Politische Webereien (teilweise Reblog)

Vor einigen Tagen hat Unbesorgt einen Artikel mit dem Namen „Die GroKo-Weber“ herausgebracht, in dem er Heinrich Heines Schlesische Weber auf die große Koalition umdichtet.

Die große Koalition ist eine derartige K…onstellation, da schreiben sich solche Gedichte fast von selbst. Also will ich auch mal 😀 :

Im leuchtenden Auge die Kroko-Träne,
Sie lachen fürs Foto und zeigen die Zähne:
Deutschland, wir (f)ordern Dein Leichentuch,
Aus feinem Damast, mit dreifachem Fluch –
Wir ordern, wir fordern!

Ein Fluch dem Volke, das uns hat gebeten
Dem Bündel aus Kälte und dumpfgaren „Nöten“,
Auf die sie vergebens gehofft und geharrt:
Wir haben geäfft und gefoppt und genarrt –
Wir ordern, wir fordern!

Ein Fluch den Neidern, den „Satten“ und „Reichen“,
Die Marx und Engels nicht konnten erweichen;
Die Privilegien sein ihnen erpreßt,
Bevor der Djihad sie erschießen läßt –
Wir fordern, wir ordern!

Ein Fluch dem alten Vaterlande,
Der steten Quelle von Schmach und Schande,
Wo Multikulti früh geknickt,
Wo Fäulniß und Moder den Plebs erquickt –
Wir fordern, wir ordern!

Das Schiffchen fliegt, der Webstuhl kracht,
Das Volk zahlt emsig Tag und Nacht –
Sie zahlen ihr eigenes Leichentuch,
Wir fordern hinein den dreifachen Fluch,
Wir fordern, wir fordern!

.

Das erinnert mich nun freilich an ein anderes Heine-Gedicht: Ich kenne die Weise, ich kenne den Text / Ich kenn auch die Herren Verfasser / Ich weiß es sie tranken heimlich Wein / Und predigten öffentlich Wasser.

.

Die Gedicht-Version von unbesorgt ging so:

Im düstern Auge keine Träne,
Sie sitzen im Reichstag und fletschen die Zähne:
Deutschland, sie weben dein Leichentuch,
Sie weben hinein den dreifachen Fluch:
Sie weben, sie weben!

Ein Fluch dem Lande, in dem sie geboren,
durch Wahlen man hatte sie auserkoren.
Wir haben vergebens gehofft und geharrt,
man hat uns geäfft und gefoppt und genarrt –
sie weben, sie weben!

Ein Fluch der Freiheit, die einst wir erkämpften,
die Hoffnung darauf mit Verbot jene dämpften,
die den letzten Euro von uns nun verprassen,
und uns wie Hunde beschimpfen lassen:
Sie weben, sie weben!

Ein Fluch des freien Unternehmens,
Verteilung statt Leistung sei Sinn des Lebens!
Die Weber zum Sozialismus blicken,
Wo Fäulnis und Moder den Wurm erquicken:
Sie weben, sie weben!

Die Rede fliegt, die Verachtung lacht,
Sie weben emsig Tag und Nacht –
Deutschland, sie weben dein Leichentuch –
sie weben hinein den dreifachen Fluch:
Sie weben, sie weben!

.

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Veröffentlicht am Februar 3, 2018 in Fremde Feder, Kein Smalltalk, Politik und mit , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 8 Kommentare.

  1. Ach Leute, Ihr seid aber auch immer so furchtbar pessimistisch mit Euren Prognosen und so negativ bei Euren Heine-Interpretationen und vergesst ganz die Wohltaten, welche uns die (eigentlich egal wie)-Koalitionäre schon gebracht und noch mehr für die Zukunft versprochen haben.
    Dabei hat Heines Heinrich die doch, wenn auch etwas verengt, ausdrücklich gepriesen in seiner …

    Verheißung

    Nicht mehr barfuß sollst du traben,
    Deutsche Freiheit, durch die Sümpfe,
    Endlich kommst du auf die Strümpfe,
    Und auch Stiefel sollst du haben!

    Auf dem Haupte sollst du tragen
    Eine warme Pudelmütze,
    Dass sie dir die Ohren schütze
    In den kalten Wintertagen.

    Du bekömmst sogar zu essen –
    Eine große Zukunft naht dir! –
    Lass dich nur vom welschen Satyr
    Nicht verlocken zu Excessen!

    Werde nur nicht dreist und dreister!
    Setz nicht den Respekt bei Seiten
    Vor den hohen Obrigkeiten
    Und dem Herren Bürgermeister!

    Seht Ihr, SO geht positives Denken! Und das völlig ohne Bearbeitung. 😎
    Na gut, die Satyrn sind längst keine ‚welschen‘ mehr sondern kommen eher aus ’nem politisch missliebigen Lager, und die grassierende Respektlosigkeit macht ja heute nicht beim kleinen Bürgermeister halt sondern durchdringt alle Schichten von Staat und Gesellschaft und trifft andersdenkende Nachbarn und Arbeitskollegen genauso wie Rechtgläubige bestimmter Ideologien und deren Götter, wohlmeinende Medienvertreter so wie staatliche Autoritäten, Polizisten, Minister, Präsidenten diverser Staaten, ja, Kanzlerinnen gar. (Von Koalitions-Webern gar nicht zu reden!)
    Und vielleicht hätte der olle Heinrich heutzutage neben den Verheißungen für’s körperliche Wohl noch ein Ströphlein für die geistigr Freiheit angefügt? Etwa so:

    Du darfst lesen, schreiben, reden
    Was du willst und wie’s dir frommet.
    Solang dir kein Maas’scher Zensor
    Dabei in die Quere kommet.

    …oder so ähnlich.
    Aber ansonsten war der da doch nicht nur poetisch sondern auch recht prophetisch, gelle?
    :mrgreen:

    Btw.:
    „Das erinnert mich nun freilich an ein anderes Heine-Gedicht: Ich kenne die Weise, ich kenne den Text / […]

    Ach, das war doch …


    … das alte Entsagungslied,
    Das Eiapopeia vom Himmel,
    Womit man einlullt, wenn es greint,
    Das Volk, den großen Lümmel.

    … nicht wahr?
    Vorgetragen „… mit wahrem Gefühle und falscher Stimme …“ von einem kleinen Harfenmädchen?

    Hmmm …
    😀

    Gefällt 2 Personen

    • … vorgetragen von einem welschen, weißen, reichen, menschenverachtenden, zionistischen Satyr, der/die/das sich als Sara Wagenknecht und Bärbel Besenbrock (hieß die nich‘ so?) verkleidet hat.
      Hm. Also denkbar optimistisch gesprochen jezze 😀

      Gefällt 1 Person

      • „… vorgetragen von einem welschen, weißen, reichen, menschenverachtenden, zionistischen Satyr, der/die/das sich als Sara Wagenknecht und Bärbel Besenbrock (hieß die nich‘ so?) verkleidet hat.“

        Ach?
        Und ich war der festen Überzeugung, jenes kleine Harfenmädchen sei selbiges gewesen, welches auch dies hübsche Solo-Stückchen „Wir schaffen das“, jenes Eiapopeia vom braven ‚Schutzsuchenden‘, intoniert hat.
        Aber nee, stümmpt, das war ja das dicke Blockflöten-Mädchen.
        (Wobei ich gerade daran herumrätsele wie man es fertig bringt, beim Flöten auch noch zu singen. Na, egal, DIE schafft das, wenn auch sonst nix Gescheits!)

        Gefällt 1 Person

        • …Und je schwerer verständlich so ein Text ist, desto wertvoller wird er, durch die Mühe des Dechiffrierens, und desto überzeugender durch die AHA!-Das soll das heißen! + Freude —> Das heißt das, und so ist es.-Ereignisse, die es dabei gibt. Kennen wir doch alle vom Verstehenwollen irgenwelcher fremdsprachigen, womöglich genuschelten oder zerschrieenen Liedertexte.

          Das Bedenken der Inhalte setzt erst wieder ein, wenn der fortschreitende Spracherwerb die Mühe mindert.

          Insofern: zielkongruent, inhaltlich schwächliches in die Flöte zu murmeln. Was der Klarinette recht ist, billige auch der Blockflöte zu! Außerdem kann man ja auch abwechselnd, und dann besonders extatisch flötend, das Gesungene bekräftigen. Gab es da nicht mal einen Herren Anderson oder ähnlich?

          Wobei, hm, Extase in dem Zusammenhang… ?

          Wollen wir verzichten?

          Gefällt 1 Person

        • Es muß ja nicht verständlich sein, Hauptsache es hört sich gut an. Dann ist es für politische Zwecke sogar besser, wenn es unverständlich ist und sich gut anhört, á là „besser ist gut für alle!“. 🙂

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        • Clas Lehmann

          Die Partei plakatierte hier kommunal: „Du bist schön!“, stand dann aber nicht auf dem Stimmzettel…

          Ich hätte sie schon wählen können wollen, und also auch nicht wählen können wollen, aber weder, noch…?

          Gefällt 1 Person

  2. Knapper hielt das Gerd Manfred Arndt, der da schrub: „GroKoharam!“. Trejfe läge ihm zwar eigentlich näher, aber des Wortspieles wegen dann doch haram.

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