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Die Zeitung der Straße: (Was) Redet die Welt?

Die Zeitung der Straße war in letzter Zeit voll von ganz, ganz großen Appellen; es ging um nichts weniger als die Rettung der Welt:

Vielleicht war das mit dem „Schul-Streik“, dem schulschwänzen, aber doch keine soooooo gute Idee:

Wer soll denn in Zukunft die ganzen „neuen Technologien“ erfinden, wenn (wie hier zu sehen) niemand heute in der Schule lernt – und dort unter anderem auch lernt, wie das geht? Respektive, lernen würde: das tut ja im doppelten Wortsinne keiner, weil alle stattdessen zur heiligen Greta beten. Denn das soll sie „reten“, die Welt.

Gut, von einem Schreibfehler geht die nicht unter – das tut sie aber auch nicht ohne ihn, und ohne die Kundgebung von der er samt Appell stammt, auch nicht. Das tut sie erst, wenn die kundgebenden Bessermenschen erfahren, was diese schönen „neuen Technologien“ denn sind: Fracking for Future (statt Blut für Öl)! Es darf auch gern mehr Kernkraft sein, denn die produziert* bekanntlich kein Kohlendioxid. Angesichts dessen bekommen die Kundgeber-er-er-er doch reihenweise Herzinfakte (und damit ist nicht das schicke Herzchen über der Fahrraddampfmaschine gemeint).

Angesichts der Streikenden denke ich mir dasselbe wie dieser Aufkleber-Kleber dachte, als er den passenden Ort für Klimahysterie fand:

Eine übersteigerte Abwehr führt eben zu Autoimmunerkrankungen, in der Immunologie wie im echten Leben. Wird die Reaktion auf ein normales° Maß heruntergefahren, lässt sich viel mehr erreichen. In der Krankheitsabwehr wie beim verantwortlichen Handeln – auch „für die Umwelt“.

 

*Endlich einmal das Wort „Produkt“ im korrekten und ursprünglichen Wortsinn: das, was bei einer (chemischen oder wie in dem Fall physikalischen) Reaktion hinten rauskommt.

° … und „normal“ auch noch, ist das schön! 🙂

Spiegel-Bild zwischen diversen Feiertagen

Spiegel-Bild:

Zwischen den Zeilen mit dargestellt (mit Tänzer und festlich beleuchteter Prager Architektur*): nachträglich gutt Jonteff zu Simche Tojre 😀

Nicht dargestellt: der Nationalfeiertag (rechts der Spiegel ist immer noch geteilt, und zu sehen gibts drin nix). Zu dem wünscht man auch nichts. Das kann man am 4. Juli tun; sogar als Nichtamerikaner nicht wegen der USA, sondern wegen der Ideen dahinter. Warum feiert man heute also nicht analog den Untergang des real existierenden Sozialismusses mit? Sollte man eigentlich!

 

Fußnoten: Holzschnitt der Alt-Neu-Synagoge in Prag, Postkarte auch; Bild einer Kachel aus Delft

Anderer Leute Honig

Hauswände angucken ist auf regionalpolitischer Ebene manchmal informativer als zeitunglesen – es ist immer irgendwo ein Spruch oder ein Aufkleber mit dem, was jemandem wichtig ist; und im Gegensatz zum Internet auch noch völlig unbeobachtet. Letzte Woche also tauchte an einer Hauswand hier in der Nähe dieser Aufkleber auf: Ackergifte? Nein Danke! Was so ein kurzes Bickerl einem natürlich nicht vermitteln kann, ist Kontext. Die Comicfigur ist offensichtlich eine Biene, und dem Kleber-Kleber brennt es auf den Nägeln daß jemand die Äcker und damit die Bienen vergiftet; offensichtlich ist in mehrerer Hinsicht eine Sauerei im Gange. Ohne Clas Lehmann, der Imker ist und auch schon über das Thema geschrieben hat, wüßte ich aber nicht, worum es geht: daß Neonicotinoide, eine Sorte Insektenvernichtungsmittel, jetzt auch in amerikanischen Nationalparks erlaubt und wohl bedeutend langlebiger sind, als bislang gedacht. Hier ist, aus mehreren Beiträgen zusammengeschnitten, was Clas dazu schreibt:

Neonics […]: Die sind hochpersistent und ultragiftig, irreversibel dazu, für alle Articulaten. […] Substanzen, die als einstellige Nanogrammdosen schon töten, recht unspezifisch alle Artikulaten, sollte man nirgends hintun und gar nicht zulassen. Zumal dann nicht, wenn sie hoch persistent sind, systemisch wirken. […] Es gibt eine vernünftige Regel, dass Substanzen von hoher Wirksamkeit eine Halbwertzeit im Boden von höchstens 180 Tagen aufweisen. So kann es zu keiner Anreicherung kommen, Nachgemessen wird das aber nicht, nur abgehakt, das es da steht, in den Genehmigungsunterlagen. Beim Nachmessen wurden bis über [fünf Jahre lange Halbwertszeiten] gefunden. Das müsste eigentlich belegen, dass die Angabe […] falsch war, die Zulassung also erlogen und erschlichen wurde. Leider hat das nicht zur Folge, dass die dann erlischt.

Alles, was auf so Flächen oder in der Entwässerungslinie so artikuliert, und eigentlich in the war on pests non-target ist [ist von diesen angereicherten Giften betroffen]. […] Gemeint sind die nicht, die Brachypoden, aber sie haben halt wohl den selben Acetylcholinrezeptor, und wenn der blockiert wird, durch eine Substanz, die da nicht mehr abgeht… Dann geht es nur noch um die Frage, ob die ihre Nervenverbindungen selber bräuchten, für irgendwas. Je komplexer das notwendige Verhalten, desto anfälliger gegen störende Dauerreize. Deswegen ist Daphne auch eher ungeeignet, um neurotoxische insektizide Einträge in Gewässer zu bewerten: hüpfen und strudeln ist eher unterkomplex. Mückenlarven sind da als Zielorganismen auch eher schwer zu treffen.

[…] Vom Regenwurm über Collembolen bis zu Laufkäferlarven und Bienen sind allerhand Nützlinge dabei, die kollateral mit erledigt werden. Deutlich weniger [dieser Tiere sind zu finden]. Andere wären zum Beispiel Stallfliegen, die etwa von Schwalben gefressen würden. Weg, als Nahrungsgrundlage betrachtet. In den Gewässern larvieren Köcherfliegen, Zuckmücken, Libellen… alle viel empfindlicher als Wasserflöhe, die jedoch auch. Die sind Nahrungsgrundlage für Fische, die Imagines auch etwa für Schwalben. Vor dem Verbot für 3 Neonicotinoide haben die [Vögel], aus Mangel und Not, meine Bienen bejagd. Sowohl hier als auch im Moor, wo sie von ihren Nestern ein bis zwei Kilometer fliegen mussten. Ihnen gegönnt, obwohl ich nicht einsehe, mit meinen Tieren den Schaden, den andere anrichten, zu ersetzen.

Ach, und naturgemäß ist es noch komplexer: Im Grünland wird heute, vermöge des Simplex, alles bekämpft, was 2 Keimblätter hat, und wegen der Düngeverordnung und der als solcher ja nun mal angefallenen Gülle und der Gärreste auch, sind nun so Leute wie Klee nicht mehr erwünschte Stickstoffsammler, sondern als solche betrieblich schädlich… Kollateral… Damit fehlt dann etwaigen Wildbienen die Nahrungsgrundlage, woraufhin sie von einem Startup gezüchtet werden und verkauft und ergo als viel effektiver und besserer angepriesen und die Honigbiene bezichtigt, denen ja das Futter wegzufressen und gar nicht effektiv zu bestäuben. Gezüchtet? Sagen die ja, aber etwa fern in der Türkei hört man, es würden da Hummelköniginnen wegefangen…

Ein paar Fußnoten von mir:

Eine „Wartezeit“ (so heißt das ganz offiziell) kenne ich auch, von Tierarzneimitteln. Auch Nutzvieh wird mal krank; und um sicherzustellen daß etwa das, was der kranken Milchkuh wieder auf die Beine hilft nicht in der Milch landet wird die Kuh sozusagen krankgeschrieben, bis alle Reste der Arznei ausgeschieden sind. Und die Zeit, für die die Milch dieser Kuh nicht als Lebensmittel taugt, ist eben die Wartezeit. Ähnlich ist es mit Pflanzenschutzmittel: auch da gibt es eine Mindestzeit zwischen dem Einsatz des Mittels und der Ernte. Das wird auch im Normalfall alles kontrolliert und überwacht – ab und zu versagt aber diese Überwachung, und dann gibt es den Lebensmittelskandal. Was das um die falsch angegebene Halbwertszeit bei Neonicotinoiden auch sein sollte!

Dann die Sache mit den Grenzwerten: für Menschen sind die sehr sicher festgelegt (wie ich bei Feinverstaubt schonmal erklärt hatte), selbst eine massive Überschreitung schadet direkt noch niemandem – aber so eine Biene ist eben kein Mensch! Deshalb gibt es eine eigene Bienenschutzverordnung. Kurioserweise gilt die für alles außer Hopfen und Kartoffeln: für die gibt es eigene Gesetze, die mehr oder weniger dasselbe regeln. Aber ich muß ja Gesetze nicht verstehen, oder?

Eine Apotheke muß allerdings alle diese Gesetzestexte auf Papier gedruckt zum nachschlagen da haben (deswegen weiß ich das mit den Kartoffeln). Das muß ich auch nicht verstehen, braucht aber einen ganzen Schrank voller Wälzer.

Sozialistische U(h)rstände

Ist das Kunst oder kann das … politisch sein? Nachdem „die ganz die Linken“ die Urheber des Spruchs davon waren daß alles politisch ist passt es auch, daß der U(h)rheber dieses Kunstwerks ganz tief in die linke Schublade gegriffen hat:

Natürlich fehlt hier an der Uni Hamburg die dritte Uhr, um wieviel denn der Rest der Hamburger reicher wird – was wäre denn das auch sonst für ein Aufruf zur Enteignung:

Aber das ist eben Kunst. Realismus ist ein anderer Stil – sowohl in der Kunst als auch politisch. Obwohl – soziallistischen Realismus gibt es ja auch noch. Als Kunststil. Politisch? Hmmm….

Israel alles Gute zum 70sten!

Ob zum 70sten (dem Staat seit der Neugründung) oder zum 3300sten (der Kultur seit den ersten Erwähnungen): Israel alles Gute und bis zum 12000sten, mindestens!

(Die Fundamente der Staatsgründung mal anders)

Wie der Hessenhenker schon geschrieben hat: „andere Länder sind in dem Alter (70) längst tot.“ Ich möchte hinzufügen: Andere Kulturen in dem Alter (3300+) auch – Am Yisrael Chai!
Und noch ein sehr schöner Geburtstagswunsch von Ari: „Hm, im Grunde ist Israel ja dreitausenddreihundert Jahre alt, wenn man vom Mojsche ausgeht, der eines Nachmittags ausging, um auf den Berg zu gehen, wieder herabzukommen, wieder hinaufzugehen usw. usf., wegen eines bestimmten Buches wohl, das auch heut noch in Israel (und anderswo) viel gelesen wird.
Oder Israel ist mindestens *rechn’* 2558 Jahre alt, also als Staat mit festen Grenzen, Institutionen, Landessprache, Umgangssprache, Parties, Thé dansants und Literatur, also seit der Rückkehr der Jidn aus dem babylonischen Exil, als Esra und Nechemia dorten das Ganze [kommentierten].
Ganz schön lange gibt’s das schon, dieses Israel, also so oder so, und jetzt wird es zusätzlich auch noch sibbenzik 🙂

Fußnote:

Text im Foto: Unabhängigkeitserklärung des Staates Israel; Bildmaterial: Comic von Yaakov Kirschen; Umschlag des Buchs „D.Prager: Exodus“ gestaltet von J. Caruso; Drucksachen vom KKL; bzw. wie dort angegeben