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Palästinenser, der Großmufti und die SPD (reblog)

Teil vier der Artikelserie von Robert Cohn über antiisraelische Ressentiments und unterschwelligen Antisemitismus, zuerst erschienen auf TiN im Mai 2014. Das Bild dazu wie immer von mir: das war ein fürcherlich alberner wahrscheinlich-Werbe-oder-Aufruf-Zettel den jemand verloren oder absichtlich aufs Tottoir gebappt hat – zur Mufti-SPD passt er, sonst ist er Kitsch. Was das über die SPD aussagt möge sich jeder selbst zusammenreimen.

Palästinenser, der Großmufti und die SPD

Ein Gastbeitrag von Robert Cohn

1: Die Palästinenser, der Mufti und der Holocaust
Welchen Sinn hat eine Reise für junge Nichtjuden ins Todeslager von Auschwitz außer dem Gedenken an Millionen industriell Ermordeter und außer dem Gefühl am Ort, wie unfassbar das ist? Gedenken lässt es sich schließlich überall, auch im hinterletzten Kaff – dafür muss man nicht nach Auschwitz fahren. Und nicht verstehen, warum jene deutschen Familienväter mit Frau, Hund und Vorgarten derlei durchzogen, lässt es sich auch im Wald oder auf dem Meer.
Wenn junge Leute nach Auschwitz fahren, sollen sie lernen, wer die Ideen hatte, wer die Ideen ausführte und wie der sogenannte Alltag der Millionen aussah, die dort vergast worden sind, nicht?
Warum das geschah, warum bis dato normale Menschen die größte Mordmaschinerie der Geschichte über drei Jahre am Laufen und am Qualmen hielten, warum sie an sich selbst die Wahrheit von der Banalität des Bösen zeigten – diese Frage, WARUM das geschehen konnte!, ist freilich ein ganz anderes Kaliber von Frage. Jeder Historiker und jeder Philosoph von Rang hat sich seit siebzig Jahren damit beschäftigt, manche leidenschaftlich, manche nüchtern. Gelöst hat diese Frage noch keiner.
In ihrem jüngst erschienen Buch „Nazis, Islamists, and the Making of the Modern Middle East“ (Nazis, Islamisten und die Entstehung des modernen Nahen Ostens) beschäftigen sich die Autoren Barry Rubin und Wolfgang Schwanitz mit einer bestimmten Person, die wohl für Idee und Planung der Endlösung der Judenfrage steht: Der Großmufti von Al-Quds (Jerusalem), Hadsch Muhammad Amin al-Husseini, ein zentraler Verbündeter und Mitmacher der Naziregierung. Namen, Daten, Orte, Zitate: Wer, wann, wo, was und für wen, die klassischen fünf Fragen aller Forscher. Hinzu kommt die Frage nach dem Motiv. Der Begriff „Warum?!“ in dem Zusammenhang führt jedoch von diesen exakt erforschbaren Zusammenhängen weg, er verweist auf das Böse, das sich nicht erforschen lässt – seine Existenz lässt sich bloß konstatieren.
Was lernen junge Nichtjuden bei einem Besuch des Vernichtungslagers Auschwitz über jene, die das Böse verkörperten, indem sie die Endlösung der Judenfrage planten, organisierten und diesen Ort des Bösen schufen?
Die Universität in thüringischen Jena und die Ben-Gurion-Universität im israelischen Negev haben Ende März dieses Jahres einer Gruppe arabischer Studenten aus Universitäten der Westbank eine Reise nach Auschwitz ermöglicht. Einer der Studenten sagte danach:
Es ist merkwürdig für einen Palästinenser, ein Vernichtungslager der Nazis zu besuchen.“
Das Gefühl von Merkwürdigkeit entsteht, wenn etwas nicht zusammenpasst: Kognitive Dissonanz. Jedoch das Merkwürdigkeitsgefühl des Studenten ist selber sehr merkwürdig: Jede Woche rufen Imame in Gaza und in der Westbank auch übers Fernsehen zum Mord an allen Juden auf, und jede Woche äußern arabische Politiker auch übers Fernsehen, dass die Juden ins Meer getrieben, erschossen oder erschlagen gehörten, und jeden Tag laufen im ‚Staats’fernsehen der Fatach Kindersendungen, in denen die Kleinsten dazu gedrillt werden, Juden zu töten, die Affen, Schweine, Untermenschen, Weltbeherrscher und Todfeinde des Islams seien.
Was soll also merkwürdig für einen arabischen Studenten sein, wenn er das zu erneuernde Realziel dieser religiös verbrämten Politik und dieser politisierten Religion besucht – Auschwitz?
Selbst, wenn er diesen äußerst klaren Zusammenhang von europäischer Vergangenheitszielen und nahöstlichem Gegenwartsziel nicht sehen möchte: Es besteht da dieser persönliche Zusammenhang in Gestalt des Muftis Al-Husseini. Dieser Zusammenhang ist mit Händen zu greifen und mit Wer, Wann, Wo, Was und für Wen exakt zu belegen.
Leider haben die arabischen Studenten in Auschwitz jedoch kein Wort über den Mufti gehört. Wie kann das möglich sein?, das wäre ja so, als reiste eine Gruppe ins tschechische Lidice oder ins französische Oradour und würde dort kein Wort über Hitler hören!
Alle Spuren von Hitlers Großmufti Al-Husseini weisen nach Auschwitz. Dieser palästinensische Verbündete der Nazis hat geplant, den Nahen Osten in ein Vernichtungslager für Juden zu verwandeln, sobald die Deutschen militärisch nach British-Palestine durchbrachen. Feldmarschall Erwin Rommel, Held der Deutschen und Wüstenfuchs, stand kurz davor.
Die Naziregierung plante für Deutschland und für Europa zunächst, die Juden aus allen deutsch beherrschten Gebieten zu vertreiben. Barry Rubin und Wolfgang Schwanitz belegen in ihrem Buch, dass erst der Kontakt zum palästinensischen Mufti zur Endlösung der Judenfrage führte: Al-Husseini wollte das Land, über das er später zu herrschen plante, judenrein haben. Weil auch die Naziregierung das wollte, entstand ausgehend vom Mufti der deutsche Plan zur systematischen, industriellen Ermordung aller Juden. Rubin und Schwanitz schreiben:
Im November 1941 traf Al-Husseini bei einem Berliner Empfang ein. Dort zeigte es sich, dass die Deutschen ihn als den zukünftigen Anführer aller Araber und Moslems betrachteten. Er wurde im prächtigen Schloss Bellevue untergebracht, wo einst der deutsche Kronprinz lebte, heute die Residenz des deutschen Bundespräsidenten. Al-Husseini erhielt für seine persönlichen Bedürfnisse und für seine politische Arbeit eine Geldsumme, die heute dem Wert von zwölf Millionen Dollar pro Jahr entspricht. Diese Geldmittel wurden durch den Verkauf des Goldes erbracht, das man Juden abgenommen hatte, bevor man sie ins KZ schaffte. Al-Husseini folgte dem Muster und verlangte ein Büro in einer enteigneten jüdischen Wohnung. Sein Mitarbeiterstab wurde in einem halben Dutzend weiterer Häuser untergebracht, die die Deutschen für sie bereitstellten. Zusätzlich stellte man al-Husseini eine Suite im Berliner Luxushotel Adlon und für die Ferien schöne Appartements im Hotel Zittau und im Schloss Oybin in Sachsen zur Verfügung.“ (S.5).
Was soll also „merkwürdig für einen Palästinenser, ein Vernichtungslager der Nazis zu besuchen“ sein, indem der Mufti für die Araber der Hamas und der Fatacher auch heute als hochverehrter Führer und nationales Vorbild gilt?
Palästinenser’präsident‘ Abbas, der Verhandlungspartner der Arabischen Liga, der OIC, der UNO, der EU und der USA, lobt bei sich zu Hause in seinen Reden immer wieder den Mufti Al-Husseini über den grünen Klee, und aus Schulbüchern lernen die arabischen Kinder, dass er ein großer Held und Führer gewesen sei. Rubin und Schwanitz schreiben:
Die Regime, die später den Irak für vierzig Jahre beherrschten, Syrien für fünfzig Jahre und Ägypten für sechzig Jahre, sind allesamt durch Gruppen und Anführer aufgebaut worden, die mit den Nazis zusammengearbeitet hatten.“ (S.4).
So auch die PLO, die Vorgängerorganisation der Fatach, deren Anführer Yassir Arafat Zeit seines Lebens die tiefe Verbundenheit mit seinem Verwandten Al-Husseini pathetisch beschwor. Der Islamismus, ob er nun religiös oder politisch oder gar sozial wie die Muslimbruderschaft daherkommt, schwärmt vom Nazikollaborateur und Nazifunktionär Al-Husseini wie das Küken von seiner Henne. Rubin und Schwanitz schreiben:
Hitler befahl nach seinem Treffen mit dem Mufti, Einladungen zu einer Konferenz in einer Villa am Wannsee zu verschicken. Ziel des Treffens war die Planung der Vernichtung aller Juden in Europa.“ (S.8).
Al-Husseini war „der erste Nichtdeutsche, der von dieser Planung erfuhr, bevor sie überhaupt bei der Wannseekonferenz vorgestellt wurde. Adolf Eichmann wurde mit dieser Aufgabe betraut. Eichmann informierte al-Husseini im Kartenraum des Berliner SS-Hauptquartiers, indem er dort seine Unterlagen für die Wannseekonferenz benutzte. Eichmanns Adjutant sagte aus, dass der Großmufti sehr beeindruckt und so eingenommen von diesem Bauplan zur Judenvenichtung gewesen sei, dass er Eichmann bat, ihm einen Experten als persönlichen Assistenten nach Jerusalem zu schicken, um dort Todeslager und Gaskammern zu bauen, so bald Deutschland den Krieg gewonnen habe und er selbst an der Macht sei.“ (S.8 und 9).
Die deutsche Naziregierung besaß genügend Kontakte zu anderen arabischen Anführern, die der Idee zu Weltherrschaft und Judenvernichtung etwas abgewinnen konnten. Mufti Al-Husseini besaß jedoch einen besonderen Einfluss in der arabischen Welt. Er bekam die Hochachtung und den Zugang zu den höchsten Stellen der NS-Regierung, die ihm gebührten, darunter ein langes Zusammentreffen mit Hitler, eine prächtige Unterbringung in Berlin und üppige Geldzuwendungen.
Rubin und Schwanitz schreiben, dass der Mufti oder einer seiner Adjutanten das Konzentrationslager Sachsenhausen im Juni 1942 mit drei anderen arabischen Funktionären besucht hat (S.2), um genau zu sehen, wie Judenvernichtung geht. „Eichmann persönlich hat den Mufti durch die Todeslager Auschwitz und Majdanek geführt.“ (S.164).
Rubin und Schwanitz dokumentieren, dass Al-Husseini in dieser Zeit überall im von den Deutschen besetzten Polen umhergereist ist, und dass er in den ersten Julitagen 1943 Heinrich Himmlers Gast im ukrainischen Ort Schitomir war, einer der zentralen Orte der Judenvernichtung und des Bösen. Al-Husseini notierte später in seinen Erinnerungen, dass Himmler ihm dort sagte, die Deutschen hätten nun „etwa drei Millionen Juden liquidiert.“ (S.188).
Großmufti Al-Husseini hatte die Idee, er traf sich mit jenen, die die selbe Idee ventilierten, er sah den kongenialen Deutschen bei der Ausführung dieser Idee zu, er prägte duch seine Verbindungen, durch Personalpolitik und durch Geldströme den Judenhass in der arabischen Welt, und er plante wie ein Besessener, um es später als Beherrscher des Nahen Ostens ebenso zu tun wie die Deutschen in Auschwitz.

2: Die SPD, die Fatach und der Holocaust
D
ie Amtszeit von Mahmoud Abbas als Präsident des nicht existierenden Landes Palästina ist seit 2009 abgelaufen, aber es gibt keine Neuwahlen. Stattdessen hat er nun angekündigt, gemeinsam mit der Hamas eine Einheitsregierung zu bilden, um als Politiker zu überleben und, als Voraussetzung, Israel, die EU und die USA zu zwingen, direkt mit Terroristen zu verhandeln und sie als politische Partei anzuerkennen.
Faktisch geschieht das jedoch seit Jahren, weil Abbas seit Beginn seiner Amtszeit Terroristen unterstützt, sie mit seinen Millionen von der UNO und der EU bezahlt, sie verherrlicht und sie als Mitarbeiter beschäftigt.
Man muss kaum suchen, um zahlreiche Äußerungen des ‚Präsidenten‘ Abbas zu finden, in denen er mit religiösem und durchdringendem Ton zur Verehrung von Terroristen aufruft und endlose Namenslisten herunterbetet, garniert mit dem ubiquitären Ausdruck „Märtyrer“. Er sagt so oft „Märtyrer“, dass man sich wundert, warum er selber noch lebt und kein heiliger Märtyrer des Islamismus geworden ist. So sagte er im Fernsehsender Palestine Live TV (Fatach) am 4. Januar 2013:
Heute zur Feier des Gründungstags unserer Fatach erneuern wir den Schwur unserer geheiligten Märtyrer, dass wir dem Weg unserers Märtyrerbruders Jassir Arafat und seiner Genossen folgen werden, so wie alle Führer der kämpfenden Kräfte, und wie alle unsere Märtyrer es getan haben. Von ihnen nenne ich nun…“
Es folgt eine lange Liste von Selbstmordattentätern, Anführern einzelner Terrorzellen, zweier Hamas-Chefs, Terroristen der Muslimbruderschaft und Massenmördern:
… nenne ich nun Märtyrer Abu Jihad (Khalil Al-Wazir), Märtyrer Abu Iyad (Salah Khalaf) Märtyrer Abu Ali Iyad; Märtyrer Abu Sabri Saidam; Märtyrer Abu Yusuf Al-Najar Märtyrer Abu Al-Walid Saad Sayel Märtyrer Scheich Ahmed Yassin; Märtyrer Abd Al-Aziz Rantisi; Märtyrer Ismail Abu Shanab; Märtyrer Fathi Shaqaqi; Märtyrer George Habash; Märtyrer Omar Al-Qassem Märtyrer Abu Ali Mustafa; Märtyrer Abu Al-Abbas möge Allah ihnen gnädig sein. Diese seien für zehntausende anderer Märtyrer und Helden genannt.
Nun lasset uns unserer Vorkämpfer gedenken: Des Großmuftis von Palästina, Hadsch Muhammad Amin Al-Husseini. Wir gedenken auch des Ahmed Al-Shuqeiri, Gründer der PLO. Wir gedenken auch des Yahya Hammouda, Vorsitzender des Exekutivkommitees der PLO, und wir werden jenen Einen nie vergessen, der den ersten Funken des arabischen Aufstands von 1936 entzündet hat: Der Märtyrer Izz a-Din Al-Qassam.
Sie ermahnen uns zu der Pflicht, ihrem Weg zu folgen und als vereinigte Macht – denn es gibt nichts anderes als die Einheit – unser nationales Ziel und den Sieg zu erringen.“

-> Fußnote 1

Abbas hat in seiner maßlosen und gar nicht ungewohnten Rede die tiefe, thematische und chronologische Verbundenheit der Fatach und seiner selbst 1) mit dem Nazismus der 1930er und 1940er und 2) mit dem totalitär-islamistischen Terrorismus der Gegenwart in aller Eindeutigkeit bestätigt.
Ein kurzer Dokumentarfilm über den Mufti des Holocausts:

-> Fußnote 2

Eine kurze Rede des hasserfüllt fuchtelnden Yassir Arafat über den Vertrag von Oslo und die koranisch unterfütterte Gewissheit, um ihn zu brechen:

-> Fußnote 3

Die Fatach, die all diesen Zielen und Überzeugungen ungebrochen und unhinterfragt verpflichtet ist, zeichnet als Vollmitglied der Sozialistischen Internationalen, gemeinsam mit der deutschen Regierungspartei SPD. Die Fatach hat in der Sozialdemokratischen Partei Europas einen Beobachterstatus sie stimmt also dort nicht gemeinsam mit der SPD ab, hat aber Rederecht und ist ein akzeptierter Partner. Oft ist auf dieser Plattform von „gemeinsamen Zielen“ die Rede.
Fatah (arabisch) heißt Sieg durch Eroberung, Sieg durch das Wegschaffen von Hindernissen.
Was bedeutet das: Das Hindernis ist 1) die jüdische Unabhängigkeit des Staates Israel, und 2) erobert werden soll das jüdische Land.
Zwischen der alten PLO und der neueren Fatach besteht kein Unterschied die Doppeltyranneien des Muftis al-Husseini und des Demagogen Arafat ragen ungebrochen durch die Zeiten, gemeinsam mit Hitlers Schatten. In der Charta der Fatach (Artikel 12) stehen die Ziele der „kompletten Befreiung Palästinas“ und „die Ausrottung der ökonomischen, politischen, militärischen und kulturellen Existenz des Zionismus“: Es handelt sich um die Ziele des Muftis Al-Husseini.
Zur Fatach gehören die Tanzim-Miliz (befehligt von dem Massenmörder Marwan Barghouti) und die Al-Aksa-Märtyrerbrigaden, die von Blut triefen und deren Name Programm ist und Mahmoud Abbas, Palästinenserpräsident ohne Neuwahlen und Oberpate der Fatach, sagte neulich, er sehe keinen Unterschied zwischen Fatach und Hamas, weswegen die EU doch bitteschön die Hamas-Brüder nicht mehr als Terroristen bezeichnen möge. Woraufhin er nun in Verhandlungen mit der Hamas vollendete Tatsachen geschaffen hat, um gemeinsam mit der Hamas zukünftig eine einheitliche Regierung zu bilden.
Die deutsche Regierungspartei SPD hält indes an ihrer Bindung zur Fatach fest und kauft die Hamas-Katze ganz ohne Sack. Sie weiß genau, was sie tut!, und sie tut es trotzdem. Andrea Nahles, bis 2013 Generalsekretärin der SPD, hat am 8. November 2012 unterstrichen, dass SPD und Fatah gemeinsame Werte teilten. Dieser Ansicht wurde bisher nicht widersprochen.
Wo sieht die SPD den Übergang von bloß politischen Verhandlungen zum Socializing mit einer nazistisch verbandelten, den alten Achsenmächten zugehörigen, arabischen Terroristenpartei? Wo sieht die SPD den Übergang von bloß außenpolitischen Diskussionen zur Verstrickung und zum sich Gemeinmachen mit suprematistischen Mördern und Mördergutfindern, die tief in Nazismus und Islamismus getaucht sind?
Und was soll diese Aufwertung der Erben von Mordbuben der Achsenmächte zu Politikern von 2014?
Erstaunlicherweise hat auch die Europäische Volkspartei EEP, die EU-Dachorganisation der eher konservativen Parteien, die ungarische neonazistische Partei Jobbik vor Kurzem als Mitglied aufgenommen. Hier Kungelei und Entente der eher Linken mit nazistisch verbandelten Islamisten in Nahost, dort Kungelei und Entente der politischen Mitte mit rabiaten, neonazistischen Schreiern in Osteuropa.

Nicht nur als Jude!, auch als normaler Mehrheitseuropäer, als Linker, als Konservativer, als Liberaler oder nur als freundlicher Mitmensch kann man sich da nur doppelt und dreifach grausen.

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Anm. des Rebloggers: Die erwähnten Videos folgen als Kommentar.

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„Geduld mit Israel“ – oder: keine Geduld mit den Juden! (reblog)

Ein weiterer Artikel von Robert Cohn, der zuerst bei TiN erschien, dieser im Februar 2014. Ich werde die bei TiN veröffentlichten Artikel die ich finde der Reihe nach rebloggen. Das Bild ist wieder von mir angefügt; der Kartenschnipsel ist diesmal allerdings auch von Ari, nur nicht aus dem entsprechenden Artikel.

„Geduld mit Israel“ – oder: keine Geduld mit den Juden!

Gerd Buurmann, der Tapfere im Nirgendwo, hat in einem lesenswerten Artikel dazu aufgerufen, man möge deutsche Abgeordnete auf ihre Haltung zu jüdischen Siedlungen ansprechen. Gefragt werden soll: Warum und inwiefern gelten jüdische Siedlungen als Friedenshindernis in Nahost? Es ging um die quasi offizielle Äußerung des deutschen Staatsfernsehens am 7. Februar 2014 in einem Bericht des ZDF Heute Journals:
Denn die Welt verliert allmählich die Geduld mit Israel, vor allem wegen seiner Siedlungspolitik.“
D
a wird mit aller Selbstverständlichkeit ja Ehrlichkeit ausgedrückt, dass Israel der Welt immer etwas schuldig sei. Immer. Israel muss permanent rechtfertigen, dass es existiert. Hingegen Jordanien oder Liechtenstein oder Luxemburg oder gar das marode Belgien müssen das nicht!, warum nicht?, ganz einfach, weil nach deren Existenzrecht kein Mensch je fragt – weil die aus dem Boden gewachsen und im Einklang mit der Natur sind.
Bloß Israel nicht.
Weil Juden immer nur geduldet werden, ungern, und manchmal dann gar nicht mehr. Warum?, nu, wegen der Selbstverständlichkeit, wegen des ZDFs oder wegen der Natur, oder weil es schon immer so war. Nichts einfacher und gängiger als das.
Was drückt der Ausspruch des ZDFs im Einzelnen aus:
1) Allmählich“. Das Wort suggeriert, dass einst Geduld bestanden habe, die nun nicht mehr bestehe, weswegen dem ZDF nun wieder allmählich ja vollends der Geduldsfaden reiße. Weil die Juden allmählich wieder rückfällig werden und wieder einen Grund liefern, damit man endlich und allmählich ungeduldig werden darf.
2) Vor allem.“ Ganz früher waren es vor allem die Brunnenvergiftungen, noch früher war es vor allem die jüdische Ablehnung Jesu als Erlöser, etwas später waren es vor allem der jüdische Wucher und die ‚Zinsknechtschaft‘ wegen der Juden, dann waren es vor allem die Bürgerrechte, die sich die Juden seit der Zeit Napoléons erstritten hatten. Zwischendurch war es vor allem die Widernatürlichkeit des Judentums, das lieber darauf bestand, es selbst zu sein, als sich zu unterwerfen. Immer taten die Juden dies falsch und jenes falsch, verhielten sich halsstarrig, schädigten die Christenheit und später ein Ding Namens Volkskörper. Vor allem machten Juden Probleme!, darum wäre es vor allem besser gewesen, immer, dass es keine Juden gäbe. Wegen allmählich sinkender Geduld.
1948 bei der Staatsgründung Israels hieß es sofort, vor allem der jüdische Staat sei den Arabern unerträglich, sei den Sowjets unterträglich, sei für die Linken ein neuer Nationalismus, sei für die Rechten ein Extraprivileg und eine Extrawurst für Juden. Seit 1967 sind es vor allem die jüdischen Siedlungen, über die man sich aufregt.
Es gibt immer eine Reihe von Unerträglichkeiten, die von der jüdischen Existenz-an-sich ausgeht, mal ist es der nicht akzeptable Unglaube, mal der nicht zu tolerierende Eigensinn, mal die unerträgliche rassische Minderwertigkeit, und neuerdings sind es vor allem die Wohnorte von Juden, die da leben, wo Andere es nicht dulden können.
3) Die Welt.“ Das deutsche ZDF spricht für die Welt. Möge am Wesen des ZDF die Welt genesen? Die Welt habe nun mal Probleme mit den Juden, heute habe die Welt nun mal Probleme mit Israel.
Die Selbstverständlichkeit dieser quasistaatlichen ZDF-Äußerung ist, wie soll man es ausdrücken?, so tradiert, so ‚gesundes Volksempfinden‘, so selbstverständlich. À propos, moslemischerseits bedeuten die Stichwort „Siedlungspolitik“ und „zionistische Besatzung“ nichts Anderes als einfach Israel. Friedenshindernis seien die Siedlungen – soll als Chiffre heißen: So lange Israel existiert, werde es bekriegt und boykottiert, und wegen Israels werde es keinen Frieden geben.
Jeder, ob Moslem oder nicht, der behauptet, dass diese Siedlungen Friedenshindernis seien, meint diese Chiffre. Ob es ihm nun bewusst ist, oder ob er sich lieber hinter einer Allerweltssuggestion versteckt.
Auch bevor Israel existierte, mussten Juden immer beweisen, dass sie existieren durften. Aber das konnten sie nicht!, die Unmöglichkeit des Beweises war ja Sinn der Sache. Die Christen sahen sich längst als die vervollkommneten und erlösten neuen Juden (so wie das Ann Coulter oder das Opus Dei noch heute meinen). Die Moslems meinten seit dem Koran immer und meinen noch heute mit dem Koran, dass Abraham und Moses ohnehin Moslems gewesen seien, dass es also keine Juden mehr geben dürfe, weil sie alle immer schon Moslems gewesen seien, aber nicht wollten!, obgleich man das ja nicht nichtwollen dürfe.
Und wehe, wenn Juden sich gar irgendwo blicken lassen, wo sie nichts zu suchen haben, nicht? Grad im Weichbild der armen benachteiligten, dauerbeleidigten Araber, die es nicht aushalten können, dass da in Siedlungen irgendwo ein paar Juden wohnen, oder dass in Tel Aviv Frauen ohne männliche Aufpasser auf die Straße gehen dürfen, oder dass die Jerusalemer Klagemauer als letzter Rest des salomonischen Tempels gilt. Für Juden. Die das nicht zu wollen haben sollen.
Da MUSS man ja wieder allmählich die Geduld mit den Juden verlieren. 2014 wegen der Siedlungen, so wie 1814 wegen der Bürgerrechte, so wie 1214 wegen des gotteslästerlichen Talmuds und wie 1514 wegen ein paar jüdischer Familien in Mitteleuropa, oder wie 1614 beim Pogrom in Frankfurt, als die Bürger allmählich die Geduld verloren.
Warum: Wegen des Stolzes. Des verletzten arabischen Stolzes auf sich selbst, der alle Anderen ausschließt und bekämpft, und wegen des Stolzes des ZDFs auf die Selbstverständlichkeit des Geduldverlierens. Deswegen geht es ja gar nicht, dass jüdische Siedler vielen Arabern Arbeit gegeben haben – woraufhin die marode Wirtschaftskraft der Palaraber nach vielen selbstverschuldeten Rückschlägen endlich wieder anstieg. Weswegen die EU im vorigem Jahr prompt die Kennzeichnungspflicht für unter jüdischer Leitung produzierte Waren eingeführt hat, um diese Waren abzuschaffen, und weil es die Araber unerträglich in ihrer Ehre verletzt, von JUDEN für Arbeit besser bezahlt zu werden als von Arabern.
Gell?
Araber haben schließlich stolzverletzt, irrational, edel, arbeitslos und dauerempört zu bleiben, damit westliche Politiker weiter ein schlechtes Gewisen wegen des Kolonialismus und wegen der Juden haben dürfen, deren Vernichtung misslang, und damit das ZDF mal wieder und allmählich die Geduld mit den Juden verlieren darf.
Weil das doch mal gesagt werden dürfen muss.
Und wehe, wenn nun einer die Antisemitismuskeule auspackt. Die haben bekanntlich die Juden erfunden, früher wegen des Gottesmords und wegen der Zinsknechtschaft, heute wegen des armen Martin Walser, wegen Herrn Grass‘ Unverständnis der permanenten Vernichtungsdrohungen aus dem Iran, und deutscherseits wegen der jüdischen Siedlungen im deutschen Schutzgebiet.
Hillel Neuer, der Vorsitzende von UN-Watch und meistgehasster Mann im UNO-Menschenrechtsrat (dessen Vertretern mehrheitlich die Menschenrechte am Gesäß vorbeigehen), drückte just diesen Sachverhalt in einem Interview so aus (mit Dank an Schum für den Fund):
…Wenn ich höre, wie europäische Diplomaten rechtfertigen, dass Israel sich in der UNO keiner Regionalgruppe anschließen kann, und wenn sie sagen, dass es nicht der westlichen Regionalgruppe beitreten könne, weil es nicht deren Werte teile, dann spüre ich das alte Vorurteil, von dem wir gehofft hatten, dass es nach 1945 aus Europa verschwunden sei.“
Dieses Vorurteil besteht darin, dass Juden, ob mit oder ohne Staat, nicht dazugehören. Wegen Erlösungsunwillens, wegen der Brunnenvergiftungen und wegen der Zinsknechtschaft, wegen der Hakennase, wegen der Beschneidungen, wegen zu vieler Juden bei den Banken, den Medien oder überhaupt, wegen des heiligen arabischen Bodens und wegen des jüdischen Unwillens, den Koran anzunehmen, überhaupt wegen der jüdischen Werte, nein wegen des jüdischen Unwerts!, und nun wegen der Siedlungen.

Der Blick auf die Juden ist seit den Tagen Amaleks eine blutige Obsession. Es wird weiter gestarrt, es wird immer etwas gefunden, und es hört nicht auf.

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Anmerkung: Der Artikel bei TiN auf den sich dieser Text bezieht ist nicht mehr bei TiN online, man findet ihn hier: https://web.archive.org/web/20160324015422/https://tapferimnirgendwo.com/2014/02/21/wie-halten-sie-es-mit-den-judischen-siedlungen/

Zwei Kommentare zu beiden Artikel herausgegriffen:
Aristobulus, 24.02.14, 21:10 :
Leute:
Bergstein hat gestern in einem Satz für Satz spannenden, erhellenden Kommentar dargelegt, dass Juden in den christlichen Monarchien der Vergangenheit niemals Rechtssubjekte gewesen sind, sondern dass sie nicht unter die Allgemeindefinition Mensch fielen: Teils geduldet, Teils halb geduldet, Teils gar nicht, und dauerhaft unter nicht einlösbarem Rechtfertigungsdruck stehend. Woraus sich die heutige merkwürdig wortlose Überzeugung herleitet, dass das Volk der Juden als Rechtssubjekt durchaus nicht mit dem Volk der Dänen, Eskimos oder Uruguayer gleichzubehandeln sei.
Bitte den Bergstein lesen!, der kennt sich aus: [Link nicht mehr online, Kommentar folgt unten].
Rechtssubjekt. Nein, dieses Ding ist zwar eine Chimäre von gegenstandslosem Luftbegriff wie Gender Studies, Börsenkurse oder „was mit Medien“, aber dieses Ding ist viel gefährlicher, es erschafft die Realität von Menschheit und Untermenschen und hält sie am Leben. Nämlich die Realität, in der anno 2014 traditionellerweise vielleicht achtzig Prozent der Leute meinen, dass Juden ‚eigentlich‘ ja ‚irgendwie‘ kein Staatsvolk sein könnten. Warum nicht?, auf die Frage wird dann geschwiegen oder ihr wird ausgewichen – weil das doch eine Tatsache ist, die man nicht erklären muss. Dass Juden halt was Anderes seien.
Mir ist eine Analogie eingefallen: Frauen. Natürlich passt die Analogie nicht ganz, denn es ist kein Volk von Frauen denkbar, das ein eigenes Land beansprucht. Jedoch sie passt im Sinne des Rechtssubjekts: Frauen waren bis zur Einführung der Gleichberechtigung ebensowenig Rechtssubjekte wie Juden.
Deren Emanzipation als Gruppe gelang aber.
Warum dann nicht die der Juden als Gruppe?
Bergstein, 23.02.14, 14:06 (auf diesen Kommentar bezieht sich der Verweis oben):
Der Grund ist bezogen auf Israel eigentlich ganz einfach. Als Israel den Unabhängigkeitskrieg gewonnen hat und zum Teil auch schon nach der Unabhängigkeitserklärung stellte sich für die westlichen Staaten, die Übrigen so ziemlich alles unternommen haben, damit es nie geschieht, ein großes Problem, soll man Israel anerkennen oder nicht.
Zunächst schien keine Lösung des Problems in Sicht, da weder das Eine noch das Andere in Betracht kam. Das Anerkennen war nicht möglich, da dies zu Einem sich diese gegen die arabischen und muslimischen Staaten richten würde, man wollte sich wegen ein paar Juden in Israel nicht mit den vielen Moslems mit ihrem vielen Öl verscherzen und zu Anderem, sind die Juden nach westlicher Anschauung kein Volk, sondern eine Religion, so dass eine Anerkennung bedeutet würden, dass die heimischen Juden plötzlich nicht mehr in die bestehenden Nationalstaaten passen würden. Auf der anderen Seite war auch das Nichtanerkennen keine Alternative. Zu Einem war die Gründung völkerrechtlich abgesichert und zu Anderem war Israel ja praktisch da. Nach längerem Denken kam man auf die von Ihnen oben angesprochene und aus dem deutschen Mittelalter übernommene Lösung.
Entgegen allen anderen Bevölkerungsgruppen hatten die Juden kein natürliches Aufenthalts-recht im Heiligen römischen Reich der Deutschen Nation. Allerdings gewährte der Kaiser ihnen, selbstverständliche gegen eine entsprechende Zahlung, ein beschränktes Aufenthaltsrecht. Die Juden hatten folglich kein natürliches, sondern ein gewährtes sekundäres Recht. Das Aufenthaltsrecht der anderen Bevölkerungsgruppen war somit vorrangiger als das der Juden, das ja jederzeit entzogen werden konnte. Das Gleiche hat man nunmehr mit Israel getan.
Die Anerkennung eines Staates besteht gewöhnlich aus zwei in der Regel gleichzeitig statt-findenden Ereignissen. Zunächst wird man als Volk mit einem Recht auf Staatsgebiet anerkannt. Anschließend wird auf Grundlage des Selbstbestimmungsrechts eines anerkannten Volkes, der von diesem Volk gegründete Staat anerkannt. Bei Staatsbürgerschaft geschieht das Gleiche, man wird zunächst als Deutscher anerkannt und auf dieser Grundlage bekommt man die Staatsbürgerschaft.
Genau wie bei Juden in Mittelalter wurde die Juden in Israel weder als Volk anerkannt und schon gar nicht wurde ihr Recht auf das Land anerkannt. Der Staat Israel wurde hingegen als juristisches Gebilde anerkannt. Da man aber für einen Staat ein Staatsvolk braucht, wurden die Araber, die man später Palästinenser genannt hat, als das eigentliche Staatsvolk anerkannt. Das ist übrigens auch der Grund wieso nur bei Palästinenser der Flüchtlingsstatus erblich ist, da er der Staatsbürgerschaft bei anderen Bevölkerungsgruppen entspricht. Anerkannt wurde im Ergebnis ein arabischer Staat Israel in dem die Juden zufälliger- und auch bedauerlicherweise gerade die Mehrheit stellen. Es hat ja niemand geglaubt, dass dies dauerhaft der Fall ist. Man war sich totsicher, dass bald die Araber mit in ihren 10 Kinder pro Frau die Mehrheit der Bevölkerung stellen werden.
Alle von Ihnen beschrieben Problemen und die doppelten Standards sind die Folge dieser Halbanerkennung. Rein rechtlich ist es kein doppelter Standard, da die Juden wie dargestellt nur ein sekundäres und somit gegenüber den Arabern nachrangiges Recht genießen. Die Juden haben nämlich keine Rechte außer denen, die ihnen UNO ähnlich wie der Kaiser gnadenvollerweise gewährt. Diese können wie tatsächlich in Mittelalter auch häufiger geschehen jederzeit wieder widerrufen werden, wie z.B. wenn die Juden wie im Mittelalter die Begleichung von Schulden eingefordert haben oder sich neuerdings erfrechen, die Häuser da zu bauen, wo es ihnen beliebt. Ein gewährtes Recht kann selbstverständlich vom Gewährenden entzogen werden, wenn er Geduld mit demjenigen verliert, dem er das Recht in seiner unendlichen Gnade verliehen hat. Die Araber wissen natürlich um diese Halbanerkennung und bestreiten deswegen auch immer wieder die Shoah, da diese außer Ihrer Sicht der Grund für diesen Gnadenakt der Rechtegewährung gegenüber Juden war.

Kartentrick

Wer mitbekommt welche – wie sage ich das jetzt höflich? – „ideologisch gefärbte“ Information über den arabisch-israelischen Konflikt immer wieder mal verbreitet wird, stolpert früher oder später über eine Abfolge von vier Karten. Die sind auch eingefärbt (und auch ideologisch – „gefärbt“ meine ich aber ganz konkret: teilweise mit grüner Farbe koloriert, und sollen eine zeitliche Abfolge darstellen.

Zuerst kommt eine Karte des privaten Landbesitzes des Fünftels des britischen Mandatsgebiets auf dem sich jetzt der Staat Israel befindet (kürzer gesagt: ohne das ganze störende Jordanien). Sowohl Land in Staatsbesitz (das überwiegend meiste) als auch das wenige Land in arabischem Privatbesitz sind grün, das andere Bissl Land in jüdischem Privatbesitz ist rot koloriert. Ja, es ist dasselbe grün, und nein, ohne Grenzlinien zwischen der einen und der anderen Sorte grünem Land. Damit suggeriert diese Karte entweder, daß Land das keinem gehört den Arabern gehören sollte, oder daß dort überhaupt jemand wohnte und es nicht einfach staatlich verwaltete Niemandswüste war. Jeder, der die Reiseberichte Mark Twains gelesen hat (tagelang ist er niemandem begegnet) weiß alles über staatlich verwaltete Niemandswüste – der einzige Sinn den diese Karte für sich allein hätte wäre zu sehen wo damals überhaupt jemand war; dazu müßte aber auch das arabische Privatland so eingefärbt werden, daß es zu sehen ist.

Die zweite Karte ist ein von den Arabern 1937 abgelehnter Teilungsplan, der nie umgesetzt wurde. Nachdem das zu Zeiten war als dringend ein Zufluchtsort aus dem Dritten Reich gebraucht wurde, ging das nach dem Motto „wir geben Euch fast alles, wenn wir nur ein Stück von der Größe eines Tischtuchs behalten können“ – und so sieht die Karte auch aus. Praktische Relevanz hat sie nie erreicht, aber: der jüdische Teil den der Kartentrick hier rot anmalen kann ist etwas größer als die besiedelten Flecken auf der vorigen Karte. Und kleiner als das spätere Israel, weshalb sie eine Art Überleitung darstellen soll.

Das spätere Israel kommt in der dritten Karte. Allerdings stammt die nicht von irgendwann, sondern aus Zeiten als Jordanien das Stück davon besetzt hatte das es aus diesem Anlass in „Westbank“ umbenennen sollte, und Ägypten Gaza. Das würde die Leute ja nur verwirren wenn zwischendrin die roten Flecken mal größer und mal kleiner werden würden. Dementsprechend ist Israel komplett rot gefärbt bis auf das jordanisch besetzte Stück, das ist grün. In manchen Versionen wird Gaza unter den Tisch fallen gelassen, manchmal auch nicht. Eine Karte aus der Zeit zwischen 1967 und den Oslo-Abkommen fehlt in jedem Fall – das war die Sache mit den größeren und kleineren roten Flecken – denn als letztes kommt gleich:

Die vierte Karte, die aktuell ist. Auf dieser sind nur die Gebiete grün eingefärbt, die unter voller Kontrolle der PA sind (in anderen Versionen sind auch die Gebiete mit gemeinsamer Verwaltung hellgrün).

Nur „noch“. Denn alle vier Karten zusammen sollen die Botschaft übermitteln daß die arabischen Gebiete immer kleiner werden: vier Bilder sagen mehr als tausend Worte.

… und jedes davon ist gelogen, wie es einmal jemand fortgesetzt hat der über ein ähnlich ideologisch aufgeladenes Bild schrieb. Denn schaut man sich andere Karten an, lässt sich das umgekehrte feststellen:

1919 schlug die Versailler Friedenskonferenz folgendes Gebiet für einen jüdischen Staat vor (Anmerkung: „Palästina“ bezeichnete damals noch einen jüdischen Staat, erst Arafat sollte dieses Wort sehr viel später auf sich und seine Leute beziehen):

(gefunden bei: http://myrightword.blogspot.de/2017/05/zionism-yielding-territory-since-1919.html – Stellt Euch vor, das graue wäre rot und das weiße grün)

Stattdessen kam es zum Britischen Mandat. Davon gibt es natürlich auch Karten – ganz Israel und ganz Jordanien mit einem Union Jack vollzupinseln stellt für das was die Kartentrickser darstellen wollen, nämlich den arabischen Einfluß, aber eher eine Pause dar, denn das Sagen hatten eben die Briten. Und keine der beiden Farben stellt britische Hoheit dar.

Eine Karte vom späteren Staat Israel aufzutreiben ist nicht ganz leicht; Suchmaschinen und Onlinelexika spucken nur aktuelle aus. Am nächsten kommen dem ironischerweise Karten die einfach Israel verschwinden lassen und es umbenennen. Edit: inzwischen habe ich aber eine gefunden 🙂 :

 

(Einfach das gelbe grün und das weiße rot färben, et voila.  Stammt hierher: http://www.maggiesnotebook.com/2011/05/israels-pre-1967-war-borders-what-they-mean-the-reality/)

So sah es nicht lange aus – am Tag der Staatsgründung wurde es von den Nachbarn überfallen. Bis 1967 waren von Jordanien und Ägypten jeweils Gebiete annektiert – der Rest sah mehr oder weniger so aus wie die aktuelle Karte:

( Diese Karte stammt aus dem Wikipediaartikel über Israel: https://en.wikipedia.org/wiki/Israel)

Das „besetzt“ einfach auf „von Jordanien besetzt“ respektive „von Ägypten besetzt“ beziehen und die Nachbarstaaten grün färben, dann passt auch diese Karte da hinein. Jetzt allerdings geht es ein Bißchen hin und her – das ist fast nahöstliches Leiterspiel, hier – springt mal einen Schritt wieder nach oben. Denn 1967 konnte Israel einen weiteren Überfall seiner Nachbarn so erfolgreich abwehren, daß es auch die hier grün gezeichneten Teile zurückbekam. Im Zuge der Oslo-Abkommen 1990 … nun, jetzt wird die Sache unübersichtlich, jedenfalls gehts zurück zur unteren Karte. 2005 wurde der Gazastreifen (das grüne Teil am Mittelmeer neben Ägypten) de facto autonom. Was auf dieser Karte sonst noch grün ist, ist inzwischen in einen Flickenteppich aus Gebieten unterteilt, die teilweise unter der Verwaltung der PA, teilweise unter der Israels – und teilweise teilweise unter der einen und teilweise unter der anderen stehen (beide teilen sich hier die Verwaltung – daran, daß man mathematische Zeichen im Text bräuchte merkt man, daß man eigentlich nicht weiß, was man sagen will 🙂 ).

So ist das heute. Und in Zukunft?

Wenn ich jetzt dasselbe machen würde wie die Kartentrickser und Karten einbeziehe die eigentlich garkeine offiziellen sind, würde ich ja diese Karte nehmen:

Die stammt aus einem Artikel, der sich zurecht darüber beschwert daß Israel dort gar nicht mehr auftaucht: http://antisemitism-europe.blogspot.de/2017/06/france-israel-not-mentioned-on-agence.html

Das wird wohl auch das Ziel der ursprünglichen Kartenserie sein. Nicht auf der Karte, sondern in der Landschaft.

Es ist zum speibmn.

(Fußnote: auf die Idee für diesen Artikel gebracht hat mich diese Übersetzung von heplev: https://heplev.wordpress.com/2017/05/26/landkarte-zionismus-gibt-seit-1919-ab/ )

Blogumhören: Feuer in Israel

Blogumhören werden künftig Linksammlungen zu einem bestimmten Thema – quasi das kleine akkustische Äquivalent zu einer Presseschau.

Diesmal die Feuer in Israel.

EoZ ordnet die Idee des Feuerterrorismuses in einen historischen Kontext ein, und, Überraschung oder eher nicht, sie ist älter als der Staat Israel (viele Zeitungsausschnitte von 1936):
https://elderofziyon.blogspot.com/2016/11/david-shambadals-poem-responding-to.html
Außerdem berichtet er über den Versuch, zu insinuieren der Staat Israel sei durch aufforsten selbst am Waldbrand schuld:
https://elderofziyon.blogspot.com/2016/11/pine-libel.html

Lizas Welt geht auf die internationalen Reaktionen ein, insbesondere auf die deutschen und die in den sozialen Medien (diesen Artikel hatte ich schon bei meinem Cartoon verlinkt):
Israel brennt, Deutschland setzt Prioritäten

Etwas deutlicher wird mena-watch:
http://www.mena-watch.com/mena-analysen-beitraege/braende-in-israel-so-sieht-deutschlands-beistand-aus/

Dry Bones Cartoonfigur Mr. Shuldig ist entschlossen zum Nichtbesiegenlassen und Wiederaufbau, und fragt warum die Brandstifter einfach nicht lernen wollen, daß ihr Terror nicht funktioniert:
http://drybonesblog.blogspot.de/2016/11/the-embers-of-fires-are-smoldering.html
Außerdem im anderen Artikel zitiert: ein Bericht des Telegraph über Brandstiftung (der Link führt zu Dry Bones Artikel, dort findet sich der zur Zeitung):
http://drybonesblog.blogspot.de/2016/11/israel-is-burning.html

Ein Augenzeugenbericht ist bei heplev zu lesen:
https://heplev.wordpress.com/2016/11/27/folgen-des-feuer-terrors-in-modiin/
Der sich auch fragt, wie jemand ein Land verbrennen kann, das angeblich seins ist:
https://heplev.wordpress.com/2016/11/27/wem-gehoert-das-land/

Ebenfalls ein Augenzeugenbericht von der Siedlerin:
Ort der Zerstörung: Großbrand in Halamish (Neve Tzuf)

Während PreOccupied Territory eine Satire schreibt, wie es denn sein kann daß Naturkatastrophen einfach den Platz auf der Titelseite besetzen, der für üble Nachrede vorgesehen war:
http://www.preoccupiedterritory.com/meretz-demands-limits-on-natural-disasters-to-prevent-distraction-from-corruption-news/

Update:

Noch ein Nachklapp:
https://forestrain.wordpress.com/2016/12/01/what-do-you-do-when-someone-sets-your-neighborhood-on-fire/
(noch ein Augenzeugenbericht)

Ein paar Worte

Gelesen auf Tapfer im Nirgendwo (http://tapferimnirgendwo.com/2014/11/19/ein-paar-worte/) Worte von David Serebrjanik zum letzten Anschlag, wie ich sie so gut nie schreiben könnte:

Rose3Ist es das Gute, wenn eine Mutter das eigene Kind direkt unter die Bomben plaziert, die darauf abzielen, terroristische Stellungen zu treffen? Ist DAS das Gute? Oder vielleicht doch das, dass ein Land auch seine erbittertsten Feinde, Mörder und Angreifer auf Staatskosten in einem Krankenhaus behandelt?
Oder ist es Ausdruck des Guten, wenn man Menschen im Gebetshaus beim Beten ermordert? – Kommt mir jetzt nicht mit der “Verzweiflung der Palästinenser”. Keine Verzweiflung (und vor allem keine selbstverursachte), rechtfertigt ein Abschlachten anderer Menschen. Die Palästinenser hätten längst, vor 66 Jahren nämlich, ihre Verzweiflung und finanzielle Not auskurieren können, wenn sie die freundschaftlich ausgestreckte jüdische Hand nicht auf brutalste Weise abgeschlagen hätten – Kommt mir jetzt nicht mit “die Juden besetzten fremdes Land”. Es gab niemals ein Land namens Palästina. Und das Volk der Palästinenser ist eine ziemlich an den Haaren herbeigezogene, künstliche Konstruktion. Ihr, lieben Geschichts-Bewusstseier, habt viel zu oft viel zu wenig Ahnung von Geschichte. Ihr lasst Euch mit vorgefertigten Meinungen und Informationen vollstopfen, die viel zu oft auf diesem gewissen dunklen Etwas basieren, das bei Wörtern “Israel” und “Jude” in Bewegung kommt.
Manchmal ekelt es mich richtig an, mir vorzustellen, dass es in Deutschland Menschen gibt, die sich auf die Geschichte berufend (oder aus einem Schock über die Verbrechen der Deutschen […]), die heutige passierende Geschichte auf den Kopf stellen und sich, wie hypnotisiert durch irgendetwas, gegen Israel stellen. […] Was mir die[] Hoffnung oft wiedergibt, ist die Tatsache, dass es in Deutschland Menschen wie Gerd Buurmann gibt, die sich nicht zu schade, nicht zu bequem und nicht zu feige sind […] Eben, WEIL sie mit der Geschichte bewusst umgehen.
Liebe Geschichtsbewüsstler, wenn Ihr Israel nicht kennt, nicht wirklich wisst, was und wie dieses Land tut, es aber aus einem unbestimmten dunklen Etwas heraus kritisieren müsst, dann habt IHR ein Problem und nicht Israel.

Und bei Heplev entsprechend zum nachlesen Geschichte: http://heplev.wordpress.com/2014/11/18/die-flagge-palastinas-vor-1948/ und Umgang damit: http://heplev.wordpress.com/2014/11/18/wie-die-palastinenser-mit-einen-terroranschlag-umgehen/