, wenn ich das wüsste. Henken oder gehenkt, das ist hier die Frage. Henken, schwenken, denken. Ich denke ich henke. Nun ja, Tschaarles würde sagen, dass ich mich irre. Nein, Scharl‘. Egal, er wird rechthaben, aber darum geht’s nicht.
(tappt zu Emilies Tisch)

Der Henker. Ich henke, also bin ich. Oder umgekehrt. Wenn ich nun bald keinen henke, dann bin ich vergeblich oder sinnlos. Hier ist aber alles voll mit Sinn. Die alle hier produzieren Sinn!, die tun gar nichts sonst, SinnSinnSinn, und der Sinn stapelt sich und stapelt sich und macht die Luft klein und dick, bis man sich dran aufhängt. Deshalb muss ich jetzt arbeiten, verstehen Sie, Frau Emilie? Weil ich nur ICH bin. Jeder sonst hier oder da draußen kann es anders, bloß ich nicht. Aber Sie müssen mir helfen, denn ich weiß nicht, wer hier gehenkt werden soll. Helfen Sie mir?

Emilie. Aber um Gottes Willen -.

Klaus-Dieter. Was hat denn der damit zu tun. Der ist doch auch gehenkt worden, nicht? Hat der Nitsche oder so einer gesagt.

Emilie. Auch gehenkt -?

Klaus-Dieter. Aber ja, Mensch. Kopf ab. Stand in der Zeitung. Letzte Woche.

Der Henker. Stand da, dass das passiert ist, so wie die Morde und die Wahlen, oder dass das einer gesagt hat?

Klaus-Dieter. Weiß ich doch nicht. Fragen Sie doch den Ober, der weiß Sachen. Oder wollen Sie sich setzen? Emilie gibt Ihnen bestimmt einen Scotch aus.

Emilie. Klaus-Dieter, um Gottes -.

Der Henker (zu Emilie, nicht unfreundlich). Soll ich Sie nun henken?

Klaus-Dieter. Lohnt sich kaum.

Der Henker. Woher wollen Sie das wissen?

Klaus-Dieter. Na, was ich weiß, das weiß ich.

Der Henker. Sie sind halt randvoll mit Sinn. Aber sowas von. Wie heißen Sie, Klaus-Dieter? Na eben. Vielleicht liegt es daran. Ich kenne jeden, deshalb bin ich der Henker, verstehen Sie das?

Charles (im Halbdunkel). Es gibt immer jemanden, der nicht hinhört.

Der Henker. Meinen Sie jetzt wieder die Grammatik?

Charles. Nein, ich meinte einen anderen Sinn, meinen Sinn, der liegt dazwischen. Wenn Sinn denn Sinn ist.

Der Henker. So -.
(Emilie sackt weiter zusammen, Klaus-Dieter gafft, Charles sitzt unbewegt da usf., der Henker sieht Jedem ins Gesicht)
Das verstehe ich nicht. Da wollen die Leute, dass man sie kennt, und nur deshalb halten sie da draußen still und kommen dann hier her und ertragen das alles!, ertragen dazu sich selbst. Nein, das tun sie nicht. Aber sie kommen her. Trotzdem. Obwohl sie das alles nicht ertragen. Und dann wollen sie nicht gehenkt werden. Obwohl das ein und das Selbe ist, das Eine und das Andere. Versteh ich nicht. Ob die das verstehen? Ach wo. Wer hat sich das nur ausgedacht -.

Charles. Jetzt war es korrekt.

Der Henker. Bitte was?

Charles. Pardon?

Der Henker. Ah so, die Grammatik. Ich habe „gehenkt“ gesagt. Schön so?
(zu Estelle)
Guten Abend Estelle, ich kenne Sie von früher, deshalb weiß ich, wie Sie heißen. Naturgemäß. Sagen Sie mir bitte, wie ich das alles verstehen soll, Estelle.

Estelle. Ich weiß nicht, was ich verstanden habe. Niemand kennt den Kirchturm, und deshalb werden auch die anderen Kirchtürme unbekannt. Oder waren Sie nicht dort? Sonst wären Sie unbekannt.

Klaus-Dieter (im Halbdunkel). Nee, der ist doch hier, da steht er, und wir kennen den.

Der Henker. Ich glaube, wir kennen uns von woanders her. Vielleicht finden wir es noch heraus, das würde mich freuen.
(zu Charles) Und Sie, Herr Charles mit dem Partizip? Vielleicht wissen Sie etwas, das Sie mir erklären könnten. Denn was man weiß, kann man erklären, nicht?

Charles. Bitte, Madame, oder ist es Ihnen –

Estelle. Aber ja, wenn Sie etwas wissen, müssen Sie es suchen.

Charles. Wenn Sie meinen.
(zum Henker) Pardon bitte, Herr Scharfrichter, falls ich Ihnen vorhin arrogant erschienen sein sollte, das war nicht meine Absicht. Denn arrogant bin ich nicht, ich kann gar nicht arrogant sein, denn ich weiß dafür zu wenig. Weil ich aber versuche, etwas zu wissen, nur irgend etwas, wohl etwas über da draußen oder sogar über meinen Eisschrank, obwohl ich ihn wohl kenne, könnte die Suche zu leicht arrogant wirken. Möchten Sie sich nicht setzen? Bitte.

Der Henker. Charles, haben Sie schon mal einen Henker gesehen, der sitzt? Das passt nicht. Also bleibe ich besser stehen, ehe ich henke, nein, gehenkt haben werde. Trotzdem danke.

Klaus-Dieter. Nun lasst ihn doch endlich wen henken.

Emilie. Schscht, Klaus-Dieter – –

Charles. Einmal habe ich einen Henker sitzen sehen, aber das war in einem Land, in dem es nachgerade keine Henker mehr gibt.

Der Henker. Wo soll denn das gewesen sein?

Charles. Das weiß ich nicht, Herr Scharfrichter, der Henker hat mir das so gesagt. Aus dem Grund saß er, das hat er mir so gesagt. Auch weil es da keine Morde gab – nein, nur nicht diese. Ich fragte ihn, ob es denn in diesem Land, in dem wir beide waren, er sitzend, ich stehend, ob es da keine Henker mehr gebe? Nein, die gebe es nachgerade nicht, hat er geantwortet. Und dass es dort Henker gebe, dass es dort naturgemäß welche gebe. Aber er saß.
Das lässt sich nicht verstehen, wie ich es nun drehe oder wende, und vielleicht ist es deshalb nicht wichtig.

Der Henker. Na für mich schon -.

Charles. Naturgemäß. Vielleicht liegt es auch daran, dass dieser sitzende Henker verlorengegangen ist. Wohl wie diese Wahlen? Es geht so viel verloren. Sie sehen nicht hin, und schon ist es verloren. Ja wohl ein ganzes Land oder mehr, wenn man dem, was der Henker mir gesagt hat, glauben mag. Sie können aber jeden danach fragen, und jeder wird sagen, dass er davon noch nie gehört hat. Was geschieht also, wenn etwas verlorengeht, obwohl oder weil jeder es vergessen hat?
Aber bleiben wir bei den Dingen, da verhält es sich zwar nicht weniger entsetzlich, aber da ist es vielleicht zu verstehen. Wenn man versucht, oder wenn man etwas versucht, darf man nicht zu viel wissen. Oder wenn man es sucht und es schon vergessen hat oder noch nie davon wusste. Stellen Sie sich vor, Sie kennen etwas nicht mehr – sagen wir, den Bahnhof. Das kann vorkommen. Es kommt wohl viel öfter vor und in viel größerem Maß, ja Ausmaß, als man sich das so denkt. Oder stellen Sie sich vor, jemand kannte etwa – den Bahnhof, und plötzlich wird er ihm unbekannt. So wie dieser Herr Ü-, dieser Herr Wieauchimmer. Also war er ihm schon immer unbekannt. Was passiert dann mit dem Bahnhof, ab wann? Und was ist mit jenen, die den Bahnhof noch kennen? Also wird der Bahnhof nicht plötzlich unbekannt, verloren, sondern es gab nie einen Bahnhof, nie das Wort, nicht einmal die beiden Silben. Bahn – Hof. So wie Ü. Nie. Aber gibt es Fälle, in denen sich jemand an etwas erinnert, das nie dagewesen ist. Nein, noch nie dagewesen ist. Verstehen Sie? Ich meine: Verstehen SIE das?

Der Henker. Nein. Ich tue es bloß.

Charles. Eben, Herr Scharfrichter, das ist es ja. Das Unbekannte und das Erinnern des Unbekannten ist das einzige Tun, ob nun davor oder danach. Wie passt das zusammen? Stellen Sie sich vor, Sie kannten diese Morde oder nur den Rauch oder den Kirchturm, und plötzlich, nein nicht plötzlich, wird er unbekannt. Nur wissen Sie es nicht, denn er war Ihnen schon immer unbekannt wie Ihr Eisschrank. Pardon, nicht Ihrer, Herr Scharfrichter. Jedoch das waren Sie, der das gemacht hat. Ich sage gemacht, natürlich nicht veranlasst!, denn das wäre arrogant, ja unverschämt -. Und ich sage Rauch oder Kirchturm, aber nicht Erinnerung oder Wissen oder gar Jemand, denn was geschieht mit jemandem? Stellen Sie sich nur vor, mit wie vielen Dingen das geschieht, mit Bahnhöfen und so weiter, und nicht nur mit – Ostmauern. Einen Henker gab es, der unbekannt geworden ist. Ich weiß nicht, was das bedeutet.

Der Henker. Ich habe wirklich keine Ahnung. Bitte reden Sie doch weiter. So lange habe ich frei.

Charles. Das ist ein Gedanke, den man auf keinen Fall zu Ende denken darf, Herr Scharfrichter, das müssen Sie doch wissen. Naturgemäß wissen Sie es. Nein, Sie tun es bloß, aber das wissen Sie. Was ist mit diesen Wahlen oder naturgemäß mit der Ostmauer, die plötzlich unbekannt wird? Ob man nun über die Schulter sieht oder nicht. Sie wissen, dass Manches nur neben Ostmauern geht, ja dass es überhaupt nur dort denkbar nein vorstellbar ist, ob nun vergessen oder nicht!, sofern es eine Ostmauer gibt, nein sofern es nur irgendwo eine Ostmauer gibt. Bloß die Vorstellung einer nein das Denken an eine Ostmauer, die es dann gibt. Aber sie wird plötzlich unbekannt, nein nicht plötzlich: Es gab sie nie. Was ist Kei-ne-Ost-mau-er ohne die drei nein fünf Silben? Oder kein Herr Ü-wieauchimmer mit einer Silbe? – Mein Eisschrank weiß es auch nicht.

Estelle. Doch, er wusste es. Wollten Sie ihn mir nicht zeigen?

Charles (plötzlich völlig erschöpft). Doch, ja, sofern Sie gestatten. Weil das Dinge sind, die etwas bedeuten, ja die nicht GETAN werden müssen, weil sie nicht zu suchen sind.

Der Henker. Und bei der Grammatik?

Charles. – – ! ! Das habe ich nicht bedacht.

Der Henker. Eben bei der Grammatik, Charles. Weil ich nach der Grammatik Henker bin. Nur danach. Das wissen Sie ja. Was ist denn mit der Grammatik? Da muss drinstehen, wen ich henken soll, wo steht das? Wer macht mir eine Grammatik mit den Regeln?

Charles. Das weiß ich nicht, ich verstehe die Grammatik nicht. Denn das sind Dinge, die zu viel miteinander gemeinsam haben, als dass ich sie wissen könnte. Und es sind ja keine Dinge!, denn das wäre viel einfacher bei Dingen.

Klaus-Dieter. Ich sag auch immer, dass das Leben kompliziert is‘.

Estelle. Kennen Sie sie nicht, Charles?

Charles. Die Dinge? Nein. Zu viele davon sind unbekannt, Madame. Und manche Dinge sind gar keine. Wenn Sie nicht da wären –

Klaus-Dieter. Wann seht ihr euch denn jetzt mal den Kühlschrank an?

Emilie. Aber Klaus-Dieter, es ist doch ein Eisschrank, lass doch.

Klaus-Dieter. Man kann auch einen Gefrierschrank ansehen. Und lieber nicht wissen, was da so drin ist.

Emilie. Aber warum -.

Klaus-Dieter. Klar, du weißt ganz gut, was so alles in deinem Besenschrank rumklötert, Emilie, keine Angst, ich sag’s nicht weiter.

Der Henker. Der Klaus-Dieter kennt Besenschränke, von denen bisher noch keiner geredet hat. Wie schön. Und Charles kennt die Ostmauer nicht mehr, oder fast kaum mehr. Und ich weiß nicht, woher ich Estelle kenne, und ich habe gar keinen Glauben oder Grammatik. Emilie, wissen Sie jetzt, ob oder wie man Scotch trinkt?

Klaus-Dieter. Trinken und getrunken werden, sag ich immer!, und wer zahlt, muss dran glauben.

Emilie. Danke ja, Herr – Herr Henker, ich weiß es, man trinkt ihn, Klaus-Dieter hat es mir erklärt.

Der Henker. Sind Sie sicher?

Emilie. Nicht so ganz.

Der Henker. Sind Sie nicht -?

(Erstarrung. Es passiert wieder nichts. Der Chor setzt ein mit Bachs „Ich hatte viel Bekümmernis“. Der Scheinwerfer geht auf die Suche nach etwas, das passiert, und findet Emil, den Kannibalen)

Klaus-Dieter. Ach so, der.

Emilie. Wieso -?

Klaus-Dieter. Na um den geht’s doch hier. Schnallst du das nicht?

Charles (aus dem Halbdunkel, über die Schulter). Sie sollten wohl doch noch etwas zu trinken bestellen.

Klaus-Dieter. Yep. Bei der Musik. Wie ist denn der Running Spliff?

Ober (heraneilend). Gestatten, der Running Spliff ist mit Salmiaksorbet, aber leider ohne Hohlhippen, obwohl es auf Wunsch des Herren da drüben nun etwas Ähnliches gibt.

Klaus-Dieter. Klingt irgendwie knorke. Zwei! Emilie bezahlt die ja. Und einen Sex-on-the-beach, wegen der Stimmung hier.

Ober. Sehr wohl, der Herr.

Klaus-Dieter (ruft hinter dem Ober her). Bravo, Sie sind ja der Einzige, der überhaupt was tut. Außer dem da.
(zeigt auf Emil)

Ober. Küss die Hand, der Herr.

Emilie. Aber Klaus-Dieter, der kann doch nichts dafür -.

Der Henker. Das müsste ich jetzt mal herausfinden. Ob Emil etwas dafür kann. Ob dafür oder nur für sich selber. Wie soll ich das nur machen. Charles weiß es nicht, Klaus-Dieter weiß nur was über Getränke, und Sie, Emilie, kennen Emil ja nicht. So heißt er. Estelle, was sagen Sie denn dazu, was ist mit Emil?

Estelle. Ich kenne keinen, der etwas für etwas kann, und auf Kirchtürmen ist nichts, das so heißt. Oder neben Eisschränken. Er ist wohl unbekannt. Er macht mich nachgerade bedrückt-.

Der Henker (zu Emil). Finden Sie?

Emil. Was?!

Der Henker. Ob Sie sich nun unbekannt sind oder nicht. Das kann doch nicht so schwer sein zu wissen.

Emil. Bin ich.

Klaus-Dieter. Schwer oder unbekannt?

Der Henker. Das kann nicht sein, Emil. Sie essen sich ja selber. Jeder sieht es. Und keiner sieht hin, wie Sie sich selber essen. Nicht zu glauben. Wollen Sie mir Konkurrenz machen? Sagen Sie mal.

Emil. Das meinen Sie nicht Ernst.

Der Henker. Meine ich doch. Lieben Sie sich selber so, dass Sie sich essen? Wie weit würden Sie denn gehen? Man kann was von Ihnen lernen!, von wem denn sonst?

Emil. Es ist doch keiner hier. Die tun alle nur so. Ich aber nicht, ich tue nichts. Ich bin mal von wo entkommen, und jetzt tue ich nichts.

Der Henker. Doch doch, das ist bestimmt Selbstliebe oder Eigenliebe, und Sie tun so. Hier würde doch kein Anderer sich selber -.

Emil. Sagen Sie’s doch.

Der Henker. Ich denk ja nicht dran, Emil. Keiner liebt sich selber genug, um sich zu essen. Die sind sich alle selber zu eklig dafür. Meine Güte, man isst Salmiaksorbet aus diesem Glas da, oder oder –

Charles. Hohlhippen.

Der Henker. – oder Hohlhippen. Aber Sie -. Jeder sieht’s, aber keiner sieht hin. Ich hab ja keine Ahnung.

Emil. Ach wo. Niemand merkt’s. Es wär ja für keinen neu, jeder weiß es, nur entkommt keiner, und übrigens gibt es niemanden.

Klaus-Dieter. Dich gibt’s auch bald nicht mehr, wenn du so weitermachst.

Der Henker. Kann schon sein. Aber für Sie ist das egal, Emil, weil Sie sich ja lieben. Wie kann man das wissen?, es ist zu bedrückend, würde Charles fragen. Obwohl grad der ja nie was fragt.

Emil. Nein, das ist doch überhaupt nicht so. Das ist doch viel einfacher. Es ist so: Ich bin sowieso nicht da, und dass ich hier etwas sage, das scheint nur so. Keiner ist da. Nicht Sie, und nicht mal der Bach ist da. Oder ist hier einer? Doch, einer isst. Keiner ist da und jemand anders zu sein ist gelogen, und weil das nur gelogen ist und nichts Anderes als gelogen, gibt es keinen, mich auch nicht. (isst)

Der Henker. Nichts ist gelogen. Deshalb gibt es mich ja, und deshalb tue ich, was ich tue.

Emil. Ach wo. Dass Sie noch da sind oder für was, ist gelogen. Und jetzt lassen Sie mich, ich hab Ihnen alles gesagt.

Estelle (in den leeren Raum hinein). Und wenn man nicht da wäre?

Der Henker. Danke für die Erklärung, Emil, und jetzt werden Sie gehenkt. Nehmen Sie es mir nicht übel -. Ach so, das werden Sie nicht, denn Sie sind ja nicht da, ich bin auch nicht da, und also wird nichts passieren.
(er packt Emil ohne Anstrengung)

Charles (zu Estelle). Sehen wir nicht über die Schulter. Aber es gibt die Ostmauer, nun ja, noch gibt es die Ostmauer fast, und Hohlhippen gibt es ja auch noch, so wird gesagt.

(Der Henker schleift Emil mühelos ins Halbdunkel, schlägt mit dem Beil zu. Er wendet sich ab und setzt sich unauffällig hin. Der Chor intoniert Bachs „Mit Fried und Freud ich fahr dahin“)

Estelle. Was gesagt wird, ist nicht wie an den Sonntagnachmittagen, denn es ist so, als wenn es da wäre, da draußen. Und die Anderen?

Charles. Die Anderen sind auch nicht gelogen. Gelogen, das ist ein Wort wie gehenkt, aber nicht wegen der Grammatik, und es verschwindet nicht, so bald es jemand gesagt hat. Gehen Sie nicht weg. Ist da etwas geschehen?

Estelle. Was? Ich kenne auch keine Ostmauern. Ich kenne nur eine, wo es hinunter geht.

Charles. Fragen lässt es sich nicht.

Klaus-Dieter (betrunken). Nehmt ihr euch eink’lich so richtig ernst?

2. Akt.

(Selbes Bühnenbild, selbe Personen. Bachs Chorsatz klingt aus. Der Scheinwerfer sucht, ob etwas passiert, findet den Tisch von Emilie und Klaus-Dieter.)

Emilie. Bach -.

Klaus-Dieter. Und ich trink jetzt gar nichts mehr.

Emilie. Mit Fried und Freud ist er nicht dahingefahren –

Klaus-Dieter. Der Bach ist vor dem Freud dahingefahren, du Schnalle.

Emilie. Und was der Henker gesagt hat, nein, das hat gar nicht gestimmt.

Klaus-Dieter. Es wird nichts passieren, hat er gesagt, stimmt!, es passiert hier nix.

Emilie. Er hat gesagt, dass ich ihn nicht gekannt habe, und das war gar nicht wahr. Den Emil -.

Klaus-Dieter. Wieso sitze ich immer mit Emilie irgendwo rum, wo nix passiert.

Emilie. Emil. Ich hab ihn gekannt. Den Emil -.

Klaus-Dieter. Es könnte doch mal was passieren.

Emilie. Er hat so anders ausgesehen -.

Klaus-Dieter. Aber gar nix passiert.

Emilie. Ich habe ihn erst erkannt, als er da hinten -.

Klaus-Dieter. Man sitzt und trinkt was, aus.

Emilie. Da war es zu spät um zu schreien, Emil, das bist ja du.

Klaus-Dieter. Die hippen Siebziger, die haben wenigstens noch gerockt, glaub ich.

Emilie. Ich habe ihn erst da hinten erkannt, als er -.

Klaus-Dieter. Und die coolen Achtziger haben gesaust, ach ja, gesaust haben die.

Emilie. Das ist jetzt ganz taub. Ganz taub.

Klaus-Dieter. Und die smarten Neunziger haben gesmasht. Gesmaaasht.

Emilie. Und dieses Elend.

Klaus-Dieter. Aber jetzt? Nix passiert mehr.

(Gepolter, Bewegung, volle Scheinwerfer, Vater Übüh und sein Gefolge stürzen herein. Licht, großer Lärm, Geschrei „Aal-hu!!, Aal-hu!!“)

Klaus-Dieter. Na endlich, aber ist doch auch wieder nur ’ne Party, oder?

Vater Übüh (wirft sich in Positur). Schreiße nochmal, Ruhe! So wahr ich euer Vater Übüh bin! Unser Kampf um die alleinige Wahrheit ist ein heiliger Kampf, und er ist so geil, und ich hab doch die Wahlen gewonnen! Ich, euer Vater Übüh! Schreiße nochmal, Ruhe!!, jeder kommt hier zu Wort, aber jetzt rede ich!
Ah Taten begangen, und die Wahlen!, die hab ich euch geschenkt und Nägel mit Köpfen gemacht, und die Ungläubigen ham’mer genagelt!, die Wahrheit haben wir gelebt ja gar Heiliges!!, oh Tod!, heiliger Tod!!, alles da draußen zerrissen haben wir und immer heilig und alle Ungläubigen geköpft. Das war so geil! Und die Wahlen gewonnen! Jeder lügt, der sagt, dass das nicht geil ist! Und heilig ist das auch noch! Was kann einer meeehr wolllllen?!

Lasst uns nun zu Allevater beten, um uns zu heiligen!, los, alles hier auf die Knie!, auf die Knieee sag ich!!, Stirn auf den Boden!, Aal-hu!!, Aal-hu!!, jawollja. Aal-hu!!, Aal-hu!!, jawollja. Aal-hu!!, Aal-hu!, Aal-hu!!, Aal-hu!!, Aal-hu!!, Aal-hu!!, jawolljaaaaa

(Jubel)

Vater Übüh. Hach Aal-hu!, es ist doch immer wieder heilig und geil. Ich bin doch wie ein Vater zu euch! Der AAL!, Aal-hu!!, Aal-hu!!, und es steht geschrieben, ihr sollet beim Beten und beim Fasten den Aal nie vergessen, denn er fresset sich in den Wassern hinein in die Ungläubigen, auf dass sie verdürben. Geil.
Dabei wollen WIR die doch köpfen, Schreiße nochmal!, und dann können die Aale sich an denen dickfressen.

(Jubel)

Klaus-Dieter. Also das ist ja mal ’ne echte Party. Die Zombies und die Langoliers und so.

Vater Übüh. Hä? Wer bist du denn da? Ungläubiger mit Lockenkopp? Schreiße. Soll ich dich zerreißen?

Klaus-Dieter. Ich hab euch doch im Fernsehen gesehen.

Vater Übüh. Die Wahlen! Und, war ich gut?

(Jubel)

Klaus-Dieter. Hui!, da passierte doch mal was! Der Emil, war der Emil nicht einer von euch? Der war mal ein Freund von mir, der Emil. Ein guter Freund, ein Mitkämpfer…

Emilie (sackt vom Stuhl). – –

Vater Übüh (springt heran). Schreiße nochmal!, der Emil war mal einer von uns!, ein Heiliger!, aber er hat uns verraten und ging weg!!, der wurde zum Ungläubigen!, und die da ist eine Ungläubige! Heilig haltet das Zerreißen!! Die mach ich fertig.
(Vater Übüh will Emilie zerreißen. Klaus-Dieter zuckt weg.)

Der Henker (schiebt sich dazwischen). Halt, bitte. Dafür bin immer noch ich zuständig. Und die Dame wird noch gebraucht.

Vater Übüh. Was glaubst du, du Henker?!, na gut!, ich will mal nicht so sein!, ich bin doch wie ein Vater zu euch allen und hab die Wahlen gewonnen!, Aal-hu!!, Aal-hu!!, alles trinkt hier auf meine Rechnung!, und wir werden ja noch sehen, wer hier was macht. Die gehört fertiggemacht!, die Ungläubige da! Die, und die da! Fertiggemacht!
(wirft sich zwischen sein Gefolge)

Charles (leise zu sich). Nietzsche würde sagen, desavouieren, oder jemandem einen tort antun. Es gibt keinen Nietzsche mehr. Nietzsche hat die Zerreißer zerrissen. Was wird aus den Dingen, die sich selbst desavouieren?

Estelle. – – Ich will den Rauch. Hier nicht, hier ist kein Rauch so entsetzlich wie am Sonntag, hier niiicht!!, und ich habe den Rauch nie gesehen, als er mich ansah. Das will ich nicht.
(zieht eine Metallflasche aus der Tasche)

Charles. Heute ist jedoch Donnerstag, sehen Sie, Madame. Nein, sehen Sie nicht hin. Das, Estelle?, bitte!, wenn Sie nicht da wären –

Estelle. Niemand ist da.
(entstöpselt die Flasche)

Charles. Estelle? (schnüffelt an der Flaschenöffnung, fährt zurück), das ist Gift, Estelle.

Estelle. Der Rauch war am Himmel und nicht, ich kenne nur diese Sonntage, aber nicht hier!, nicht hier.

Charles (entwindet ihr die Flasche, stöpselt sie zu, steckt sie ein. Leise zu sich).
Was IST das alles?! Und was bin ich-?

Der Henker (kommt heran). Ich henke, also bin ich. Und ich henke auf eigene Rechnung, so bin ich, ja wie entsetzlich. Ich hab keine Grammatik des Henkens, Charles, verstehen Sie?

Charles. Das verstehe ich nicht, weil ich von dieser Grammatik nur verstehe, dass sie wie Gift und unbekannt ist. Und selbst das verstehe ich nicht.

Der Henker. Der da (deutet heimlich auf Vater Übüh) macht Kitsch, er ist ein Kitschkopf durch und durch, so einen KITSCHKOPF hat man ja noch nie gesehen. Aber er ist meine Grammatik des Henkens. Nein, des Gehenkthabens. Meine einzige. Er. Verstehen Sie?

Charles. Nein, Herr Scharfrichter – ich verstehe nur das Partizip, in diesem Fall den Genitiv. Nein, den Imperfekt. Obwohl Sie das Partizip perfekt beherrschen.

Ober (rennt heran). Noch jemand einen exklusiven Cocktail, die Herrschaften? Wir haben einen ganz exklusiven Green Zombie, natürlich Bloody Mary frisch gepresst oder einen herrlichen Sex-on-the-beach, alles mit Hohlhippen, sie heißen jetzt Waffelröllchen!, wir haben ganz exklusive aus Cordoba bekommen, extra für Sie eingeflogen aus Cordoba, die Herrschaften.

Vater Übüh. Al-, Al-, Aaaalkohol?! Schreiße! Kommt ja nicht in Frage! Verboten!! Aal-hu!! Aal-hu!!, jawollja. Mach das Zeug gefälligst aus Tee, aus Zimttee oder was, aber dalli! Sieben Sex-on-the-beach aus Zimttee und Pfeffer für mich, sofort!, und drei Kartons mit diesen Waffenröllchen!

Ober. S-sehr wohl, der Herr. Jetzt immer ohne Alkohol, der Herr. Wir hatten noch nie Alkohol.

Charles (leise). Ober, könnten Sie einen Hilfskellner gebrauchen? Sofern Ihnen das bekannt ist. Ich könnte jetzt Hilfskellner sein, denn Sie haben zu viel zu tun.

Ober. Aber mein Herr -?

Charles. Bitte. – Ich bezahle dafür

(beide ab)

Vater Übüh. Ich habe Durst!, Durst ist heilig wie das Köpfen!, und Zerreißen und so viel Suuudel und Popolitik machen verdammt durstig. Ihr habt alle verdammten Durst nach der Heiligkeit!, diesen verdammten Durst!, Aal-hu!!, Aal-hu!, jawollja. Ich bin doch wie ein Vater für euch!, trinkt auf meine Rechnung, ich hab doch die Wahlen gewonnen und bin hübsch im Fernsehen, einer hat es gesagt!

Klaus-Dieter. Ich hab das gesagt, Vater Übüh. Ihre Party ist schon heilig, das muss man doch mal sagen dürfen. Sagen Sie, haben Sie auch was mit den Juden vor?, ich hab das gesehen im Fernsehen, aber über Juden haben die nicht so richtig was gesagt im Fernsehen. Hm?

Vater Übüh. Ja wer bist denn du Schreiße?!

Klaus-Dieter. Ich bin der Klaus-Dieter, und Sie haben die Wahlen gewonnen, Vater Übüh!, ähem, Aal-hu!!, Aal-hu!! Haben Sie noch einen Posten frei? Ich kann Programme schreiben oder ’nen Computer reparieren für Sie, mit Heiligkeit und so, und Sie machen was gegen die Juden?, also das find ich knorke. Muss doch mal gesagt werden hier.

Vater Übüh. Juden?! Ah duuu bist goldrichtig, Knause. Klaus-Dieter. Komm mal mit, komm zu uns!, ich zeig dir die Heiligkeit und wie schreißgeil das ist, mit mir die Wahlen zu gewinnen und so. Und gegen die verdammten Juden geht immer was. Wo bleibt denn der Sex-on-the-beach so lang!!

(Der Ober und Charles mischen hinten hektisch Cocktails)

Der Henker. Herr Übüh-. Vater Übüh.

Vater Übüh. Dich kenn ich doch?, ’ne unbekannte Größe. Was ist mit dir, du Henker? – Einsam?

Der Henker. Ja.

Charles (schleppt mit dem Ober Cocktails heran). Er hat keine Grammatik des Gehenktwerdens, der Herr. Pardon.

Vater Übüh. Dann zeig mir mal was du kannst, Henker.

Der Henker (packt vorsichtig Emilie). Verzeihen Sie, Frau Emilie, wegen Emil. Ich muss das Entsetzliche tun, sonst bin ich nicht wirklich, und das geht nicht mehr.

Emilie. – Damals!!, ich habe Emil geliiiebt damals, und was ist aus ihm geworden? Was ist aus mir geworden?

Der Henker. Es tut mir Leid. Denken Sie nicht mehr dran.
(schlägt zu)

Vater Übüh. Aal-hu!!, Aal-hu!!, bravo bravo, du Henker, mein Henker!!, los, alles hier auf die Knie!, auf die Knieee sag ich!!, Stirn auf den Boden!, Aal-hu!!, Aal-hu!!, jawollja. Aal-hu!!, Aal-hu!!, jawollja. Aal-hu!!, Aal-hu!, Aal-hu!!, Aal-hu!!, Aal-hu!!, Aal-hu!!, jawolljaaaaa

(Jubel)

Vater Übüh. Heilig haltet den Tod und die Wahrheit, wie es geschrieben stehet. Heilig!! Oh Tod!
(stürzt Cocktails hinunter. Sein Gefolge stürzt auch Cocktails hinunter.)
Einen kühlen Schluck jetzt! Los ihr Ober da hinten, Cognac ooohne Al-, Al-, Alkohol!, ’nen kühlen Schluck für alle auf meine Rechnung!, aber sofort!

Charles (von hinten, Cognac eingießend). Hierbei finde ich es am Entsetzlichsten, dass der Wunsch nach einem kühlen Schluck dann übergeht in eine Bestellung von Cognac.

Vater Übüh (packt Estelle und zerreißt sie).
Die war keine von uns! Die war eine Ungläubige! Das seh ich doch sofort. Wie wir es da draußen machen, so machen wir es überall! Aal-hu!!, Aal-hu!! Die ist jetzt für die Aale in den Wassern, wenn wir heilig beten und heilig fasten, auf dass sie sich schlängeln und sich mästen, wie es geschrieben stehet. Geil.
(stürzt Cognac hinunter. Alle stürzen Cognac hinunter. Charles hinten bedeckt sich das Gesicht.)

Vater Übüh. Wir haben nun gesudelt und Popolitik gemacht, jeder darf mal!, und ich hab doch die Wahlen gewonnen! Und ihr tragt mich auf Händen! Vater Übüh frisst seine Kinder nicht. Ich bin doch wie ein Vater zu euch. Ich ernenne euch alle zu meinen Chef-Händenträgern, was sag ich, zu meinen Chef-Ober-Masseusinnen!, Aber wenn ihr mich kitzelt, zerreiße ich euch.
(greift sich an die Brust)

Klaus-Dieter (nickt). Die Ungläubigen, und die Juden.

Der Henker. Warum ziehen Sie sich nicht dieses ondulierte gebügelte schäbige Kostüm aus? Sie Mitläufer.

Klaus-Dieter. Ich soll mich ausziehen? Gefall ich Ihnen?

Charles (Cognac servierend, leise zu sich). Entsetzlich.
(zu Klaus-Dieter.) Nennen Sie es Eigenschaften, Klaus-Dieter. Ich selbst habe keine Eigenschaften, also weiß ich leider, was Eigenschaften sind. Sie selber haben Eigenschaften, Sie können also nicht wissen, was Eigenschaften sind. So wie ich nicht wissen kann, welche Eigenschaften der Bahnhof oder der Kirchturm oder der Henker haben. Sie verstehen?

Klaus-Dieter. Ab und zu muss halt einer dran glauben.

Der Henker. Ich habe meine Aufgabe. Ich wollte immer meinen Sinn!, das ist er, und so wird es jetzt weitergehen. Das ist Glauben, das muss er sein. – Schließlich rinnt Cognac unten einfach raus, wenn so ein Kopf abgeschlagen ist. Sie können reinschütten was Sie wollen, der Blumentopf ist unten ab. Aber Sie sind ein verdammter Mitläufer, Sie Konvertit.

Klaus-Dieter. Was verdient man da so, wenn man in Blumentöpfen macht?

Charles (leise zu sich). Dieser läuft vor seinem Cognac davon, obwohl er ihn trinkt.

(Vater Übus Gefolge greift sich an die Brust, trinkt, greift sich an die Brust.)

Ober (dezent). Pardon, meine Herrschaften. Wünschen Sie noch etwas musikalische Untermalung? Es wäre eine Ehre für unsere Kapelle und natürlich für die Direktion, Sie mit einem Chor von Bach unterhalten zu dürfen.

Der Henker. Können die den Choral „Hasse oh hasse mich recht, feindlich’s Geschlecht?“
(greift sich schmerzverzerrt an die Brust, fällt um, steht auf, greift sich Klaus-Dieter.)
Vater Übüh, das tue ich für Sie.

Klaus-Dieter. Nein, ich will hier sitzen und zusehen! Bleiben Sie doch cool!

Der Henker. Tja mein Klaus-Dieterli, so cool wie Sie war ich noch nie.
(schlägt zu. Fällt wieder um, windet sich. Vater Übüh und sein Gefolge fallen um, winden sich, röcheln.)

Ober. Aber Sie sind doch Vater, Herr Übüh!

Vater Übüh. Aber zu dir bin ich doch auch wie ein Vater, und ich hab die Wahlen gewonnen!, und denk doch an all das Heilige!! Aal-hu!! Aal-hu!!

(Vater Übüh und Gefolge winden sich und sterben. Der Ober rennt weg. Charles beugt sich über den Henker.)

Der Henker (sterbend). Ich werde Ihnen sagen, wie es jetzt weitergeht. Erst wird der Vorhang fallen. Und dann werden Sie alle gehenkt. Das verstehen Sie doch?, das ist der Sinn vom Ganzen hier. Seien Sie nicht traurig.

Charles. Ja -. Soviel glaube ich zu wissen: Wenn der Vorhang fällt, sind wir alle nicht mehr da.

– Vorhang –

(die Bilder sind aus dem Burgtheater in Wien – wahrscheinlich. Aus Wien auf alle Fälle)