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Aufbauen und verfallenlassen

Letztes Jahr hatte ich zwei Bilder von Hügeln verglichen – respektive den Zustand in dem die Hügel sind, je nachdem wie ihre „Nachbarn“ damit umgehen. In diesem Vergleich hatte ich gegenübergestellt, was denn mit dem Hügel passiert, je nachdem ob die Landschaft daneben als Kulturlandschaft wie ein Garten bebaut und bewahrt wird – oder alles für Feuerholz abgeholzt und verfallenlassen wird. Und hatte geschlossen, dass der Spruch mit dem bösen Nachbarn wohl auch für Hügel gilt.

Für Gebäude gilt er auch: es gibt einige hundert Kilometer auseinander zweimal fast dieselbe Kirche (beide sind aus dem 5. Jahrhundert und sich sehr, sehr ähnlich) – in astronomisch unterschiedlichem Zustand. Danke an Ari, der mir beide Bilder gezeigt und erklärt hat 🙂 (alle hier verlinkten Bilder sind aus der Wikipedischen). Nachdem der Grund für den Erhalt des einen und den Verfall des anderen Gebäudes ein politischer ist, ist dieser Post im Gegensatz zum Hügelpost eindeutig kein Smalltalk – dieser Grund schreit zum Himmel!

Die eine Kirche ist Santa Maria Maggiore in Rom – eine Basilika von ca. 420 und eines der schönsten Gebäude Roms. Bevor ich jetzt ins schwärmen komme und etwas schreibe das länger ist als der verlinkte Lexikonartikel: Wer nach Rom kommt, sollte sich dieses architektonische Juwel unbedingt selbst anschauen! So sieht sie aus:

Von Livioandronico2013 - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=45697819

Von Livioandronico2013 – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.Org/w/index.php?curid=45697819

Vor allem, wer sich die Mosaiken überall im Innenraum detailliert anguckt, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus:

Von MM – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.Org/w/index.php?curid=10515035

Dieses Gebäude wird von der Stadt Rom natürlich gehegt und gepflegt und liebevoll instandgehalten: Wer einen solchen Schatz hat, der passt auch gut darauf auf, oder?

Oder. Ich hatte ja geschrieben, dass diese Kirche eine identische Zwillingsschwester hat. So wie diese sähe sie auch aus, wenn „oder“:

von Berthold Werner – Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.Org/w/index.php?curid=5580929

Und da haben diejenigen die die Weihnachtsdeko aufgehängt haben und der Fotograf noch ihr bestes gegeben, um zu verstecken wie heruntergekommen es da eigentlich ist. Die Säulen sind verrußt und verwittert und verspeckt, durch das Dach regnet es rein, der Fußboden ist fort, die schönen Mosaiken sind alle geklaut… Fast alle, in einer Ecke hoch oben wo niemand hinkommt, ist noch ein kleines Bissele übrig (hier habe ich aber kein Bild, das ich verlinken kann).

Welches „oder“ ist hier passiert?

Es ist nicht so, dass diejenigen dort nicht auf die Kirche achten wollen – sie dürfen nicht. Auch die Kunst im inneren ist über die Jahrhunderte weniger geklaut worden (das auch!) – als als „unislamisch“ abgeschlagen. Santa Maria Maggiores Zwilling, die Basilika die ungefähr zur selben Zeit fast genauso gebaut wurde, hat das Pech da zu stehen, wo (mit einigen Unterbrechungen) schon sehr lange der Islam das sagen hat: In einem kleineren Ort in der Nähe von Ramallah. Wäre das Gebäude nicht so berühmt, wäre es wahrscheinlich ganz weg (so hoffen die Herrschenden, dass es sich in Wohlgefallen oder zumindest Ruinen auflöst) – es ist die Geburtskirche in Bethlehem.

Wie schlimm sie ausguckt ist nur ein von außen sichtbares Zeichen dafür, wie schlimm es den Christen dort geht. Und das ist der oben erwähnte Grund, der zum Himmel schreit. Weltweit sind Christen die am stärksten wegen ihres Glaubens Verfolgten, am meisten von Islam-Anhängern, am schlimmsten dort wo der Islam das Sagen hat, auch in den palästinensichen Autonomiegebieten (=auch in Bethlehem). Vor etwa 30 Jahren waren die Einwohner Bethlehems zu 90% Christen – dann brach der Frieden von Oslo aus, und heute gibt es dort kaum noch Christen. Die meisten flohen nach Israel, um ein gutes und selbstbestimmtes Leben mit allen Bürgerrechten zu haben (die dort jedem zustehen). Die wenigen, die in Bethlehem blieben, sind nämlich Bürger zweiter Klasse: Dhimmis (respektive Kaffern, um das islamische Schimpfwort für Andersgläubige auf dem Niveau des N-Worts zu bemühen). Sie werden verfolgt, entrechtet und entmenschlicht – und eine Folge dessen ist, dass das Christentum auf Geheiß der Obrigkeit versteckt werden muss.

Was auch für und in Kirchen gilt. Auch für die Geburtskirche. Verstecken kann man ein so berühmtes Gebäude dieser Größe schlecht, aber eben verfallenlassen. Und in früheren Zeiten auch, wie gesehen, vandalisieren – und übrigens auch umbauen. So sieht der Rest des Eingangs heute aus:

Von Dirk D. - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=23281063

Von Dirk D. – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.Org/w/index.php?curid=23281063

Zugemauert bis auf ein hüfthohes kleines Türchen, durch das jemand eher hineinkriecht als hineingeht. Zu hohen christlichen Feiertagen hängt die Autonomiebehörde schon mal Bilder von Hamas-Granden obendrüber, sodass jeder der in die Kirche will zuerst ganz konkret vor der Hamas buckeln muss – im übertragenen Sinne ist das ja sowieso der Fall (Ulrich Sahm hat hier Bilder). Oder Abbas, der Präsident im elften Jahr seiner vierjährigen Amtszeit, stellt sich mit einem Modell des Felsendoms (einer Moschee in Jerusalem) aufs Dach, um eine Festansprache zu halten. Dhimmi-Kram, eben.

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Das nächste Mal, wenn es um Verfolgte geht, denkt an diese beiden Bilder: dasselbe in Europa, so wie es sein könnte – und dort, wo es zeigt wie schlimm es den Verfolgten geht. Und denkt an die verfolgten Christen.

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Die Zeitung der Straße: BDS sollte man eine kleben

Der Aufkleber von anderer Leute Honig ist inzwischen weg, dafür sind mehrere neue aufgetaucht. Einen finde ich hier im Zentrum von Antifanten und Bessermenschelei besonders bemerkenswert:

Ob nun aus aktuellem Anlass der aus Gaza auf Israel abgefeuerten Raketen, oder einfach weil der Absender der Klebebotschaft die Israelboykotteure allgemein zum kotzen findet: recht hat er. Das hätte ich ihm auch gern so gesagt – leider ist die Kontaktadresse aber auch schon wieder mit etwas anderem überklebt.

Wald kommt, Wald geht

Ich war mir nicht sicher, ob ich diesen Post in Smalltalk stecke oder nicht: die Bilder, die ich hier poste, sind sämtliche in Nahost aufgenommen – was den Thread schon fast per definitionem politisch auflädt. Andererseits ist das, worauf ich hinauswill, etwas anderes, nämlich wie sich eine „naturbelassene“ Landschaft im Laufe der Zeit von selbst verändert – infolgedessen, was mit der Kulturlandschaft daneben passiert.

Alle folgenden Bilder stammen von heplev, der ab und zu Bildvergleiche postet, in denen jemand die Stellen sucht an denen alte Fotos aufgenommen sind und knipst wie es denn da heute aussieht.

Das erste Bildpaar, die „Wald kommt“-Hälfte, stammt aus einem kleinen Dorf am Rande des Kinneret, aufgenommen im Abstand von etwa 100 Jahren:

Daß es auf dem zweiten Bild viel, sehr viel, auffällig viel grüner aussieht, liegt nicht nur am Farbfoto – oben ist im Prinzip Wüste, während unten (also heute) sehr viel mehr gewachsen ist. Da muß jemand der da wohnt eine Menge Gartenarbeit reingesteckt haben – wo genau alles kann ich nur vom Bild natürlich nicht wissen, die Hügel sehen bis ganz oben hin bewachsen aus, auch wenn sie wohl nicht direkt bebaut sind – aber es ist deutlich sichtbar eine Kulturlandschaft, um die sich jemand bemüht hat.

Im anderen Bildpaar, der „Wald geht“-Hälfte, passiert das Umgekehrte in nicht einmal zwanzig Jahren. Hier zu sehen sind zwei Sattelitenfotos eines Hügels im Gush Etzion. Um die Jahrtausendwende ist er bewaldet; heute ist der Wald bis auf ein paar Bäume weg:

Und nicht nur der Wald ist weg: vom Hügel ist wohl etwas abgerutscht (soweit das von oben zu sehen ist) – und schon ist die Wüste wieder da, denn auch sonst wächst kaum noch was. Was hier passiert ist? Auch wieder die Kulturlandschaft nebenan: heplev schreibt recht diplomatisch, die arabischen Nachbarn des Hügels haben den Wald im Laufe dieser zwanzig Jahre komplett für Feuerholz verbraucht.

In hundert Jahren aufgebaut, und in zwanzig runtergewirtschaftet – frei nach dem von Terry Pratchett in die Welt gesetzten, erfundenen Sprichwort: Rom wurde nicht an einem Tag erbaut; aber es wurde an einem Tag niedergebrannt.

Der Spruch mit dem bösen Nachbarn gilt anscheinend auch für Hügel? Hm.

Entführungen, Bilder, und Juden nach Judäa (reblog)

Hier ist der dritte Teil der Serie von Artikeln die Ari ursprünglich im Laufe der Zeit für TiN geschrieben hat, und die ich seit ein paar Tagen nach und nach reblogge. Bildmaterial wie immer meinerseits angefügt (wie im vorigen Teil ist auch diese Karte von Ari aufgetan, stammt nur nicht aus dem entsprechenden Artikel; das andere Bild ist von mir gemacht). Ursprünglich erschien der Artikel bei TiN im Juni 2014 anlässlich der Entführung und Geiselnahme dreier Jugendlicher seitens der Hamas.

Entführungen, Bilder, und Juden nach Judäa

Ein Gastbeitrag von Robert Cohn

Die jüdische Provinz Judäa heißt für Juden seit zweitausend Jahren Judäa. Dieses Judäa, wo sich unglaublich viel jüdische Geschichte abgespielt hat und sich weiter abspielt, wird in Europa jedoch lieber Westbank genannt: Weil Judäa so verdächtig jüdisch klingt, dass man beim Gebrauch dieses Ausdrucks nicht erklären könnte, weshalb die Juden, die in Judäa leben, dort nicht hingehörten, Fremde seien, ja Besatzer.
Der Spruch „Juden raus aus Judäa!“ klingt anrüchig, weil er dem alten deutschen Spruch „Juden raus!“ zum Verwechseln ähnelt. Den Anschein will man vermeiden. Und dass Juden meinen, dass Juden nach Judäa gehören, wohin denn sonst?, wird überhört. Also muss der Spruch anders formuliert werden, damit er zwar noch immer das Alte bedeute, damit dieser Zusammenhang jedoch nicht gleich so klar wird.
Derselbe Spruch nun in anderer Fassung als „Zionisten raus aus den besetzten Gebieten!“ klingt ungleich besser, ja seriös, klingt wie eine politische Aussage zum Ernstnehmen, zum Einbauen in offizielle Dokumente und Regierungserklärungen. Obgleich er wieder nur suggeriert, dass Juden Besatzer seien, indem sie irgendwo sind, wo sie nicht sein sollen – weswegen sie dort hinaus müssten, sofort mit Ausrufezeichen, weil es immer prekär und gefährlich ist, was Juden tun!, wieder mit Ausrufezeichen. Woraufhin sodann die Verhältnisse geordnet seien, so bald die Juden da weg sind.
Es gibt eine weitere Version des Spruchs. „Juden raus aus Palästina!“: Wahlspruch derer, die am Liebsten morgen früh das halbe und übermorgen früh das ganze Israel abschaffen wollen, weil da ein Palästina sein soll oder hin soll. Oder ein Palästina auf Teilen Israels. Immer was weg vom ganzen Israel, damit da die dreiundzwanzigste arabische Diktatur hinkommt. Weil die Juden dort ja zuviel haben, indem die Juden dort unabhängig sind. Und wo Juden etwas zuviel haben und nicht abhängig genug sind, so wie schon 1933, dort müssen sie weg.
Am vergangenen Donnerstagabend wurden in Judäa, wie die Westbank als jüdisch durchtränkte Erde lieber genannt wird, drei 16- bis 19jährige Jeschiweschüler durch Moslems entführt. Sie heißen Eyal Yifrach, Gilad Schaar und Naftali Frankel.
Sie lebten als fromme Juden in Judäa, weil das nämlich Judäa und nicht die Ostbank oder Arabistan ist, und sie hatten niemanden etwas getan. Das ist das Problem.
Die Taktik des Islams seit den Massenmorden Mohammeds am jüdischen Stamm der Banu-Kuraisa in Medina, seiner ersten Amtshandlung als Prophet Allahs, besteht darin, die Schwachen und die Wehrlosen als Ziele auszuwählen. Nicht die Bewaffneten und die Starken. Immer die Schwachen. So wie die Truppen des Propheten Mohammed im Jahr 628 die jüdische Stadt Chaibar überfielen, um die Männer zu ermorden und um die Frauen und Kinder zu vergewaltigen und zu versklaven. So steht es im Koran geschrieben – ein stolzer Bericht, stolzgeschwellt von den Bluttaten an den Schwachen. Der Prophet Mohammed, der dieses befahl, der es selbst durchführte und genoss, auch die Vergewaltigungen, gilt bis heute für jeden Moslem als unantastbares, heiliges Vorbild, als fehlerloser Übermensch, ja als Gottmensch, den niemand kritisieren darf und dessen Worten jeder bind gehorchen muss. Wie ein Götzenbild, das über alles herrscht, fleckenlos, vor dem man sich niederwirft, vor dem man selber niemand mehr ist und keine menschliche Ethik kennt. So wirkt Götzendienst, das will er.
Das Problem ist, wenn Juden schwach sind. Diese Schwachen von Medina und diese Schwachen von Chaibar, ebensolche Juden wie die drei schwachen, jungen, unbewaffneten Entführten aus Judäa an diesem Wochenende, wurden damals getötet wegen der Ehre des Islams und wegen der Lust am Töten. Damals existierte keine israelische Armee, um sie zu schützen. Heute existiert diese Armee G“tt sei Dank, und sie tut alles, was sie kann, damit keine Juden entführt werden. Weil das Entführen von Juden und anderen Ungläubigen eine Spezialität und Tugend des Islams ist. Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas, der Präsident ohne Land und ohne Neuwahlen, sagte 2011 voller Befriedigung, dass die Entführung des Juden Gilad Schalit sehr gut sei. Schalit, ein junger Mann, war entführt worden, wurde von der Hamas in Gaza über fünf Jahre in einem unbekannten Versteck gefangen gehalten. Abbas strich sich die Hände wie nach einer feinen Mahlzeit, als er sagte, wie gut und richtig diese Entführung sei. Sein Verständnis von Entführungen und von Recht und Unrecht urständet in den Berichten über den Propheten Mohammed. Entführungen werden seit dessen Taten immer weiter und immer von Neuem getan, wegen der Lust, wegen des Lösegeldes, wegen des Prestige, wegen des Triumphs der Dominanz über einzelne Unterworfene, und wegen der Ehre des Islams.
Noch an diesem Wochenende, zwei Tage nach der Entführung der drei frommen Jeschiwestudenten Eyal, Gilad und Naftali aus Judäa, hat die Fatach des Mahmoud Abbas bei Facebook diese Karikatur veröffentlicht:
http://www.timesofisrael.com/pa-fatah-cartoons-gloat-and-jeer-over-kidnappings/.
Darauf zu sehen: Eine große Faust, die in einem knallgrünen Ärmel steckt, hält eine Angel. Daran hängen im leeren Raum drei zappelnde Ratten, die mit Davidsternen als jüdische Beute kenntlich gemacht sind.
Nach dieser Entführung feierte und lachte man auf den Straßen von Gaza und verteilte Süßigkeiten. Worüber lacht man in der mohammedanischen Kultur der Ehre, der Scham, des Triumphes über die Schwachen und Unreinen, in der Kultur der Suprematie: Niemals über sich selbst Man lacht über die Anderen, wenn sie 16 bis 19 Jahre alte Jiddn und entführt sind – wenn es ihnen möglichst dreckig geht. Weil es ihnen noch nicht dreckig genug geht, hilft man fatachgemäß nach und stellt sie als Ratten dar: An der Angel hängend und zappelnd, gehalten von einer allmächtigen mohammedanischen Faust.
Warum dieses Bild: Weil die drei kleinen jidischn Ratten Köder sind. Wenn einer sich locken lässt und anbeißt, wird ihn die islamgrüne Faust in den leeren Raum ziehen und erschlagen. Stoff für die nächste Karikatur aus der realitätslosen, nur zu realen Parallelwelt der Allmacht über die Schwachen, wo derlei Mentalität blüht und sich brüstet.
Was hält die europäische, so kultivierte und so zivilisierte Öffentlichkeit davon? Die Reaktionen der deutschen Qualitätsjournaille und die Reaktionen deutscher Politiker und Funktionäre sind erschreckend gleichlautend: Es seien nur drei Verschwundene, ja mutmaßlich Entführte, es gebe keine Hinweise, es gebe jedoch die Besatzung und die Demütigung der Palästinenser, das sei der Grund. Womit es dann plötzlich doch Entführungen sind – gerade eben eben am Satzanfang sind es noch keine gewesen. Es wird sofort behauptet, landauf und landab, dass diese Entführungen selbstverständlich der israelischen Regierung in die Hände spiele. Die sei rechtsgerichtet, das Synonym für den Satan, und sie sei eine Besatzerregierung, die das Völkerrecht breche und massenhaft fremdes Land raube. Woraus mit der selben Rasanz und der selben Herzlosigkeit gefolgert wird, dass das Leid von Juden 1) nicht relevant ist, weil das Besatzer seien, und dass es 2) von den Juden ausgeschlachtet und benutzt werde, um Völkerrechtsbrüche zu begehen; warum: Weil Juden dort leben, wo sie gefälligst nicht zu leben hätten. Das heißt der Spruch, „Juden raus, weil raus!, sonst!“ Selten las und hörte man mehr Stumpfheit und Böswilligkeit in steter Wiederholung als jetzt in diesen Tagen.
Der erschreckend gleichlautende Ton dieser Stellungnahmen und Aufrufe ist nichts Neues. Am 1. Juli 2010 hatte der deutsche Bundestag einstimmig die israelische Seite verurteilt, ohne diese zuvor angehört zu haben: Es ging um die Durchsuchung einiger türkischer Schiffe, die mit Terrorgutfindern und Geld an Bord nach Gaza durchbrechen wollten. Israelische Soldaten wurden mit Eisenstangen angegriffen, und es gab Tote auf Seiten der Angreifer. Da herrschte jedoch diese spontane Einstimmigkeit unter den Abgeordneten. Es wurde nicht debattiert, es wurde nicht bei den Israelis nachgefragt: In aller Eile galt es hunderten Regierenden als sonnenklar, wer da schuldig ist. So versteht man in Europa die Juden und ihre Schwierigkeiten. Judenversteher, Judenfreund, das sind Schimpfworte.
So, wie gestern im deutschen Staatsfernsehen die ARD-Tagesschau suggeriert hat, dass dem Ministerpräsidenten Netanjahu die Entführung in den Schoß falle, damit er die Hamas diskreditieren könne. Suggeriert wurde damit eine Beteiligung der Israelis an der Tat. Das ist die bruchlose Übernahme jener Bemerkung der Betonpatin der Linkspartei Inge Höger von 2011, die sie tat, als in Gaza der italienische, verwirrte Hamasgutfinder Arrigoni entführt und ermordet worden war. Die Trutschenbetonpatin, die auf den türkischen Schiffen 2010 der Hamas zugejubelt hatte, sagte wie folgt: “Cui bono? Wem nützt es?, es nützt den Israelis und Netanjahu!“
Wem es nützt, der hat das gemacht. Der Gedankenautomatismus lautet: Juden morden, weil es ihnen nützt, und wann immer es wem passt, war es der Jud.
Es kam heraus, dass Arrigoni von Salafisten ermordet wurde, die die Hamasterroristen nicht mochten, sie waren ihnen zu wenig extrem. Niemand hat es hierzulande erwähnt, das Muster saß fest, dass die Juden es getan haben. Cui bono?, die klassische Frage der Truther. So verstehen längst nicht nur Linksparteiler die Geschehnisse. So versteht man sie.
Versteht man diese drei neuen Entführungen? Sie sind ein deutliches Zeichen, dass in der vergangenen Woche Verhandlungen zwischen der PA und den Israelis stattgefunden haben. Längst nicht alles erfährt die Öffentlichkeit. Es finden mehr Kontakte statt, als sie ahnt, selbst wenn US-Außenminister Kerry die israelische Seite einmal nicht zwingt, Verhandlungen zu führen, die zu nichts führen. Diese aktuellen Verhandlungen hatten wohl ein Ergebnis, eine Verbindlichkeit, und etwas bahnte sich an, eine Einigung unterer Ebenen?, eine Einwirkung auf die PA, sich nicht bedingungslos der Hamas zu unterwerfen?, woraufhin die Seite der Araber gezielt diese Entführungen veranlasst hat. Weil Einigungen mit dem Judenstaat nicht sein sollen. Woraufhin die Sprecher der arabischen Seite sofort während der ersten israelischen Untersuchungen empört und im Alarmton bei der europäischen Qualitätsjournaille, bei der EU, den USA und bei der UNO wegen der überzogenen, aggressiven, ja demütigenden israelischen Reaktionen protestiert haben. Auf Verdacht. Man muss ja als Dauergedemütigte im Gespräch bleiben. Weil man nur zu gut weiß, dass der Westen bei israelischen Reaktionen sofort an Vergeltung, an nicht provozierte Eskalationen und an allerlei Gewaltspiralen denkt. Die Adressaten haben es geschluckt, aus Automatismus, aus Gewohnheit und Neigung, so wie sie alles willfährig schlucken, was an derlei Stop- und Alarmrufen von dieser einen Seite kommt.
Mit diesen Entführungen wird eine Reaktion der Israelis bezweckt, die definitionsgemäß immer als überzogen, gewalttätig und demütigend gilt. Zweck ist, dass sich dann ein paar Durchsuchte öffentlichkeitswirksam wehren, und dass einer erschossen wird. Etwa in Hebron: Der gerufene Begriff “Hebron!” ist Programm genug im europäischen Qualitätsjournaillismus, da weiß man spontan, welche Untaten die Israelis dort verüben, und dass “Hebron!” die Besatzung sei.
Israelis greifen dann durch – man muss sich wehren und seine Leute gegen Angreifer schützen, man ist kein wehrloser Jude mehr. Woraufhin dann die Verhandlungen abgebrochen werden, wie von Anfang an gewünscht, und worauf dann arabischerseits gebombt wird, geschossen wird und Attentate und neue Entführungen geplant werden. Welche die Israelis vereiteln. Woraufhin dann wieder bei den bekannten Verdächtigen dauerprotestiert wird. Alles im Zeichen der heldenhaften Verteidigung heilig arabischen Bodens, der Kampf gegen die Besatzung und für die Freiheit genannt wird, weil das schön klingt, und weil die Europäer lieber daran und an arme Palästinenser glauben als an jüdische Unabhängigkeit und Unversehrtheit.
Bei jeder einzelnen der bisher vielen Entführungen von Israelis durch Araber verhielt es sich just nach diesem Muster: Die PA verhandelt zum Schein und um aus Europa weiter Milliardenbeträge zu kriegen, dann steckt sie ihren Leuten etwas, damit Schreckliches wie Anschläge oder Entführungen geschehen, um dann zu behaupten, dass die Israelis die Gewaltspirale anheizten, dass die Ziele der Verhandlungen viel zu niedrig gesetzt seien – und dass der Jud an allem Schuld sei. Dann rufen „Palästinensersprecher“ Saeb Erekat, der „palästinensische Außenminister“, der “palästinensische Botschafter” in Berlin und andere solche freundlichen, dauergedemütigten Familienväter, bezahlten Lobbyisten und friedensbewegt palästinensische Klage-Aktivistinnen ihre europäischen Kontakte an, und diese Kontakte verlautbaren, was die Öffentlichkeit zu denken hat. So geht das simple Muster!, erschreckend, dass es funktioniert, sich bezahlt macht, geglaubt und gerne gehört wird.
Woher kommt dieses Vorverständnis der Europäer, dass Juden gewalttätig und unerbittlich seien, und dass man sich vor ihnen zu hüten und ihnen zu misstrauen habe, egal, was sie tun oder nicht tun? Ich habe heute en passant eine Ausstellung besucht, Großstadt, weiter Weg, Gedanken an die drei entführten Jugendlichen Eyal, Gilad und Naftali, da sehe ich mir gern Kunst an, um auf andere Gedanken zu kommen. Da stand eine Holzstatue von Moses aus dem siebzehnten Jahrhundert, etwa aus der Zeit nach dem dreißigjährigen Krieg, fast mannshoch, sehr massiv, aus Eichenholz mit Beschädigungen, wohl ein Fund vom Dachboden oder aus einem Dépôt. Zufälliger Ort, zufällige Statue, ganz zufällig Moses!, das sollte mir etwas sagen, denn der Fund passt besser zum Thema, als mir lieb sein kann.
Dieser Moses sieht erschreckend aus, unerbittlich. Seine Augen starren nach vorn, gefurchte Stirn, zornige Nase, starrer Körper wie kurz vor dem Kampf, und er umklammert mit der Linken eine Gesetzestafel mit römischen Zahlen. Auf dem Kopf sind zwei abgebrochene Hörner, übrigens ein Übersetzungsfehler vom Hebräischen ins Lateinische, als die Christen aus dem originalen „ki karan or“, strahlend, „cornuta“ gemacht haben, mit Hörnern. Diesem Fehler war schon der Bildhauer Michelangelo ein Jahrhundert zuvor aufgesessen, er hat seinen Moses als Gehörnten dargestellt. Michelangelos Moses ist sehr beeindruckend, streng aber gerecht, ein Held aus der Antike.
Nicht wie dieser Moses aus Eichenholz des Barock, der Zufallsfund. Wie massiv dieser Eichenblock ist, erkennt man von der Seite, ein Trumm von einem Gehörnten. In seinem Gesicht liegen keine Milde, kein Verständnis, auch nichts Heldenhaftes oder gar Strahlendes. Die Lippen sind fest geschlossen, kein gutes Wort kommt aus ihnen, der Blick fixiert einen, ist drohend und mächtig, kündet von Strafe und Vergeltung. Man sieht diesen Moses nicht gern an, er ist ein barocker Darth Vader, der dunkle Vater.
Diese Statue ist Theater, eine Rolle auf der Bühne, die Rolle des unerbittlichen Propheten, der Kraft seiner Drohungen die Leute unter die Macht seines Gesetzes zwingt. Natürlich sind die Paragrafen auf der Tafel in römischen Ziffern dargestellt – es geht ja um die christliche Theaterrolle des jüdischen Moses, der Zentralfigur des Judentums. Solche Gestalten hat man im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert immer als Inszenierung dargestellt, als Rollen, selbst im nüchtern protestantischen Norden, denn sie stellten wie auf einer Bühne dar, was sie für die Beobachter zu bedeuten hatten, die meist nicht lesen konnten.
Mit diesem Moses kann man nicht verhandeln. Dieser Moses siedelt, vertreibt, befiehlt und demütigt.
Der historische Moses hat einen ägyptischen Sklavenwächter getötet, weil dieser einen Juden misshandelt hatte. Moses hat sich gewehrt. Das ist verdächtig, denn Juden dürfen das nicht. Moses hat einen Ägyptaraber getötet. Und er war für jüdische Unabhängigkeit.
Dieser Moses sagt Nein! zu Verhandlungen, und er droht. Er ist ein Trumm von einem Propheten, gehörnt, unbeweglich, und er ist für Europäer die Vergangenheit, der überwundene Feind: Christlicherseits galt das Judentum als harte Gesetzesreligion, als gnadenlose Gewaltspirale, als Auge um Auge, Zahn um Zahn, die überwunden ist.
Bloß gibt es ja immer noch Juden.
Was fängt man mit denen an? Die wedeln mit ihrem unerbittlichen und längst überwundenen Gesetz, die haben Macht und keine Milde, die wehren sich, nein greifen an und wollen Groß-Israel, das alles ausfüllt, die siedeln und besatzen dort so massiv wie dieser eichene Trumm von einem Gehörnten, und die starren jeden nieder, der vor ihnen steht.
Und die sind Schuld.
Und wenn welche von denen entführt werden, einfach so!, weil sie Juden sind!, dann beutet dieser israelische Ministerpräsident Moses deren Leid für sich selbst aus und wedelt alle Welt bedrohend mit seinem schrecklichen Gesetz.
Das Bild sitzt schrecklich tief.

Bring back our boys.

Eyal ben Iris Teschurah
Yaakov Naftali ben Rachel Devorah
Gilad Michael ben Bat Galim

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„Geduld mit Israel“ – oder: keine Geduld mit den Juden! (reblog)

Ein weiterer Artikel von Robert Cohn, der zuerst bei TiN erschien, dieser im Februar 2014. Ich werde die bei TiN veröffentlichten Artikel die ich finde der Reihe nach rebloggen.

Das Bild ist wieder von mir angefügt; der Kartenschnipsel ist diesmal allerdings auch von Ari, nur nicht aus dem entsprechenden Artikel.

„Geduld mit Israel“ – oder: keine Geduld mit den Juden!

Ein Gastbeitrag von Robert Cohn

Gerd Buurmann, der Tapfere im Nirgendwo, hat in einem lesenswerten Artikel dazu aufgerufen, man möge deutsche Abgeordnete auf ihre Haltung zu jüdischen Siedlungen ansprechen. Gefragt werden soll: Warum und inwiefern gelten jüdische Siedlungen als Friedenshindernis in Nahost? Es ging um die quasi offizielle Äußerung des deutschen Staatsfernsehens am 7. Februar 2014 in einem Bericht des ZDF Heute Journals:

Denn die Welt verliert allmählich die Geduld mit Israel, vor allem wegen seiner Siedlungspolitik.“

Da wird mit aller Selbstverständlichkeit ja Ehrlichkeit ausgedrückt, dass Israel der Welt immer etwas schuldig sei. Immer. Israel muss permanent rechtfertigen, dass es existiert. Hingegen Jordanien oder Liechtenstein oder Luxemburg oder gar das marode Belgien müssen das nicht!, warum nicht?, ganz einfach, weil nach deren Existenzrecht kein Mensch je fragt – weil die aus dem Boden gewachsen und im Einklang mit der Natur sind.

Bloß Israel nicht.

Weil Juden immer nur geduldet werden, ungern, und manchmal dann gar nicht mehr. Warum?, nu, wegen der Selbstverständlichkeit, wegen des ZDFs oder wegen der Natur, oder weil es schon immer so war. Nichts einfacher und gängiger als das.
Was drückt der Ausspruch des ZDFs im Einzelnen aus:

Allmählich“

Das Wort suggeriert, dass einst Geduld bestanden habe, die nun nicht mehr bestehe, weswegen dem ZDF nun wieder allmählich ja vollends der Geduldsfaden reiße. Weil die Juden allmählich wieder rückfällig werden und wieder einen Grund liefern, damit man endlich und allmählich ungeduldig werden darf.

Vor allem.“

Ganz früher waren es vor allem die Brunnenvergiftungen, noch früher war es vor allem die jüdische Ablehnung Jesu als Erlöser, etwas später waren es vor allem der jüdische Wucher und die ‚Zinsknechtschaft‘ wegen der Juden, dann waren es vor allem die Bürgerrechte, die sich die Juden seit der Zeit Napoléons erstritten hatten. Zwischendurch war es vor allem die Widernatürlichkeit des Judentums, das lieber darauf bestand, es selbst zu sein, als sich zu unterwerfen. Immer taten die Juden dies falsch und jenes falsch, verhielten sich halsstarrig, schädigten die Christenheit und später ein Ding Namens Volkskörper. Vor allem machten Juden Probleme!, darum wäre es vor allem besser gewesen, immer, dass es keine Juden gäbe. Wegen allmählich sinkender Geduld.
1948 bei der Staatsgründung Israels hieß es sofort, vor allem der jüdische Staat sei den Arabern unerträglich, sei den Sowjets unterträglich, sei für die Linken ein neuer Nationalismus, sei für die Rechten ein Extraprivileg und eine Extrawurst für Juden. Seit 1967 sind es vor allem die jüdischen Siedlungen, über die man sich aufregt.
Es gibt immer eine Reihe von Unerträglichkeiten, die von der jüdischen Existenz-an-sich ausgeht, mal ist es der nicht akzeptable Unglaube, mal der nicht zu tolerierende Eigensinn, mal die unerträgliche rassische Minderwertigkeit, und neuerdings sind es vor allem die Wohnorte von Juden, die da leben, wo Andere es nicht dulden können.

Die Welt.“

Das deutsche ZDF spricht für die Welt. Möge am Wesen des ZDF die Welt genesen? Die Welt habe nun mal Probleme mit den Juden, heute habe die Welt nun mal Probleme mit Israel.
Die Selbstverständlichkeit dieser quasistaatlichen ZDF-Äußerung ist, wie soll man es ausdrücken?, so tradiert, so ‚gesundes Volksempfinden‘, so selbstverständlich. À propos, moslemischerseits bedeuten die Stichwort „Siedlungspolitik“ und „zionistische Besatzung“ nichts Anderes als einfach Israel. Friedenshindernis seien die Siedlungen – soll als Chiffre heißen: So lange Israel existiert, werde es bekriegt und boykottiert, und wegen Israels werde es keinen Frieden geben.
Jeder, ob Moslem oder nicht, der behauptet, dass diese Siedlungen Friedenshindernis seien, meint diese Chiffre. Ob es ihm nun bewusst ist, oder ob er sich lieber hinter einer Allerweltssuggestion versteckt.
Auch bevor Israel existierte, mussten Juden immer beweisen, dass sie existieren durften. Aber das konnten sie nicht!, die Unmöglichkeit des Beweises war ja Sinn der Sache. Die Christen sahen sich längst als die vervollkommneten und erlösten neuen Juden (so wie das Ann Coulter oder das Opus Dei noch heute meinen). Die Moslems meinten seit dem Koran immer und meinen noch heute mit dem Koran, dass Abraham und Moses ohnehin Moslems gewesen seien, dass es also keine Juden mehr geben dürfe, weil sie alle immer schon Moslems gewesen seien, aber nicht wollten!, obgleich man das ja nicht nichtwollen dürfe.
Und wehe, wenn Juden sich gar irgendwo blicken lassen, wo sie nichts zu suchen haben, nicht? Grad im Weichbild der armen benachteiligten, dauerbeleidigten Araber, die es nicht aushalten können, dass da in Siedlungen irgendwo ein paar Juden wohnen, oder dass in Tel Aviv Frauen ohne männliche Aufpasser auf die Straße gehen dürfen, oder dass die Jerusalemer Klagemauer als letzter Rest des salomonischen Tempels gilt. Für Juden. Die das nicht zu wollen haben sollen.
Da MUSS man ja wieder allmählich die Geduld mit den Juden verlieren. 2014 wegen der Siedlungen, so wie 1814 wegen der Bürgerrechte, so wie 1214 wegen des gotteslästerlichen Talmuds und wie 1514 wegen ein paar jüdischer Familien in Mitteleuropa, oder wie 1614 beim Pogrom in Frankfurt, als die Bürger allmählich die Geduld verloren.
Warum: Wegen des Stolzes. Des verletzten arabischen Stolzes auf sich selbst, der alle Anderen ausschließt und bekämpft, und wegen des Stolzes des ZDFs auf die Selbstverständlichkeit des Geduldverlierens. Deswegen geht es ja gar nicht, dass jüdische Siedler vielen Arabern Arbeit gegeben haben – woraufhin die marode Wirtschaftskraft der Palaraber nach vielen selbstverschuldeten Rückschlägen endlich wieder anstieg. Weswegen die EU im vorigem Jahr prompt die Kennzeichnungspflicht für unter jüdischer Leitung produzierte Waren eingeführt hat, um diese Waren abzuschaffen, und weil es die Araber unerträglich in ihrer Ehre verletzt, von JUDEN für Arbeit besser bezahlt zu werden als von Arabern.

Gell?

Araber haben schließlich stolzverletzt, irrational, edel, arbeitslos und dauerempört zu bleiben, damit westliche Politiker weiter ein schlechtes Gewisen wegen des Kolonialismus und wegen der Juden haben dürfen, deren Vernichtung misslang, und damit das ZDF mal wieder und allmählich die Geduld mit den Juden verlieren darf.
Weil das doch mal gesagt werden dürfen muss.
Und wehe, wenn nun einer die Antisemitismuskeule auspackt. Die haben bekanntlich die Juden erfunden, früher wegen des Gottesmords und wegen der Zinsknechtschaft, heute wegen des armen Martin Walser, wegen Herrn Grass‘ Unverständnis der permanenten Vernichtungsdrohungen aus dem Iran, und deutscherseits wegen der jüdischen Siedlungen im deutschen Schutzgebiet.
Hillel Neuer, der Vorsitzende von UN-Watch und meistgehasster Mann im UNO-Menschenrechtsrat (dessen Vertretern mehrheitlich die Menschenrechte am Gesäß vorbeigehen), drückte just diesen Sachverhalt in einem Interview so aus (mit Dank an Schum für den Fund):

…Wenn ich höre, wie europäische Diplomaten rechtfertigen, dass Israel sich in der UNO keiner Regionalgruppe anschließen kann, und wenn sie sagen, dass es nicht der westlichen Regionalgruppe beitreten könne, weil es nicht deren Werte teile, dann spüre ich das alte Vorurteil, von dem wir gehofft hatten, dass es nach 1945 aus Europa verschwunden sei.“

Dieses Vorurteil besteht darin, dass Juden, ob mit oder ohne Staat, nicht dazugehören. Wegen Erlösungsunwillens, wegen der Brunnenvergiftungen und wegen der Zinsknechtschaft, wegen der Hakennase, wegen der Beschneidungen, wegen zu vieler Juden bei den Banken, den Medien oder überhaupt, wegen des heiligen arabischen Bodens und wegen des jüdischen Unwillens, den Koran anzunehmen, überhaupt wegen der jüdischen Werte, nein wegen des jüdischen Unwerts!, und nun wegen der Siedlungen.

Der Blick auf die Juden ist seit den Tagen Amaleks eine blutige Obsession. Es wird weiter gestarrt, es wird immer etwas gefunden, und es hört nicht auf.

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Anmerkung: Der Artikel bei TiN auf den sich dieser Text bezieht ist nicht mehr bei TiN online, man findet ihn hier: https://web.archive.org/web/20160324015422/https://tapferimnirgendwo.com/2014/02/21/wie-halten-sie-es-mit-den-judischen-siedlungen/

Zwei Kommentare zu beiden Artikel herausgegriffen:
Aristobulus, 24.02.14, 21:10 :
Leute:
Bergstein hat gestern in einem Satz für Satz spannenden, erhellenden Kommentar dargelegt, dass Juden in den christlichen Monarchien der Vergangenheit niemals Rechtssubjekte gewesen sind, sondern dass sie nicht unter die Allgemeindefinition Mensch fielen: Teils geduldet, Teils halb geduldet, Teils gar nicht, und dauerhaft unter nicht einlösbarem Rechtfertigungsdruck stehend. Woraus sich die heutige merkwürdig wortlose Überzeugung herleitet, dass das Volk der Juden als Rechtssubjekt durchaus nicht mit dem Volk der Dänen, Eskimos oder Uruguayer gleichzubehandeln sei.
Bitte den Bergstein lesen!, der kennt sich aus: [Link nicht mehr online, Kommentar folgt unten].
Rechtssubjekt. Nein, dieses Ding ist zwar eine Chimäre von gegenstandslosem Luftbegriff wie Gender Studies, Börsenkurse oder „was mit Medien“, aber dieses Ding ist viel gefährlicher, es erschafft die Realität von Menschheit und Untermenschen und hält sie am Leben. Nämlich die Realität, in der anno 2014 traditionellerweise vielleicht achtzig Prozent der Leute meinen, dass Juden ‚eigentlich‘ ja ‚irgendwie‘ kein Staatsvolk sein könnten. Warum nicht?, auf die Frage wird dann geschwiegen oder ihr wird ausgewichen – weil das doch eine Tatsache ist, die man nicht erklären muss. Dass Juden halt was Anderes seien.
Mir ist eine Analogie eingefallen: Frauen. Natürlich passt die Analogie nicht ganz, denn es ist kein Volk von Frauen denkbar, das ein eigenes Land beansprucht. Jedoch sie passt im Sinne des Rechtssubjekts: Frauen waren bis zur Einführung der Gleichberechtigung ebensowenig Rechtssubjekte wie Juden.
Deren Emanzipation als Gruppe gelang aber.
Warum dann nicht die der Juden als Gruppe?
Bergstein, 23.02.14, 14:06 (auf diesen Kommentar bezieht sich der Verweis oben):
Der Grund ist bezogen auf Israel eigentlich ganz einfach. Als Israel den Unabhängigkeitskrieg gewonnen hat und zum Teil auch schon nach der Unabhängigkeitserklärung stellte sich für die westlichen Staaten, die Übrigen so ziemlich alles unternommen haben, damit es nie geschieht, ein großes Problem, soll man Israel anerkennen oder nicht.
Zunächst schien keine Lösung des Problems in Sicht, da weder das Eine noch das Andere in Betracht kam. Das Anerkennen war nicht möglich, da dies zu Einem sich diese gegen die arabischen und muslimischen Staaten richten würde, man wollte sich wegen ein paar Juden in Israel nicht mit den vielen Moslems mit ihrem vielen Öl verscherzen und zu Anderem, sind die Juden nach westlicher Anschauung kein Volk, sondern eine Religion, so dass eine Anerkennung bedeutet würden, dass die heimischen Juden plötzlich nicht mehr in die bestehenden Nationalstaaten passen würden. Auf der anderen Seite war auch das Nichtanerkennen keine Alternative. Zu Einem war die Gründung völkerrechtlich abgesichert und zu Anderem war Israel ja praktisch da. Nach längerem Denken kam man auf die von Ihnen oben angesprochene und aus dem deutschen Mittelalter übernommene Lösung.
Entgegen allen anderen Bevölkerungsgruppen hatten die Juden kein natürliches Aufenthalts-recht im Heiligen römischen Reich der Deutschen Nation. Allerdings gewährte der Kaiser ihnen, selbstverständliche gegen eine entsprechende Zahlung, ein beschränktes Aufenthaltsrecht. Die Juden hatten folglich kein natürliches, sondern ein gewährtes sekundäres Recht. Das Aufenthaltsrecht der anderen Bevölkerungsgruppen war somit vorrangiger als das der Juden, das ja jederzeit entzogen werden konnte. Das Gleiche hat man nunmehr mit Israel getan.
Die Anerkennung eines Staates besteht gewöhnlich aus zwei in der Regel gleichzeitig statt-findenden Ereignissen. Zunächst wird man als Volk mit einem Recht auf Staatsgebiet anerkannt. Anschließend wird auf Grundlage des Selbstbestimmungsrechts eines anerkannten Volkes, der von diesem Volk gegründete Staat anerkannt. Bei Staatsbürgerschaft geschieht das Gleiche, man wird zunächst als Deutscher anerkannt und auf dieser Grundlage bekommt man die Staatsbürgerschaft.
Genau wie bei Juden in Mittelalter wurde die Juden in Israel weder als Volk anerkannt und schon gar nicht wurde ihr Recht auf das Land anerkannt. Der Staat Israel wurde hingegen als juristisches Gebilde anerkannt. Da man aber für einen Staat ein Staatsvolk braucht, wurden die Araber, die man später Palästinenser genannt hat, als das eigentliche Staatsvolk anerkannt. Das ist übrigens auch der Grund wieso nur bei Palästinenser der Flüchtlingsstatus erblich ist, da er der Staatsbürgerschaft bei anderen Bevölkerungsgruppen entspricht. Anerkannt wurde im Ergebnis ein arabischer Staat Israel in dem die Juden zufälliger- und auch bedauerlicherweise gerade die Mehrheit stellen. Es hat ja niemand geglaubt, dass dies dauerhaft der Fall ist. Man war sich totsicher, dass bald die Araber mit in ihren 10 Kinder pro Frau die Mehrheit der Bevölkerung stellen werden.
Alle von Ihnen beschrieben Problemen und die doppelten Standards sind die Folge dieser Halbanerkennung. Rein rechtlich ist es kein doppelter Standard, da die Juden wie dargestellt nur ein sekundäres und somit gegenüber den Arabern nachrangiges Recht genießen. Die Juden haben nämlich keine Rechte außer denen, die ihnen UNO ähnlich wie der Kaiser gnadenvollerweise gewährt. Diese können wie tatsächlich in Mittelalter auch häufiger geschehen jederzeit wieder widerrufen werden, wie z.B. wenn die Juden wie im Mittelalter die Begleichung von Schulden eingefordert haben oder sich neuerdings erfrechen, die Häuser da zu bauen, wo es ihnen beliebt. Ein gewährtes Recht kann selbstverständlich vom Gewährenden entzogen werden, wenn er Geduld mit demjenigen verliert, dem er das Recht in seiner unendlichen Gnade verliehen hat. Die Araber wissen natürlich um diese Halbanerkennung und bestreiten deswegen auch immer wieder die Shoah, da diese außer Ihrer Sicht der Grund für diesen Gnadenakt der Rechtegewährung gegenüber Juden war.