Beh Ih Geh

Auf die Frage, was denn im September noch gewählt werden kann (liegt zur Zeit in der Luft und jeder schreibt drüber), schrub Anti3anti: BIG!

Woraufhin Ari gefragt hat, wer das denn ist mit: Bartei Igeltreuer Gristen?

Was könnte BIG noch heißen? Bislang ist gesagt (worden):

Berlin ist großartig?
Butterfahrt ins Grüne?
Borgen immer großkotzig?
Bananenrepublik inklusive, gratis?
Bonität invalide, großmannssuchtshalber?
Begangen in Größenwahn?
Beendet irre Greueltaten?
Bäh, Igitt, Graus?
Bessermenschen im Glück?
Boccia im Garten?
Beton in grau?
Begonien, Immergrün, Geranien?
Beharrlich insinuierte Gegendarstellung?
Bekomme ich Garantien?
Bedanken impliziert Gelassenheit?
Blumentopf ist gewonnen?
Besser ist garnichts?

Außerdem fallen mir noch ein:

Der Slogan für die Partei oben: beten ist genug

bald ist gewählt

Beständigkeit ist garantiert

Bäh, ich gehe

Bundestag in Gönnerlaune

Buhrufe immer garantiert

 

 

In diesem Sinne: Allen die kommentieren wollen viel Spaß beim mitspielen 🙂

 

Nachklapp: im anderen Thread hat Ari noch geantwortet: Braktisch immer gewinnen Blödsinnigkeiten im Gewöhnlichen, besonderes im Großbollittischen, banalerweise im Gemeinbollittischen.

Besser kann man unsere Bananenrepublik-ist-garantiert-Regierung nicht zusammenfassen. 😈

(Un)moderne Unmöglichkeiten

Es gibt Kombinationen von Kleidungsstücken, die zieht man einfach nicht zusammen an.

Komischerweise sind das jeweils andere Kombinationen, je nachdem, wann und wo und wen man fragt. Manche Sachen gehen einfach garnicht, da sind sich alle einig; nur was speziell darunter fällt, da sagt jeder was anderes.

Was in Amerika überhaupt nicht geht, ist Mustermix. Plaids and Stripes ist dort ein Synonym für: fürchterlich angezogen. Sowas hier:

Den Bayern dagegen stößt eine bestimmte Farbkombination sauer auf: Grün und Blau wia am Kasperl sei Frau. So sieht das dann aus:

Auch die Norddeutschen finden, daß bestimmte Farben sich einfach nicht vertragen – bei denen sind das allerdings besonders Rot und Rosa – oder Komplementärfarben (wie rot und grün). Case to point:

Ach ja, und blaue Strümpfe zum schwarzen Rock (oder umgekehrt) sehen auch, natürlich, einfach bescheiden aus:

Meine Oma fand auch noch, daß man unterschiedliche Edelsteine nicht zu kombinieren habe, das sei irgendwie billig-protzig. Obwohl mir das eigentlich ganz gut gefällt. Ein Beispiel mit – wieder – blau und grün, und ja, auch blaugrün gefällt es mir trotzdem:

Wahrscheinlich wird das, was man nicht anzieht, einfach genauso modern und wieder unmodern, wie das, was man anzieht. Nu, oder umgekehrt, gerade zwiebele ich mir einen Knoten ins Hirn, wie ich das nennen soll, wenn es aus der Mode kommt, Kleidungsstile als unmöglich zu bezeichnen; und man sie somit wieder anziehen könnte, auch wenn das nicht unbedingt heißt, daß sie so modern werden daß jeder das auch tut.

Kurzgedanken die niemand braucht: Gutmenschenbeichte

Kanalratte schrieb letztens über Selbsthassende: „Zumeist bei Menschen die mit ihrer eigenen Identität nicht klarkommen. Wer sich dafür schämt ein Deutscher zu sein, ist in der internationalen Realität ein armes Würstchen.
Dort hatte ich geantwortet: „Die meisten tun das aber nicht nur, sondern sind auch noch stolz drauf; weil sie finden daß sie das irgendwie zu besseren Menschen mache.

Bessermenschen durch Selbsthass sind die Gutdenker wohl alle – aber wieso eigentlich?

Schlussendlich wird es wohl wieder damit zu tun haben, daß das bessermenschliche Denken eine Religion ist, ohne eine zu sein. Denn was gut und richtig ist, sagt einem nunmal das Weltbild: „richtiges“ denken, reden und handeln ist orthodoxes Verhalten, „orthodox“ im Sinne der Überzeugungen; welche auch immer das sind. Religion, Religionsersatz, Ethik, Ideologie, oder einfach freischaffend. Daher hatte ich geschlossen: es ist eine der Riten der Gutdenkreligion, aus dieser Geisteshaltung des Selbsthasses heraus „nie wieder“ zu sagen, „den Anfängen zu wehren“, im Nachhinein „gegen die Nazis“ gewesen und jetzt diffus „gegen rechts“ zu sein, weil „uns“ die Alliierten ja am Ende des Dritten Reichs „befreit haben“. Seit welchem Ereignis „wir“ das Völkermorden aufrichtig bereut haben, der das vermutete Ritual durchführende Gutmensch sowieso „dagegen gewesen wäre“, und/oder „seine Verwandtschaft jemanden versteckt“ habe.
So eine Art ans Gutmenschentum als Religion adaptierte Beichte (minus die unterschwellige Rechtfertigung der Gutmenschenversion), kommt mir gerade so als Idee zum frühen Nachmittag, vielleicht teilweise weil mir gegenüber im Bücherregal „Schuld und Sühne“ und „der Idiot“ nebeneinanderstehen.

Eine tatsächliche, liturgische Beichte (also im ursprünglichen-mit-gibts-das-Realitätsschock Wortsinn die christliche respektive protestantische Version) beinhaltet im rituellen Text die Fragen (hier paraphrasiert), ob jemand bereue, was er getan hat, das in Zukunft anders/besser macht, und daran glaubt, daß ihm deshalb verziehen wird (von Ganz Oben, aber darauf wollte ich hier nicht hinaus). Woraufhin er dann absolviert wird (qua Auftrag von Ganz Oben, aber darauf wollte ich hier nicht hinaus, ist ja nicht Filmkritik an Blues Brothers). Den tatsächlichen Text kennt kaum jemand (ist auch nicht sooo relevant – wörtliche Zitate solcher Texte bringe ich bekanntermaßen nur im rechtfertigenden Notstand, das hier ist keiner, und so ziehe ich es vor Sachen von den „Schlüsseln des Himmelreichs“ auch weiterhin hier in Blog nur dann zu schreiben wenn es um Primeln geht). Aber das Bild dieses Rituals, oder Reste davon, gehört und gehören zum kulturellen Erbe der Gutdenker, die es an ihre eigenen Überzeugungen und Rituale adaptieren könnten. Die Gutdenkversion divergiert davon auch in einigen Punkten (sehr stark etwa durch die uneigentliche-Rechtfertigung-durch-die-Hintertür oder das Aufrechnen gegen die guten Versteckaktionen der Verwandtschaft) – an einem Punkt aber trifft es sich wieder: Bessermenschen wollen dafür, daß sie sich kleinmachen (eigentlich knapp daneben, aber nahe genug) von ihrer Verantwortung an und für etwas losgesprochen werden.

Diejenigen, die den Gutmenschen dann qua ihrer durch die Geschichte zugewiesenen Rolle absolvieren würden/sollten/müßten, wenn das wirklich eine Beichte wäre, also „die internationale Gemeinschaft“ oder „die Juden“ bzw. Israel als Staat – die machen das aber selbstverständlich nicht mit. Kein Mensch mit einem Funken Würde würde sich derart durch Überstülpen eines ungefragten Rituals zum Statisten eines fremden Weltbilds instrumentalisieren lassen, was sich eigentlich jeder denken könnte (irgendwo in einer meiner hinteren Hirnwindungen deutet sich hier der Schatten eines Vergleichs mit einer Zwangstaufe an, „Zwang“ auf alle Fälle). Der Gutmensch wird aber wegen des abgebrochenen Ritualskripts sauer (vielleicht hat er auch noch irgendwo im Hinterkopf daß eine Rechtfertigung durch die Hintertür oder ein Aufrechnen im ursprünglichen auch ein Grund sein dürften das abzulehnen… und schätzt es garnicht das gesagt zu bekommen). Und spricht von einer „besonderen Beziehung“ zu Israel und der internationalen Gemeinschaft. Ob mit „besonders“ allerdings gemeint ist, diejenigen könnten dem Gutmenschen Absolution erteilen oder die würdebewahrende Weigerung es zu tun – keine Ahnung.

„Besonders“ respektive „Sonder-“ öffnet wie Ari im Ausgangsthread bemerkt hat noch eine ganz andere can of worms. Deswegen die Schrecken ein andermal, und hier lieber ein Bißchen Botanik:

Primula eliator ist das. Je nach Verständnis eine der beiden Primelarten, die unter den Namen „Himmelsschlüssel“ fallen – oder wenn nur eine Art (primula veris) mit Himmelsschlüsseln gemeint sein soll: eben die andere, die das dann nicht ist. Auch bekannt als „Bergprimel“ oder „Frühlingsprimel“.

 

P.S. 19:30 : gerade habe ich erfahren, daß Frank Walter Steinmeier einen Kranz an Arafats Grab abgelegt hat. Igitt! Der kommt sich deswegen auch bestimmt ganz gut vor.

Kulisse revisited

Vor einiger Zeit habe ich Fotos von einer Kirche im Gegenlicht gepostet, bei der man durch beide Fenster des Kirchenschiffs gleichzeitig auf die dahinterstehende Sonne guckt und deshalb die Fenster von innen beleuchtet sieht. Was ich fand, das komplett nachbearbeitet oder nach Kulisse aussah.

Inzwischen habe ich mich in Landsberg nochmal mit der Kamera um- und mir diese Kirche (die Stadtpfarrkirche) auch mal von innen angesehen. Hinter den Kulissen, wenn man so will:

Schön, oder? Auch wenn mir das betreffende Fenster im Gegenlicht besser gefiel:

Apropos besser gefallen: eine halbe Straße weiter gibt es eine kleine, ein Bissl versteckte Kirche, Sankt Johannes, zu sehen, die derselbe Baumeister (Dominikus Zimmermann) in die Welt gesetzt hat wie die weltberühmte Wieskirche in Steingaden:

Die beiden Fotos hier (das über und das unter diesem Text) sind jetzt die Johanneskirche. Obwohl sie sehr viel kleiner und sehr viel weniger berühmt ist als ihre Wieskirchenverwandtschaft, finde ich sie mit den klaren Linien und der wohlüberlegten Spielerei an der Grenze zwischen Rokoko und überladen architektonisch besser gelungen. Obwohl sie quasi die „Generalprobe“ ist.

Das sieht doch schon fast wieder nach Theater aus. Wer sich die aus der Nähe ansehen will, findet sie etwas versteckt im Vorderanger, an der Kreuzung zur Brudergasse (schräg gegenüber ist die Limonigasse, die findet man eher, besonders da die Brudergasse schon nach ein paar Schritten Mühlbachweg heißt). Wer dagegen einen Blick in die Klosterkirche am Dominikanerkloster (genauso weit weg von der Stadtpfarrkirche, nur in die entgegengesetzte Richtung) werfen will, braucht Glück und jemanden der die Tür offenlässt:

Auch wieder: könnte fast ein Theater sein. Und hier der Blick auf die Logen respektive die Orgelempore:

Bei soviel Theater noch ein Bild a la „die ganze Stadt als Kulisse“, mit dem hatte ich ja im letzten Post angefangen. Irgendwo muß man die Kulissen auch befestigen, wie wäre es mit diesem Zaun?

Der steht da schon eine ganze Weile und hält was aus.

Drei Kirchen und ein Zaun – und weils so schön war und dann nicht ganz so nach Filmtitel klingt noch eine Mauer:

Steht auch schon eine ganze Weile da und hält was aus.

Metaphergessene Werbung

Methaphergessen (das Wort stammt nicht von mir, sondern wieder einmal von tvtropes) ist es, wenn jemand mitten in der schönsten Methaper vergisst, was er eigentlich sagen wollte. Wodurch die ganze Sache unfreiwillig komisch wird. Sei es, daß das heraufbeschworene Bild eine Eigenschaft hat, die der Sprecher für das das er damit vergleicht nun gerade nicht wollte, weil nachteilig; sei es, daß er unfreiwillig eine andere Redensart streift (oder gar trifft): die Auswirkungen sind meistens nicht schlecht zum lachen.

Gerade Werbesprüche sind für sowas anfällig. Nicht erst seitdem ich den Straßenschild-Erklärbär-Text gelesen habe, auf dem der Name der Stadt in der die Straße ist falsch geschrieben war frage ich mich, ob Werbeagenturen eigentlich kein Lektorat haben. Oder sich für das ganze schöne Geld das sie für die Werbung bekommen nicht mal schnell leisten können, eins zu beauftragen. Unvergessen im Zusammenhang „unfreiwilliger Hintersinn“ ist das legendäre „mit [Bremsenfirma] gehts sicher bergab“ (vor dem Bild eines abwärtsfahrenden Lasters – aber die Firma ging dann auch tatsächlich relativ schnell pleite) von vor fünfunddreißig Jahren. Das war dann die zweite Möglichkeit und leider prophetisch. Vor etwa zehn Jahren warb dafür eine Zahnpastafirma mit „zeigen Sie Karies die Zähne“ und schlitterte mit dieser unfreiwilligen Einladung an die Karies voll in ersteren Widerspruch: weil ich keine Karies an den Zähnen will, putze ich sie ja.

Jetzt gerade habe ich wieder ein Beispiel für ersteres, das unfreiwillige erwischen eines anderen Wortsinns. Ein Arzneimittelhersteller macht eine pflanzliche Sportsalbe und bewirbt diese mit:

(Bitte mein Gekrakel drunter, gegen wen die Ökos in den Krieg ziehen, ignorieren) Auch nichts neues, seitdem der Mars nicht nur in der Science Fiction mobilmacht, sondern quasi dazu das Double Feature.  Aber man sollte ja meinen, die Texter wüßten das vom ersten Mal noch. Hoffentlich nicht prophetisch, mit egal welchem Grün, obwohl es, ehrlich gesagt, durchaus zu fürchten sein könnte.

Das zweite Bild ist kein Danebengriff eines Werbetexters, das waren einfach meine müden Augen und eine ungeschickt gelegte Zeitung, die mich hier „die Waffeln der Frage“ lesen ließen:

Bei keiner Frage sollten schließlich deren Waffeln vergessen werden.