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Anderer Leute Honig

Hauswände angucken ist auf regionalpolitischer Ebene manchmal informativer als zeitunglesen – es ist immer irgendwo ein Spruch oder ein Aufkleber mit dem, was jemandem wichtig ist; und im Gegensatz zum Internet auch noch völlig unbeobachtet. Letzte Woche also tauchte an einer Hauswand hier in der Nähe dieser Aufkleber auf: Ackergifte? Nein Danke! Was so ein kurzes Bickerl einem natürlich nicht vermitteln kann, ist Kontext. Die Comicfigur ist offensichtlich eine Biene, und dem Kleber-Kleber brennt es auf den Nägeln daß jemand die Äcker und damit die Bienen vergiftet; offensichtlich ist in mehrerer Hinsicht eine Sauerei im Gange. Ohne Clas Lehmann, der Imker ist und auch schon über das Thema geschrieben hat, wüßte ich aber nicht, worum es geht: daß Neonicotinoide, eine Sorte Insektenvernichtungsmittel, jetzt auch in amerikanischen Nationalparks erlaubt und wohl bedeutend langlebiger sind, als bislang gedacht. Hier ist, aus mehreren Beiträgen zusammengeschnitten, was Clas dazu schreibt:

Neonics […]: Die sind hochpersistent und ultragiftig, irreversibel dazu, für alle Articulaten. […] Substanzen, die als einstellige Nanogrammdosen schon töten, recht unspezifisch alle Artikulaten, sollte man nirgends hintun und gar nicht zulassen. Zumal dann nicht, wenn sie hoch persistent sind, systemisch wirken. […] Es gibt eine vernünftige Regel, dass Substanzen von hoher Wirksamkeit eine Halbwertzeit im Boden von höchstens 180 Tagen aufweisen. So kann es zu keiner Anreicherung kommen, Nachgemessen wird das aber nicht, nur abgehakt, das es da steht, in den Genehmigungsunterlagen. Beim Nachmessen wurden bis über [fünf Jahre lange Halbwertszeiten] gefunden. Das müsste eigentlich belegen, dass die Angabe […] falsch war, die Zulassung also erlogen und erschlichen wurde. Leider hat das nicht zur Folge, dass die dann erlischt.

Alles, was auf so Flächen oder in der Entwässerungslinie so artikuliert, und eigentlich in the war on pests non-target ist [ist von diesen angereicherten Giften betroffen]. […] Gemeint sind die nicht, die Brachypoden, aber sie haben halt wohl den selben Acetylcholinrezeptor, und wenn der blockiert wird, durch eine Substanz, die da nicht mehr abgeht… Dann geht es nur noch um die Frage, ob die ihre Nervenverbindungen selber bräuchten, für irgendwas. Je komplexer das notwendige Verhalten, desto anfälliger gegen störende Dauerreize. Deswegen ist Daphne auch eher ungeeignet, um neurotoxische insektizide Einträge in Gewässer zu bewerten: hüpfen und strudeln ist eher unterkomplex. Mückenlarven sind da als Zielorganismen auch eher schwer zu treffen.

[…] Vom Regenwurm über Collembolen bis zu Laufkäferlarven und Bienen sind allerhand Nützlinge dabei, die kollateral mit erledigt werden. Deutlich weniger [dieser Tiere sind zu finden]. Andere wären zum Beispiel Stallfliegen, die etwa von Schwalben gefressen würden. Weg, als Nahrungsgrundlage betrachtet. In den Gewässern larvieren Köcherfliegen, Zuckmücken, Libellen… alle viel empfindlicher als Wasserflöhe, die jedoch auch. Die sind Nahrungsgrundlage für Fische, die Imagines auch etwa für Schwalben. Vor dem Verbot für 3 Neonicotinoide haben die [Vögel], aus Mangel und Not, meine Bienen bejagd. Sowohl hier als auch im Moor, wo sie von ihren Nestern ein bis zwei Kilometer fliegen mussten. Ihnen gegönnt, obwohl ich nicht einsehe, mit meinen Tieren den Schaden, den andere anrichten, zu ersetzen.

Ach, und naturgemäß ist es noch komplexer: Im Grünland wird heute, vermöge des Simplex, alles bekämpft, was 2 Keimblätter hat, und wegen der Düngeverordnung und der als solcher ja nun mal angefallenen Gülle und der Gärreste auch, sind nun so Leute wie Klee nicht mehr erwünschte Stickstoffsammler, sondern als solche betrieblich schädlich… Kollateral… Damit fehlt dann etwaigen Wildbienen die Nahrungsgrundlage, woraufhin sie von einem Startup gezüchtet werden und verkauft und ergo als viel effektiver und besserer angepriesen und die Honigbiene bezichtigt, denen ja das Futter wegzufressen und gar nicht effektiv zu bestäuben. Gezüchtet? Sagen die ja, aber etwa fern in der Türkei hört man, es würden da Hummelköniginnen wegefangen…

Ein paar Fußnoten von mir:

Eine „Wartezeit“ (so heißt das ganz offiziell) kenne ich auch, von Tierarzneimitteln. Auch Nutzvieh wird mal krank; und um sicherzustellen daß etwa das, was der kranken Milchkuh wieder auf die Beine hilft nicht in der Milch landet wird die Kuh sozusagen krankgeschrieben, bis alle Reste der Arznei ausgeschieden sind. Und die Zeit, für die die Milch dieser Kuh nicht als Lebensmittel taugt, ist eben die Wartezeit. Ähnlich ist es mit Pflanzenschutzmittel: auch da gibt es eine Mindestzeit zwischen dem Einsatz des Mittels und der Ernte. Das wird auch im Normalfall alles kontrolliert und überwacht – ab und zu versagt aber diese Überwachung, und dann gibt es den Lebensmittelskandal. Was das um die falsch angegebene Halbwertszeit bei Neonicotinoiden auch sein sollte!

Dann die Sache mit den Grenzwerten: für Menschen sind die sehr sicher festgelegt (wie ich bei Feinverstaubt schonmal erklärt hatte), selbst eine massive Überschreitung schadet direkt noch niemandem – aber so eine Biene ist eben kein Mensch! Deshalb gibt es eine eigene Bienenschutzverordnung. Kurioserweise gilt die für alles außer Hopfen und Kartoffeln: für die gibt es eigene Gesetze, die mehr oder weniger dasselbe regeln. Aber ich muß ja Gesetze nicht verstehen, oder?

Eine Apotheke muß allerdings alle diese Gesetzestexte auf Papier gedruckt zum nachschlagen da haben (deswegen weiß ich das mit den Kartoffeln). Das muß ich auch nicht verstehen, braucht aber einen ganzen Schrank voller Wälzer.

tapferimnirgendwo, verloren, zerschlagen, Community, WEG, zerstreute Community, Buurmann, wegmachen, weggemacht, Community gelöscht (alles #tags zum Finden)

Auf Aris besonderen Wunsch – und meinen auch! nur Ari hat sich extra die Mühe gemacht die Namen zusammenzuschreiben – folgt eine Suchanzeige nach den Kommentatoren bei TiN. Vielleicht sucht ja jemand andere oder sich selbst und findet so jemanden wieder:

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Ein Gastbeitrag von Robert Cohn

Hier eine Namensliste aus dem Gedächtnis von jenen, die im Blog Tapferimnirgendwo schrieben. Es waren alles reale Personen, jeder Einzelne; keiner möge vergessen werden. Seit vorigem Montag (2. Oktober ’17) schreibt dort niemand mehr, weil der Blogbetreiber an diesem Tag gegen 13 Uhr mit einem Schlag alles gelöscht hat.

Etwa hunderttausend Kommentare aus sieben Jahren hat er gelöscht, alle Spuren der einst dort Anwesenden sind weg, nichts ist übrig. Ich habe aus dem Gedächtnis eine Liste der Namen gemacht, an die ich mich erinnere. Bestimmt habe ich noch wen vergessen!, ich bitte Euch, die Ihr das lest, jene Namen zu ergänzen, die Euch noch einfallen.

Es sind Namen von 2011 bis 2017, die Zeit, als ich selber dort schrieb. Zur selben Zeit schrieben dort immer etwa zwanzig Leute, manche davon über Jahre. Man kannte einander gut.

Aurorula
Caruso
Dante
American Viewer
davboe
Abifiz
Taurus1369
bm98000 (Beatrice Mayer)
Yael
Schula
Chajm
M.
hansi
Clas Lehmann
Gutartiges Geschwulst (Wolfgang Scharff)
Aristobulus
Hessenhenker
zweitesselbst
Eitan Einoch
pokemon273
Mella Ell
quisa
Kwezi
Arme Sau
A.mOr (lewrak, Geist, Zorro)
Hein
Frase0815
Jan
Couponschneider
Limbisches System
Bachatero
Mike Hammer
Zahal
Paul
medforth
Eliyah
anti3anti
Bergstein
Bruno Becker
Kanalratte
A.S.
David Serebrjanik
Phillip
A.Bundy
ZetaOri (Danny Wilde)
martin
Abusheitan
Sophist X
Silke
A. Caldonazzi
toyotapur
Markus Leuthel (Römpöm)
DuDu
Gudrun Eussner
SchallundRauch
Gogo
Shaze86
Schum (Jole)
Monika Winter
O.Paul
Nordland
peter
quirin
Antje Aging
unbesorgt (Roger Letsch)
Krokodil
Ceterum Censeo
quer
Melanie
Jaklin Chatschadorian
Georg Mrozek
Metropolenmond
Moser
predo
wollecarlos
wollesgeraffel
Alexej Pawlowitsch
Malte S. Sembten
Ima
Nachklapp: ich habe die Namen aus dem Artikel und den Kommentaren alle als Schlagworte unten angehängt, falls sich jemand selbst sucht.