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Fluchende Zeitungsseite flattert zielgerichtet

In den unvergleichlichen Worten Terry Pratchetts: Die Welt ist voller Omen, es kommt nur drauf an sich die richtigen auszusuchen. Nach dem letzten Gewitter habe ich eins dieser ubiquitären Omen gefunden: auf der Straße flatterte mir zusammen mit einer ganzen Menge Laub eine Zeitungsseite entgegen, deren Titelzeile mir prompt die Meinung über… die Straße mitteilte:

Zufälliges Zeitungspapier. Für die Daten-Nerds: ich habe keine Verbindung zur abgebildeten Zeitung; sie flog mir nur als Müll entgegen, weiter nichts.

Schade, daß ich (wahrscheinlich) nicht in der als verflucht verschrienen Straße stand, aber auch auf der Metaebene kann man nicht immer alles haben. Ich muß mir noch überlegen, wofür die fluchende Zeitung ein Omen sein soll, oder womit sie die Straße denn verfluchen soll – aus mir wird also nicht so schnell ein Horrorfilmregisseur, fürchte ich.

Normalerweise flucht man ja umgekehrt über das was in der Zeitung steht, oder die Flüche anderer landen in der Zeitung. Letztens hatten Ari und ich auf der Internetseite einer Zeitung zusammen mit jemandem der sich „A Regular Guy“ nennt auch Gedichte über Flüche geschrieben, das geht natürlich auch. A Regular Guy hatte Shakespeare zititert, Macbeth. Das zu sagen soll einen übrigens auch verfluchen, wenn man Schauspieler ist – außer man probt gerade eine Rolle in Macbeth – weshalb Schauspieler von „the Scottish Play“ reden, um nicht den Fluch Shakespeares auf sich zu ziehen. Wir drei Kommentatoren waren alle keine Schauspieler, und so sagte A Regular Guy einfach „Macbeth!“ und zitierte:

Double, double toil and trouble;
Fire burn and caldron bubble.
Fillet of a fenny snake,
In the caldron boil and bake;
Eye of newt and toe of frog,
Wool of bat and tongue of dog,
Adder’s fork and blind-worm’s sting,
Lizard’s leg and howlet’s wing,
For a charm of powerful trouble,
Like a hell-broth boil and bubble.

Double, double toil and trouble;
Fire burn and caldron bubble.
Cool it with a baboon’s blood,
Then the charm is firm and good.

Mit der Anmerkung über die amerikanische Demokratische Partei, um deren Halloween-Spinnereien (Verkleiden ist kulturelle Aneignung! etc.) es gerade ging:

And for the heck of it… ear of Democrat and the toes of bats.

Aris Demokraten-Fluch-Gedicht darauf:

😀

… fillet of Pelosi snake,
bones of Waxine Maters fake;
eye and puke and toe of Hogg,
wool of Biden, taste of bog,
Cortez‘ phück and Stormy’s sting,
Shumer’s leg and Booker’s thing,
for the charmless leftist trouble!,
like a smell-broth shmoil and shmubble.

Und meine Fortsetzung:

… Michael Avenatti’s tongue,
Hogg-boy David’s left-wing lung,
Fauxcahontas‘ cheekbone marrow,
Washintonian bog’s ge-farrow,
Eye of Cortez, eye of Cory,
Online buIIies‘ quotes and quarry,
Bernie Sanders‘ pudding cup,
FIeas from Katzen’s strangled pup:
Stirr it to the left and spit –
This is instant gossip hit!

Womit wir wieder bei dem waren, was in der Zeitung steht. Und bei Fluch und Spuk. Auch bei Erlen in der Nähe soll es ja spuken: sie wachsen im Moor und das Harz ist blutrot, das reicht. Es reicht zumindest für den Erlkönig (den Quotenmann zu Shakespeares Hexen?). Aber nicht alle Kunst die ein Erlkönig sein könnte muß nun so unbedingt Kunst sein, wie beim zweiten Selbst letztens festgestellt, manchmal reicht es auch nur zu:

„Wer drahtet so spät in Wind und Nacht?“
„Das Bühnenbild hab ich nicht fertiggemacht!
Siehst, Alder, Du den Erlkönig nicht?“
„Das ist ein Gefrickel, das ist kein Gesicht!“
„Den Erlkönig, Alder, mit Bein und Schweif!“
„Mein Freund, das ist ein Drahtbügel-Reif.
Moderne Kunst mit Müh und Not –
Die Kritiker schlagen Dich morgen tot!“

Nicht jedesmal wenn jemand eine Zeitung (oder einen Draht) in neue Formen dreht ist es eben gleich Kunst.

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Sirenenfischpfützenreime

Vorgestern hat Ari beim Zweitenselbst ein Gedicht von Heinz Erhard zitiert:

Am Rand des Meeres saß er.
Das heißt er lag, weil er ja schlief,
und unten ist’s besonders tief-.
Da plötzlich aus dem Fluten
eine Jungfrau trat herfür!,
auf eine Flöhöhöte tat sie tuten,
das war kein schöner Zug von ihr.
Dem Jüngling ging das Lied zu Herzen,
obwohl sie falsche Töne pfoff,
er tat sich in die Fluten sterzen,
da ging er unter und versoff.

Was ich dann parodiert habe (die parodierte Parodie, aber, ja mei) mit:

Am Rand des Flusses ging er.
Das heißt, der Fluss, das war ein Bach-,
selbst unten ists besonders flach.
Da plötzlich in den Fluten
die Forelle schwamm vorbei!,
er denkt an Steckerlfisch, den guhuhuten,
und wie gern er jetzt Fischkoch sey.
Der Jüngling nach dem Fischerl witschte
obwohl er oft danebengroff;
bis er den Hals sich brechend glitschte –
da ging er unter und versoff.

Und eine zweite Strophe kam von Ari:

Am Sonntag aus der Pfütze soff er,
das heißt er trank, als feiner Mann,
doch von G’wissnsbissn troff er,
und hofft‘, dass wer ihn rette wann.
Da plötzlich aus der Lache
eine Dryade trat herfür
und stieg moralisch ihm auf’s Dache!,
und bessert‘ ihn mit Ach und Rühr‘.
Dem Pfütztrink schwoll das Herzelein,
weil er moralisch so gefehlt,
er lud sie prompt zum Essen ein-.
Am Mittwoch waren sie vermählt.

Weitere Strophen immer gerne 😀 !

Verlierer auf dem Dach

Wie im vorigen Beitrag versprochen:

Beim Hessenhenker gab es einmal Gedichte über jemanden der auf einem Dach steht – das ließe sich theoretisch finden, das suche ich noch.

Da isses (Anlass war wie ein Wahlverlierer mit der verlorenen Wahl umgegangen war):

ARISTOBULUS: Er stand auf seines Daches Esse
und schaute mit verzerrter Fresse
auf sein verschnupftes Hessen hin.
„Dies alles is mir ungar-arisch!“,
so sprach er heute faul und barisch,
„gesteh, dass isch ein Unwitz bin.“

AURORULA: Er stand an seines Daches Kante
wo schon so mancher weiterrannte
und baute dort Geländer hin.
„Dies Ding, es kommt hier nicht sehr zeitig“,
so sprach er frei weg und bereut nicht,
„gesteh, nun gibt es wenig Sinn.“
(… weil ab heute Nachmittag so und so keiner mehr aufs Dach steigen kann.
Oder so.)

ARISTOBULUS: Aber er wird balde, gar balde!, wieder mit dem Herabhüpfen drohen.
Und dann müss’mer ihm hier seine hochfliegenden Pläne wieder ausreden.

AURORULA: Er stand auf seines Daches Mitte
Und drohte mit finalem Tritte
In sein privates Höllreich hin
„Dies alles ist mir jetzt schon höllisch“,
So sprach er affektiert-unehrlich,
„Gesteh, daß ich Erpresser bin.“
Er stand an seines Daches Traufe …
Des Ganze is zum Haareraufe!

ARISTOBULUS: Er steht da so auf Daches Pfannen
und blickt vom Schmärtzes und voll Pannen
aufs Hügelhessen dorten hin.
„Die alle reische mir net hinnig!“,
schreit er zu dem Henkerkönig,
„ein kroser Nimmersatt isch bin!“

AURORULA: Er steht auf seines Daches First,
Vor Neid und Wüten fast er birst:
Denn wieder war kein Wahlgewinn.
„Das alles ist mir sehr zuwider,
die Wähler stimmen mich nur nieder!
Gesteh, daß gern Tyrann ich bin.“
(… wär. Was auch immer. Leider reimt sich nur der Indikativ. 😳 )
Er stand auf seinem Dach zu lang
Doch plötzlich wurde es ihm bang:
Gewitterwolken stürmten her
Und noch bevor er stürmt zur Leiter
Da dient er schon als Blitzableiter
Hin ohne Absicht, das fällt schwer.
(… schließlich wollte er mit dem Selbstmord ja nur drohen! 😛 )

ARISTOBULUS: (Harr 😀
Er hätt ja immer noch Vizepräsident des Katasteramts für Unliegenschaften des ostpreußischen Vereinswesens werden können. Da kann man sogar stellvertretender Ehrenpräsident werden, wenn man fleißig, beharrlich und grundehrlich ist und ein rollendes Ärr aussprächn kann.)

sodass der [Name], blitze-blatze,
karrierisch Elektronen schmatze.

.

Von Hirschen und Hunden

Seit vergangenem Mittwoch wurde in den Kommentaren wieder einmal gedichtet. Ausgangspunkt war ein Kupferstich von Johann Elias Ridinger, unter dem selbst ein Gedicht steht. Ari hatte den aufgetan:

Habe da einen Schtupferkich vom Johann Elias Ridinger gesehen, gemacht so 1750, der vielleicht Einiges erläutert oder unterstreicht, das uns widerfuhr. Ja, ein Menetekel über die Erschlagung-.

Unter dem Drama mit Hirschen und Blitzschlag im Walde stehet von Ridingers Hand dies geschrieben:

Ein ſchwarzes Sturmgewölk verdunkelt Thal u. Wald
Der ſtets von dem Gebrüll des Donners wiederſchallt-.
Des Blitzes rothe Glut fährt greulich hin und wieder
Und ſchlägt ein armes Paar erſchrokner Thiere nieder.
O ungerechter Bliz, wie blind iſt dein Gericht :
Die Unſchuld findest du, das Laſter ſiehst du nicht !

Ach ja, das lange Eſs, nett war’s. Zumal sich der Freund und Kupfferſtecher buchſtäblich verthan hat, ich hab’s ſtill corrigieret (er schrub in der That „siehſt“).

… also ſiehſt, meinegythe. Wenn schon denn schon.

Worunter Ari ein eigenes Gedicht schrub (oder ſchrub?):

Das armb Gehyrſch wollt bloſs die Föhren
getreulich letzen unnd dan röhren,
als Bliz unnd Wuth geſchmockelt kamen
unnd Hyrsch wie Föhr ohn jed Erbarmen
mit ſtyll Gebryll zu Hauffen thaten:
obgleych ſie’s Wetter noch ſo bathen.
O Menſch, bedenck dein wüſtes Los:
Du liegſt im Thann allwie ein Kloſs.

und ZetaOri:

Der Hirsch ist hin, nu liegt er da
als köstlich-krosser Wildbretbraten
was grad noch Wiederkäuer war,
direktemang vor unsrem Garten.

So wetzt die Messer, kommt zu Tisch,
noch ist der Braten heiß und frisch.
Gewürzt mit Kiefernnadel-Rauch
plaisiert’s der Nase und dem Bauch.
(Und merke: So’n beweihter Zausel
schmeckt, kalt geworden, nur zum Grausel)

Wenn wir nun noch ein paar Kroketten
oder ’ne Schüssel Spätzle hätten,
Dann wär das Festmahl fast komplett
wenn’s auch noch Preiselbeeren hätt.

Ein Pfännchen Schwammerl wäre fein.
Zur Not könnt’ es auch Blaukraut sein.
Und, klar, ein Berglein Grumbeer-Klöße
hätte schon ’ne gewisse Größe.

Der Braten ist noch frisch und heiß,
durch’s Dickicht dampft der Bratenschweiß
Zum Durste Eau vom mos’gen Stein.
(Lieber sollt’s Burgunder sein!)

Gesättigt liegt man, schaut gemach
dem fernen Wetterleuchten nach
und denkt (soweit’s der Bauch erlaubt):
So’n Blitz ist fixer als man glaubt!

Das ist ein ganz schön heller Jäger
und höchstgespannter Ladungsträger,
gleichzeitig ein, wenn man so will,
hochenergetisch’ Freiluft-Grill.

Der geht elektrisch auf die Pirsch,
erlegt (was reimt sich? klar:) ’nen Hirsch.
Und brät ihn gleich an Ort und Stelle
mitsamt Geweih, mitsamt dem Felle!

Von dem Gelage ausgeruht,
tut man dann noch, was man so tut:
Man schleppt den Rest der Heimstatt zu,
dann gibt’s drei Wochen Hirschragout.

So’n Blitz ist schon ein toller Koch.
Und das Gewitter lebe … hoooch!

Und Clas Lehmann:

Der armbe Hyrsch, der da die Hindin
wollt bey der Wettereichen finden,
die einst dem Thore ward geweiht
und hatt gelitten seyt der Zeit…
Drittheiligst war sie doch gewest
und stand da nun, als traurger Rest…!

Und just an dieser heilgen Stätte
Der frebvle Hyrsch zu gerne hätte…!
Er täppte da, mit frechem Sinn
Hinzu, zu seiner Hindin hin.

Da traf der Blizstrahl alle beyde!
Statt in Verehrung hinzusinken,
liegt sie nun da, zu seiner Linken,
Zumitten auf der Hohen heyde!

Sie sind vom Blize starck gegrollen:
Sie hätten das nicht machen sollen!
Denn: Eichen
sollst Du weichen!

Insonderheyt für zweisam Pausen;
Wenn sie vom Wetter so gezausen!

Die vierte Hirscherei kam wieder von ZetaOri:

Nu ist so’n Hirsch ja von zu Haus
recht oft und gern in der Botanik,
doch kennt er sich darin so garnik
mit den Begrifflichkeiten aus.

Wie soll der da die Linden finden?
Oder gar mit seinen Hinden
im tiefen Tann nach Buchen suchen,
(die ja im „Tann“ recht seltend sind)
während die Damen ihn verfluchen,
wenn der nichtmal ’ne Fichte find‘?

Dazu hat so ein Hirschbeweihter
mit seinen spitzen Staken ’nen
hervorragenden Blitzeinleiter!
(Es sei, die sind geerdet denn.)

Hätte der flotte Hirsch beflissen
Physik gepaukt, wenn auch erlitten:
Statt unter’m Eich auf moos’gem Kissen
hätt‘ er in seinem flotten Schlitten
mit ihr beschirmt und weltvergessen
auf breiter Rückbank traut gesessen.

Im Faradayschen-Käfig drin,
da kömmt nichtmal Thors Blitzstrahl hin!
Merke: Physik ist unbarmherzig!
(`s sei denn, man kennt sich aus und wehrt sich)

Dann wieder Clas:

Wobei der Blyzz den Hyrſchen ſchmoß,
indem er’n mehr von achtern ſchoß…

Da lag er, das Geweih nach unt
und bohrt daſſelbe in den Grund.

Und schließlich Ari:

Sintemal die Blyzz von droben ſchnoben
unnd ſich deſob im Groben loben,
ſind ſie dann, zu Grunnd gezacket,
ziemlych ſtrohmlos abgekacket.
Jedoch dem Hyrſchen, „Blyzz!“ noch denckend,
frommt es nicht, daſs der ſo kränckend.

Von mir kam noch eine zweite Runde als Crossover mit dem bitterbösen Friedrich aus dem Struwwelpeter, der ungeschickte Ridinger:

Der Riedinger, der Riedinger,
das war ein arger Klecksfinger!
Knarzt‘ und knackte es im Haus,
goß er vor Schreck die Tinte aus.
Er stieß die Stühl und Tassen um,
die Staffelei war ständig krumm.
Hört nur, wie ungeschickt er war:
sein Griffel rutscht zum Fenster gar!

Am Brunnen stand ein großer Hund,
trank Wasser dort mit seinem Mund.
Daneben rollte fast ins Siel,
der Griffel, der vom Fenster fiel.
Da wunderte der Hund sich sehr:
wo kam das Tintending denn her?
Erst schnüffelte er mit der Nase,
dann hebt den Griffel er vom Grase.
Derweil der Riedinger recht sucht,
und, „…fix!!“ sein Ungeschick verflucht.

„Der Griffel muß verschollen sein!
Fiel er vielleicht ins Siel hinein?“
Bis der Herr Wuff springt schnell herbei,
mit der verlornen Staffelei…
[… äh, dem Griffel…]

Der Hund an Ried’gers Tische saß,
wo er nur gute Würste aß.
Er wohnt jetzt dort bei ihm im Haus,
er findet Zeugs, verbellt den Graus,
den Griffel hat er mitgebracht,
drum hält ihn Ried’ger sehr in acht.

… und als Nachklapp der Gedanke, daß ja auch ein anderes Tier am Brunnen stehen könnte:

Am Brunnen stand ne bunte Kuh,
trank Wasser dort in Seelenruh.

Am Brunnen stand ne kleine Katze,
trank Wasser aus der hohlen Tatze.

Am Brunnen stand ein dicker Bär,
trank Wasser dort und schlürfte schwer.

Am Brunnen lief ne winz’ge Maus
und nippte etwas Wasser draus

Am Brunnen stand ein roter Fuchs,
trank Wasser dort sehr großen Schlucks.

Am Brunnen stand ein großes Pferd,
ließ niemand hin, denn es war g’schert

Schließlich:
Am Brunnen trank ein stolzer Hirsch –
heut war der Blitz nicht auf der Pirsch.

Darauf Ari die zweite Ridingerhunderunde:

Der Riedinger, der Riedinger
schrub mit dem Ringefinglinger
tagtäglich am Geschtychel feyn,
denn, so meint er, sollt es seyn.
Weswegen er, weil heute Niesel,
seit Donnerstag ein zähnig Wiesel,
das zottig nass im Bachgeriesel:
Schrub.

Bloß dass auf dem Kypferschtyche,
es grifflings-schrublings wieseliche
den Hund!, der da seit Mittwoch prangte,
mit wüsthem Zorne tatzig bangte.
Und Riedinger, der’s mehr mit Hyrschen,
(wenngleich er Mittwochs malte Kyrschen)
nahm’s Wiesel, das er von dem Blatte,
auf dem der Hund mit Würsten satte,
vom Blatte auf ein anderes,
(auf dass es dort mäanderes
und bachgerieselnd wanderes).
So Riedinger die Wieselknurrsach
gemeinsam mit der Wieselursach:
Hub.

Und dann gab es noch eine dritte Runde zu „Zumal sich der Freund und Kupfferſtecher buchſtäblich verthan hat, …“, zuerst ZetaOri:

Tja, erstmal in Kupfer gestochen ist schlecht radieren.
Das hat Dauer, auch ohne Wayback-Maschine! :mrgreen:

Dann Ari:

Der Ridinger malt Hyrsch mit Stummel,
weils ihm fehlt am Ratzefummel.

Wieder ZetaOri:

Nu, hätt er Tipp-Ex nehmen sollen.
(D.h., wenn das mit Kupfer klappt.
Nicht, dass da gleich ein ganzer Bollen
an seinem Kupferstichel pappt.)

Und schließlich Ari:

Herhjeh, immer diese Abschwyffe 😀
Der Päule, zähn’ger Gegner solchen Tandes,
würd meinen, dass man derlei Schmandes
gleich löschen müsst, ohee,
weil füglich immerdar Oh-Teh.

.

.

Nachklapp: Eben schrieb noch Clas Lehmann ein Gedicht über Tannen und Buchen. A Tännchen, please:

OH doch! Im Thann kannst Buchen suchen!
Und finden auch, das ist bekannt,
Weshalb der Tannenwald mit Buchen
Abieti-Fagetum wird genannt…

Die Rehlein und die Hyrschen beißen
Die Tannen drin sogar zu Schand!
So dass man oft in einem Solchen
Der Tannenkinder keine fand…

Und also Tannen dort zu suchen
Die wahre Aufgab eigentlich wär!
Und das ist zwischen all den Buchen
Dort manchmal wirklich ziemlich schwer…

Denn jahrlang und Jahrzehnte lauert
solch Tannenkind daselbst auf’s Licht…
Weil es ja oft recht lange dauert,
bis einmal solche Buche bricht.
Zumal der Blyzz dieselbe meidet
Und’s Tannenkind drum länger leidet.

Und wächset kaum, wird wenig höhr,
Kann bissen werden jederzeit!
Bedenket dieses große Leid!
Ein Tännchen hat es wirklich schwör!

(wer die vorigen Runden Kommentarspontangedichte lesen will, ein paar habe ich hier mit hingenommen: https://aurorula.wordpress.com/2017/01/03/mary-had-a-bicycle/ von numeri249 und https://aurorula.wordpress.com/2017/05/13/behihgeh/ von TiN. Im letzten Stil gab es immer wieder mal etwas, wenn jemand eine ungewöhnliche Abkürzung genommen hat, das ist dann aber wohl unauffindbar. Beim Hessenhenker gab es einmal Gedichte über jemanden der auf einem Dach steht – das ließe sich theoretisch finden, das suche ich noch.)

Belesene Brückenfigur

Auch eine Art Kunst am Wegrand: irgendjemand hat der Statue ein Buch in die Hand gedrückt:

Leider bin ich nicht nahe genug an die Brückenfigur hingekommen (ich fotografiere mit Zoom durch den Zaun) um zu sehen welches Buch die Statue liest – das war vielleicht auch einer der Gründe warum es dort ist: als eine Art „Buchkletterer was here!“ Könnte alles sein: nicht mehr gewolltes Tagebuch, Groschenroman, große Literatur, Stephen Kings Gargoyles; oder auch das Vorlesungsverzeichnis der Heidelberger Uni. In Heidelberg ist nämlich die Brücke. Welchen Kurs die Brückenfigur wohl belegen will? Also, falls es nicht doch die Memoiren einer Geisha oder einer Desperate Housewife sind, natürlich.