Archiv der Kategorie: Philosophisches

Philosophische Graffiti

Das, was ich vor einigen Tagen gesehen habe, ist nicht so sehr Kunst am Wegrand wie Kunst auf dem Weg … so oder ähnlich hatte ich über den bemalten Bus schon geschreiben. Diesmal ist die Kunst im Wortsinne auf dem Weg: auf dem Gehsteig hier in der Nähe hat jemand eine Umfrage gestartet:

Das war vielleicht auch philosophisch gemeint. Jedenfalls hat es ein Anderer in eine Art Wahlzettel umgewidmet:

Was wieder jemand anderes humoristisch aufs Korn genommen hat, indem noch eine dritte Alternative dazukam:

Erbsensuppe. Das hat schon fast etwas surreales.

Ohne jetzt zu sehr an Esaws Linsen zu erinnern (aber falls mir jemand in den Kommentaren das Rezept verraten kann…), ich würde die Suppe nehmen. Zum einen hat man da wenigstens was im Bauch. Zum anderen wegen des Mathematikerwitzes: ein Mathematiker würde hier immer die Suppe nehmen; denn nichts ist besser als Glück, und Erbsensuppe ist viel besser als nichts.

Advertisements

Kurzgedanken die niemand braucht: Antarktika als neuer Nordpol

Seit gestern steht bei TiN ein Artikel über ein wirklich schlechtes Buch, das Verschwörungstheorien propagiert. Vor allem für einen scherzhaften Austausch von Verschwörungstheorien in den Kommentaren hat es (indirekt durch den Artikel drüber) gesorgt. An einer Stelle hatten Aristobulus, Zeta Ori, und ich darüber diskutiert, wohin denn mit dem Weltregierungssitz. Und falls nach Neuschwabenland, wie sich Klimawandel und tauende Antarktis darauf auswirken (hey, Strand! 🙂 ) – und schließlich meinte Ari, es gäbe bestimmt Pläne, die Antarktis an den Nordpol zu bringen, damit sie auf den Karten oben erscheint. Und die neue Weltregierung damit nach ganz oben kommt. Meine Antwort drauf ist so lang, die ist ein eigener Artikel:

Antarktika, der neue Nordpol:

Man müßte nur die Drehrichtung der Erde umkehren, schon ist der Südpol der neue geografische Nordpol (bei Pluto und Venus und Uranos funktioniert das ja schließlich auch). Gut, wenn man das mit derselben sideralen Rotationsperiode hinbekommt wie jetzt, nur in umgekehrter Richtung, ändert sich auch die Tageslänge, weil sich die Erde auch auf ihrer Bahn um die Sonne bewegt. Es wäre also ein Haufen Rechnerei falls es wieder 24 Stunden Tag werden sollen. Und unser Mond, das ist (strenggenommen) kein Mond, dazu ist er viel zu groß. Wir sind eher so eine Art Binärsystem weil der Mond so verhältnismäßig groß ist daß der Schwerkrafteinfluss der Sonne auf den Mond mehr als doppelt so groß ist wie der der Erde, er also de facto hauptsächlich im Jahr einmal um die Sonne kreist (und dabei mit der Erde um einen gemeinsamen Schwerpunkt – jetzt komme ich gleich schonwieder mit Pluto und Charon an, Nerds, halt). Wenn der Mond also, groß und schwer wie er ist, genauso weiter um den gemeinsamen Schwerpunkt mit der Erde (und eigentlich die Sonne) kreisen würde wie vorher, dann würde er die Erde durch Gezeitenkräfte in die vorherige Drehrichtung zurückziehen. Der Webcomicschreiber Xkcd hat das mal mit einer stillstehenden Erde durchgerechnet – da sieht man, warum 😈

Einfacher wäre wahrscheinlich, das eine der beiden Magnetfelder der Erde umzukehren. Dann zeigen wenigstens alle Kompasse nach Süden statt nach Norden. Ab und zu tut es das sowieso: mit einem rotierenden (schonwieder…) Eisenkern ist die Erde ein magnetischer Dipol (ja, Herr Maxwell, ich weiß, es gibt keine magnetischen Monopole), und die haben eben die Eigenschaft daß sich alle soundsolang im inneren des bestehenden Magnetfelds ein zweites aufbaut in der umgekehrten Richtung. Das wandert dann nach außen, und plötzlich, klapp, ist der magnetische Südpol der neue Nordpol. Altbewährt und speziell bei der Erde schon mehrfach passiert, vielleicht lässt sich das ja beschleunigen. Es hat auch den Riesenvorteil daß auf der Erde nicht viel passieren wird, denn der Sonnenwind, habe ich von alpha zentauri gelernt, kommt in der Zeit des Umklappens im Gegensatz zu dem was die Weltuntergangspropheten behaupten trotzdem nicht bis zum Erdboden, wegen des anderen, des atmosphärischen Magnetfelds. Was ironischerweise genau dadurch entsteht daß die Teilchen eben des Sonnenwinds je nach ihrer Ladung in der Atmosphäre unterschiedlich abgebremst werden. Durch diese Ladungstrennung fließt Strom, und der hat ein Magnetfeld (etwas kryptischer wieder formuliert von Herrn Maxwell). Schöner zu sehen als an der Erde ist das freilich an der Venus (schonwieder…), die sich so gut wie garnicht dreht, aber eine Atmosphäre die sich Sie schreibt und daher trotzdem ein Magnetfeld hat…

… Irgendwie habe ich gerade das Gefühl, daß ich die ganze Zeit versuche, die Erde qua Terra-deforming zu einer zweiten Venus zu machen: Drehrichtung, Magnetfeld; eigentlich fehlt nur noch der Treibhauseffekt. Aber den hatten wir schon ganz am Anfang als es darum ging das Antarktiseis abzutauen, um die Weltregierung nach Neuschwabenland zu verlegen und dort besseres Wetter zu haben. So ging die ganze Sache ja überhaupt erst los. Auch wenn sie dann bitte nicht so weit gehen sollte wie auf der Venus (wobei: das war ja wegen der fast fehlenden Drehung, schonwieder), sonst gibt es keine Welt mehr zu regieren.

Am besten wäre es wohl, einfach die Projektion der Karten zu ändern. Es gibt ja jetzt schon genug australische Weltkarten, die Süden oben und den Nullmeridian an den Rändern haben. Dann werden die einfach offiziell.

P.S. 1: @ Ari: was ist eigentlich aus der Idee geworden, gemeinsam Olivenbäume auf dem Mars zu pflanzen?

P.S. 2: Maxwells Gleichungen sagen übersetzt mehr oder weniger: Elektrischer Strom hat ein Magnetfeld, elektrische und magnetische Felder gibt es überhaupt nur zusammen, beide hängen voneinander ab und beeinflussen sich gegenseitig. Es gibt keine magnetischen Monopole, nur Dipole (mit Nord- und Südpol); aber einzelne elektrische Ladungen (Plus oder Minus). Elektromagnetische Felder ändern sich mit der Zeit wellenförmig. Und breiten sich als elektromagnetische Wellen aus. Licht ist eine elektromagnetische Welle.

Kurzgedanken, die niemand braucht: das Nirvana des Buchdruckers

Mir gegenüber im Bücherregal steht ein recht zerfleddertes Buch. Ich bin nicht die erste, der es gehört: einst stand dieses Exemplar wohl in einer Bücherei, dann hatte es noch minestens jemand anderes; und schließlich habe ich es auf dem Bücherflohmarkt bekommen – umsonst mit elf anderen Büchern zusammen, weil ich ein paar Stunden ehrenamtlich den Flohmärktern sortieren und verkaufen geholfen habe.

Das Buch, das ich gerade anschaue, ist Orwells 1984. Mein Exemplar ist, wie gesagt, recht zerlesen; und irgendeine der Vor-Leser hat engagiert die deutsche Übersetzung einiger Worte an den Rand geschrieben. Eine Leserin, nicht ein Leser; sowohl die Schrift als auch die Idee sehen eher weiblich aus. Es sei denn, irgendeinen armen Schüler hat die Englischlehrerin dazu gequält; länger als bis Seite 30 oder so sind die Übersetzungsversuche nicht durchgehalten. Was, also das übersetzenmüssen und/oder im deutschenglischfranzösischhierspracheeinsetzen-Unterricht durchnehmen, so ziemlich die sicherste Methode ist, jemandem ein Buch zu ruinieren. Was schade ist, es ist ein wirklich gutes Buch.

Mein Exemplar ist durch die Kritzeleien jedenfalls nicht ruiniert. Aber wie das mit Papier so ist: diese Anmerkungen bleiben dort dann stehen. Nicht für die Ewigkeit, aber bis das Buch vollends auseinanderfällt schon. So, wie sie eben dort stehen. Genauso wie der Buchtext selbst. Der Text ist zu sehen, die Anmerkungen sind zu sehen, und was was ist, auch.

Bei einem Ebook wäre das alles nicht der Fall. Nicht nur sind Änderungen bei einem Onlinetext nicht zu erkennen; es ging ja um Ebooks. Auch der bleibende Text ist alles andere als sicher. Wenn ich ein Buch vom Bücherflohmarkt habe, oder aus der Buchhandlung, oder auf sonst einem Weg das physikalisch gedruckte Ding bekommen; dann gehört es mir. Ich kann damit alles möglliche tun – lesen, jemand anderem leihen, reinkritzeln, Seiten rausreißen und Papierflieger draus bauen, den Kamin befeuern – aber es ist da. Oder komplett kaputt. Aber der gedruckte Text ändert sich nicht, und er verschwindet auch nicht plötzlich von den Seiten. Schon garnicht, ohne daß ich das will oder gar merke.

Rein theoretisch geht letzteres mit einem Ebook natürlich. Wer mir eins verkauft, kann es auch zurückziehen oder ändern. Ohne mich zu fragen. Darf und tut ist dann praktisch eine ganz andere Frage.

Rein praktisch ist das schon passiert. Ein einziges Mal. Ein großer Online-Verlag konnte sich mit den Erben des Autors nicht über die Rechte an zweien seiner Werke einigen. Und so zogen die Buchhändler, die diese beiden Ebooks bereits verkauft hatten, sie zurück; was konkret heißt, sie löschten die Ebooks von den Lesegeräten und überwiesen das Geld zurück an die Käufer – die das weder erlauben mußten noch verhindern konnten.

Welche beiden Bücher das waren?

Animal Farm und 1984.*

Orwell hätte die Ironie daran bestimmt gefallen.

 

(*Fußnote: diese Geshichte übers Löschen habe ich von tvtropes)

Von Krähen und Kindern

krah1

In einem kleinen Park hier in der Nähe wohnt ein Schwarm Nebelkrähen, und jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit laufe ich an ihren Wohn-Bäumen vorbei.

Meistens freilich sind sie auf dem Gras und dem Weg anzutreffen, wie sie krähige Dinge tun: sie graben nach Würmern, spielen mit Steinchen, holen sich Zweige und Gras fürs Heimwerkern – oder warten auch schonmal auf ein Fahrrad, das über die Kastanien fährt und ihnen so den Dosenöffner gibt. Dann sitzen sie neben dem Weg und fliegen nur ein wenig zur Seite, wenn das erwartete Rad vorbeikommt. Beobachtet habe ich sie dabei nicht, aber ich würde ihnen zutrauen daß sie die Kastanien vorher absichtlich auf den Weg legen: schlau genug dafür sind sie. Wenn jemand zu Fuß vorbeikommt, fliegen sie nur ganz weg, wenn es jemand unbekanntes ist. Mich erkennen sie inzwischen, ich laufe nur langweilig vorbei, da hupfen sie nur etwas zur Seite. Wenn ich guten Morgen sage, grüßen sie sogar zurück; es sind sehr höfliche Krähen.

Vor etwa zwei Wochen sind sie abgereist. Dahin, wo es wärmer ist, bis zum Frühjahr.

Mir fehlen sie fast ein Bißchen. Bis zum Frühjahr, Nebelkrähen!

krah2

Eine Ecke weiter von der Krähenwohnung aus gesehen ist ein neuer Spielplatz gebaut worden. Ein richtig schöner Spielplatz, der Traum jedes Kindergartenkinds. Ende August war er fertig. Und was macht die Stadt, anstatt die Kindheit der Umgebung auf ihn loszulassen?

spiel1

Sie sperren ihn ab.

spiel2

Wahrscheinlich, damit das Gras schön ungestört durch Kinderfüße wachsen kann. So ein schöner Spielplatz, und dann darf kein Kind dort spielen. Liebe Stadt, es gibt sowas wie Rollrasen! Die armen Kinder hätten noch gute sechs Wochen (minus eine, damit der Rollrasen festwird) spielen können, aber nein, sie durften noch nicht. und inzwischen ist das Wetter zu schlecht – der Alptraum jedes Kindergartenkinds.

spiel3Auch für die Kinder heißt es also leider: bis zum Frühjahr. Aber im Gegensatz zu den Krähen können sie nicht bis dahin anderswo hinfliegen.

Alles normal

normal.

.

Was es nicht alles gibt in Norddeutschland: Der Bäcker bei mir um die Ecke (who, I think, prefers anonymity) verkauft, wie hier zu sehen, zehn-normale Semmeln. Was auch immer die sind. Vielleicht soetwas ähnliches wie 10-normales Etwas in der Chemie (siehe unter dem Schlagwort „Äquivalentkonzentration“, z.B. in online-Lexika)? Eine Semmel also, die zehn durchschnittliche Bissen ergibt, könnte ich mir vorstellen.

Während diese poetisch-akzidentale Schreibart für „zehn Semmeln für zwei Euro“ noch ganz charmant dasteht, auf dem Schild und auf dem Gehsteig, bringt mich das Wort „normal“ im Apothekenalltag mitunter zur Verzweiflung. „Schwamm ist ein vorzügliches Material“, und was „normal“ ist oft ziemliche Interpretationssache.

Nicht das Wort normal an sich ist der Knackpunkt, das heißt schlicht „das, was ich am häufigsten brauche und daher gewohnt bin“. Nun gibt es Waren, bei denen sich die Interpretation von unterschiedlichen Leuten über „Normalität“ nicht groß unterscheidet: ein normales Brötchen hält wohl keine großen Überraschungen bereit; und wenn ich auf dieses Angebot ein- und in die Bäckerei gehe bekomme ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zehnmal entweder das was in Bayern „Kaisersemmel“ heißt oder zehn Baguettesemmeln. Mißverständnis fast ausgeschlossen, und beide Möglichkeiten sind im Grunde sowieso dasselbe. Auch wenn ich bei meinem Stammtürken „einmal das Übliche“ bestelle, weiß der was ich meine – wenn auch nur weil ich schon oft in genau diesem Imbiss Spinatpide mit Ei und großen Milchkaffee bestellt habe.

Bei Arzneimitteln sorgt der Wunsch nach einem „normalen“ Wasauchimmer dagegen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit für Verwirrung statt Spezifikation. Selbt wenn es „Standardausführrungen“ von Medikamenten gäbe (oder diese mit etwas gutem Willen hineinzuinterpretieren sind als „das was am häufigsten verlangt wird“) – das sind fast immer mehrere! Hier nachzufragen ist eine Aufgabe für Profidiplomaten – denn für mich ist das zwar so wie wenn ich beim Wunsch nach einem „normalen“ weißen Hemd frage: „gerne, in welcher Größe darfs denn sein?“, für den- oder diejenige die es verlangt aber wie „was meinen sie jetzt mit ’normalem‘ weiß?? Welche RAL-Nummer hat denn das überhaupt? Ich will Sie jetzt mit einem philosophischen Vortrag über völlig irrelevante Definitionen einen halbe Stunde aufhalten, obwohl sie keine Zeit haben; nur weil es das  was sie wollen nicht als Selbstbedienung gibt (warum wohl nicht?) und Sie das nur von mir bekommen und ich das kann und mir das Spaß macht!“

Dementsprechend ist die häufigste Antwort wenn sich jemand in dieser Situation sieht ein verärgertes: „ein ganz normales, übliches!!!“ Entweder das oder ich frage garnicht, rate einfach drauflos und hole die zwei oder drei wahrscheinlichsten Alternativen. Oft, wenn ich die Kunden nicht kenne und, so wie der türkische Wirt in meinem Fall, weiß was sie immer haben – verkehrt. Das kommt immer sehr kompetent an, so als bekäme ich in der Bäckerei auf dem Bild dann plötzlich zehn Roggensemmeln.

Der Klassiker für letzteres ist das Schmerzmittel Ibuprofen, das es für Erwachsene freiverkäuflich in vier verschiedenen oft verlangten Ausführungen gibt (zwei Dosierungen mit nur Ibuprofen allein und dann zwei – aber andere zwei! – kombiniert mit dem Eiweiß Lysin); und dann noch in einer die ab und zu bestellt wird. Bei „ganz normalen Ibuprofentabletten für Erwachsene; die zum schlucken“ versuche ich alle vier Versionen von einer Firma zu holen, damit nicht das Packungsdesign (das wird wiedererkannt!) entscheidend ist statt der subtil draufstehenden Dosierung (nein, nur eine Packung! Und das waren die anderen, die normalen!) – und dann falsch dosiert wird, weil Beipackzettel ja sowieso überflüssiger Müll sind. Und den will ja jeder vermeiden.

„Ganz normales Nasenspray. Zum Sprühen. Für die Nase.“ bietet schon größere Trefferchancen, da braucht Lieschen Normalnasi am häufigsten eins für Schnupfen. Aber auch nicht immer, sehr viele Allergiker haben ein „normales“ Allergienasenspray und dann, wenn es ganz dick kommt, zusätzlich kurzfristig ein Schnupfenspray. Mammis von Kleinkindern spülen die Nase bei Schnupfen tagsüber häufig mit einem „normalen“ wirkstofffreien Salzwasserspray und geben dem Kleinen nur abends ein Schnupfenspray… dann ist das ’normale‘ beim Schnupfen – genau. Der Wunsch nach einem „Nasenspray“ ist eben so, als käme jemand „ich will normale Globuli, das ist was homöopathisches“, wie ich es letztens gelesen habe.

Auch das kommt vor. Doch, doch. Nicht oft, aber öfter der Wunsch nach „’normalen‘ XYZ-Globuli, den homöopathischen; das sind so ganz wutzelige Pillchen“. Eine besondere Anekdote des Apothekenalltags hatte ich letztens genau bei diesem Thema. XYZ war hier Arnica. Die gibt es als pflanzliches Arzneimittel in Sportsalben und auch die Homöopathie nimmt sie – was ist hier nur aus dem Simile-Prinzip geworden? – bei Schwellungen und Verletzungen. Nun ist bei Homöopathie zwar nichts kaputt wenn ich da die falschen Globuli erwische, aber weiter ging es folgendermaßen:

Ich: Gerne, in welcher Dosierung darfs denn sein? – Kundin: Die ganz normale Packungsgröße. – Ich: Ja, aber welche Wirkstärke möchten Sie? Es stehen noch ein Buchstabe und eine Zahl auf der Packung*, das heißt wie stark die Globuli sind. Hat der Heilpraktiker gesagt, was sie bekommen? – Kundin: Ja, N3**!!

Das geht natürlich auch.

 

Anmerkungen: *Ich meine mit ‚Buchstabe und Zahl‘ als ‚Dosierung‘ die Potenz der Homöopathika. Was dort draufsteht ist in einer Mischung aus lateinischen und arabischen Zahlen wie oft etwas homöopathisch verschüttelt wurde. Zum Beispiel ist eine C30-Potenz dreißigmal (30) eins zu hundert (C) verdünnt. Warum D bei Homöopathen 10 heißt und nicht 500 weiß ich nicht, die können einfach nicht zählen. **N1, N2 und N3 waren bei rezeptfähigen Arzneimitteln die Zuzahlungsstufen für die gesetzlichen Krankenkassen. Je nachdem in welche Preisgruppe etwas fiel mußte man beim einlösen von Rezepten unterschiedlich viel dafür zuzahlen (günstig, mittelviel und teurer). Verbandsstoffe etwa sind unabhängig von Preis und Packungsgröße in der Gruppe N2. Nachdem die Zuzahlung seit der x-ten Gesundheitsreform nach dem Preis geht wäre das nur noch von historischem Interesse, aber: es hat sich (ursprünglich inkorrekterweise) als Abkürzung für N1, N2, N3 = kleine, „mittlere“, große Packung eingebürgert (weil für die wenig, mittel, beziehungsweise viel zuzuzahlen war), deswegen hat man es behalten. Was auch wieder zu Kommunikationsproblemen führt, wenn es in einer Zuzahlungsstufe mehrere Packungsgrößen gibt; but that’s life und ein anderes Thema.