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Entführungen, Bilder, und Juden nach Judäa (reblog)

Hier ist der dritte Teil der Serie von Artikeln die Ari ursprünglich im Laufe der Zeit für TiN geschrieben hat, und die ich seit ein paar Tagen nach und nach reblogge. Bildmaterial wie immer meinerseits angefügt (wie im vorigen Teil ist auch diese Karte von Ari aufgetan, stammt nur nicht aus dem entsprechenden Artikel; das andere Bild ist von mir gemacht). Ursprünglich erschien der Artikel bei TiN im Juni 2014 anlässlich der Entführung und Geiselnahme dreier Jugendlicher seitens der Hamas.

Entführungen, Bilder, und Juden nach Judäa

Ein Gastbeitrag von Robert Cohn

Die jüdische Provinz Judäa heißt für Juden seit zweitausend Jahren Judäa. Dieses Judäa, wo sich unglaublich viel jüdische Geschichte abgespielt hat und sich weiter abspielt, wird in Europa jedoch lieber Westbank genannt: Weil Judäa so verdächtig jüdisch klingt, dass man beim Gebrauch dieses Ausdrucks nicht erklären könnte, weshalb die Juden, die in Judäa leben, dort nicht hingehörten, Fremde seien, ja Besatzer.
Der Spruch „Juden raus aus Judäa!“ klingt anrüchig, weil er dem alten deutschen Spruch „Juden raus!“ zum Verwechseln ähnelt. Den Anschein will man vermeiden. Und dass Juden meinen, dass Juden nach Judäa gehören, wohin denn sonst?, wird überhört. Also muss der Spruch anders formuliert werden, damit er zwar noch immer das Alte bedeute, damit dieser Zusammenhang jedoch nicht gleich so klar wird.
Derselbe Spruch nun in anderer Fassung als „Zionisten raus aus den besetzten Gebieten!“ klingt ungleich besser, ja seriös, klingt wie eine politische Aussage zum Ernstnehmen, zum Einbauen in offizielle Dokumente und Regierungserklärungen. Obgleich er wieder nur suggeriert, dass Juden Besatzer seien, indem sie irgendwo sind, wo sie nicht sein sollen – weswegen sie dort hinaus müssten, sofort mit Ausrufezeichen, weil es immer prekär und gefährlich ist, was Juden tun!, wieder mit Ausrufezeichen. Woraufhin sodann die Verhältnisse geordnet seien, so bald die Juden da weg sind.
Es gibt eine weitere Version des Spruchs. „Juden raus aus Palästina!“: Wahlspruch derer, die am Liebsten morgen früh das halbe und übermorgen früh das ganze Israel abschaffen wollen, weil da ein Palästina sein soll oder hin soll. Oder ein Palästina auf Teilen Israels. Immer was weg vom ganzen Israel, damit da die dreiundzwanzigste arabische Diktatur hinkommt. Weil die Juden dort ja zuviel haben, indem die Juden dort unabhängig sind. Und wo Juden etwas zuviel haben und nicht abhängig genug sind, so wie schon 1933, dort müssen sie weg.
Am vergangenen Donnerstagabend wurden in Judäa, wie die Westbank als jüdisch durchtränkte Erde lieber genannt wird, drei 16- bis 19jährige Jeschiweschüler durch Moslems entführt. Sie heißen Eyal Yifrach, Gilad Schaar und Naftali Frankel.
Sie lebten als fromme Juden in Judäa, weil das nämlich Judäa und nicht die Ostbank oder Arabistan ist, und sie hatten niemanden etwas getan. Das ist das Problem.
Die Taktik des Islams seit den Massenmorden Mohammeds am jüdischen Stamm der Banu-Kuraisa in Medina, seiner ersten Amtshandlung als Prophet Allahs, besteht darin, die Schwachen und die Wehrlosen als Ziele auszuwählen. Nicht die Bewaffneten und die Starken. Immer die Schwachen. So wie die Truppen des Propheten Mohammed im Jahr 628 die jüdische Stadt Chaibar überfielen, um die Männer zu ermorden und um die Frauen und Kinder zu vergewaltigen und zu versklaven. So steht es im Koran geschrieben – ein stolzer Bericht, stolzgeschwellt von den Bluttaten an den Schwachen. Der Prophet Mohammed, der dieses befahl, der es selbst durchführte und genoss, auch die Vergewaltigungen, gilt bis heute für jeden Moslem als unantastbares, heiliges Vorbild, als fehlerloser Übermensch, ja als Gottmensch, den niemand kritisieren darf und dessen Worten jeder bind gehorchen muss. Wie ein Götzenbild, das über alles herrscht, fleckenlos, vor dem man sich niederwirft, vor dem man selber niemand mehr ist und keine menschliche Ethik kennt. So wirkt Götzendienst, das will er.
Das Problem ist, wenn Juden schwach sind. Diese Schwachen von Medina und diese Schwachen von Chaibar, ebensolche Juden wie die drei schwachen, jungen, unbewaffneten Entführten aus Judäa an diesem Wochenende, wurden damals getötet wegen der Ehre des Islams und wegen der Lust am Töten. Damals existierte keine israelische Armee, um sie zu schützen. Heute existiert diese Armee G“tt sei Dank, und sie tut alles, was sie kann, damit keine Juden entführt werden. Weil das Entführen von Juden und anderen Ungläubigen eine Spezialität und Tugend des Islams ist. Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas, der Präsident ohne Land und ohne Neuwahlen, sagte 2011 voller Befriedigung, dass die Entführung des Juden Gilad Schalit sehr gut sei. Schalit, ein junger Mann, war entführt worden, wurde von der Hamas in Gaza über fünf Jahre in einem unbekannten Versteck gefangen gehalten. Abbas strich sich die Hände wie nach einer feinen Mahlzeit, als er sagte, wie gut und richtig diese Entführung sei. Sein Verständnis von Entführungen und von Recht und Unrecht urständet in den Berichten über den Propheten Mohammed. Entführungen werden seit dessen Taten immer weiter und immer von Neuem getan, wegen der Lust, wegen des Lösegeldes, wegen des Prestige, wegen des Triumphs der Dominanz über einzelne Unterworfene, und wegen der Ehre des Islams.
Noch an diesem Wochenende, zwei Tage nach der Entführung der drei frommen Jeschiwestudenten Eyal, Gilad und Naftali aus Judäa, hat die Fatach des Mahmoud Abbas bei Facebook diese Karikatur veröffentlicht:
http://www.timesofisrael.com/pa-fatah-cartoons-gloat-and-jeer-over-kidnappings/.
Darauf zu sehen: Eine große Faust, die in einem knallgrünen Ärmel steckt, hält eine Angel. Daran hängen im leeren Raum drei zappelnde Ratten, die mit Davidsternen als jüdische Beute kenntlich gemacht sind.
Nach dieser Entführung feierte und lachte man auf den Straßen von Gaza und verteilte Süßigkeiten. Worüber lacht man in der mohammedanischen Kultur der Ehre, der Scham, des Triumphes über die Schwachen und Unreinen, in der Kultur der Suprematie: Niemals über sich selbst Man lacht über die Anderen, wenn sie 16 bis 19 Jahre alte Jiddn und entführt sind – wenn es ihnen möglichst dreckig geht. Weil es ihnen noch nicht dreckig genug geht, hilft man fatachgemäß nach und stellt sie als Ratten dar: An der Angel hängend und zappelnd, gehalten von einer allmächtigen mohammedanischen Faust.
Warum dieses Bild: Weil die drei kleinen jidischn Ratten Köder sind. Wenn einer sich locken lässt und anbeißt, wird ihn die islamgrüne Faust in den leeren Raum ziehen und erschlagen. Stoff für die nächste Karikatur aus der realitätslosen, nur zu realen Parallelwelt der Allmacht über die Schwachen, wo derlei Mentalität blüht und sich brüstet.
Was hält die europäische, so kultivierte und so zivilisierte Öffentlichkeit davon? Die Reaktionen der deutschen Qualitätsjournaille und die Reaktionen deutscher Politiker und Funktionäre sind erschreckend gleichlautend: Es seien nur drei Verschwundene, ja mutmaßlich Entführte, es gebe keine Hinweise, es gebe jedoch die Besatzung und die Demütigung der Palästinenser, das sei der Grund. Womit es dann plötzlich doch Entführungen sind – gerade eben eben am Satzanfang sind es noch keine gewesen. Es wird sofort behauptet, landauf und landab, dass diese Entführungen selbstverständlich der israelischen Regierung in die Hände spiele. Die sei rechtsgerichtet, das Synonym für den Satan, und sie sei eine Besatzerregierung, die das Völkerrecht breche und massenhaft fremdes Land raube. Woraus mit der selben Rasanz und der selben Herzlosigkeit gefolgert wird, dass das Leid von Juden 1) nicht relevant ist, weil das Besatzer seien, und dass es 2) von den Juden ausgeschlachtet und benutzt werde, um Völkerrechtsbrüche zu begehen; warum: Weil Juden dort leben, wo sie gefälligst nicht zu leben hätten. Das heißt der Spruch, „Juden raus, weil raus!, sonst!“ Selten las und hörte man mehr Stumpfheit und Böswilligkeit in steter Wiederholung als jetzt in diesen Tagen.
Der erschreckend gleichlautende Ton dieser Stellungnahmen und Aufrufe ist nichts Neues. Am 1. Juli 2010 hatte der deutsche Bundestag einstimmig die israelische Seite verurteilt, ohne diese zuvor angehört zu haben: Es ging um die Durchsuchung einiger türkischer Schiffe, die mit Terrorgutfindern und Geld an Bord nach Gaza durchbrechen wollten. Israelische Soldaten wurden mit Eisenstangen angegriffen, und es gab Tote auf Seiten der Angreifer. Da herrschte jedoch diese spontane Einstimmigkeit unter den Abgeordneten. Es wurde nicht debattiert, es wurde nicht bei den Israelis nachgefragt: In aller Eile galt es hunderten Regierenden als sonnenklar, wer da schuldig ist. So versteht man in Europa die Juden und ihre Schwierigkeiten. Judenversteher, Judenfreund, das sind Schimpfworte.
So, wie gestern im deutschen Staatsfernsehen die ARD-Tagesschau suggeriert hat, dass dem Ministerpräsidenten Netanjahu die Entführung in den Schoß falle, damit er die Hamas diskreditieren könne. Suggeriert wurde damit eine Beteiligung der Israelis an der Tat. Das ist die bruchlose Übernahme jener Bemerkung der Betonpatin der Linkspartei Inge Höger von 2011, die sie tat, als in Gaza der italienische, verwirrte Hamasgutfinder Arrigoni entführt und ermordet worden war. Die Trutschenbetonpatin, die auf den türkischen Schiffen 2010 der Hamas zugejubelt hatte, sagte wie folgt: “Cui bono? Wem nützt es?, es nützt den Israelis und Netanjahu!“
Wem es nützt, der hat das gemacht. Der Gedankenautomatismus lautet: Juden morden, weil es ihnen nützt, und wann immer es wem passt, war es der Jud.
Es kam heraus, dass Arrigoni von Salafisten ermordet wurde, die die Hamasterroristen nicht mochten, sie waren ihnen zu wenig extrem. Niemand hat es hierzulande erwähnt, das Muster saß fest, dass die Juden es getan haben. Cui bono?, die klassische Frage der Truther. So verstehen längst nicht nur Linksparteiler die Geschehnisse. So versteht man sie.
Versteht man diese drei neuen Entführungen? Sie sind ein deutliches Zeichen, dass in der vergangenen Woche Verhandlungen zwischen der PA und den Israelis stattgefunden haben. Längst nicht alles erfährt die Öffentlichkeit. Es finden mehr Kontakte statt, als sie ahnt, selbst wenn US-Außenminister Kerry die israelische Seite einmal nicht zwingt, Verhandlungen zu führen, die zu nichts führen. Diese aktuellen Verhandlungen hatten wohl ein Ergebnis, eine Verbindlichkeit, und etwas bahnte sich an, eine Einigung unterer Ebenen?, eine Einwirkung auf die PA, sich nicht bedingungslos der Hamas zu unterwerfen?, woraufhin die Seite der Araber gezielt diese Entführungen veranlasst hat. Weil Einigungen mit dem Judenstaat nicht sein sollen. Woraufhin die Sprecher der arabischen Seite sofort während der ersten israelischen Untersuchungen empört und im Alarmton bei der europäischen Qualitätsjournaille, bei der EU, den USA und bei der UNO wegen der überzogenen, aggressiven, ja demütigenden israelischen Reaktionen protestiert haben. Auf Verdacht. Man muss ja als Dauergedemütigte im Gespräch bleiben. Weil man nur zu gut weiß, dass der Westen bei israelischen Reaktionen sofort an Vergeltung, an nicht provozierte Eskalationen und an allerlei Gewaltspiralen denkt. Die Adressaten haben es geschluckt, aus Automatismus, aus Gewohnheit und Neigung, so wie sie alles willfährig schlucken, was an derlei Stop- und Alarmrufen von dieser einen Seite kommt.
Mit diesen Entführungen wird eine Reaktion der Israelis bezweckt, die definitionsgemäß immer als überzogen, gewalttätig und demütigend gilt. Zweck ist, dass sich dann ein paar Durchsuchte öffentlichkeitswirksam wehren, und dass einer erschossen wird. Etwa in Hebron: Der gerufene Begriff “Hebron!” ist Programm genug im europäischen Qualitätsjournaillismus, da weiß man spontan, welche Untaten die Israelis dort verüben, und dass “Hebron!” die Besatzung sei.
Israelis greifen dann durch – man muss sich wehren und seine Leute gegen Angreifer schützen, man ist kein wehrloser Jude mehr. Woraufhin dann die Verhandlungen abgebrochen werden, wie von Anfang an gewünscht, und worauf dann arabischerseits gebombt wird, geschossen wird und Attentate und neue Entführungen geplant werden. Welche die Israelis vereiteln. Woraufhin dann wieder bei den bekannten Verdächtigen dauerprotestiert wird. Alles im Zeichen der heldenhaften Verteidigung heilig arabischen Bodens, der Kampf gegen die Besatzung und für die Freiheit genannt wird, weil das schön klingt, und weil die Europäer lieber daran und an arme Palästinenser glauben als an jüdische Unabhängigkeit und Unversehrtheit.
Bei jeder einzelnen der bisher vielen Entführungen von Israelis durch Araber verhielt es sich just nach diesem Muster: Die PA verhandelt zum Schein und um aus Europa weiter Milliardenbeträge zu kriegen, dann steckt sie ihren Leuten etwas, damit Schreckliches wie Anschläge oder Entführungen geschehen, um dann zu behaupten, dass die Israelis die Gewaltspirale anheizten, dass die Ziele der Verhandlungen viel zu niedrig gesetzt seien – und dass der Jud an allem Schuld sei. Dann rufen „Palästinensersprecher“ Saeb Erekat, der „palästinensische Außenminister“, der “palästinensische Botschafter” in Berlin und andere solche freundlichen, dauergedemütigten Familienväter, bezahlten Lobbyisten und friedensbewegt palästinensische Klage-Aktivistinnen ihre europäischen Kontakte an, und diese Kontakte verlautbaren, was die Öffentlichkeit zu denken hat. So geht das simple Muster!, erschreckend, dass es funktioniert, sich bezahlt macht, geglaubt und gerne gehört wird.
Woher kommt dieses Vorverständnis der Europäer, dass Juden gewalttätig und unerbittlich seien, und dass man sich vor ihnen zu hüten und ihnen zu misstrauen habe, egal, was sie tun oder nicht tun? Ich habe heute en passant eine Ausstellung besucht, Großstadt, weiter Weg, Gedanken an die drei entführten Jugendlichen Eyal, Gilad und Naftali, da sehe ich mir gern Kunst an, um auf andere Gedanken zu kommen. Da stand eine Holzstatue von Moses aus dem siebzehnten Jahrhundert, etwa aus der Zeit nach dem dreißigjährigen Krieg, fast mannshoch, sehr massiv, aus Eichenholz mit Beschädigungen, wohl ein Fund vom Dachboden oder aus einem Dépôt. Zufälliger Ort, zufällige Statue, ganz zufällig Moses!, das sollte mir etwas sagen, denn der Fund passt besser zum Thema, als mir lieb sein kann.
Dieser Moses sieht erschreckend aus, unerbittlich. Seine Augen starren nach vorn, gefurchte Stirn, zornige Nase, starrer Körper wie kurz vor dem Kampf, und er umklammert mit der Linken eine Gesetzestafel mit römischen Zahlen. Auf dem Kopf sind zwei abgebrochene Hörner, übrigens ein Übersetzungsfehler vom Hebräischen ins Lateinische, als die Christen aus dem originalen „ki karan or“, strahlend, „cornuta“ gemacht haben, mit Hörnern. Diesem Fehler war schon der Bildhauer Michelangelo ein Jahrhundert zuvor aufgesessen, er hat seinen Moses als Gehörnten dargestellt. Michelangelos Moses ist sehr beeindruckend, streng aber gerecht, ein Held aus der Antike.
Nicht wie dieser Moses aus Eichenholz des Barock, der Zufallsfund. Wie massiv dieser Eichenblock ist, erkennt man von der Seite, ein Trumm von einem Gehörnten. In seinem Gesicht liegen keine Milde, kein Verständnis, auch nichts Heldenhaftes oder gar Strahlendes. Die Lippen sind fest geschlossen, kein gutes Wort kommt aus ihnen, der Blick fixiert einen, ist drohend und mächtig, kündet von Strafe und Vergeltung. Man sieht diesen Moses nicht gern an, er ist ein barocker Darth Vader, der dunkle Vater.
Diese Statue ist Theater, eine Rolle auf der Bühne, die Rolle des unerbittlichen Propheten, der Kraft seiner Drohungen die Leute unter die Macht seines Gesetzes zwingt. Natürlich sind die Paragrafen auf der Tafel in römischen Ziffern dargestellt – es geht ja um die christliche Theaterrolle des jüdischen Moses, der Zentralfigur des Judentums. Solche Gestalten hat man im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert immer als Inszenierung dargestellt, als Rollen, selbst im nüchtern protestantischen Norden, denn sie stellten wie auf einer Bühne dar, was sie für die Beobachter zu bedeuten hatten, die meist nicht lesen konnten.
Mit diesem Moses kann man nicht verhandeln. Dieser Moses siedelt, vertreibt, befiehlt und demütigt.
Der historische Moses hat einen ägyptischen Sklavenwächter getötet, weil dieser einen Juden misshandelt hatte. Moses hat sich gewehrt. Das ist verdächtig, denn Juden dürfen das nicht. Moses hat einen Ägyptaraber getötet. Und er war für jüdische Unabhängigkeit.
Dieser Moses sagt Nein! zu Verhandlungen, und er droht. Er ist ein Trumm von einem Propheten, gehörnt, unbeweglich, und er ist für Europäer die Vergangenheit, der überwundene Feind: Christlicherseits galt das Judentum als harte Gesetzesreligion, als gnadenlose Gewaltspirale, als Auge um Auge, Zahn um Zahn, die überwunden ist.
Bloß gibt es ja immer noch Juden.
Was fängt man mit denen an? Die wedeln mit ihrem unerbittlichen und längst überwundenen Gesetz, die haben Macht und keine Milde, die wehren sich, nein greifen an und wollen Groß-Israel, das alles ausfüllt, die siedeln und besatzen dort so massiv wie dieser eichene Trumm von einem Gehörnten, und die starren jeden nieder, der vor ihnen steht.
Und die sind Schuld.
Und wenn welche von denen entführt werden, einfach so!, weil sie Juden sind!, dann beutet dieser israelische Ministerpräsident Moses deren Leid für sich selbst aus und wedelt alle Welt bedrohend mit seinem schrecklichen Gesetz.
Das Bild sitzt schrecklich tief.

Bring back our boys.

Eyal ben Iris Teschurah
Yaakov Naftali ben Rachel Devorah
Gilad Michael ben Bat Galim

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Blutvergießen, Blutkulte und der Blutrausch gegen die normative Kraft der Menschlichkeit (reblog)

Dieser Artikel von Robert Cohn über Kontrolle und Enthemmung der inhärenten Grausamkeit erschien zuerst im Januar 2014 auf Tapferimnirgendwo.

(Das Antiquariatsbild ist eine Randnotiz von mir, der teilweise passenden Titel wegen; nicht von Aristobulus oder TiN)

Im Judentum ebenso wie für alle anständigen Menschen geht es von Anfang an um den Kampf gegen Blutvergießen und gegen Grausamkeit, um den Kampf gegen Sklaverei und Unterdrückung, um den Kampf gegen Selbstgerechtigkeit und die Lust an der Selbstüberschätzung auf Kosten Anderer, gerade die eigene.
Als unser Stammvater Abraham Avinu seinen Sohn Jitzchok auf einem Altar opfern wollte, so wie er es bei den Anderen und deren Blutrausch gesehen hatte, fiel ihm ein Bote G“ttes in den Arm, um solche Gräuel ein für allemal zu verhindern. In dem Moment begann die Zivilisation. Worauf Abraham es voll begriff und sich selbst beschnitt, sich selber die Vorhaut abschnitt. Yep, dazu gehört Mut!, es war in der Urzeit, als es noch Helden gab, die etwas zum ersten Mal taten, die erste Beschneidung als Zeichen, dass für alle Zeiten Blut- und Menschenopfer abgeschafft gehören.
Dieses Zeichen tragen wir bis heute. Bis heute praktizieren die Juden die Beschneidung (Briss Miloh) als Erinnerung an Menschenopfer weltweit, und damit sie nie wieder geschehen mögen.
Obwohl sie weiter geschehen und geschehen.
Das Obwohl ist das zentrale Konzept des Judentums. Obwohl selbst Juden damit Probleme haben, halten wir uns daran. Obwohl alle Welt auf die Juden einprügelt und einteufelt, mal mehr, mal weniger, halten wir am Judentum fest. Obwohl alle Nachbarn Israels geschworen haben, diesen jüdischen Schandfleck von der Landkarte zu tilgen, gelten in Israel die Menschenrechte und Individualrecht unterschiedlos für alle Bürger, Nichtbürger, Antibürger und Gleichgültige. Obwohl alle Welt seit den Assyrern, Babyloniern, syrischen Hellenisten, Römern, Christen, Moslems und Nazis mal mehr, mal weniger tat, was sie konnte, um das Judentum vom Globus zu tilgen, haben Juden niemals die selben Maßstäbe angelegt.
Seit der Zeit des Abraham Avinu, seit drei- oder viertausend Jahren, ist jedem anständigen Menschen vorgeschrieben, das Leben Anderer zu achten.
Weil es anders nicht sein darf. Aus und Amejn.
Freilich gefällt es den Menschen von je her, Andere zu dominieren und zu verletzen. Machtausübung verschafft Lust, ganz einfach, und alle Lust will Ewigkeit. Jemanden zu quälen, zu drangsalieren und zu unterdrücken, verschafft dem Quäler die bleibende Illusion, mehr zu sein als der gequälte Mitmensch. Superiorität sei mit Lustgewinn verknüpft, und um mehr Lust und Oberwasser zu kriegen, müsse man sich nur an jemandem vergehen – das ist das Rezept von Herrschern, Vergewaltigern, Lustmördern, Warlords, Haustyrannen und Menschenopferern.
Dieses Rezept ist freilich banal, und jeder, der es so banal äußert, demaskiert sich in den Augen der Anderen. Darum macht man kollektive Glaubenssätze und heilige Schriften daraus, darum erfindet man Kulte, Partikularrechte, Symbole und allerlei Beschwörungen, um der banalen Lust am Banalbösen den Anstrich von Eigentlichkeit und Heiligkeit zu geben: Das Höhere und seine Heiligkeit als Vorwand, um das Übelste auszuleben, um sich größer zu fühlen und sich hineinzusteigern.
Anstatt einfach Schluss damit zu machen und seine Befriedigung anders zu suchen, etwa in der Durchsetzung von Dingen der Zivilisation und Menschlichkeit, hat man es jedoch immer verstanden, die alte Grausamkeit wieder zu integrieren – sei es real als Metzelei an ausgewählten Tagen, sei es symbolisch. Wohl, um sie zu bannen?
Etwa der Gral. Das ist ein heiliger Kelch mit Blut drin. Das ganze christliche Abendland und das ganze christliche Morgenland glaubte während vieler Jahrhunderte inbrünstig an den Gral. Damit eng verbunden sind Erlösung, Opfer, ja Liebe. In der Gemeinschaft trinkt man bis heute aus diesem Gral. Es befindet sich BLUT darin, die Assoziation zur Blutrache, Blutmystik, Blutopfer, Bluttat, Blutrausch, Blutschwur usf. liegt ganz nahe.
Das war doch abgeschafft.
Aber in jeder Kirche steht bis heute ein Gral und wartet auf Füllung.
Wie konnte es wieder so weit kommen?
Als das Judentum zum zweiten Mal begann, nun auf dem Berg Sinai, wurde das Trinken von Blut *schauder* absolut verboten. So bald sich die Christen gegen Ende des ersten Jahrhunderts weit genug vom Judentum abgespalten hatten, wurde der Blutkult des alten Orients jedoch wieder eingeführt, blutiger und bestimmender denn je, auf immer und alltäglich verknüpft mit Jesu Leiden und Tod und Blut allüberall. Blut und das Heil. Blut und Erlösung, Erlösung durch Menschenopfer und Blut.
Was soll diese Sache mit dem Blut?
Die war doch abgeschafft, nein?.
Limpieza de sangre”, Blutreinheit, forderte die spanische Inquisition in totalitärer Prägung, und ermordete wegen der Reinheit und des Blutes tausende Juden und Araber.
Unter faschistischen Fantasien bis ins zwanzigste Jahrhundert wurden Blutorden, Blutmärsche und Blutpakte gestiftet und gefeiert, in Deutschland, Griechenland, Italien, Spanien, überall da, wo sich sympathisierende Gruppen fanden. Bluuuut.
Auch die Flagge der Kommunisten überall ist blutrot, so wie die Taten Stalins, Maos und Pol Pots.
Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!“ (Mt 27,25), so ließ die Rollenprosa des Evangelisten Matthäus die jüdische Menge ausrufen, als Jesu Blut vergossen werden sollte. Blut und Juden gemeinsam assoziiert, gemeint als Verfluchung der Juden als Gottesmörder wegen Blutes über alle Generationen. Indem eine Geschichte über Blut so erhitzt, herausgeschrieen und erhöht wurde, damit sie als Aufruf zum Massenmord gelte. Heiliger Blutrausch rief wieder realen Blutrausch hervor.
Die Täter der Schoah waren fast alle christlich getauft und sozialisiert. Im NS-Kampflied Ihr Sturmsoldaten jung und alt wurde als Refrain gesungen: „Wenn das Judenblut vom Messer spritzt, gehts uns gleich nochmal so gut“. Der Einzelne ging im erhitzten Kollektiv auf, sang so, fantasierte so und tat es so.
Blut.
Dieses reale Theaterblut aus der Hölle wurde gleichzeitig angebetet und tief verachtet. Das Eine schlug ins Andere um (Enantiodromie) und blieb sich gleich – wegen Rausch und Anstachelung, und weil das Rezept zum sich Großfühlen so einfach funktioniert. Wie das prickelte an kühlen Abenden immer vor Ostern, als man sich diese christlichen Pogromlegenden erzählte, dass die Juden Kinderblut in ihre Matzes gössen. Dort, wo der Islam herrscht, erzählt man sich diese Geschichten auch anno 2014 mit um so mehr erhöhter Stimmung und Genuss. Das gehört da zur Folklore, zu politischen Reden, ja zur islamischen Unterweisung, mit feierlichem Hass vorgetragen von Imamen und Mullahs. Es gibt arabische Filme und Fernsehserien über die rituelle Schlachtung moslemischer Kinder durch Juden, blutig und familiengerecht gedreht.
Während in Gegenden, wo der Islam herrscht, Christen blutig vertrieben und dezimiert werden.
Derlei exotisch-Alltägliches aus fernen Ländern steht freilich kaum oder niemals in der ZEIT, der Süddeutschen, dem SPIEGEL. Obwohl in deutschen Koranschulen und Moscheen derlei auf dem Lehrplan steht, und obwohl hiesige Moslems gern türkische und arabische Fernsehsender sehen.
Während in Kirchen jeden Tag bei der Messe Wein in Blut verwandelt wird. Real verwandelt, sagen die Katholiken und läuten eine Glocke, wenn’s fertig ist, symbolisch verwandelt, sagen die Protestanten, und beide Konfessionen meinen, machen, verwandeln und zeigen jedoch Trotz fremder Anverwandlung MENSCHENBLUT und trinken es, mal physisch, mal symbolisch, aber immer BLUT.
Das klingt polemisch. Sieht aber nach Blut aus.
Immerhin haben sie real damit aufgehört.
Über fast zweitausend Jahre war das anders. Als die Kreuzritter im Jahr 1099 Jerusalem eroberten, schrieben die Chronisten ganz ohne Anflüge von Schuld oder gar Mitgefühl, dass die Pferde der Ritter bis hoch zu den Beinen im Blut gewatet hätten. Alle wurden niedergemacht, ob Jude, Moslem oder Christ. So sah die christliche Welt aus. Die moslemische auch. Beim Eroberungszug des Islams im siebten Jahrhundert wateten die Eroberer durchs Gemetzel. Und in Konstantinopel 1452 und auf dem Balkan in der frühen Neuzeit. Dichtergeistliche priesen die Massaker in Hymnen an Allah.
So haben sich Juden nie verhalten…
Die Christen haben damit immerhin real aufgehört, seitdem es die Aufklärung gibt. Trotz allerlei mehr irrealer, überlebender Gralsmystik.
Der Islam hat damit nie aufgehört – im Gegenteil, er fängt verstärkt wieder an mit dem Blut und dem Rausch.
Blut der arabischen Selbstmordanschläge, wo das reale Blut meterweit spritzt. 2004 wurde in einer arabischen Universität in der Westbank eine Kunstausstellung aufgebaut, ein Raum wurde blutrot angestrichen, darin lagen Teile von Menschen, das Ganze hieß Blutopfer oder Heldentod oder Kilistin-Forever oder Der Palästinensische Gottesstaat, ich weiß es nicht mehr…

Wann lässt man das sein?

P.S.
Nebbich. Vielleicht muss ja etwas gebannt, symbolisiert und sublimiert werden, damit es nicht übermächtig wird und bis in die Realität wächst. Die Leute scheinen so ein Bedürfnis nach Blut und heiliger Überhöhung von Gräueln zu haben.
Geht’s denn nicht mit Tomatensaft, wenn’s schon rot und salzig sein muss?
Tomaten könnt’ man als heilig erklären, sie sind rund wie wohl der Kosmos und rot wie das Feuer, schmecken gut, haben Vitamine und schaden keinem. Vor Allem sind sie nicht menschlich.
Ein für genuin tomatig und saftig deklariertes Tomatenheiliges schadet ja keinem! Zumal grad Tomaten in Arabien gut wachsen.
Was tat jedoch die Hamas, als die Israelis 2005 aus Gaza abzogen: Sie vernichtete als Erstes die Gewächshäuser, weil sie lieber Raketen baut oder einschmuggelt, mit denen Juden aus Gründen des Menschenopferkults zu blutigen Massen verwandelt werden sollen.
Es wird mal wieder nichts mit Tomaten.

Warum immer diese mörderisch ernsten, von Tod, Lust, usurpierter und illusorischer Allmacht und Mord durchdrungenen BLUTkulte wie zu Zeiten der Neanderthaler, als man zum Frühstück Menschen totschlug und auffraß?

Probleme aus politischer Perspektive

Vor einigen Tagen machte im Internet ein Memo die Runde. Geschrieben hats ein bei Google in den USA arbeitender Ingenieur, und in diesem Aufsatz machte er sich Gedanken darüber, warum in „seiner“ Firma Google mehr Männer als Frauen arbeiten, wie man Google als Arbeitgeber für Frauen attraktiver machen könnte, ob einfach positiv zu diskriminieren (das nennt sich wohl wirklich so und hat sich nicht Orwell ausgedacht) die beste Lösungsmöglichkeit ist – und ob die grundsätzliche Tatsache überhaupt schlimm ist, oder ob die Art der Arbeit die bei Google zu tun nicht einfach für Männer attraktiver ist als für Frauen. Weil Frauen etwas anderes von ihrer Arbeit erwarten als Männer. Und – Nachgedanke – weil sie nicht nur andere Vorlieben, sondern im Schnitt auch andere Stärken haben als Männer (letzteres hat er mit Daten belegt).

Wenn ich in diversen Onlinediskussionen eine Sache gelernt habe ist es diese: hänge nie, nie, NIE irgendwas noch als Nachgedanken an, das vielleicht am Rande das Thema ergänzt und das Grundsätzliche um das es geht dem Gesprächspartner vielleicht ein Bissl nachvollziehbarer macht. Nichts Anekdotisches, keine Sprachbilder, keine Zitate, keine Illustration, keine Belege – und vor allem, wenn der Kommentar oder Beitrag im Laufe der letzten Stunde endlich fertiggefrickelt ist, nichts was man sich beim zweiten Korrekturlesen innerhalb der letzten fünf Sekunden vor dem Abschicken noch denkt, ach ja, hier fehlt am Rande ja noch…! Ich habe es bis jetzt fast jedesmal bitterlich bereut, diese Fast-nicht-geschriebene Randnotiz oder kleine Korrektur, vollständig ohne die ich komplett dasselbe gesagt hätte, nur kürzer und nicht ganz so anschaulich oder fundiert, je geschrieben zu haben. Ernsthaft: genau darauf wird sich als erstes, heftigst und ausschließlich gestürzt wie der Geier aufs Frischgemetzelte – und zwar zuverlässig nur auf die fürs eigentlich gesagte hundertprozentig irrelevanten Aspekte – das innerhalb der Stunde geschriebene wird vollständig ignoriert oder garnicht erst gelesen. Zuverlässig jedesmal. Es gibt einen Cartoon, in dem die eine Comicfigur etwas (wohl physikalisches über Raumzeit) einer anderen erklären will, anfängt: „stell Dir vor, Du bist auf einem Trampolin…“, von der anderen freudig unterbrochen wird: „Danke, ich wills garnicht zuende hören!“ – und dann sieht man lauter Gedankenblasen wie die zweite Figur Trampolin springt (wer den sehen will, er ist bei tvtropes . org auf der Seite „sidetracked by the analogy“³). Nur daß die Comicfigur das Trampolinspringen einfach schön findet – und es in einer Onlinediskussion Vorwürfe hageln würde daß Trampoline Rollstuhlfahrer diskriminieren, und man hat ja wohl was gegen Menschen mit Behinderung! – nur weil man verständlich sein wollte und nicht „Gummituchanalogie“ schreibt, sondern das „stell Dir ein gespanntes Gummituch vor“ in letzter Sekunde auf „… Du bist auf einem Trampolin“ geändert hat.

Und so ähnlich ist es James Damore ergangen (das ist der Ingenieur der über Googles verfehlte Einstellungskriterien geschrieben hat) – nur auf viel höherem Niveau. Jemand mit einem orwellschen Gedankenpolizei-Titel den ich mir nicht merken kann bei Google liest von dem ganzen „was erwarten Frauen von Arbeit und Arbeitsplatz anderes als Männer, und wie kann man einen Arbeitgeber also für Frauen attraktiver machen?“ nur „Frauen-anders-als-Männer“, schreit „Sexist!“, und verkehrt das was eigentlich gesagt wird mal locker ins Gegenteil, ohne es zu lesen. Alle Zeitungen berichten drüber, was bei Google für Sexisten arbeiten dürfen, Google wirft ihn raus, und er widerum veröffentlicht den ganzen Dreck, den Google am Stecken hat weil sie schon jahrelang systematisch nach Geschlecht diskriminieren.

Stand im Geschriebenen, was immer wieder behauptet wird, daß Frauen aus biologischen Gründen weniger geeignet für technische Berufe sind, sie deswegen weniger ergreifen und dort weniger verdienen als Männer? Nein. Dort stand, daß Frauen in der Arbeit seltener die ausschließliche Lebenserfüllung sehen als Männer, lieber kooperativ arbeiten als kompetitiv, und sehr technikorientierte Berufe in denen sie kaum mit Menschen interagieren können für stupide halten und deswegen seltener ergreifen. Weil sie (und jetzt kommts) besser für die Interaktion mit anderen Menschen geeignet sind als Männer (zumindest im Schnitt, das hat wohl irgendwas mit der Gehirnverkabelung zu tun; genau wie Frauen im Schnitt eine Bissl kleinere Schuhgröße haben als Männer haben sie im Schnitt ein ein klein Bissl besser vernetztes Hirn). Was der Grund dafür ist, daß sie weniger von klingonischer Beförderung halten als Männer und öfter in Teilzeit arbeiten wollen – und das ist der Grund für den geringeren Verdienst.

Damit also, schreibt Damore, das Talent der Frauen für seine Firma nicht verlorengeht (und das ist durchaus keine gnädigerweise-sozialerweise-gleichstellenderweise-Überlegung, sondern knallharte Wirtschaftslogik: die gehen dann nämlich schlicht und ergreifend zu Konkurrenz), sollte Google dafür sorgen daß sich die Frauen weder bei ihnen langweilen weil sie ihre Stärken nicht einsetzen können, noch wegen der gefühlten sozialen Kälte (klingonische Beförderung…) oder schlechten Work-Life-Balance (fehlende Teilzeitmöglichkeiten) mit den Füßen abstimmen.

Und jetzt komme ich zu dem was ich eigentlich schreiben wollte: warum prügeln die Leute so auf James Damore ein mit etwas das er ganz offensichtlich nicht geschrieben hat? Viele die auch tatsächlich lesen was er eigentlich schreibt, meinen das ist weil die progressiven Prügler überall Sexisten, Rassisten und andere Ketzer der Gutdenkreligion sehen wollen, um ein Anathema über sie verhängen zu können. Nun heißt das heutzutage zwar nicht mehr James Damore, apostata Deorum², damnatus sit in aeternitate!, sondern James, it’s not okay! (frei nach dem Chefredakteur der Daily Wire, Ben Shapiro³), aber Hinrichtungen waren ja schon immer allgemeines Volksfest. Leider nur sind die heutigen Zeiten zumindest in den USA für Scheiterhaufen zu zivilisiert.

Ich meine, es liegt vielmehr daran, daß die Vorschläge die Damore macht gut sind. Er schlägt ja vor, Leute ausschließlich nach Eignung einzustellen, nicht nach gruppenbezogenen Quoten wie es Google bislang wohl tut; und gleichzeitig Google als Arbeitsplatz attraktiver zu machen: mehr Teamwork, mehr Möglichkeiten selbst über seine optimale Work-Life-Balance und Work-Life-Blending zu entscheiden, mehr Möglichkeiten zur Teilzeitarbeit, bessere soziale Angebote, weniger Konkurrenzdenken. Gutes Geld für gute Arbeit. Das Problem der Leute die auf ihn einprügeln ist: die Vorschläge sind zu gut. Die wären nicht nur sehr gut für die Firma, die würden das grundsätzliche Problem in einer Art und Weise überflüssig machen daß alle dabei gewinnen: Google qualifizierte Leute und die guten Leute die sich aussuchen können wo sie hinwollen einen guten Arbeitsplatz. Alle gewinnen – außer den Gleichstellungsbeauftragten (oder was auch immer für ein noch orwellscher Titel da heute dazugehört) – die verlieren, wenn es nichts mehr gleichzustellen gibt, weil alle gerne dort arbeiten wollen. Die sind aus naheliegenden Gründen also eher daran interessiert, das Problem zu perpetuieren um länger daran verdienen zu können. Politisch ist es dasselbe, nur auf höherem Niveau: die Leute die allen einreden was die Gesellschaft doch sexistisch ist, gewinnen damit Wählerstimmen wenn sie dieses Problem perpetuieren (notfalls indem sie es selbst herbeiführen oder -halluzinieren). Deswegen werden sie es tun.

… und nun kommt der Exkurs, auf den alle warten 😛 (weißichdoch…). Dieselben Progressiven werfen „der Pharmalobby“, also forschenden Arzneimittelherstellern, etwas ganz ähnliches vor. Nur bezogen auf Medikamente und nicht auf Sexismus. Eine Pharmafirma hätte viel größeres Interesse an etwas, das die Leute lebenslang regelmäßig einnehmen müssen um etwas mittelschweres Chronisches zu behandeln, als an etwas daß eine schwere Krankheit schnell beseitigt. Da wären (gesicherte Einnahmequelle!) die Profite größer (der muß), weshalb die Pharmalobby (der muß auch) eher in ersteres investiert als in letzteres. Am besten noch wenn es Nebenwirkungen hat gegen die man dann wieder was anderes dauerhaft nehmen muß. Weil die Pharmalobby die Leute ja entweder vergiften oder abzocken oder am besten beides will (abgesehen davon daß mir das von a…nderen Stereotypen langsam bekannt vorkommt mußte der auch). An dieser Überlegung stimmt so ziemlich garnichts. Abgesehen davon fallen mir sofort Gegenbeispiele ein: allein in den letzten Jahren sind sehr wirkungsvolle Medikamente entdeckt worden gegen Multiple Sklerose, gegen Hepatitis C (auweia a propos andere Stereotype, das war beides dieselbe Firma, und sie sitzt sogar in Tel Aviv), die sehr viel Entwicklungskosten gefressen und astronomische Herstellungskosten haben, aber auch keine schlechten Verdienstmöglichkeiten bieten – und letztere kann man damit sogar vollständig heilen. Was für den einzelnen billiger ist als lebenslang Hepatits C als chronische Krankheit (übrigens immer noch sündhaft teuer) – und es lohnt sich für den Hersteller trotzdem. Demnächst kommt wohl etwas gegen HIV, was das komplett aus dem Körper eliminiert; und es lohnt sich obwohl billiger als lebenslang chronisch krank dann auch trotzdem. Zudem ist der Blödsinn mit „lebenslang chronisch krank, aber nicht schwer, ist profitabler“ besonders blödsinnig wenn man weiß wann jemand Medikamente eher nimmt und wann eher nicht: etwas daß einem was kurzfristiges und nicht besonders schlimmes angenehmer macht nimmt man gern und zuverlässig (Hustensaft, etwa), oder etwas das einem schnell und unkompliziert etwas unangenehmes erspart (Antibiotika etc), etwas gegen schwere Krankheiten bei dem es einem richtig dreckig geht wenn man das vergisst oder wo es gar eine Frage von Leben und Tod ist auch – bei etwas das nicht allzu sichtbar wirkt gegen mittelschwere chronische Sachen (das wären dann Blutdrucktabletten und Co) ist die Therapietreue miserabel. Das muß man immer nehmen, kann man schonmal vergessen, und tut es dann auch. Letzteres sind auch ausgerechnet die Arzneistoffe, die sehr günstig sind und an denen eigentlich keiner wirklich was verdient.

Aber die Progressiven meinen ausgerechnet das lohne sich besonders, weil sich perpetuierte Probleme ja lohnen. Die sollten vielleicht nicht von der Politik auf die Pharmakologie und die Wirtschaft – und von sich auf andere! – schließen.

 

 

²Fußnote: der Plural ist Absicht, die Progressiven glauben schließlich an alles mögliche…

³Fußnote 2: linklinkslinks zu den TV-Tropischen und der Daily Wire .

Fußnote 3: James Damore hat wohl eine Stelle als Wissenschaftsredakteur bei der Daily Wire angeboten bekommen – die haben offensichtlich gelesen, was er eigentlich geschrieben hat.

° Fußnote 4: das hier ist die rekursive Fußnote°, es gibt nix mehr zu lesen hier, weitergehen, weitergehen 🙂

Der Dokumentarfilm ist (kurz) online!

Nach wochen- und monatelangem Tauziehen ist die Dokumentation Auserwählt und Ausgegrenzt: der Hass auf Juden in Europa ganz kurz online – bis heute um Mitternacht.

Diese Dokumentation von Joachim Schroeder und Sophie Hafner wurde für arte vom WDR produziert. Historiker, Fachleute und andere Journalisten die sie vorab sehen konnten lobten sie als gut recherchiertes und präsentiertes Meisterwerk.

[TiN, von dem ich diesen Link habe, trägt einige Zitate zusammen: „Eine ganze Reihe international anerkannter Historiker, Politikwissenschaftler […] loben die Dokumentation. Prof. Michael Wolffsohn bezeichnet die Dokumentation als „meisterhaft“, Ahmad Mansour als „großartig und überfällig“ und Götz Aly als „beachtliche und außerordentlich facettenreiche journalistische Leistung.““ ]

Arte und der WDR wollten sie aber dennoch nicht senden, und schoben immer weitere Gründe vor warum nicht. Inzwischen habe ich in einigen der Tonnen von Artikeln, die zu diesem Thema in allen möglichen Zeitungen zu finden sind, halb zwischen den Zeilen gelesen, daß die zuständige Redakteurin beim WDR, die den Film produziert, während der Dreharbeiten Regie geführt und letztenendes abgenommen hat, eine Vorgängerin des aktuellen Chefredakteurs bei arte war. Das lasse ich einfach unkommentiert so stehen, soll jeder selbst vermuten ob das Thema oder die brilliante Ausführung der Dokumentation vielleicht garnicht entscheidend waren. Einen wirklich stichhaltigen Grund dafür, den Film unter Verschluss zu halten, hat der aktuelle Chefredakteur bei arte jedenfalls nirgends angegeben (an einer Stelle wehrt er sich sogar gegen Antisemitismusvorwürfe, die überhaupt niemand gegen ihn erhoben hat – vielleicht, nur vielleicht, hatte die Doku für dieses Theater das falsche Thema?). Viele die darüber schreiben vermuten, daß ihm das Thema zu aktuell – und damit politisch zu brisant – behandelt wurde, indem es nicht die letzten achtzig Jahre oder so ausspart. Dann könnte man die Frage stellen, wie das Berufsbild eines Journalisten eigentlich aussehen soll, aber das nur nebenbei.

Warum oder auch warum nicht der Film zurückgehalten wurde: heute jedenfalls zeigt ihn die Bildzeitung (sic!) – für 24 Stunden. Bis Mitternacht kann man ihn also unter diesem Link ansehen:

Bitte so weit wie möglich weitrverbreiten (leider weiß ich nicht, ob das ab morgen öffentlich gezeigt werden darf, bevor sich Bild, arte, WDR und wer noch über die Rechte geeinigt haben – ob die Bildzeitung das also nochmal machen kann. Wer das sehen will, muß also erstmal schnell gucken).

 

Fußnote: gerade eben fällt mir ein, wie sachlich und unhysterisch ausgerechnet die Bildzeitung über das Sendai-Beben in Japan und die daraus folgende Fukushima-Havarie berichtet hatte; womit sie eine der wenigen Zeitungen war, die das taten. So arg überrascht, wo ich diesen Film letztenendes gucken kann, bin ich also garnicht mehr.

Kurzgedanken die niemand braucht: Gutmenschenbeichte

Kanalratte schrieb letztens über Selbsthassende: „Zumeist bei Menschen die mit ihrer eigenen Identität nicht klarkommen. Wer sich dafür schämt ein Deutscher zu sein, ist in der internationalen Realität ein armes Würstchen.
Dort hatte ich geantwortet: „Die meisten tun das aber nicht nur, sondern sind auch noch stolz drauf; weil sie finden daß sie das irgendwie zu besseren Menschen mache.

Bessermenschen durch Selbsthass sind die Gutdenker wohl alle – aber wieso eigentlich?

Schlussendlich wird es wohl wieder damit zu tun haben, daß das bessermenschliche Denken eine Religion ist, ohne eine zu sein. Denn was gut und richtig ist, sagt einem nunmal das Weltbild: „richtiges“ denken, reden und handeln ist orthodoxes Verhalten, „orthodox“ im Sinne der Überzeugungen; welche auch immer das sind. Religion, Religionsersatz, Ethik, Ideologie, oder einfach freischaffend. Daher hatte ich geschlossen: es ist eine der Riten der Gutdenkreligion, aus dieser Geisteshaltung des Selbsthasses heraus „nie wieder“ zu sagen, „den Anfängen zu wehren“, im Nachhinein „gegen die Nazis“ gewesen und jetzt diffus „gegen rechts“ zu sein, weil „uns“ die Alliierten ja am Ende des Dritten Reichs „befreit haben“. Seit welchem Ereignis „wir“ das Völkermorden aufrichtig bereut haben, der das vermutete Ritual durchführende Gutmensch sowieso „dagegen gewesen wäre“, und/oder „seine Verwandtschaft jemanden versteckt“ habe.
So eine Art ans Gutmenschentum als Religion adaptierte Beichte (minus die unterschwellige Rechtfertigung der Gutmenschenversion), kommt mir gerade so als Idee zum frühen Nachmittag, vielleicht teilweise weil mir gegenüber im Bücherregal „Schuld und Sühne“ und „der Idiot“ nebeneinanderstehen.

Eine tatsächliche, liturgische Beichte (also im ursprünglichen-mit-gibts-das-Realitätsschock Wortsinn die christliche respektive protestantische Version) beinhaltet im rituellen Text die Fragen (hier paraphrasiert), ob jemand bereue, was er getan hat, das in Zukunft anders/besser macht, und daran glaubt, daß ihm deshalb verziehen wird (von Ganz Oben, aber darauf wollte ich hier nicht hinaus). Woraufhin er dann absolviert wird (qua Auftrag von Ganz Oben, aber darauf wollte ich hier nicht hinaus, ist ja nicht Filmkritik an Blues Brothers). Den tatsächlichen Text kennt kaum jemand (ist auch nicht sooo relevant – wörtliche Zitate solcher Texte bringe ich bekanntermaßen nur im rechtfertigenden Notstand, das hier ist keiner, und so ziehe ich es vor Sachen von den „Schlüsseln des Himmelreichs“ auch weiterhin hier in Blog nur dann zu schreiben wenn es um Primeln geht). Aber das Bild dieses Rituals, oder Reste davon, gehört und gehören zum kulturellen Erbe der Gutdenker, die es an ihre eigenen Überzeugungen und Rituale adaptieren könnten. Die Gutdenkversion divergiert davon auch in einigen Punkten (sehr stark etwa durch die uneigentliche-Rechtfertigung-durch-die-Hintertür oder das Aufrechnen gegen die guten Versteckaktionen der Verwandtschaft) – an einem Punkt aber trifft es sich wieder: Bessermenschen wollen dafür, daß sie sich kleinmachen (eigentlich knapp daneben, aber nahe genug) von ihrer Verantwortung an und für etwas losgesprochen werden.

Diejenigen, die den Gutmenschen dann qua ihrer durch die Geschichte zugewiesenen Rolle absolvieren würden/sollten/müßten, wenn das wirklich eine Beichte wäre, also „die internationale Gemeinschaft“ oder „die Juden“ bzw. Israel als Staat – die machen das aber selbstverständlich nicht mit. Kein Mensch mit einem Funken Würde würde sich derart durch Überstülpen eines ungefragten Rituals zum Statisten eines fremden Weltbilds instrumentalisieren lassen, was sich eigentlich jeder denken könnte (irgendwo in einer meiner hinteren Hirnwindungen deutet sich hier der Schatten eines Vergleichs mit einer Zwangstaufe an, „Zwang“ auf alle Fälle). Der Gutmensch wird aber wegen des abgebrochenen Ritualskripts sauer (vielleicht hat er auch noch irgendwo im Hinterkopf daß eine Rechtfertigung durch die Hintertür oder ein Aufrechnen im ursprünglichen auch ein Grund sein dürften das abzulehnen… und schätzt es garnicht das gesagt zu bekommen). Und spricht von einer „besonderen Beziehung“ zu Israel und der internationalen Gemeinschaft. Ob mit „besonders“ allerdings gemeint ist, diejenigen könnten dem Gutmenschen Absolution erteilen oder die würdebewahrende Weigerung es zu tun – keine Ahnung.

„Besonders“ respektive „Sonder-“ öffnet wie Ari im Ausgangsthread bemerkt hat noch eine ganz andere can of worms. Deswegen die Schrecken ein andermal, und hier lieber ein Bißchen Botanik:

Primula eliator ist das. Je nach Verständnis eine der beiden Primelarten, die unter den Namen „Himmelsschlüssel“ fallen – oder wenn nur eine Art (primula veris) mit Himmelsschlüsseln gemeint sein soll: eben die andere, die das dann nicht ist. Auch bekannt als „Bergprimel“ oder „Frühlingsprimel“.

 

P.S. 19:30 : gerade habe ich erfahren, daß Frank Walter Steinmeier einen Kranz an Arafats Grab abgelegt hat. Igitt! Der kommt sich deswegen auch bestimmt ganz gut vor.