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Der Dokumentarfilm ist (kurz) online!

Nach wochen- und monatelangem Tauziehen ist die Dokumentation Auserwählt und Ausgegrenzt: der Hass auf Juden in Europa ganz kurz online – bis heute um Mitternacht.

Diese Dokumentation von Joachim Schroeder und Sophie Hafner wurde für arte vom WDR produziert. Historiker, Fachleute und andere Journalisten die sie vorab sehen konnten lobten sie als gut recherchiertes und präsentiertes Meisterwerk.

[TiN, von dem ich diesen Link habe, trägt einige Zitate zusammen: „Eine ganze Reihe international anerkannter Historiker, Politikwissenschaftler […] loben die Dokumentation. Prof. Michael Wolffsohn bezeichnet die Dokumentation als „meisterhaft“, Ahmad Mansour als „großartig und überfällig“ und Götz Aly als „beachtliche und außerordentlich facettenreiche journalistische Leistung.““ ]

Arte und der WDR wollten sie aber dennoch nicht senden, und schoben immer weitere Gründe vor warum nicht. Inzwischen habe ich in einigen der Tonnen von Artikeln, die zu diesem Thema in allen möglichen Zeitungen zu finden sind, halb zwischen den Zeilen gelesen, daß die zuständige Redakteurin beim WDR, die den Film produziert, während der Dreharbeiten Regie geführt und letztenendes abgenommen hat, eine Vorgängerin des aktuellen Chefredakteurs bei arte war. Das lasse ich einfach unkommentiert so stehen, soll jeder selbst vermuten ob das Thema oder die brilliante Ausführung der Dokumentation vielleicht garnicht entscheidend waren. Einen wirklich stichhaltigen Grund dafür, den Film unter Verschluss zu halten, hat der aktuelle Chefredakteur bei arte jedenfalls nirgends angegeben (an einer Stelle wehrt er sich sogar gegen Antisemitismusvorwürfe, die überhaupt niemand gegen ihn erhoben hat – vielleicht, nur vielleicht, hatte die Doku für dieses Theater das falsche Thema?). Viele die darüber schreiben vermuten, daß ihm das Thema zu aktuell – und damit politisch zu brisant – behandelt wurde, indem es nicht die letzten achtzig Jahre oder so ausspart. Dann könnte man die Frage stellen, wie das Berufsbild eines Journalisten eigentlich aussehen soll, aber das nur nebenbei.

Warum oder auch warum nicht der Film zurückgehalten wurde: heute jedenfalls zeigt ihn die Bildzeitung (sic!) – für 24 Stunden. Bis Mitternacht kann man ihn also unter diesem Link ansehen:

Bitte so weit wie möglich weitrverbreiten (leider weiß ich nicht, ob das ab morgen öffentlich gezeigt werden darf, bevor sich Bild, arte, WDR und wer noch über die Rechte geeinigt haben – ob die Bildzeitung das also nochmal machen kann. Wer das sehen will, muß also erstmal schnell gucken).

 

Fußnote: gerade eben fällt mir ein, wie sachlich und unhysterisch ausgerechnet die Bildzeitung über das Sendai-Beben in Japan und die daraus folgende Fukushima-Havarie berichtet hatte; womit sie eine der wenigen Zeitungen war, die das taten. So arg überrascht, wo ich diesen Film letztenendes gucken kann, bin ich also garnicht mehr.