Archiv der Kategorie: Smalltalk

Aufbauen und verfallenlassen

Letztes Jahr hatte ich zwei Bilder von Hügeln verglichen – respektive den Zustand in dem die Hügel sind, je nachdem wie ihre „Nachbarn“ damit umgehen. In diesem Vergleich hatte ich gegenübergestellt, was denn mit dem Hügel passiert, je nachdem ob die Landschaft daneben als Kulturlandschaft wie ein Garten bebaut und bewahrt wird – oder alles für Feuerholz abgeholzt und verfallenlassen wird. Und hatte geschlossen, dass der Spruch mit dem bösen Nachbarn wohl auch für Hügel gilt.

Für Gebäude gilt er auch: es gibt einige hundert Kilometer auseinander zweimal fast dieselbe Kirche (beide sind aus dem 5. Jahrhundert und sich sehr, sehr ähnlich) – in astronomisch unterschiedlichem Zustand. Danke an Ari, der mir beide Bilder gezeigt und erklärt hat 🙂 (alle hier verlinkten Bilder sind aus der Wikipedischen). Nachdem der Grund für den Erhalt des einen und den Verfall des anderen Gebäudes ein politischer ist, ist dieser Post im Gegensatz zum Hügelpost eindeutig kein Smalltalk – dieser Grund schreit zum Himmel!

Die eine Kirche ist Santa Maria Maggiore in Rom – eine Basilika von ca. 420 und eines der schönsten Gebäude Roms. Bevor ich jetzt ins schwärmen komme und etwas schreibe das länger ist als der verlinkte Lexikonartikel: Wer nach Rom kommt, sollte sich dieses architektonische Juwel unbedingt selbst anschauen! So sieht sie aus:

Von Livioandronico2013 - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=45697819

Von Livioandronico2013 – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.Org/w/index.php?curid=45697819

Vor allem, wer sich die Mosaiken überall im Innenraum detailliert anguckt, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus:

Von MM – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.Org/w/index.php?curid=10515035

Dieses Gebäude wird von der Stadt Rom natürlich gehegt und gepflegt und liebevoll instandgehalten: Wer einen solchen Schatz hat, der passt auch gut darauf auf, oder?

Oder. Ich hatte ja geschrieben, dass diese Kirche eine identische Zwillingsschwester hat. So wie diese sähe sie auch aus, wenn „oder“:

von Berthold Werner – Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.Org/w/index.php?curid=5580929

Und da haben diejenigen die die Weihnachtsdeko aufgehängt haben und der Fotograf noch ihr bestes gegeben, um zu verstecken wie heruntergekommen es da eigentlich ist. Die Säulen sind verrußt und verwittert und verspeckt, durch das Dach regnet es rein, der Fußboden ist fort, die schönen Mosaiken sind alle geklaut… Fast alle, in einer Ecke hoch oben wo niemand hinkommt, ist noch ein kleines Bissele übrig (hier habe ich aber kein Bild, das ich verlinken kann).

Welches „oder“ ist hier passiert?

Es ist nicht so, dass diejenigen dort nicht auf die Kirche achten wollen – sie dürfen nicht. Auch die Kunst im inneren ist über die Jahrhunderte weniger geklaut worden (das auch!) – als als „unislamisch“ abgeschlagen. Santa Maria Maggiores Zwilling, die Basilika die ungefähr zur selben Zeit fast genauso gebaut wurde, hat das Pech da zu stehen, wo (mit einigen Unterbrechungen) schon sehr lange der Islam das sagen hat: In einem kleineren Ort in der Nähe von Ramallah. Wäre das Gebäude nicht so berühmt, wäre es wahrscheinlich ganz weg (so hoffen die Herrschenden, dass es sich in Wohlgefallen oder zumindest Ruinen auflöst) – es ist die Geburtskirche in Bethlehem.

Wie schlimm sie ausguckt ist nur ein von außen sichtbares Zeichen dafür, wie schlimm es den Christen dort geht. Und das ist der oben erwähnte Grund, der zum Himmel schreit. Weltweit sind Christen die am stärksten wegen ihres Glaubens Verfolgten, am meisten von Islam-Anhängern, am schlimmsten dort wo der Islam das Sagen hat, auch in den palästinensichen Autonomiegebieten (=auch in Bethlehem). Vor etwa 30 Jahren waren die Einwohner Bethlehems zu 90% Christen – dann brach der Frieden von Oslo aus, und heute gibt es dort kaum noch Christen. Die meisten flohen nach Israel, um ein gutes und selbstbestimmtes Leben mit allen Bürgerrechten zu haben (die dort jedem zustehen). Die wenigen, die in Bethlehem blieben, sind nämlich Bürger zweiter Klasse: Dhimmis (respektive Kaffern, um das islamische Schimpfwort für Andersgläubige auf dem Niveau des N-Worts zu bemühen). Sie werden verfolgt, entrechtet und entmenschlicht – und eine Folge dessen ist, dass das Christentum auf Geheiß der Obrigkeit versteckt werden muss.

Was auch für und in Kirchen gilt. Auch für die Geburtskirche. Verstecken kann man ein so berühmtes Gebäude dieser Größe schlecht, aber eben verfallenlassen. Und in früheren Zeiten auch, wie gesehen, vandalisieren – und übrigens auch umbauen. So sieht der Rest des Eingangs heute aus:

Von Dirk D. - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=23281063

Von Dirk D. – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.Org/w/index.php?curid=23281063

Zugemauert bis auf ein hüfthohes kleines Türchen, durch das jemand eher hineinkriecht als hineingeht. Zu hohen christlichen Feiertagen hängt die Autonomiebehörde schon mal Bilder von Hamas-Granden obendrüber, sodass jeder der in die Kirche will zuerst ganz konkret vor der Hamas buckeln muss – im übertragenen Sinne ist das ja sowieso der Fall (Ulrich Sahm hat hier Bilder). Oder Abbas, der Präsident im elften Jahr seiner vierjährigen Amtszeit, stellt sich mit einem Modell des Felsendoms (einer Moschee in Jerusalem) aufs Dach, um eine Festansprache zu halten. Dhimmi-Kram, eben.

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Das nächste Mal, wenn es um Verfolgte geht, denkt an diese beiden Bilder: dasselbe in Europa, so wie es sein könnte – und dort, wo es zeigt wie schlimm es den Verfolgten geht. Und denkt an die verfolgten Christen.

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For the World is Global, and I Have Touched the Moon

For the World is Hollow and I Have Touched the Sky ist der Name einer uralten Star-Trek-Episode aus der Zeit in der die Menschen noch davon träumten, fremde Welten mit eigenen Augen zu sehen – und mit eigenen Füßen zu betreten. Womit auch sonst?

Mit einer Landefähre – denn beamen geht ja schlecht. Heute vor fünfzig Jahren betraten Menschen tatsächlich (mit der Raumfähre ColumbiaApollo 11 hieß die Mission) eine andere Welt: den Mond (und da „Mond“ hier strenggenommen wegen der Größen- und Schwerkraftverhältnisse nicht das richtige Wort ist, sondern eher „einer der beiden Planeten eines Zwillingsplanetensystems“ auf ihn passt, kann man auch sagen: wir waren auf einem anderen Planeten).

Wie unvorstellbar groß die technische, wissenschaftliche, politische und zivilisatorische Leistung war kann sich heute kaum noch jemand vorstellen. Der Flug zum Mond hätte mit derselben Wahrscheinlichkeit auch schiefgehen können, wie andere Raumfahrtprogramme vor und nach ihm; und hätte es das Rennen mit der Sowjetunion um die erste Mondlandung nicht gegeben, es hätte wahrscheinlich auch keine Mondlandungen gegeben. Es war nicht nur „weil wir es können“ – es ging auch darum, zu zeigen, daß eine freie Gesellschaft, die nach dem Prinzip der individuellen Rechte und des individuellen Nutzens organisiert ist und auf ethischen Prinzipien fußt die größer und wichtiger als das staatliche Kollektiv sind; daß diese Gesellschaft die Bereiche schützt in der das „wir“ nichts zu schnabeln hat das besser kann. Besser als ein Kollektiv in dem „das Wir gewinnt“, in dem alle mitmachen (müssen), und das für den Fortschritt der Menschheit den Neuen Menschen hervorgebracht hat, der sich vom kindischen Aberglauben vorheriger Zeiten (damit sind ethische und moralische Grundsätze gemeint!) freigemacht hat, weil das „wir“ seine Persönlichkeit so gut geformt hat – und der stattdessen wissenschaftsbasiert in einem großen Sprung nach vorne alle in eine neue Zukunft trägt.

Oder auch nicht: denn der „alte“ Mensch war schneller. Und besser. Die Sowjetunion war in diesem Rennen als zweite ins Ziel gekommen; und mehr als zu sagen „aber die USA waren vorletzte!“ blieb ihr hier nicht. Viele kleine Individuen, die den Mond am Himmel gesehen hatten und davon geträumt hatten hinzukommen, hatten gemeinsam den Großen Plan vom Fortschritt der ganzen Menschheit ausgestochen. Mit deshalb auch hat einer der Astronauten, Buzz Aldrin, über Funk beim Weltraum-Anblick der Erde spontan einen Psalm rezitiert: „die Himmel rühmen des Ewigen Ehre.

Auch deshalb, andererseits, war wahrscheinlich immer noch niemand auf dem Mars: die Träume sind verlorengegangen. Oder viele haben vergessen was sie bedeuten, seitdem es nicht länger den Vergleich mit dem real existierenden Sozialismus gibt (um das Schicksal hier nicht herauszufordern: hoffentlich werden wir hier in Europa nicht irgendwann noch eine Wiederholung der Idee vom ganz großen Wir). Der Schriftsteller Terry Pratchett (dessen Science Fiction kaum jemand liest; die meisten lesen die Fantasy) hat gesagt, er lebte in einer Zeit, in der er eigentlich erwartet hat, den ersten Menschen auf dem Mond zu sehen – er hätte aber nie erwartet, den letzten zu sehen.

Footnote fever, Footnote Feeee-veeer: „Der Flug zum Mond“ hier im Bild ist eine uralte Sonderausgabe einer Fernsehzeitung (der Bunten Jllustrierten), die ich irgendwann vor Jahrenden auf einem Bücherflohmarkt gefunden und wegen der alten Fotos gekauft habe. Das Plüschtier ist ein Tribbel-Esser aus der Star-Trek-Zeichentrickserie (aus „More Tribbles, More Troubles“) deswegen auch Tribbel statt Popcorn für den Filmabend (im Prinzip ist das aber eine etwas ungewöhnlich aussehene Hauskatze IM WELTRAUM!, weil ein Tribbel mehr oder weniger eine Maus ist); und das was die Weltraumkatze im Filmabend guckt ist diese Podcastserie über die Mondlandung. Von der Redaktion die sie produziert hat stammt auch der Becher im anderen Bild, das ich vom Glomp und dem Sonderdruck gemacht habe:

Auf dem Becher steht: Kommunistentränen – das passt (auch wenn der Becher hauptsächlich die Zeitschrift festhalten sollte). Und der Lichtreflex, der dafür sorgt daß es so aussieht als würde Buzz Aldrin sich hier beamen, ist ein Linsenfehler (schuld ist der reflektierte Blitz, auch das war keine Absicht) – was das ist habe ich schonmal erklärt; und zwar im Beitrag über verschwörungstheoretische Filmstudios:

Auch da ging es um die Mondlandung – das Bild habe ich allerdings im Miniaturwunderland in Hamburg geknipst.

Der Astronaut der in den NASA-Bildern auf den fürs Foto aufgeschlagenen Seiten der Zeitschrift zu sehen ist, ist jedesmal der oben beim Funkspruch erwähnte Edwin „Buzz“ Aldrin. Aldrin twittert auch, und zwar hier.

Schließlich, letzte Fußnote, habe ich das Bild vom Mond oben selbst geknipst. In Shanghai – weil ich mein Teleobjektv (das vier Kilo wiegt und ich so gut wie nie brauche) nicht ganz umsonst durch China geschleppt haben wollte. Manche Dinge – oder zumindest Bilder – werden eben doch nur gemacht, weil jemand das kann.

Drache, Löwe, Lampionblume: alte Holzpaneele

Als Fortsetzung zu den Kacheln in den alten Treppenhäusern: alte Holzteile sind oft genausoschön.

Hier der verprochene Drache (vielleicht ist es auch ein Fisch oder eine Seeschlange):

Das hier is entweder ein Löwe oder ein Bär:

Etwas botanisches (vielleicht das hier?):

Lampion, Blume, Lampionblume? 😉

Auch etwas botanisches, aber schon etwas witteriger als die anderen:

 

Etwas ziemlich verwittertes, das wahrscheinlich eine Muschel ist:

Und schließlich, sehr gotisch:

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Station of Desolation

Im Gegensatz zur versehentlich expressionistischen UBahn-Haltestelle von neulich sieht diese Haltestelle einfach nur heruntergekommen aus – dabei wird nur umgebaut:

Trotzdem: wo die andere Station aussah wie die Kulisse zu einem Film Noir, wird hier ein Horrorstreifen gedreht. Oder eine Ausgabe von „unser Ort soll schöner werden“ – das sind die „vorher“-Fotos. Was ja auch irgendwo passiert: wie gesagt, es wird gebaut.

Und nahm es aus der Mitte

Da brauchte jemand, offensichtlich, dringend Klopapier. So dringend, das es kein ganzes Paket oder gar von oben sein sollte:

Das widerum erinnert mich an einen Abzählreim, den ich Kinder beim gummitwisthupfen singen gehört habe:

Saßen zwei Gestalten aufm Donnerbalken
Und sie schrien nach Klopapier, Klopapier!
Und dann kam der dritte, der setzt sich in die Mitte
Und sie schrien nach Klopapier, Klopapier!
Und dann kam der vierte, der sich recht genierte
Und sie schrien nach Klopapier, Klopapier!
Und dann kam der fünfte, der die Nase rümpfte
Und sie schrien nach Klopapier, Klopapier!
Und dann kam der sechste, der sich garnicht erst setzte
Und sie schrien nach Klopapier, Klopapier!
Und dann kam der siebte, der hintenüberkippte
Und sie schrien nach Klopapier, Klopapier!
Und dann kam der achte, der auch nicht drüber lachte
Und sie schrien nach Klopapier, Klopapier!
Und dann kam der neunte, der nachts noch davon träumte
Und sie schrien nach Klopapier, Klopapier!
Und dann kam der zehnte, der brachte das ersehnte
… Klopapier, Klopapier!
Doch dann kam der elfte, der nahm sich gleich die Hälfte
Und sie schrien nach Klopapier!

Irgendwie ist das wie oft bei Kinderspielen: es tut so, als wäre es ganz fürchterlich tabubrechend – ist aber im Grunde harmlos und nicht halb so profan, wie es sein könnte. Was auch moderne „Kunst“ beschreiben könnte, wären da nicht zwei wesentliche Unterschiede: die „Künstler“ spielen nicht nur mit Tabus, die brechen sie demonstrativ – und die Kinder haben wenigstens Spaß dabei.

Auch wenn sie nicht so hoch gesprungen sind wie bei den Ganzkörpergrimassen, und nicht so weit wie bei den Hupfkästchen.