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Aber wo geht sie hin, die Macht?

Das hier wird so eine Art Gegenentwurf zu den ganzen Wahlempfehlungen, die im Zuge der anstehenden Bundestagswahl allerorten herumtönen: wählt die hier! oder: nein, wählt die anderen! oder: nein, wir sind die Besten und gehören gewählt. Hier also auch eine Art Wahlempfehlung:

Ist echt empfehlenswert, so eine Wahl. Nein, wirklich:

„Steinmeier ist der Präsident von 80% der Deutschen.“
habe ich als Kommentar in einem anderen Blog gelesen. Und zwischen den Zeilen mit, was daran eindeutig ist: der kann, sanktioniert von vier Fünfteln des Landes, machen was er will, und wem das nicht passt, der kann garnichts machen. Das gleiche gilt natürlich für das Duo Merkel/Schulz und den ganzen Rest der Politikerdarsteller.
Dann habe ich allerdings angefangen zu rechnen, und bin fast vom Stuhl gefallen: Der 80-Prozent-Präsident heißt, die restlichen 20%, die nichts gegen ihn tun können sollen, sind 16 Millionen Leute. Wenn er direkt (ab)gewählt werden könnte, die ihm alle sauer und sich einig wären, hingingen, sagten: „den aber nicht!“, und die Wahlbeteiligung so ausfiele wie üblicherweise bei der Bundestagswahl, dann sind das sogar eine absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Wie in: mehr als 50% der üblicherweise etwas weniger als 30 Millionen eintreffenden Wahlzettel. Eine ganze Menge dafür, um ihnen zu sagen, sie sollen einfach die Klappe halten.

Papierkorbstimmen der anderen Art: Wahlurnen in München

Ich bin selbstredend nicht die einzige, der das auffällt: einigermaßen seriöse Wahlumfragen zeigen, daß Leute die nicht wählen gehen weder zu faul noch zu blöd dazu sind, oder gar in der Schule in Sozialkunde gepennt hätten; sondern schlicht die Schnauze voll vom Politikbetrieb und nicht das Gefühl haben, daß sie gehört werden. Dementsprechend werden je höher die Wahlbeteiligung ist, im Verhältnis um so weniger die etablierten Parteien gewählt. Kein einzelner Regentropfen löst für sich allein eine Flut aus… wenn es stark regnet, sieht die Sache aber ganz anders aus. Das Gesicht der Von-Oben-Herabkümmerer-Politiker jedweder Couleur, die jahrzehntelang die Leute mit Sprüchen wie „der Tropfen auf den heißen Stein kann der Anfang eines Regens sein“, äh, „motiviert“ haben ihre ungerecht(fertigt)erweise als „bürgerliches Engagement“ etikettierte Arbeit für sie zu tun, deren Gesicht würde ich gern sehen, wenn die Flut aller Tropfen die alle Fässer zum überlaufen brachten stattdessen sie überrollt.
Übrigens muß für Martin Schulz ja alles was mit Wasser, und besonders Wassermengen, zu tun hat nochmal genau erläutert werden, also: Sechzehn Millionen Tropfen sind ziemlich genau ein Kubikmeter (ein Milliliter Regenwasser sind je nach Tropfengröße, sprich Gewitterheftigkeit, so Pi mal Daumen zwischen 15 und 20 Tropfen). Wie in: tausend Litern, oder dem Wasserverbrauch von einer Woche. Er wiegt eine Tonne: eine metrische Tonne symbolischer Volkszorn. Doch, das fällt ins Gewicht [/zynismus].

(Einschub: was wäre wenn alle Tropfen eines Gewitters als einziger Tropfen herunterkämen, von xkcd: https://what-if.xkcd.com/12/ )

Das über die Wahlbeteiligung sollte viel mehr weitergesagt werden, und zwar genau so, mit der Ergänzung, wer da vielleicht doch kommt, und nicht ohne.
Ich vermute nämlich fast, die etablierten Politikgurus und Leuteerziehwoller machen so dusselige Werbespots für mehr Wahlbeteiligung in denen sie die Nichtwähler als blöd und faul und demokratienachhilfsbedürftig darstellen, weil die Chance dann größer ist daß niemand auf sie hört: sowohl die Leute denen der Politikzirkus zu blöd und arrogant und bevormundend ist nicht auf die Pseudostaatstragenachhilfespots, als auch die Politiker auf diejenigen die das was sie tun nicht in Ordnung finden.

Deswegen also doch eine Wahlempfehlung, für die die eine lesen wollen: hört nicht auf die blödgekrampften Werbespots, wählt was auch immer Ihr wollt. Aber wählt, was auch immer ihr wollt. Und damit das was Ihr nicht wollt: ab! Geht hin und sagt den Politikclowns, wo der Frosch die Locken hat. Sonst merken die es nie, wenn sie es nicht dann gesagt bekommen, wenn sie zuhören müssen: die haben nämlich keine Wahl, ob sie auf das Ergebnis auch hören.

 

Und was passiert wenn was herauskommt, das „denen da oben“ nicht passt; das kann man sich bei Pat Condell über das Brexit-Referendum anhören, das den Regierenden auch überhaupt nicht gepasst hat:

… ein kleines P.S. habe ich noch, wo es gerade um Wahlen und die EU geht. In der Verfassung – die ist nicht nur dazu da, um Trolle vor Trolljägern, Atomkraftbefürworter vor Energiegewendeten, Minirockträger vor Grapschern, Fleischliebhaber vor Veganern, und Umweltsäue vor Kohlrabiaposteln zu schützen, sondern auch explizit die Regierten vor der Regierung und die Bürger vor den Politikern; immer gut also wenn man deren vollen Wumms kennt, falls jemand einen in ein „Wir“ zwingen will, in das man nicht möchte – steht über Wahlen was von: allgemein, unmittelbar, frei, gleich, geheim.
Die EU tut in allem so ziemlich das Gegenteil. Wer dort was zu sagen hat, bestimmen diejenigen, die die Kommissare entsenden (nix unmittelbar, und schon garnicht allgemein). Jemanden in die EU schicken zu wollen, der auch tatsächlich die regionalen Interessen derer vertritt die ihn geschickt haben, gilt (auch wenn es das nicht ist, sondern ein völlig legitimes Gehörtwerdenwollen) automatisch als nationalistisch, rechts und böse an sich (manche Entscheidungen sind eben gleicher als andere: hat sich was mit frei). Die Griechen etwa dürfen nicht mal jemanden in ihre eigene Regierung wählen, der den Eurokraten sagt: so aber nicht; und die Briten dürfen das der EU auch nicht selbst sagen. Am gleichesten ist hier immer noch Martin Schulz, nicht die Briten oder die Griechen oder selbst die Leute die er nominell vertreten sollte – und die von ihm aber nicht vertreten werden wollen.
Bleibt noch als einziges: keiner braucht den Politokraten zu sagen, wem welche Stimme gehört, wenn er das nicht will.
Es ist was die EU betrifft höchste Zeit, sich die Frage zu stellen: alle Macht geht vom Volke aus – aber wo geht sie hin?

Wo geht sie hin? Gute Frage, nicht nur was die EU betrifft.

Ich drücke den Leuten in NRW die Daumen, daß ihre Stimmen heute gehört werden. Das müssen sie schließlich.

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Zeitungen können nicht zählen

Zu Zeiten der inzwischen glücklicherweise untergegangenen Sowjetunion berichteten die Zeitungen – angeblich – über ein Rennen, bei dem die glorreiche Sowjetunion als zweites ins Ziel kam, und die Amerikaner als vorletztes. Außer ihnen beiden, das schrieben die Zeitungen nicht, war niemand angetreten.

An diese Methode, wie man natürlich auch schreiben kann, daß die Sowjetunion gegen die Amerikaner verloren hat, muß ich gerade denken, wenn ich die Meldungen über die niederländischen Wahlen lese:

Jetzt reden alle Nachrichtenagenturen mit viel Sendezeit und Druckertinte hämisch-schadenfroh von „Sieg gegen den Rechtspopulismus“ und „Dämpfer für Wilders“ – und was ist eigentlich passiert?
https://en.wikipedia.org/wiki/Dutch_general_election,_2017#Results
Mark Rutte hat gegenüber der letzten Wahl ein Bißchen mehr als fünf Prozent Stimmen verloren, Geert Wilders drei Prozent gewonnen und stellt mit 20 Sitzen die zweitstärkste Fraktion im Parlament. Alles in allem selbst in Rutte-freundlicher Interpretation also mehr oder weniger unverändert, mit einem deutlichen Zeichen der Unzufriedenheit an die Adresse Mark Ruttes.
Zeitungen können nicht zählen.

Oder sie wollen gar nicht objektiv berichten, sondern Meinungsbildung betreiben. Erinnerungen an den Witz oben „sind weder zufällig noch absichtlich, sondern unvermeidlich“, wie es in einem treffenden Vorwort einmal hieß. Sogar über eine Zeitung*.

 

(*Fußnote: das Buch zum Vorwort ist die verlorene Ehre der Katharina Blum)

Trump-Karikaturen im Netz

Morgen ist die Amtseinführung des neuen Präsidenten der USA, ergo, Zeichner überall laden schon die Kugelschreiber durch, wetzen die Federn und spitzen die Bleistifte. Na dann, Feuer frei 🙂

Bei heplev entführt habe ich die nächsten vier:

 

Wie Paul Noth sich den Amtseid vorstellt.

Auch Mike Luckovich hat innovative Vorstellungen. Überhaupt finden sich viele „Hair Force One“-Bilder: mit Trump-Frisur auf Flugzeugen – und allem möglichen anderen. Mein Liebling ist der Pfau von Powerlineblog:

Das ist fast schon das Siegel des Tweets der Vereinigten Staaten (immer noch von heplev entführt):

Während sich Dry Bones fragt, ob es überhaupt zur 45. Präsidentschaft kommt:

. (Leider hat das Programm hier ein Problem damit, die Bilder vollständig anzuzeigen…)

Kurzgedanken die niemand braucht: Keine-Wahlzettel

Die Regierung bilden, 2017 wieder, nach der Bundestagswahl keine Parteien, sondern Koalitionen. Zur Wahl stehen aber Parteien.

Was heißt, daß ich als Wähler nur indirekt einen Einfluß auf die Regierungsbildung habe. Meine Stimme zählt dafür, wer in den Bundestag kommt – wenn diejenigen die ich wähle denn in den Bundestag kommen, sonst zählt sie garnicht – aber dann? Genausowenig wie ich Koalitionen abwählen kann, könnte ich die dementsprechenden Koalitionsverträge abwählen. Und das hätte ich, wirklich, 2013 wirklich gern gekonnt. Trotzdem – meine Wunschkandidaten heißen ja nicht Clinton – nicht heulen, beim nächsten Mal versuchen abzuwählen. Aber.

Aber: Auf die Regierungsbildung hat das, was ich denn wählen kann, und wähle, nur indirekten Einfluss. 2017 hat es garkeinen, habe ich mir gerade überlegt. Denn was wähle ich denn, wenn ich keine vierte Merkelregierung will? Daß zwölf Jahre eine Soße nun wirklich genug sind, ist ja keine so extreme Ansicht daß es unmöglich sein sollte. Das ist es aber fast. Für mich als Merkel-gerne-Abwähler könnten die Wahlzettel gleich so gedruckt werden:

o Merkel

o GroKo-Merkel

o Papierkorbstimme wahrscheinlich, mit Chancen auf Schwarzgelb-Merkel

o Verhältnisbeschaffer für GroKo-Merkel mit Chancen auf Schwarzgrün-Merkel

o Verhältnisbeschaffer für GroKo-Merkel, eigentlich unkoalierbar

o Verhältnisbeschaffer für GroKo-Merkel, eigentlich unwählbar

o Papierkorbstimme sicher.

Tja. Dann. Meine Unzufriedenheit mit der derzeitigen Regierung kann ich bei der Wahl schon ausdrücken, aber Ausdruck ist alles, was daraus resultiert. Mit kleinen Chancen darauf, daß genug Leute ihren Protest gleich ausdrücken (das müßten aber schon sehr viele sein), um diese Morton-Gabel doch noch zu kippen. Na, denn mal loskreuzen… Hohe Wahlbeteiligung? In Deutschland? Wovon träume ich eigentlich nachts?

Nachklapp: Meine Wahlprognosen beruhen auf dem aktuellen Stand der berühmten „Sonntagsfrage“(/Zitat) – sowas finden Suchmaschinen. Und momentan finden die für eine angenommene Wahl heute: von kleineren Parteien vertreten Grüne, Linke, AfD und vielleicht mit ziemlich genau 5% FDP, mit zusammen circa einem Drittel der Stimmen; die restlichen Zweidrittel recht gleich halbiert auf SPD und Union, letztere hat knapp die Nase vorn. Das ergibt also weitere vier Jahre GroKo, da führt nur der Weg vorbei daß, wie ich schon sagte, genug Leute wählen gehen die nicht gefragt wurden, damit diese Stichprobe nicht die wirklichen Verhältnisse abbildet.

Soll vorkommen.

 

Nachklapp: Pfeffermatz bringt das ganze in Versform: https://pfeffermatz.wordpress.com/2016/12/12/sonett-fuer-angela/

Cartoon: Trumpus

Im süddeutschen Raum, Österreich und der Schweiz gibt es in der lokalen Mythologie einen Begleiter des Heiligen Nikolaus, einen ehemaligen Dämon namens Krampus. Nachdem (Donald) Trump + U.S. = Trumpus sich fast genauso anhört und sowohl Trump als auch die USA zur Zeit recht dämonisiert werden, schreibt sich dieser hier fast von selbst:

0701eundesiebeneins

0702eundesiebenzwei

0703eundesiebendrei

Diesmal teilweise mit verlaufener Tinte 😳 , und wo ich den Old Nick and Saint Nick go visiting her habe, weiß ich leider auch nicht mehr.

Dafür ein Link zu einem Artikel, wie die Europäer derzeit über Donald Trump und die USA denken: https://www.gatestoneinstitute.org/9372/trump-europe-anti-americanism