Archiv der Kategorie: Musikalisches

Mary Had a Bicycle

In einem Kommentar bei Numeri hat Gutartiges Geschwulst einen Muppet-Videoclip gepostet, als Beispiel dafür, daß eine Veränderung nicht immer eine Verschlimmbesserung sein muß. Hier nochmal die Muppets:

(hochgeladen von sesamestreet dot org bei youtube; Muppets sind von Jim Henson)

Nachdem es bei Numeri zurzeit etwas dauert, und das eigentliche Thema Korrekturen waren und nicht die Muppets, ziehe ich mit den neuen Texten auf die Melodie von „Mary had a Bicycle“ einfach hierhin um.

Wer also Lust hat für Don Music, über Mary, völlig sinnbefreit – oder auch als Kommentar zur Tagespolitik – zu texten: take it away…

(Texte die es „drüben“ schon gab hänge ich hier als Kommentar an)

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Von Leben, Tod, und Kanon in D

Der Kanon in D: der Kanon in D, natürlich; Pachelbels Kanon in D. Das originale One-Hit-Wonder der Klassik.

 

♦ Es gibt Situationen, da ist Pachelbels Kanon in D einfach ein furchtbares Musikstück. Für Cellisten etwa. Kann ich ihnen nicht verdenken, daß fast niemand der Cello spielt diesen Kanon ausstehen kann. Die Cellostimme besteht nämlich gerade einmal aus acht Noten. D, A, H, Fis, G, D, G, A; das 54 Mal – das wars. Sonst gibts nix. So kann manchmal das Leben sein, ad infinitum und ad nauseam immer und immer dasselbe.

Nun spiele ich kein Cello; ich habe mal Geige gespielt, lange ists her, kann es also ein Bissl nachfühlen. Aber hier zum Beispiel beschwert sich ein Cellist (mehr von dem → Rob P. Rocks) darüber schon das ganze Leben von dieser lausigen Musikstimme verfolgt zu werden:

Als ich dieses Video gehört habe, sind mir die Tränen in die Augen gestiegen: so sehr habe ich lachen müssen!

Zumal sehr, sehr viele Musikstücke die Akkordfolge abkupfern und auch D, A, H, Fis, G, D, G, A ad infinitum et ad nauseam spielen lassen…

 

♦ Es gibt Situationen, da ist Pachelbels Kanon in D einfach ein wunderbares Musikstück. In der Geschichte etwa, die Gnaddrig aufgetan hat. Dort geht es um das improvisierte Abschlusskonzert eines alten, todkranken Musikers. Eigentlich wollte der alte Mann, sein ganzes Leben lang Musiklehrer, die geliebte Geige die ihn überallhin begleitet hatte auch mit in den Operationssaal nehmen. Eine Ärztin kommt herzu, als er gerade die OP-Schwester bittet, doch eine Ausnahme zu machen und das Instrument mitnehmen zu können. Sie widerum schlägt vor, er solle doch stattdessen jetzt etwas spielen; und so wird vor dem OP-Saal mit zwei Chirurgen, von denen einer das Keyboard aus der Krankenhauskapelle ‚entführt‘ und der andere schnell seine für die Musikprobe am Abend im Auto liegende Geige holt, das Lieblingsstück der OP-Schwester gespielt. Pachelbels Kanon in D. Das Publikum (Schwestern, Pfleger, Ärzte, Patienten, jede(r) der es mitbekommen hat) war zu Tränen gerührt; der alte Musiker spielte wie nie zuvor in seinem Leben. So kann manchmal das Leben sein: das wunderbare im alltäglichen.

Die Erzählung der vorschlagenden Ärztin findet sich hier:

http://josephinechaos.wordpress.com/2014/09/15/pachelbels-kanon/ .

Als ich diese Geschichte gelesen habe, sind mir auch die Augen übergegangen: so gerührt war ich.

Als ich davon las wie hingebungsvoll der Musiklehrer gespielt hatte und wie gerührt er beim Schlussapplaus war, dachte ich in der Zeile: wenn es etwas wie Gerechtigkeit oder zumindest narrative Kausalität in dieser Welt gibt, dann dürfte er jetzt in diesem Moment auch von der Bühne abtreten. Er war am langsamen sterben; und der einzige bessere Tod für ihn wäre es, garnicht sterben zu müssen.

Als die letzte Zeile dann aber war: „Acht Stunden später kam Luigi müde aus Saal V, Chirurgie geschlichen, mit dem Geigenkasten im Arm und Tränenflecken auf dem OP-Hemd“ (Luigi ist der spontane Pianist), habe ich doch fast zehn Minuten geweint.

(nach dem oberen über Pachelbels Kanon in D – hier Leonard Cohens Interpretation von D, A, H, Fis, G, … für die zweite Texthälfte:

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