Archiv der Kategorie: Kulturelles

Ganzkörpergrimassen

Auch dieses Spiel wird von Kindern auf der ganzen Welt gespielt: zwei Spieler schneiden Grimassen in Richtung des jeweils anderen; es gewinnt, wessen Grimassen dem Publikum besser gefallen. So eine Art Seelenverwandter des Battle of the Bands oder der Slam Poetry.

Wobei es wohl regionale Unterschiede gibt, wieviel Körpereinsatz in die Grimassen gesteckt wird:

Diese Monsterdarstellungen sind beide schon auf halbem Wege zum Straßentheater.

Oder auf halbem Wege zu den Hupfkästchen von neulich.

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(Un)moderne Unmöglichkeiten

Es gibt Kombinationen von Kleidungsstücken, die zieht man einfach nicht zusammen an.

Komischerweise sind das jeweils andere Kombinationen, je nachdem, wann und wo und wen man fragt. Manche Sachen gehen einfach garnicht, da sind sich alle einig; nur was speziell darunter fällt, da sagt jeder was anderes.

Was in Amerika überhaupt nicht geht, ist Mustermix. Plaids and Stripes ist dort ein Synonym für: fürchterlich angezogen. Sowas hier:

Den Bayern dagegen stößt eine bestimmte Farbkombination sauer auf: Grün und Blau wia am Kasperl sei Frau. So sieht das dann aus:

Auch die Norddeutschen finden, daß bestimmte Farben sich einfach nicht vertragen – bei denen sind das allerdings besonders Rot und Rosa – oder Komplementärfarben (wie rot und grün). Case to point:

Ach ja, und blaue Strümpfe zum schwarzen Rock (oder umgekehrt) sehen auch, natürlich, einfach bescheiden aus:

Meine Oma fand auch noch, daß man unterschiedliche Edelsteine nicht zu kombinieren habe, das sei irgendwie billig-protzig. Obwohl mir das eigentlich ganz gut gefällt. Ein Beispiel mit – wieder – blau und grün, und ja, auch blaugrün gefällt es mir trotzdem:

Wahrscheinlich wird das, was man nicht anzieht, einfach genauso modern und wieder unmodern, wie das, was man anzieht. Nu, oder umgekehrt, gerade zwiebele ich mir einen Knoten ins Hirn, wie ich das nennen soll, wenn es aus der Mode kommt, Kleidungsstile als unmöglich zu bezeichnen; und man sie somit wieder anziehen könnte, auch wenn das nicht unbedingt heißt, daß sie so modern werden daß jeder das auch tut.

Joyeuses Paques und Chag Pessach Sameach

Den Jiddn ein etwas verspätetes (aber immerhin nicht ganz zu spätes) Chag Pessach Sameach und nächstes Jahr in Jerusalem! 🙂

Den Christen Frohe Ostern! 🙂

Allen schöne und gute Feiertage! 🙂

Die Welt in Tüten

Fast so schön wie alte Ansichtskarten zu finden, die von überall in der Welt geschrieben wurden, ist es, alte Tüten zu finden, in denen von überall in der Welt etwas mitgebracht wurde 🙂 . Ich finde es schön, auf einem krumpeligen Stück Plastik unvermutet über Anchorage oder Byron Bay oder Paris zu lesen, und dann an Alaska oder Australien oder Frankreich zu denken; und an diejenigen die mir von dort etwas mitgebracht haben. Vielleicht war ich auch selbst dort, und eine Karte an sich selbst zu schreiben wäre der Gipfel des Kitsches – aber irgendwas herumgetragen hat man doch immer. Die Tüte als Zeuge eines Stücks Leben von anderswo und anderswann. Tüten halten auch länger als Karten, und Karten sind seltener, hätte ich jetzt geschrieben; aber beides stimmt nicht mehr seit Plastiktüten als die Inkarnation des Bösen gelten. Seitdem hat jeder weniger ehemalige-Einkaufs-und-werdende-Mülltüten in Diesem-einen-Fach-unter-dem-Waschbecken, das irgendwie jeder mit ihnen vollstopft. Und so wird dann doch eher mal die Souvenirtüte für die Reste von Pizzaparty und Kuchenversuch geopfert.

Schade um die Archäologie im Kleinen.

Am Wochenende habe ich beim aufräumen einen ganzen Schwung alte Plastiktüten gefunden, und im Gegensatz zu sonst auch fotografiert. Herzlich willkommen, daher, zu einer kleinen Gedankenreise in Tütendrucken:

Wie versprochen erstmal nach Alaska. Seit dieser Tüte weiß ich auch, was ein „Blue Moon“ ist; wie kommt man sonst auch auf sowas?

Die hier dagegen ist schon ziemlich ramponiert, ich nehme also zurück was ich oben über dauerhaft geschrieben habe. Sie steckte als Rest in einer anderen; auf dem Rest ist, wie gesagt, „Anchorage“ zu entziffern, besser aber doch zu lesen auf besagter anderer Tüte:

Anchorage Museum: überhaupt, Museumstüten. Es gibt Museen für alles mögliche und unmögliche:

Selbst für Schokolade. Bessere Museen drucken auch bei jeder neuen Ausstellung neue Tüten, wie etwa das Lenbachhaus in München:

Unrettbares Ich, my goodness! Stil hat das schon, das muß man ihm lassen – aber auch klassisches, staubtrockenes Understatement ist stilvoll. Very british demonstriert vom British Museum:

Auch aus London, aber weniger very british diese Tüte:

Dafür ein sehr linke Tüte, die laut sagt: es wäre besser, es gäbe mich nicht. Eigentlich sind sowohl die Aussage als auch die Tüte potthässlich – her mit den Pizzapartyresten!

Wieviel schöner ist doch die Version aus Paris aus der Nähe vom Centre Pompidou. Überhaupt, französische Tüten, Wergwerfkunst auf Plastik in Leichtigkeit:

Selbst wenn es nur ein ganz kleines, monochrom bedrucktes Sackerl ist (aus Martinique, aber das ist ja Frankreich). Das stilvolle kleine Bißchen geht auch auf italienisch, hier aus Mailand:

Vielleicht aber doch lieber wieder Schokolade in der Tüte herumtragen? Nicht von einem abgefahrenen Schokoladen-Museum, sondern eine Tüte für wirkliche Schokolade, aus einer Konditorei, in Wien:

Auch in die Nähe lohnt es sich also zu fahren – oder, für Faule, fahren und etwas mitbringen zu lassen. Etwa ein schweizer Taschenmesser, um den Schokokuchen auch zu schneiden:

Inzwischen noch näher als Wien und die Schweiz und Italien und Frankreich ist für mich, seitdem ich vom Südlicht zu Nordlicht wurde, freilich Bremen:

Auch wieder sehr kitschig, aber auf einer Tragetasche für ein paar Ansichtskarten macht das ja nichts. Trotzdem, deutscher Kitsch ist immer a) deutsch, und b) Kitsch – es macht doch viel mehr her, wenn auf dem Kitsch etwas in einer anderen Sprache steht:

Das ist dann auch wieder „etwas“ weiter weg. Schade, daß auf dieser Tüte aus Tansania nichts auf Suaheli steht (dann liest man ja garnicht, daß sie wirklich da herkommt – daher ist sie aber). Englisch passt eher für den oben angekündigten Trip nach Australien:

Da steht auch wieder eine Adresse drauf, woher die Tüte stammt. Schön! Wo ich gerade in der relativen Nähe bin, habe ich auch noch zwei Stück Kitsch aus Neuseeland:

Gurf, sehr kitschig, indeed.

Dieses Gebäude, Tower Building, ist zwischenzeitlich bei einem Erdbeben eingestürzt und wieder aufgebaut. Bei der Kathedrale von Christchurch nebendran wird das wohl ein „Bissele“ länger dauern. Auch komisch, wenn die Tüte dann sogar länger hält als das woher sie stammt. A propos „Herkunft“, die erste: keine Ahnung, woher dieses Stück Kitsch hier ist:

Sicher nicht daher – Herkunft, die zweite – woher der Aufdruck behauptet, ist diese Tüte hier.

Da hilft dann nur noch die Flucht. In Sachen mit einem Aufdruck nicht nur in einer anderen Sprache, sondern gleich in einem anderen Alphabet:

So exotisch, da fällt nicht mal vielen auf, daß ich das falschrum halte.

 

To be continued… (Ari hatte doch eine Tüte mit Mount Rushmore, und, ….)

Kunst am Wegrand 5: Fluchtweg

Kassel ist eine Stadt, die wohl so hässlich ist, daß man sie einfach mit Graffiti vollschreiben muß. Case in point: das hier habe ich an einer sehr scheußlichen Hauswand in Kassel gesehen:

Oder freilich man haut gleich aus ihr ab, aus der Stadt, per Portal ins Paradies des Graffitischreibers, Heaven is a Half Pipe pfeifend.

Allen anderen bleibt nur die Straße nach Calden, das ist wohl schöner mit Schloss Willhelmsthal und allem.

Oder nach Witzenhausen, auch das solls da geben. Ob es schön sein soll, habe ich nicht gehört.