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Gerd Buurmann, das jüngste Gericht und die Kunstpause

[Das hier ist quasi der zweite Teil zum Artikel über die verschwundenen Kommentare beim Buurmannblog, in dem Ari über eine Gerichtsverhandlung wegen übler Bilder schreibt; mit/ohne Buurmannbeteiligung:]

Gerd Buurmann, das jüngste Gericht und die Kunstpause

von Robert Cohn

Gerd Buurmann (der Großblogger von Tapferimnirgendwo) ist bedeutendererer als Streisand, Rihanna und Jesus zusammen. Warum: Für Buurmann zählt nur die Buurmannrolle, so wie für Streisand nur die Streisandrolle zählt, und für Buurmann zählt nur das Rihanna-Buurmann-Halbglamour-Exhibitionismus-Bühnendasein, so wie für ihn nur die eigene Erlöserrolle zählt, denn es führt kein anderer Weg zum Vater denn durch ihn.

Also gilt der B-mann als Erlöser hoch Sieben. Ein Kamel schafft es nimmermehr durch des B-mannes Nadelöhr, denn alle außer dem B-mann sind Kamele – während er selbst da einfach durchflutscht. So wie auf seiner Bühne, wenn er da flutscht. Wenn er da mal nicht flutscht, macht er sich so glitschig, damit es flutscht. Denn was nicht flutschglitscht, ja?, dann kann das nicht B-mann sein.

Sonst?, sonst zählt nichts für diesen Mann, weil außer diesem Manne für diesen Mann schlechthinniglichst gar nichts zählt.

Wie komme ich zu dieser apodiktischen Aussage: Ah, mit Grund. Es gibt übrigens viele Gründe. So viele Gründe wie Heu in Nadelhaufen. Denn es gibt ja diese bestimmten Gelegenheiten im Leben, nicht?, diese one-and-only-Mustergelegenheiten, die sich immer wiederholen, wegen der EINEN Mustergelegenheit, die man versiebt hat.

Diese eine Gelegenheit, auf die ich gleich kommen werde, war nicht bloß eine, sondern grad an dieser bemisst sich das Muster für hundert weitere analog systematisch verpasste Gelegenheiten. Ich rede von dieser einen bestimmten Gerichts-Gelegenheit. Da war nämlich einst ein Gerichtstermin im Dortmunder Amtgericht. Es ging um eine Strafanzeige wegen Beleidigung gegen den Dortmunder Rentner-Pester Erhard Arendt (Schreibweise wie DDT, so kann man sich merken, mit welchen Dehs und Tehs der sich schreibt, weshalb auch immer).

Ich weiß nicht, ob dieser Erhard Arendt überhaupt noch schreibt, man muss das nicht wissen, zumal er auch vorher nie geschrieben hatte, als er glaubte, dass er schriebe. Man erinnert sich dunkel, ganz dunkel, dass seine Webseite „Palästina Portal“ hieß, selbstverfreilich ohne Bindestrich, denn mit korrekten Schreibweisen, mit Grammatik, mit nachvollziehbarer Argumentation, mit deutscher oder sonstiger Sprache und überhaupt mit Faktischem hatte es der Erhard Arendt nicht so.
Er hat hingegen auf seiner uferlos umfangreichen und immer uferlosererer umfangreicherereren Webseite über Jahre die Israelis als die neuen Nazis bezeichnet, hat die Hamas als Volkswiderstand gefeiert, hat arabischen Terrorismus verherrlicht, und abgesehen davon war er niemals von des Gedankens Blässe angekränkelt, oder mit einem noch so schüchternen Anflug von Geist gesegnet. Tatsachen, selbst die alltäglichsten, galten ihm als zionistische Naziverschwörung von der Ostküste. Gegen den zionistischen Nazismus und für die endliche Ausrottung Israels war er angetreten. Mehr von der Welt verstand er nicht, tja.

Dieser Rentner-Pester machte auch Collagen, jedenfalls nannte er die so, weil er die wohl für solche hielt. Auf einer dieser Collagen (also Koll’aaaschen, ja?, nicht Kolla’geen, das ist wohl was Anderes, weil Fettiges) hatte er Gerd Buurmann und mich 2013 als Schweine dargestellt. Genauer: Als Judensäue. Des Buurmannes und mein Gesicht hatte er irgendwo im Internet gefunden, und er hat die Gesichter mit Namensnennung in ein Foto von sich suhlenden Schweinen hineinkopiert. Auf diese collageoide, reife-trejfe Rentnerleistung war er stolz wie Bolle.

Er hielt den Buurmann für einen Zionisten, so wie er auch mich für einen Zionisten hielt, der ich ja in der Tat bin, na was denn sonst?!, das war der Grund für’s Schweinerne. Weil man als aufrechter, linksextremer (oder rechtsextremer, egal) Antizionist die Zionisten gern wie im Mittelalter und wie in bösesten Julius-Streicher-Pogromzeiten als Schweine darstellt. So tickte der Judendenunziant aus Dortmund.
Diese judenschweinische Collage schrie und flehte nach einer Strafanzeige.

Ich wurde also 2013 zum Prozess ins Dortmunder Amtsgericht zitiert. Ich fuhr hin. Gerd Buurmann war nicht da. Ich hatte niemanden mitgenommen, hatte mich dort auch mit niemandem verabredet, weil ich niemanden in Gefahr bringen wollte. Man weiß ja, was passieren kann, wenn man als Jude vor Gericht auftritt: Allerlei pogromgeile Wesen können nein werden einem auflauern. Das war mir schon mehrfach passiert, einmal warteten etwa fünfzig Neonazis (Freie Kameradschaften aus dem ganzen Norden) auf mich vor dem Hamburger Landgericht, weil ich dort in zweiter Instanz gegen einen stadtbekannten Neonazi aussagte. Linksextreme wie der Dortmunder Rentner-Pester sind bekanntlich auch nicht besser als die, und so bestand die erhebliche Gefahr, dass irgend BDS-Horden in Dortmund warten würden, um mit dem Juden das zu machen, was sie gern mit dem Juden machen.

Weil ich niemanden in Gefahr bringen wollte, indem man als einzelner Jid immer noch am Besten entkommt (jahrhundertealte Erfahrung, das!), ging ich allein ins Dortmunder Amtsgericht zur Verhandlung, und ich ging allein wieder hinaus, spähte nach Wesen und entkam wieder: Das Entkommen vor hmm Wesen als urdeutsche weil urjüdische Urerfahrung.
Buurmann war nicht da. Er hatte mir auch nicht angeboten, mit hinzufahren. Ich hätte ihm freilich davon dringend abgeraten und mich darin durchgesetzt wie sonst auch. Man hört jedoch trotzdem gern den Satz, „ich komm mit, Mann!“, nicht?, einfach so als guten Satz. Weil das nämlich ein verdammt guter Satz ist, wenn es in die Schlacht geht.

Der langen Rede kurze, eklige Pointe: B-mann hatte nie daran gedacht, vielleicht mitzukommen. Er wäre eine knappe Stunde gefahren, während ich fünf Stunden fuhr, und ich war ja nicht als Einziger das Judenschwein auf der Collage, Buurmann war schließlich auch als Schwein drauf, nicht? Ich rief ihn also aus der Eisenbahn an und sagte ihm, dass ich unbeschadet aus dem Gericht gekommen sei und dass es einen Freispruch gegeben hatte, na klar, was denn sonst?, denn eine öffentliche Judensau gilt hierzulande seit Zwölfhundertnochwas als erwünschte Pogrom-Propaganda und neuerdings als islamfreundliche Bagatelle.
Er erwiderte nur eins: „Hast du MICH bei der Verhandlung denn auch ERWÄHNT?“

Und ich Idiot, der noch immer an des B-mannes Lauterkeit glaubte, sagte, dass ich ihn selbstverständlich erwähnt hatte bei der Verhandlung, denn er war ja auch als Schwein dargestellt worden.
Falsche Ebene!, die Buurmannsche Ebene hatte ich idiotischerweise nicht begriffen.
Was ist diese Ebene: Das Primat der Eitelkeit der reinen Bühnenexistenz. Wenn er nicht erwähnt wird, verliert er und ist zernichtet. Er muss also erwähnt werden, egal wo, egal von wem, nur erwähnt muss er werden. Etwas Anderes zählt nicht.

Darum war er so stolz wie Bolle gewesen, dass das Simon Wiesenthal Center ihn einst lobend erwähnt hatte, und es machte ihn jetzt stolz, dass ich ihn im Gericht erwähnt hatte. Ich hörte diesen Stolz am Telefon, obgleich er nichts sagte. Die Pause war’s. Nennt sich das im Bühnenjargon Kunstpause?

Des Mannes stolze Kunstpause, weil er wieder erwähnt worden war, ja die sagte alles, was man über den B-mann wissen kann.

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