Freitagstexter die zweite: alte Geschichte(n) neu erzählt

Um es mit den Worten von Lakritze zu sagen: der Bembel ist ein Bumerang! Und eigentlich sollte ein Bumerang entgegen der landläufigen Meinung frei nach Pratchett ja nicht zurückkommen – sondern dort steckenbleiben wohin er geworfen wird, vorzugsweise im künftigen Abendessen.

Statt des Abendessens gibt es natürlich die nächste Bildposterunde (Bild-poste-Runde? Bild-Poster-und-Eh? … und für irgendwelche Oster-Silbereien ist mir jetzt die falsche Jahreszeit!) zu erjagen; die Regeln hatte ich verlinkt als ich den Bumerangpokal vor sechs Wochen losgeworfen hatte, ansonsten gibt es sie auch beim Wortmischer.

Vielen Dank auch nochmal an den Wortmischer, der mir für eine etwas lockere Englischübersetzung der Worte tired und gerädert den Pokal und die nächste Runde verliehen hat 🙂 Without further ado also hier das „neue“ Bild:

Antiquitätentrödelladen oder Spukschloss, das ist hier die Frage…

Aber vielleicht ist ja auch ganz was anderes zu sehen? Viel Spaß beim mitspielen! 😀

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Veröffentlicht am Dezember 1, 2017 in Bilder, Smalltalk und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 23 Kommentare.

  1. Spiegel blind? Oder ich Vampir?

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    • Sie Foto guck‘ und sich wahrscheinlich nicht im Foto spiegel‘ 🙂

      P.S.
      Eine adäquate Bildunterschrift ich glaub ich schwer-. Hmm. Was könnte da stehen-?

      „Kraahbraah“, ächzte Graf Krolock und schob sich von der Kante seines Fauteuils. Weil er solches schon oft und öfter gethan hatte, sah man es der Kante an, und dem Grafen Krolock sah man es gleichfalls an, was er freilich selbst wusste, weswegen er nochmals vernehmlich krächzte.
      Herrjeh!, dieses Krächzen. Seit dem frühen achtzehnten Jahrhundert hatte Graf Krolock nicht mehr geniest. Er sehte sich seit dem frühen achtzehnten Jahrhundert nach einem Nieser, allein es war ihm seitdem nicht vergönnt.
      Mit einem Krächzen voller Ingrimm schob sich Graf Krolock zum Spiegel an der Wand. Der hing da seit dem Lenz von 1728, und seit Blühen jenes fernen Jahres 1728 hatte sich Graf Krolock nicht mehr darin erblickt. Im irrlichternden Schimmer des Mondes riss er jetzt den Spiegel von der Wand, starrte hinein!, jedoch vermaledeit!, nichts war zu sehen.
      „Seyn oder Nichtseyn?!“ krächte Graf Krolock. Er legte den Spiegel auf den Fauteuil mitten ins Mondlicht, es musste doch etwas zu sehen seyn!, er war doch ein ansehnliches Mannsbild, dem ein Spiegelbild wohl anstand!, galt er denn bloß noch als flüchtiger Schatten und weher, ghoulischer Spuk der Nacht?, jedoch oh Weh, oh Graus, oh Herzeleid!, wahrlich, nichts im Spiegel war zu sehen außer grausen, grauen Schleiern.

      Mit einem vernehmlichen Krächz und Krotz und Sprutz und unter Aufbietung aller verblassender Kräfte der mondigen Nacht verwandelte sich Graf Krolock jetzt in ein Stück Holz aus geringelter Roccaille. Unten war das Stück Holz eine Nase, ja, da waren zwei Nasenlöcher, nur zu erkennen, wenn man sie erkannte. Das wollte Graf Krolock so wegen des Niesens, und wegen überhaupt allem. So wie bisher ging es doch nicht weiter. Was war das für ein Leben, seit mindestens 1728 nicht niesen zu können und kein Spiegelbild zu haben!, so konnte das doch nimmermehr weitergehen!, neinneinnein, selbst wenn man sonst immerhin ein Fürst der Finsternis war!, so ging das nicht.
      Vielleicht ging es jetzt, als ein Stück Holz aus Roccaillen mit Nase dran?

      Von nun an hoffte Graf Krolock, dass ihn hier jemand fände und ihn mit nach Hause nähme.
      So lag er da, lag, lag, und harrte des Kommenden – – –

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      • Und dann aber: Dieser unerhörte, dem Grafen nie zuvor geschehene Ehrabschnitt: Nahte *sie* sich und richtete ein despektierliches Spektiv, soviel er kannte und wußte, trotz immer noch und weiterhin zwar juckender Nasenlöcher und reizenden, jedoch ausbleibenden Nießes, den er so gebraucht hätte, den Nieß… richtete Spektiv und mit einem Klick ward er hinwegerissen und in winzigste Pixel zerlegt, und immer noch und noch und noch kein Nieß noch Nies, ach! Holz hin Roccaillien her und Canaillien zum dritten,,, Oder Kamelien, wegen Dame?

        Ach! Unbekömmlich ist die Zerpixelung der Gedächtnisleistung! Holz nun also auch nicht mehr, nur mehr Graustufenwerte…

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        • 😀

          … wobei Graf Krolock eben dies schon lange jenen Malern zugerufen hatte, welche Dinge, die doch da sind, in Farben auflösen, die doch nur Farben sind, sintemal auf diese Weise aus veritablem, frisch geschoss’nem Hirschbret glattweg allegorische Stilleben wurden, die keiner essen konnte, und aus freundlichen Damen wurden somit glattweg diese wuchtigen Rubensschen Ölmonstren an der Wand, die keiner je herzen konnte, es sey denn, es gelüstete ihn nach tonnenschwer herabfallenden Gemälden.

          Ferner befürchtete Graf Krolock, dass durch das despektierlich-reputierliche Spektiv, welches *sie* da soeben im Mondlichte zückte, ein gewißes, unnennbares, erschröckliches sinistres Ding befreit werden könnte. Das ja im Spiegel stak, im Glase des Spiegels, bloß sichtbar für die Ghoule, die Lamiae und die Spektren der Nacht, und vielleicht ja auch für so ein Spektiv, welchselbiges es (horribile dictu) sichtbar machen könnte-.

          Nun, welches Ding?, man wird es füglich mit Ungeduld erfahren wollen. Das Ding war ein wüster, irrender Golem, welcher im Spätherbst des Jahres 1727 die Gefilde der Karpathen heimgesucht und die Bauern, die Käthner, ja selbst die Thiere des Waldes in ohngebührliches Erschrecken versetzt hatte. Der Rebbe Elimelech, ein Gefreundter des Grafen Krolock, hatte den Golem darob mit talmudischer Kunst in das Glas des Spiegels hineingebannt, welcher alsbald für den Augenschein blind wurde – allein es war bloß der Augenschein!, und dieser trügt bekanntlich gern und oft.

          Weil der Rebbe Elimelech, der sich auf die schwarze Kunst wohl verstand, besonders wenn sie heilsamb war, den Golem jedoch nicht eingesperrt, sondern bloß gebannt hatte, drohte desob seitdem die Gefahr, dass jemand (und sei’s ein Spektiv!) ihn erkannte. Wer jedoch einen gebannten Golem erkennt, der befreit ihn aus seinem Banne, das weiß jedes Kind!, und also bebte Graf Krolock angesichts des kommenden Verhängnisses nun inmitten seines Holzes und seiner Graustufenpixel, denn was, wenn der Golem jetzt aus dem Rahmen stiege, um in die Karpathen zurückzukehren und dorten hinwiederumb zu wüthen, zu trampeln, zu spuken und wüste, unerhörte Flüche in die Winde der Nacht zu rufen?

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        • (Bei ein Uhr ist der Kopf!, ein sehr runder Kopf mit zwei Schlitzaugen, Strichnase und grimmem Munde, die Schultern sind deutlich zu sehen, unten bei fünf und sechs Uhr die Waden und die Füße, greuliche Entenfüße, denn der Golem sitzt ja gebannt wenngleich recht behaglich im Spiegeloval, zwar ergrimmt dreinschauend, aber so schauen nun mal alle Golems drein.)

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        • Hmmm…
          Ich sehe einen ziemlich niedlichen chinesischen Drachenhund auf dem Rahmen:

          aber den Golem finde ich nicht 😦

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        • … also bei zwölf Uhr ist ein heller Fleck. Rechts davon ist der Kopf, er ist sehr rund, und man sieht des G’sicht von vorn. Da sind waagerechte Striche im Dunkeln rechts vom hellen Fleck auf zwölf Uhr, ja?, und wenn Du die ansiehst, erkennst Du plötzlich den Kopf und das Gesicht, und plötzlich sitzt der Gojlem da in voller Grimmpracht. Sogar der linke Arm mit Pranke ist da, ganz deutlich, er liegt über seinem Knie.

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        • *macht sich auf Golemsuche*

          Der hier?

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        • Ja!, Applaus!, das ist der Kopf, und die Waden mit Entenfüßen sind dann unten.
          Ich sehse 🙂

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        • Aber war nicht der Graf seinem Herkommen, also dem seiner zu ahneneden ahnenden Ahnen nach, eigentlich ein geborener Comte de Crauloque gewesen? Und musste im Karpäthischen Exilum darben, im dortigen Hauptsitz der dortigen Hintersassen und Sitzenschaften…? Liegenschaft auch, aber nur eine kleine, für wenn er mal des Darbens überdrüssig…?

          Ach…! wieviel wir doch nicht wissen!

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        • Und ein Golem… trambelt der denn Karpäthische Thier und Mentschen zuschrecke? Ich hätte den für schlicht von Gemüt, stark, schützend und helfend gedacht? So dass also die Kerpäthischen, die man nicht mit dem Kerpener verwechseln soll, entweder durchböst und pogromatisch gewesen sein müssten, oder der Golem irgendwie grob missglocken und daher dann wirklich des Bannes nur allzuwerth gewesen…?

          Noch was, was man nicht weiß…!

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        • Und wenn es nun gelungen iwäre,
          den Gebannten,
          dreyfach nun Erkannten,
          aus dem Banne zu erlösen,
          falls der nicht siebenfach gewesen,

          und er zu Schrecke trambeln nun einmal muss, seiner Miss Glockenheit wegen: könnte ich da Bedarf anmelden, indem ich Leute wüßte, denen das Getrambeltwerden überhaupt mal Gelegenheit zum Werden böte?

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        • Das i ist ibrig, das ist wegen ohne Brille geschriem.

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        • Ich lasse es trotzdem da, mitgelesen klingt es garnicht schlecht 🙂

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  2. … aaaah, deswegen: Spiegel-Leger wischen mehr!

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    • LOL 😀

      Also ich find‘, das ist die Bildunterschrift kat’exochen (grch., also schlechthin). Meine Geschichte ist ja bloß eine Geschichte und keine Bildunterschrift, weil niemand im Museum jemals ellenlanges Zeug liest, sondern der will wissen, was zum Geier auf dem Bild drauf ist, also muss da stehen „Drei Geier im Wohnzimmer“, „Schlachtschiff auf dem Bodensee“, „Dahinter stottert immer ein klobiger Schmock“, oder eben „Spiegel-Leger wischen mehr“.

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  3. Ich kann mich nicht entscheiden, Ihr habt alle so gut geschrieben 😦
    Schreibe heute Abend noch mal was dazu 🙂

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