Archiv der Kategorie: Rätselhaftes

Philosophische Graffiti

Das, was ich vor einigen Tagen gesehen habe, ist nicht so sehr Kunst am Wegrand wie Kunst auf dem Weg … so oder ähnlich hatte ich über den bemalten Bus schon geschreiben. Diesmal ist die Kunst im Wortsinne auf dem Weg: auf dem Gehsteig hier in der Nähe hat jemand eine Umfrage gestartet:

Das war vielleicht auch philosophisch gemeint. Jedenfalls hat es ein Anderer in eine Art Wahlzettel umgewidmet:

Was wieder jemand anderes humoristisch aufs Korn genommen hat, indem noch eine dritte Alternative dazukam:

Erbsensuppe. Das hat schon fast etwas surreales.

Ohne jetzt zu sehr an Esaws Linsen zu erinnern (aber falls mir jemand in den Kommentaren das Rezept verraten kann…), ich würde die Suppe nehmen. Zum einen hat man da wenigstens was im Bauch. Zum anderen wegen des Mathematikerwitzes: ein Mathematiker würde hier immer die Suppe nehmen; denn nichts ist besser als Glück, und Erbsensuppe ist viel besser als nichts.

Forget-me-do-Blumen

Gesehen vor einem Blumenladen:

Und ich rätsele seitdem: machen sie der Kneipe nebenan Konkurrenz (Vergessen für 2 Euro, jetzt auch alkoholfrei!), sind sie ein Blumenfundbüro das nicht abgeholte Fundsachen abverkauft, oder ist das eine Aufforderung zwei Euro dort zu lassen?

Nochn Rätsel

Noch ein Rätsel (es stammt aus der Fernsehserie Fargo), um genau zu sein, das keine getarnte boolsche Algebra ist – wie vor längerem das Sockenrätsel. (:

Nur diesmal gehts um Handschuhe:

Jemand steigt in einen Zug, geht zu seinem Sitz, setzt sich etcetera. Der Schaffner pfeift, die Türen gehen zu … da sieht der Reisende durchs Fenster, daß einer seiner guten Handschuhe aus der Manteltasche gefallen ist und noch auf dem Bahnsteig liegt. Was tut er? Bevor der Zug anfährt, wirft er auch den anderen Handschuh durchs Fenster auf den Bahnsteig.

Warum?

sock.

Er sie es Drüggelte

hausnummer

Zugedrüggelte Tür sehr Siebziger: Hausnummer der Buchhandlung 213 in Hamburg

Drüggelte.

Drüggelte ist auch ein mittel-kleiner Ort, der mir auf der Karte aufgefallen ist.

Analog zum Oerbke vor einiger Zeit ist genauso Drüggelte ein Ortsname, der als Begriff etwas bezeichnen könnte, wenn er denn kein Ortsname, sondern ein anderes Wort wäre. Der Unterschied ist nur: Oerbke ist wohl ein Substantiv, während sich Drüggelte eher nach einem Verb anhört. In der Vergangenheit, der Infinitiv wäre dann drüggeln. Was könnte drüggeln sein?

Bewegung. Drücken, ruckeln, drüggeln. Ein unbewusstes, latent sinnloses Drücken, das, was jemand tut, der an einer Tür drückt, auf der „ziehen“ steht. Oder an einem Fenstergriff, der nicht zum Kippen senkrecht zu stellen ist, sondern mit einem zweiten Hebel kombiniert. Oder auf einem Bildschirm, der kein Touchscreen ist. Oder auf den falschen Knopf eines Geräts. Auf einer unteilbaren Tablette mit Schmuckkerbe herum… Und die Kaufhausbesucherin drüggelte auch zweimal an der Ausgangstür, bis sie das Schild sah: ziehen. Was sie so aus dem Gleichgewicht brachte, daß sie ihre Pakete fallenließ…

Wetter. Allertotentrauerbußnovembernebelnieselüberfrierenässematschepampeschneeregnesulz. Grau in grau und flau in mau und wäh in bäh. Es hätte den ganzen Tag gedrüggelt, wenn man das bei dem wenigen Licht, das noch durch die dunstige Suppe kam, denn einen „Tag“ hätte nennen können…

Musik. Das Äquivalent zu schlechtem Gesang, nur auf einem Instrument. Und als Verb. Sozusagen „katzenmusikte“. Der Straßenmusiker drüggelte sich auf seiner Gitarre etwas ab, das leider so gerade eben als ein Stück von Leonard Cohen zu erkennen war; und während ich vor meinem geistigen Ohr den großen Leonard singen und gleichzeitig vor meinem realen Ohr hören könnte wie der Straßenkünstler drüggelte, bereute ich, daß eine freundliche Evolution den Menschen nicht mit Ohrlidern ausgestattet hatte; und ich dachte bei mir: gleich gebe ich ihm fünf Euro dafür, daß er einfach mal zehn Minuten die Klappe hält, bis ich außer Hörweite bin!

Ein Festhalteversuch (zu)vieler kleiner Gegenstände. Das, was ich mit meinen Einkäufen tue, wenn ich im Supermarkt mal wieder gedacht habe: diesmal brauche ich keinen Wagen, ich will ja nur drei Sachen. Oder was jemand mit seinen Weihnachtseinkäufen tut, der sie alle mit dem überfüllten Bus nach hause transportiert, und keinen Sitzplatz bekommt. Er drüggelte die, leider viel zuvielen, leider viel zu rutschigen Pakete an sich, in der Hoffnung bis zur vorletzten Station keins davon fallenlassen zu müssen, denn sonst würde die Lawine losrollen. Was so oder so passieren würde, wenn sich jemand schnell vorbeiquetschte, oder gar ein Bremsmanöver passierte. Er konnte sich ja nicht festhalten.

Bewegung 2: Sich durch eine Menschenmenge schlängeln, mogeln, quetschen; und eben an allen anderen vorbeidrüggeln.

Bewegung 3, unbewusst. Er drüggelte vor der besetzten Toilette vor sich hin. Sie drüggelte in der langen Schlage vor der Kasse nervös von einem Fuß auf den anderen, hoffte den Bus nicht zu verpassen…

Mal wieder ein Rätsel

Nachdem ich für das Tee-Rätsel (https://aurorula.wordpress.com/2014/10/08/ratsel-des-alltags/) heute Morgen eine neue Idee hatte, poste ich sie gleich. Außerdem mal wieder ein neues Rätsel 🙂

TeeDas Tee-Rätsel war nicht so sehr ein Rätsel wie eine Frage. Eine offizielle Prüfungsfrage aus den Ingenieurwissenschaften, die mein Vater lösen mußte, und bei der die offizielle Antwort falsch war. Die Frage war: Sie rühren Tee in einer Tasse um, und klopfen den Löffel direkt anschließend auf dem Tassenrand ab. Dabei wird der Klopfton höher – warum? (oder etwas in der Art). Die offizielle Antwort, die eingerührte Luft entweicht aus der Tasse und dämpft also die Schwingungen nicht mehr, hatte ich mit durchgerührtem Erdbeerjoghurt widerlegt (ja, ich mache sowas; nicht wundern). Bei Joghurt entweicht die Luft um die es geht langsamer, bildet sich kein Strudel; und wird überraschenderweise der Ton nicht wie ich erwartet hatte langsamer höher – sondern tiefer. Zu meiner Idee, das habe etwas mit der Thixotropie von Joghurt zu tun (Chemiesprech für: er wird beim rühren flüssiger und wenn er steht langsam wieder fest) habe ich allerdings dann auch jahrelang nichts gefunden. Letztens habe ich allerdings ein Buch von Richard Feynman gelesen, in dem er ein Kapitel über einen wackelnden Spaghettiteller schreibt (außerdem über Schwingungen). Quintessenz bei einem Rätsel, schreibt der Professor, ist es offiziell ‚richtiges‘ einfach zu ignorieren und lieber nochmal genauer selbst hinzuschauen. Mit Hilfe der im Wackeltellerkapitel beschriebenen Dinge habe ich also nochmal genauer hingesehen und jetzt einen neuen Vorschlag für meine Teetasse: Das, was schwingt, ist nicht nur die Tasse, sondern die Oberfläche der Flüssigkeit (wie bei einer Lautsprecherbox die Membran schwingt). Je mehr Strudel da ist, umso größer ist diese Oberfläche, und je größer die ist, umso tiefer ist der Ton (wie bei einer Cellosaite). Beim Verschwinden des Strudels werden der Strudel immer flacher, die Oberfläche immer kleiner, und damit der Ton immer höher. Bei Joghurt gibt es keinen Strudel, durch das ganze Geklopfe kriecht der aber an der Tasse nach oben. Wodurch die Oberfläche größer wird und der Ton tiefer. Könnte stimmen so. 🙂

StraßenpflasterJetzt aber zum neuen Rätsel. Das ist ein „offizielles“, also bekanntes und damit wie immer ziemlich unrealistisches:

Als Wanderer kommst Du an eine Weggabelung. Ein Weg von beiden führt in die Stadt (da willst Du hin), der andere in den Wald. Einen Wegweiser gibt es nicht, wohl aber in den meisten Erzählungen dieses Rätsels eine ganze Menge esoterische Beschreibung der zwei Leute an der Gabelung und der Gefahren des falschen Wegs, die ich überspringe. Es läuft auf folgendes hinaus: einer von beiden lügt immer, der andere sagt immer die Wahrheit, Du weißt aber nicht, welcher welcher ist. Außerdem sind sie stumm oder vergleichbares, sodass Du nur Fragen stellen kannst bei denen sie als Antwort in die eine oder andere Richtung zeigen. Welche Frage mußt Du stellen, damit sie Dich zur Stadt schicken und nicht in den Wald?